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Full text of "Medizin, Aberglaube und Geschlechtsleben in der Türkei. Mit Berücksichtigung der moslemischen Nachbarländer und der ehemaligen Vesallenstaaten. Eigene Ermittelungen und gesammelte Berichte"

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Medizin, Aber^iaubt» 

und GesdiU'ditsleben 

in der Türke! 

Von H«'mh.inl Stern 



Im Verlage von HERMANN BARSDORF in BERLIN W 30 erschien 

Der Marquis de Sade und seine Zeit 

EIN BEITRAG ZUR KULTUR- UND SITTEN-GESCHICHTE 
DES 18. JAHRHUNDERTS MIT BESONDERER BEZIEHUNG 
AUF DIE LEHRE VON DER PSYCHOPATHIA SEXUAUS 

Von Dr. EUGEN DÜHREN 

7. Auflage. 544 Seiten. 1920. Elegant broschiert M. 15.—. Gebunden M. 19.—. 

Verkarzte Inhaltsangabe: I. Das Zeitalter des Marquis de Sade: Allgemeiner 
Charakter des 18. Jahrhunderts. (Egoismus und Geschlechtslust Hauptcharaktere.). — Das Königtum 
im 18. Jahrhundert. (Unsittlichkeit des Hofes, Mirschpark usw.) — Adel und Geistlichkeit (Unsittliche 
keit des Klerus. Die Nonnenklöster usw.). — Die Frau im lajahrhundeit (Hysterie, Schamlosigkeit, 
Liebe, Prostitution vornehmer Frauen, ihre Grausamkeit usw.). — Die Literatur im 18. Jahrhundert 
(Beschreibung der vornehmsten erotischen Bücher). — Die Kunst (Theaterwut, Opernsängerinnen, 
obszöne Lieder usw.). — Die Mode (Nuditäten der Mode, Promenade halbnackter Frauen, cul de 
Paris usw. — Geschlechtsleben und Prostitution. Aphi^odisiaca, Kosmetica, Abortiv- und Geheim- 
mittel, die Onanie, die Tribadie, die Päderastie, Aderlaß und Flagellation, die Gastronomie, der 
Alkoholismus, der Giftmord, Diebstahl und Räuberwesen, Hinrichtungen, historische Persönlichkeiten 
in Sades Werken. — IL Das Leben des Marquis de S a d e : Heirat und Ehe, Beginn der 
sexuellen Ausschweifungen usw. — Das Qefängnisleben des Mannes: 1. Affäre Keller. 2 Kantha- 
ridenbonbons-Orgie zu Marseille. 3. Flucht mit der Schwägerin nach Italien. 4. Die Einkerkerung. 
111. Die Werke des Marquis de Sade: Ausführliche Analyse der Justine, der Juliette, der 
Philosophie im Boudoir usw. — Charakter seiner Werke, seine Philosophie. — IV. Theorie und 
Geschichte des Sadismus: Wollust und Grausamkeit — Sorgfalt im Arrangement obszöner 
Gruppen — Definition des Sadismus — Geschichte des Sadismus — Sadistische Sittlichkeitsver- 
brechen usw. usw. 

BEITRÄGE ZUR INDISCHEN EROTIK 

DAS LIEBESLEBEN DES SANSKRITVOLKES 

nach den Quellen dargestellt von Prof. Dr. RICHARD SCHMIDT. 
Zweite, durchgesehene Auflage. Lex.-8°. 692 Seiten. 
Elegant broschiert M. 36. — . Originalband M. 40. — . 

INHALT: Die erotische Literatur im Sanskrit. Die Stellung der Liebe im trivarga 
und ihre Definition. Der Liebhaber. Die Liebhaberin. Die Lehre vom Coitus. Die 
tithis und candrakalas. Die Liebkosungen. Nägelmale. Zahnmale. Haarzausen. 
Schläge und Schreie. Freien und Heiraten. Die verheiratete Frau. Verkehr mit 
den Frauen anderer. Die Hetären. Die Geheimlehre auf erotisch - sexuellem 

Gebiet usw. usw. 

Die „Beiträge zur indischen Erotik" sind der erste Versuch, alles zusammenzustellen, 

was in den bisher bekanntgewordenen Sanskritwerken über die Liebe gesagt wird. 

Es ergänzt das „Kämasütram". 



Zur gefl. Beachtung: Diesem Werke muß mein ausffihrllches Verlags- 
verzelchnls beiliegen, bei evtl. Fehlen wolle man es direkt vom Verlage 
gratis und franko verlangen. Jede bessere Buchhandlung vermittelt den Bezug der 
darin angezeigten Werke. HERMANN BARSDORF VERLAG in BERUN W 30, 

Barbarossastraße 21, II. 



nicdizin. >Ibcr(;l2ube 

nniJ 

(icscbUcMsIcbcn in der Cürkei. 



Ficvnr crmiutluA0io irad ttwmmtHt Sarteblt 



♦ ^ 



I 




HP 



Inhalt des Tierten Ms sechsten TeOes. 

SMtte 

Vierter Teil s—iaa 

25. läebc und Licbegzaaber 8— 13 

26. Di(> Ehe im Islam: Der Koran und die Polygamie . . 14 — 22 

27. Die Frauen des Profeten Mohammed ....... 28— 28 

28. PÜichteü und Rechte der moslemischen Eheleate . . 29 — S'ö 

29. Der Korau über Ehescheidung und Witwen .... 40 — 46 

30. Ehebruch 47—65 

•Sl. Sultauische Heiraten und Hochzeiten 56 — 78 

32. Woibermacht am Sultanshofe 74 — 99 

83. Hoch/eitsbräuche der Völker in der Türkei . . , , 100 — 123 

84. Best'haffenheit der Braut und des Bräutigams . . . 124 — 132 

Fünfter Teil 185-253 

85. Sexuelles Lexikon 185—142 

SG. Menstruation .............. 143 — 151 

37« Schamgefühl und Keuschheit 152—165 

38. Lasterhaftigkeit 166—179 

39. Oeffentliche Prostitution 180— 1?»1 

40. Das Vorgehen bei der GcHchlechtsfnnktion . . . , 192—201 

41. Die Arten der fteschlechtsfunktiou ..... 202 — 209 

42. Päderastie und Sodomie ,....,..,., 210 — 221 

43. Eunuchen und Perversitäten 222—234 

44. Onanie und künstliche Instrumente ....... 285-242 

45. Geschlechtskrankheiten 243 — 247 

46. Impotenz 248 — 258 

Sechster Teil . . . 26i -376 

47. Fruchtbarkeit und Dcfruchtbarkeit 261—268 

48. Abortus 269—275 

49. Hebammen 276—281 

50. Gebräuche in der Schwangerschaft 282— 29C» 

.11. Die Niederkunft 291—309 

f>2. Die Wöchnerin .310 — 818 

53. Muttermilch und Ammen 319 — .S29 

54. Due Kind , 330—840 

55. Knaben und Mädchen ........ ... 341—351 

56. Missgeburten und Namensgebung 352—360 

57. Besfhneidang ,....,..,. 361—876 



Vierter Tel!. 



25. Liebe und Liebeszauber. — 26. Die Ehe im Islam: Der 
Koran und die Polygamie. — 27. Die Frauen des Propheten 
Mohammed. — 28. Pflichten und Rechte der moslemischen 
Eheleute. — 29. ^bp Koran über Ehescheidung und WHwen. — 
30. Ehebnich. - - 31. SuUanische Heiraten, und Hochzeiten. — 
32. Weibermacht am Sultanshofe, — 33. Hochzeitabräuche 
der Völker In der Türkei. — 34. Beschaffenheit der 
ßraui und des Bräutigams. 



Stern, Medizin, Aberg:l&abe u. Q^achleohtsleben in der Türkei. JÜL 1 



25. Liehe und Liebeszauber. 



LiebestTänko. - Bei den Römern. — In Frankreicli. — Tni heirtigea Orient. — 
Südsiavisfhes Kohlenorakel. — Bosnischas Liebessmittel. — Ein serbisches 
Heiliriittel ge^ea Liebesr<aubör. — Rumaaische Gebräuche und Orakel. — 
Liebesmii,tel iui Kaniasutram der Inder. — iiegriif der Liebe im Orient. — 
Ein bosuiacbes Liebesduett. — Pereieche Sitten. — Aus der osniauischen 
G-e?chicbte. — T\)doi3tra,fe fUr heimliche Liebe. — Dsr Zauber buschiger 
Aisgenbrauen. — Der Liebespbj'siolog Omer Haleby über Lieboszauber. — 
Aberglaube in der Liebe und iler Ehe. — Marokkaaisches. — Syrisches. — 
-BosuiBches. — Ru!Qän.ißc'aeö. 

Liebostränke sind zu allen Zeiten gebräuchlicli g-o^vcsoi;! 
Ovid schrieb ihnen die Kraft za : Personen beiderlei Geschlechts, 
die sich früher ganz gleichgültig, in einander verliebt zu machen. 
Oft waren die Mittel, die man zu solchen Liebosträük'jn nahm, 
abergläubische und unschädliche, in anderen Fällen bestanden 
die Tranke aus giftigen Stoffen, die entweder gerade aufs Ge- 
schlechtsleben reizend wirkten, sogeuannte Aphrodisiaca, oder 
die Person, namentlich weiblichen Geschlechts, durch Betäubung 
in tiefen Schlaf versetzten, wie Strammonium, Hyoscyamus, 
Belladonna, so dass dann der Wüstling leichtes Spiel hatte, 
eeinen Lüsten zu fröhnen. 

Die Alten brauten solche Liebestränke, um dem Gegen- 
stände ihrer Anbetung Gegenliebe — wie Pockengift — einzu- 
impfen. Der Italiener Porta erzählt Wunderdinge von der Wir- 
kung des Hippomanes, einer schwarzen Haut, die — von der 
Grösse einer getrockneten Feige — auf der Stirn neugeborener 
Füllen wuchs, von den Griechen zu Palver verbrannt und 
mit dem Blute des Liebenden als Phütrum gebraucht wurde, 

1* 



_ 4 — 

Aach die Römer wnssten dergleichen Liebestränke zu bereiten. 
LacvJlus soll durch eiren solchen den Verstand und zuletzt das 
Leben eingebusst haben. Gleiches üng-lück hatte auch der 
Dichter Lucretius, der sich im liiebeswahn das Leben nabm. 
Apiilejus soll das Herz der reichen Pudentllla durch ein Phil- 
trnm gewonnen haben, das aus Spargel, Krebsschwänzen, Fiscli- 
laich, Tauben blut und der Zunge des fabelhaften Vogels Jsop 
zusammengesetzt war. In Frankreich existierte der Aberglaube, 
man köuiito sich geliebt machen, wenn man auf seinem Herzen 
den Kopf eines Hühnergeiers trüge, oder wenn man dem ge- 
liebten Gegenstande das letzte Haar eines Fuchsschwanzes zu 
verschlucken gäbe. Marx führt ferner als Ingredienzien zu 
Liebestränken früherer Zeiten an: Lorbeerzweige, das Gehirn 
eines Sperlings, die Knochen von der linken Seite einer von 
Ameisen fiügefressenen Kröte, das Blut und Herz von Tauben, 
die Testikel des Esels, Pferdes, Hahns und ganz besonders 
Mensti-ualbiut. "^'on Jotztereiu als Liebeszauberraittel ist noch 
später sowohl in diesem Abschnitt, als auch im Kapitel über die 
Menstruation ^'.c Rede. 

Im heutigen Orient ist der Glaube an I/lebeszauber soAVohl 
bei den Müslems als bei den Christen und Juden, bei Hoch und 
Niedrig, allgemein. 

Ein südslavischer Bauer — namens Nowak Opalitsch mit 
dem Spitznamen Schuranjak, wohnhaft in Zabrgje — gebrauchte 
nach Mitteilungen von Friedrich S. Krauss füi- ,, Liebessachen " 
folgendes Kohlenorakel: Er warf zwei Kohlen stücke ins Wasser, 
das eine für den Burschen, das andere für das Mädchen. Ist 
es vom Schicksal bestimmt, dass aus dem Burschen und dem 
Mädchen ein Paar werde, so vermengen sich die beiden Kohlen- 
stücke gleich. Trifft es sich, dass das Mädchen den Burschen 
haben möchte, er sie aber nicht, oder umgekehrt, so jagt eine 
Kohle der anderen nach und kann sie nicht erreichen. 

Um die Gegenliebe eines spröden Wesens zu gewinnen, 
blicken bosnische Abergläubische durch Zauberringe auf den ge- 
liebten Gegenstand, der dann sofort in heisser Liebe für die ihn 
80 betrachtende Person enlbronnen muss. Ein solcher Ring — 
erzählt eine moslemische Sage — war Ursache, dass ein junger 
Türke in Dervent zum Vatermörder wurde. Eine Schöne wollte 



den Sohn erobern und schaute durch ihren Zauberriug auf den 
<jcliebtei!; dalid streifte ein Blick auch den Vatei\ und nun 
entbrannten Vater und Sohn gie ichzeitig- in wilder Leidenschaft 
zu demseli)on Mädchen, so dass der eifersüchtige Jünj^ling den 
Vater tötete. 

Ein serbisch ej? Heilmittel gegen Liebes.zaul'er und Liebcs- 
mittei ist ein von den Serben. Montenegrinern und Herz eg-owinern 
Eaztauak Iraza, von den Südslaven im Allgemeineu Samdokas 
genanntes Kraut. Najh einer ilitteilang von Leist ist dieses 
Kraut nichts Anderes als das Doldengewächs Liguisticum offi- 
einale, welches früher auch in Deutschland zu abergläubischen 
Zwecken in Bezug anf Erwecken oder Abwehr von Liebe be- 
nutzt worden sein n^ag, wie die deutsche Benennung Lieb- 
stöckl anzeigt, in Europa wird die Wui-zel des Liebstöckl 
noch heute bei Krankheiten der Haustiere als Heilmittel ver- 
wendet. Die Pflanze ist im mittleren Eu]"0]ii(, selten, in den 
wärmeren Gebirgsgogeiiden der europäischen Tüi'kei aber häufig 
anzutreten. Sie heissi bei den Türken: amus; bei den Arabern: 
kemun meluki; bei den Persem: nancha; bei den Indern: 
dschoanni. 

Das lumänjsche Bauernmäuchcn kennt 5 wie Flachs nach 
rumänischen Autoren erzählt, folgende iCitelchen, um die Liebe 
eines bestimmten Mannes sich zazuwetiuen, sei es seibst_. da's? 
er einem anderen Mädchen oder einer Frau abspenstig gemacht 
worden soll: die Jungfrau wickelt eine meti-iHumspoTinene Gelgan- 
saite, also die G-Saite der Violine, um ihren Finger zu einem 
Knäuel zusanüaen. Da die S^dte die Macht besitzt, des härtesten 
Mannes Herz za erweichen, so eiebt sie orlenbar mit dem 
Merischenhexzen in irgend einer mystischen Beziehung. Der 
Kiiäuei wird sodann am Saame des Unterkleides eingenäht.. Im 
Lar.fe dieses selben Tages muss die Difne dreiina] zu verschie- 
denen Tageszeiten je dreimal folgendes Sprüchlein hersagen 
,,C'0 wie die S^ilce sich um meinen l^higer gedreht, so möge sein 
Sinnen und Trachten um mich yicb drehen!" — Die Dirne 
knetet ans V7achs ein Mannesfigürcheii. stellt eis zum lodernden 
Feuer ^md spricht dabei: „So wie dieses Püppchen am Feuer 
«ich erweicht, so soll das Her:^ tiieines Liebsten fär mich weich 
wcrdeur* — Aelt^ren heiratsfiisiigen Mädchen wird von hilfs- 
bereiien 2igeTinerifi.nen folgendes Verfahren empfohlen: die Maid 



begebe sich in eine Sennhütte, Ijöte sitb aber, die HuTifle, wClcbe 
die Hütfo bewachen, zu reiz\?n. Aus dem Ylebtro^e der Sonnevei 
nehme sie ein Kitimpchtn Salz nna gebe ilahilt wieder nach 
Hausp. Am daraaffoljyenrfcn Töge sa!ze sie «l.nnjit geböiig- ihre 
Speisen, Dazu gebe siö noch ein j;liiikbrmirr.iK'e=^ Gewürz cficr 
Gewächs — Kßeblauch, Basdlienlvraut, Immergrün, ein Fichten- 
odei' ErJcnzweiglein. Nach eingcnoninn ncr M^Mzoit ?oll sit* den 
gai«en Tafr über in der Sonne blbiUin, wol>oJ 'icr Dnrst nirbt 
gebtillr werden darf. Während der iiächstcn Nacht wird ihr 
dann ein vom ScLicksivl bestimniter ^irtnu im lYann» erscheinen, 
ihr Wasser reic]:cn und sie als* G'iJttin heimführen. Di^^scr 
TrauTu wird bald ar.ch zur Wirklichkeit werden. — Die ru- 
ifiänischoH Frauen kennen ferner viele ZauherMedor, (!<ren Kezi- 
tienii)^' unter Beobachtung vorjr»'Si-'hricbener Fornialiväton F.rfolg: 
in der Liebe bringt. Als BeispieJ diene nHchKoeherdor, von 
Flachs wortgetreu übersetzter LicbeRznubeTspTn-'h: ,,Aia Scntitafi: 
Morpon, als der Taor sich eibel^e, l)in ii.li auf^e.siTndei» und ha^HS 
nuch aufgemacht von ineincui Hause, von nicinem Ti&cbc anl den 
We» Auf dtn Steg bis zor groasea 8ira&^. Die liente, die 
mich sahen, saj2:ten: ])as M Margbiola, die Schöne., nicht Diejs» 
die iSehöiie, soiiiIciTi MurybiolA, die Lie.brei?he. die i\nn der ganzen 
Welt Erltu^enel Wie der Busnioc ün^eiJeseu ist von aJlrn Blumen, 
von allen Düften; wie der Pope nicht in die Kirche kann ohne 
Bustiloe rnd ohne Isopo — so mc^jen die Bnrßchen ohne mich 
nicht tanzen kv.'inen. A"'ic anderen Dimcn mögen ihnen neben 
rair wie KrJUien ftOnkefi, wie s-chniivzigt: iirähea, die man über 
den Zaun -wirft*'. Diesor Liebeszr^uborspruch inus3 über einer 
wa?5^ergeliillt m Srhüssel rezitiert Tvuiden, in welche vorher ein 
juit rotoD SoidcnfidchtTj nmvrickeltes Bnsuiockrüutlein , eine. 
Uiin'w ui.d oin Erlcnzwci;; gethan wurden. 

iMs Kämasutrar.) ilcr Inder sagt hv. Ahscbnltto übi;- „be- 
wud.^n; Praktik -rc'- .Dii.-eiii-;"; Frau, <Jir eivicr. "'•'/mn aaf einer 
Eohri'fdfe !d;is-:!' b.vt, ok bestrichoy ist )>»il caWinia cucnllatÄ, 
Costup .spec;(if<'i'?\ Tiihejna'^montona sx^roücria, Fiacojirtia cata- 
pbractii Pi'-h«: droocr^; iird A£:;n'a''.'.:5fh(i Jc.n<:,'it'ol;a, wird ihm untür- 
tban.** Im At..;(hnbto ^üt-.cr <'<!.>• F-z.^iibeiTi vlor Fruuen" wir<! noch 
eine Sflhc uL'fc liTvjvrn v«» - T il/crnaor'or.tar.a covonaria, eenannt. 
Cft.ndis ••.•rr,fV;(i.y f jii abiiVi,.) nnd rie.'r.iTfn-. •niaptiracin wirkt !)♦> 
7Jlfth^rnd. t:=rc ardfre ^alivo j.vt das Oc' h» -rfr-^tidit &\}? den 



Blättern von Boerhavia procnmbens, Sida cordifolia (rhombirolia), 
Ichiiocarpus fnitescens (odf.r Hemidesmus ijidicus), golbcm Ama- 
ranth und l>lauom Lotus; daraus Tverden auch Kränze bcrg'e- 
slollt. Wor ein Pulver (ins gctrockuetxin Neluuibinm s];eciosuii)., 
blauem Lotus und ^lesua üoxburghii mit HoDig und aui^gelassone: 
i'nttir g-enicsst, der wird reizend; ehei! diese, verbiiDdcii mil- 
den Blütterii von Taberr.nejnontaivi ooroua.na, Flacouraa cata- 
pbracta und XontC'Chyiüus pictorius g:e!joü oiiio SaiOH. — Man 
trage das Auge eines Pfauen oder einer Hj'äPL', iü.il Gold be- 
stticlieu. in der reeMon Hand: das wirkt bezaubernd. Ebenso 
trage man eine Brustbeerc und eine Muschel als Aouiel, weiche 
nach -den Regeln des Atharvaveda g-eweiht sind." 

Ferner heisst og im JKapitel über das Gewinnen (Schoiidtsche 
üebors^etzung- 4G7): ,, Vom Winde vt-rw eilte Blattei; Totonopt'er- 
übcrreste tind das Bosticuen mit dem Pi:l\'(?r von Pfauenknochen 
v/irkt bezaubernd. Das Pulver einer "von selbst gestorbenen 
K):ei3zicherin (Geicrweibchen), veruiÄchi niit Henig*, und ein 
3jtad TRit'Myrobahmonii'ächten wirkt geA"jif.»>iid. Euphorbia nerii- 
iolia und Euphorbia antiqüornra in Stücke zerschnitten, mit 
Puiver von rotem Arsenik nnd Schwefel versehen, siebenmal 
getrocknet und zu Pulver veiTieben und \-erniischt mit Affen- 
korh, ist — Wenn man damit ein Madchen bestreut — ein ]>littel, 
da.ss das Mädchen keinem Anderen gegeben werde. Die Frau, 
die man mit F*nlver von Euphorbia aütifiUürum-Dornen, veriniseht 
mit Boerhavia procuiubens, Att'eiikoth und der Wurzel von Me- 
thonica auporba best) out, liebt keinen Andeien." 

„Stückchen der Wurzel von Acorus caiamus, mit dem Oele 
vom Man!2:'>bi\ume bestrichen, berge man in einem Aste des 
Daibergi;i hissoo-Baumes, den. man ausgehöhlt hat; nach sechs 
Monaten herausgenöUimen, gibt das, wie man sagt, die bei den 
Göttern hochgeschätzte Salbe, die gewinnend wirkt. Ebenso 
nehmen düone Spähnchen von dem Harze der Acacia Catechu 
^an Geruch der Bhunen desjenigen Baumes an, in den man sie 
hineinlegt, nachdem man ihn ausgehöhlt hat; diei. gibt die bei 
den Gandharven beliebte Salbe, welche gewinnend wirkt, wie 
man sagt. Panicum italicum, mit Tabernaemontana coronaria 
vernsischt und mit Mangool bostrichon, geben — wenn sie sechs 
Monate lang in eineoi Mesua Roxburghü-ßaume gelegen haben, 



_ 8 — 

dp.u man aui<gehöhlt hat — die bei d^n Sclilangen-DSmoneu 
beliebte Salbe, die gt>vriiiiiend wirkt, wie man sagt. Ein Kanel- 
kuochcn, in eine Eidechse gestecko und vcrniitLeist-, eines 
^trihchons ous Kameli'nochen mit Antimou yersehen, gibt ein 
lioiüges Collj'riam, welches gewiniif^id wirkt, m?, man sa.sff.." 

Der edloTc Begriff der Liebe, wie ;r bei uds Jim Occident auf 
jrefasst wird, ciistiert weder bei den Südalayeri, nocii bei den 
Orientalen, ivarz nad drastisch spricht ein in Flehaae in Bos- 
nien gesimyenes Liebosdnett: , 

„0 Mädchen, roter Apfel, 

Der Soiuaier verstrich, 

Nicht erklomm ieh dich." — 

^Ach, mein Liebster, du mein Itiaspolstc; 

Der Scriimer verstrich. 

Nicht le?t' ich mich unter di(.ii.'- 

Auch die Liebe, v;elche die persischen Dichter in ihren 
Poesien besingen, hat entweder eip^en syinl>oiischen oder einen, 
höchst profancTi Sinn; auf das Wort ,,Ischk" — Liebe — fol-irt 
immer der Begriff „Was'l", die fleischliche Veriüischimg. 

In höhciti Grade aborgläubiscbj gibt die Perserin Tiel anf 
Zaubur, Hexerei, Glüekssieni^ besonders 1:1 Sachen der Liebe, 
und sie wendet alleriei Mittel und Amulcto von sonderbarstem 
Inhalt an, udi sich einen Mann zu verschaffen oder wenigstens 
die Frachibaikcit ihr.ir I-iivalinuen zu verhindern. Dr Poiak 
erzählt von einem berühmten Minaret in der Nähe vo;i Isphahan, 
zu '.vclciiem Mädchen und Witv^en, am einen Mann z\i bekommen, 
wallfahrten. Es führen zsvei Srafon hinan: ani' jede derselben 
wird eine Nus? gelegt, welche die Pilgeriii podico knacken mas's, 
während sie dabei eine bestimmte Strophe rezitiert. — Dsn 
liiebe- Zauberer zu spielen, ist hänSg gefähilicä. So wurde in 
der Türke! zur Zeit Achmed* RT aui: den Bericht de-s Statt- 
halter.s ^üd RaJvka: duis der unte/ dem Namen Ebubekr and 
dem Pcinamen ,.Seijab' . .,ö.er Roiseude", bekannte persische 
Scheich an.s AserbeidjjcJjan durch Künste der Zauberei daö Volk 
bethöre unl Weiber verführe — dcsäcn Hinrichtfing befohlen. 
Au3 'Icr Hegieriingsopccbe desselben rlprrschers berichtet unrs 
die Geschichte sogar oin.^n Fall, dass der bsoso (ledanko au 
Srweckuüg der Liebe mit Tod bestrafr. wurde, weil dieser Ge- 
danke eine Dame des Hultunischen Rareais heijoilich umschloss; 



der uügiück.selig-e Denker ^viir «ior Neffe Jcü mächtigen Gross- 
wesirs KopriM.j der Oberststiülmeister Klblolisixie Alibee:: weder 
S'Muo e.ig-enp- Stelluns-, noct. seinei» Oheims Scbuu konnten ihn 
retten. 

Hamni'jr crwälmt im IV. Bande seiner Geschichte (lieseii 
merkwürdigen Fall „einer- von oe'ji üfeiclisgeö'ihichtsclrrelber 
Raschid nach den sicherst.-^n EirzäLkviLrea aügegebeTioii. höchst 
zart, aber doch klar berühj-terj, und sonst nirgonds in osmimischen 
Geschiohteri vorkoiDinenden MajeätätsYer brechen s des eiitweihten 
kaif.erlichen Earoßis '. Die vStrafarizeige erfojjjfte j^eitons dos Kis- 
icii'aga. des obersten Eunuchen; weil „AJibep^* einer der iiexriunen, 
deren Leii> im Schat/:gen.acbe der Keuschheit aiubewahrt, heim- 
31ch anhäriH'iich." ä3so uidii erst die lliat, nicht das StoJldich- 
ein. sondern die ))k'sse AiDhaüi/üchkeit, das heiiuhcae Gefühl Oh- 
eine SuitaDin oder Sklaviu des kais^irüchow H;ii>.:ins ergcheint 
hier alt; Majestätsverbrecher) , das deru rlehier so unglücklicher 
Liebe den Martertod brachte. 

Die Herrschaüt Achmeds lii. zeichnete sich durch solche 
Vorfäiie aiitfallead aus. Denn Hammer berichiet n^'^ch v'on einem 
dritten derartigen Falle Der betraf einen reichen par.«ischeY.t 
Ancemer, ^ve"iche^ zw Konsiar.tinopel unter dem >rainoa „Gümi- 
s.:'hc!ndase", „SiFoenaass";, bekannt v,'ar. Die Aiiklagv lautete, 
da?;s er rv-it einem sittenlosen Weibe in ihres Miiiines Alswesen- 
heit g-esecht: in ihrem. Hanse ergriß'eii, T.nrde '?r vor das Oe- 
richi:; gest\iilt. Wiewohl das A'orürteil wider ihn, „weil die 
persischen Arinenier überhaupt gern Weibern tachhängen", so 
war :]-:>ch der Be^'ois Terf!animn'*.her Cnzucht nicht leicht ber- 
.•':'.?.t^:^llen: da hesef^-'ie ein Ho.iifon eifriger Mosleraa vor Gericht, 
..Ä^.SB dieser verfiijchto IJ'^^'läubig'o mit cieGi Bogen meiner dic]\ten 
j^na-enbrauen inuDer -wie mit de«; i^og-en des TenfeJs üsruh srif- 
geregt, den iiLOolewischer? J'raixvjn im Vorbeigehen Worte zugc- 
'f^crten habe," weshalb er dent; zum Sn-aiige vic:>nirieili; und v.nr 
dem Wesirchan, mitten fni persifch-armcaischen Viertel^ Uif- 
^rehLngt ■v^'iird. 

Der Ut7Ao (ixuvA der Eirurichtnng- ist ein ^cilgilltigr^r nach 
dem Oesetzo des iR'an}«: aber selbst dieses liefert keinen zmn 
Todes-irtoile ob vediebten Tenipcrainentös und erobeniogs-süeh" 
tig-er Bewegiichkeit buseh'jrcr, hoher Augenbrauen . . . 



— 10 — 

Obwohl also I.iebesz.inherai in der Türl^yi lct'itios'»vcc"s sre- 
f&hrlos ist, gieht der iiirkiscl»^' Ijicbesfvbyslojf'ir Onier llaleby 
za!i]roich<j c-olfhrr Xaiibci-njittcf an um» '.'jupfir-hif. bosopders <.^io 
„BlutbeschWi'iiiu!:.'":. ,."\\'ciii\ ein j\IanL- eino Fn-.n ro=i!CVi;ö 
n.vL'Cüte'' — fhiü' a]lor Kntlzw^ck <:"cf..,Lit'''b«^'' i-^. bei doTJ Orien- 
talen, '.t'"o -ox^'L'-t, tle.r piTrip^e ^\)n'.ls ^und wenn die Frau 
ihri! wi«!<,TStcht, so k'yc- er -illf'. sein^t Wtir.'Sicho ii'-id ?ji\'iien truv.zou 
Wiilrn in seine Ani^^ja. Wcun er (\ür.v, '3<>. a.e]ie.!.>te Frau erblickt, 
so tixit'ie er ihre Aus.'e?i sdiari cnd ii^& tl&boi auf seinen iinkiMi 
.Arm üvrdk'-eniit.-n .Druck au$, in)! seJjs Blut \n Eewo?:;niig' zu 
bricu:en; v,iu\ wciui die Qüi.iel.He Frau fo nahe :'si, dass feie ihn 
/u f!ör<^P »'ermajr. spreche er; ,.?>• ^!o!j' keinen (Joit nu«.ser evolt! 
Vm) cb',:Tiso siolun- ist c.*. 'Jass rnciTi Bhii" eJier \< r^ioiren H'ird, 
«Js däss meine Ketfieni<', dich 7*11 Ijesii'/en, ersiiekt werile?] kajin!'* 
Oie.sas >^eicheTi ties hit'.ltesx%iileiis ^tui-:^ die Ftn^iüdn^iir »ler Frart 
dcJTcjri'ir '.'»GPdiJisi'yT). dass ihre l'ijautasic <^r:: «i-cschiek'iev Advokat 
<!ef^ .V'?rlie>)ten wiM viiid für dos'eiT ^'.yelie .sofoit piajd'-ei-i. jtx 
d>Ti '.>V}.-aijou der Prnu entsteiit tüiis i^olcho hritatioTi; dass die 
^inulirhkrlt üerriii iihor ibron Lnib wird. Fnd da unter den 
OfriJoien der Fi-nu diu (^eltärniulter dLUi ii]:pj-ossicr.ahelste und 
uH-gejÜL^o iisi, v-clr'ho.v die mei>te M;i»'ht vioer das Gehirn hat, 
?'' re.suitiert dsmü!^, fJas^ (ii,^ Erree;un.u der Gebännütter die Frau 
/ui.i Aufgeht :i( il're.s Widorplacdcis zv.in^ und die irelie.bte Per- 
son in die Ann-; des Vc^riiebtcii treibt. Hüft das Mittel bein 
•:rsien \Jii<e nioht. so wicderiiole w:,m es ein zweites, selbst ein 
dri't^ Mab .Au.^j fende i.'ian der Oeli.ebtou rot? Rosen, auf 
v,vi'-!u: r.ii'j; dr dnia] naebciHaTuler nir i,^anzer Willenskr^^ft seine 
^Un.s.^'J•' o;c>)Ja:-ir'n hat. Kunnt itir der Frau näherkommen, so 
becH.e.Tissei sie Vioch mehr mit euoreu Tiücken, fascinieret sie 
fflnnlich nml bet'r-hl: ihr, euch zu liehen und euch anzugehören. 
\vrp.u ihr *ie nii>h) so nahe seiien könnt oder nicht in die Lag-e 
konimr, z» ihr zu s|.r.-(>]i,^ü und viell'Meht mit dem Zeigefinger 
ihre Stirn /u i)ei 'ihi-en, ?:1 reitet an ihrem Fenster vorbei, 
tuminelt Irtilm «Micr Rr.ji? oder stehet stundenlang Tör ihrem 
ilacs'.' urd ij\i!Tt. es niiunterbrochec. Auch Musik und Gesang 
vlnd ü'.iuhtiire .Mittel. iLitelicktuellen Liebeszauljers." 

IMe i^j/uobeiiiD.v. die .iun-h den .Bück nnsg-eübt wird, heisst: 
.■\:.iMuh; (li^ ^nite Sii;;;^q,..stiori : Alihaiu; die böse Su^xuestion: Rörr. 
K!;: Zweier der Asin3>ib ist die Schelueeh f.der Fascin<ition. ^o- 



— 11 *- 

bald nämlich dtr Zauber den BKck<^s zu wirken l).»gonnen hat 
aud ihr der bezauberten Person iiahe .seid, legt die Hand auf 
ihr Haupt und befehlet Ihr energisch, aber mit süsser Stimme 
and sanft das. was sie naoh cu4)*::i!L V/uiiscLo timn soll. Ist 
sie inmitten einer Menge, saget ihr: Folge iiiirl . . . Diese Fas- 
cinatiöii wirkt ebensowohl bei der Frau, die man be^itzeu 

ißüchte, wie bei einem Tiere, das man zähmen will." 

Ich füge hieran gleich Gebränche und Aberglauben, welche 
das Schicksal in der Ehe und die Ijebe und lYeue des Gatten 
odet der Gattin betveiieu. 

In Marokko beräuchert man Fledermausbül^'e mit dem 
Harze von dor Wurzel einer Urabelliforc. Wenn die Frau dieses 
VKtte! in die Kleidör des ungetreuen Ehoniannes legt, so ist sie 
sicher, seine Liebü wieder?:ug-ewinüen In Syrien bestehen, wie 
der Syrer Eijub Äbola eiaählt, folgende Gebräuche: die Zahl der 
die Aussteuer bildenden Gegenstände darf nicht gerade sein; 
ist sie nämlich gerade, so läuft die B'rau Gefahr, mehr ala einen 
Mann zu heiraten, indem sie ihren ersten Manu durch seijicn 
Tod verliert oder von Ihrem ersten Mann Verstössen wird. Wenn 
die Frau Gegenstände, die zu ihrer Aussteuer gehören, verkehrt 
hiiisteilt öder hinlegt, so muss äiQH ilirem Ma,nne leibHchen Schadi n 
zufügen. Wenn sie aus Versehen die Schuhe einer anderen Frau 
unzioht, so wird de ihren Gatten bald dui'ch den Tod verlieren. 
Eine Freu dart die ßlnmen aas ihrem Haar keiner anderen Frau 
geben; die nimmt mit diai Biunien auch die Liebe, ihres Mannes 
fort Die <:'hristin in Syrien glaubt, dass ihr Mann sie nicht 
liebe, wenn er vor St>mienattfgang erwacht, aufsteht und iias 
Haus vetiässt. DiKi Mohammedanerin wiitt traurig, wenn das 
Meer im Augeubiiek, da sie bau^^t, zu steigen anfängt: dies ist 
för sie ein Zischen, das» ihr Mann sich von ihr abwende. TJm 
den UB getreuen Gatten wieder zu fesseln, müssen sowohl Christin 
als Mohommedüneri«, falls sie ganz sicher gehen wollen, dieses 
Mittel anwenden : die betrogene Frau gibt von ihrem Urin dem 
unbesi&ndigen Manu heimlich etwas in sem Getränk. Da- 
durch wird er wieder in sie verliebt. Die gleiche Wirksamkeit, 
welche Frauen dem Urin zuschreiben, erhoffen junge Mädchou 
durch eini.^e Tropfen ihres Monatsiiusses, wenn sie bei einem 
hcfetimuiton Manu Liobc erwecken wollen. D« Ictzterwähnie 



>_ 12 — 

Abcrg-laube ist nicht blos im Orient, sondern auch in Mitteleuropa 
bekannt. Wcdu in Syrien uic:jekt;hrt ein Mann die Li':ibe seiner 
Frau erhohon oder üire Untreue verhindern v/ill, njusb er sidi 
dipNäcrel schneiden, dasAug-esciinittcn'':' vor])rcnneu nnd die Asche 
heimlich der Frau in einem Getränke oder in einer Sj[«ei;?e 
geben. 

Wird in Bosnien ein Mann seiner Gattin untren, so begiebt 
sich die i>ctrcgene zur v/eiscn Fnra des Ortes, Die holt einen 
Frosch, legt ihn in eine kupferne Pfanne '^pA rostet das Tier 
langsam über olfenein Kohlcnfener. Aus den\ Sühmerzerfnllten 
GeqOüko de^" gema? Lerten Tieres errät die Her/enshoilerin das 
AJutcI, weiches der betroffenen Gatiin wieder die Liebe üu-es 
Gatten verschallt 

Y,Til das rarnünischo Mädchen in Erfahinng bringen, ob ihr 
künftiger Gat'o reich oder ;ii)u ac^ln wird, so zählt .^io — wie 
Flachs nach rumi^ni><:.heü Quellen berichtet — aiu St. Vasil 
Tage, dessen X^iinonstag' aui; den l. Jannar fällt, an einem Zaun 
'li'j Pfähle, au belieLu^er ötelie anfangend, Yon rüclavärts der- 
art ßb, dass sie mit zehn beginm, und mit eins aufhört. Ist der 
so ais Ictztor ^'■efundene Pilook berindet, so wird üir "Jann reich 
sein; ist der Pflock aber kahl, i-:- ht ihr in der Ehe Arniui be- 
schicdcn. Ob fhre Ehe eine glückiicho sein wird, kanii sich die 
rumänische Banermiime selbst vor]ier/i;agen: man iässt e^in m)t 
Wasser gefülltes Gefdss, m ^rexucs ein v^'-ohMechendes Is>äut- 
Icin. ein Aestchen vom AuUdbauni und eine Siib;;rniiinze gelegt 
NToruen. die XeuJÄlirsnurht hindurch stehen. Erscheint dem 
AIüdch.":n Im ria:nue ihr künitiger lien und Gebieter mit 
..Gi-iinem'*, also T^flaazcu, Bjatiern, ^o ist dies von guter Vor- 
brdoutung; triiümt sie dabei auch ^;on Büffeln oder iih^.r bloi« 
von BiiüelD, Sö \\i\\[ die- ^o)l.^e 'jio> Glückes ihren Hausstand 
j:icht bescheiner.. 

Wie i;s ^hr endlich im allgemeiren in vier künftigen i5he 
ergehen wirü, das erfiih;i- nie ruwan'.scbe Braut in fr-k^eouev 
Weise: eine uef i\ undo*-;; .Frau, von {ler es bekannt Ifit, dass sie 
eine ,,gute-\ gliickbrliigende Ham' hat, befragt die ZükuniX Sie 
zieht sich m ein l\.au:nierlc»:i] ?.urvic.k und stellt vier Schü:-sßicho;i 
auf den Tisch. \n das eine Schüsseicii ii legt, sie eine Schweins- 
l".T;:te, in das z^-oi;o Bi(un<n, in d:is drii.te einige jener Goid- 
füdep, die einen Teil des Kopfschmuckes der Braut ausmachen, 



~ 13 — 

JD das vierte endlich Brot. Hierauf werden die Schüsselcheri 
mit Tüchern bedeckt Das neugierige Mädchen tritt «'in und 
solj wählen. Sie hebt ein Tuch auf und weiss auch schon, \voraii 
sie ist. hat sie das Schtissclchen mit der Schweinsborste gewählt 
so ist triftiger Grund zur Traurigkeit vorhanden, denn das be- 
deutet, ihr Mann werde alt nnd die Ehe unglücklich sem; 
Blumen bedeuten wecigc, aber glückliche Tage: die Goldfäden: 
dass es ihr wohl an nichts fehlen, die Weit sie sogar glücklich 
wähnen werde, dennoch werde ihr Herz von Bitternissen genährt 
sein; das Brot bedeutet: ungetrübtes Glück in der Elie. 



\ 



26. Die Ehe im Islam: Der Koran und 
die Polygamie. 

Die Bibel über die Heiligfkeit der Ehe. — Indische Auff^ssurg. — Moham- 
irods Ansicht von dem Zwecke der Ehe. — (tott und Familie. — Der ledige 
Stacd n&cb Meinung der Rumänen. — Moses über Vielweiberei. — Jüdische 
Polygamie in der Gegenwart. — Die moslemische Polygamie. — Der Ein- 
flu«s der Vielweiberei im Osmancnreiche. — Der Türke Omer Haleby legt 
für die Polygamie eine Lanze ein. *— Die Vielweiberei der lieidnischen 
Araber. — Der Koran. — Verbotene Ehen. ~ Ansnahraegosetze für den 
Propheten. — Die Ehen in Persion. — Miets-Ehen. 

Prophet Hesekiol XVI 1 charakterisiert die Heiligkeit der 
Ehe, da er Jerusalem seiiio untreue vorhält und es symbolisch 
mit einem buhlerischen Weihe vergleicht Es wird geschildert, 
■vrie Jehova voriiberkam an diesem Weibe, das er von Geburt 
au gehegt und gepflegt., durch seine Güte gross gemacht und 
zum hücbsten Reize gebracht, und wie ca sich befand, dass die 
Zeit der Liebe für dieses Weib gekommen war: „. . . da brei- 
tete ich meine Decke über dich und bedeckte deine Blosse und 
verband mich dir mit einem Eide und ging ein Bündnis mit dir 
ein — das ist der Spruch des Herrn Jehova. Und du wurdest 
mein. Aber du pochtest auf deine Schönheit und hurtest infolge 
deines Rufes und gössest deine Hurerei auf alle Vorüber- 
gehenden ..." 

Schön wie das Alte Testament — es sei nur noch an das 
Hohe Lied erinnert — schildern auch altindische Religions- 
schrifu^telier Liebe und Ehe. So heisst es bei Bhartrihari: 
„In dieser Welt hat die Liebe deu Zweck, zwei Herzen in einem 
einzigen Gedanken zu einigen. Wenn die Gefühle nicht tief 
sind, so ist es wie die Vereinigung zweier Leichen. Die Ehe 
ohne Liebe ist ein Körper ohne Seele, sagt Tiruvalluver, der 



— lö — • 

göttliche Paria." Bei den Moslc-ins aber ist das Sluaiicho der 
Hauptzweck: eines TfVes frag-te Ali, der Sciiwiefrersoim Mo- 
hammeds, den Prophetiüi über Heirat und Cüitus. Dor Prophet 
erwiderte: ,.Der Coitus ist eine der Ursachen der Srhaltucg 
unserer Gesijjidheit. Jeder unter euch, der fähig ist zur Ver- 
mischung', soll sich verheiraten; die Elie mässigt die bösen Be- 
gierden und leitet ab vom Wege, der zur Blutschande und zum 
Ehebruch tübil.*" Dia Heiligkeit der J'amilie steht tief imter 
der Frömmigkeit. Der Koran befiehlt IX 24: ..Sprich, so euere 
Vlitüii und euere Söhne und euere Brüder und euere'Weiber . . . 
eueh lieber sind als Allah und sein Gesandter, ... so wartet, 
bis Allah mit seinem Befehle kommt . . ." Und in der 64. Sure 14 
hcisst es; „0 ihr, die ilir glaubet! An eueren Gattinnen und 
Kijidern liabt ihr eiu-ju Feinci!" nämlich, weil die Fürsorge für 
sie den Gottesdienst vergessen machen kann. 

Bei den christlichen Baikanvöikern gilt ledig;eQ Standes zu blei- 
ben als unstatthaft, ja sogtir — wie bei dem rumänischen Bauern- 
volke — als Sünde, die selbst durch relchiiche Pomana — Spenden 
zu kircblicheü Zwecken — nicht lelcbt weLtgemachL weilen kann. 

Im 5. Buche Moses XV 11 17 heisst es: „. . . Er soll sich 
viel Frauen halten, damit sein Herz sieht abwendig werde '' 
Aber im 2. Buche Chronik XI 131 wird erzählt: „Köni^* Rehabeam 
hatte Maache, die Tochter Absaloms, lieber als alle seine anderen 
FraucÄ und Kebsweiber; denn er hatte 18 Frauen und 00 Kebs- 
weiber genommen und erzeugte 28 Sohne und 60 Töchter." 
Im 1. Buche der König-e XI i und 3 wird bekanntlich erzählt, 
dasä König Saiomo 7')o Frauen und 300 Kebsw-ciber hatte. 

Auch die heutiger; Juden im Orient, besonders in Arabien, 
Syrien und Pulästina, :nnd teilweise Polygamisten und erkennen 
das von Rabbi Gerson im XII Jahrhundert gegebene Gesetz der 
jyonogamie nicht au. Sic nehmen sich nanieniUch dann die 
Freiheit, eine zweite Frau zu hem-aten, wenn die erste keine 
Kinder, oder auch jschou, wenn sie keine Kjiabon zur Welt 
bringt. Doch darf, wie bei den Moslems, die ei-ste Frau ver- 
langen, dass der zweiten ein abgesonderter Haushalt gegeben 
werde. Ais eine bcmerköns werte Thatsache führt Dr. Polak an, 
dass bei tlen in Persien lebenden Juden die Polygamie zu- 
lÜÄ.sig ist. 

Im Allgemeinen ist die Polygamie unter den Moslems 



— 16 — - 

durchaus Liebt so alLg^emoin, als man In Europa annlicmt. 
Vincent erzählte, dass nr bei sänitlichen maurischen Stäiumron 
der Westsahara keinoD einzifren Mann fand, der mehrere Frauen 
gi/h-vvht hätte; in Indien sollen etwa 95, in Peryion sogar 98 Pro- 
zent ilonogamisten sein. Auch die Türken begnügen sich meist 
mit einer einzigen Lebensgefährtin. Nur vornehme und reiche 
Leute heiraten mehrere Frauen ujsd kaufen sich ausserdem 
Sklavinnen; wiewohl der öffentliche Sklaven- und Sklavinnen- 
han dcl verboten ist. blüht der heimliche desto mehr. Der Preis 
für eine Sklavin schw^ankt zwischen 100 und lOOOvO Franken. 

üeber Vorteile oder Nachteile der Polygamie soll hier nicht 
Erschöpfendes gesagt werden. Ich will nur das zitieren, was 
Hammer als Gegner von historischem Standpunkte zu sagen 
weiss, und dann einem modernen türkischen Liebesphysiologen, 
Omer Haleby, das Wort lassen zu einer charakteristisclien Ver- 
teidigung der Polygamie, 

Die Mehrzahl der Weiber, welche häusliche Ruhe stört, und 
die Einheit der Familicnherj'so.haft nicht bcffTdert, hat — wie 
Hammer meint — von der ältesten Zeit her, so bei asiatischen 
als bei afi-ikanischen Tyrannen, für ein H-lfsmittel der Herr- 
schergewalt und männiicher Macht volJkomtuenheit gegolten, weil 
dort, wo die Neigung des ]\Iannes sich in mehrere Weiber teilt, 
keine desselben ausschliessliche Lebensgefährtin und Schicksals- 
genossln wird, sondern alle .gleich entwürdigt sind. Diese An- 
sicht barbarischer Politik sei doppelt falsch, aus guten, durch 
die Geschichte bestätigten Gründen; denn erstens werde selbst 
dort, wo die Mohrzahl der Weiber gesetzüch, von edleren männ- 
Uchon Naturen der Vorzug vor den übrigen Gespielinnen der 
Lust doch nur einer, als der wahren Herrin zuerkannt, wovon 
die osmaniscbc Geschichte in Roxelane, der allmächtigen Ge- 
mahlin Suleimans des Grossen, ein leuchtendes Beispiel gegeben; 
zweitens- bei gemeinen Natnren, welche blos Sklaven sinnlicher 
Lust, ohne vorherrschende Willenskraft nnd höheren Lebens- 
zweck, teilen die entwürdigten vor anderen gewürdigten Günst- 
linginnen die Fetzen des zerrissenen Kleides des Herrscher- 
ruhms und Vülkerglückes lachend unter sich, wovon Suitaa 
Ibrahims Herrschaft ein merkwürdiges Belege. 

An einer ander-i^n Stelle schreibt Ham.m.er noch Folgendes 
über die Polygamie und die Stellung der Frau im Orient: der 



— 17 — 

Stüfengra*^, anf wßlchcoj das Wtib als FiViU, als GemaLJin, ;il;^ 
Bs^Jüttbläferin steht, Tvird iH'd';« vordc^rasiaiischon «war eberiFv'i 
wi« in den ei8roi*äisciien Sprachen klar ab;?escbattet, aber keine 
der erfitfiTi hat eia S^ort für rlio eigentlieho HaiisfraU; sondern 
mir lür deii Hausherr»; bei den übrigen B«3i3.en?ruiigen der Vcir- 
liü,lißlsso dos Weibes zniii Manue li'^gt der Begriff a.bgo:KCE'.lerter 
EüiigogcMossonheit Gder eJTies Gemaches zu Grunde. Das ara- 
bische Wort na7em, irrig- in Europa für gleichbedeutend irM 
Lettergeniacü gehalten j bezeichnet den Begriff imaatastbureii 
Ii<:iligtufli'5; des Persers Schebistan bedeutet das Nacht- oder 
Schlafgemachj avid des Türken Odalik — welches in den euro- 
päiischea Spracheii durch das französißcbe Oüalisque elnge- 
waadort — steht zanächst dem deutschen Frauenz immer. Der 
Moj'^^^enliLider betrachtet also die Weiber in der gew<;i]njichen 
Beziehung nicht o.\s Pcrgonen, oder auch uicht als Sachen, so-n- 
dern als <^byQ^ abg-eschlo.ssenf^n, für Fremde unantastbaren Kai^m 
der Lust, als ein Gemach, wie anch das deutsche Gemachel 
f)(iQr GemahJ auJ^^Teiv'5t. Ein anderes ist es .mit dem Namen der 
Mntter und der Söhne g'cbärenden Günstlingin; jene heisst die 
Waiidc, die Gel)ärerii!, diese die Cbasseki, die Innigste; jene 
hiit die überaufsicht über das Harem, diese ist den innigstea 
Lüituen geweiht; und bald wird die eine, bald die andere, oft 
aber werdeu beide als Theilnehniei innen der HeiTschaft beige- 
xogen, so dass der arabische und persische Ehrenlitel, „die 
Uerischerir. und Frau des Harems", weicher nur die Herr- 
schaft i^ber döi;.selbe in fiich ,'^chiiesst. g:ar oft in der Wirkh'ch- 
keil zur F}^au des Pieiches und Herrin des Kerrs<;hers aiisge* 
dehnt- worden ist. 

Sch(»n im <ältesten Pei-sien, der Pfianzachule des ausge- 
bjldetesten De^potisnius und der sinnfficbsten Sklaverei, fehlt es 
rncht an Bei^^pielen, dass Franea nicht nur Herrinnen des HaremSf 
yondera &\ich der Könif^e, nicht nur Tyranninaen des Herzens, 
?J0jjd'ö4-n auch des iteichs sind, wobei bemerkt sei, dass die Vier- 
z,au). der iiuch dem Islam gesotzmässigen Frauen sich schon in 
den vier GenkahlinneG des Darius findet, welciie Atoss:?, Aixystone, 
Fannys und Phaidyinc hiessec. Die persische Eoxelaüo hat der 
türkischen durch ihren .Namen Ruschen, „die Leuchtende", vor- 
gelouchtet; und ebenso war der osiuanischen Herrschsüchti^rcQ 
die Perserin Parisatis, ,,i\k^ vcn einer Pexi Geborene", durch ihre 

Stern, Medizin, AhCTslaabe f.. Gescblechtsleboa in der T'irliei. il. 2 



— 18 — 

iilutigp Mass^-egeb ausschliesseude Herrschaft eii^ bistorischüs 
Vorbüd. Die kriegerisclie Entschiosseiiheit und Tapferkeit Rhodo- 
guiiüs, wclcho — im Sclimückeu der Locken begriifen — mit 
nngekämmten Haaren zu Pferde ?a?s, als sie die Nachricht von 
feindlicbem Einfalle erhieit, und dieselben nicht ehor^ ordnete, 
als bis sie den Feind g-ciichhifi^en, findet in der 1'ürkei ihres- 
gleichen ii)i männlicbcii Mute, mit dem yich Kösep.i,. die Griechin, 
der Heeresrotten zur Aurrechterhaltung- ihrer Henschafr. bediente. 
In der Torosmaiiischen. tatarischon und türkischcii.Geschicbto 
strahlen vjole Xamen urossitr Frauen, welclio als Mutter oder 
(riinstlinjrin mit dem So'iiie oder Gtiifahle die Herrschaft des 
Reiches teilten; nur die Gescldchto arabischer D3'nastien kennt 
kaum einen oder den anderen Namen thateingTdi:ender Hervscher- 
^■■•nen, aber desto mehr frommer ni-d g'clehrter Frauen i\}jd 
Dichterinnen, oder romantiscber Ideale von Schönheit nnd Liebe. 
l.>er Despotismus des K'alif;.;ls .^tand dem des x-f'^siscben Reiches, 
des Königs der Konig?, an eisernem und blutigem Zwange nicht 
nach, und dennoch zollic dci' Araber den Frauen jene Huldigung-, 
welche dea Geist arabischen Rittertums ^.Cbecit, und welche, 
durch die Kreuzzüge und die Mauren iiRcl! Europa verpflanzt, 
die Raiiheit des emi.ipälKclien Rittertums veredelt hat Aus 
djcsen Thatsaclien der Geschichte . — meint Hammer — gelit 
liervor, das;; di^^ Einmisclniü!>- der Frauen ia die Ecicbsiicschichte 
als H->rrscherin)ien ^elb;,t mit dem höchsien Dc-ypotismus nicht 
iiiiv'eitr>i^''lich sei: dass Lin.2C;/en ehriur'.Insvdlo. denselben ge- 
zolitf Huldigung deshalb n:\.']it ein Recht ihrer Teilnabmi.^ an 
'Rogieruivu''ägeschä'tcn anerkeuLC; dass dev ;j«iiatische Despotismus 
Tichr, wie aiulef Scliviftsteller meine;!, ;tu.^ dem Zwange des 
liareniK, und umgi-keht dieser nicht n-j? jenem abzuleiten sei» 
indem selbst boi den freiheitsiiebenüeu Griechen die I'ranen im 
Gynaikeion niolit viel besser geh«it.>n wnirden, als in morgen- 
liindischrn Harems, und indem unter dem despotischen Joche 
nrabisrhor K'aljf'.)ii und Emire sieh ucnnoch die Blüte ritter- 
l.cher Frauenhuldigung durch Lied und Scliweit enlfai'Ct habe. 
Nach Ansicht des Arabers gebübit dtn Frauen der Zoll 
<1.T iluidiguüg aller edleren Gefühle des MrKiues, die Unter- 
jochung aller Leidenschaften unter dem dieselben , veredelnden 
Ze..i(»r der Liebe, der höcristo Scliniuck d<T Ehre und der Rede, 
die aa.sschbvsscm'e Herri?c]iaft über Uie Nebenbuhlerinnen, aber 



keinesweg'3 die Herrschaft \in Reicho, welche dos Mannes ist 
flurcb die Legitimität des iforkommens und des Rechtes des 
Stärkeren. Von dieser Zartheit arabischer Gefühle hat türkische 
Natur keinen Grundzug-, unft denuod' zeigt uns «iie osnianische 
Geschichte den Dosi)oten so oft von der Sklavin beherrscht, and 
den Diwan vom Harcic aas g-egiingclt 

Die Russin Roxelaac, die Venetianerin Batfa, die Griechin 
Kösem, nnd firwiere Franen, so schliesst Hammer seine Be- 
trachtung, haben ausschliesslich den Sultan, und durch denseDjen, 
wenig^stens ziun Teil, dasRt-ich beherrscht; und diese vorwiegende 
Jferrsciiaft von Einer war noch ein Segen iu; Vergleich zum 
Verderben, welches beispielsweise uDt»^r Sultan Ibrahim durch 
die vieiköj)figo Herrschaft der Weiber hereinbrach; die Russin, 
die Venetianerin, die Griechin, herrschten über Suleiman, 
Murad 111. und Achmed I. als Monurchinnen, aber der weibische 
entnervte Ibrahim unterlag der Ochlokiaoie des Harems. — 

Im Gegensatze zu Hannner, dem von abermiändischer Moral 
erfüllten, von historischen Erfahrungssätzen geleiteten Geschicht- 
ßchreiber des Orients, sagt der nur nach dem Diktate orientali- 
scher Siniilicbkeit denkende und ui teilende Türke Oui.er Haleby, 
die Polygamie sei aus tolgendon Gründen der Monogamie vor- 
zuziehen: Mit einer Mehrzahl der Frauen ist der Manu sicherer, 
eine gewisse Anzahl von Kindern zu haben; braucht er nicht 
die Unfruchtbarkeit, die Zwietracht und die iJnvcrträirlichkeit 
zu fürchten, welche die Ehe mit einer einzigen Frau so leicht 
mit sich brinjrt. — die Ehe mit einer einzigen Frau, die darum 
so oft auch die allmächtige wird. Die Monogamie ist nur dann 
vernünftig, wenn man sich nicht in der materiellen Position be- 
findet, mehr als eine Frau zu eihalfeü. In einem solchen Falle 
alter soll man der einen Fi an treu sein und unt(>r keinem Vor- 
w and e chcbr erher; . 

Wenn die eine Frau unfruchtbar bleibt, dann nehme man 
eine Sklavin, zs dem einzigen Zwecke, sie zu schwängern; wenn 
sie dann ein Kuid geboren liat, I;ehandle man 3ie gut, aber ohne 
zu verfccs\sei], was mfiu der legitimer. Frau .schu'biig ist; schon 
dcEhalb. neu diese Frau durcii Aliaas Willen immer noch frucht- 
bar werden kann. Muu erinnen? sich der Geschichte Abrahams und 
Hagars und daps Golt selbsi eine Frau, die alt war und ihre 
Regel verloren hatte, wie Sarah, zur ^Tutter machte. Aber den 

2* 



trwähaten Pill ausg'<5TioniTa}s — närnlicli den Fall der mate- 
rifllen Uiiciög'licliV.eit -- i.si die M'^iiogamie, naeii Ap^sicht des 
Oiner Haleby, dem Befehl« Allahs eutg-tveTi (res etzt; und x'^&xi 
weil sito erstens zum Eiiebrt!CJi treibt dui-ch den Ueberdruss, die 
Monotonie, durcli die geringe Anroierksamkcit, die eine Frau filr 
den Gatten hat, wenn sie die einzige bleibt, wenn sie ihn so 
beherrscht, dass er ihr Sklave wirdj sweiteos: weil die Mono- 
gamie die Geburien und die Vernielaung der Gläubiirea niclb.t 
genügend begünstigt: drittens: weil die Monogamie die ithypiial- 
liscben Thorheiten fördert, fast in gleicherü Masse vne die ab- 
solute Entbaltsanikeit; und viertens: weil siö den Naturgesetzen 
wiiler«prirht. welche alle inännlicben Wesen als Polj^gamisTen 
gescliaffen hat, wic^ ^beispielsweise: den Hahn, das Pferd, den 
Hund, den Stier . . 

,.Das*' — so rcsüinieit Onier Kaleby — .,da3 sind die Prin- 
zipien. In der Praxis aber nehme man Iliicksichi: auf seine 
Konstituiion. sein Tcniperamenf, soine Besehäftig-nng und auf 
dir Ein."5cbränkungen, wolclie dieFumkiiont-n des Gehirns verlangen. 
Gewiss, CS .^teht euch frei, nur eine Frau zu haben, V7enu eine 
euch geatiül und wenn .sie ffuchtbar ist; aber haben dürft ihr 
vier Frü'ien, wonn euer VermiiL-on euch tlas gestattet und womi 
ihr je«ler von don vioien dioseibe-r- Anfiner(rsamkeiton. div^solbe 
Sorge, die gloiciien Sumincn für ihre BedüiTuisso und ihren sepa- 
raten Haushalt zuteil werden hisset. b>ank 6.i':r Polygaiüie braucht 
ihr nie ausserhalb des Jlauscs zu suchen, v/ü? ihr dalieini S'j^is 
haben könnt. Ihr findet in eureni eigenen Hause alle FrCiidc/u. 
die ihr oegehrt, alle leiblichen Genüsse ia.ui Erregungen." 

„lUe MouGgr-iLiie aber kann ioicht zum Ehebruch, zur Onanie,. 
zur Püdoraslie verführen; denn die Laster komnien, wie IJn- 
gliick?,f;lllG, immer in Gruppen und Ketten, eiT]t\s hängt sich an 
das andere au 0, ihr Gläubigen. f:)lget nicht den rr]iizi).i:en 
und Paischläüen ieUiT Göt/iendiexier, welche sich fälschlidi 
Dieucr Jo.su norin^'h; denn sie geben «or. ihn i^.h Mcistci* anzu- 
erkennen, und macjifcn au.s seiiier Lehie den Tüiupel Sata.n.^ ujid 

der Vi.'Ip:;ittorei!" 

•* Die Jieitiui.^ohen Arab.?r ballen acht bis zehn Frauen, da- 
duieli entstand ein zerrüttete-c HausAesßu Mohauuned rlei den 
Arabern daher, Iiochstens viej- Frauen zu heiraten, m\ö. auch 
dann nur, wenn es ihre Vcrhaknis.se zugäber.. Darauf beziehj;. 



~ 21 — 

sicli die Stelle in der IV. Sure dos Korans: „Fürchtet ihr, gegen 
Waisen niclit gerecht sein zu können, so nehmet nach Gut- 
dünken nur eine, zwei, drei, höchstens Yiar Frauen. Fürchtet 
ihr aber anch so noch, nicht gerecht sein zu können, so nehmet 
nii.r Eine, oder lebet mit Skla\innen. die ibr erworben." — Ver- 
boten sind folgende Fihen: ,.Ihr dürfe keine Frau heiraten, die 
eoer Vater geheiratet — es sei denn schon längst geschehen 
(nämlich: waa vor dar Offenbarung des Korans g'oschehenj wird 
als geschehen zugelassen}. Denn solches ist schlladiich und 
abscheulich und eine üblp Weise. Ferner ist euch verboten zu 
heiraten: euere Mütter, euere Töchter und euere Schwestern i 
euere Muhmen und Basen, von Vater und Mutter Seite; euerer 
Brüder Töchter: euerer »Schwester TöiVhter; die Aniujea, welche 
euch g-esäu^t; euere Milchschwestern die Mütter euerer Weiber 
uud euere Stieftöchter, die ihr in eueren Schutz genommen, und die 
von solchen Weibern geboren .sind, welchen ihr schon beigewohnt; 
habt ihr ihnen aber noch nicht beigewohnt, so ist's keioe Sünde, 
jene zu nehmen Ferner: die Frauen euerer Söhne, die von 
euch herstammeii; zwei Srhv.esteru zugleich, es sei denn schon 
laugst geschehen. Auch dürft ihr keine freien, bereits ver- 
heirateten Frauen nehmen ; nur enerc SkJaviiinen machen eine 
Ansnahme. So schreji)t Gott es euch vor. Alles Uebnge, was 
hier nicht verboten, ist euch erlaubt. Ihr könnet euch nach dem 
Verhältnisse eueres Verinöuens Frauen nehmen, nur keine 
schlechten und liederlichen." Ferner heisst eine Stelle im 
Koran V: „Auch ist euch erlaubt, zu heiraten freie Frauen, dio 
gliiubig- sind, auch freie Frauen vv>ii denen, ^velche die Schrift 
vor euch <;Thalten haben, wenn ihr ihnen ihre'^Morgengabe gebet 
und züchtig mit ihnen kht and sie nicht zn Ehebrecherinnen 
und Beischläferinnen rnacht'V — Für sich selbst beansprucht Mo- 
hammed, der fast alle Vorschi-ifton nach seinen eigenen AVünscheu 
modelte, natürlich auch hier die Ausnahme. Tm Koran XXXIII 
lässt er Gott sagen; „Dir, o Proi^het, erlauben wir, deine Frauen, 
die du durch eine Morgengahe erkauft und ebenso deine Skla- 
vinnen, welche dir Gott geschenkt (sowohl die im Kriege erbeu- 
teten, als die gekauften), und die Töchter deiner Oheime und 
Muhmen , von Vater und Mutter Seite, die mit dir aus Mekka 
gefiiu-thtet sind, und jede gläubige J^'^rau. die. sich dem Proxjheten 
überlassen und die er heiraten will. Diese Freiheit sollst du 



— 2B - 

liKbc-u vor den ülri^^en Gliini)jgen. WL- wissen es recht gut, 
ivas wir limsi'jltilJch ihrer Fraueu und SkJavinnen bffoL]cn tabcn; 
dcnrocb l)eg-ehsT, du tcin Verbrechen, wenn du Gebrauch von 
dieser l^reiLcit inuciicst. Dr. kaimst ziiriicksetzet}, wen (Fii willst, 
und zu dir Liluaeu, wen du gerade willst, Ja selbst dic^ wdcho 
du friiüer Verstössen, wenn du jetzt Verlangen nach ihr Last; 
dies olles soll keiu Verbrechen für dich sein." — Dem Propheten 
jTiö^ei) Z\veifel aufgestiegen sein, ob er fähig sein könnte, bei 
fc-olchcr Freiheit alle Frauen, nach denen sein Herz etwa Ver- 
luügen tru.::', zufriedenzustellen. Deshalb lüsst er sich wieder 
von Gott trösten: „Es wird deunoch leicht TV'erdcn, ihre Augen 
zu befriedigen, dass sie sich nicht betrüben und sich alle zu- 
frieden :reben mit dem, was du jeder gewährst.^"' Eine etwas 
duitkle Stolle verbietet allerdings e5n%es selbst dem Propheten: 
„Er, is;c dir ivber aicbt erlaubt, noch Weiher daneben zu halten 
(KüLiäwejber, Konkubinen, so ««einen die Aus^Ieger), noch deine 
Frauen ir«it oudereti zu vertatisciicu . wenn die Sclumheit dieser 
dir auch noch so sebi' gefälil , nur deine Skhrv innen macl.t-;n 
davCii ei?;c Au>?nabTne." Auf das Vertauschen bezieht sich auch 
Korjin JV: „NVcnr. ihr er;)c Frnu gegen eine andere vertauschen 
woUt, oud ihr habt der einen bereits ein 'J'ale.nt gegebeu, so 
dürft iia nichts davon wieneruohmen. Solltet ihr es wohl auch 
v'ieder.ichuiCTir' Eine Scbaüdthat wäre dies und oiÜ'enbar Sunde. 
Wie diiritet ihr auch etwas wiedernehm'/n , du ihr hei einander 
gc-Aeseu wufcr, und ein festes Bündnis geschlossr-n hattet ?" 

Bei den heutige Porsera i:,t ^s Sitte, dnss man auf Reisen, 
Expeditionen oder bei Bedienstungen in der Provinz nie seine Frau 
Liitnimiut, sondern fast an jeder Station, wo Juan lilnirer ver- 
w.jilt, eine „Sighe*' heiratet — eine Frau mietet. In der Stadt 
KJrniaü pflogen die Mullas jedem Ankömmling, der nur einige 
Tage sii'h (!(>it aufhält, ein Weib zur „Sigho'* anzubieten. In 
Pci.'iinn geiteu ferner, nach Dr. Polak, wenn auch nicht die 
Heiraten in der Faujilie, so doch die iunerhalb desselben 
StATTiraea als Kegel; der Affchare niniuit eine Frau aus dem 
StttTiime der Alff'haren, der Kaschkai aus dem der Kaschkais. 
Ein NomadüDiniidchen verschuiaht die cvhi"^endsien Anträge von 
JStÄdt<^rn, sie verheiratet sich nur ia ihrem Trihas. 



27. DieFrauefn des Propheten Mohammed, 

Mohatameds 11 Franen. — Die ernte Fra-u (.'hadidsichali. — Die Treue des 
Prophef.ca. — Saada. — Aiscbais. — Hafsa. — Sarnab. — 0mm Salama. — 
»Sainab 11. — ''Die erste J^cheidüug im Tslan^. — Dschuuai'ria, die achte Ge- 
mahlin des Propheten. — Safia. — Omm HaMba. — Des Propheten Extra- 
tour mit der Koptin Msiriam. — Der Zcvru der Haf^a. — ^UaJLs Hilfe für 
den Propiieten. — Mamanna, die öJftt Gattin Mohammeds. - Das Aa- 
<leukcii der Proplictculiauexi». — Wie Ifobammcd seine Fr&iien zur Aü- 
spruclisionigkeit bekehrte. — iNacbahmc-f des Beispiels Mobamnieds: 
SnltaEü mit meb? als vier Frauen. 

Mohammeds erste Frau biess ChadidacliaiL Sie blieb bis zu 
ihrem Tode, obwohl sie am 10 Jahre älter war als der Pro- 
phet, stets in seiner Gqesi. Ais sie im Alter von ö5 Jahren 
gestorben war, i{:räiiktc sicii der Prophet bitterlich und rerv/and den 
Kummer niemals. Noch lange nacbher feing* er ihrens Gedenken 
in Liebe und Treue nach. Aii^chäh, die spätere Liebüa^fiau 
Mohammeds, fragte ihn eines Tages : „O Apostel (Jettes! Chti- 
didsehah war doch schon alt; bat Euch Allah sieht dne jöagere 
und bessere Frau gegeben, um sie bei Euch zu erset/.en?" Aber 
der Prophet erwiderte: „Nein, g-ewiss nicht! xillali hat mir 
kein© Bessere geg:ebe.n Chadidscbah liebte mich, als ich arm 
und ebne Stütze war. Sie glaubte meinen Worten in der Zeit 
schon, als die Welt mich noch der Lüge zieh. Sie war gToss- 
mütig' und edei gegen mich, als alle Mcmschen meine Feinde 
waren. Sie gab mir alles, was sie besass; opfeile für mich 
Gut und Blut/' 

Der Chftdidschah fol^e Saudaj Tochter des Semaa, Witwe 
d<'S Sokran, eines der eisten Bekenner des Islams. Sie tiber- 
lebte Mohammed und starb unter dem Kalifate Omars. 

Die eingangs erwähnte Lieblings trau Aischah wurde vom 
Propheten geheiratet, als sie sieben Jahre alt war. Aber die 



— 24 — 

Ehf^ bet^aun erst zwei Jahre später. Im Verlaiife dieses Zeit- 
raumes heiratete Mohamräed die Hafsa, Tochter Ouiars, Witwe 
des tiodoisch. Siö Jebte 8 Jabro mit dem Propheten imd stai'b 
viel<^-Jaine nach seineüi Tode, im Jahre 45 der Hidschi'ot, imter 
dem Kalifate Moawijes. In die HüDde Hafsas legte maü das 
erste Exemplar des Korans, das auf Befehl Abu Beii^rs, des 
Schv.'icg'eiTaters und Nachfolgers Moiiammeds, des erstoü Kalifen, 
gesammelt wrorclen war. 

DIc fünfte Frau 3t]ohammeds war Saiaab. Sie war ausser 
Chdüidschdh die einzige der Prophetengattinneü , wckhe bei 
Slohammed starb: alle anderen — neun an der Zahl — über- 
lebten ihn. 

üie Salnab und seine sechste Frau Omm Sabma heii-atete 
Mohammed kurz nach seiter zweiton Expedition nach Nedschd 
und nach dem Veibote vom Weintrinken und Hazai-dspieien. 
Der Sainab gab Mohammed — denn man zahlt im Orient für 
diu Frau — eine Mitgift von 400 Dinar Gold. Omm Salama 
soll ausserordentlich schön gewesen sein. 

Nach der Ex^^ediiion gegen die Beni KoraischOj dem Mas- 
sacre unter ihnen, der Gefjugennahme und dem Tode seines 
alten P'eindeS; des Jaden Saiam, heh-atete Mohammed als siebenty 
Flau eine andere Saiuab, welche ibm sein Adoptivsohn Sid ab- 
trat. Die Trennung von Si<i und Sainab war die erste Schei- 
dung- im Islam, und dieser Eheschluss ward für Mohammed in- 
folj^e des Skandals, den er T^n•ursachte, von vielen Verdriess- 
lichkoitec begleitet, wie ich im Abschnitte über die Ehescheidung 
ausführljcber erzähle. 

MoLiimmcd war damals 57 Jahre alt. Eine neue glückliche 
Kxi>edition gegen die B(inJ Mostalak wurde mit einer neuen Ehe 
des Propheten gofeieri: Mohaiinned heiiatete als achte legitime 
Fi"du die schöne Dschauairia, die berühmt ward „durch die 
Heiterkeit ihres Charakters und das Angenehme ihi'er ganzen 
l'('i-si)nlichkeir." Sie blieb o Jahre beim Propheten und über- 
Kbtc seinen Tod um 35 Jahre. 

Nach der Expedition von v'haibar gegen die Juden fasste 
Mohammod die Idee, sich noch eine neunte Frau zuzugesellen. 
Seine Wahl fiel auf eine Tochter des Tribus Aaron, genannt 
Safia. Die Ehe wurde uiit grossem Pompe in El Öahba ge- 
feiert, auf dem Marsche der Arajco nach Medina. Saäa lebte 



— 25 — 

mit Mobammed drei Jahre und eimge Monate-: sie starb erst 
im Jahre 50 der Hidschret. 

Nach seiner Rücldsclir von Medina vormähito r-ich Moham- 
iiaed mit Ou^rji Ifabiba, Tcchte/- des Scberifs von Mekka, Witv/e 
des Abdallah. Die Ehe diu"di Proknration hatte schon Mher 
stattgciimdt'D, als sich slio '\\'Itwe rioch it.. Abf-ssinien befand. 
Oinm Habiba war ilie zehctc der legitimeu Frauen Mohaainieds, 

Um jene Zeit — irohaiiimed zahUo damal« 59 Jahre — 
creigüete sich ein Vorfsil, der den Frieden im Uanso des Pro- 
pheten {>edor.kiich störte. 

üai:nal£^ ka-neü in Medina einige von MokaiikaS; Fürsten 
von Aiexandrien und A.egypten, Üilr ]iIohamni&d oestmiinte Ge- 
schenke an: ein Eunuch, namens Maiudh, nnd vier jimgro Mädchen. 
Eines der \el7M)ron, die Kontin Madam., übte eine solche Wirkung 
auf den Propheten ans. dass er beschlos.s, mir, ihr zu tfchlafei5; 
er hätte sie auch gern zur .Frau genommen, darlte dies aber 
nicht, wei) sie eine Ski:-- vin war. Um den Skandal zu ver- 
meiden — denn er selbst hntto .solches als Ehebruch erklärt — 
wollte er die süsse Sünde im GeheiraeL begehen. 

Dieser Beischlaf geschah in der Wohuimg seiner abwesenden 
Gattin Ilat'sa, und x\var auf deren eigenem Bette, und noch 
dazu an einem Tag'e, an welchem der Beischlaf des Propheten 
der Hafsa oder der ATscha gebuhlt hätte. Ais Hatsa solches 
vernah;a nnd Mohammed ?nr Rede stelltCj war Letzterer — trotz 
seiner Vielweiberei und Tyrannei im Familienleben ein arger 
Pantoffelheld — tief erschrocken nnd versprach der Hafsa, die 
Koptin Miriam n'cht mehr bsrüliren zu wollen, wenn sie das 
Geschehene geheim halte; Jfafsa aber gab sich erst zufrieden, 
als ihr der Prophet noch ausserdem zusagte, dass zum Lohne 
ihres Schweigens ihr Vntcr Omar nnd Aischa?. Vater Abnbekr 
dereinst seine Nachfolger in der Begierung worden sollten. 
Trotz alledem erzählte Hafsa der Aischa deu Vorfall. Nun 
erzürnte ilohammed und zur Strafe für die Schwatzhafte schied 
er sich einen ganzen Mouat lang von allen seicen Frauen nnd 
brachte diese Zeit in den Zimmern der Mariam zu, bis er auf 
die Verwendung des Engels Gabriel die Hafsa wieder in Gnaden 
aufnahm. Die Mariam aber behielt er nebst ihi** r Schwester 
Schirina ebenfalls bei sich bis zn seinem Tode; Mariam überlebte 
ihn um fünf Jalire und lieg^ zu Medina begraben. 



_ 26 — 

Diesen Vorfall maohte Mohammed zum Thema der M. Sure 
des Korans, betitelt „das Verbot'*, wo er sein Vorgehen durch 
Gott rechtfertigen läast. ,Es hoisst da: „0 Praphet, warum 
willst Dn, uro das Wohlgefallen deiner Weiber zu erlangen, 
Dir verbieten, was Gott Dir erlaubt hat?" (In der 5.- Sure lautet 
ein Vers; „0 ihr Gläubigen, verbiett^t euch nicht das Gute, was 
euch Gott erlaubt hat." — Dieser Vers ist gegen das asketische 
Mönchslebeu gerichtet). Da der Prophet irgend eine Begebenheit 
einer seiner Frauen als Geheimnis anvertiaute, diese aber das- 
selbe ausplauO.erto, wovon (Jott ilm in Kenntnis setzte, da hielt 
er ihr einen Teil ihrer Plauderei vor uud einen Teil verschwieg 
er, zu ihre Schonung. Und als er ihr dieses vorhielt, da fj-ag-to 
sie: „Wer hat Dir denn Anzeige davon gemacht?*' Er aber 
p.pt wertete : „Der, so da alles weiss und kcnut, hat es mir an- 
gezeigt." Wenn ihr Btlde (Hafsa und Ajischa) nun euch wieder 
zu Gott wenden wollet, da euere Herzen abgewichen sind, so 
i^t es gut; verbindet ihr euch aber wider ihu (Mohammed;, so 
ist sein Schutz : Gott und Gabriel . . . V/enu er sich von euch 
scheidet, so kann es sehr kicht sein, dass sein Herr ihm zum 
Tausche andere Frauen gibt, die besser sind denn ihr, nämlich: 
gütteigebene, wahre gläubige, demutsvolle, bereueude, fromme 
und enthaltsame, die teils schon Männer erkaunc habc-.ii, teils 
noch Jungfrau nn sind." 

Diese Drohuflg half, wie wir gesehen haben. Während 
jeder Moslem sich an das Gesetz halten musste, dass seine 
Frauen am ibro ihnen bestimmten Nächte nicht betrog^en werden 
durften, umging hier Mohariimed zu seinem eigenen Vt^.igniigen 
und V(»rteil das Gesetz durch Gottes Hülfe und Gnade, indeci 
er wiederum für sicli alles als erlaubt hinstellen lässt. 

Kurze Zeit nach diesem Ereignisse ging es ans Sterben. 
Aber schon vom Tode gezeichuet, heiratete Mohammed in Schorf, 
6 Meilen südlich von Mekka, aiigethan mit dem Ih»-äm, den 
Pilgerldoide, mit Umgehung des Gesetzes, das den Coitus auf 
4ei Pilgerfahrt und im Pilgerkleide verbietet, noch eine Frau, 
die elfte; das war Maimanua, Tochter des Ei Harrith, die letzte 
seiner legitimen Gattinnen. Bald darauf starb der Prophet. 
Als Maniianiia viele Jahre später zu Mekka im Sterben la»;-, 
sagte sie : ^Traget mich hinaus aus Mekka; denn der Apostel 
Allahs hat mir vorhergesagt, dass ich nicht ia dieser Stadt 



-- 2i — 

sterben solle." Sie Hess sich nach Schorf bringen und yei schied 
in einem Zelte neben jenem Banme, anter dem sie ihre Hoch- 
zeitsnacht mit Mohammed gefeiert, hatte. 

Insgesamt hatte also Mohammed 11 Krauen; die Maiiam 
blieb nur seine Concubine. Seit de7n Tode CLaclidoChas, welche 
Zeit ihres Lebens die einzige gewesen war, lebte Mohammed 
immer mit weit mehr Frauen,' als der Islam es gestattet hat, 
zuletzt mit 9 auf einmal; denn Sainab I. war schon vor 
Mohammedö Tode gestorben. 

Das Andenken aller dieser Frauen ist hochverehrt. Alle 
führen sie den Titel: „Mutter der Gläubigen." Selbst Timur, 
der ebenso wie gegen die Ungläubigen auch gegen die Gläur 
bigen wütete, besuchte während der Belagerung von Damaskus 
die vor der Stadt gelegenen .Gräber der 0mm Selma oder 
Salama und der Oium Habiba - der sechsten und der zehnten 
Gemahlin deä Piopheten — um ihren sterblichen Ueberresten 
den Zoll seiner Ehrerbietung darzubringen. 

Mohamjueds Liebliug?,2'attiii war Aischa. Der Tradition 
zufolge wohiiLe sie dem Momente bei, da der Engel des Todes 
Ar^rail, am 12. Tage des Monats Eebi ei Auel, mittags, im 
Jahre XI der Hidsclu'et, den Propheten um spezielle Erlaubnis 
bat, bei ihm eintreten und seine Seele hin wegnehmen za dürfen. 

Leichtes Auskommen dürfte '.ler Prophet mit allen geineu 
Frauen nicht gehabt haben. Ausser den Beispielec, die scnoa 
früher erwähnt wurden, mag dies auch durch Nachfolgendem 
erhärtet werden, welches allerdings abermals beweist, dass 
Allahs Hülfe nie versagte. 

Als. Mohammeds Frauen von ihm die Mittel zu grosserem 
Luxus forderten, Hess er ihnen die Wahl, bei ihm zu bleibejui 
oder sich von ihm za scheiden. Aischa wählte sogieicli Ersteres 
und die anderen Frauen folgten "ihr nach. Darauf bezieht sich 
die Stelle in der 33, Stire des ICorans; „Sage, o Prophet, zu 
dfeinen Frauen : Wollt ihr den Genuss des irdischen Lebens mit 
sdner Pracht, gut, so will ich euch anständig versorgen und 
auf ehrbare Weise entlassen. Wollt ihr aber Gott und den Ge- 
sandten Gottes und die Wohnung des zukünftigen Lebens, dann 
hat Gott für die Rechtsehaitenen unter euch eine grosse Be- 
lohnung bereitet O ihr Frauen des Prophetc-n, wer von euch 
eijie offenbare Schändlichkeit begeht, deren Strafe soll zwiefach 



OQ 

— AI O 

vprdoppf-:it wfTüon . . . Wer aber von euch Gott und seinem 
(ücsßn(iten ifchorsani ist und rcchfscliaffon handelt, die belohnen 
wir /.\viofcic-h und l^croiten ihr eine ehrenvolle Versorgung, 
ilir Frrtucn des rrophoten, ihr seid nicht wie die anderen 
Frauen. W<^rjn ihr Gott fiir«:htet, dann seid nicht zu freundlich 
in Citren Reden, damit nicht der nach euch lüstern werde, 
dessen Herz Jiebeskrank ist; sondern redet nur so, TS-ie es sich 
scliickt." Möhaninipd richtete sich für seine Person alles nach 
seinem Goschmacke und \Yunsche ein; >.0 ihr F:au<-ü des Pro- 
pheten", sagt er. „bleibt auch hübsch zu Hause . . ., denn Gott 
will von euch, weil ihr zu dem Hause des Propheten gehört, 
allen Greuel entfernt and mit einer besonderen Reiaheit euch 
g-ereinigt sehen." 

Das Beispiel der Uebei'tretung-, das Mohammed gab, da er 
selbst ni'^lir als vier Frauen heiratete, blieb bei den Kalifen und 
Sultanen nicht ohne Nachahmung. Als der uiiersättlichen Laune 
und Lust Sultan Ibrahims die Horde der Sklavinnen und auch 
der Hol von >>ioüCüSuiianini;en-C]!HSscki. von sieben Frauen- Güdst- 
liuginnen, noch nicht genügte, vermählte er sich eine achte als 
legiiiine Genirhlin, w!der den Kimun, welcher dies osmanischen 
Herrschern verwehrt; ein Kanun, welchen aber schon vor Ibrahiu! 
Sultäu SuleiDian durch die Vermiihlnug mit Roxelane, Osman U. 
durch die Heirat nnb der Tochter des damaligen yratti übertreten 
haben. Der Kislaraga und der Grosswesir waren die Bevoll- 
inächtigteo des Sultans ibrahhn, wclclie für ihu den Heirats- 
vertrai,' unterschrieben. Das Vcrmühlungsfest wurde zu Daud- 
pascha gefeiert, und zum Hochzeitsgeschenke brachten die Wesire 
ausser Schmuck und Kleinodien jeder eine schöne Sklavin, so 
dass das Hochzeitsgeschenk zugleich den Geschniack. der Braut 
UD(] den des ßräutigi^us zu befriedigen strebte. 



28. Pflichten und Rechte der raos- 
lemischen Eheleute, 



Die tiattinnen-Rochte. — Dis bosoDdere Wohmins; iciier emzelnen Frau. — 
Die Eiuteilui.g der Näolilc. — Der Korua ül)er dea G-ebcrsam der Frauen. — 
Oiner Eaiebv über 'Pf[icht.eri utiü. Hechte. — Dio Sklavin als Weib. — Mo3- 
lemisi:h-ofarist,li!rb!:- £l>en. — Dc-,r Korau über diese Frage. — Ein Fetwa 
dos Muüi AbdriUab. — Die List des Pütriavv'iie.ri Partb..-5üios. — 
Osmanisch-byr.antiuiBcho Fürsten-Ehen. 

üeber die Piiicbten der nioslemischen Eheleute geg^n- 
eir.anficr lieisst (;s im Koran IV; j.VN'enii ihr nuu euere Frauen 
freuadlicli behandelt und euch furchtet, ihnen ßose.« zu thun, so 
v;eiss Gott wohl, was ihr thut." — Ferner in derselben Sure: 
„Es kanu uiehi :>eii], dass ihr alle euere Frauen gleich liebet, 
v/eun ihr es fiucb wolltet; nur wendet eacli nicht von eiuer Fran 
mit sichtbarer Abneig-uug ab, lasst E;ie hierüber in Ungewi.ssheit," 

\Yeiin man schein verheiratet ist und sich uech eine Frau 
Tiiinint, Tuuss Hi^ra dieser 3 Nächte nacheinander widmen; wenn 
sie eine Jirngfiau ist. so gewähre ;aio,u ihr 7 Nächte naeh- 
einaader. OLne .Zn.?timiRi]ug' der Frau darf der Mann in der 
Wohuuiig, die ihr eing-eräuiut ist, nicht das Kind, das er von 
einer andereu Frau hat, ">veilen lassen; dasselbe g^ilt für die 
Kindei; ^sx-lche die Fruuee früher von audereu Mäunern hatteHc 
Jede der Frauen hat Anrecht auf eine bcL^ondere Wohnung, sei 
e?^ ein Eaus für sicb^ o<Ier sei es eine von allen Seiten separierte 
nnd abpfeschiossene Keiiie von Zimujern. 

Die erste Gattin hat^ das Fiechi auf besendcre Aufmcrksam- 
keiten und Vorteile. Wenn tier Mann zur zweiten, dritten oder 
vierten Frfiu eine Witwe oder eine von ihm selbst Iriiher ver- 
stossene Frau zu i'ück nimmt, so ist er verplliohtet^ ihr 3 Nächte- 
naoheiriander zu widmen. 



^ 30 — 

„Könnt ihr," fra;^ Omer Haleby die ersto Frau, ..bei eueren 
Vor.recli.'"a deswegen eifersüchtig sein? Werdet ihr eifersüchtig 
sein ob <!'^r sieben Nächte, die euer Gatte einer Jung-frau widmeu 
muss, mi^ deren Blumo er sein Raus schmückt? Sind das nicht 
Dinge, dereij ihr ench auch erfreut habt? Wachet deshalb nicht 
allzuitreng über eueren Vorrechten! Seid nicht ungeduldig in 
Bezug ttuf die Zärtlichkeiten, die ihr von euerem Manne er- 
warten dürft. Sie werden euch ohnehin zu teil. Denn wenn 
auch der i'ß!^M :;<i55 Recht hat, seine Zärtlichkeitf^n qualitativ 
nach seinem Belieben, nach dem ^'eoer seines Herzens einzu- 
richteu, so hat er jcdcufalis in quantitativer Hinsicht die Pflicht, 
seine Nächte abwechselnd mit seinen Frauen zu verbringen, darf 
er nicht die eine zum Nachteil der anderen liegünstigcn, falls 
ihr ihm dies nicht freiwillig gestaltet, v:ie es Sauda that, da 
sie — vom Proi)liGten Verstössen uni'' v/iedcr geheiratet — ihre 
eiste Nacht und ihre Rechte auf das Bett des gemeinsamen 
Gatten au Ai.^chp- abtrat. Wenn Snnda s:-' j:e-iandolt hat, um 
nur wieder in Gnaden vom Proplieten zurückgcnomnicn zu werden, 
so geschah es, weil sie ijichts anderes im Auge hatte, als sich 
am Ta:;e des grossc^n und höchsten Gerichtes in der Reihe der 
reinon und züchtigen P>auen unseres heiligen Propheten zu sehen. 
Weshalb also solltet ihr, o Töchter des Islams, eifersüchtig und 
ungeduldig sein, da doch euer Mann, selbst im Falle von Krank- 
heiten verpflichtet ist, seine Nächte unter seine verschiedenen 
Frauen zu verteilen, falls ihr ihn nicht ermächtigt, bis zu seiner 
Genosunir mit einer einzigen seiner Lebensgefährtinnen zusammen 
ZQ bleiben ! ? — Auch hierfür gibt es einen Präzedenzfall; Mohammed 
versanmielte in einer schweren Krankheit alle seine Frauen um 
sein Bett und l)dt sie, ihm zu erlauben, bis zu seiner völligen 
Wiederberstcllung bei Aischa zu bleiben." 

Ob die J'>auen der BiiTo wilirahrtcn, das berichtet Omc^r 
Haloby jedorli uiclit. Er fügt blos hinzu, um etwa Widerspei sligo 
/i warnen: „Vergesset niemals: auch wenn ihr das gcietz- 
liche l'ccht habt, euren Mann dafür strafen zu lassen, falls er 
sich gegen die Gleichlioii vergeht, die er allen seinen Frauen 
scliuldet — vnrgopset )»i<;lit, dass or auch .''ok I^Tht hat, «?ucn 
zn 8clmlmeistciTi und mit Steckschlägen zu tri'.ktieren, wenn ihr 
seinen Befehlen ungehorsam seid!" 



Bezüglich dieses Gehorsams dor Frau gefren den Mann 
wird im Korau IV gesagt; „Reohtschaffeue Frauen sollen ge- 
liorsam imd verschwieL^ea sein . . . J>oijjeni^en Frauen, von 
welchen ihr fiircbtet. dass sie durch ihr Betragen euch erzürnen, 
gebet Verweise, enthaltet euch ihrer, sperret sie in ihre Ge- 
miicher und züchtiget sie. Gehorchen sie euch aber, "'inn suchet 
keine Golegenheit, gegen sie zu zürnen." 

Tjnd in Bezug auf die „Deniutspliicht" der Frauen heisst 
es in der 60. Sure 10—12: ^ Allah stellt ein Gleichnis für die 
Ungläubigen auf: Das "Weib Noaiis und das Weib Lots. Beide 
standen unter zweien unserer rechtschaffeneu Diener, doch ^'er- 
rieten sie Beide, und Beide vermochten nichts für sie bei Allah, 
Und gesprocheji T\Tvrd: „i.xehet rin ins Feuer mit den Ein- 
gehenden I"* . . . Und es stellt Allah ein Gleichnis anf für die 
Gläubigen: Das ^Tcib Pharaos, da es sprach: „Mein Herr, baue 
mir ein Haus iiu Pariidie:>e und retto raich vor Pharao und 
seinem Tiiun." l ud Marjani, Tmrans Tocliter, die ihre Scham 
hütete. DinvA hauchten v»-ir unseren Geist in sie, sie war eine 
der Demütigen.'' — 

„Vergesset nicht,'' raft dabej- Omer Haloby den moslemi- 
schen Fiaur^n zu, ,,dnss der Mann dar Ai'bciter ist; dass von 
seinen Werken die Zierden stammen, die era-e Schönheil ver- 
mehren; dass die Kraft seiner Arme euch, euere Kinder, euere 
Dienerschart, euer Haus schützt! Dass aus seinem membram 
■juere höchsten Wonnen, euere grössten Glücksehgkeiten 
t'iiessen. Ahmot deshalb in Allem und Jedem das Verhalten der 
vorchicen Frauen des Propheten nach: üo wie jene seid auf- 
merksam, suchet, nur die Vvünsche und Bedürfnisse eures Gatten 
zu befiicdigen. Yfenn ihr coitiret, thut es mit jenem tiefen 
Gvlühl, das der Grösse des Aktes, den ihr erfülii, vollauf cnt- 
spiicht. Gebet euch dem Akte ganz hin, leget in ihn eure 
Seele, eueren Geist, eueren Leib' üenkot, dass ihr in diesem 
bedeuisamcr Momente die Mitarbeiterin eueres Mannes v.ie acs 
Universdlgeisies der Liebe seid, der die ganze Natur auf erweckt 
in der Zeit ües schönen und wohlriechenden Monats Mai. Wenn 
aber dl' Umarmungen eures Mannes zu hastig sind, um die 
Freude in eueren Busen zu senken, wenn ihr nicht an seinen 
Gefühlen ganz teilnehmen, seinen Gtiiuss durch eueren eigenen 
nicht vermehren könnt — dann lasst ihn dies wenigstens glauben. 



— 32 — 

AJlriJj, der '^U€3 si'^-ht und barmherzig ist, wiid euoli diese un- 
schuldige List verzeihcDj nnd ihr werdet each so die Zärtlich- 
j<eit pures Gatteii, sdae Achtung .und \Yertschätzucg' aihalteii! 
Kranen, sucb<-^t nicht euere wahreü Freuden in unreü'elmä^isigeni 
oder beitigem Coitus; sacbet sie weder in der Ouaiiio wckhor 
Art immer, noch in der Päderastie, weder In den Praktiken der 
•^apphö, noch in Haschisch trüamen oder Liebestränken! Suchc'i 
sie blos in der ErfüUang eurer Pflichten aii? Frau, als Herrin 
des Herdes, als Mutter der Fainilio. Diese drei Ding-e nebst 
dem strong-gläubliren Coitus sind die einzigen, die cücb öaf^ 
Pv,ecfct auf einen Plat.< im Paradiese graben und aus euch Huris 
machen v>'crdeü. eTvig ooitierende und ewie; iunc:{Täulich bleibende. 
Seid §iito Mohammedanerinnen, indem ihr nicht blos zum ein- 
lachen Vergnügen coYtieret, sondern unr dem gTOSsen C4csotae 
der U]iivcrsalität zu gehorchen, um euer Antlitz mit den Fenern 
der Mutterfreuden zu beleuchten, um ao euere Giucu'solijt/Keit, 
auf Erden und im ewigen Leben' zu «ichern. Rat niclit 
Mcliarrinicd gesagt, dass Gott den verfluche, der äeine Fra-i bl03 
aus dem Grunde Verstösse, weil si'e seine Lüste nicht mehr be- 
friedige!? Und sagte Mohammed nicht seinen Schülern: „Re- 
spektieret die Ehe als einen Zustand, der die Ausbreitung des 
Mecschcngeschlechtä zum Ziele hat!" Und ist euch^ o Fraaen, 
nicht aas diesem Grunde die Möglichkeit gegeben "worden, rlasä 
ihr euch voa euerem Manne, wonu er impotcut ist. scheiden 
könnt?" — 

An einer Stt^IJe im Koran, Kapitel IV heisst es: „V/er liichi 
Vermögen genug besitzt, wm freie gläubige PYaucn heiraten zu 
köanon, der nohme gläubig gewordene Sklavinnca; doch heiratf-fe 
sie nur mit Ein willig ang ihrer Herren. Auch diese niüssec 
züchtig und uijrfen nicht schiecht sf^in, noch sich ircrade Lieb- 
haber halten.*' Dem aber lügt dt-r Kcran etwa::; apötev iiooä 
hinzu: „Sklavinnen slud nur denij'-rtigen erlaubr, welclier fi'(:ic 
LVaaou fürchtec, der Sürido wogen, h\ welche sie leicht ver- 
fallen. Doch i.?t*s hesser, k-eino Skiavin zu uchmon." 

Die Beiwohnung durch ihren Herrn calt schon bei don 
Heljräorn als sicheres Recht der Sklavin. Da? 2. Buch Mosos 
XXI 10 erwähnt als Rechtssatzi...^-.- „Wenn er sich eine Andere 
nimmt, darf er joner nichts von dem abbrechen, wag sif aQ 
Fieischnahi-ung, luoidong und Beiwohnung zu beansprnchen üa.r 



— 33 — 

Wenn er ihr diese drei Dinge nicht leistet, so soll sie umsonst, 
ohne Entgelt frei werden." Das moslemische Gesetz befiehlt über 
die Sklavin als Genossin in der Ehe und in der Liebe folgendes: 
Wenn nian eine Sklavin kauft, darf man mit ihr, falls sie nicht 
mein- Jungfrau ist, nicht vor einem Monate schlafen; bei den 
Sklavinnen, die noch Jungfrauen sind, erwa,rte man zuerst die 
Menstruation, che man sie berührt; und falls sie krank ist, warte 
man drei Monate. Thut man anders, so ist es Sünde. Wenn 
man eine Sklavin verkaufen wül, muss man wenigstens einen 
Monat vor jenem Zeitpunkte, an dem man sie weggibt, mit ihr 
zu verkehren aufhören. 

In Persien sind die Kinder der Sklavin gesetzlich anerkannt 
Sie geniessen volle Gleichberechtigung mit denen der anderen 
Frauen. Auch hört die Sklavin mit dem Äugenbück ihrer Nieder- 
kunft auf, Sklaviu zü seiu. 

Omer Halcby gibt eine ausführlidie Erläuterung bezüglich 
der tüi'kischen Gebräuche und Gesetze, die sich auf die Sklavin 
und ihr Verhältnis zu dem mit ihr geschlechtlich verkehrenden 
Herrn beziehen ; Die Et-chte, die der Herr über die SkJavin hat, 
iegitimieren die Kinder, die aus ihren gegenseitigen Beziehungen 
entstammen; doch muss zuerst das Erstgeborene jeder Sklavin 
ausdrücklich anerkaiiLt werden. Wenn der Herr für das Kind, 
das sie im Leibe trägt, keinen anderen Vater als sich selbst 
anerkennt, hat er das Recht, das Kind, welches die Sklavin in 
ihrem Schosse birg-t, als sein eigenes zu betrachten. Die Legiti- 
mität des Kindos hängt ab von der freien Anerkennung des 
Vaters, und der Let^ere kann das Recht der Anerkenikung aus- 
tibeu, selbst wenn er über das Schicksal des Kindes schon dis- 
poniert, es weggegeben oder verkauft hat. Er kann gleichfalls 
das Kind anerkennen, nachdem er die Mutter-Sklavin verkauft 
und sie dann erst geboren hat, falls die Niederkunft in den 
ersten sechs Monaten nach dem Verkahf stattg'efunden. In 
diesem Falle resultiert daraus die Legitimität des Kind©ä, die 
teilweise Befreiung der Mutter-Sklavin und die Aufhebung des 
Verkanfsvertrages. Dem Herrn ist es freigestellt, diQ Sklavin 
nach ihrer Freilassung zu heiraten. Wenn aber die FroigeJasseBO 
die Heirat verweigert, so kann er sie nicht wieder unter seine 
Macht zui'ückbringcn , noch sie zwingen, seine Hand zu accep- 
tieren. Nur die Kinder, welche dem illegitimen Verkehre eines 

Steru, Mediäii, Aberglaube u. Gesclüecbfcalebeii in der Türkei. IL 3 



— u — 

Mannes mit der Sklavin eines anderen entstammen,, können als 
Bastarde angesehen werden. — 

Das Los der Sklavin ist demnach keinesw^egs ein so trau- 
riges, wie man glauben möchte; manche Sklavin ward Mutter 
eines grossen Herrschers nnd dann selbst Beherrscherin des 
Harems, oft auch des Reiches; die Mutter des Abdul Asis war 
eine kurdische, die Mutter des gegenwärtigen Sultans Abdnl 
Hamid IL eine armenische Sklavin. vSchlecht geht es den 
Sklavinnen nur, so lange sie sich beim Sklavenhändler befinden. 
So geschah es zur Zeit Mustafas in., dass eine SkJaviu des 
Konstartinopeler Sklavenmarktes aus Rache für üble Behandlung 
dahin getrieben wurde, die Kinder des Sklavenhändlers umzu- 
bringen; zur Strafe ward sie in der Ecke des Sklavenmarktes 
aufgehängt. 

Am Sultanshofe gab es manchmal Zerwürfnisse zwischen 
Söhnen eines Sultans, die einer Ehe mit einer vornehmen 
Dame, und solchen Söhnen, die einer Sklavin entstammten. 
Als berühmtester Fall sei dieser von Hammer erzählte an- 
geführt: „Die erst« Sorge Mohammeds H. nach seiner Thron- 
besteigung war, den Bruder Achmed dem Vater Murad ins 
Grab nachzusenden. Achmed war, um uns des Ausdruckes 
der Byzantiner zu bedienen, der in Purpur geborene Sohn 
der Prinzessin von Sinope, der Tochter Isfendiaroghlis, wäh- 
rend Mohammed von einer Sklavin geboren war; nnd un- 
erlässlich schien deshalb dem Sohne der Sklavin der Mord 
d68 im Purpur geborenen Bruders zur Sicherung des Thrones. 
Während die Prinzessin von Sinope im Thronsaal erschien, über 
seines Vaters und ihres Gatten Tod dem Stiefsohne-Sultan ihre 
Trauer zu bezeigen, sandte dieser Ali, den Sohn des Ewrenos, 
In das Harem, ihren Sohn, seinen Bruder, im Bade zu ersticken. 
Am folgenden Tage ward der Sohn des Ewrenos, der Mörder 
selbst, aus dem Wege geräumt, und die Mutter des Ermordeten, 
die Prinzessin von Sinope, ward einem Sklaven, namens Ishak, 
zum Weibe gegeben. Gleiches Los hätte Mohammed, der Sohn 
einer Sklavin, gern seiner zweiten Stiefmutter, weil sie ebenfalls 
eine Prinzessin — eine serbische — war, zugedacht, aber aus 
Furcht, dass deren Vater Georg den Schimpf durch Krieg rächen 
möge, sandte er diese Gattin seines verstorbenen Vaters ihrem 
Vater auf ehrenvolle Weise mit Geschonken, mit Anweisung an- 



I 



— 3ö — 

sebnlichea Witwengehaltes und mit Eraeuerung des bestehenden 
Friedens, zurück." 

Eine wiolitig'e Frage im Islam w&r allezeit die ob des Ver- 
haltens, das man g-egenübor ungläiibigeu Frauen beobachten 
müsse. Im Koran ii 220 heisst es: „Nehmet keine Götzen- 
dienerin zur Frau, . bis sie gläubig geworden. Wahrlich, eine 
gläubige SkluYin ist besser, als die freie Götzendienerin, und 
wenn sie euch noch so sehr gefällt. Verheiratet auch keine an 
einen Götzendiener, bis er glaubig geworden." 

Koran LX Vers 10 — 12 ordnet in dieser Angelegenheit noch 
an: „0 ihr Gläubigen, wenn gläubige Frauen zu euch übergehen, 
dann prüfet sie (ob sie, nur um aufrichtig den Islam anzunehmen, 
und nicht aus unreinen Absichreu zu euch übertreten) . . . Lernt 
ihr sie nun als wahre Gläubige kennen, so schicket sie nicht 
Avieder zu den Ungläubigen zuriick; denn die Eh<3 ist ihnen 
gegenseitig verboten. Gebet aber ihren Ehemännern zurück, 
was sie für ihre Morgengabe verwendet haben (das w^ar näm- 
lich eine der Fried ensbedingniugen zu Hodeibia). Ihr habt dann 
keine Sünde davon, wenn ihr sie dann heiratet, insofern ihr 
denselben ihre Morgengabe gebet. Verhindert auch euere Frauen 
nicht, sich in den Schutz der Ungläubigen zu begeben (sich mit 
den Ungläubigen zu verheiraten); jedoch könnt ihr das zurück- 
fordern, was ihr für ihre Morgengabe verwendet habt, ebenso 
wie jene zurückfordern können, was sie verwendet zur Morgen- 
gabe ihrer Frauen, die zu euch übergegangen sind . . , Wenn 
einige von eueren Frauen zu den Ungläubigen überlaufen, und 
später macht ihr Beute, so gebet den gläubigen Männern, deren 
Frauen entlaufen sind, soviel davon, als sie für deren Morgen- 
gabe verwendet Jbaben ... Prophet, wenn gläubige Frauen 
der Ungläubigen zu dir kommen und dir eidlich versprechen, 
dass sie Gott kein Wesen an die Seite setzen und nieht stehlen» 
nicht huren und ihre Kinder nicht mehr töten wollen ... so 
nimm ihre eidliche Versprechung an und bitte für sie Gott um 
Vergebung." Die Angelegenheit ist indessen bis heute ziemlich 
ungeklärt geblieben. 

Im Jahre 1723 erliess der Mufti Abdullah zu Stambul ein 
interessantes und charakteristisches „Fetwa". Folgondermassen 
läutet diese Entscheidung bezüglich der Vermischung mit nicht- 
moslemiscten Frauen: „Was die Ketzer, die Schiiten, betrifft, 

3* 



— 36 — 

so sind die Märmer durch Totschlag auszurotten, die Kcaberi und 
Weibor i^klaven, das Gut derselben Beute. Weiher und Knaheii 
werden diirch andere Mittel als Totschlag zur Annahme dej5 
Islams gezwungen, doch ist's nicht erlaubt, die Weil)er zu be- 
scblafen, ehe sie den Islam ani^enommen. In botreö' der ur- 
sprÜDgiicben üng-iäubigcü, der Christen, so sind KDaben und 
Weiber Sklaven, die Rabe Beute, ihre Knaben und Weiber 
können zur Annahme des Islams nicht geziwungon werden; doch 
ist es, ihre Weiber, auch ^ ean sie nicht Mosleminnen geworden, 
zu bescblafen erlaubt.'' 

Hammer, der dies Fetwa mitteilt, fügt hinzu: Das Ist überaus 
feine Unterscheidung moslemischen Kriegsrechtes, vermöge 
welcher der Ketzerin, aber nicht der Ungläubigen, der Islam 
aufgezwungen, jene nur als Bekehrte, diese aber auch als ün- 
bekehrtt^ dem Moslem geliefert wird. Dieser Widerspruch, wo- 
durch die mohammedanische Ketzerin schlimmer fährt, als die 
Christin, insoweit die erste zur Glaul^ensänderimg gezwungen 
werden kann, die zweite nicht, nnd wodurch diese schllm^joer 
daran als jene, insoweit sie als Christin der Notzucht gesetzlich 
Preis gegeben ist, erklflrt sich aus der dogmatisch -juridischen 
Ansicht, yerm.öge vvelcher die ursprüngliche Ungläubige keine 
Verbrecherin in Giaubenssachen, weil sie nie die Lehre des 
Islams bekannt hat, die Ketzerin hingegen als eine von der 
wahren Lehre abfällige Sträfiingin zur Wiederkehr gezwuiigen 
wird; a'oer eben weil sie dem Islam so viel näher durch früheren 
Abfall und nächsten Zwang, ist ihr Leib zu schonen, sie muss 
zur Aenderung ihrer Glaubenslehren, und darf nich'c zur Ent- 
ausserung ihrer Ehre gezwungen werden, während die Christin 
zwar frei in der GhrubenswahL aber Gemeingut der Lust. Dazu 
kommt noch die politische Rncksicht, dass der Uebersprung von 
dor orthodoxen Lehre zu einei- ketzerischen viel leichter voraus- 
zusetzen, als der Abfall vom I«laijü zum Christentum, und d&Br^ 
also die Verführung in GlaubenssacUen weit minder in den 
Armen der Christin, als in denen der Ketzerin zu besorgen Pteht. 

Zur Zeit des Sultans NU^hammed IV. erwirkte der griechische 
Patriarch Paitbonios, indem er sich seines Namens — des ».Jung- 
fraulichen*'-- würdig iseigte, die Abstellung der damals vielfach 
üblichen Mietchen von Türken u-id Griechinnen Diese Ehen, 
nur auf bestimmte Zeit geschlossen, blossen „Kabin," Kebsver- 



— 37 - 

träge. Der „eben so schlaue als jiing-fräuliche" Patnaj-cli ging 
ziim Mufti und begehrte Fetwa : „Ob es den Moslem;? erlaubt, sicli 
uiit einem Weibe, das Sc}i^\einelioisch esse und Wciu trinke, 
floisciilich zu veniilscLen, uad ob Kinder, aus solcher unreinen 
Yermischtuig entsprossen, nicht schon im Mutterleibe des Islacjs 
unwüj'dig?" Der Mufti antvvortete nach reiflicher ücberlegung, 
dass solche Ehen gesetzlich nicht erlaubt. „So müsset," ent- 
gegnete der Patriarch, „ihr dieselben in Rumili verbieten, wo 
dieselben nur zu g-eraein sind." Der Mufti besprach sich mit 
dem Grosswesir, und es erschien ein Befehl, welcher ilen Mos- 
lems die Ehe mit Christinnen verbot, es sei denn, dass sie sich 
zuvor zum Islam bekehrten. Der englische Konsul Rycaut ist 
der Gewährsmann dieser ebenfalls von Hammer zitierten. Eot- 
jicheidung. — Die osmanischen Sultane haben sich nichtsdesto- 
V'Teniger häufig mit Christinnen vermählt. 

Saridsche Pascha, Beieh.lshaber der Flotte, raubte einst am 
Eingang der Dardanellen von einem fränkischen Schiffe eine 
für den Kaiser von Byzan.^ bestimmte fränkische Priuzes^iu für 
das Harem Sultan Bajesids, der schon früher mit zwei Chris- 
timien, einer Serbin und einer Europäerin ~ zwei Prinzessinnen 
— - vermählt war. 

Kaiser Cantac uzen verlobte im Jahre 1346 seine Tochter dem 
Sultan Uichan, der dreissig Schiffe, eine Monge Reiterei and die An- 
gesehensten selüos Hofes die kaiserlicho Braut zu holen schickte. 
Der Kaiser brach mit dem Heere, Hofstaate und der Familie 
nach Seiymbr-ia auf, v."o iu dar Ebene vor der Stodt ein mit 
Tüchern verhängtes Ge.cü3t aufgeschlagen ward, auf welchem, 
nach dem alien, bei VermäLIoiigeu von Prinzessinnen an Aus- 
wärtige üblichen Zeremoniell des byzantinischen Hofes, die 
Braut vor ihrer Abreise dem Volke zur Schau gezeigt werden 
musste. Darxben v/ar das kaiserikhe Zelt, worin die Kaiserin 
und ihre drei Töchter sich befanden; am dem zui' üebergabe 
bestimmten Abende blieb die Kaiserin mit den anderen zwei 
Töchtern im Zelte, der Kaiser sass zn Pferde, aUe Uebrigen 
standen ririgsherum erwartungsvoll; da fielen auf ein gegebenes 
Zeichen die seidenen, mit Gold durchwirkten Vorhänge des 
Schüugerüstes von .allen Seiten zugleich nieder, und die Braut 
des Saitaus rstaTid in der Mitte knieender Eunuchen, welche sie 
mit Fackeln beleuchteten^ dem Volke zur Schau. Es erscholl 



— 38 — 

der Zusammeiistoss von Tiürapetoii, Pfeifen und Schalmden uüd- 
andertT musikalischer Instrumente, und als derselbe verhMllt, 
sangen die Sänger die zum Preise der Braut verfertiglen IIv)3h- 
zeitsgediclite ab. Nach den anderen gewöhnlichen Uebergabs- 
Zercmoiiien byzantiaiscber Pj-inzcssinuen-Braute wurden Soldaten, 
StautsbeanitD, Grieclien undl'ürken mcbreicTage bindurcli mitie^t- 
lic'i:* i:j *i!ahlc bewirtet; hierauf ward die griechische Prinzessin mit 
Jubci -hinweggeführt iusBraatbett des sechzigjährigen osmanischen 
Bai'baren, dem als zutilfjährigon Knaben dt-r Vater Osman ein 
griechisches SchloRsfräulein zur ersten Braut geraubt hatte. 
Zwischen der ersten und z\voiten Vermähliing liegt ein halbes 
Jahrhundert von Eroberungen; statt der geraubten Griechen- 
braut wurde nun dem SrJtun eine mit Staatsgepränge wilJig 
überlieferte griechische Kaiserstothter verniählt. 

Die Beziehungen z\\'ischen den so vei't<".hw;.igorten Herrscher-- 
häusem '1er Osraancn und Byzaniiuer waren infolge dieser Heirat 
von auffallender Freundschaftlichkeit. i3'J-8 besuchte Ürchan 
mit seiner ganzen Familie und dem Hofstaate den Schwieger- 
vater zu Skutari in der am asiatischen Ufer gelegenen Vorstadt 
seiner Residenz, und mehrere Tage verflosjsen in Jagden und 
Tafeln. Der Kaiser mit Urchafi, seinem Eidame, sass an einem 
Tische, die ner Söhne des Su'tans von früheren Gemahlinnen 
an einem an.levea danebe:.', ri:ig>:herum die vornehmsten Griechen 
und Türken auf Teppichen, die auf der Erde ausgebreitet waren. 
Dann blieb Urchau zwar im Lager und bei der Flotte zu- 
rück, der Kaiser aber mit seiner Tochter Theodora, der sultani- 
schcn Gemahlin, ui;<. ihre:i vier Stiefsöhnen begaben sich nach 
Konstantinoj,ci, wo .sie drei Tage lang mit der Kaiserin-Mutter 
und den Prinzes.sinnen-Schwescern zubrachte^!), und dann reich- 
lich beschenkt nach Bithynien zurückkehrten. 

Am Höfe Suieimans des Grossen ward eine Russin allmächtige 
Gcrir.hlin des Herrschers. Durch Reiz und Taii-nt hotte sie sich von 
der Sklavin nichr uui- zur Gemahlin Suleimans aufgeschwungen, 
sondern als alleinij^e Go.nosäln solnes Bettes lenkte sie den 
Für.sten auch noch, als schoii lange die Rohe ihrer Schönheit 
verblüht sein mussien, durch dve üeberlegenheit ihres Geistes 
mul riiarakrers nach ihront ^^^lUen. 

Ein saiw'tcr Wille v.m .1;;^ yJcht, denn diese Russin Churrem- 
RoieJane wird von der Geschichte O.qt Hinrichtung von zwei 



— a9 — 

Orosswesiren - Ibraliim und Achmed — und des Sohnesmordes, 
welchen Siileiman an Mustafa beginge geziehön, auch wird sie be- 
schuldigt, im Bruderzwiste den blutigen Samen des Bruder- 
krieges, dessen Folge die Massregel der Einsperrung der Prinzen 
im Käfige des Harems war, ausgestreut und die Entnervung 
des Hen-schers herbeigeführt zu haben; ihr Grabmal im Fried- 
hofe der Suleimanije, an der Seite des grössten Kaisers der Os- 
manen, den das Weib, wie er das Reich,^ unumschränkt beherrschte, 
dieser Russin Grabmal, sagt Hammer, steht in der Mitte der 
Kaiserstadt, auf dem dritten der sieben Hügel Istambuls, ein 
weit ahnungsvolleres Denkmal als auf dem Hippodrome des 
griechischen Konstantinopels jene Reiterstatue, deren Inschrift 
die russische Eroberung der Stadt prophezeite. 

Von anderen FälleUj na fremdgläubige Frauen osmanische 
Herrscher und durch sie das osmanische Reich beherrschten, ist 
später in dem Abschnitte, der den Einfluss des Harems aus- 
führlicher schildert, die Rede. 



29. Der Koran über Ehescheidung 
und Witwen. 



Vorechriften über Versöhnungaveranche. — Familien-Schiedsrichter. — Bedenk- 
zeit, — Geschenke für die geschiedenen Frauen. — Aufforderung an die 
Männer zur Milde. — Scheidung in Persien. — Alt-arabische Scheidung vom 
Bett, aber nicht vom Hause. — Mohammeds Philippika dagegen. — Moham- 
meds Uebertretung eeines eigenen Gesetzes. — Allahs Hilfe für Mohammed. — 
Der Koran über die Witwen. _ 

Der Koran befahl, die Ehescheidung niciic voreilig auszu- 
sprechen, und sagt in der Sure IV: „Wenn eine Frau von ihrem 
Ehemanue Zorn oder Abneigung zu befüiehten hat, so ist es 
keine Sünde, die Sache gütlich unter sich beizulegen; denn 
Wiedervereinigung ist besser als Scheidung," IV 39 ordnet an: 
„Fürchtet ihr eine Trennung zwischen Ehegatten, so beauftraget 
Schiedsrichter aus seiner und ihrer Familie, und wollen sie 
wieder friedliche Einigung, so wird Gott ihnen huldvoll sein . . . 
Wenn ihr euch vertragt und euch fürchtet, ihnen Böses zu thun, 
60 ist Gott versöhnend . . . Wenn sie sich aber trennen, wird 
Gott Beide mit seinem Ueberflusse segnen" — nämlich mit Ruhe 
und Frieden. 

Ferüor heisst es im Koran über die Ehescheidung in der 
IT. Sure 326 — 230- ,,Die, welche geloben, sich von ihren Frauen 
zu trennen, sollen vier Monate es bedenken; nehmen sie das 
Gelübde dann zurück, so ist Gott versöhnend und barmherzig. 
Bestehen sie aber dann durchaus auf Ehescheidung so hört und 
weiss OS Gott auch. Die geschiedene Frau muss dann noch so 
lange warten, bis sie dreimal ihre Reinigung gehabt, nnd sie 
darf nicht verheimlichen, was Gotc in ihrem Leibe goaehaffen. 



— 41 — 

Doch billiger ist es, dass der Manu, weiin sie, es wünscht, sich 
wieder ihrer annimm}^, und dass sie gregenseitig' cadi bekannter 
Vorschrift umgfehen ; jedoch hat der Mann die Horrschaf fc über sie . . 
Die Ehescheidung- ist z',veimal erlaubt, dann müsst ihr sie in Güte 
behalten, oder mit Vermögen entlassen. Es ist onch nicht er- 
laubt, etwas von dem zu behalten, was ihr ihnen vordem ge- 
schenkt . . . Trennt er sich zam dritten Male von ihr. so darf 
er sie nicht wieder nehmen; oder sie müsste zuvor einen anderen 
Mann geheiratet haben, und dieser hat sich von ihr scheiden 
lassen-, dann ist es keine Sünde, wenn sie sich wieder ver- 
einigx^u.'- 

Sich von bereits beschlafencn Fi-auen zu trennen, bedarf es 
demnach einer s'ierrnonatlichen Bedenkzeit. Die Vorschrift, dass 
eine geschiedene Fran drei Monate warten muss, bis sie wieder 
beiraten darf, findet sich auch in den jüdischen Gebräuchen, 
wie üllmann nach Gelger erwähnt. Um sich von einer noch 
nicht berührten Frau zu trenren, bedarf es für den Moslem 
keiner Bedenkzeit. Es heisst nämlich im Korau II 237-238: 
j,Es ist keine Sünde, sich von der Frau zu trennen, wenn ihr 
sie noch niclit berührt, oder ihr noch kein Vermächtnis ver- 
schrieben habt, doch müsst ihr dann, der Reiche und der Arme, 
jeder nach Umständen und Billigkeit, für ihren Unterhalt sorgen. 
Entlasset ihr sie, bevor ihr sie ].)erührt, aber nachdem ihr ein 
Vermächtnis verschrieben habt, so erhalte sie die Hälfte des Ver- 
schriebenen, wenn nicht anders sie oder der, welcher die 
Ehepakten in Händon hat, in dieser Einsicht Nachgiebigkeit 
zeigt , . ." 

Koran XXXHI 43; ,,ü ihr Gläubige, w^^nn ihr gdänbige 
Frauen heiratet und euch von ihnen trennen woDt, bevor ihr sie 
berührt habt, so ist keine Zeit für euch bestimmt, wie lang-e ihr 
sie noch behalten müsset; gebet ihnen aber Geschenke und ent- 
lasset sie freiwillig, auf anständige Weise." 

Koran, 65. Sure: „0 Prophet, wenn ihr Weiber scheidet, 
so scheidet sie zu ihrer bestimmten Zeit und berechnet die Zei 
genau... Vertreibt sie nii^ht aus ihreü Wohnungen, welche sie 
vor der ibnen beslimmten Zeit nicht verlassen dürfen^ oder sie 
hätten sich offenbarer Schandthat schuldig femacht .. . Dn 
i<annst ja auch nicht wissen, ob nicht Gott inzwischen etwas 
Neues eintreten lässt (nämlich: etwas, wodurch sich die Gemüter 



— 42 — 

versöhnen und von der Sclieidung abstehen). Wenn nnn ihrt' 
bestimmte Zeit abgelaufen ist, daan behaltet sie oder trennt 
euch von ihnen auf billige und vorscbriftsmässige Weise, und 
nehmet dazu rechtliche Männer aus euerer Mitte als Zeugen, und 
nehmet auch Gott zum Zeugen ..." 

Koran, 65. Sure 6: „Die Frauen, von welchen ihr euch scheidet, 
lasset wohnen, y<o ihr wohnet, nach Bequemlichkeit der Woh- 
nung, die ihr besitzet, und thuet ihnen keine Gewalt an, dass 
ihj- sie iu Aengstlichkeiü versetzet. Sind sie schwanger, so ver- 
wendet für sie, was sie nötig haben, bis sie sich ihrer Schwanger- 
schaft entledigt haben." 

Koran II 242: „Und den Geschiedenen sei eine Versorgung 
nach Billigkeit festgesetzt; dies ist eine Pflicht fiu- einen Goties- 
ftirchtigcn." 

In Persien erfolgt die Scheidung — „Telak" — in der Kegel, 
wenn die Frau kinderlos bleibt, zweitens, wenn sie liederlich 
und der Untreue verdächtig ist, (.Irittens, wenn sie der Mann 
— „bed khadem" — von bösem Schritt — glaubt, nämlich wenn 
bald nach ihrem Eintritt ins Haus sich ein Unglücksfall ereignet; 
man hält sie dann für ein böses Omen und sucht sich ihrer zu 
erUledigen. Nur in den seltensten Fällen erfolgt die Scheidung 
auf Klage der Frau wegen Vernachlässigung der ehelichen Pflichten 
von Seiten des Mannes. Ausser diesem Grunde kann der Manu 
zur Erteiluüg des Scheidebriefs in Persien nicht gesetzlich an- 
gehalten werden. 

Sitte der Araber war q-z — sagt Ullmaan in seinen Be- 
merkungen zum Koran — dass sie, wenn sie sich von einer 
Frau schieden, diese aber dennoch im Hause behalten wollten, 
solches mit der Erklärung thaten: „Sei mir von nun an wie der 
Rücken meiner Mutter" — wodurch die Frau für den Mann 
und alle übrigen Verwandten in allen Beziehungen wirklich in 
das Verhältnis einer Mutter trat. Von einer Frau namens 
Chanlall bint Thalabah schied sich ihr Mann unter der Formel: 
„Du bist mir wie der Rücken meiner Mutter". Dai'auf liess 
MohajQincd in der 58. Sare, welche „die Streitende" betitelt ist, 
in Vers 1—4 Folgondos verkünden: „Gehört hat Allah das Wort 
jener, die mit dir über ihren Gatten stritt und sich bei Allah 
beklayte; und Allah hört eueren Wortwechsel; siehe, Allah ist 
hörend und sehend. Diejenigen von eucli, welche sich voö 



— 43 — 

ihren Weibern scheideu, indem sie sprechen: „Du bist mir wie 
der Eücken mein«- Mutter'' — ihrn Mütter sind sie nicbtl Siehe, 
ihre Mütter sind nur diejenigen,, welche sie geboren haben; und 
siehe, wahrlich, sie sprechen ein widerwärti^s Wort und Un- 
wahrheit . . . Und diejenigen, weiche sich unter solchen Worten 
von ihren Weibern scheiden und dann ihre Worte Tviederholen 
— die Freilassimg- eines Sklaven sei ihre Stiafo dafür, bevor 
sie einaniicr wieder bernhren dürfen." 

Ferner wurden Adoptivsöhne wie natürliche Söhne betrachtet., 
nnd die Hindernis.se bei Verheiratung-, welche letzteren durch 
Vcrhäliniüse (\<^r Vei wand tschaft im Wege standen, galten auch 
für erüteiu Beide Sitten wollte Monamined aufheben und sagte 
in der 33. Sure, 4: „Gott hat niclit zwei Herzen in den Menschen 
gelegt'', nämlich; eingebildete "Verwandte können nicht wie wirk- 
liclie leben; feiner bezüglich des anderen Gebrauches: „5^uch hat 
Gott nicht euere Frauen, von welchen ihr euch mit der Erklärung 
scheidet, dass sie euch seien wie der Kücken euerer Mtitter, zu 
eueren wirklichen Mütiern gemacht, auch nicht euere angenom- 
menen Söhne zu eueren wirklichen Söhnen." Sure 33, 4ü. Vers: 
,J3er Prophet ist nicht der Vater eines unserer Männer, sondern 
Allahs Gesandter und das Siegel der Propheten.'' 

Mohammed befahl dies vornehmlich ans persönlichen Grün- 
den, weil er selbst die Frau seines Freigelassenen Seid, den er 
als Sohn adoptiert hatte, geheiratet, w^as er der Sitte gemäss 
nicht hätte thun dürfen. Ullmann bemerkt in seinen Kommen- 
taren ztti' 33. Sure des Korans: Seid Ebu Haretha, früher Sklave 
des Mohammed, dann von ihm freigelassen nnd als Sohn ange- 
nommen, erhielt von ihm die Seineb, Tochter des Dschahasch 
und der Amima, welche Mohammeds Muhme war, zur Frau. 
Später aber verliebte sieh Mohammed selbst in die Seineb und 
wollte, dass sich Seid von ihr scheide, damit er sie heirate. Die 
Seineb und ihr Bruder Abdallah waren aber dem entgegen, 
worauf Mohaniined scheinbar von seinem Begehren abstand, bis 
es ihm endlich dcch gelang, Beide sowohl als auch den Seid 
für sich zu gewinnen, so dnss Seid sich von Soineb trennte und 
Mohammed Letztere heiratete. 

Dies rechtfertigte der Prophet in der 33. Sure des Korans, 
ind<^Tn er Allahs Hülfe für seine Leidenschaft und seinen Egois- 
mus in Anspruch nahm: „Es ziemt nicht den giüubigen Männern 



— 44 — 

uii'l Frauen, so Gott und sein Gc-sancitcr irgend eine Sache be- 
ßchlossen, sich die Freiheit herauszaneliniec, anders zu wählen. . ." 
Mohammed stellt seine Liebe zu Soineb als von Gott gebilligt 
und bestimmt hin. Dann iässt er sich selbst von Gott apostro- 
phieren: ,üu sagt,cst zu dem, dem Gott und den! du Gnade er- 
zeigt (uämlich: zu Seid, dem Goit Gnade erzeigte, als er Mos- 
lem wurde; dem Mohammed Gnade c-rzoigto, dass er i?m zum 
Sohne annahm): „Behalte dein Weib und fürchte Gott!" T)a 
suchtest du die Liebe in deinem Herzen zu verheimlichen, welche 
doch Gott veröffentlicht haben wollte. . . Da sich endlich Seid 
hinsichtlich seiner Frau entschlossen hatte, da gaben wir sie dii* 
zur Frau, damit die Gläu])igen sich kein Verg-ehen mehr daraus 
machen, wenn sie, nachdem sie ihrethalben sich entschlossen 
haben, die Frauen ihrer angenommenen Söhne heiraten; denn 
was Gott befiehlt, das muss goschehen. Was Gott dem Propheten 
erlaubt hat, ist auch kein Verbrechen für ihn." Für den Pro- 
pheten war eben alles erlaubt. 

Dagegen sorgte Mohammed dafür, dass seine von ihm ge- 
schiedenen Frauen und die Witwen, die nach seinem Tode 
zurückblieben, nicht wieder heirattm dürften, indem, er den Glün- 
bigcn verkündete: „Dos Propheten Frauen sind euere Mütter." 
Und an einer späteren Stelle in aer&elbon Smc Leisst es: ,.Es 
ziemt sich nicht, dass ihr den Gesandten kränket und je seine 
Frauen nach ihm heiratet (näailich; die^ von denen er sich ge- 
ti-ennt oder die er nach seinem Tode hinterlassen i)at); denn 
dieses wäre ein schweres Verbrechen vor Gott." — 

Bezüglich der Witwen ordnete der Koran Folgendes au. 
II 241 — 242: „Diejenigen von euch, welche sf-erben und Gattinnen 
hinterlassen, sollen ihnen Verscrguiig für ein ganzes Jahr tes- 
tieren, ohne sie aus dem Hause zu vertreiben. Gehen sie aber 
hinaas, so triitt euch keine Schuld für das, was sie mit sic.h 
selber nach Billigkeit thun." 

Ueber die Wiederverheiratung di^r Witwen heisst es in der 
Sure IT 23-1 — 23G: „Wenn ihr sterbet und Frauen hinter! as-iet, 
so müssen diese vier Monate und zehn Tage warten. Ist diese 
Zeit um, dann ist en keine Sünde, wenn sie mit sich nach 
Bilbgkeit verfahren. Auch ist es keine Sünde, w^enn ihr vor 
dieser Zeit schon den Antrag- zu heiraten einer Witwe machet,' 
oder wenn ihr diese Absicht in der Brust verborgen haltet. Vor- 



♦ — 4f3 — 

sprcebt euch aber nicht heimJich mit ihnen, wenigstens thut es 
in keusciien Worten; die Verbindung selbst aber schliessec nicht 
vor der bestimmten Zeit." 

Vor Mohammed bestand die Sittj, dass, wenn ein Manu 
stflrb, dessen Frau einem Vorwandten anheimfiel samt ihrem 
Vermögen. Der Prophet verlK't dies im Koran IV: „0 ihr Gläu- 
bigen, es ist nicht erlaubt, Frauen durch Erbschaft sich anzu- 
eignen; hindert sie auch nicht, einen anderen zu nehmen, um 
einen Teil ihrer Mofgengabe dadurch zu erhalten; es se! denn, 
sie hätten ein offenbares Vergehen begangen; gehet vielmehr 
billig mit ihnen um. Wenn ihr sie aber hasset, so kann es 
leicht sein, dass ihr gerade etwas hasset, worin von Gott grosses 
Glück für euch bereitet ist." 

Das Levirat ist vielfach als eine Art successive Polyandrie 
und Rest früiieren Anrechts der Brüder an denji Weibe aufge- 
fas§t worden. Joseph Müilor hat in seiner kleinen Schrift über 
das sexiiello Leben bei den Naturvölkern zahlreiche Beispiele 
zusammengefasst. Ich erwähne hier nur, dass es nach Moses 
5. Buch XXV 5 als ein Recht dor Frau, für den Mann als lästige 
Pflicht galt. Von den Bdudschen erzählte Heinrich Pottinger: 
„Das Verlöbnis hält man so heilig, dass, wenn der Bräutigam 
vor der Vermählung stirbt, sein Bruder durch die Regeln der 
Ehre und Schicklichkeit sich verpflichtet fühlt, die Braut zu 
heiraten." Bei den Arabern war, wie bei den Semiten über- 
haupt, dc.s Levirat anerkannter Brauch gewesen. Der Koran 
verbot später, Frauen gegen ihren Willen zu erben. „Doch" — 
sagt Klemm — ,,es schlägt die "Witwe selten den Antrag ihres 
Schwagers ab, weil durch solche Vereinigung das Familieneigen- 
tum beisammen bleibt," 

Wlnckler erwähnte — in. einem Vortrag iu der Gesellschaft 
für Ethnologie 1898 ~ eine arabische Inschrlfi, welche Vater 
und Sohn als gemeinsame Erzeuger eines amierea Sohnes an- 
führt; er schliesst darau? auf Weibcrkommunismus im Glücklichön 
Arabien. Joseph Müller bestreitet die Berechtigung dieser Fol- 
gerung, zitiert dagegen — in seiner Schrift über dvas sexuelle 
Leben der Naturvölker — Stiabos Mitteilungen über pnl3^an- 
driscbe Verhältnisse bei den Minyera des Glücklichen Arabiens: 
Alle Brüder hätten dort eine Frau gem.einsam; wer zuerst komme, 
stelle seineu Stab vor die Thür, gehe hiuein und begatte sich. 



-^ 46 -- 

Mänr.er 3us einer anderen Familie, die das thaten, galten als 
Ehebrecher und wurden mit dem Tode bestraft. Strabc be- 
richtet weiter, dass die Minj'er sich auch mit Mutter und 
Schwester begatteten, also eine Art Famiiicnkommunisiüus- inne- 
hielten Tmraor aber ist dies nach Joseph Müller nicht völlige 
Pi'omisküität; denn ein Eindringling musste dies mit dem Leben 
büssen. 

Strabo erzählt schliesslich eine amüsante Geschichte, wie 
eiuo Königstochter von wunderbarer Schönheit sich mit List 
ihrer fünfzüha Brüder erwehrte, die alle nach ihr Lust hatten. 
Sie machte Stäbe, denen der Brüder ähnlich, und stellte sie vor 
die Thür, immer beobachtend, dass es stets ein anderer Stab 
war, als der des Bruders, der eben hereinkam. Als einmal alle 
Brüder beisammen waren und doch noch ein Stab vor der Thür 
der Schwester lehnte, ward die List entdeckt. Was dann ge- 
schah, darüber schweigt die Geschichte. 



30. Ehebruch. 



riebräische Gesetze. — Der Koran über Ehebrucb. — Strafe der Steinigung, — 
Unterechicd zwiscben Freien und Unfreien. — Eine türkische Ansicht. — 
Moslemische Traditionen. . — Persische Strafen. — Der türkische Gesetz- 
gelehrte Ibrahim Ilalcby üb«r Ehebruch. — Die Kronzeugen. — ötrafea für 
Ehebxeehei'. — Der einzige Fall einer Steinigung im Islam. — Straflosig- 
keit in bcBtimmten Fällen. — Korrekt) onelle Strafen. — Der angebliche 
Ehebruch der Propheten gattin Aischa. — Warnung des Korans vor Ver- 
leumdunger. — Politische Polgen der Yerieuiridung Äischas. — 
Slldslävische Ansicht über Ehebruch. 

Aöf Ehebruch war bei den Hebräern in frühester Zeit die 
Todesstrafe gesetzt; so verfügte Moses im 3. Buche XX 10 und 
im 5. Buche XXn 22. An der letzt€ren Steile heisst es sogar: 
auch Bräute, die dem Bräutigam die Treue brechen, sollen mit 
dem Verführer zu Tode gesteioigt werden. Später wurde dieses 
Gesetz gemildert. In den Sprüchen Jesus des Sohnes Sirachs 
heisst es XXin 19: Ehebrecherinnen und Ehebrecher sollen 
gestraft werden; aber von Todesstrafe ist hier nicht mehr 
die Rede. 

Im IV. Buche Moses V 21 wird die Ehebrecherin mit 
körperlichen Leiden, mit einem hoffnungslosen Siechtum, von 
Gott selbst bestraft: „Jehovah macht dich für deine Volks- 
genossen zu einem Bilde feierlicher Verwünschung, indem Je- 
hovah, wofern du schuldig bist, deine Hüfte schwinden, deinen 
Bauch aber anschwellen lässt, wenn du ein von den Priestern 
bereitetes fluchwürdiges Wasser trinkst. Dieses Wasser soll 
eindringen in deine Eingeweide, so dass der Bauch schwelle und 
die Hüfte schwinde." 

Unerschöpflich in Verdammung des Ehebruches ist der 
Koran. In der Sure IV heisst es: „Wenn euere Frauen sich 
darch Ehebruch vergehen, und vier Zeugen aus euerer Mitte 



— 48 — 

bezeugen dies, dann kerkert sie in euerem Hause t*.in, bis der 
Tod sie befreiet oder Gott ihnen sonst ein Befreiung-smittol an- 
weist" Vergehen sich Sklavinnen nach der Verboiratuugr durcli 
Ehebruch, .,so sollen sie die Hälfte derjenigen Strafe, welche 
freien Frauen auferlegt ist, erleiden." Sklavinnen ^rerdon des- 
halb gelinder bestraft, weil bei ihnen keine so gute Erziehung 
vorauszusetzen itt, sagt üllmann in seinem Korau-Koinnienlar. 
Nach der Suana sollen Ehe'brecher, wenn sie Freigeborene sind, 
gesteinigt werden; wenn sie aber Sklaven sind, erhalten sie 
blos hundert Geisseihiebe. 

Der Türke Omer Haleby sagt den ehebrecherischen Frauen 
— denn zumeist hat das Gesetz die Frauen im Auge — Fol- 
gendes: „Ihr, die ihr ehebrechet, wisset, dass die Bastonnade 
und die Todesstrafe euch bedrohen. Höret, wie das Benehmen 
der Ammewij'j war, welche sich durch Ehebruch vergangen 
hatte: sie wurde zur Strafe der Steinigung verurteüt; aber, da 
sie schwanger war, wurde ihre Strafe dem Gesetze gemäss jsus- 
peudiert. Nach ihrer Niederkunft und nachdem sie- mehrere 
Monate die Fi-ucht ihres Verbrechens genossen batt*;, erschien 
sie vor dem Propheten, auf ihren Armen das Kind tragend, mit 
einem Stück Brod in den Händen. Herr, rief sie, du siehst 
das Kind schon imstand;?, seiner mütterlichen Pflege entraten 
zu können; ändere deshalb nicht mehr die gesetziicbt' Strafe 
für mein Verbrochen. Ich könnte vom Tode überrascht und. 
verdammt werden, meine Sünde in der Hölle zu büssen; es ist 
deshalb besser, wenn ich das Leben dieser Welt verliere, als 
die Glückseligkeit in der ewigen . . . Glaubet, o Töchter des 
Islams, dass die bitteron Thr&nen und diese Beweise der Reue 
der frommen Ammewije ihre Sünde in den Augen Gottes und 
der ^lenschen hiawcgwuschen. Denn Gott ist gerocht und 
barmb erzig!" 

Ertappt in Persien der Mann seine Frau in flagranti, 
80 dürfte er, streng genommen, sie töten. Da aber der Beweis 
mittels Zeugen schwer zu führen, ja nach der Forderung Alis 
„Necesse est videre st^^Lü in pixide", kaum möglich ist, zieht 
man die Scheidung voi , selbstverständlich muss dann die Frau 
den Ansprüchen auf ein Heiratsgut entsagen. 

Der Code des Ibrahim Haleby behandelt ausführlich dis 
Arten des Ehebruches und die entsprechenden Strafen, die das 



— 49 — 

türkische Gesetz dafür bestimmt. Es heisst dort: Ehebruch ist 
oiii Akt der ünreinlichJkeit, dessen maa sich mit einer Person 
schuldig macht, auf die man keine legitimen Rechte hat. Be- 
weis des Verbrechens ist: entweder das freie Geständnis der 
Solioldigen; oder die Deposition der Zengen vor Gericht. Im 
ersten Falle müssen die Verbrecher ihr Geständnis viermal in 
vier verschiedeneu Sitzurgen des Gerichts wiederholen. Danach 
ist das Verbrechen erwiesen, und die Strafe tritt ein. Sie sind 
keiner Körperstrafe ausgesetzt, wenn sie sich mit Unkenntnis 
des Gesetzes oder damit entschuldigen, dass sie sich der Schwere 
dos Verbrechens nicht bewusst gewuscQ. Wenn beispielsweise 
ein Mann mit seiner Frau nach einer vollkommenen und kon- 
traktlichen Scheidung schläft; wenn ein Herr mit einer Sklavin 
nach ihrer absoluten Freilassung schläft; wenn ein Herr mit 
einer Sklavin schläft, die ihm als Geissei gegeben wurde, in 
Wahrheit aber einem seiner BJutsfreunde gehört; und wenn der 
Scliiildige erklärt, er habe nicht gewusst, dass er das nicht thim 
dürfe — - so wird ihm die Strafe erlassen ... In allen diesen 
Fällen ruft der BeiscWaf, obgleich er illegitim ist und das Gesetz 
verletzt, doch keineswegs eine legale Strafe hervor; denn er 
verhindert den Vater nicht, das Ejnd, das aus einem solchen 
Verkehre hervorgeht, anzuerkennen und zu legitimieren. Anders 
aber ist es, wenn man das Verbrechen mit der Skhavin eines 
Blutsverwandten begebt; ob in diesem Falle der Schuldige 
Ignoranz des Gesetzes vorschützt oder nicht — er ist strafbar. 
Im Falle ein Ehebruch durch Zeugen erwiesen wird, so 
ist vorgeschrieben, dass vier tugendhafte und glaubwürdige 
¥r-^ner eine einmütige Deposition beibringen. Sie müssen gleich- 
zeitig vor dem Tribunal erscheinen und einstimmig deponieren, 
aber nicht unter der Benennung einer einfachen „Dschima", 
einer simplen angcbh'chen VereiTiigung der Schuldigen, sondern 
unter der Benennung „Sena", Ehebruch. Und sie müssen sagen, 
dass sie Zeugen des Aktes selbst gewesen seien, sie müssen 
kel mil ß mikhale, styJnm in pixide, gesehen haben. In solchem 
Falle sollen sich die Zeugen keine Skrupel darüber miichen, dass 
sie ihre Bücke auf jene Körperteile ihrer Nebenmenschen ge- 
richtet hatten, welche der Koran und die Scham unter anderen 
Umständen anzuschauen verbieten. Denn in solchem Falle hat 
der Mensch die Ffiicht, das üebei zu betrachten, am es zu 

St;>.ru. Meiiiziu, AberLla.'b« a. üüschlecht-jl'jbeii in der Tüvk;?», 11. 



— 50 — 

Strafen. Im übrigen aber sind weder Ohreiizeug-eii noch substi- 
tuierte Zeugen von der Justiz annenmbar-. und selbjt die Augen- 
zeugen gelten dann nichts mehr, wenn ihre Depositionen einmal 
verworfen woruun sind, weil sie uügenügond waren. Denn diese 
Depositiouen müssen vollkommen übereinstimmen bezüglich der 
Zeit und de;» Ortes des Verbrechens und bezüglich der Mitschuld 
der Frau. Dem Richter ist stren;rste Vorsicht und Aufraerk- 
samkeit zur Pflicht gemacht. Der geringste Widerspruch in den 
ZeGgenauasagcn über die Mitschuld der Frau hebt die belasten- 
den Zeugnisao anf. Die Deposition der Zeugen mugs in Gegen- 
wart des beschuldigten Ehebrechers statthaben; die beschuldigte 
Frau aber braucht nicht anweseud zu ücin. Auch muss die De- 
pociition der Zeugen sofort nach dem Verbrechen erfolgen und 
der Termin der Verhandlung sich nicht über einen Monat er- 
strecken. Den Zougeu steht es frei, auszusagen oder nicht; und 
beides ist lobenswert. In ersterem Falle dienen sie der Wahr- 
heit und erhalteu das Verdienst, ein Verbrechen entdockt und 
die Bestrafung veranlasst zu haben, und sie nehmen teil an 
der Srhaltung der öffentlichen Sittlichkeit. Im anderen Falle 
aber ist ihr Schweigen ein hnmanüi Akt gegen den Nächsten. 
Denn der Prophet aa^te: „Derjenige, vreicher de? Moslem, 
seinen Bruder, dockt — der wird auch seine Frau am Tage des 
Gerichts von der göttlichen Barmherzigkeit gedeckt aehen." 

Die Strafe für Ehebrecher ist, wenn die Personen, die das 
Verbrechen begangen haben, „Moücl :^sin" sind: die Strafe Red- 
scliim, die Sti-afe der Steinigung. Ais „Moüchssin" aber be- 
trachtet man solche Männer und Frauen, die gros.sjäiuig sind, 
gesunden Geistes, gesunden Leibes, moslemisch, frei und 
bereits verheiratet Fehlt dem Manne oder der Frau eine dieser 
sechs Eigenschatten, so können die Schuldigen nur zur Strafe 
der Auspeiisohung verurteiJt werden. Ein im Fastenmonat 
Ramasan begangener Ebebnich Vvird m jedem Falle mit dem 
Tode bestraft; da gib't es keine Milderungsgrönde. Das Gleiche 
gescjiieht im Falle der Unverbesserlichkeit und der Wieder- 
holung, oder es trifft unabwendbar den Mtinn, wenn die Frau 
infolge' eines Aktes der Vergewaltigung- stirbt. 

Die Ausj^eitschung besteht in hundert Peitschenhieben bei 
freien, in fünf/Jg bei dierenden Personen. Die Hiebe düifen 
nicht allzuhefiig sein, damit sie nicht den Tod der Verbrecher 



— 51 — 

herbeit'üJiren; uoch allzuschwach, so das^^ sie den Zvfe<"k dr>s 
Gesetzes, das die Besserung- erstrebt, nicht erfiilieu. IMe Iliobe 
diirferi aaif alle Köri^erteile - - den Kopf und die Geschlechts- 
teile ausgenommen — ausgeteilt werden. Der schuldige Manje 
mnss bei Empfang der Körperstrafe aufrecht stehen und ein 
Hemd anhaben. Die bestrafte Frau muss pitzen und beklcid3t 
sein, darf jedoch kein mit Pelzwerk gefüttertes Kleid anhaben. 
Unabhängig von diesen Strafen kann die Bchörue als Strafe für 
den Ehebruch auch die Strafe der Verbannung aussprechen. 
"Wenn der Ehebruch mit einer geraubten Sldaviu au^!ge1i))t 
wurde, so mu^^s der .Häuber nocii eine Entsctiilaiguag in Geld 
au den rechtmt^'siiigcn Besitzer der Sklavin zahlen. 

Die Str-siV <[tv Steinigung nmss i-tfeutUcli si'.ittfinden. Der 
venuteiUe Mani] soll mitten in einem Felde frei stehen, die 
verurteilte Frau aber bis zu ihrem Busen in einer Grube ein- 
gegraben sein. Die Zeugen des Verbrechens' müssen die cJisteij 
Steine auf die Verurteilten werfen; dann folgen die Mitgligder 
der Behörden, daun nimmt das Volk Teil am Steine weilen, 
welches so lange fortgesetzt wird, bis die Bestraften kein Lebeaa- 
zeichen mehr geben. Wenn die Zeugen sich weigern, an der- 
Prozedur teilzunehmen, oder wenn sie gar niclit um 'Ksge des 
Gerichts erscheinen, oder wenn sie in der Zeit von der Fällung 
des ürieils bis zur Exekution verstorben sein soUlen — so hebt 
dies die Todesstrafe für die Schtildigen aar. 

in dem Falle, dass die Ehebrecher nicht infolge von >^eagen- 
aussagcn, sondern infolge ihres eigenen Geständnisses verurteilt 
wui'den, müssen die Mitglieder der Behörden die ersten Steine 
werfen. 

Den so Bestraften darf die Ehre eines Begräbnisses nicht 
verweigeit vrerden. 

Wenn die ei'ebrecherische Frau sich im Zustande der 
Schwangerschaft befindet, so hebt dies für den Augenblick jede 
Strafe auf. Und wenn sie ihr Verbrechen selbst eingestanden 
hat, so erfr-vat sie sich der Freiheit bis raoh ihrer Nie;lerkunft, 
und selbst darüber hinaus tii)cli so lauge, ab das Kind ihrer 
Milch urid ihrer niütterlichen Sorge bedarf. 

Zu Zeiten Mohammeds IV. wurde zu KoustaTiliuopel eine 
Shebrecherin, das Weib eines Schub tlickers, weiche mit einem 
Juden, einem Leinwandhändler, beim Ehebruch ertappt worden 



— 52 -- 

war. gcstcJnk't. Seit der Gründung dea Islams hatte dies' vor 
dem Koran für den Ehebruch verhö.ugte Strafe nicht stattge- 
fuiiden, weil der Prophet, als die Strafe auf einen seiner tapfer- 
sten Feldhorm angewandt werden sollte, ein milder Ausleger 
des im Namen des Himmels zu strenge gegebeiicn Gesetzes, als 
unerlässliches Bodinjrnis die Anssaeo von vier wahrhaftigen 
Augenzeugen gefordert hatte, so dass weder damals, noch seitdem 
die durch den Koran verhängte Strato- der Steinigung- in An- 
wendung gekommen war. Di**s wai' der Kegierung Sultan 
Mohammeds IV. unter der Ol^erstlandricbtcrschaft Bejasisade 
Achmed Efendis vorhchalten. Dieser, ein ehcnso streaaei v/io 
gelehrter Orthodoxe, Verfassor der „WilioRsandeutUTjg- in den 
Andachtsühungon des grössten Imams", ruhte nicht, bis er einige 
verdächtige Zeugen zur Ablegung des Auarnbewoises vermocht 
hatte, worauf dann vor der Moschee SuJtiin Achmeds eine Grube 
gegraben, das Weih des Schuhflickers und der Jucie eingegraben, 
dieser, weil er Tags zuvor, in dfrlloffouiig, sein Leben zu reiten, 
Moslem geworden, aus besonderer Gnade zuvor geköpft, das 
Weib aber vor dem Volke unter einem Haufen von Steinen be- 
graben wurden, ücr Sultan hatte sich in den Palast Fasllpaschas 
auf den Honuplatz begcbcu, um diesem Schauspiele strenger Ge- 
sctzanwciiduu'^" sollisl zuzuschauen. 

Nicht als Khehvecher hi^t] achtet werden dai'f der Moslem^ 
welcher einer fi-nieu Frau dio Gun^-tbczeugung bezahlt hat. Des- 
gleichen kanu \v('cer iibur Manu noch Frau dit> Todesstrafe ver- 
hängt werden, wenji sie den Shcb7nch in einem fremden Lande 
oder in einer gegen den legitimen Souverän revoltierenden 
Gegend begangen haben. Tu diesen beiden Fällen darf nur einft 
korrektionelle Strafe diktiert werden. 

Strafbar sind ferner fremde Männer, die des Ehebruchs mit 
einer Frau des Landes, oder eiuheimische Männer, die mit einer 
fremden Frau 'Ehebruch verüben. 

Korrektionelle Strafen gebühren insbesondere: für den Ehe- 
bruch mit einer iiahen Verwandten; für eine unreine Handlung, 
die eine unmündige Person begeht; für ein'.- Handlung, die ein 
Maan In der Duukellu'ii und aus Irrtujn begeht: en einer fremden 
Frau, an einer Sklavin seiner Frau, seines Vate.'-s odev seiner 
Mutier; für Liawta oder Päderastie mit einf r Person männb'chen 
oder weiblichen Geschlechts; für das verächtliche Geschärt der 



— 63 — 

Kuppelei: für Uiiziuht mit Ticmn; für Verheiratung mit einer 
Witwe oder geschiedenen Frau, so langt f>ic noch nicht aus 
dem Mdet - ans der Periode, die sie bis zw Wiedervorheira- 
tunc: abwarten muss — heraus ist; für den fielen Verkehr der 
beiiicn Geschlechter, wenn ein Mann und eine Frau, die nach 
dorn Gesetze sich nicht sehen dürfen, sich in familiärer Weise 
treffen, miteinander plaudern, schäkern und gemeinsam ein 
Mahl nehmen; für jeden Mangel des Respekts in den Gesten 
eines Maunes gegenüber einer Frau, die ihm fremd und nicht 
verwandt ist; für die Vernachlässigung der Gleichheit, die der 
Mann allen seinen legitimen Frauen schuldet; aber dies gilt nur, 
sobald der Mann nach einer ersten Verwarnung sein Vergehen 
TAiederholt; endlich gebührt eine korrektioneile Strafe für den 
Ungehorsam der Frau gegen den Willen des Mannes. — 

So wie es in allen diesen Gesetzen den Richtern vorge- 
schrieben ist, sie nur mit grösster Vorsicht und nach genauer 
Prüfui){:- des Thatbestandes anzuwenden, ebenso wird auch den 
Gläubigen anbefohlen, in ihren Anklagen, Beschuldigungen und 
Aussagen die peinlichste Wahrheitsliebe zu beobachten. 

Im Koran XXXIII 58 heisst es: „Und diejenigen, welche 
die gläubigen Männer und Frauen unverdieuterweise verletzen, 
die haben die Schuld der Verleumdung und offenkundiger Sünde 
zu tragen.** 

Koran XXIV 4—15, 18-20, 23—25 behandelt die falsche 
Anklage des Ehebruchs. Der Anlass hierzu war folgender: 
Aischa, die dritte und liebste Frau des Mohammed, die ihn 
bei dem Feldzuge gegen den Stamm Mozdalek im fünften Jahre 
der Hidschret begleitete, kam in der Nacht vom Wege ab. 
Safan Ebn Al'Moattel, einer der vornehmsten Heerführer, blieb 
zufällig auch zurück und fand des Morgens die Aischa schlafend. 
Als Aischa erwachte und Safan erblickte, warf sie den Schleier 
übers Gesicht. Safan, ohne weiter ein Gespräch mit ihr anzu- 
knüpfen, Hess sie sein Kamel besteigen und brachte sie zurück. 
Durch diesen Vorfall suchten Mohammeds Feinde, namentlich 
ein gewisser Abdallah Ebn Obba, Aischas Tugend zu ver- 
dächtigen, was dem Mohammed grossen Kummer verursachte. 
Zu seiner Beruhigung und zum Tröste der Aischa, ihres Vaters 
Abu ^.ier Ebu) Bekr und des Safan wurden in der XXIV. Sure 
nachfoi^ ende Verse offenbart, welche diese Verleumdung als eine 



— 51 — 

Prüfuni,^ und zur Erhöliiiug' des SeelcLiieils der Betroffenen bei- 
tragend darstellt: „. . . Wer eii:e ehrbare Frau des Ehebruchs 
beschuldigt und dies nicht durch vier Zeugen beweiseji kann, 
den geisselt mit achizig Hieben; denn er ist ein Bösewicht; 
derjeniirc sei ausgenommen, der später bereuot und sich bessert; 
denn Gott ist versöhnend und barmherzig . . . Haltet die Partei, 
welche mit der Verleuradung unter euch auftrat, nicht für ein 
üabel; im Gegenteil, dies ist gerade besser für euch (nämlich 
zur Prüfung und Erhöhuug des Seelenheils ueitragend). Ein 
jeder von dieser Partei soll nach Verhältnis des Verbrechens, 
dessen er sich iichuldig gemacht hat, bestraft werden (in dem 
in Reiie stehendun Falle ciFielten vier Personen jeder achtzig 
Peitschorjhicbe). Der Büclelsführer aber, der die Vcrlouni^^ung 
vergrössi.rt hat, s'Ml peinliclie Strafe erleiden (nfimlich: Abdallah 
Ebn OlVoa, der zur Straf (i nicht Moslem werden durfte, sondern 
dh Ungläubiger sterben musste). Haben nicht die gläubigen 
Männer und die gläubigen Frauen, als ihr dies hörtet, das Beste 
davon in ihrem Herzen gedacht, und gesagt- das ist offenbare 
Lüge? Hatten sie vier Zeugen dafür aufgebracht? Da sie nun 
keine Zeugen a'afbringen konnten, so werden sie von Gott als 
Lügner betrachtet... Waltete nicht Gottes Gnade über euch... 
so würde euch schwere Strafe getroffen haben wegen der Ver- 
lerjnduiig, dio üir ausgestreut, da ihr sagtet mit eurer Zunge 
und sprächet mit euerem Muijde Solches, wovon ihr keine Kenntnis 
hattet... Warum habt ihr nicht, als ihr dies gehört, gesprochen: 
£s ziejut uns nicht davon zu sprechen; bewahre Gott! Dies ist 
ja eine grosse Verleuüidur.g. Gott warnt euch nun, dass ihr 
nie mehr zu ähnlichen Vergehen zurückkehret, so ihr Gläubige 
sem wollt."' 

D"c Verlciiiiidung der Ai'scha blieb in der Geschichte des 
Islams nirht ohne üble Folgen D*is erste Heer der Schismatiker 
Motoselc, der Abweichenden, v;ciche dem Eidam des Propheten 
den Thron streitig machten, wurde von dessen erklärter Gegnerin 
A'ischa angeführt, welche dem Ali, Gemahlc ihrer Stieftochter Fa- 
tima, nie verzieh, dass er bei Untersuchung ihres nächtlichen Aben- 
teuers ndt Safan ni'-lit blirdsings ihre Unschuld geglaubt, sondern 
wie andere Zvreitle?- erst durch die vom Himmel gesandte Sure 
zum Stillschweigen gebracht werden musste. Da sie selbst auf 
einem Kamele der Schlucht beiwohnte, hiess diese Schlacht die 



tk'jj Kumdsi Das Abüniöucr iler Liobiiü^'sgeraafcnii dee Propheten 
worden ewijj'o Kainpfesursfi^ihe zwischen. Porsern aiui ö.^iiianeii, 
Kwi^ulieü Scikütcu und Simiiiteii; umi w^nii mal zwisciion diesen 
bei(j<>n Voikoni «nd Rclig-ionsgonosscftschaften Friede geschlossen 
■«Tirde, £0 waren dies die ständi^jca Biauptbodiügjungon: E.it- 
haltang alles Schimpfes aur die Geräin'teii des ÄovOieten» des 
Hochverehrten, auf die Imarje, die im heilig-eii Kampfi Bewährten, 
und auf die Mutter der ßecütgläubltjen, AiStT.p. die Keusche 

l/fis Verlangen, die Elire den eifrerif^n Mausei;, der eigenan 
geliebteston Gattin zu schützen, war für Kohammed der Grund, 
auch Sebutz für anderer Frauen Ehre festzusetzen : vier Zeugen 
sollten also den Ehebruch bestätig'cn, sonst galt die Bescbidcü- 
gTing' als Verleuuidung. Ferner heisst. es in der XXI7. Sure: 
„Diejenigen, welche ibre eig-enen Fmuen des Ehebruchs be- 
schuldigen und kein anderes Zeugnis als ihr cigtmes daiiiber 
beibringen, scUen viermal bei Gott schwören, dass sie die Wahrheit 
gesprochen, und das fünfte Mal den Fluch Gottes über sich 
rufen, so sie lügen." Doch soll Folgendes die Strafe von der 
Frau ab\v>^nden: ..wenn sie vierinai bti Gott schwört, dass der 
Gatte ei» Lügner sei, und wenn sie dns fünfte Mal den Zorn 
Gott(is über sieh ruft, so er die ^V'ahJbeit gesprochen." UHmaTin 
verweist hierbei auf das W. Buch Moses, Kapitel V 11— 3 1 und 
meint: Mohammed scheine die dort enthaltenen Gesetze gekannt 
und absichtlich für seine Zwecke abg-eändert zu haben. — 

Bei den christlichen Balkanvölkern ist die Moral laxer. 
Kamentlich einem ledigen Manne verübeln es die Südsiaven 
nieht, wenn . er das 'Weib eines Anderen, das sich ihm freiwillig 
ergibt, beschläfl. „Eh, dala mu je'* - „nun, sie hat ihm ge- 
währt",, heisst es zu. seiner Entschnldigung-, während die Ehe- 
brecherin zu ihrer Entlastnng- auf das allgemein gebräuchliche 
LiedßheB sieh berufen kann: „Jedes Weib ist eine liebe Trottelin, 
die nicht blos zweien, dreien gewabi-t; denn über heute und 
morgen ist man schwarze Erde." Gebraucht aber ein ver- 
heirateter Mann eines Anderen ¥T&n,. so s^gt man zürnend: 
,,er verheidBot sich mit ilir"; und „in jener Welt wird das Weib 
an den Höli(3iJpfosten mit auseinandergespreizten Beinen auf- 
goh&Dgt werden; und während ihr aus ihrem Geschlechtstsüe 
Wasser tröpfelt, mnss ihr Buhle unter ihr stehen mit offenem 
Munde, um die Tropfen aufzufangen." 



3L Sultanische Heiraten und Hochzeiten. 



Äufänp:licLe lutAessenheiraten. — Vermählung ThronberecLtigtcT mh Skla- 
vinnen. — Vermählungsfestlichkoitea. — Kostspielige ELi:eniJ.inter. — D.ib 
HoclizeitHJaiir 1€12. -- Die Hochzeitspalmeu, Symbole niänolichor Kraft. — 
Milgiftssummer.. — Brautgeschenke. — Eine rieünfa-ohc Hociizeit. — Fcet- 
essen. — Abnahme der reichen Mitgift. — Handel mit Sultäustöchtern. — 
Alter der Bräuie. — Unterschied zwischen Jungfrauen und Wifwen. — Die 
Brautnacht einer Prinzessin. — Nachteile der Ehe mit einer Prinzessin. 

Die Heiraten der osroanischen Herrscher waren anfänglic!;, 
wie bei europäischen Fürsten, häufig* mit politischen Intcressou- 
fragen verknüpft. Ich habe schon früher als Beispie]e osmanisch- 
byzantinische Ehen aisgeführt. Auch Sultan Murad verheiratete 
seinen erstgeborenen Sohn Bajesid Jildiriin, t!cn "Wetterstrahl, 
aus Interessenpolitik mit der Tochter des Herrn von Kermian, 
Tvelche den schönsten Teil der Besitzungen ihres Vaters dem 
Bräutigam als Mitgift brachte. Als Brautwerber gingen der 
Richter von Brussa, Chodscha Efendi, und der Fahnenträger 
Aksankor mit dem Tchauschbaschi Timurchan, und als Be- 
glciteriunen der Braut die Frauen des Richters und des Fahnen- 
trägers und die Amme Bajesids, mit einem Gefolge von drei- 
tausend Männern und Frauen, nach Kermian ab. Der Fürst 
von Kermian empfing die Gesandtschaft ehrenvoll, übergab die 
Tochter den drei Frauen und bestimmte seinen Truchsess, dass 
er die Braut geleite und ihr Pferd führe. Die Hochzeit wurde 
zu Brussa glänzend gefeiert. Es erschienen dabei die Gesandten 
nicht nur der benachbarten Fürsten von Aidin und Mentesche, 
von Kastamuni und Karaman, sondera auch Botschafter des 
Sultans von Syrien und Aegypten mit reichen Geschenken. Sie 
brachten arabische Pferde und alexandrinische Stoffe, griechische 
Sklaven und Sklavinnen. Ewrenosbeg allein, ein griechischer 



Rcnojjfat. brachte von <1p!'. SoLufii und Tochtorn seines Vo.lk.os 
hundert der Fohöiisleii KnaVifu und Ma(V.hei' a!? Sklaver und 
Sklavimien dai. Jedei- der ersten /rhn Sklaven tnij« (-:ir.eTi 
goldenen Tellei- mit. Golds-tiickf-n, Jeior der fdlj^-euden zehn oinc 
silberne Scliiisscl mit SiibenvtiK'kcn aiifj?:ehLiuftj die anderea arht- 
zeJin: goldene nnd .silberne K:\iineit und Waschbecken, lait Schmelz 
verzierte Schalen und Ta.ster., inii Juwelen beset/.ie Bechvr nnd 
Gläser, „so dass." ^vie Iuris »ag-t, „d^s Korans Bcschreibnnir 
vom Paradiese erfüllt ward: Und es g-ehen nni sie — die 
Seii^'en — Gv^th; jnug-e Kinder mit Becken nnd Kannen nnd 
Bechern." Diese Geschenke werden auf türkisch ,,Sats::Lu" 
— „Strenwerk" — genannt, vveil die gewöhnlichen HochzeiLs- 
geschenke. nändich Gold- und Siihennünzen. ü'.'jer den Kopf der 
Braut ausgestreut werden. 

Eine Interessen-Heirat war spüter anch die der Tochter 
Bajesids mit d<^rn Prinzen lilnhaniraed Sultan, Enkel Timnrs, 
welche mit des Letztoren Erlaubuis 'luf der öäl.lich von Bnissa 
gelegenen Ebene von Jenischehir gefeiert wurde: aber sie hin- 
derte Timnr nicht, das o.smanisc.he Peicli zu zerstören und Ba- 
jesid des Thrones zd entsetzen. Timnrs Ehen selbst waren 
Nachahm dng-ej des durch DscLengiRchans Satzung und Leben 
gegebenen grossen Beispieles von Stärke der Herrsch erra acht, 
die sich auf zahlreichen Faniilienverein gründet. Diesen durch 
Vermählungen immer mehr zu erv/eitern nnd zu befestigen, war 
Timurs Augenmerk vom Anfange bis zum Ende seiner Re- 
gierung, weshalb in der Geschichte dersell)en di',^ llochzeitsteste 
in stehender Artikel sind. 

Als Timur erst im Aufsteigen war, warb er um die Hand 
der Prinzessin Tnrkan-Chan, der Schwester des Schach HiL-cin, 
and er stützte den Thron Huseins, so lange dessen Schvvester 
lebte; aber ihr schon vier Jahre nach der Vermählung erfolgter 
Tod zerriss mit den Banden der Blutsverwandschaft die der 
Vasallenschaft, und Timur stand in offenem Kriege wider Eusein, 
den Herrn von Chorasan und Transoxanien, auf. Ein Friede 
wurde zwar geschlossen, der Krieg aber wieder erneuert, bis 
nach der Eroberung Balchs uml Hu.=eins Tod Timnrs Thron- 
besteigung widerstandslos erfolgte. Von acht Prinzessinnen, 
welche im Harem Huseins waren, behielt Timnr die Hälfte für 
sich, nahm aber nur zwei zu Gemahlinnen und verteilte die 



— 58 — 

andeven vier unter die Emire, seine Freunde, SUrürd- rind 
WaffongcnosF on. 

Die Feldzüge 'liinurs wechFelten iortnn rddit jnir nüt 
Friedeiisbotecliafteii und Frietiencjsclilüssen, sotidern aach mit 
Vermähl au gen ab. Sslion nacli deui ersten Feldzug-e wider dei: 
erwiiliiiteu Schach Ha:>eiii von Chuaresm begchite Tlraiu univh 
Dotschaft dessen Tochter Ohansade als Gemahlin für seinon 
ältesten Sohn Schihaugir, nr.ci Hnsein Ssoü vernxifitaltete ein 
Fest, das ai). Glan?, mit den bernhniteR VomillhiungsfeierHch- 
keitcii der arabischeu Kiilifen wcUeiffiite, Die Ausstattung' der 
Braut bestand aus kostbaren Kronen, aus einem g-old-vuen 
Tbrouo, aas Arnibändorn und Ohrgehängen, Halsbäadern und 
Giirielii, aus Truboj voll Edelsteinen und Perlen, aus Betten, 
Zelten, Sofa^ nnd iialdachiuen. Als Willkomui streuten die 
Grossen dos Reichs über den Kopf der Braut Golu.stilcko und 
Perlen aus, Cdo. Luit war \'on Mc8chi:s und Ambra durchduflet, 
der Boden mit Tapeten und Goidsroff beh8:t; aus allen Städten, 
wo die Braut durchzog, gingen ihr die Scheichi und Kadi, die 
Iman:.e und MoUa entgegen, und alle diese Feierlichkeiten 
^vurden bei ihrem EmpfaDge zu Samarkand verdoppelt. T.'as 
Zell, worin die Vermählung stattfand, stellte von innen den 
Dom des HiroDiels mit Sternen aus Edelsteinen besät vor, der 
Zcltknopi war aus Ambra, und der Vorhang des innersts^n Ge- 
maches aus Goldstotf. Mehrere Zelte, mit Kaftanen, Schalen, 
Kleidern und Stoffen gefüllt, wurden unter den Hofstaat und 
ilic Gäste verteilt; die Astronomen stellten das Horoskop des 
p'lüc'klit'hei' Augenblicks der VormählcLg, und diese wurde mh 
\'iüer Pracht vollzogen, wovon der Osten seit den schönsten 
Zeiten des Kalifats icein Beispiel gesehen. Mit minderer Praclit 
^'eierte Timur im folgenden Jahre seine eigene Hochzeit mit der 
Prinzessin Düschadaga, der Tochier des Sultans der Dschetcü, 
nachdem (;r dieselbe auf dem zweiten Feld^juge wider ihren 
Vater gefangen genommen. Am5ser mit den bereits genannten 
Frauen vcrmühlie Timur sich auch mit der Prinzessin Tuman- 
aga, Tochter des Emirs Mnsa, der zuliebe er die zwölf könig- 
lichen Gürten SciUiarkunds in einen vcrelnig-te, welcher „Bagni 
ü;hi«cl!t, d('r Garten des Paradieses" genannt ward. Die Bande 
der Versehwägerung retteten aber den Sultan der Dscheten 



-. 69 -- 

ebensowenig wit deu Srhar-h von Ctuaresni o^lcr den Snltan 
der Osmanen vou ihrem TJntcrgango. 

Im Jahre 1396 feierte Tiinn.r ei?i<? Doppellioclizeit, die der 
Prinzessin Begisi, seiner Enk-jüii. mit dorn Prinzen Iskender 
Mirsa, und seine ci(j;'c;ne mit TuwulcLanim. der Tochter Kescr 
Ctiodschahs, des uiougoHschen Prinzi»n, die er im siebenmal 
neunten Jahre seifte'S Lebuus, als ncninte seiner Gemahlinnen, 
freite, und der er den ücuangelegten, herrlic]^sien Garten von 
Samarkand, „Dilgüscha, Herz eröffnend" genaimt, widmete. 

Die junge Braut konnte — wie Hammer schreibt — den 
alten Eroberer zu keiner Untreue an der Braut des Siegs und der 
Eroberung verleiten; an die Zubereitungen des liochzeitsfestes 
schlössen sich die des Feldzugs, und von dem Brautbett stand 
Timui' zu Indiens Eroberung auf. 

Des Tatarenkaisers geliebteste Günstiingin hiess Tscholpan, 
Morgcnsteru. Er hing so an ihr, dass er sie auf allen seinen 
Reisen mit sieh führte. Dieser blutgierige Despot konnte auch 
in der Liebe masslos sein; merkwürdigerweise nicht blos in der 
Geschlechtsliebe, sondei'n auch in der Familienliebe, Seine ein- 
zige Tochter Sultan Becht konnte von seiner Liebe zu ihr alLes 
verlangen. 

Trotz der schlimmen Erfahrungen, die der osmanische Hof 
mit der tatarischen Verschwägerung gemacht hatte, legte er 
noch lange nachher Wert auf vornehme verwandtschaftliche Be- 
ziehungen. So zog Siiltau Murad IL mit grossem Pompe nach 
Adri&nopel, zur feierlichen Hochzeit mit der ihm verlobten 
Tochter des Fürsten von Sinopc. Elwanbeg, der Obersttruchsess, 
in dessen Familie dieses Hochamt und das der Brautwerbungs- 
gesandtschaft erblich war, wurde mit der WitAve Chalil-Paschas, 
weiche unter Siiitan Mohammed in dessen Harem ei*zogen wor- 
den war, nach Sinope geschickt, die Braut in vollem Staate ath 
zoholen. Der Fürst von Sinopo empfing die Botschaft mit geziemen- 
den Ehren und Würden; er übergab die Tochter der Gemahlin 
Chalil Paschas. Ueberal!, wo der Zng durchkam, wurde die 
Prinzessin auf das feierlichste bewillkommnet, und dann zü 
Adrianopel die Hochzeit des Sultans gefeiert. 

Auch der Winter 1438 war zu Adrianopel den FesUich- 
keiten der Vermählung Murads II. mit einer anderes, feiner ser- 
bischen Prinzessin gewidmet. 



„ 60 — 

Tu doinsRU)ci] Jahre feierte 'Älurad fiiich seines Sohnes 
Möhaniujeds Vermähliiüg mit der PiiTizCvSsin von Sulkadr. 
Siileimanbeg. der turkmenische Fürst dieses Landes, hatte fünf 
Töchter; um eine derselben ab .Braut für den osmaaischen 
Thronfolger auszuwählen, wurde dio Frau Chisr Agas auf Braut- 
bescbau gesendet, und der von ihr im Namen dos Sultans für 
seinen vSohn Gewäblten steckte sie den Verlobungsring- an. Zum 
zweiten Male ging diese Matrono ndt dem Brantbewcrber 
Siridschi-Pascha, um die Braut abzuholen, welche von den Vor- 
nehmsten ihres Landes mit dem ßrautschatzv nach Brussa be- 
gleitet ward. Die Richter, die LHema, die Scheiche kamen der 
Prinzessin im feierlichen Zuge entgegen; die Hochzeit selbst 
wurde zu Adrianopel nebst vielen anderen Festlichkeiten auch 
durch GcdicLte drei Monate lang gof'dert. 

Seither aber berichtet die osnnLni^icbo G'^schichte nur selten 
von Hochzeiten der Sultane oder Sultans?öhne rnir Prinzessinnen; 
es wurde fast Gesetz für die Thronbnrcchtigten, sich nur mit 
Sklavinnen zu verheiraten, und kein Wert ipolir auf vornehme 
Bezieh ungen gelegt. Desto grösseren Raum beanspruchen in der 
osmaüischen Geschichte die Verinählungsfestiichkeiton, welche 
zu Ehren der Sultanstöchter stattfanden, mjt deren Händen und 
Herzen aber nicht fremde FürstJichkciten, sondern Günstlinge 
des Hofes beglückt wurd'.m. So feierte zu Constantinopel Sultan 
Suleiman der Grosse mit „bisher noch ungesehenen Festen" die 
Hochzeit seiner Schwester mit dem Grosswesir Ibrahim pascha. 
Auf dem Hippodrome wurden Zelte und ein Thron liir den 
SuKau errichtet. Der zum Brautführer ernannte zweite Wesir 
Ajaspascha — der zu Rhodus als Begierbog Rumilis vor dem 
Bollwerke der Deutschen gelegen — und der Janitscharenaga 
begaben sich ins Sserai, den Sultan zu laden, welcher sie reich 
beschränkte und den Ibrahira hochpries. Durch sieben Tage 
wurden die Süihdare, Sipahi, Ulnfedschi, Chureba, Dschebedschi, 
Topdschi, am achten die Janitscharen und die Wesire, Begler- 
bege :ind Bege auf das glänzendste bewirtet. Am neunten 
Tage, als am Vorabend des zui- Abholung der Braut aus dem 
Sserai bestimmten, begab sich der Sultan „wie zwischen zwei 
Wänden von Goldstoff und seidenen Decken, womit die Fenster 
der Gassen, wodui-ch er zog, behangen waren", nach dem Palaste 
Ibrahimpaschas. 



— 61 — 

Ben fei<3rlicL9n Zn«: eroifnetec die* „ItO'^hreitspr'Jmen" als 
aulVeciitstflicndf Symbole der MaüJieskraft; c-hv^ voa ihjoü be- 
stand ans sf^chzit^iaEhend. die {indere aas- i?cchMr:i(lvi'.'r/i(rtyuien(l 
klüinpii Stinken; auf üii-ea wim^v „rlio sclly.ntist.iMi Gr.'iiJ.l? von 
lJii!i:rK,:n, Rii;ni<';ii \m<[ Wuudeitien'n, finc g-an/c *^o!l^»|»^a.ü'a• iiv»d 
Wniidoi V, :!(/' zu schauen. Sociis Tas:''^ «iuiiach feruhfc .Salcnnan 
auornials sich nach (loni avit Hippudrojii {/clontr,*:»» Sseiai 
Iljrahiinpa^cticii zi,i yej-fii?(;ii, mul unlor niariTiiur;.Jti,i?ri« Schau- 
i?pielen vr.n riiijrerii, Täiizerii unJ I'foilsdiiitzfn, WVttrcuiien 
und anderen ^^Jrlustig-uöuen. vcn deri Dichtei'i üi;; lloduoits- 
g(!dichtc aDzuaohmen. 

Die Hochzeit eines anderes Ibrahim mit der Suitanin Aische, 
der Tochter Miirads, fand el)erfalh 'nit gro-^sf-n^. Gepräng-o s^ratt. 
Duri.'h R'anz neue ausscrordeniiiche Be^'-ünstipung- wiudc die nach 
dem Kütism ant hundert tauseiid Dukate;i fcsti<cset/.le Mitgift der 
Prinzes^sin auf das Dreifache erhöht: der Brantftihici- war der 
KapudaivpaBcha Kilidsch Ali. desson Pp.EtutTe!i'TS€h'.'Hk: allein 
fiiufzig'tausoiTd Dukaten bctrng, mnl der noch übcitaes aUe Jvosten 
des Zuckerwerks und der Hochzeitspalmen bezahlte. Ira alten 
S.serai, uin die Vcrlobnn;^- zu vollziehen, angfianj^., wurden, er 
und der Bei,ierbeg: von Runiili, Mohamm^dpa.'^cha. "üit goldenen 
Ebrenhieidcvn aüg-ethan, und in allem nach den Registern drei- 
tausend Kafiaue verceilt Des Saltans Lehrer, der gelehrte 
Seadedcliü, der G«-sdiichtsehreiber, hinterlegte dii^ .^nnunc von 
dreitausend Dukaten als Mitgift^ woraus zu erseheu ist, dass 
Ehrenämter bei solchen Verniähiangöfeierlichkoitea nicht wonig* 
kostspielig waren. 

Am neunten Festtage bewirtete der Br&ntigam in seinem 
Sserai am Hippodrom — demselben, das der frühere Ibrahini, der 
Grosswesir besass und jetzt abermals einem Ibrahim gehörte — , 
seine Gäste. Vieraig Ringer und Sänger unterhielten die Ge- 
sellschaft mit ihren Uebuugen im Bingen und Singen. Nach- 
mittags erhob sich der Hochzeitszug: Voraus zwei, zwölf Ellen, 
hohe Hochzeitspalmen , und eine kleinere, mit Juwelen besetzt, 

Ein in der Christenheil, wie in der Ttirker durch feierliche 
Jlochzeilsleste mit unge\N-öbciicher Pracht ausgezeichnetes Jahr 
war 1612. In Frankreira und Fpanlen, Portugal und Deutsch- 
land — konstatiert Hammer — Vv^mde damals die Doppelhochzeit 
Ludwigs XIU. mit der spajaischeii Tnfantin Anna von Oester- 



— 02 — 

reich -und dos spanischen Prinzen mit Prinzessin Elisabeth 
Bourbon, der ältoston Schwester des Königs von Frankreich, ge- 
feiert. Zu Konstantinopel fand die Do['pelhochzoit Machmuds, 
dey Sohnes Cicalas, mit einer Schwester Mohammeds III., und 
Mohammeds des Ochsen, des Kapudanpascha, mit des regierenden 
Biiitans Achmed ältester Tochter statt; zugleich wurde die jüngste 
Prinzessin (ioni Grosswosir N^n-ssuh in des Mufti und der Wesire 
Gegen wart verlobt. 

Die Prinze,-s.'=:iu-P>raut Machmuds war die Witwe eines frühe- 
ren Wci'irs, >Iuc}tafa Pa:ichas. Nichtsdestoweniger waren die 
i*'eicrlichlceiteu glänzende. Der Bräutigam gab Wettrennen mit 
Stroickolben und Barren, uTid das Banhett kostete zwanzigtausend 
f haier. Zwanzig Tage darnach wurde mit noch grof^serem Pompe 
— Vvcil einer Jungfrau zu Ehren — die Hochzeit des Kapudan- 
pascha, Mohammeds de^ Ochsen, gefeiert. Der Braut Aus- 
. staffienni;? bestand nach Kammer aus dreimal neun Gaben: Die 
erste juwelenfunkelnder Kopfputz unil goldene, mit Tfiikisen 
und Rubinoi! eingelegte Pantoffeln, das urälteste und neueste 
Symbol der Oberherrschaft- der Frauen; dann der Koran in gol- 
denem Bande mit bril'ajiteneu Spangen; ein Juwcionkä.^tchen 
aus Kristall , worin grc--se Diamanten und Perlen zu schauen. 
im Werte von einmal hunderte echzigtausend Dukaten; Arm- 
bänder, K:3!sbänd&r, Gürtel, Kopfreifen, Ohr- und Finger- und 
Knöchelringe, als die sieben Sphären, in denen sich die Schön- 
heit des Harems bewogt; zusammen sieboniindawanzig Gcschenko, 
von siebenund zwanzig Trägern getragen. Elf vergitterte Wagen 
folgten voll Zofen und Sklavinnen zum Dienste der Braut, bei 
jedem zwei schwarz»^ Verschnittene; viermal sieben Sklavinnen 
in goldenen Kleidern zu Pferde, von viernml sieben schwarzen 
VerschnittCi:.''n hegleitet. Zweihiindertvierzig Maultiere waren 
mit Z<'lten, Tapeten, Gold- und Silberstoti. Toppichen und Polstern 
hehden. S'o ward die Gabe und das Gefolge der Braut in des 
Braut iß-ii JUS FTaus geleitet. Ein paar Tage hernach sie selbst. 
Ihren Zng eiöfV'noten ftOO Janitscliaron, dann achtzig Emire, jene 
in ihren Pil?haiiben, di(»se in ihren grünen Kopfbinden; dann 
kamen die Imaine und "Scheiche, die Wesire, Muderris oder Pro- 
fessoren uvid Danivchmende oder Studenten, dio Kiadoskere, der 
Mvi^ti zur Linken, der Kaimakam zur Rechten, jeder den höch- 
sten Ehrenplatz füllend; denn nach weiser Anordnung de? Zere- 



— 63 — 

moniclls ist die rechte Hand der Ehrenplatz für die Beamten 
des Hofes und des Heeres, die linke der Ehrenplatz für die 
Würde des Gesetzes, so dass zwischen den Aga und Ulcma un- 
möglich jemals hierüber Rangstreit entstehen kann, indem jeder 
den ersten Platz einnimmt. Der tüi-kischen Heermusik folgte 
die äg-yptische mit Halbtrommeln und Castag-netten, der Zithcm- 
uiid Hajfenspieler hochzeitliche Gesänge begleitend, die Arbeiter 
des Arsenals mit Hauen uiid Hämmern, mit Stanj^en und Brech- 
eisen^ um Baden und Häuser niederzureissen, welche in den 
Strassen den Zug oder die freie Bewegnng .ler ungeheuren 
Hcclizcitspalinen hinderten. Nach den Hochzoitspalmeu , „die 
dm'ch ihre himmelempoi'rageude Höhe das Symbol männ- 
licher Kraft:, durch den Reichtum der mannigfaltigsten Früchte 
die Fruchtbarkeit der Frauen" darstellen, gingen zwanzig Be- 
amte der Kammer, als Vertreter des Defterdar-Braatführers, 
hinter dem . drei Hochzeitsfackein von vielen Sklaven getragen 
wurden; die dritte von ungeheurer Grösse mit Goldblech be- 
schlagen und mehr durch das Gefunkol kostbarer Steine, als 
durch die Flamme leuchtend. Der Reis Efendi — pJs Haus- 
kanzler und Aufserzcr des Heiratsvertrages - folgte mit fünfzig 
Beamten des Hofstaates der Prinzessin. 

Dan» der hochzeiüicbe TragMmmel von karmoisinrotem 
Sammt, unfl hinter dcmseJben ein grösserer mit Goid[fiatton be- 
deckter, dessen goldene Yorliäng*- von allen Seiten bis zum 
Boden niederhingon ; unter ihn;: ritt die S altanin -Braut, von 
schwarzen Verschnittene!) umgeben. 

Kieraui ihr Staat^^agcn, mit Gold bedeckt, von vier 
Schimmcia gezogen, dann acht Wagen Zofen und Verschnittene 
durcheinander gemischt, endlich die schönsten ihrer Sklamnen, 
f'irfönfkwaj^^ig an Zahl, mit fliegenden Schleiern und Haaren. 
Solv-heo hochzeitlichen Pompes Beschrf-ibung ist nicht mir in 
den Jahrbüchern osmanischer Reichshistoriographen, sondern 
aMch son^t am Orte, meint Hammer, weil dieselbe die Un wandel- 
barkeit di-^r Gebräuche des Osteas von der ältesten Zeit her 
und den ZusammenhaDg dei-selben mit römischen und griechischen 
Gebräuchen darthut. In dert Falmeu haben sich die Phallos- 
phcriea, in dem karmoisiai oteii Schleier des TragMmmels das 
Fhr-rieum, in den Hochzeitsfackeln die Amors und Hymens, in 
den ägyptischen ausgelassenen, von Halb trommeln und Castag- 



— 64 -- 

nettt'ii beglcil.eteü LieUera der MutwiUe der fescemimisrhen Ge- 
säüiTC und die Ausgelassenheit des von Krotalen begleiteten 
KoryljaTitcn-Rcigeiis fortg-opflauzt. 

Den Festlichkeiten der Doppelhochzeit folg-te, wie die Gc- 
schicJite erzählt, auf dem Fusse Anlass von Doppeltraiuvr: _,,Die 
dorn Grosswesii' Nassuh vorlobte Tochter des Sultans, die jüngste, 
sTarb, lind am Tag-e nach der zuletzt g-cscbiideitei) Hochzeit n)iss- 
handelte der Sultan grausam die Sultaniu, die Mutter der dem 
Ivapudanpascha vermählten Prinzessin. Sie hatte eine schwarze 
Sklavin, welche dem Sultan eine seiner Schwestern geschcnkr 
und die ihm besonders gefallen hatte, aus Eifersucht erwürgt, 
wie sie es bisher auch schon mehreren anderen gcthan. sobald 
sie vom Sultan guter Hoffunng zu sein schienen. Sultan Achmed, 
über solche Eifersuchtsmorde endlich ergrimmt, prügelte die Ge- 
mahlin jämmerlich, stach sie mit dem iJolfhc in die WaTige und 
trat sie unter die Füsse." Ein Der\^'iscli, welcher, Narr oder 
Meuchler, dem Sultan deshalb einen ungeheuren Stein nach- 
warf, der ilin zum*.Glück nur an der Scliuiter traf, wurde 
geköpft. 

Zu Zeiten Sultan Mohammeds TY. wurde die Vcrmäiilnng 
seiuer Tochter Chadidsche mit dem zweiten V/esir-GüustlLüg, 
ilustafa Pascha, vierzehn Tage dui*ch Einzüge, Aufzüge, Gast- 
mähler und Schauspiele gefeiert. Das Verlobuugsgeschenk des 
Briintigaras, ,.Nischan**, das Zeichen, war ausserordentlich reich: 
Drcissig 'Iräger brachten Znckerv/erk, zwarizig Janitscharcn 
trugen jeder ein mit Scheibet gefülltes Gefiiss, aus dessen 
Mündung ein Baum mit Zwoi'j-en, von eingesottenen Früchten 
schwer, herauswuchs. Vierzig andere trugen zwei Gärten, sechs 
Schuh im Geviert, mit goldenen Kjöschkeu und silbernen Spring- 
quellen geziert, zehn andere blun.enbfcaeckte Körbe voll Zueker- 
wcrk auf den Köpfen. Zwanzig Tschaiische kamen mit eher 
so vielen Hoch/X'ii^körbf n voll seidener Stoffe, Musseline, Shawlcn 
und goldgesticktem Badezeuge; vicrunddreissig mit ebenso \ielcn 
Körbej. iji deren Jedem drei Stücki> reichen Stoffes zur Kleidung- 
der Braut. Der Schmuck wurde von zwanzig Tschauschen in 
silbernen Becken auf gestickten Tücheru getragen; darunter 
waren: eiue ll.iübe von felaeui Sammt mit mehreren kroneimrtig 
aufsteigenden .Schirmen von Diamanten, vier diamantene Gürtel 
für die Walidc, die grosse rjid die kleine Chesseki, Giin.sl- 



~ S5 ^ 

ling'intien des Sultans, und die Phnzessiii-Braat; drei dismantcno 
Neiger fjir die Braut, dwn Kronprinzen und den Sultan; drei 
diaciajileue Koi*f;?e^^1ndc für die Braut, die gross© Chussekl des 
SuiUr^j, lAixd i&t die dem Kaimakam l^IiiHtafapascha als Braut be* 
gtimrate Tochter der Woiacn Chussekl«, zwei Koran© in gold- 
gesticktem, jttwelenbesetÄtem EtnbÄBde fSr die Braut and den 
Bruder- Kronprinzen; ola Taar smaragdene 0!ii:^h&age von 
iitxnuert karaica, arei Paar diamantene Armbändop für die 
S«ltanin- Kutter, die haltaiiiD-Ganstlingin, die Sultamn" Braut; 
diamaateue Knö'pfc I1lr SeJne Mtijestät den Padischab. Ferner 
nur für «üe Braut: Zabel, Ecrmelm und Lachs, drei Handpforde, 
deren tecJcen mit Perlen, Saphiren, lisbiavn und Ttirldsea Ijesät 
wajwi; zw«i öftrteB Ton Zucker, Tici-xig Palmen, sechsundacfetöjt 
Maultiere mit dleia Zubehöre weibKcher Schmuckwelt, halb be» 
deckt, halb oifea, so dass die periengestickten Kissen, ^ 
goldenen Sclil<5ier, das funkelnde Geschmeidis bervorgtönzitx 
Den Sciilasa Mldetoa zwölf Wagen mit SklaTinnen und sech«- 
nnddreissii^ schwarze Bdiuucben. 

Drei Tage dauerten die SchaJispiele von Gauklern und Ssfl- 
tänzern. Am vlerteu Tj^'c wiurde die Braut voti allen Wesiren und 
Grossen aug deui kalserliclicn Sserai in das des Bräutigams ge- 
leitet. Zwei mRfltholie, mastdicke Palmen, dann zwei ideine 
«ilbeme verherrlichten den Zug, in dem die Braut in einem 
»ll^rbescMageaen, von seiAs Schimmeln gezogenen Wagen mit 
langen, in die Luft hinausatrömenden Streifen von Goldfiittera 
fahr. Die Saltauin Chasseki, Mutter der Braut, kam in silber- 
besctlagenem Wage^' mit zehn anderen Wagen Gefolge von 
Sklavinnen und Eunuchen. IMe Braut wurde „nur zeremonien- 
Iialber in das Brautgemach geleitet, da «ie, zur VcHziehnug der 
Ehe noch nlclrt reif, nur iinterdeseen verlobt wai- xur Bezeiguag 
der höchsten Gunst, oder als Gewinnatanschlag anf Uiren Witweu- 
IpehaSt, welchen der Bräutigam, auch wenn sie vor vollzogener 
Ehe stürbe^ dem kaiserliehen Schatze mit ßtickerstattung der 
Aosstattm^ $chaldlg.'^ 

Im J&hPo 1708 wurden zur Zeit Sultan Achmeds die i)ciden 
1^5ohter des iräheren Sultans Mustafa H., Emine und AiBcha, 
Jena mit dem Groaswesir, diese mit Kuuman Köprüisade, dem 
Äwciten Sehne de» tugendhaften Köprili, vermöhlt. Da» Hoch» 
jicitsfest wurde allerdings noch Immer mit grossem Pompe bc* 

8 tarn; Metlwiin, AbergUabe n. <-^e«cLlechtaleben in der TürkoJ. II. 5 



— 66 — 

gangen; aber die aufgewendeten Summen wurden iDrmer gfermger; 
man merkt den Niedergang und die Verarmung des Staates und 
Hofes. • Das Heiratsgut der Prinzessin betrug nur zwanzig- 
tansend Dolraten, alsö ein Fünftel, ja. ein Zelintel der den 
Prinzessinnen eJaemals mitgegebenen Suramen. Das Verloburgs- 
geschenk, welches der Grosswesir der Prinzessin brachte und 
welches zur öl^entlicben Schau getragen ward, bestand in einem 
Kopfreiie, einem Halsbande, Armbande, Ringe, einem Gürtel, 
Ohr- und Knöchelreife in Diamanten — in den sieben Ringen, 
der siebenfachen Sphäre des Tuorgenländischen Weibes — ferner 
in einem mit Edelsteinen besetzten Spiegel, mit Diamanten 
durchwirkten Schleier, Pantoffeln und Socken mit Perlen gestickt, 
Stelz enwschuhen fürs Bad aus Gold mit Juwelen besetzt, zwei- 
tausend Dukaten und \aerzig Tassen Zückerwerk. Nachdem 
diese zwei Sultaiiinnen, die Nichten des regierenden Sultans 
Achmed, vermählt waren, war der Letztere auch auf die Ver- 
mablurg seiner eigenen vierjährigen Tochter Fatima bedacht. 
Vergebens suchte der Crrosswesir-Schwager zu hintertreiben, 
dass ihre Hand der Silihdarpascha, der erklärte Günstling des 
Saltans, erhalte; der bekam dieselbe trotzdem mit einer Mitgift 
von vierzigtausend Dukaten; und überdies wurde seinen Kron- 
gütern die Insel Cj^pern zugeschlagen. Daü Fest war um so 
glänzender, ein je grösserer Liebhaber Sultan Achmed von 
Festen war. Diese Liebhaberei bewies er etwas spfiter, als 
er eine neunfache Hochzeit — Hochzeit heisst im Öprachgebrauche 
der Orientalen auch die Beschneidung — die Vermählung dreier 
seiner Töchter und zweier seiner NichteUs und die Beschneidung 
vier seiner Söhne, mit einem Glänze feierte, welcher an die 
splendidesten Feste MhCrcr Zeiten erinnert. Die Beschreibung 
dieser neunfachen Hochzeit von fünf vormählt^en Prinzessinnen 
und vier beschnittenen Prinzen füllt im Buche des Reichs- 
gcschichtschroiberis Raschid, aus dem ausführlichen Hochzeits- 
buch Wehbis ausgezogen , sechzehn Folioblätter; * sie ist, wie 
Hammer sagt., selbst mit ITebergehung aller vom Reichshistorio- 
graphen beschriebenen Künste der Seil- und Schwertiänzer, der 
Gaukler und Schauklor, der Becher- und Taschenspieler, der 
Bullenbeisser und Posseureisser, noch immer der ausführüchen 
Erwähnung wert, weil sie die (Ordnung des Ranges und der 
Kleider, des Festes Zeremoniell und Stufenfolge in gedrängter 



— 67 — 

üebersicht Busammengestellt hat und 30 Neues und Merkwür- 
diges beut. Hanimer hat ihr lange Seiten gewidmet; ich erwähnö 
hier -nur die Namen: Die fünf Brautpaare waren der Kapudan 
Suleimanpascha; der Nischandschipaacha Mustafapascha, der Sohn 
Kara Mustafapaschas, Statthalter von Rakka; und Alipascha 
mit drei Töchtern des regierenden Sultans; femer Sirke Osman- 
pascha mit Prinzessin ümmetuilah, und der Statthalter von 
NegropoEte, Silihdar Ibrahim, mit Prinzessin Aische, welche 
dem verstorbenen Köprilisade Nuumanpascha verlobt, aber nicht 
vermählt, jetzt als Erbschaft desselben zu vermählen war. Zum 
Erfordernisse der Festgelage wurden herbeigeschafft: zehntausend 
hölzerne Schüsseln, siebentausend neunhundert Hühner aus den 
europäischen Gerichtsbarkeiten von Rodosto, Amedschik, Schehr- 
köji, aus den asiatischen des Sandactiaks Ohndawenghiar, tausend 
vierhundert fünfzig kalkutische Hühner, dreitausend Junge Hühner, 
zweitausend Tauben, tausend Enten, hundert Tassen, fünfzehn- 
tausend Lampen, tausend Lampenreife in Form von Halbmonden 
und zehntausend Kannen, um die Sorbete zu kredenzen; hundert- 
jswanzig Schlaucbträger in juchtenen Häuten und Hosen, mit ein* 
geölten Schläuchen, wurden als die Wache zur Polizei des 
Festes bestellt, dass während desselben nicht die Keule und der 
Stock walte, sondern blos der eingeölte Wasserschlauch die 
Ordnung erhalte. 

Wir haben schon gesehen, wie die Summen, welche die 
Prinzessinnen als Heiratsgnt vom Hofe erhielten, immer kleiner 
wurden. Sultan Sclim hatte drei Töchter; zwei derselben er- 
hielte je hunderttausend Dukaten; Fatima Sultan wurde gar 
nach ihres Vaters Tode von ihrem Bruder Sultan Murad HE. 
dem Slawascbpascha mit zweimaihunderttausend Dukaten Mit- 
gift vermählt. Das war für Wesire und Günstlinge ein gut^s 
Geschäft. Namentlich Renegaten wurden auf diese Weise be- 
lohnt. So erhielt der Wesir Aehmedpascha, „der Grätzer", die 
Hand einw Enkelin des grossen Suleiman und wurde durch 
sie ungeheuer reich. Er vermählte seine Tochter mit grosser 
Pracht an den Janitscharcnaga Dschighalesade; das Geschenk 
des Brautführers Siawusch betrug sechzigtansend Dukaten, die 
Hochzeitspalmen allein kosteten tausend Dukaten, das Kleid der 
Braut liunderttausend, das ausgestreute Zuckerwerk doppelt so 
viel. Diese Unkosten bestritt für den Steiermärker seine 

5* 



— 68 — 

Schwiegermutter, die alte Sultanin HüinriaL, „Sonnenmond**, die 
Tochter Suleimaiis, des Grosswesirs Kiisfem Witwe, deren Ein- 
kommen auf täglich zweitausend Dukalou geschätzt ward. Der 
Kapudar.pascl'.a Dschighalesade wurde i^r die Verleugnung dos 
Glaubens der Väter ebenso dui'ch die Hand einer Sultanstochter 
belohnt, wie der genuesische und der aucoaitanfsehe Renegate 
Cicala und Paggi hierfür zu Wesiren und Eidamen von. aultanea 
wurden. Schauspiele von öffentlicher Pracht gewährte r.amentlich 
die Vermähluiig des anconitanischen Renegaten Paggi. mit seinem 
türkischen Nameu Chalil. Eine ganze Wnchu lang wurden die 
Geschäfte des Diwans uud der Pforte ausgesetzt, dreihundeit 
Palmen verherriichteu de:;. Zug der Hochzeit; am Geburtstage 
des Propheten wuj-de der Vertrag der Vermähluug im alten 
Sseiai von\ obersten Verschnittenen im Namen der Sultanin- 
Braut, uud vom Brautführer, dem Wesir Mohaninicd, im Namen 
des Bräutigams, und vom Sultanslobrer, dem GpschicJilschreiber 
Seadeddin, mit einer Mitgabe von dreimaJhiuulerttausend Dukaten 
unterzeichnet. Drei Tage lang wurde die Ausstattung von drei- 
huudert Reihen Maultiere durch vierzig Verschnittene in den 
Palast dos Bräutigams geschafft. Nach altcöi Branche jnussten 
von selten des Bräutigams für dio Dienerschaft des Harems 
einmalhundert achtzigtausend Aspcrn erlegt wurden, vor deren 
Erlegung keine Hand zur Auflegung der Ausstattung angelegt 
waid. Drei Tage lang wurden die Gesetzgelehrtcn und Staats- 
beamten herrlich bewirlet und nach dem Herkoimnen mit Ele- 
fanten, Löwen, Pferden, Kamelen, Giraffen. Gazellen, Falken, 
Papageien und Früchten aller Art, aber aus Zncker, beschenkt. 
Die Prinzessin-Braut wurde unter rot atlassnem Baldachin, auf 
einem mit Juwelen geschmückten Gaul, von deu Verschnittenen 
zu Fuss begleitet, dem Bräutigam mit vorausgctiagenen Hoch- 
zeitspalinen zugefühi"t. 

Aber langsam änderteu sich die Zeiten; eine -Sultanstochter 
zu heiraten, blieb nicht mehr eine, ausgezeichneten oder beliebten 
Grosswesiron zu teil gewordene Gunst, sondern ward ein Dienst, 
eine Opferung füj^ den Sückci der Podischahs. Die I*2i?>- 
zessinnen-Brilutc erliielten nur geringe Mitgift, desto mehr 
musst^n die We^^ive-Eidanic für die Vennählungsgaust herj,^cben. 
Auch waren dio Bräute entweder so jung, dass sie die alten 
Ehemänner bald überlebten uud schnell neuerliche Verwendung 



— 69 — 

finden konnten, oder zu alt: so vennÄhlte Mustafa 111. seine 
dreiundv'icrzigjälirigö Schwester, die Snltanin Aisch«, mit dem 
Wesir SiKbdar Jlohainmcdpascha, dem Intaber des Saudscliaks 
TirLjih, mit eiher Ajsytcaer von nnr fünftausend Dukaten, dem 
Zwanzigstel der vormaligen Aussteuer der SiJtaniunen unter 
Suliaii Suleiman dem Oesetzgeber, das Acbtuudvierzigstel der 
uinor Murad IV. mit dem Hoiratsgute eines jährlichen Ägyt»- 
tischen Tributes ausgeheirateten Sultanin Kia, der Gt-mablin 
Meiek Achuiedpaschas. Mustafas III. ebenfalls dreiundvierzig- 
jf hrigo Schwester Ssaliha, eine Witwe, wurde zu gleicher Zeit 
„zum ilerkuiale h«ichster Gunst" dem Gross W(«ir Kaghib 
vermählt Tagrs vorher vSandte der Grosswesir seiner verlobten 
Draut, um sieb nach dem Wohlbefinden derselben zu erkundigen, 
zehn silberne Schüsacki mit silbernen Deckein auf silbernem 
Tische, eine silberne Tasße mit Zuckerwerk, dreissig Tassen 
mit Blumen und fünfzig mit Früchten. Vierzehn Ta.?e hernach 
begab sich die Suiianin ohne feierlichen Aufzug:, weil sie V/'itwe, 
in den Palast des Grosswesirs; ihre Verse /.Jiterien folgten au» 
demselben Gnmde in ihi-en tS-g3''chen Tui'bauen und ohne Musik- 
kapelle. Deimoch ist gerade diese Ter^-iählung- besonders in- 
teressant, weil bei ihrer Erwähnung der Historiker das istlme 
ZeremonicÜ erzaiilt: Nach Sonnenuntergang kam nach berge- 
brachtein Gebrauche der Kislaraga, um die verschämte Braut in 
die Arme des Bräutigams zu führen. 

Die Hofsitto wiil, ^ifiss die Prinzessin ihren Bräutigam un- 
gnädig mit Stolz und We^woisung empfange und ihn kaum 
würdige, ihn anznr-iulien. ^.^?cbdem die stumme Szene einige 
Zeit gedauert, sieht sie plör. lieh mit Ünwille3i auf und zieht 
sich in ihr inneres Gemach kiirück; diesen Augenblick ergreifen 
die Verschnictenon. um dem Bräutigam die Pantoffel auszu- 
ziehen, die sie auf der Schwelle der Thür «lehen lassen. 

Diese Zeremonie ist von der höchsten Wichtigkeit, weil 
dadurch der Bräutigam von der Herrschaft des Harems Besitz 
nimmt; dessen Zugang dem Manne allein gestattet ist. Die Ver- 
schnittenen ziehen sieh zurück, der Bräutigam gebt in das 
„Innerste der Gemäcber, wo die Prinzessin auf dem Ehrenplatze 
des Sofas sitzt." Er wirft sich ilir zu Füssen und bleibt lait 
•über das Krenz gelegten Händen knJoen, ein günstiges Wort 
der ungnädigen Gel)ieterin schweigend .rwartend. Sie sagt: 



— 70 — 

„Bring mir Wasser!" Er reicht es knieead und fieht zugleich 
um die Gnade, dass sie den Schleier aufzuschlag-en geruhen 
möge. Dieser ist mit Blumen und Juwelen gestickt, und die 
mit, Gold und Perlen durchflochtenen Haare •hängen in sieben 
Flechten zur Erde. Kaum hat sie das Wasser gekostet, so 
bringen die Sklaven zwei Schüsseln, in deren einer zwei ge- 
bratene Tauben, in der anderen kandierter Zucker sich be- 
finden, urd setzen sie auf niederen Tischen mitten im Zimmer 
nieder; der Bräutigam fieht inständigst, dass die Braut davon 
kosten möge; sie antwortet hoch und stolz: ^c'b. mag nicht;" 
der Bräutigam, in VerzweifluBg, nimmt zu anderen Mitteln Zu- 
flucht, um die Unerbittliche zu besänftigen. Er ruft die Eu- 
nuchen, welche reiche Geschenke zu ihren Füssen ausschütten. 
Hierdurch zahm gemacht, erlaulit die erhabene Braut, dass der 
Bräutigam ihr unter die Arme greife und sie nach Hofsitte zu 
Tische führe. Er reicht ihr ein Stück gebratene Taube, und 
sie steckt ihm ein Stück kandierten Zucker in den Mund. Die 
Tafel wird aufgehoben; die Braut nimmt ihren Sitz wieder auf dem 
Sofa, die Eunuchen treten ab, das Paar bleibt eine Stunde allein, 
während welcher die Hofsitte nur die zeremonienvollste Unter- 
redung erlaubt. Der Sultan begiebt sich währenddem aus dem 
Harem in den Audienzsaal, wo er die Glückwünsche der Wesire 
und Grossen ompfäng-t, nachdem er die der Sultaninnen im 
Harem entgegengenommen hat ; Musik, Tanz und Schattenspiele, 
denen die Jungvcrmählte — natürlich ohne den Gatten — bei- 
wohnt, verkürzen die Nacht. Endlich wünscht die junge Frau, 
ermüdet, zu Bette zu gehen; die Gesellschaft verabschiedet 
sich. Die erste Sklavin, von einem Verschnittenen begleitet, 
bringt dem Bräutigam Kunde, dass die Braut zu Bette sei. Er 
stiehlt sich in^ Schlafgemach, entkleidet sich im Stillen, naht 
sich knicend den Füssen der Braut, die er sanft berührt und 
küsat, und wenn sie dies gutwillig leidet, rückt er weiter hinauf 
und kommt endlich in den Besitz der ihm von der höchsten 
Gunst dos Sultans angewiesenen Prinzessin, Den folgenden 
Tag geht der Bräuti;,^am, von Staatsbeamten und Hofwürdenträgem 
begleitet, ins Bad; der Tag heisst „Tag der Schafsfüsse", weil 
dem Neuvermäblten bei seiner Rückkehr aus dem Bade eine 
Schüssel mit Schafsfüsscn vorgesetzt \^ird. Am dritten Tage 
sendet der Sultan seinem Eidam oder Schwager eine eiserne 



-. 71 — 

Kcale, zur Befugnis, die Braut damit tot zu schlagen, wenn sie 
ihm am dritten Tage noch nicht die Rechte des Gemahls ein- 
geräumt haben sollte. Die öo&chichte erwähnt keines solchen 
MartjTtodeS; 

Noch iiltcr als die eben genannten Bräute war die 
Sttltanin Fatlißti, v/e!che — schon über das halbe Säkulnm 
hinaus — zur Zeit Mohammeds IV. dem Statthalter von Silistra, 
Jussufpascha, mit ungemeinem Pompe yennählt wurde; aber hier 
difffte den Bräati2:affi das fieiratsgut eines ägyptischen Schatzes, 
sechamalhunderttausend Dukaten, wohl genügend getröstet haben. 
Als merktnirdigcs Gegenstück wurde zur selben Zeit einem an- 
deren Jussufpascha eine andere fia^dma, Schwester MohanmiedsIV., 
angetraut; diese »weite Fatima zählte nur 2Va Jahre. 

Die dritthalbjahrige Fatima. wie die mehr als fün&igjährige 
Fatima, diese zwei Sultjininiien-Bräute, zeigen sich dem Beobachter 
osmanischcn Hofiebens als die charakteristischen unnatürlichen 
Lockspeisen blinden Sklavenehrgeizos imd als Opfer geldver- 
legener Herrscherpolitik. 

Die Sultane betrachteten ihre Töchter und Schwestern 
schliesslich nur iil's möglichst gut zu verkaufende oder möglichst 
häuög umzupetzende Waren. Um den Staatsschatz zu füllen, 
wurden von Mustafa ITI. seine einzige noch ähl Leben gebliebene 
Tochter, die Prinzessin Schahsnltan, dem Grosswesir Hamsa- 
hamed verioht, und gleichzeitig die Wittwe Eaghibpaschas , die 
früher genannte Snltanin SsaliJia die unterdessen um manches 
Jahr älter geworden war, noch einmal dem Kapudanpascha yer- 
mählt. Der Grosswesir inussto seiner Braut vierzigtausend 
Dukaten, ijttndeitzwan7,igtauscnd Piaster an StofTen, achtzigtausend 
für Haubeinrichtung senden und ausserdem eine gewaltige Zahl 
Beutel Goldes an die Kasse des Sultans abliefern. 

Des Grosswesirs Kara Mufstafa Sohn, Alibeg, hob sich durch 
die Hand der kleinen Prinzessin Rakije, nachdem deren Schwes- 
tern, die Mut- und sechsjährige Aische nnö Emine, kurz vorher 
dea Stattlmitem von Damaskns und Ersernm, Hasan und 
Nuimianapascha, verlobt, richtiger zugeschlagen worden waren; 
weil aber Hasanpascha bald hernach in Ungnade üel, wurde 
ihm seine Braut einfach wieder abgonomroen und mit ihrer er- 
ledigten Hand der Siiihdar, nachmaliger Günstling und Groas- 
wesir. Ali Pascha von TschorU, begnadet 



— ( 4J — 

Die seltsamste Verlobung fand ebenfalls zweifellos damals 
statt: allen Ernstes feierte man nämlich die Verlobang der kaum 
vierteljährigen Prinzessin Hebetallah mit dem SilihdarHamsapascha. 

Solche jugendlichen Bräute wechselten natürlich häufig die 
Männer, denen sie nie gehörten. Manche Prinzessin kam erst 
bei ihrem siebenten oder achten Gatten wirklich ins Hochzeits- 
bett Eine Prinzessin Aische w'ar schon mit drei Jahren dem 
Ipschii-pascha verlobt, mit zehn dem Mohammedpascha, Statt- 
halter von Haleb, vermählt worden, und als dieser ob falscher 
Münze den Kopf verlor, verheiratete man sie neuerdings mit 
Ibrahinipascha, dem Defterdar, Statthalter von Kairo; und nach 
dessen Tode mit Dschanbulnsade, dem ehemaligen Statthalter 
von Ofen. Ihre Schwester Fatinia ging noch häufiger als Ge- 
mahlin von Wesiren von Hand zu Hand. Sie wurde zum ersten 
Male dem Wesir Kenaaupascha, zum zweiten Male dem W^esir 
Jussufpascha, zum dritten Maie dem Kapudan Sinanpascha, zum 
vierten Male dem Ismailpascha und zum fünften Male dem 
Kasimpascha vermählt; der Letztgenannte war ursprünglich ein 
Wundarzt und bei der Beschneidung des Prinzen Moliammed, 
des nachmaligen vierten Sultans dieses Namens, hatte er den 
zu grossen Blutverlust, welcher dem Prinzen eine Ohnmacht zu- 
gezogen, dm'ch zusammenziehendes Pulver zu stillen gewusst; 
dafür wurde ihm später, als Mohammed Sultan geworden war, 
die Statthalterschaft von Temesvar verliehen. 

Als Kasim, von Souches geschlagen, den Kopf verlieren 
sollte, verweigerte der Sultan aus Dankbarkeit, dass der Feld- 
herr einst als Wundarzt ihm das Blut gestillt, jetzt üen Befehl 
zum Vergicssen des seinigcn zu geben, und um ihm den Kopf 
JEU erhalten, schenkte er ihm die Hand seiner Schwester, welche 
nach neunzehnjähriger Ehe mit vier Gemab.en noch immer als 
unberührte JuD;rfraii iu die Hancl ihre:, fünfton Gemahls kam. 
Diese Jungfrauschaft hatte sie si:h „infolge eines äusserlichen 
Hindernisses" liGwahrt; der Geschichtsch reiber beschreibt letzteres 
nicht genau, erwähnt abc]-, dass der fünfte Gemahl, der ehe- 
malige Wundarzt, die Braut künstlich einschläferte, das Hindernis 
durch einen geschickten Schnitt hinwegräumte und sich dadurch 
die höchste Gunst der Prinzessin und die besondere Gnade des 
Sultans eiwarb. Er machte sein Glück also einmal durch 
Stillung, das anderemal durch Vergiessung von BiaU 



— 73 — 

Zu bemerken ist, dass die Vemiählimg mit Sultanstöchtern 
für manchen Moslem deshalb peinlich sein dürfte, weil man 
neben einer Prinzessin-Frau keine andere Frau haben darf; und 
— falls man schon früher mit Anderen verheiratet gewesen 
sein sollte — sich von diesen scheiden muss. 

Auch in Persien gilt dies. Polafc sagt: „Heiratet ein Chan 
eine Prinzessin, oder wird ihm eine solche als Fi'au octroyiert, 
so verlangt es der Usus — nicht das Gesetz, welches keinen 
Unterschied zulässt — dass er kein anderes Weib neben ihr habe, 
ja er ist sogar gezwungen, allen anderen "Weibern, die er früher 
besass, den Scheidebrief zu geben oder sie wenigstens aus dem 
Hause zu schicken and sich jeder ferneren Kohabitation mit 
Omen zu enthalten." 

Andererseits muss man eine Prinzessm-Gemahlin mit über- 
mässiger Aufmerksamkeit behandeln. Im allgemeinen ist der 
Mann im Orient unbeschränkter Herr über alle seine Frauen, 
in diesem speziellen Falle aber ist er der erbärmlichste Knecht 
und Sklave der Einen. 

Als im Jahre 1541 der Grösswesir Lutfi durch zu geringe 
Achtung und üble Behandlung seiner Frau, der Schwester des Sul- 
tans, sündigte, wurde er seiner Stelle entsetzt, von der Sultanin, 
seiner Frau, getrennt und nach Demitoka verbannt. 



32. Weibermaeht am Suitanshofe. 



Das Thor der GlOckseligkoit. — Die Sklavinnen als Herrinnen. ~ Sultania 
Churrem - Roxelaae , die Russin. — Ihre Herrachaft ttber Suleiman den 
Grossen. — Sultans-HaTem und Hohe Ptorte. — Unter Murad II. — Die 
Venetianerin. — EirJues von Dienerinnen. — Ertiänknng von Zauberinnen. 
— Unter Obbimx II, — Mohammed III. und die Frauen. — BaSa. — SuUanin 
Mondgeatalt - Kösem, die Oriechin. — Die Polin Tai chan. — Eifersuchts- 
tragödien. — Sultan Ibrahim, der Weiber- Sklave. — Ermordung einer 
Sultanin -Mutter. — Reichtum der Sultans - Frauen und Favoritinnen. — 
Schechsuwar. — Mustafa in. — Guter Eitüuss von Frauen. — Dienerinnen- 
Macht — Luxus der Frauen. — Katastrophen. — Die KretenBerin. — 
FrÜhlingerosentrank. 

Weiber- Macht im Osmanenreichc klingt beinahe paraddx. 

Das fiarem führt ici osmanischea Sprachgebrauche den schönen 
N&K?er.- „Das Haua oder das Thor der Glückseligkeit" — „Dan" 
oder „Doii Beadet" 

Durch das Thor 4er Glückseligkeit führt der Weg in das 
Heiligtum der Glückaeligkeit, in das Innerste des Hofes, in das 
Franengemach ein. Dort aber herrscht nicht immer die Glück- 
seligkeit; dort herrschen oft TjTannei, Willkür, Unglück mehr 
als anderswo, und dort werden die Herrscher und Tyrannen am 
häufigsten selbst zu Sklaven. Suleiman der Grosse, den man 
als den solidesten aller osmanischen Monarchen bezeichnen 
könnte, Suleiman, «ler mächtigste und bedeutendste aller osmani* 
sehen ÄlleiiiiieiTschor, war der geliebtesten unter seinen Frauen 
knechtisch ergt^ben, Hess sich von ihr den Sturz seines Freundes 
und Günstlings Ibrahim diktieren, verfiel dann erst recht ihrem 
aueschliessiichen Einflüsse und übcrliess auf ihren Wunsch endlich 
die Zügel oberster Macht den Händen ihres Eidams Eustem, 
welcher dieselben aber auch nicht nach eigener Willkür führte, 
sondern nach der des Harems und seiner Herrscherin. Diese 
geliebteete Bettgenossin und nacyhmahge ordentlich angetraute 



— 76 — • 

GemahBn Suleimans, die Stiltanln Churrem, die Fröhliche, war 
nach Hammer eine geborene Russin, welche französische Gc- 
schichtschreiber ihrem Volke unter dem Namen Roxelane an- 
eignen wollten. Sie nahm Einfluss auf Krieg und Frieden des 
Reiches und regierte nicht blos die innere, sondern auch die äussere 
Politik. Sie suchte die erwünschte Gelegenheit, dem Feldherrn- 
talento ihres Eidams, des Groswesirs Rustempascha, ein weites 
Feld zu öffnen und auch dem ältesten ihrer drei Söhne, dem 
Prinzen Selim, Statthalter von Magnesia, durch die Entfernung 
des Sultans die Stellvertreterschaft des Herrschers in Europa 
zu verschaffen; und deshalb wurde der persische Krieg be- 
schlossen. Auch ihr .Cidam beugte sich ganz ihrer Macht. 
Unter Rustems Grosswesirschaft w^ird zum ersten Male der ver- 
derbliche Einfluss des Harems auf die grossen Geschäfte offenbar, 
und wiewohl dieser Einfluss des Harems zur Stütze der obersten 
Gewalt des Grosswesirs zu dienen and dieselbe scheinbar zu 
verstärken schien, so ward die GeT^■alt des Grossv/esirs seit 
damals der des Harems in der That untergeben, weil das Harem, 
nachdem es einmal den Weg zur Pforte gefunden, in der Folge 
seine Macht statt zur Unterstützung des Grosswesirs mehr wider 
dieselbe gebrauchte, und weil späterhin nicht nur die Frauen, 
sondern auch ihre Wächter, die Verschnittenen, regierten. 

Unter Murad n. waren mächtiger und einfiussreicher als 
alle Gesellschafter, Günstlinge und Lehrer des Sultans der ver- 
schnittene Obersthofmeiater des Palastes und mehrere Frauen, 
alle „Säulen des Harems". 

Zwei ungarische Knaben, Brüder, waren als SkJa^'en unter 
Sultan Selim erst zu Moslems beschnitten, und dann, weil der 
Sultan mit ihren Diensten als Pagen so ausserordentlich zu- 
frieden, für den Dienst des Harems verschnitten; der jüngere 
hiess Dschaafer und der ältere Ghasnefer; letzterer, von auf- 
gewecktem Geiste, bildete denselben durch Studien aus, schwang 
sich in der Gunst Sultan Selims, dann Sultan Mnrads erst zum 
Odabaschi oder Vorsteher der Pagenkammer, und hierauf zum 
Kapu Aga oder Oberstallmeister des Palastes auf ucd beklei- 
dete unter drei Sultanen — Selim, Murad und Mohammed — 
die erste Stelle zwanzig, die letzte dreissig Jahre, im Dienste 
des Hofes mit Gutmütigkeit und Macht ergrauend. Jene ver- 
wehrte ihm den Missbrauch dieser. Neben ihm regierten aber 



— 76 — 

mft weniger Gutmütigkeit und mehr HissbraucJi ibrer Macht 
die Frauen: an erster Stelle des Sultans Mutter, Nar Banu, die 
„Lichtfrau"; der Mutter folgte im Ansehen die t -ste der sulta- 
nischen Gcmahliiineu, Saaflijo, „die Keine", eine geborene Ve- 
neiianerin aus dem Hause Baffa, deren Ven^andter, der Dichter 
Uaürt, sich dieser Verwandtschaft in seinen Reiiniotea rühmte, 
deren Vater Statthalter zu Korfu gewesen, und die auf dem 
Wege von Venedig nach Korfu, als zartes MMehen, von Koi-saren 
gekapert, ins Harem Murads geliefert worden war; als Kiou- 
priuzen sowohl, wie als regierenden Fürsten beheiTschte sie ihn 
lange so ausschliesslich, dass er, wiewohl höchst wollüstigen 
Temperaments, dejinoch ihr einzig ergeben blieb. Die Muttor 
und die Schwester Murads, die an den Gr^sswcsir Sokolli ver- 
mählte SuUanin Esmachan, waren dessen Rieht froh; sei es ans 
Farcht, durch solche AIleinLeri-schaft der VenctiÄücrin die ihrige 
geschiuhlei-t zu sehen, sei es, nm duich grossere Zahl der Kinder 
die Bürgen der Sicherheit der Thronfolge zu vermehren — sie 
ruhten nicht, bis sie seiner Lust zwei Sklavinneu aufdrangen, deren 
eine eine gewandte Tänzerin, eine TJngaiin, mehr schlau und 
lobhaft, als schön, die Venotiauerin eine Zeitlang aus dem Siimc 
des Herrn verdrängte nnd mit ihr das Bett und die Beherrschung 
<k-h }^?ttgenossen teilte; aber als Mnrad in der Folge an der 
Mannigfaltigkeit so gi-osscß Geschmack fand, da^s er in einer 
Isacht denselboD zwei bis di'cimai wechselte, blieb doch Ssaffijcs, 
der Mutter des Erstgeborenen, Mohammeds, Einfluss vovherr- 
Kcheud; besonders nach dem Tode der Walido, der Sultans» 
Mutter Nur Banu. Diese empfahl dem Sultan Murad auf ihrem 
Totenbette zur Oberaufsichfc des j;c zä]ilit3icheu und einer die 
Ziig»?l wohl zusammenfassenden }Ii»Td bedürfenden FiUuen- 
gemarhes die Frau Dschanfedn, „Secienöpfci'*, v/oicLc sofort als 
Kiajai-Harera, Oborsthofnioisteiin des Harems, zwar nicht das 
Bett, riber wohl die Gunst des Sulti^ns mit den von ihr fiir den- 
80l])en abgerichteten Sklavinnen teilte, alle Goschäfto des inner« 
sten Hofstaates a^;f das thätigste besorgte u-ui sich in die der 
fiuss'.ivn Regierung auf das T.'irkh^amste miechte. 

Durch däs, was hier nach Hammers Darstellung gesagt 
worden ist von Muiads Harig und Nachgiebigkeit für Weiber, 
ht schon gröb.stoatoils des verweichlichten, schwachen Sultans 
Ohfirnkterumriss gegcbeu. Unter seiner Hen-schaft wurden die 



— 77 — 

Minister und "Wüidoatrilger uarxh die Harerasweiber ernannt 
und bestallt 

Siavmsch (vard Grosswc-sii* durch den Einfluss seiner Ge- 
malilio, der Schwester des Suitaus, und ihrer Mutter, der Sul- 
tanin Walide. Solange diese noch lobte, vcnnoelite uichts wider 
Siawusch die ihm feindseli<^ gesinnte Sultanin-Ohasseki, die 
Matter des Kronprinzen Mohammed, welche dem Sultan in den 
Ohren lag: Siawusch trachtete sie und ihren Sohn in Ungnade zu 
bringen, um seinen eigenen Kindern den Thron zu bereiten. AI» 
die Walide an der Puhr gestorben war, nicht ohne Verdacht des 
Sultans, d iss sie vom Ki'onprinzen Mohammed und dessen Mutter 
Tergiftet worden sei, fiel Siawusch in Ungnade, und nur auf Für- 
bitte seiner Gemahlin, der Schwester des Sultans, wurde ihm das 
Raheg"cld der abgesetzton OroRswesire, dreimalhunderttans^nd 
Asperc, gewährt. 

Nach deui Tode der Walide wurde der Einfluss der «liatsield, 
der veaetianischen Gimstlingin, mid einiger Weiber, we he als 
Scbaffnerinnen des Harems dieses, and durch dieses den Sultan 
beherrschten, liiu so unumschränkter. Oberhofmeisterin war die 
schon erwähnte Dschanfeda: zwei andere elnflussr<;!che Damen 
waren : die Frau Hasije. welche den Sultan noch als Kronprinzen 
mit W^ahrsagereien uragarate und später ihren Schützling Schud- 
ßchaa vom Giliiner zum einflussreichen Scheich beförderte; und 
•ü'!* Jüdin Kira, welche das Hareia mit Wai-en und Putz ver- 
sah. Die Prinzessin neii von Geblüte > deren Eiiiliu^s und Kredit 
ihre Männer nnd Scliützliuge zu den ersten Posten des Keichs 
beförderte odor in densel))en erhieU-, oder, wenn sie abgesetzt 
wurden, ihren Kopf un<i ihr YerDiögen rettcie. waren danuils 
die drei Tör-ti^sr .Sultan SgIIjüs, Schwestern JUarads, nämlich 
die Witwe Sokollis, die Witwe Piales und die Oemahlm i^ies 
Gross wesirs Sia wusch : dann die alte, überaiio reiche JYau Mihr- 
mfü, ^Soniienmond", die Tochter Suleimans des Grossen, die 
Witwe de» Grosswesh's Iiustenipf.scha , deroi. Tochter, dem 
Wesir Achmedpascha vermählt, demselben zwei Töch,ter gegeben 
hätte. Diese zwei Urenkelinnen Suleimans des Grossen kamen 
beide, erst die ältere, und nach ihrem. Tode die Jüngere, als Ge- 
BSahlinnen in das Harem dts Kapudanpascha, des genuesischea 
Renegaten Cicala, welcher durch diese Doppelverbindung zu 
höchster Würde und Macht gelangte. Auch die eifer- und 



— 78 — 

herrschsüchtifjen Witwen des Bosniers Sokolli und des KroÄtea 
Piale ruhten nicht, bis sie wieder vermählt wurden. Die Witwe 
Piales, die, als sie eines Tages im Spiegel gesehen, wie ihr Ge- 
mahl eine Sklavin im ^'o^übe^gehen am Halse angerührt, die- 
selbe sogleich mit einem Dolche ermordet hatte, wurde dem 
dritten Wesir Mohammedpascha vermählt; Esma, die Witwe 
Sokollis, war klein und hässlich, aber munteren und aufgeweckten 
Geistes und noch kinderfähig; sie hatte dreihundert Sklavinnen, 
deren keine die Nacht überlebt haben würde, in welcher sie der 
Pa«cha angerührt hätte; diese angenehme Prinzessin gab ihre 
Hand, nachdem sie vergebens damit den Eroberer Daghistans, 
Osmanpascha, zu beglücken gehofft hatte, dem KalaiÜkos Ali- 
pascha, dem Nachfolger Oweispaschas, des Statthalters von Ofen, 
einem tapferen, in allen Uebungen der Waffen und Reitkunst 
gewandten Kiiegsmann, dem aber bald das Los verdienter Ver- 
achtung ward, weil er aus Ehrgeiz nach der Sultanin Haad sein 
erstes liebendes Weib mit den Kindern davongejagt. Der 
Scheidungsbefehl von Weib und Kindern wurde von Alis bis- 
heriger Gemahlin mit Thränen und Verwünschungen befolgt; 
„mit Thränen", sagt der Geschichtschreiber, „welche Ofens 
Bergfelsen hätten erweichen mögen ; mit Verwünschungen, welche 
des Bräutigams Leben kürzten, der das Jahr darauf in den 
Weinbergen Ofens auf einem Hügel beerdigt ward. Dort be- 
suchen noch heute Türken sein Grab als das Gülbabas, des 
Bosonvaters, eines Glaubenskämpen and Blutzeugen im heiligen 
Kriege, während Ali nur Märtyrer seines Ehrgeizes nach den drei 
Kossschweifen und der Sulianin Hand war." 

Der Wesir Achmedpascha, der Nachfolger Sokollis, war zur 
höchsten WUide des Reichs nicht nur durch die Reihe der Dienst- 
Jahre als der zweite Wesir, sundern auch durch den Einfluss 
seiner Gemahliu, der Tochter Mihimahs, gelangt; er hatte ausser 
den beiden Töchtern, welche die Frauen Cicalas geworden wai*en, 
noch eine dritte, welche dem reichen flasanpascha vermählt, 
und eine noch uuvermählte Schwägerin, eine Tochter Rustem- 
pascbas, «.lie Sultanin Aische, durch deren Hand der als Statt- 
haltt-r von Semendria und hernach von Güstendil verungnadeto 
Staatssekretär Feridunbeg wieder in Gnailen aufgenommen und 
in sein voriges Amt ciugesetzt ward. 



— 7a — 

Der Kredit der "Witwen Sokollis und Piales beförderte zu 
hohen Würden die beiden Söhne Sokollis nnd Piales, denen 
entweder wider das Gesetz das Leben gelassen wurde, wenn 
sie wirkliche Söhne von Sultaniunen, oder die, was wahr- 
scheinlicher, Söhne Ton anderen Ivanen waren; der Sohn Sokollis 
wurde erst Statthalter zu Haleb, dann Wesir an der Pforte, und der 
Sohn Piales, erhielten das Sandschak von Klis. D8chaaferi)ascha, der 
Eidam Sokollis, war schon sechzig Jahre alt, als er durch der 
Weiber Gunst die Statthalterschaft von Anatoli und dann von 
Rumili erhielt. Während dieser durch die Weiber bewirkten 
Veränderungen der Wesire und Statthalter unterhielt sich der 
Sultan im Harem mit seinen Sklavinnen, „besonders mit den 
zweien, ihm von der Matter und »Schwester eingeliebelten, alle 
nestellösenden und kinderverbürgenden Künste versuchend." 
Als er schliesslich impotent wurde, befahl er, sechs Türkinnen 
und Jüdinnen „als Zauberinnen, welche ihn durch Beschwörungs- 
formeln der kinderzeugenden Kraft beraubt und ihm die fallende 
Sucht angezaubert haben sollten", ins Meer zu werfen. 

Von den unmittelbar durch den Sultan das Reich beherr- 
schenden obigen acht Frauen waren vier ausserhalb des Sserai: 
die drei Schwestern und die alte Tante, Tochter Suleimans; und 
vier innerhalb des Sserai: die Sultanin-Günstlingin, die Chasseki; 
die Mutter oder Walide; die Kjaja, die Oberhofmeisterin, und 
die Wekili Chardsch, die Schaffnerin des Harems, die Frau 
Rasije. Das waren die der Pcfoon des Sultans nächststehenden, 
ihn umgebenden Frauen, Teilnehmerinnen der Regierung. 

Durch ihren Einfluss wurden die Statthalterschaften und die 
Stelle des Grosswesirs verkauft.; Hasan, der Verschnittene, und 
dann Ibrahim, waren blos durch die Walide Grosswesirc gewor- 
den; durch seine Frau, die Schwester des Sultans, wiederum 
erhielt sich Chalil, erst als Kapudanpascha, dann rJs Wesir- 
Kaimakam, Stellvertreter des Grosswesirs. 

Osman 11. hatte als geiiebteste Siütanin „eine gemeine 
Russin von ungemeiner Schönheit", welche, aus der Sklaverei 
freigesprochen, wie einr,t ihre Landsmännin Roxelane, dem Sultan 
nicht andeis als gegen Einräumung aller Rechte freier und 
rechtmässiger Gemahlin zu Wülen ward. Als sie dem Sultan 
einen Sohn gebar, ward sie bei ihm allmächtig. Nach über- 
standenen sechs Wochen kam sie mit dem Erstgeborenen dem 



— 80 — 

SuHan bis Adürianope! entge^eu, wo s!© umI des Henschers Be- 
fehl rem aßcs Wesiren aaf d^ Feierlichste cmpfangcc ward 
Die Ver^ügnngeii des Harems gowanneB täglich m-Ar Htur- 
scbaft über Osniftn; diö Suttaüiü'Chassekl, die Bussiü, OcaiaWiBj 
Jlntter des Kroiij«in2en, genosa fa Fülle dio ihr^m EÄngo 7«- 
kommenden V<Mrzüge und Shren; da kam sie firfolge oino« ira- 
gischon Vorfalls nm ftH ilire Maditj Frenndin von Scheuspteloii, 
bat sie den Solton tuü e!a tBfl&naendes Fest kü ütreti Gliren^ upd 
auf ihre Bitte verjiustaUete ü»x der Sultan ein grossi» Schao- 
gpiei, trelcbes den polnigchon Erleg mit Gor Blrstünnimg* von 
Stöckbetlen aml Sprengung der ISinen vorstellte. Da verur- 
aachto eine onglackliche Entladung von Flinten des Kron- 
prinzen Tod. • 

Den Vorluat ac ersctson, sah sich Osman nun drei Ge- 
mahlinnen anf einmal ans, aber nicht, wie bisher osmanische» 
Hofes Gebrauch and Sitte, unter de» gelderikfcuften Sklavinnen^ 
sondern unter den freien Töchtern seiner Üntertbanen, wa^ 
— nach Hammers Dai-stellnng -^ "mder allen Katiun eine* Staats- 
gefährliche Neuerung, v/eil von der Verblsdnag des Sultans mit 
Töchttjm m5(^tiger Familioa in der FoJge deren Anspräche aii£ 
HeiTschaft cnd Thran zu befttrebten wären; d^l'db scbüeast 
das Gesetz «war nicht Ohristinnen, aber fhjinde Priiizossintien 
ans, und ebenso die freien Töchter de« Landes, ob der von der 
Verwandtschaft und Sippschaft auf den Thronfolger hei-ein- 
schattende^ Gefahr. Des Herrschers "Weib soll keine Frau, solj 
BUif Sklavin sein, In «crter Jugend ans dem Kreise ihrer Ver» 
IV andtGB gerissen, ohne Sehnt«, ohne Verblnd^ing, ohne Femüifin» 
röcksichten; nur als Snltania^Cliass^, als Prinzenmnttcr, soll 
sie geehrt, als Sultanin- Walide, a^s Mntter des reglei enden 
Sultans, noch höher gest^tatt v/erden. Der 8nli«n selbst sei 
,,nicht der Sohn des freien Weibes, sondern der Sohii der 
Sklavin, diu so rücksichtsloser herrsdien za. können, und »um 
Tröste der Sklaven, seiner Diener, weiciio nicht mit Geld ge- 
kaufte, sondern nur ins Joch gexwÄngio Sklaven, die Geburt 
von freier Mutter voraus haben vor dem Sohne der Sklavin anf 
dem Throne.** Diesen Gmndmaximen des Gerechtes osmaaisclier 
Sullöne zuwider wollte »ich Osman nnn «n gleicher Zeit vier 
gesetzmfts.sige Gemahlinnen beilegen, was jedem seiner ünter- 
thanen nach dem Geaets» des Islams nnverwehrt; er vermÄhlte 



— 81 •— 

sich mit der Tochter Pertewpascha!? Tind wollte sich auch mit 
der Tochter des Mufti gesetzmässig t}.aue» lassen. Er wurde 
aber so schnell durch Mord beseitigt^, das»s seine Heiratspläne 
nicht mehr alle ansigeiöhrt werden konnte». 

Nach dem Tode Marads ü. gdangte dessen Witwe ß^ffa 
als Snltanin- Walide, als Mutter des i-egierenden Sultans, Ho- 
hammeds IH., bald noch aa grösserem Ansehen als jravor. Ihr 
verdankte der Sohn, dass er ohne Schwierigkeit den Thron be- 
steigen konnte. Sie hatte des Gatten Tod selbst den Wesiree. 
geheim gehalten, so dass der Bostandschibaschi ohne Schreiben 
v^n denselben, blos mit der N'achricht von der Mutter, zmn 
neuen Herrscher eilte. Mohammed m. war schwach «ad nie 
der Herrschaft seiner Mutter entwachsen. 

Bis aufs moslemische Jahr 1005 betrug das Schleier- und 
Pantoffelgeld der Snltauinnen, das sogenannte ^Pasclimaklüc", 
nie mehr als neuntausend neunhundert neunundneundg Asp^ijra, 
und bis dahin wurden nie Lehen als Pantoffelgeld Ycrliohön. 
Bis in das Jahr 1005 wurdes Kwerge, Stumme nnd aridere* 
Diener des Hofes and Harems nie mit Lehen begünstig. Ja1M 
wurde es anders. Die Einkünfte Cyperiis wurden der jeweiligen 
Sultans-Mutter, der Walide eingeräumt, so dass dio Insel 
Aphrodites, schon von römischen Imperatoren den Sgyptlschen 
Königinnen Arsinoo »ind Kleopatra als Nadelgold geschenkt, tiia 
solches wieder den Frauen anheimfiel. 

Die Seele der Kegicmug Mohammeds HI. blieb tr<^2 de» 
Wechseis der Grosswesire immerfort dio Venetiancrin Bafta, 
welche unter Murad II. als SaltaBin-Ciha8.^ek!, Sultaniu-Günet- 
lingin, den Gemahl, Jetzt unter Mohammed als Snlttinin-Walide, 
Sultanin-Muttcr, den Sohn beherrschte, doch als Mutter, wie 
Hammer sagt, mehr für die Dauer ihi-ei Herrschaft, und dahc? 
vor des Sohnes beschlossenem Auszug ins Feld, wohin sie Din 
nicht begleiten könnt«, zitternd. So weit ging üire Ilen-sch- 
sncht, dass sie in der Furcht, durch des Sohnes Entfernung vca 
der Hauptstadt die Gewalt über ihn zu verlieren, alles ajifbot, 
dies zu verhüten, ja sogar alle Banden des Glaubens der Tfit-er 
vergass und in verzweifelter Herrschwut aUgemeiBes Bluthad 
aller Christen vorschlug. 

Gleich nach dem Kegierungsantritt hatte Mohammed d^ 
Sultanin-Walide täglich dreitausend Aspeitj, nebst dreimal- 

Steru, Medizin, Aberglüabe a. Geschlechtsleben in dee TllrksL IL ^ 



*- 82 — 

huii Jerttauseiid Aspern Wintergeschenk und ebensoTiel Somincr- 
ger-^iienk angewiesen, welche in neuer Münze- bezahlt werden 
mussten. Bald daranf wurde ihr eine Millioff Aspern als 
Pancoffelgeld zugeschlagen. Ihr Eidam IbröJiim, weichen sie 
schoa zweimal früher aum Grosswesir xu heben versucht, be- 
wirte ::e von Zeit zu Zeit ihre Sklavinnen in seinem Garten zu 
Jenil issar am Büspoms, und der Aufwand eines solchen: Festos 
ward auf sechstausend Dukaten gerechnet. Die Sultanifi-Waliue 
Baffa heh^'rrschte aber nicht nur das Harem, sondern auch 
grösti-enteils das Reich zu dessen sichtbaroDi Vertierben. Doch 
that öle »tanchcs zum Schmucke der Stadt; so baute sie eine 
nach ihr benannte Moschee 7aU Skiitari, an welcher cme AJcadeniie 
und ITcberlieferiingsschttle begründet wurden. Von Zeit zu Zeit 
8cho8s sie aus ihrem ungeheareß Scfeaijsc auch Geld zur Be- 
zahlurj|>: der Truppen oder zu anderem Kriegsauf wände vor; 
aber noch mehr waren die schöaen Sklavinnen, ^m) sie dem 
Sohne schenkte, g-eeignet, sie in dessen dauernder Ounst zu 
erhalten. 

Die bedeutendste aller Juanen, welche am osDiaaischen 
Hofe zu Herrschaft und Macht gelangten, war die Sultanin 
K^sem «jder Mapheiker = Mondgestfclt, die Gattin Achmede L, 
Soltanln-Muttcf Mwi^dg IV., fttr den sie, da er als zwc^f jähriger 
Knabe den Thron bestiegen hatte, die Eegierung ftthrte. Erst 
als Munid IV. siebzehn Jahre alt geworden war, fing er an, 
seine Krrft zu fühlen und der Vonnandschaft der Mutter Mond- 
gestalt, welche bisher mit ihrem Geschöpfe, dem Kislaraga 
Mustafa, in des Sultan.* Namen gchorrscht und die Grosawesire 
ernaunt halte, niüde zu sein. Er 2lrnte des zu grossen Schutzes, 
den fcie i}.rem und des Kislaraga Geschöpfe, dem neuen Kapn- 
danpascha. ihrem Eidara Hasan, gewahrte. Um seinen Ünwilleu 
kuud zu geben tind Schwager und Mutter gittern zu machen, 
liess er dem Kapudanpascha die Gemahlin > seine Schwester, 
wegnehmea. Um den Sultan zu besänftigen und zu versöhnen, 
wandt© die Walide zehntausend Dulcat^i-n auf ein Fest, das sie 
doiH Sohij gib, ausser einem Geschenke von Pferden nrit 
Juweien-G' >:cliirr. Und so gelaarg es ihr, noch einige Jahre als 
Waliiic im Hnrera zu herrschen. Aber <iie Gemahlin Murads, 
die ChaSBi'kJ, Griechin von Geburt wie die Walide Kösem, 
machte Icutorer den Kang streitig; freilich nicht mit daueradem. 



^ 88 — 

Erfolge; denn sie war mehr vcrschwenfierisch als freigreblg und 
bei Murad deshalb von geriiig-erer Macht als die Mutter, welche 
sich als äusserst Torständige und staatskiuge, fröhliche, freigebige 
Fr<iu üeigte und so den grossen Einfluss, den sie schon unter 
ihres Gemahls Achmeds I. Regierung duich Schönheit und Ver- 
stand, und als die Mutter von zehn Kindern — fünf Söhnen 
und fünf Töchtern — behauptete, (\urch die ersten fünf Jahi-e 
von Murads Kegierang gieichsam als Vormttnderin übte. 

Die Zustände werden am besten dadurch beleuchtet, dass 
sie es war, die den Köprili zum Grosswesir ernannte. Köprili 
wurde heimlich vom Kislaraga zur Walide eingeführt und ant« 
wortete auf ihre Frtge, ob er den ihm bestimmten Dienst als 
Grosswesir zu versehen sich nicht fürchte, mit dem Begehren 
folgender vier Punkte: erstens, dass jeder seiner VorschlRg'e 
genehmigt; zweitens: dass er in der Verleihung der Aemter 
freie Hand und auf die Fürbitte von niemandem zu achten habe, 
denn die Schwächen entständen aus Fürsprechen; drittens: dass 
kein Wesir und kein Grosser, kein Vertrauter, sei es durch 
Einfluss von Geldmacht oder geschenktem Vertrauen, seinem 
Ansehen vorgreife; viertens: dass keine Verschwärzung seiner 
Person angehört werde; würden diese vier Punkte zugesagt, so 
wolle er mit Gottes Hilfe und dem Segen der Walide die Gross- 
wesirschaft übernehmen. Die Walide war zufrieden und beschwor 
ihre Zusage dreimal mit: „Bei Gott dem Allerhöchsten!" Kurze 
Zeit darauf hatte Kösem allerdings ihre Rolle unter Morad IV. 
ausgespielt; aber zur Zeit der IleiTschaft ihres anderen Sohnes 
Ibrahim L und dann ihres Enkels Mohammed IV. erlangte sie 
wieder den alten Einfluss. 

unter Mohammed IV. drängte sie anfangs sogar des Sultans 
Mutter Tarchan, die eigentliche Walide, in den Hintergrund. 
Ja, Tarchan vermochte kaum etwas über ihren Sohn: Moham- 
med IV. ging seit seines Sohnes Gebuit mit dem Gedanken der 
Ermordung seiner beiden Brüder um, um dem Sohne und sich 
selbst die Herrschaft zu sichern. Seine Mutter, eine Bussin 
oder eigentlich Polin, die Sultanin Tarchan, welche das Leben 
ihrer jüngeren Söhne nicht dem älteren zu opfern bereit war, 
sondern in der Erhaltung des Lebens derselben Muttefpflichl 
übte, brauchte die Vorsicht, die Knaben in einem Zimmer des 
Harems einzuschliessen, wohin kein Zugang führte, als durch 

6* 



— «4 — 

das ihrige. Dessen ungeachtet kam eines Nachts der Sultan 
mit g^ezückt^m Dolche in das Schlafgemach der Muttfr; zwei 
ihrer wachehabenden Sklavinnen weckten sie mit Stössen. weil 
sie nicht schreien durften. Die Walide fiel dem Sultan in die 
Arme und hat ihn, eher sie, die Mntter, als die Brüder zu er- 
gtechen. Dem Brudermorde ward so Einhalt gethan: für die 
getfiiischte Erwartung- %vTirden blos die zwei wacbsamon Skla- 
vinnen gehenkt Die Furcht der Mutter, dasa der eine ihi'cr 
Söhne ihre anderen töten wttrde, blieb jedoch wach; und als sie 
auf des Sultans Befehl eine Keise nnterDehmen musste. erbafc sie 
sich das Geleite des Grosswesir-Stoilvertreters, des Mufti ujid 
der Heeresrichter, weil sie den ihp vom Sohne bestimmten 
Begleiter als das zum Brudermorde ersehene Werkzeug er- 
kannte. Es war also nicht immer eitel Freude und Herrschafts- 
glänz um die Würde einer Sultanin-Mutter. 

In des jugendlichen Mohammeds IV. Namen regierte nut 
dessen Grossmutter Kösem, so dass alle Fäden der Herrschaft 
hl ihrer Hand sich befanden, während die junge, die eigenth'che 
Walide, Tarchan Sultan, wohl im neuen Ssenii wie die alte 
wobnte, aber lange nur eine Schatten gesuilt von Sultansmutter 
war. Unter ihrem Enkel Ibrahim war K^sems Einüuss zwar 
grösstenteils den Launen der gebietenden Günstlinginnen unter- 
geordnet gewesen, aber dennoch hatte sie schon dq,nial? manche- 
Neuerung hinsichtlich der Ausstattungen und Nadelgelder der 
Suitaninnen, ihrer Enkelinnen, bewirkt. Vonuals war es kannn- 
mässig, dass die den Paschas angetrauten Suitaninnen, sogleich 
aus dem Ssorai entfernt, mit ihrem Hofstaat nicht mehr dem 
Sserai, sondern ihrem Gemahle zur Last Zielen. Durch Kösem 
wurde dies jetzt daliin allgeändert, dass die PrinzessinenBräut*^, 
oft zwei- bis dreijährige Kinder, an die Paschas wohl verlobt, 
aber denselben nicht herausgegeben, sondern bis zu ihrer Mann- 
barkeit im Ssorai erzogen wurden, zur grössten Last des Reichs- 
Bchatzes, ihrer unmüssigcn Pantoffel-, Schleier- and Gürtxjlgelder 
wogen. Die Sultanin-Wal ide Koseni selbst hatte iliren Witwea- 
gehalt bis auf dreimaD;uüdcrtiauscud Piaster gesteigert 

Endlich aber kam die Katastrophe; die Brnennung eines 
neuen Gropswesirs oline Zustimmniig- der alten Sultan in-Mutter 
Kösera offenbarte das Geheimnis des unter sich uneinigen Harems^ 
und einer neuaufstetgenden, die Oberherrschaft der alten. Walide, 



— 85 — 

welche bisher die Zügel der Regiernug- gelenkt hatte, über- 
»ICig-Gluden Macht. Das neue Licht war das der jungen Walide 
Tarchan, 4iler Mutter des Sultans, oder vielmehr das des schwarzen 
Vcr>?chnitteuon Suleiman, des Oberethofmeistoi-s des Sultans, 
welcher mit seinem gauzoß Anhange von Kämmlingen sich wider 
die ilassregeln der alten Waiide auflehnte. So stand also der 
alten Walide Mahpeiker-Mondgestalt oder Kösem, die junge, 
'J'archan, gegenüber und während sich um diese di^ vom Ver- 
schnittenen Snleimanaga angeführte Hofpartei, die der Eunuchen, 
sammelte, traten lür die Walide Kösem die Aga der Truppen 
ein; in demselben Augenblicke aber, als Kösem sich anschickte, 
einen Hanptschlag zu führen und — wie viel© Geschichtschreiber 
behaupten — den Enkel-Sultan zu töten und dadurch seine 
Mutter unschädlich zu machen, wurde Kösem selbst ermordet. 
So endete die ki-äftigste nnd berühmteste aller Sultaninnen- 
Walide, die Einzige in der osmanischey Geschichte, welche die 
Kegierung von sieben Sultanen geseheii mter deren Vieren 
— Achmed, Murad, Ibrahim, Mohammed — sie dreissig Jahre 
lang, als Gemalüin, Mutter und Orossmutter, nicht nur die Ge- 
bieterin des Harems, sondern auch die Herrscheri« des Reiches 
war. Noch am selben Abend, da sie ermordet worden, zog 
aus dem Sserai ihre Leiche, in Begleitung ihrer ganzen Frauen- 
welt, ins alto Sserai, wo sie gewaschen und nach gewöhnlichem 
Loichengebete am Grabmale ihres Gemahls Achmed an dei" von 
ihm erbauten Moschee bestattet ward. 

Hammer sagt von ihr: Eine grossmtttige, gi^ossgesinnte, 
königlidie Frau, von hohem Geiste und edlem Heiden, aber 
herrschsüchtigem Chaiakter. Die jährlichen Einkünfte ihrer 
Krongtiter in Asien und in Europa — jedes trug jährlich füufzig- 
tauseud Kronenthaler — verwandte sie auf die wohlthätigste 
W^eise zur Erbauung des nach ihr noch heute genannten grossen 
Walide-Chan, der nach ihr genannten Moschee zu Skutari, der 
von ihr begonnenen und hernach von der Mutter Mohammeds IV. 
vollendeten Moschee zu Konstantinopel, sui- Wasserleitung aus 
dem Nil ins Kloster der Chalweti zu Kairo, zum Unterhalte 
der Soid-e oder Propheten -Abkömmlinge und der Armen zu 
Mekka, am Befrehmg zahlungsunfäliiger Schuldner, zu Pen- 
sionen für Witwen und Waisen. Sic Vt less sich nicht auf die 
Sachwalter und An walte in der Austeilung dieser Wohlthaten, 



-^ 86 — 

sondern besnchte selbst die Spitäler und Kerker. Ihren Skla- 
vinnen schenkte sie nach einigen gxitgeleisteten Diensten die 
Freiheit und rennählte sie mit reicher Ansstattimg- an verdiente 
Männer des Hofes; arme Mädchen versorgte sie mit Heiratsgut; 
Männer und Weiber ihres Hofstaats bedachte sie reichlich. 
Solche Wohlthätigkeit bezeug nicht nur allein der zeitgenössische 
Geschichtschreiber Mohammed Chaiife — damals oberster Kaffee- 
koch in der „grossen Kammer" — sondern auch der Geschicht- 
schreiber Scharihul-Minarsado; doch vergisst Letzterer nicht zu 
betonen, dass Eösem ihre Privatkasse auf Kosten des öffent- 
lichen Schatzes füllte und dass sich nach ihrem Tode in ihrem 
Hanse zwanzig Kisten voll Dukaten, unter ihren Kleidern zwei- 
tausend siebenhundert Shawle im Werte von fänfzigtausend 
Piastern, fanden. Aber sie verschenkte doch auch Schätze, die 
sonst vergeudet worden wären, zu guten Zwecken. Ihre Leute 
behandelte sie mit der grössten Milde. Die Pagen, deren liOs 
es war, von den Verschnittenen so viele Schläge zu erdulden, 
hatten in ihrem Hofstaate nur fünf Wachen die Woche und 
zwei Tage frei. So viele Grossmut, Milde, Wohlthätigkeit und 
Huld — sagt Hammer — mit einem Worte, so gutes Herz, 
gestatte der von einigen Geschichtschreibem wider sie er- 
hobenen Anklage des von ihr angeblich beschloi^Beuen Enkel- 
mordes kaum Platz; sollte sie d^noch von diesem Morde 
Kenntnis gehabt und daran teil genommen haben, so träfe auch 
sie das über andere grosse Geister und Gemüter auf dem Throne 
ausgesprochene Urteil der Geschichte; dass sie mit ihren grossen 
Eigenschaften ausgestattet, nur Verbrecherin aus Herrschsucht, 
im übrigen tugendhaft war — sie, die Mutter des grössten 
Tyrannen, Murads IV., und des grössten Wüstlings, Ibrahims I., 
die Griechin Kösem, um ihrer Schönheit willen die Mondgestalt 
beigenannt, durch den Herrschei^lanz von vier Kaisem — des 
Gemahls, zweier Söhne und des Enkels - mehr als Agrippina, 
Neros Mutter, geschichtlich verherrlicht, durch Milde, Herrsch- 
sucht und tragisches Ende der osmanischen Geschichte weib- 
licher Cäsar. 

Nach Kösems Ermordung wui'de es aber keineswegs besser. 
Die Weiberherrschaft dauerte fort. Mohammeds IV. Nachgiebigkeit 
war so gross, dass er selbst das Harem in den Krieg mitschleppte, 
und die Soldaten murrten, „das Heer der Weiber sei nicht viel minder, 



— 87 — 

als das der Männer; Saltan Murad IV. 86) jtiit einem Weibe 
und zwei Pagen ins Feld gezogen, wühi'cnd jetzt di(3 Wagen 
des Ilarems Über hundert waicu; die der Sultanin-Chasseki 
•Wi*ren mit Süber Losclilagen. die Kader listten sübenie Speichen, 
Sattel vjsd Zeug der Zugpferde war mit Sammt gefüttert." 
Unter der Kegiening Moluimnieds JV. sturb die ehemalige, 
achtzig Jahre ait gewordene Walide Schechsuwar, eine geborene 
Kussiu; sie war als Mobamniedanerin eine so fromme Ii^au, dass 
sie nie vom Sofa auf die Erde trat, ohne vorher das Handwasser 
genommen und Abwaschung Ycrrichtet zu haben, und dass sie 
die 8m-e de.« Binheitsbekonntnis fünfzehnhiicdertmal in einer 
Nacht betete; deshalb erteilt ihr der Reichsgeschichtschreiber 
Wassif ausser den gcwöhRifchoü Lobsprucbpu der Trauen, 
B&mlich: „dass sie rein wfe Maria, weise wie die Königin von 
Saba, massig wie Asia die Schwester des Moses", auch den, 
„dass sie fromm wie ßüabia Aduje, eine der heiligsten Frauen 
des Islams" gewesen. 

Von Mustafa HI. erzählt Hammer, da&i; : besonders zärt- 
liche Neigjjug ffir seine xNichte Niui Chanumsultan hatte, die Ge- 
mahlin des Statthalters von Kutaili, iiarhnialigon Kapudaopaschas; 
sie war eine schöne, junge, geistreiche Prinzessin, die Mustafa 
taglich besuchte, und die durch ihre Oberherrschaft über den 
Sultan auch Einfiuss auf die Geischäfte nahm. Durch sie ward 
Bekir, dessen Frau eine aus dem Sserei verheiratete Skla\1n 
Sultan Machmuds gewesen,. Keis Efendi, Minister des Aeusseren; 
doch wio gewonnen, so zerronnen; durch seine Fraa^ durch 
welche er aufgestkgen wai", wurde er wieder abgesetzt, weil 
die Ft&n ins Sse/ai berufen und befragt, wohin vormals noch 
unter der vorigen Regierung- Sultan Machmuds I. manche Kost- 
barkeiten verstockt worden seien, darüber nicht Auskunft geben 
konnte oder wollte. 

Man ersieht aus der Rolle, welche bei Mustafa JII, sein© 
Nichte Nuri Chanum spielte, dass nicht »ur die Gtinstlinginnen, 
sondern zeitweilig die Mos verwandten Frauen ebenfalls zu An- 
sehen gelangten. 

Auch viel froher war dies bereits der Fall gewesen: Als 
Sultan Murad II. von Asien einmal nach Europa zurückkehrte, 
erwartete ihn das Flehen seiner zweiten Schwester, der Ge- 
mahlin des von den Abendländern gefang jH Machmud-Tache- 



— HS — 

lebi, des Statthalter» von Boü. Dtiirch das Bitten der Schw-esU;r 
bewogen, bescbioss Murad die |iersteUuiig des Friedens mit den? 
Walachei, Serbien aiid üngam. Derselbe wurde im Juli 1444 
zu Szegediii unt^r lolgenden Bedingungen auf zehn Jahre abgc- 
schIof:se2i: erstens, dass Serbien und die Hei-zegowina an Georg 
Blanko vi ch zuiückgestelit werde- zweitens die Walachei unter 
ungarischer Herrschaft bleil)e; drittens dass fiir Machmud 
Tschelebi ein I^ösegeld von 70000 Dukaten gezahlt werde. 
Menschliches Gefühl des rauhen Herrschers beweist dies; ein 
Gefühl, das von zwanzig Jahre ununterbrochen andauerndem 
Eriegsgotüso nicht erstickt worden. Die Nachgie>^jgkeit für 
seiner Schwester Bitten, welche den Frieden in Asien und 
Europa erleichterte, ist eines der schönsten Blätter in dem 
Lorbeerkranz©, den die osmanische Geschichte diesem ge- 
wiUtigea Kämpen de» Islams ge^vunden hat 

Die IfVanen. Schwestern, Tanten, Töchter, nutzten die 
sultanischo Gunst freilich n^cht imsßer für Friedenszwecke. So 
trieb die Tochter Suleimans des Grossen, die Witwe des Gross- 
wesli*s KuvStem, die Pforte zx\r Eroberung üdaltius und rüstete 
selbst auf ihre Kosten vierhundert Galeeren aus. 

Am eclihmmsten war es, wenn solcte Frauen im Harem 
EinflusÄ erlangten, die sich Iß niederen und niedrigsten 
Stellungen befanden und doch voa dort aus die wichtigsten 
Dingo >icschlossen nnd durchsetzten. Der Jüdin Kira oder 
Cljiera ist schon einmal gedacht worden. Sie war als Schaff- 
nerin des Harems unter Sultan Murad eine Macht und deshalb 
die Zielscheibe auflodernder Meuterei der Sipahi, weil sie »ich 
in Verleihon«;' von Eeiterleheu gemengt und durch Bestechung 
unwürdigen Stellung verschafft hatte. In vollem Aufstande 
forderten die Sipahi ihren Kopf. Da der Grosswcsir-StvCll- 
vertreter Chalil und die Walidc mit ihr im Bunde wai-en und 
Cbalü fürchtete, dass der Judin versagter Kopf seineu und den der 
Walide kosten könnte, sandte er den Tschauchbusohi der Sipahi 
Botschaft, die Kiiä mit ihren Söhnen in Empfang zu nehmen; 
nnd diese Botschaft schickte der schlaue Chalil durch die Opfer 
selbst; die Sipohi fielen über die Kira und üire drei Söhne her, 
zerfleischten sie und hingen die zeiTisscnen Glieder an die lliüien 
der Grossen, durch deren Mittel Kh-a Stellen verkauft hatte. Nur der 
viei-te Sohu der Kira rettete sein Loben durch Uebortritt zum 



— öl) — 

Islam; als Moslem wunle er Ajsak Mustafa Tscliansch genannt; der 
Ertrag- cter weg^genommeiien Habe der Mutter bourog nicht weniger 
als flinf "Millionen Aspern. Ob dieses VeiTats zerfiel der Gross- 
wesfr-Stellvertretcr ChaVJ init dem snUunischen Harem, und der 
Vorfall zo^ seine Absetzung als Kainiakaui nach sicli. K^ra 
hatte auch in der änsseroa PoUlik Einius« gehabt. Dem Bot- 
scbafter Soranaso wurde die Geschäftsverliaitdlung', ebenso wie 
seinem Nachfolger, dem Bailo Giovanni OoiTero, hauptsächlich 
durch Kira und den in alle Geschäft! des Auslandes eingeweihten 
jüdischen Arzt Saiomon Nathan EscLinasi erleichtert., — Auch die 
einflüssreiche Überstl fineisteria Dschanfeda ist !)ereits erwähnt 
worden. Sie niachtcj ihren Bruder sum Statthalter von Di- 
arbekr; als er wegen Erpressung-cn angeklajjt war, retteten 
ihn nnr rnigehe^iro Geschenke und seiner Schwester Einüuss. 
Da aber der Bruder Dschanfedas, nachdem er mit g'*}n&uer Not 
dem Veitiefben entgangen war, aui der Schwester Macht 
bauend^ an Erseram eiueu Janitscharen zu Tode prügeln lioss, 
enjpOrtea sich wider ihn die Janitscharen so gewaltig, dass 
ihn der Sultan trotz der das Haxem beherrschenden Schwester, 
in die sieben Türme werfen lassen musste. 

Je grösser der Elnfluss der Weiber ward, desto verweich- 
lichter wui-den die osmanlÄcheß S^iltane, die einst das Abend- 
land in Angst und Schrecken gesetzt hatten. So war Sultan 
Achmed m. nichts als ein Liebhaber von Frauen und Vögeln, 
von Tulpen und Nelken, von Spiegeln und Lampen, und seine 
grössto HciTscherthat war, dass er sechsunddieissig Kinder er* 
zeugte. Er beschäiftigte sich blos mit seinen Frauen, mit iimeu 
stickend und kosend, und unterhielt sie mit stets neuen Ifnter- 
haltimgen von Tulpenbeieuchtungen und Zutkergastereieu. 

Die öi-irste Periode der Üeppigkoit der Haremsherrschaft 
war die des Wollüstlings Ibrahim I Ibrabim — sagt Hammer — 
war nichts als Lüstling und WtisUing. Unter seiner Herrschaft 
war des fünfundzwanzigjährigen venetianischen Kiieges Anlass 
und das endliche Verderben Kandias, gleich dem Trojas, die 
LiT-uno eines seiner Weiber. Ibrahim sank immer mehr in den 
Pfuhl der Haremslust. Anfangs seiner Eegierung, als er der 
einzige Sprosse des osmanisehen Stammes war, scbieo es ȟeu 
Wesiren hiichst löblich, den Hang des Sultans nach Weibern 
durch vervielfälti^rte Gecichenke voji Skhivhmen xii begünstigen 



— 90 - 

uie sie ihm wetteifernd darbrachten. Er selbst, so oft er nm 

die Stadt ritt oder sich anf eiioe Lnstfahrt begÄ'gi, sclien^te an 

dem Thore den Wachen vier bis fünf Bentei GoM«s, dass sie 

für ihn um Kinder und Nachkommen beten sollten; bald war 

dnrch ein halbes Dutzend von Söhnen die Furcht vor dem Aush 

sterben des osmanischen Stauiinos verschwanden, aber des 

Sultans Wollust war um so gTussor herangewachsen, und in dem 

Masse, als das Ansehen und der Einfluss der Weiber gestiegen, 

das seine gesunken. Gleich nach Anfeitt seiner Haiem^berrschaft 

war des viemcdzwanzigjahrigen Mannes Nerveckraft mit der 

Unmässigkeit seiner Begierden so sehr im Einklänge, dass 

er einmal binnen vierundzwanzig Stunden vierundzwanzigmal, 

was er wollte, vermochte. Wir v/issen bereits aus dem ersten 

Kapitel dieses Baches, dass der Holarzt Hammalsade Mohacimod 

Efendi für die hieraus entstandene Abspannung, Schwermut uad 

andere bedenkliche Wahrzeichen schlagartiger Krankheit kein 

Mittel anzuraten wusste, als Mässigung und Ruhe, und dafür 

fioglelch vc-rnngnadet und auf die Prinreninseln verbannt wurde. 

Di(5 Ohnmacht, überstiegene Begierden zu befriedigen, 

spannte den Sultan Ibrahim nur noch fester an das Launenjoch 

von Weibern und GönsilingeD, von Buhlennnen und Harems- 

Wilchtem. Seine Mutter Kösem war darauf bedacht, des Sohnes 

n&oiat-sigem Wollusttriebe, mit welchem die Kraft, denselben 

zu befriedigen, schliesslich nicht immer gleichen Schritt hielt, 

durch immer neue Sklavinnen zu fröhnen. 

Also blieb Ibrahim ein Spietball «einer Weiber. Von letz- 
teren führten sieben den Titel Chasseki, „innigste Günstlingin", 
bis zuletzt die achte, die berahnrte Telli, „die Drahtige,*' ihm 
gar als Gemahlin feierlich angetraut wuMe. Eine andere hiess 
SsadF .'hbagli, „die mit den aufgebundenen Haaren." Jede dieser 
innigsten Günstlinginnen hatte ihren Hofstaat, ihren Kiaja, die 
Einkünfte eines Sandschaks als Pantoffelgeid, jede hatte einen 
vergoldeten mit Edelsteinen besetzten Wagen und Nachen und 
kostbares ßeitzeug. Ausser den Sultamunen-Günstünginnen hatte 
Ibrahim Sklavinnen-Günstlinginnen, deren zwei berühmteste die 
Schekerpara, „Zuckerstttck," und Schekerbuli, „Zuckerbulle." Mit 
alledem begnügte sich Sultan Ibrahim noch nicht. Er begehrte 
auch nach den Frauen seiner Wesire. Und dies ward Anlass 
zu Rebellionen. Der Sultan verlangte vom Statthalter von Siwas, 



— 91 — 

Wardar Aüpaecha, ihm die Frau d^s Freuades Ipschirpagcha, 
die schöne Perichan, die Tochter Marukchan's, auszuliefcru. 
Wardar Ali trotzte diesem Befehl und seilte deshalb vom Wesir 
Achmed Pascha verfolgt und vernichtet werden. Er aber em- 
pörte sich und zog mit wohlgerüstetem Heere uach Skutari, um 
die acht Köi)fe, die den Sultan schlecht berieten, die Köpfe des 
Grosswesirs, des Mufti, des Dschindschi Chodscha, des Ober- 
landrichters Muiakkab, des Bcgtaschaga, Tschelcbi Kiaja, Muss- 
liheddinaga und Karatschausch, zu begehren und um au Ach- 
ro.edpascha Kache 2U nehmen. Kr wurde jedoch selbst von 
Ipachirpasclia gefangen, dem er die Ehre des Hauses vor der 
WoDust des Sultans 1 .;hütet hatte. Als er Yor Ipschir stand, 
ü-agte or itm: „Ist dies der Lohn, daes ich Dein Weib nicht 
schänden Hess und Dir dasselbe za Tokat aufljewahrt?" Die 
Antwort Ipschirs trennt© Wardars Kopf vom Halse, und Ipschir, 
dieses seltene Muster von Treue und Dankbarkeit, sandte das 
Haupt des Mannes, der seinetwegen zum Rebellen geworden, 
nach Konstantinopei, dem Sultan Ibrahim. Dessen Zorn war 
damit uoch nicht befriedigt. Er befahl, ,.als ein schandliches 
Lastvieb seiner Lust," der niedrigsten Eache freien Lauf zu 
lassen and die Gemahlin Wardar Ali's nachts bei Fackeln an 
vier Pfühle za binden und öffentlich zu schänden, weil ihr 
Gexnahl des Sultans Lust im Wege gestanden. 

Der Despotismus der Weiber Ibrahims, dos Sultans un- 
sinniger Lusais, die Sklaverei, in welcher ihn das Harem hielt, 
nad die Tyrannei des Grosswesirs Achmedpascha stiegen von 
Tag zu Tag. Achmed Pascha, sagt Hammer, ein Abkömmling 
des Mustafa Tschausch, des Sohnes eines griechischen Pfaffen, 
hatte sich aus niedriger Stellung durch die Gmist einer Harems- 
dame, deren Sachwalter er war, bis zudi Grosswesir geschwungen, 
ein ungemein thätiger, der Kanzleigeschäfte v/ohl kundiger, aber 
höchst despotischer Grosswesir. Um seinen Ehrgeiz auch als 
Eidam des Sultans zu befriedigen, schied er sich von seiner 
Gemahlin, der TocJiter Chanedansadeaga's ~ des ehemaligen 
Gesandten in Wien — welcher ihm vormals aufgeholfen, ver« 
bannte die Gemahlin und ihre Mutter aus der Hauptstadt, rief 
sie aber dann wieder zurück, worauf der Sultan rlie bisherige 
Gemahlin des Grosswesirs für sein eigenes Harem nahm und 
ihm dafür seine jüngste Tochter Bibisuitan antrauen Hess. Bei 



— w -^ 

dieser GrelegeDheit wurde durch den Sultan der Luxus der 
ilochzeitspälmen aufs Höcbsto jetrieben; zwei derselben, in der 
Hölie voa Minares, von Gold und Silber strotzend, üijertrafen 
an Grösse und Pracht alles, was Athonäus von der Pracht 
ägyptischer Phalhisphorien meldet; in Pracht und Verschwendung 
setzte Jferahim die Grösse und den Glanz seiner Regierung. 

Für die achte, dem Sultan allein förmlich angetraute OLas- 
seki TeDi, „die Drahtige,'* sollte der ihr vom Sultan geschenkte 
Palast Ibrahimpascha's ani dem Hippodrome ganz mit Pelzwerk 
ausgescbligen werden; statt der Teppiche, stait der Tapeten 
nur Pelzwerk, „der Verweichlichnng weichster Ruhestuhl nnd 
LotterpfuM." Der Grosswesir mid der DcftercrdÄr Tschalidschi- 
sade erschöpften sich in gewaltsamen fislialischen Massregeln, 
UTj) so viel Pelzwerk aTifzubringen, nnd da dies trotz aller Tyrannei, 
wodurch der Markt za Grunde gerichtet ward, unmöglich war, 
mnsste man sich begnügen, ein einziges Kjöschk des Palastes 
mit Zol>el und Luchs enszuschlagen. Als ca der Sultan besah, 
f-iXiiH er, dasä auf einem einzigen Flecke die Farbe der anein- 
ander geffigien Folie nicht so genau in einander floss, dass 
die Fuge unscheinbar blieb, und deshalb missfiel das Ganze dem peiz- 
wOhlcriscben Wüstlinge so sehr, dass er den Finanzminister 
{«bisetiiti und einkerkern liess. 

SnltÄU Ibrahim war ein spezieller Freund grandioser Be- 
ieuchtuugen. Von einem seiner Grosswcsire, H^rahim Pascha, 
schreibt sich — «ach Kammer — die Beleuchtnijg der grossen 
Moscheen v\^ährend der Nächte des Ramasans mit den Twampen- 
reifen her, welche Monde heiysea, weil sie in der Nacht ebca 
so viele Halbmonde vorstellen sollen, gleich denen, die Ijei Tag 
im Sonnenglaiize von den Gipfeln der Türme und Dome golden 
strahlen. Unter dem Sultan Ibrahim und Ibrahim dem Gross- 
wesir kamen zuerst die Lampen- und Tulporicete auf, welche 
alljährlich im Frählingo im Garten des Sserai oder auch in 
einem der üfoi'j»alaste des Bosporus, statt hatten. Die Tulpcn- 
beete w^irden mit Lampen beleuchtet. — „die Pracht der 
ältesten P.bmenfeate zu Sais war von den Ufern des ^fü an die 
des }^sponife versetzt" Das glänzendste solcher Blumenfeste 
durch die Wunder der Beleuchtung, und überiiaupt das glän- 
zendste aller von Gross wesircn einem Sultan je gegebenen Feste 
durch die Zahl von anwesenden Sultanen und SultaDinnen, 



~ 93 — 

Prinzessinnen, Mütteru und Günstlingiti-aen, war das, womit iJor 
Grosswesir Ibrahim in seinem l<»slpalaste zu liescliiktiisch den 
Sultau Ibraliim ur.d das ganze Harem bewirtete. Es jfauden 
«ich bei dieriem Feste ausser dem Saltan ein: vier seiner Söhne, 
sieber. Soltauinnen, seino Tüctter, die Sultania-Giinstiin^iji, Muttei: 
der vier PriXi»en, viel- Mütter von verstorbenen Prinzen, und die 
xiinf SultauiRüen-Gemablinneii — die er«te, «weite, dritte, vierte und 
fftnfio Fmu — Äüsararaen z\\«H7Ag Snltaninnen ,, dann sechzehn 
^kiaviimeu, vertraute GKinstliugiiinen der S^itltaninneu, zehn 
A^ertraote üt» Soltanfi, iiad voa den Hofämiem d^ imiersten 
Hofes der Kislaraga. 

Um die äugen bUcküchen L&nnen der Gebieterinnen des 
Hareios und ihres Sklaven, des Sultans, zu befriedigen, musstea 
ztt diea'sr Zeit die Baden oft die g:anze Nacht M Fackelschein 
offen gejmlten werden und die durch Mangel an Bezahlung jsa 
Omnde gericbteteii Kaufieute den Raüt« noch belouchten. Bin 
andermal ritt, ein .Eeisig:8r vom alten Sseral aus den ganzen 
Markt durch, mit dem Befehle, die Geschäfte auj^enbüclclich za 
schliessen. In ehoem und demselben Aue:enblieke worden nicht 
nuf alle ßndec, sondern auch die Thore Konstantinopels ge- 
schlossen; dann riefen noch am selben Tage Anarufer aus, dass 
alles wieder geöffnet werden solle. Die Ursache des SchlJeßsens 
und Wiederöiinens blieb gleich unbekannt , entsprungen aus 
blosser Sidtnus- und Karomsiaune. 

Der Lnxus im Pelzwerk, erzählt tins Hammer, war so gross, 
dass graue Fehe, Luchs nad Hermelin, garaicht mehr angesehen 
wurden, sondern nur Zobel allein im Schwünge und der Preis 
desselben jetzt verzehnfacht und darüber war. Mit dem Ge- 
schmacke Ibrahims an Weibeni, Ambra und Zobelfelten ging der 
an Blumenflor, Kielderpracht and am Spiele Hand in Hand. 
Ibrahim liebte die Blumen als Symbol der Frauen wegen ihrer Zarö« 
heit, Farbe und Duft. Statt der diamantenen Neiger, welche 
den Turban des vSuitaas zieren, pfiegte er Blumen auf den Kopf 
oder hint^ das Ohr zu stecken, was in der Türkei für unan- 
sti'ßdijEr giJt, weil dies dort nur Sitte der Hetären. Ibnibinj 
erfand eine Art von Lotterkleid, in- und auswendig gan.-? mit 
Zobel gefüttert «nd ausgeschlagen, dann ein für ihn allein be- 
stimmtes Staatsideid, mit Knöpfen aas Edelsteinen, deren jeAsr 
auf achttausend Piaster zu stehen kamv. 



- ~ 94 -- 

Die Pracht der F^-aneukleider im Harom übertraf alle 
ciamalig:e. alle vorborgeöende und nachfolgende; die fp.ingten 
eng-lischen Tücher, die zartesten französische« Seidenstoffe, die 
reichster venetianischen Samrate and Goldstoffe gingen in reisseu- 
dem Absätze. Wenn die Kunde eines mit Seiden waren oder 
reichen Zeugen a« den Dardanellen angekonimeuen, aber dort 
darch Nordwincie zuritck«^ehaltcnen Schiffes nach KonstaBtinopel 
kam, sandten die Frauen des Harems sog'lcich Eilboten in Eil- 
böten nach den Dardati eilen, wo dann oft die Waren, ohne zu 
handeln, mit Gewalt weggenommen wurden. 

Die Sandschake von Boli und Nikopolis wnrden der dritten 
und sechsten Chasseki als Pantoffelgeld verliehen, die fünfte 
erhielt das Sandschak von Hamid, und die siebente, die geliebteste 
von allen, die Statthalterschaft von Damaskus, so wie ehemals 
die Gemahliunen der persischen nnd ägyptischen Könige die 
Einkünfte von Städten zu ihrem Schleier-, Gftrtel- und Pantoffel- 
geld erhielten; ansserdom verschafften die Haremsdamen ihren 
Sachwaltern und Haushofmeistern die einträglichsten Stellen mit 
Üebergehung und Zarücksetssung der verdientesten Geschäfts- 
männer. Eine der wichtijfsten Angelegenheiten des Reiches war 
damals die Herboischaffimg des nötigen Schnees vom Olympos 
zur Kühlung der Sorbete im Sserai. Der Richter von Brossa, 
Idris, Hess sich dies derartig angelegen sein, dass er sich selbst 
in die Schneeregion wagte und dort auf einmal verloren ging, 
sodass man ihn von einer Lawine begraben wähnte; sogleich 
wurde sem Platz einem Schützling der Wäscherin des Harems 
verliehen, und als Idris wieder zum Vorschein kam, blieb es 
dennoch bei der neuen Verleiknng: die Wäscherin wurde 
hernach diesem ihrem Schützling verlobt, und da eine Saltanin, 
bisherige Besit:^erin des Palastes des vormaligen Grosswesirs 
Mustafa, gestorben war, erhielt deren Palast die Wäscherin 
des Harems. 

Des Sultans LiLst an weichstem Pelzwerk ward schliesslich 
der Anlass der härtesten Bedrückung. 

Der üffontliche Hass stieg um so mehr, als zum Teil die Pelz- 
lust des Sultans dem Gvosswesir zum Vorwande diente zur 
Befriedigung seiner oiironen Raublust. 

Die Gelder wurden unter dem Titel von Zobel- und A.rabra- 
steuer eingetrieben, wozu des Sidtans nnmässige Begier nach 



— 95 — 

Ambra und Zobel den sebeinbarsten Grund hergab. Sultan 
Ibrahims Pelzwut war TiOdi um so höher g-estiegcn, seit eine 
Wahrsagerin nnd Märchenerzählorin aus Ejub, welche all- 
nächtlich im Harem Märdien erzählte, eines aufs Tapet brachte 
you einem grosf^en Padischah voriger Zeit, welcher den Zobel 
80 sehr liebte j dass alle Kleider, Kissen, Tapeten utid Teppiche 
seines Palastes ans Zobel sein mussten. Von nun an träumte 
Ibrahim nichts als Zobel und es ergingen Diwan-Befehle an alle 
Grossen des Seiches, Zobelpelze einzuliefern. Niemand, weder 
die Ülema noch die Aga wurden mit diesen Zobelforderangen 
vcrachönt. Nor einige hatten freion Sinn und Mut genug, die 
üllgemeiüe Erbitterung über so unwürdige Bedrttcköag auszu- 
sprechen. 

Ausser diesen Erpressungen yozi Zobel und Ambra wurden 
Erbschaften willkürlich eingozogen, und dafür wurde, wie früher 
ein juwelenbesetzter Wagen fftr die Chasseki, jetzt ein juwelen- 
besetater Nachen für den Sultan angeschafft. Zwei Chasseki 
erhielten ferner förmliche Kronen. Nicht genug mit solchen 
traurigen Fiaanzmassregeln im Innern, vergassen Sultan und 
Orosswesir die Würde des ßeichs so weit, dass ein Bote nach 
Persien gesandt ward, nur um zwei Elefanten, fünfhundert 
Stücke Goldst^ffe und Pelz zu begehren. Die Walide Kösem, 
w^t4che ihrem Sohn freundlichen Hat erteilte ujjd ihn beschwor, 
dea Ööeatlichen Hass Bicht weiter aufzureizen, wurde aus dem 
Sserai in den Garten von Isbendertschelebi verwiesen. Einige 
Tage darnach feierte der Grosswesir im Garten beim Kanonen- 
thore die Vermählung seines Sohnes mit der achtjährigen Tochter 
des vormaligen Grosswesirs Kara Mustafape.scha in unerhört 
verschwenderischer Weise. Gastmähler, Taschenspielerfcönste, 
chinesisches Schattenspiel und Tänze wechselten mit einander 
ab. Unter den Geladenen waren die eirsöussreichsten Obersten 
der Janitscharen, welche die erklärtesten Widersacher der Zobel- 
und Ambra-Steuer waren; der Grosewesir hoffte, sich ihrer bei 
diesem Feste zu entledigen; sie sassen schon im Saale, als sie 
von einem Vertrauten von dem Mcrdanschlage Wind erhielten 
und ihsa durch schnelle Entfernung nach Eause entgingen. 

Das brachte die Katastrophe. Die Janitscharen empörten 
eich und drangen in das Sserai ein. Dort erschien schleunigst 
die SuJtaniu- Walide Kösem mit schwarzem Turban, in schwarzem 



— 96 — 

Schleier, von schwarzen Sklaven, die ihr Wind zufächelten, be- 
gleitet 

„Ist's billig, solche ünnihen herbeizuführen? Seid ihr nicht 
alle die gnadengrenährten Sklaven dieses Hauses?" fragte sie. 
Da nahm dor alte Wussliheddin Weinend das Wort: „Ailer- 
gnädigste Frau, die Dankbarkeit erlaubt uns nicht länger, dem 
Verderben des erlauchten Hauses und des Reichs ruhig zuzu- 
sehen. Seid gnädig, widersetet euch nicht, ihr werdet nicht 
uns, sondern den edlen Gesetzen widerstreben.'* Die Walide, 
wiewohl von Mitleid ftir ihren Sohn Ibrahim erfüllt, hatte dennoch 
Ursache genug, ihn zu scheuen und zu fürcliten. Weil sie ihm 
wohlmeinenden Rat erteilt, war sie auf der Günstlingianen Ein- 
streuung aus dem Sserai in den Garten Iskendertschelebi's ver- 
wiesen worden und soilt^i nuu nach Ehodus verbannt werden. 
Sultan Ibrahim hatte ihre Töchter, seine Schwertern Äische, 
Fatima, Chansade und seine Nichte Kiasade zu wiederholten 
Malen missh'andeit, indem er sie den Günstiinginnen als Zofen 
zu dienen, ihnen den KaSee darzubieten und die Giesskanne 
zum Waschen zu halten zwang. Dieso Schmach der Prinzessinnen 
korjite das Weib, konnte selbst die Mutter nicht vergesset; 
dennoch trug Eösem noch einmal auf <üe Fortdauer der Re- 
gierung Ibrskhims unter der Vormundschuft der XJlema und der 
Wesire an. Endlich nahm ein gewisser Hanefisade das Wort: 
„x\llergnädigste Frau! Ihr seid nicht nur die Mutter des Sultans, 
sondern auch die Mutter aller Rechtgläubigen; endet diesen Zu- 
stand je eher, je besser. Der Gebetsruf von den Minares der 
-A ja Sofia wird durch den L&rm der Pfeifen und Trommeln, der 
Cymbeln und Schalmeien, die vom Sserai horüberschalien, Über- 
tönt Die Märkte werden geplündert, GünstÜnginnen-Sklavinnen 
regieren die Welt." 

Die Walide versuchte dieEmpörer noch einmal umzustimmen und 
sagte: „Wie ist's möglich, ein siebenjähriges Kind (Mohammed IV.) 
auf den Thron zu setzen?" — „Nach unserer Schriftgelehrten 
Ausspruche," antwortete Hanefi, „ist's nicht erlaubt, dass ein 
Gross jähriger, der von Sinnen ist, herrsche, wohl aber ein ver- 
nünftiger Knabe; darauf ist der Inhalt unseres Fetwa ge- 
gründet: mit einem vemünftigen Knabfen fördert ein weiser 
Wesir die Ordnung der Welt, ein unsinniger grossjähriger 



— 97 — 

venviiTt dieselbe durch Mord und Schändung, durch Bestechlicb- 
kejt und Verschw^^ndung.'* 

„Wohlan/' sagte eiidüch die Walide, „so will ich denn 
meinen Enkel Mohammed holen und ihm den Kopfbund um- 
linücn/' 

Als die Verschwörer bei. Ibrahim eindrangen, fuhr er sie 
an; „Vcrräterj bin ich nicht Padischah, was heisst das?" Aber 
die Antwort lautete: „Noinj du bist nicht Padischah; indem du 
Hecht und Glauben für nichts achtest, hast du die Welt ver- 
derbt; du hast deine Zeit mit Spiel und Lust, den ßeichsschatz 
für Nichtigkeiten verschwendet!'' 

Das Gefängnis, in welches Ibrahim gebracht wurde, be- 
stand nui- aus zwei Zimmern, einem Kamine und Abtritte; von 
oben fiel da« Licht durch eine schmale Oeffnung. Die Fenster 
wurden am folgenden Tage alle, bis auf eines, vermauert, durch 
welches die Speisen gereicht wurden, und die Aussicht von 
diesem ging nur auf die gegenüber aufgeführte Mauer des 
Kaaalausgusses. Hier warde Ibrahim mit zwei Sklavinnen ein- 
g4sperrt, vor das Thor wa?-d ein eiseriier Riegel geschoben und 
derselbe mit geschm-olzenem . Blei in den Stein als unzueröfmend 
eingefügt So war ;,zii schmachten verdammt der Zobel und 
Ambra liebende Wüstling, im harten Kerker, in der Nähe des 
stinkenden Ausgusses des Sserai; noch gestern Abgott des 
Sserai, heute dessen Auswurf." Er brach in Verwünschungen 
und Flüche aus, verfluchend das Volk der Türken wegen ihrer 
■'lYeulosigkelt gegen liire Herrscher, unter diesen Flüchen ward 
ihm die Kehle zugeschnürt. 

Die Sklavinnen und Sultaninnea-Günstlinginnen STiItan Ibra- 
hims zog:on sofort nach hergebrachter Sitte der Thronveränöeriing 
ins alte Sserai, nur Mahpeiker, „Mondgeshilt", oder Kösem, die 
den EnJ.{:el auf den Thron gesetzt hatte, blieb und hexTschte 
nun in seinem Namen. Die Günstlingin Frau Zuckorstück hatte 
sich die Ungnade der Kösem so sehr zugezogen, dass sie von 
derselben mit höchsteigener Hand geprügelt, mit ihier ver- 
trauten FTeandin, der Frau Hamida, der Tochter der sultanischen 
Hebamme, aller ihrer Güter beraubt und nach Ibrim in Nnbien ins 
Elend verwiese^- ward. Eine Sklavin Hamidas, welche sich bei 
der Frau Zuckerstück im Augenblicke ihrer Ergreifung befand, 

gab sich für die Frau Hamida aus und ward als solche ein- 
st ex n, Medizin, Aberglaube n. GesobleclitBleboi} iu der Türk&i. U, 7 



— &8 — 

geschifft, so dass der Sklavin List und Treue ihrer Frau zu 
statten kam, die zu Konstautlnopel gelassen ward. Zwei Ver- 
traute der Fnin Zuckerstück wurden über deren Schätze pein- 
lich befragt; es fanden sich zweihundert und fünfzig Beutel an 
barem Gelde, eine un;rrehcure Menge von kostbareii Kleidern 
und Stoffen, allein zwejhund.:>rt Decken, deren eine mit Perlen 
gestickt, zAvei aus Goldstoff; die in solchem Keichtuni ge- 
schwommen, wurde ohne Kleider, ohne Geld eingeschifft, vom 
höchsten Luxus ins tiefste Elend, so dass sie sich glücklich 
schätzen musste, vom Statthalter Aegyptens fünflinudert Piaster 
zum nötigen Unierhalte zu erhalten. Ihre Vertrauten wurden 
hingerichtet, geköpft, erwürgt. 

Das Los einer Güastlingin endete häutig so traurig, nm 
besser zu v/erden, wenn die Günstlingiri später, oft nach langen 
Jahren, als Mutter des regierenden Sultans wieder im sul- 
tanischen Harem erscheinen durfte. 

Als Sultan Mohammed IV. vom Throne in dan Kerker ge- 
setzt ward, wanderte seine, seit dem Tode der V/alide, Sultanin 
Tarchan, der geborenen Russin, aliein das Harem und zum Teil 
das Reich beherrschende Günstlingin , die Sultanin Chasseki 
Rebia Gülnusch, ,.Frühlingsrosentrank", eine auf Retiir.o ge- 
borene Griechin, ins alte Sserai. Die Chasseki Rebia Gülnusch 
beschreibt Hammer als „klein, aber sehr schön, länglichen, 
weissen Gesichts, blaacr Augen, kastanienfarbenen Haares, 
ausserordentlich einnehmend und geistreich, und ausserordentiicli 
eifersüchtig, aber dennoch teils aus Leidenschaft, teils aus Liebe 
weit weniger eifersüchtig auf die Günstlinge, als auf die Günst- 
linginnen des Sultans." Den Grad dieser Eifersucht zu schil- 
dern, genüge folgender Zug: Zu Kandilli, ,, Leuchtendorf', 
welches durch die ausserordentliche Schönheit seiner Lage die 
asiatischen Ufer des Bosporus erleuchtet, ergötzte sich Sultan 
Mohammed IV. oft in einem aufs Meer hinausgehenden Erdsaale 
an dem schönen Tanze emer tscherkessischen Tänzerin, in 
welcher die Sultan in-Günstlingin eine gefährliche Nebenbuhlerin 
sah. Um sich ihi-er zu entledigen, bestellte Rebia Gülnusch 
einen Verschnittenen, welcher im Mohrentanze ein Meister, 
und beauftragte ihn, dass er bei einem bis an den Rand der 
Terrasse geführten Tanze die Tänzerin ins Meer stürze, welches 
unter dem Kjöschke leissend strömte. Des Moreskotänzers 



~ 99 - 

Salto mortale ward für die Günstliugin wahrhaft tötlicb, Sie 
wui-de beim Tanze ins Meer hinabg-eschleudert, nnd der Vorfall, 
der als Zufall g-elteri musste. bestätigt „däss bei den Bällen der 
Siiltaue auch der Tod mittanzt." Untör Ali Köprilis Gross- 
wesirschaft war der KinÜuss der Chasseki Kebia Giilnusch auf 
die Reichsg-eschäfte unbedeutend, sonst aber häutis- übermächtig. 
Rebia Gülnnsch starb viele -Tahro nach der Entthronung ihres 
Gemahls, am 22. Februar 1716, nachdem sie unter der Re- 
gierung der Sultane Suleiman IL imd Achmed IL, der Söhne 
Ibrahims L, acht Jahre lang im alten Sserai zugebracht, dann 
aber unter ihren eigenen beiden Söhnen Mustafa 11. und Achmed IIL 
noch zwanzig Jahre lang nicht nur die höchsten Ehrerbietungen 
als Mutter der regierenden Sultane, sondern auch die allgemeine 
Hochachtung und Liebe als Erbauerin der Moschee zu Skutari und 
Galata und als Stifterin eines Speisehauses föi' Arme genossen 
hatte. 



38. Hochzeitsbräüche der Völker in 
der Türkei, 



Armonisciies Hochzeitsgebet. — Griechieehe Kochzeitslieder. — Albanesiscbos. 
— Mazedo-Wfüucheu und Rumänen. - Bulgaren. — Serben. — Monte- 
negriner. — Spanioien. — Arabische Juden. — Josiden. — Türken. — ße- 
duiiit-r.. — Perser, — Kurden. — Der Bsweis der .J\iagfranschaft. — Die 
Vorzöigung dos iiochzeitlichen Betttut'-.cs. — Bei den Feilachen in Palästina 
und Äeg:ypteii. — BiügariFche und ruDiänische Sitlien. 

ueber die Hüchzeitsbräuch.'. emig'er orientalischer Völker 
l^abe ich schon in .ineiDcni Buclio ,.Vom Kaspi zum Pontus" aus- 
führlich geschrieben. Auch andere Autoren haben diesem Ge- 
genstände genug- Aüjinerksamkoit g-ewi'iraet; so Bodenstedt, 
Schweig-er-Lcrchenfeld, Düringsfeld, Ami Boue, Adolf Strauss, 
Friedlich S. Krauss, Kanltz, Halui. Bndlich veröffentlichte mein 
Freund D. Theophil Löbel-Efendi, ottomanisclier Zensurinspektor, 
vor wenigen Jahren in Amsterdam ein Buch, in welchem er 
alle.s, Wiis über die Hochiicitsbräuchc in der Türkei gedruckt 
Worden, nebst vielen von ihm selbst gesammelten AÜtteilcngen 
znsammenstellte. Mit Kizcksicht auf dieses reiche, vielfach leicht 
erlangbare ATaterial, glaube icli, mich in diesem Abschnitte 
kurz fassen und nur das am wenigsten Bekannte hervorheben 
zu düri'en. 

Von den armenischen Gebräuchen, die Bodenstcdt. er- 
schopf(md gesi>bildert hat, erwähuo ich blos das Gebet, das der 
Priester beim Abschlüsse der Elbe s})richt: „Ewiger Gott und 
Schöpfer des Weltalls! Dich bitton und zu Dir flehen wir, der 
Du voll Erbarmen sorgest für Deine Geschöpfe, nimm, o roen- 
scheu freundlich er Herr, unsere Bitten gnädig auf! Wie Do die 
Ehen unserer Väter geschlossen hast nach dem Gesetze Mosis, 



— 101 — 

so hast Da nach der Aufcrsteliuii.i:- und Hiniuielfahrt Deines Ein- 
geborenen ujis ein neues Gebot gelebn und das heilige Kreuz 
aufgestellt ziir Heilig img der Ehe; derer, so aa Dich glan)3en 
und an Deinen eingeborenen SohTi. Gib auch jetzt, o Herr, 
durch das allsiegende Kreuz. Kraft und Stärke denen, die auf 
Dich bauen. Entferne von ihnen den Geist der Heuchelei und 
des Ungehorsams und alle bösen J^üste; bewahre sie vor 
Schändlichkeiten, vor dankten Wegen und vor Unreinheit des 
Waadelns. Mache, da,ss dieses Kreuz sei zur Weihe und zur 
Grundlegung eines festen Grundes, darauf das Gebäude der 
heiligen Ehe errichtet wird. Schmücke ihr Haupt mit der 
Krone der Schönheit, sende über sie den Segen der heiligen 
Dreieinigkeit, welcher ihLCü Not thut und ihnen Ruhm bringt 
und Ehre, Jetzt und immerdar, und von Evrigkeit zu Ewigkeit. 
Amen ! Friede sei mit allen ! Heiliger und allgepriesener Vater, 
der Du gesegnet und geheiligt hast dieses Kreuz im Namen 
Deines Eingeborenen, durch die Hand Deines sündigen Dieners, 
durch die Segnungen Deines heiligen Geistes : auch jetzt bitte 
ich Dich, o Herr, sende Deinen heiligen Geist hernieder zur 
Weihe des GebäudeSj welches ich jetzt hier gründe. Erhalte 
diese zwei unbefleckt gegeneinander, geleite und führe sie zu 
der Stunde, in weicher ich die Krone des Ruhmes auf ihr Haupt 
setzen werde; denn Dir allein ist die Ehre, und Dir allein ge- 
bührt der Ruhm und die Macht, jetzt und immerdar^ und von 
Ewigkeit zu Ewigkeit. Ame:)!'" 

Bei den Hochzeiten der Giiechen wird auffallend \iel ge- 
sung(m: Während der Bräutigam bei der Hochzeitstoüette sich 
wäscht, singt man: 

Waschet iiea iuagea, reichen Manu iü ■:iiiem Silberbecken, 
Die Ente briügt d^is Wassei uud die E'ster die Seife. 

Während des Easierens singt man: 

Silbernes Rasiermesset, geh langsam; Iitr.g5am, 

Bleibe nirgends stecken, 

Daßs du nicht das Herz zerhricb.vf ui>fie:öm jungen reichen Mftnia, 

Uaserera schöneu Stera. 

Wenn die Braut gekämmt wjtü^ wein-: sie heisse Thränen; aus 
den Kehlen der neben ihr stehenden i' .eundinnen erschallt fol- 
gendes, an Heinrich Herne gemalmerjdes Lied: 



— 102 — 

Du hast schönes goldenes Haar, welches herahhäugt auf deine Schulter, 
j Die Engel kämmen es mit goldenen Kämmen. 

Während sie angekleidet wird, fahrt das Lied fort: 

Als deine Mutter dich geboren, 

Waren alle Bäame mit Blumen bedeckt. 

Und die kleinen Vögel sangen in ihren Nestern. 

Kach Beendigung der Toilette endlich: 

Heute strahlt der Himmel, 

Heute glänzt der Tag, 

Heute wird der Adler mit der Taube vereinigt. 

Die Braut aber rezitiert mit Vorliebe dieses Lied: „Eine 
Baumwollenstaude mit ausgebreiteten Zweigen hatte ich in 
meinem Hof, ich habe sie gepflegt und bespritzt und hoffte, sie 
stets zu besitzen; aber ein Fremder, ein Einsamer, kam und 
hat sie mii* genommen. Wie oft sagte ich dir, liebe Mutter: 
Lasse nicht diesen Fremden in deinen Hof. Wie oft sagte ich 
dir, dass er dich auslacht, dass er dich betrügt, dass er die 
Baumwollenstaude wegnehmen wird. Wie oft bat ich dich, 
dass du mich versteckst, Mutter, dass du mich versteckst, dass 
der Fremde mich nicht nehme!" 

Wenn der Priester die Zeremonie der Vermählung vor- 
nimmt, spricht er: „Es vermähle sich der Ejiecht Gottes (.folgt 
der Name) mit der Magd Gottes (folgt der Name) im Namen 
Gottes, des Sohnes und des heiligen Geistes, jetzt und immerdar, 
und von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen!" Darauf macht er 
mit den „Hochzeitskronen'" dreimal das Zeichen des Kreuzes 
über die Braut and sagt: „Es vermähle sich die Magd 
Gottes mit dem Knechte Gottes im Narjcn Gottes und des 
Sohnes und des heiligen Geistes, jetzt und immerdar, und 
von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen!" Dann legt er die Kronen 
auf die Häupter der Brautleute. 

Vor der Thür des Braurgejsachs bringen die Männer ein 
Ständchen: „Erwache und küsse einen Körper wie eine Cypresse, 
einen weissen Hals, Brüste wie Zitronen, wie kaltes Wasser." 
Li vielen Ortschaften herrscht die Sitte, dass die weiblichen 
Verwandten und Bekannten dov jungen Fiou am dritten Tage 
nach der Hochzeit zu ihr koaimen, um s'ie zum Brunnen zu 
führen. Die Neuvermählte schöpft hier mit einem eigens dazu 
bestimmten Gefäss Wasser aus dem Brunnen und wirft dann in 



— 103 — 

ihn Esswaron iind Brot hmein. Nach einem Rundtanz um den 
Brunnen kehrt man zurück. 

In Cappadocien, erzäMt Naumann, herrscht ein Brauch, den 
Neuvermählten ein Gemisch von Getreide u^nd Münzen über den 
Kopf hijQzustreuen. Ueher da^ Geld stürzt dann der Tross der 
Gassenbuben. — 

Bei den Albanesen, berichtet Hahn, verlobt man Kinder, 
so lauge sie noch in Wickelbändern sich befinden; ja es ge- 
schieht zuweilen, dass die einer Geburt entgegensehende Mutter 
für den Fall, dass sie einen Knaben oder ein Mädchen zuj Welt 
bi-ingt, schon vor ihrer Niederkunft die Verlobung dieses Eandes 
zu Stande bringt. Den heranwachsenden Kindern wird diese Ver- 
lobung- erst mitgeteilt, wenn sie das heiratsfähige Mtoi erreicht 
haben, nämlich wenn das Mädchen zwölf und der Knabe acht- 
zehn Jahre alt geworden sind. Nicht die Liebe ist die Eho- 
stifterin. Die Albanesen kennen keine Liebe für das gründlich 
verachtete weibliche Geschlecht. Sie nehmen sich aber zeitig 
AVeibor, um rdch zeitig auf die faule Haut legen zu können. 
Die Frau ist die Arbeiterin und Ernährerin des Hauses; sie 
ist jedoch mit ihrem Schicksal so vollkommen zufrieden, dass 
ihr eine zärtliche Behandlung seitens ihres Ehegatten gar nicht 
recht sein und als eine Entwürdigung desselben erscheinen 
würde. In Kriegsfällen sind die Albanesinnen treue Gefährtinnen 
ihrer Männer, sind sie die Sanitätstnippen und nicht selten in 
Notfällen das entscheidende letzte Aufgebot. 

Die Hochzeitsfeierlichkeiten bei den Albanesen beginiien 
mit dem Montag der Woche, in weicher die Hochzcir gefeiert 
wird. Dieser Montag heisst „Mehlmontag", weil dann der zum 
Hochzeitsbrot nötige Weizen zur Mühle geführt und unter Ge- 
sängen nnu Gewehrsaiven von den Freunden des Bräutigams 
dorthin begleitet wii"d. Nach diesem Mehlmontag darf die Hochzeit 
nnr inloige eines Todesfalles oder eines anderen ausserordent- 
lichen unglücklichen Ereignisses verschoben werden. Der Don- 
nerstag i^t der „Holztag" der Hochzeit, denn der Bräutigam 
lässt alle bcfi'eundeten Familien einladen, zu diesem Tage das 
nötige Holz zu holen. Der im Namen des Bräutigams Ein- 
ladende sagt-: „Ihr seid zum Hochzeitsholz geladen." Am Don- 
nerstag iii aller Frühe ziehen die Weiber in den Wald, holen 
das Holz, und in den Händen rote Tücher und Laub schwen- 



— 104 — 

kendj kehren sie singend ins Dorf zurück und gehen iu das 
Haus des Bräutigams za einem Schmause. Nach demselben 
beginnt das Backen, wobei eine Jungfrau, deren Eltern noch 
leben and die viele Brüder bat, zuerst die Hand anlegt; denn eine 
solche Jung-fran verbürgt dem Hochzeitspaare Kindersegen, viele 
Söhne, spätes AJter als Eltern. Unter besonders dafür be- 
stimmten Gesängen fängt man aHj das Brot zu kneten. Mit 
dem Teig geht die Jungfrau zum Bräutigam und schmiert iba 
an; er liChenkt ihr dafür ein Geldstück. Sie macht dann die 
Kunde bei der anwesenden Geseliscbaft^ schmiert alle an und 
bekommt von allen Münzen. Das Geld gehört ihr. Der Bräu- 
tigam darf sich erst am Hochzeitstage putzen. Damit aber die 
Gäste ^dixm. Jetzt 3cin Festgewand bewundein können, zieht ein 
junges Mädchen dasselbe an und zeigt sich so den Gästen. Am 
Sonntag findet die Yermäiilnng statt. Es sind bei derselben 
alle beireundeten Familien der Brautleute Yersammelt. Wenn 
der Zng des Bräutigams und der Zag der Braut vor dem Hau.'^e 
des Bräutigams angelangt sind, danü erscheiat im Hausthor die 
Mutter des Bräutigams und bewirft unter Glückwünschen zuerst 
d«s Brautpaar, dann alle Gäste nüt Eeis^ als dem Symbole der 
Fruchtbarkeit und des P.eichtnins 

Die Brautleute müssen beim Ueberi^chreitea dev Thür- 
schvvelle Acht geben, dass sie mit dem rechten Fasse ins Zimmer 
treten. Beim Sintritt hält man ihuan einen Rerl vor, durch den 
sie, sich an den Känden haltend, zusammen dira-hkriechon. 
Während ihres Durchkriechens wird der Seif zerbrochos — dies 
bedeutet Vereirigung l)is zum Tr,de. Gleich nach dem Eintritt 
entschleiert der 5,Wiaro.'\ der Brautfüiirer, die Braut, vrcbel ei 
den Schieier zumeist mit dem silbernen Griff einer WaÜe antnebt. 
Hierauf beginnt die Trauungszeremonic, bei welcher, vrie bei den 
Griechen, der Beistand — aibaLcsioch: „nun-i", neugriechisch: 
„kum.baros" genannt — - die Kronen über die Eäupter des Braut- 
paares hält. 

L^nter den Liedern, die bei den Hochzeiten gesungen werden, 
ist dieses kleine charakteristisch: „Der Rabe raubte ein Rebhuhn, 
was will er mit diesem Rebhuhn ? Er will mit ihm spielen und 
scherzen, er will mit ihm das Leben verbringen." 

Am Montagmorgen führt der Wlum die Neuvermählten in 
eine Stube und gibt ihnen ein mit Honig bestrichenes Brot zu 



— 105 — 

essen, als Zeichen, dass sie sich so gut vortid^on iiiöcbten, wie 
das Brot mit 'lern Honig Darauf bringt die Muttor der Braut 
dem jungen Paare allerlei Nascbwerk. und Branntvroin; der 
Scli\\iegersohii küsst ihr dafür die Hand, Man begibt sich dimn 
in grosser Gesellschaft zur Dorfqueüe, wo die jungen Elieleate 
Wasser schöpfen, um sich gegenseitig anzuspritzen. 

Dann sind alle Förmlichkeiten vorüber und am Dior.stag 
Abend tritt der junge Ehemann in seine ßeclite. -- 

Bei den Mazede-Walachen oder üumänen in Mazedonien 
ist, nach Löbel, der Hochzeitstag immer ein Sonntag. Am 
Donnerstag Yor der Hochzeit vereinigen sich frühmorgens sdia 
Freundinnen der Braut; sie reinigen den \Veizen und des "Eeis 
und schicken einige Bu.rsclien zu fh'Oi verscMedeuen Brunnes, 
um Wasser für das Kocii5.eitsbrot zu holen. Während des Tages 
begibt sich die ßraat in Begleitung einiger Freundmnen ins 
Bad. Freitag werden seitens des Bräutigams Leute zu Pferde 
in den Wald geschickt, um Holz und zwei grovsse Zweige zu 
holen. Das HoIä dient zum Backen des Brotes und zum .Kochei). 
der Ho elizeitssp eisen, von üe^i. zwei Zweigen v?ird der eins ara 
Kamin des BräutigamsLauses und der andere an jenöni des 
Brauthauses angebracLv. Am A.benvi F.ingt nian folgendes Lied: 

Meine Mutter vri'd Biich nicht, yericahicn, 

Sagt, ich 8ol! sie nichr. meür quälcü 

Sagt, ich Vrilio viel 2u kküj). 

Klein, kItiE wie eio. llebbüliulo'n, 

ich, JU'uiter, ich bitte dicu, 

?erbeii.atc ujich. 

Ich bia nicht mehr neun Jahre . . . 

Sonntags wird Hochzeit — ,.Nnmta*' — gehalten. 

Bevor der Bräutigam sich sm- Hochzeit begibt, kommt der Bar- 
bier, dessen erste Operation, das Kopf'cvasehen ist. Währenddessen 
singen die im Elternhause des Bräutigains versammelten Mädches 
und Frauen folgendes Lied: „Zu rechter Zeit kommt der Barbier, 
wasch mir den Kopf, mein lieber Barbier. Wasche mir raelas 
Ai-me an der schattigen Quelle. Wasche mir Augen und Antlitz:, 
OS wird mir plötzlich so helle. Und ich sehe einen schwai'z- 
äugigen Burschen, schon und tapfer im Fechten, und einen Bing 
hält er in Händen, einen Silberring, einen echten. tapferer, 
tapferer Bursche, man hat dich räh.;aiend mir genannt, als der 



— 106 — 

Iteste Silberarbeiter im Dorfe bist du mir schon lange bekannt. 
Ich gebe dir eine silberne Münze, für die Frau, am Halse zu 
tragen." 

Nach dem Kopf waschen wird der Bräutigam rasiert; dabei 
singen die Versammelten: „Zu rechter Zeit kommt der Bai'bier, 
er soll den Bräutigam rasieren. Barbier, so wahr du lebst, du 
machst mir ihn schön, schön, tür den Nun und den Fartat, und 
füi' die Frau noch schöner, behaut nur an seine Augenbrauen, 
gleich dem Himmel mit den Sternen; schaut nur an seine Stirn, 
glücklich, der sein Vater ist; schaut nur an seine Nase, glücklich, 
der ihn sein nennt; schaut nur an seine Zähne, glücklich die 
seine Elteiii sind; schaut nur an seinen Hals, es scliciut. er ist 
eine Tone; schaut nur an seine Brust, es scheint, sie i:^t eine 
schöne Nachtigall; schaut ihn nur mit dem Gürtel an, er scheint 
wie ein Pferd mit Zügeln." 

Nach dem Rasieren wenden sich die Sängerinnen dem Bräu- 
tigam zu und tragen ihm nachstehendes Lied vor: „Deine Mutter 
ist schön, ir'e des Morgens der Morgenstern, das Gesicht strahlt 
so, mit dem geschmückten Tuch. Zu dir gingoTi v,-ir, da trafen 
wir uns beide am Wege, der Weg \Nar eng iiir !>eide, Last ab- 
gelenkt vom Wege, wir sollen nicht erstickt werden; nimm 
heraus den Beutel und mach ein Geschenk, ein Halsband mit 
einem Schlösschen, die Braut trage es am Halse, nicht dass ich's 
will, nicht dass ich's verachte, ich gebe darauf das Siegel und 
versiegele es." — Beim Weggelien der Braut aus dem Elternhause 
zur Kirche halten zw'ei Frauen eine Torte — „Kaniskula" — 
über den Kopf der Braut, und eine dritte Frau, welche hinter 
der Braut steht, hat' eine Flasche Wein in der Hand. 

Bei der Verabschiedunir der Braut von ihren Eitern und 
Geschwistern wird folgendes Lied gesungen: „Weine nicht, 
Frau und Braut! Weine nicht! Du schadest deiner Schönheit!" 
— „Es soll ihr schaden, wozu brauch' ich sie denn? Ich werde 
weinen! . . . Wie mein Vater um mich weint, werde ich weinen!" . . . 
Diesell.ten Worte werden immerfort wiederholt, blos ersetzt man 
den Vater durch die Mutter, die Brüder, die Schwestern. Das 
Gedicht schliesst dann: „Ich weiss nicht, wie es mir ergehen 
wird, ich werde weinen!" ... 

Wenn der Hochzeitszug vor dem Hause der Neuvermählten 
angelangt ist, trägt die Mutter des Bräutigams der Braut ein 



— 107 — 

Kind entgegen. Es ist das Symbol des heiligen Zweckes der 
Ehe. Die Braut nimmt das Kind in ihre Arme und küsst es; 
darauf wird ihr ein zweitos und endlich ein drittes Kind über- 
reicht, und sie tliut immer dasselbe. Beim Betreten der Haus- 
thür wird ihr ein Teller mit Butter dargereicht; sie nimmt mit 
ihren Fingern ein wenig Butter und bestreicht damit die 
Schwelle und die Thürpfostcn. Nachdem sie sich mit einem ihr 
verabi-elchten Handtuch die Butter von den Händen abgewischt 
hat, erhält sie einen Apfel, in welchen, den Vermögensumständen 
nach, Gold- oder Silbermünzen eingesteckt sind. Beim Anbruch 
der Nacht versteckt sich der Bräutigam im Brautgemach. Die 
Braut wird nach vielem Zureden dorthin g(;l)racht. An äer Thür 
uoch zögert sie und will nicht hineingehen; sie wird mit Ge- 
walt hiueingestossen und die Thili- von aussen abgeschlossen, 
Mittwoch früh begibt sich die junge Frau in Begleitung einiger 
Frauen und Musikanten zum Brunnen, aus dem sie ein Gefäss 
mit Wasser füllt; nachdem dies geschehen, besobmicrt sie den 
Brunnen mit der von ihr mitgebrachten Butter. 

Bei den Bulgaren ist der Hochzeitstag ebentalls iraro.er 
ein Sonn- oder Feiertag. Nach der Trauung tritt der Patho 
zum Bräutigam aud gibt ibiu einen Knaben auf die Hände, 
während die Pathin der Braut, ein Mädchen auf die Arme legt. 
Am Abend entschwindet das junge Paar in die Hochzeits- 
kammer, die Gäste aber jubeln ungestört fort bis zum Morgen. 
Nach Sonnenaufgang kommt das Ehepaar wieder unter .die 
Gäste, und der junge Ehemann verkündet laut und jubelnd, dass- 
es ihm gehingi^n, die ünscLuid seiner Braut zu bezwingen. . . 
Nach dieser Erklärung wandert alles zum Brunnen des Hauses^ 
wohin zwei Mädchen je einen Kessel au einer über die Schulter 
gelegten Stange tragen. Der Brautführer füllt am. Braunen die 
beiden Kessel mit Wasser und stellt sie unter einen Baum, 
worauf er eir.e Handvoll kleiner Münzen in jeden Kessel wirft. 
Dann bricht er zwei grüne Zweige vom Baum und reisst mit 
denselben das Kopftuch der jungen Frau herunter. Ist dies 
geschehen, dann tanzen die Brautführer und die junge Frau drei- 
mal um die Kessel hejum, Vvobei die Jungvermähl tc die Kessel 
mit dem Fuss umstösst. — 

Bei den Serben, diesem liederfrohen, liederreichen Volke, 
sind die Hochzeitsfeste natürlich vom Gesänge beherrscht. 



— 108 — 

Merkv>iTrdigerwei?o besingen die serbischen Lieder weniger die 
glückliche als die unglückjiche Liebe und Ehe. So heisst es in 
einem Liedo: 

Hohoi Schaeö fällt am Sanct Georgstag, 

Aoli, I:eir! Vöglein über den 8chiaoc 211 fliegen reraiag, 

Doch 'Jas Mädchea t?ielit über den Scbnee, 

Ftirc'btet nicLt Schnee, fürchtet nicht Weh. 

Klagt: A.' den Füt-sen friert es mich niciit, 

Ob sie auch uaj'Jct sind. Aber mir bricht 

Das Herz und '^rlll mir '•chicr erfiiereu, 

Doch dio Mutter nsag's nicht Tühren, 

Mich friort vor der *i'Jgnen Mntter iucin. 

Die will, ich seil einen Alten froi''n. • 

Aüclero Lieder beschäftigen sich gerade in diesem hehren 
Moment 3 mit Untreue und ünkeiischLeit,: ein Volkslied klagt: 

Weh dem I<n!id, wo Heeie weilen, 

Wo Mädchen selbst zu Männern eilen. 

Und cä tragen die Männer zu der. die sich scibgt entehrt: 

WüTst ^"ohi nicht areiaufen, wärst du nur etwas wert. 

.im Morg'en vor der offiziellen Yerlob^ing- kommt in Serbien 
dar Bräutigani zu seiner AuserwäMten und überreicht ihr einen 
mit einigen Goldmünzen geschmückten Apfel, Jabiika, den das 
MädciK-n ergreift, um dann ächücll zu ihrer Matter ;5u eilen. 
Nacli dem Aiifel heis.st das Brantgescheük und jedes Geschenk 
überhaupt: ,.Jabuka". 

"Es ist merkwürdig, bemerkt Löbel - Eteudi räch Ernst von 
Dombro?Yski, dass sich gerade bei den Serben die Sitte des 
Apfels bei der Verlobung- erhalten hat, und nichc bereits wie 
bei den anderen yiel mehr koiiseryativcn Stämmen von dem 
abeiUibJniMriclien VerJobung-sring' verd.r>lngt ist, denn es heisst 
bereits in einem etvva aas dem achtzehnten Jahi'hundert stammen- 
den Volksgesangfe: 

Einen Apfei gibt ab Licbespi'and man, 

Das Basilikum zr.in Wohlgoruche; 

Doch den Ring nur gibt man zur Yeilobung. 

Ein linderes serbisches Lied Jantet-: 

Auf der Wieso, un'.onu Ahorn, riebolt die Quelic, 
Ko'ümi uahCi ein :junge6 Mädcheii; Wasser .tu schüpien; 
Unter Belgrads weisse Walle trägt sie Wasser. 
Einen goldneu Aptel tragend, tritt zu ihr Mirko: 



— 109 — 

„Ni!nn\ c AliJdchen dusra ApW, werde die Moine!" 
Und das HilArlieu rii.;nut den Apfel, s\iTfr ilia zurücke:" 
„Will dich v''ch^, noch leinen Apr'el, ^eue von hiuaenl'' 

Auf der Wicse, unlevm Aliorn, ricc-elt die Quelle. 

Kon-iat, daher ein junges Mädchen, Wassei zn schöpter. ; 

unter Belgrads ^veiä£e Wälle trägt dt- des Wasser. 

Einen goidneu JTr.lsscbiiin.ck tragend, tritt ?:u ihr Mirko. 

„Nimm, illädclion, diesen Kaisschmuck, 7forde die Meine!" 

Und das Mädchen nimmt den Halsschnjuck und wirrt ihn -jurücker 

„Will dich nicht, noch deinen Halss -huiuck! Gehe von hinnen! 

Anf der Wiese, unterni Ahorn, rieselt die Quelle. 

Eommt daher 'üu junges Müdchen, Wa.>3or zu schöpfen; 

Unter Be'.,raä3 vreissc Wälle trägt sie das V/asser. 

Einen goldnen Hing iü Händen, tritt ^u ihr Mirko: 

„NimiD, Mädchen, diesen Ring hin, werde die Meine !" 

Und da» Mädchen nahm den Eing an, steckt aa die Hand ihn: 

„Will dich wohl i^amt deinem Ring! Ich bin die Deine!" 

Bei der HoclL/eitsfeier dauert das Gelage die ganze Nacht 
Wenn die Gäste sich zu zerstreuen anfangen, dann tritt die 
junge Frau, die „Mlada", an die Thürscliwolle und Itüsst jedem 
Weggoliendca die Wange, wofür ilir dann JGgllcuer ein JJoines 
Geschenk, i^umeist bares Geld, in die Hand drückt. In einigen 
Gegendeo g>.^s5t die serbische junge E'rau am frühen Morgen 
nach ihrer Hochzeitsnacht den Gästen Wasser auf die Hände 
und reicht das Tuch zum Abtrocknen. Zum Lohn dafür erhält 
sie das „Ecgiessgeld'", Poljevacika. -vveiche.s man in die Wasch- 
schüssel wirft. Die Erfiischung ist wohl nötig; denn bei den 
EocLzcitf-festen der Serben geht es ausserordentlich lustig her. 
das Sprichwort: ,,Wie e.ine seinisclie Hochzeit", gebrancht man, 
um wüpte J.'beloi auszudrücken. — 

Die Tlodi/.eitsbräücbe der Montenegriner unterscheide}! sich 
von denen c?er anderen Südslaven. Die Stellung des montene- 
grinischen Wei;)es bezeichnet ein eigenes Sprichwort. „Du bist 
nicbt eJnnsal so viel wert wie ein Mädchen!" Ein anderes Sprich- 
wort sagf: „L'änner schlägt man mit dem Kugelrohr, Weiber 
aber mit dem Pfeiferirohrl"' wobei zu bemerken ist, dass ein 
Schlag rnit dem Pfeifer.roir, wenn er einem Maiiue zugefügt 
wird, für die g'-össte Beleidigung gilt und nur ndt Blut getilgt 
Wf^rden '■oll. Selbst ein wohlhabender und nach Landessitte 
und nacli I.andesglaube gebildeter Montenegriner kann nicht 



— 110 — 

umhin, bei der Vorstellang seinor Frau zu sagen t „Entschuldig-en 
Sie, es ist meino Frau 1'^ ... Ob hier nicht ein Missverstäudnis 
vorliegt, lasse ich dahingestellt. Es könnte auch eine blose 
Redensart sein, etwa wie uias im Deutschen sagt: „Gestatten 
Sie, meine Frau vorzusteilen." Nach der Trauuiig wird der 
jungen Frau vom Schwiegervater ein Kind dargereicht; sie lieb- 
kost und hätschelt es zum Zeichen, dass sie von jetzt ab ihre 
zukünftige Mütterrolle versteht: mit dem Kinde auf dem Arme 
tritt sie in den Saal, unter die Gäste. Man bringt ihi' hier 
einen Korb mit Früchten, die sie unter die Anwesenden verteilt. 
Auch darin liegt eine Bedeutung: es soll als Symbol dienen, 
dass der Wohlstand mit ihr' ins Haus gezogen sei. 

Von den arabischen Juden sage Löbei-Efendi, dass sie die 
Sitten, Gebräuche, Sprache und Tracht der Araber angenommen 
haben. Das weibliche Geschlecht lebt bei ihnen, in strengster 
Abgeschlossenheit, im Harem, aus, welchem nur wenige, und 
dann auch nur mit dicht verschleiertem Gosichi, herauskommen. 
Im Gegensätze zu den frommen abendländischen Jüdinnen, weiche 
ihr Kopfhaar nach der Hochzeit kurz abschneiden und den Rest fortan 
jnlt einem Kopftuch verhüllt tragen,, lassen die spanischen Jüdinnen 
in der Türkei ihr Kopfhaar unberührt und tragen es frei. Da- 
gegen verhüllen die arabischen Jüdinnen ihren Hals; die spanischen 
thun auch dies nicht. Geheiratet wird bei den arabisclien Juden 
in sehr jugendlichem Alter. Besonders das weibliche Geschlecht 
nimmt zeitig das Joch der Ehe auf sich; man findet hier häufig 
Mütter, welche noch nicht das zwölfte, und Grossmütter, welche 
noch nicht das fünfundzWauzigste Lebensjahr zurückgelegt haben. 

Die Polygamie, welche die Bibel nicht verboten hat, herrscht bei 
den arabischen Juden, doch nicht in derselben Häufigkeit wie bei 
den Mohammedanern; den Bann des Rabbi Gerson, der die Viel- 
weiberei verworfen hat, erkennen sie nicht an. "Während seines 
mehr denn vierjährigen Aufenthalts in Arabien hatte Löbel mehrere 
Juden kennen gelernt, welche zwei Frauen zugleich hatten. Löbel 
kannte in Bagdad einen Juden, dem seine erste kinderlose Frau 
zur zweiten Gattin ihre eigene Nichte anempfojilen hatte. Wie 
froh und glücklich schätzte sich die erste Frau, als ihre Nichte 
den Onkel und gemeinsamen Gatten zum Vator machte! . . . 

Die Hochzeitsbräucbe der arabischen Juden sind in der 
Türkei dieselben wie jene ihrer mohammedanischen Mitbürger, 



~ 111 -^ 

nur dass hier statt des Imams der Rabbiner, der „Chacham", 
die Ehe nach den mosaischen (besetzen schliesst. Die Heiraten 
bei den spanioiischen Juden werden, abgesehen von den Liebes- 
heiraten, die seltener als anderswo vorkonimen, dui'ch Vermittler 
zustande gebracht. Die Heiratsvermittler, grösstenteils Eabbiner, 
geben sich alle Mühe, jedem Manne ein V/eib und jedem Weibe 
einen Mann, zu verscbaft\^n. Sie überbringen die gegenseitigen 
Anträge und verhandeli! über Mitgift und Aussteuer. Für ihre 
Vermittlung erbalten sie drei Prozent von der Mitgift, hiervon 
zahlen ein Prozent die Eltern der Braut und zwei Prozent gibt 
der Bräutigam. Wenn zwei befreundete Familien den Besehluss 
fassen, ihre Kinder miteinander zu verheiraten, so wird doch 
iiumer noch eine dritte Person zur Vermittelung herangezogen, 
welche die Anträge überbringt und über alles unterhandelt 
Im Uebrigen warten die Heiratsvermittler nicht erst ab, dass 
sie gerufen werden. Kaum erblicken sie in ihrem Heirats- 
kandidaten-Merkbuche einen jungen Mann, von dem sie ver- 
muten, dass er hinreichend genug verdient, um eine Frau er- 
nähren zu können — und dazu braucht man dort iiicbt sehr 
viel — so überfallen sie ihn. mit allerlei Antrügen und legen ihm 
ein ganzes Mädchenverzeichnis vor, aus welchem er nur zu wählen 
hat. Die Eine wird ihm schöner, liebenswürdiger und reicher 
als die Andere geschildert; kurz, alles Beste wird gesagt, allen 
seinen Wünschen enigegengekomuien. Die Hauptsache ist, den 
Jüugling zu gewinnen; mit seinen Eitern und den Eitern der 
Braut wird ein Vermittler leicht fertig. Die allerwenigsten 
Schwierigkeiten machen die Eltern der Braut, namentlich wenn 
sie nicht reich sind. Die Eltern des Bräutigams aber legen das 
Hauptgewicht auf die Mitgift. Bei den spanischen Juden, wie 
übrigens im allgemeinen in der Türkei, gibt es so viele Mädchen, 
dass die Eltern sich glücklich schätzen, wenn sie ein Mädchen 
loswerden können. Die Heiratsvermittler lassen einen Heirats- 
kandidaten, wenn sie ihn einmal erwischt haben, nicht los, ehe 
er versprochen hat, sich auf Brautschau zu begeben. Die erste 
Begegnung der jungen Leute findet gewöhnlich bei einer ver- 
abredeten Promenade oder bei einer im Eltemhause des Mädchens 
veranstalteten Zusammenkunft statt. 

Die Verlobung — spaniolisch: „Esposoris" — findet im 
Kreise der Verwandten und intimsten Freunde im Elternhause 



— 112 — 

der Braut statt. In Gegenwart von Zeugen wird ein Vertrag" 
aufgesetzt, in vveJcliem die Bedingungen, unter welchen die Elie 
geschlossen vrird, enthalten sind. Hierauf liest der Kabbiner 
den Zeugen und den Bisutleuten diese Bedingungen vor und 
lässt sie einen Eid leisten, auf dass sie sich einander heiraten 
werden, widrigenfalls die sich sorücksiehende Partei der anderen 
eine gewisse Sumrae Geldes zn zahlen habe. Diese Zeremonie 
heiöst „Kißian" und wird vollzogen, indem der Eabbinvf erst 
dem Bräutigam und dann der Braut das eine Ende eines Taschen- 
tuchs zu halten gibt, vv^ährend er das andere hält. Er spricht 
dabei Folgendes: „Du verpfiichtest dich, dieses schöne Mädchen 
— folgt der Name — Tochter des N N., nach den Gesetzen 
Moses' und unter den schriftlich festgesetzten Bediugimgen zu 
heiraten." Das Gleiche sagt er der Braut. Nachdem die Braut- 
leute „ja'' gesagt haben, lassen sie das Tuch los und unter- 
fertigen den Verlobungsveiirag, welcher von den Zeugen gegen- 
gezeichnet wird. Dann bestimmt man den Hochzeitstag und der 
Vater der Braut übergibt aeinem zukünftigen Schwiegersohne 
einen Tei] der versprochenen Mitgift. Wenn, nach dieser Vcr- 
iobungs-Zeremonie irgend ein Hindernis eiiitaltt, weiches die 
zweite Zeremoniej die Eheschlies&ung, zu feiern verhindert, sind 
die Brautleute derart gebunden j dass nui' eine regelrechte, den 
mosaischen Gesetzen entsprechende Scheidung das Bündnis auf- 
lösen kann. 

In der Zeit zwischen Verlobung und Hochzeit steht es dem 
Bräutigam frei, seine Braut so oft er will zu besuchen. Er 
kann sogar mit ihr ausgehen oder au.^fahren, doch immer in 
Begleitimg ihrer Mutter, einer älteren Schwester oder eines 
BruQe.rs. Wenn der Hochzeitstag auf einen Sonntag festgesetzt 
ist, begiünon schon am Freitag die Hochzeitsaufrufc, „Prcgon" 
genannt. Der Pregonero, der Aufrofer, begibt sich Freitag in 
die von den Brautleuten bewohnten Häuser und Samstags, 
wäiiiend der Gübetsstunden, in die Synagoge und verkündet die 
am Sonntag stattfindende Hochzeit. 

In Konstantinopei wie in anderen, von spanischen Juden 
bewohnten Gegenden, ist es Sitte, dass die Jungveimählten, 
gleich nach der Trauung, über einen mit frischen Fischen ge- 
füJlten Teller dreimal hinuberspringen. Es ist dies ein Sj^mbol 
der reichen l^Yuchtbarkeit; und die Eheleute entsprechen ge- 



— 113 — 

Wohnlich der Erwaifeg. Am Samstag, welcher der Hochzeit 
folgt und „Schiira" oder „Suschbin-Sabbat" heisst, begibt sich 
der Neuvermählte, welcher während der gajizen ersten Woche 
den Namen „Hattan" führt, mit seiner jungen Gattin, ihren 
und seinen Eltern in die^ Synagoge. — 

Von besonderem Interesse sind die Hochzeitsbräuche der 
Jesiden oder Teufelsanbeter. ¥an hat behauptet, dass die 
.Tffsideii einen Hahn oder Pfau, genannt „Melek Ta^Uss", „König 
Pfau anbeten . Ihre Frauen ermangeln nicht einer gewissen 
Schönheit; sie sind die treuen Begleiterinnen ihrer Gatten, deren 
arbeitsreiches und gefahrvolles Leben sie teilen ; sie werden wohl- 
wollend bcbar-delt "tind dürfen sich ohne Furcht vor Beleidignngen 
ihren iraditioneUen öffentlichen Abwaschungen widmen. Das 
Gesetz erlaubt streng nur eine Frau, indessen haben die Eäupt- 
liiigc mehrere Frauen; Konkubinen sind jedoch verboten. Die 
Ehe zwischen Vei"wandten ist gestattet. Die Frau kann wegen 
schlechten Betragens heimgeschickt worden, und der Mann ist, 
mit Zustimmung des Scheichs, autorisiert, von Neuem zu heiraten, 
während der Frau dies verwehrt ist. unter „schlechtem Be- 
tragen" der liYau ist nur Ehebruch zu verstehen. Früher, als 
die Jesiden selbst ihre Angelegenheiten leiteten, war für die 
ehebrecherische Frau Todesstrafe bestimmt, während ein ehe- 
brecherischer Mann frei ausging. Nach der Gewohnheit, die 
herrschte, war die Frau dem Manne, einfach verkauft. Daher 
das ausschliessliche Eigentumsrecht, welches die Strenge gegen 
ßiQ Fiaa rechtfertigte, falls sie sozusagen den Kontrakt brach. 
Die Eltern verlangten ehemals eine grosse Samme für ihre 
Töchter ; und da die Jesiden nicht reich sind, blieben viele ' 
Mä'Ichen un vermählt. Dieser in den Provinzen des Orients so 
selten« Sustand war die Quelle zahlreicher Klagen der Armen 
der Gemeinde. Die Ehe ist auch bei den Jesiden eine Gelegenheit 
für Feste. Sie sind yöt allem dut^ch keine religiöse Zeremonie 
geheiligt, die Oeffentlichkeit, die man ihnen gibt, ist ilire einzige 
Konsakration. Bräntigam und Braut erscheinen vor dem Scheich, 
der ihr gegenseitiges Einverständnis zur Kenntnis nimmt. Der 
Bräutigam schenkt seiner Braut einen Ring oder ein Geldstück. 
Darauf bestimmt man einen Tag für die Unterhaltungen, und 
an diesem Tag trinkt man Sorbet und tanzt wobei es je nach dem 
YcrTiiög-eu der Gastgeber fett oder mager hergeht. Löbel-Efondi 

3teTn, iTcdiciTi, AbcTglaabs n. OesoLloclitslebon 'x» der Türkei, n. 8 



— 214 — 

ircMidert üaeb Layard foigendörixiasseu eine Jesideiihochzeit : 
Die Kawiiis spielen auf ülvqh iystr unienten ; d).i:i Braut, bedeckt 
mit emed Schleier ^oiri Kopjf bis ztu;- Sohle, and Yfjrsteckt 
hinter einem YorliaGg' irt eiaeni Winkel des ZmniQTB^ ioauss so 
wäbrecd dreiei Tage yerbleiböD.; dann holt sie der Gatte 'aus 
jhrem Versreck. Dw Kof des Kausys ist während der Feste 
enüik Tun TäDzero, ircd Tag niad Naciii. Itört man uicht? als 
die frölilichen P.üio der Frauen, das öeläm^ des Tambüi'iüs nad 
das Pfeiiou der Flöten, Am dritten Tag rrdhiiiorgeaa sncht 
man den jimgen Gatten, fülirt iltn im Triumplie von Raus zu 
Haus und gibt ihm üfoeraU ein kleines Geschenk. Dann steHt 
man ihn inmitcen der Tänzer. Bndiich spei'i't man ilm i?i ein 
dunkles Zimaser und gibt ün erst fxei gegen Lösegeld. — 

Bei den Türken besteht die Verlobung — tilrkiacli. „Niscliaa, 
N.'schaalannia'^^, das Zeicheii genannt — • im Abscblies^^on eines 
Yei-trags, in -/irelcbeia das gegen seitige EheveKpreclien ontbalten 
ist, nnö ausserdem die SnuDii^ü, wel«3?ie bar und anf Sebuld- 
scbein zu zahlen sind, bezeichnet ?;' erden. Beim Abseid iessen 
dieses Vertrages wird au<:;b der Hoebzeitstat'' besilrnmt. Die 
Bract, ..Gelin** oder „Nischani.yky?", sendet ^dem Bräutigam. 
„Güweji'^' oder ,jNischo.n]y"j yin schönes se^dene-s Fä.ket — 
„Bogbiscba" — entbaltend: Tagbvifmdeu, Tascbentücber, ScMa?- 
rock, Shawi, silberne Tabaksdose; der Bfäutigani schickt der 
Braut nur Silbergegenstäiide „ T^ie Spiegel inj. Süberrahmen — 
dieser darf nie fehlen — and Bchmuckküitchon . . . 

77ä]u*end der ganzen Zeit ihres Verlcbtsebis diirfea die 
Brautleute einander nicht sehen. Die Verndttlerin, und dies seit 
kaum dreissig Jahren and nur in den grösseren Städten, bringt 
indess hie und da ein Rendezvous zustande. Der Bräutigam 
sieht dabei seine Braut nur durch den Schieier und — in einer 
gewissen Püütferaang. Er darf ihr nicht zu nahe koöimen, nocb 
^^'enige^ sie ansprechen. Von Eitern gcrschiossene Verlobungen 
z.Y.-'achen Kindern im Altei von fü:nf und sechs Jalireo, \Tic dies 
früher oft der Fall ■'.var, koninsen heute seite^ vor. Die Foch-_ 
zeit — „Düiiur' — wird in beiden Häusern, b.'Inr! Bräut'rgaiu 
und bei der Braut, gefeiert; und den *v'(.)r3chriftrn getreu, beiladen 
fAtii die Frauen im Harem, die 'Miiancr im Selandik 

Die Hochzcirsfeierlichkeiteu daueni gewöhulich fünf Tage- 
Ton Montag l)is Fi-eil:ag. Mittwoch wird die Braut mit grossem 



— 115 - 

Pomp ius Bad gefilhrt, 'ivob.in alle FreundmRtn, aber aucb die 
ariüoii Frauen dos Stadtviertels, in ^em die Braut wohiit, ein- 
geladen v/erdeü. Alu Donnpfstag frül* vcrläi'St die Braut in 
BegieitUDg iiärsr Mutter, Schvresteni, Vorwanclter.., .DieüejmDeii, 
SkJavinnen, Naehbariaiieii, GMto unJ der Al;geordnetej! des 
33räutigams ihr Eiite.rDli.ays, im: sich in das Han.? ihres baldigen 
Herrn und Gebiet^ers zu iiogebea. Nicht die Brautleute selbst, 
sondern zwei von. ilmen einaiintc StcllTcrtreter -■• „Wekü'' — • 
scbliessen in Vhv&iL Namen die Ehe. Der imam spricht unter 
anderen folgende Gebete bei der EhescJiliessung. Er zitiert den 
Satz des Korans: .fDie .Heira.t ist rtieln Gesetz, und wer mein 
Gesetz verkennt, den verkenne ich/^ ^Dann j'ährt er fort: 
«jAjJali, lasse dies Bündnis nur vod G.liick und Segen beoieitet 
sein, .Lass walten Frieden und Häuslichkeit zwischen den 
Eheleuten, niogen stets Liebe und RuJie in ihrer Familie 
ben-ischen. Aber uiercais Streit und Entfrerodung, Wider v^'ilie 
und Hasä; ö AJlab, vereinige sie, wie Du oinot Adam und Eva 
yercinigt hast; wie Du Mohammed — Friede -.sei mit ihm! — 
mit der grossen Chadidsclie — Göi;t sei mit ihr zufrieden! — 
um wie Du einst Ali mit Fatma — Gott schenke ihm den 
Frieden und sei mit ihr .zufrieden! -- vereinigt hast. Allah, 
gib den neuen Eheleuten gute Eioderj langes Leben und grossen 
Reichtum! unser Kerr, gib unft= Freude YO.ri unseren Gattinnen 
und unseren Kijadct*!}. und führe nas auf .Pfaden der Frömmig" 
keit! ujiser Herr, -jchenke uns dus irdische und das himm- 
lische Giiu:k uBd bewahie uns vor der Strafe der Hölle! Ge- 
becodeit sei .kJlau, der Herr der Welt! Friede . sei dem Pro- 
pheten und Lob sei OJott;'' Dann: „Geb<medeit sei Mab, der 
in seinem Buche ger-agt hat: „Heiratet eure Jiini'fTaoen!*' Friede 
und Segen sei über unseren Proöheton Moliammed, der die 
Armen und die Waisen liebt 1 Fritido und Seg_en über di;S Pro-' 
phcten i^'aniüie und seine Jünger, aU: gr«.)^:- mid allwissend sind, 
j^eliebe .Allah, der die Qaeile des Segens und des Glückes i:=t, 
die Ehe, weiche wir letzt gesidüosseü haben, zu segnen and zu 

beglücken!"' j^ie Anwesenden sagen: AmeD' — -— ,.Dasti 

der Herr den Jucgen Ehelcuteu langes Lebeu , Gesundheit und 
Woh-lmbenheit und beider Welten Seligkeit gewähre!" — Amen! 
,J)=^ss iir^ Herr mit Erfolg alle ihre Tb^tcn in dieser Welt 
krikie, und dass er ihiteu alles zuttü werdrm lasse, was zum. 



— iie — 

Glücke jener Welt fiüirt!" — Amen! — „Dass Gott zwische» 
den Neuvermälilten Eiiitracht und Liebe walten lassei" — Ament 
— „Dass Gott sie würdig halte, sie in die Eeilien der Frommen, 
der Gottestrenen, der Weisen und der Heiligen aufzunehmen." — 
Amen ! — „Dass Gott sie glücklich mache, sie und ihre Kinder, 
und dass ihre Nachkommen bis zum jüngsten Tag leben !^' — 
Amen! — „Dass Gott die hier anwesenden Gläubigen der Selig- 
keit in beiden Welten teilhaftig werden lasse, und dass sie sich 
eines langen Lebens erfreuen mögen!" — Amen! — „Dass Gott 
unseren Padischah, den Beherrscher aller Gläubigen, erhalte, auf 
dass sein Reich bis zur Auferstehung währe, und dass unserem 
Padischah und Kalifen, durch Vca-mittelung unseres Herrn des 
Propheten, ein langes Leben beschieden sei!" — Amen! — 
„Gelobt sei Gott, der Schöpfer der Welt, Amen!" 

Der Schlussakt: Nach dem Abendgebete und nachdem er 
seinen Bitern die Hände geküsst, schleicht sich der Bräutigam ganz 
verstohlen in das Brautgemach, wo seine Gattin verschleiert und 
in Gesellschaft einer Jenge kadyn, einer alten Matrone, seiner 
harrt. Kaum tritt derBs'äutigam ins Schlafgemach ein, so steht die 
Juijgvermählte auf; er eilt auf sie zu, nimmt sie bei der Hand 
und fragt sie um ihren Namen. Sie antwortet nicht sogleich; 
er wiederholt seine Frage und nun nennt sie sehr leise ihren 
Namen Er bittet sie um Erlaubnis, ihr den Schleier abnehmen 
zu dürfen; sie schaut beschämt zur Erde und gibt keine Ant- 
wort. Er wiederholt nochmals seine Bitte, und da ebenfalls 
keine Antwort erfolgt, nimmt er ihr den Schleier ab und über- 
reicht ihr das Hoclizeitsgeschenk , — das „Jüz Görüralük*^, 
wörtlich ,,das Gesicht sehen" — gewöhnlich einen kostbaren. 
Ring; sie ergreift rasch seine Hand und küsst sie. 

liangsam fasst sie Mut und beginnt, sich init ihrem Gatten 
zu unterhalten. Während dessen bereitet die Matrone dem 
jungen Paare das Hochzeitsesien; sie serviert ihnen den schwarzen 
Kaffee und, naclidom ihr ein TriDkgeld verabreicht worden ist, 
zieht sie sich zurück ... 

Als solche mohammedanische Grebräuche, welche von den 
türkischen abweichcu, erwähnt Löbel-Efendi zunächst einige- 
arabische, nach Mitteilungen von B'irckharüt, der über das Liebes- 
lebeu und die Hochzeitsgebräucbe der Araber, insbesondere der 
Wtistenaraber, der Beduinen, interessante Mitteilungen gemacht 



— 11.7 — 

hat. Nach ßarckhardt sind die Beduinen vielleiciit das einzige 
Volk des Morgenlandes, unter welchem es echte Liebespaare 
im eig:entlichen Sinne gibt. Heg-olmäs-sig, wenn dem Beduinen 
Gefahr oder Kampf droht, verabschiedet er sich von seiner 
Frau oder seiner Geliebten mii dem schönen Worte : „Ich gehe 
in den Kampf und Tod für deine Augen." Und in einem 
Beduinenliede, das vom Kampfe singt, heisst es: 

Blutig svill ich meine Lanza färben, 

Für das Auge meinea Mädchenr. will ich sterben. 

Den Zügel des ersten Bosses, das er erbeutet hat, schliagt der 
Ki'ieger um die Fand seines geliebten Weibes. 

Während in den Städten die mohammedanische Sitte die 
beiden Geschlechter auseinan-lerhältj wird bei den Beduinen 
zwischen ihnen ein freier Verkohl- gestattet. Man leint sich 
.keunen, und die Liebe, wenn sie in zwei Herzen entsprosst, 
blüht fort durch Jahre, bis sich beide Zweige zu einem Baum 
vereinigen. Aber alles gepchieht in ehrsamster Weise, selten 
oder richtiger niemals kommt auch nur die geringsie Ver- 
letzung des Anstands vor. Der Bräutigam bringt ein Lamm 
vor das Zelt der Braut und i^chneidct dem Opfer hier vor 
Zeugen den Hals ab. So wie das Laramblut zur PJrde tröpfelt, 
gilt die Ehe als gescLlopsen. Es folgen Tänze und Schmause- 
reien. Beim Anbruch der Nacht begibt sich der Bräutigam 
in ein Hochzeitszelt, das eigens aufgeschlagen wird, und er- 
wartet hier seine Braut Das Mädchen aber sucht absichtlich 
in seiner Verschämtheit in ein falsches, ihr befreijndetes Zeit 
zu gelangen, bis einige Frauen sie einfangen und zum Bräutigam 
zerren, der sie mit Gewalt zu sich hineinzieht. Wenn sie 
hineingelangt ist, muss die junge Frau einen Schreckensschrei 
Äusstossen; dies aber darf nur ein Mädchen thun — für eine 
Witwe, die schon der Ehe Mysterien kennt, ist es nicht schicklich, 
weil unehrlich. 

Bei den Beduinen des Sinaibergea wird das von der Weide 
heimkehrende Mädchen — dort sind alle Mädchen Hirtinnen — 
von dem Verliebten und seinen Helfershelfern überfallen und 
gewaltsam zum Zelte ihres Vaters geführt, wo der Häuber ihr 
einen „Aba" genannten Mantel überwirft und dabei sagt: „Es 
soll dich niemand bedecken als ich." Hierauf führt man die 



— IIS ~ 

r.och immer i-\"h ivehreiide I'.raiit, r'uciidem clor Bräutigam sie 
neu gekleidet mid reich geschüiückt hat, 2,üi oinein Kamele in 
das ZqH cIg-.^ Bräiitigains. Ist fl&r Tningfrau der Ehenmcn witk- 
iicji nicht rechr, so kann sie am näcb.steii Morgen seiner wlcäcr 
ledig werden; sie braucht blos zu ihren Eltern zu fiiehoü. Ist 
sie aber mit ihrejn luiverhofften Lose - denn nicht iLumer liegt 
ein Einverständnis vor — zufrieden , so mnss sie vierzehn Tage 
lang im neuen Hanse bleiben, ohne einen Schritt aus demselben 
zu tbuu. Höchstens sind ihr nächtliche Ausgänge gestattet 

Bei einigen Sinaistämmen geschieht es, dass das Mädchen 
nach dem Zijgedeckt-^erden mit der Aba ins Gebirge fiiehi und 
Bich suchen lässt. Bis der Bräutigam die Braut findet, vergeht 
der Abend — es v,ird dunkle Nacht, und das Paar feiert die 
Eochzeitsnacht im. EVeien. Cxrant der Morgen, tiieht die JYau 
wieder und zwar h\ das Elternhaus. Dort bleibt sie tagsüber; 
nur nachts gibt sie ihrem Gatten B;T,dezvoi>s. Erst wenn sie 
sich Mutter fühlt, geht sie in ihre« G?^tten Zelt. 

Bei den F'inaibeduin.en muss C'er Bräutigam deoi Vater der 
Braut einen Preis zahlen, je r.ach der 5'amilie und der Sehcu- 
heit der Erwählien, etwa von zwaniiig bis hundert Mark. Witwen 
und Geschiedene geltes die Hälfte des von ihrem, ersten Manne 
gezahlten Preises. 

In manchen Gegenden sind wiederum die Mädchen billiger 
dagegen die Witwen und Geschiedenen tesurer. Und es kommt 
vor, so bei den Beduinen im Dschebel Schammar, uass man die 
Mädchen auch aiosonst auf kurze Zeit an Fremde verheiratet, 
dam^it sie nach deren Abreise als Witwen oder Gescmedene 
gelten können. — 

in Persien gehen, wie Dr. Polak erzählt, die Mädchen vom 
neunten Jahrr! an nur noch verschleiert aus. In den weniger be- 
mittelten Familien trachtet man, sie schon in ihrem zehnten oder 
elften Jahre zu ve.rheiraten ; ja, es sind nocb in neuerer Zeit 
Fälle bekannt geworden, wo nach erkauftem Dispens des Priesters 
die 'Verheiratung schon im siebenten Lebensjahre stattfand; in 
guten HäUL'ern jedoch werden die Töchter erst im Alter von 
zwölf oder dreizehn Jahren ausgei-^tartet. Der, welcher ein 
Mädchen zur Frau begehrt, mui>s den Eltern desselben einen 
Kaufpreis — ,,Schir-e-buha", Milchpreis — bezahlen, und ausser- 
dem der Braot, je nach ihrer körperlichen Schönheit und Ent- 



__ 119 ™. 

wick.eluni', ein bedontcinies Heirät«irat — „Macrieh" --- \e-r- 
scbreiben. Der (.'orTssicnspn is errcicLt bisweilen i^Üe Surjuiie von. 
:>00 Dukalen. Daher ver^endeii dio E]ti:;'ii auf Fliege, KahriDag 
o.n.d lüeidiiag der Mädchen ailt; mögliclie Sor.g-fait, ::oUteu aacb 
die übriarcn Haur.g'inosseTi <larberi mü^.^e-ii. Bei emon körperlich. 
schöBg-cliildeten Mä(!clien wkä seltea nach Familie und Ab- 
stämmling gefragt, sie kann die .Frau eines Stammhaaptes, det^ an- 
ge«olieiii'.teu Staalsbeamteüj ja des Köriigs selbst werden, wie Ing- 
liche Beispiele beweisen. Hänfi;^- vv Q?den die Kinder in der Wiege 
für einaijder bestimEit. besonders Vetter und Base; Familien- 
boiraten bilden mg&T die Regel. Vor der Hoebii/eit begibt sich 
die Erant in BegleitTing ihrer Gespielinnen ißs Bad: zu dieser 
Gelegen.beit scliickt ihr der Bräutigam eine Quaniität Hennah 
zum FäL-ben der Haare and .Nägel Aach der Bräutigam 'verfügt 
sich, Yon sei3.ieii ireunden begleitet, ins Bad. Nacb der Ehe- 
schliessDjng Ty'irc die junge Fran von ibren Genossijiaec ins .Haus 
des Mannes geleitetj der sie nun endlich z"jjn er&ten Male an 
sehen bekoanjit. Der Anstand verlangt, dass er sie aiii Gewalt 
entscMeiere^ und dass sie dabei 'Widerstand leiste. In dem 
Momente, wo sich der Schleier lüftet, ruft, der Manu : „Bismillah 
errahnian errabitn! — Im Namen Gottes des Bavmberzlgen !" 

Die. türkischen Kurden, Nachkommen der Karduchen, Ky.rtier 
oder Gordyäer des Aitertums, leben in den östlichen ProvinKoa 
der asiatischen Türkei. Die Frauen geniessen bei ihnen grössere 
l^eiheir als sonst in» Orient und sind gleich dei?. Männern ihres 
Volkes tapfer. Ein Beispiel dieser I'apferkeit lieferte die .KiiCüiD 
Kara .Fatma aus Rowandis, einem Distrikt im Tarn-as, weiche 
beim Ansbruch des KrimSmegeü eine Schwadron irreguläi-er 
Truppen .-^lisaminenbrachte -und Lach Koustanünopel eilte, um sich 
zur Verfügung ihi-es Monarchen gPjgQn die .Rassen zu stellen. 

Die kurdischen Frauen und Mädchen gehen gewöhnlich na- 
verhüllt un:ilior, hie und da tragen sie, wenn sie der reichen 
imd s^ornehmen Klasse der „Assketen" — Aristokratie, im Gegen- 
satz zu „Goraßen", dem ackerbauenden Arbeiterstand — angehören 
ein rotes Tuch um den Kopf gehängt. 

Das gewuhniiche Mtef, in welchem man zu heiraten pflegt, 
ist für Mädchen 14 bis 16 und für Männer 16 bis 20 Jahre. Die 
gegenseitige Zuneigung spielt bei der Vereheiichußg eine grosse 



— 120 — 

BoUe, so dass bei mangelnder Zustimmung der Eltern Entführ- 
ungen nicht gerade selten sind. 

Dr. Wntz schrieb an Löbel-Efendi über die kurdischen 
Hochzeitszeremonieen : Anderthalb Stunden nach Sonnenuntergang 
wild der Bräutigam von seinen intimsten Freunden an die Thür 
des Schlafzimmers geleitet und den dort, harrenden Weibern über- 
geben. Diese führen ihn dann in das Brautgemach, wo bereits 
alles zu seinem Empfange bereitet ist. Hierauf ziehen sich 
die Weiber zurück und warten in einem Vorzdmmer der 
Dinge, die da kommen sollen. Nachdem der junge Ehemann 
seiner ehelichen Pflicht genügt hat, wird «las Schlafgewand der 
Braut den Weibem überreicht,, von diesen der Mutter des 
Bräutigams und von dieser den Männern. Letztere binden die 
Trophäe an eüien Stock und tragen sie singend, begleitet von 
Musik, im Dorfe herum. Kachher wird sie an die Muttor der 
Braut, die allein von der ganzen Feier ausgeschlossen war, über- 
bracht. Eierauf erst wird die übereingekommene Mitgift., oder 
besser gesagt der Kaufpreis, ausbezahlt, und die Hochzeitsfestlich- 
keiten erreichen ihr Ende. — 

Die Vorweisung des hochzeitKchen Betttuches geschieht 
auch bei einigen anderen Völiwern des Morgenlandes und des 
Balkans. Denn im ganzen Orient ist es etwas Bittörböses, wenn 
die Braut, die ntan als Jungfrau genommen hat, sich als Ent- 
jungfeile entpuppt. 

Wurde bei den Hebräern der Eiiemann klagbar, dass er 
seine Frau nicht als Jungirau bekommen, so mussten die Eitern 
das Tuch, auf dem er ilir zum ersten Male beigewohnt hatte, 
vor den Aeltesten der Stadt ausbreiten. Fand man darauf die 
Zeichen der Juugfi-auschaft wirklich nicht, so wurde — wie im 
5. Buche Moses XXIi, 13 bis 21 erzählt wird — das Weib vor 
das Thor der Stadt hinausgeführt und dort vom Volke ge- 
steinigt. Entdeckte man aber die Zeichen wohl, so wurde der 
Mann als Verleumder gezüchtigt, er musste dem Vater der Frau 
hundert Seh ekel Silber entrichten uud das Weib behalten, ohne 
sich je von ihr scheiden zu düi'fen. 

Die Sitte, das Tuch des Hochzeitsbettes als Beweismittel für 
die Jun^^ii'äulichkeit der Braut zu benutzen, ist also uralt. Sie hat 
sich fast in derselben Form wie bei den Hebräern bei den Subba, 
einem asiatischen Volke, erhalten. Da zeigt der Gatte am 



— 121 — 

nächsten Morgen Dach, der Hochzeit einigen VertrauensmäExieni, 
gewöhnlich den Bejahrtesten der Gemeinde, dss blutige Tuch 
des Bettes. Früher wurde letzteres, selbst in den {grösseren 
Städten, Y»'ie Bagdad, Bassorali und Mossul, in Prozession sogar 
durch (\io Strassen getragen; dies kommt heute mir noch in 
.Dörfern vor. 

Bei den Fellachen in Palästina erscheinen am Morgen nacli 
der Eochseit die weihlichen Vorwandten im Hause des jungen 
Ehepaares. Der wichtige Anlass dieser Besuche ist die Eoq- 
statierung der Jungfrauschaft durch VorTi'eisuDg des Alamet el 
bokara, des Zeichens der Jungfrauschaft, das sich auf dem. 
Leintuch des Hochzeitsbettes befmdet. Dieses Tuch wird dann 
in der Sanduka oder Truhe der Neu'vennähllen auibewahrt 
Denr. da die Fellachiunen keinen guten E.uf geniessen, müssen 
sie in der Lage sein, das Alamet el bokara stets yorweiscn zii 
können, wenn man sie einmal nachträglich vei'leamdea wollte. 

Aehnlich ist es, nach Scbv/einfurth, auch bei den unteren 
Yolksklassen der Stadt-Araber und der Fellachen in Aegypten. 
Die Lelet el dachle, die Nacht des Eintritts, die Brautnacht, ist 
von den eigentlichen Festlichkeit en erfüllt. Die geladenen und 
auch nicht geiü^-denen, neugierigen Teilnehmer und Teünehmer- 
.innen versammeln sich, die Tabla und Rababe ertönen und der 
Bauchtanz beherrscht die Situation. Die Braut ist dem mann- 
Mcheu Publikum natürlich unsichtbar. Sie sitzt in einem abge- 
sonderten Eaume auf einem Diwan oder Teppich, umgeben von 
den IB'rauen der Verwandtschaft^ tieiverschleiert Zwischen 12 
Uhr Mitievnacht und 2 Ubr nachts wickelt sich der Bräutigam. 
ein weisses, goldgesticktes, gewöhinlich mit einer Biumeii- 
broderie versehenes Sacktuch um den Zeigefinger äer rechten 
Hand und tritt 7or seine Braut, welche in diesem Momente von 
den Freundinnen entschleiert wird. Während ihre Mutter, unter- 
stützt von den anderen Weibern, sie festhält, kniet der Bräutigam 
nieder, fährt mit der rechten Hand unter die Kleide.? seiner 
Braut und zerstört mit dem umwickelten Zeigefinger das Hymen, 
wobei er keineswegs zart umgeht, sondern tüchtig bohrt 
und nach allen Seiten stösst. Darauf geht er aus dem Zimmer, 
begibt sich zunächst zum Vater der Braut, küsst demselben die 
Hand, und zeigt dann den Gästen das blutige Tach; diese 
ZereBtönie wird von der Musik mit einem Tusch begleitet; 



~ 123 — 

iiibelut], «ng'tnd unö tanzend geben die Männer a^af die Gn-ise 
hinaus und U'ageii die blutij^ro Trophäe durch den Ort, um Rie 
allen Leuten zu zeigen . . . üüiBitielbar nach Entfernung des Pränti- 
gams ist Indessen die Braut in eine ^itzwannt' g-estiegen. Die Mutter 
neigt E'icii zu ihr nnd reibt ilir ein Pulver fest in die Sr-hoide, 
Das Pulver besteLt zu gleiclien Teilen aus weissvoa Zucljer,, 
kristallisiertem Kandiszucker, s'^hwaizem Pfeffer und tannin- 
haltigeni Qarad oder der Hülse der Acacia nilotica. Dieces 
Pulver brennt an der wunden Stelle und die Braui. schreit 
fürchterlich. Das h^ren die Gäiste im ganzen Raute und auf 
der Gasse, und sie ant«'orten mit Jnbekafen and die Musik mit 
?,mcip Tusch. Denn der Anstand erfordert, (ja«>8 die Braat ihre 
Jnngiernschaft mit Schmerzen verliere. Sie enifernt das Pulver 
aus der Stella nk-ht, bevor es tagt. Die hervorgerufene Snt-- 
Zündung braucht weniptens zwei, manchnml auch nenn Tage 
zsr Heilung, und dann erst darf der junge E-hen^aain solner 
Frau nahen. Oftmals h.at der ßräuligam nicht den Mut, die- 
geschilderte Operation vorznnehnjen, oder er voüiühri sie an- 
.(enügend. Daun nimmt die Zerstörung der Jnngixanschait die 
Galläne vor, eine Frau, die bei keiner H'ochzeit fehlen darf. 
Die Balläne allein darf in solchen Fällen die Zerstörung vor- 
nehmen, wo das Hymen kelbi, hnndartig, ist; darüber bringen 
ich im Abschnitt der Vulva- Arten Näheres. 

Der bulgarische Schriftsteiler Tscholakow erzählt, da?s es 
in Biügarien auf dem Lande Brauch sei. in der Brautnacht nach 
vollzogenem erstem Coitu? das. Leintuch unter der Braut hervcr- 
zuzif'hen und auf Biutspuren zu untersuchen. Findet man v^' eiche, 
so ruft man von einem Hügel die Keuschheit der jungen Fräii 
ans. Im Gegenteilsfalie jagt man sie zu ihren Eitern zurück. 

Krauss bezeichnet diese .iVngabe als aiis der Luft, gegi'ifi'en;. 
ich weies aber nicht, weshalb der Bulgare sie crfcnden haben 
sollte. Ich erinnere mich, dass ich als Knabe bei einigen Hoch- 
zeiten, in den unteren jüdischen Volksklassen liigo^ denselben 
Gebrauch in üeimng sah; und obwohl ich ihn dttnials nicht 
verstand, hat er s^!ch doch dem kindlichen Gedächtnis fest 
eingeprägt. 

Bei den RumÜnen auf dem Lande empiängt die Schwieger- 
mutter am Tage nach der Hochzeit die Gtlste in ilirem Kause 
mit der sogenamiten „Brantsuppe"; dies geschieht, weil das 



— 123 — 

Mädchen als sitte-üfein ])cfaüdeo ^arJ. Ist letaleres aber iiiclit 
der Fall, dann wird „der Tag; {^er Braiitsuppe" nicht g-ehallcri. 
Bei Erknndigimgeii danach, ob die Braut nocii nasch uldiig 
sei, sagt man in Dalmatieo iind Mo'ntenogTO stereotyp: ,,Es wird 
genügend Piza fiir den Bräutijrain da sein imd aiicL für ail»-^ Hocli- 
zeitsgäste." Oh dieses Sprichwort als ein Ucberrest des fast ent- 
schwundenen HetärisDJüs der Brautnacht aufzufassen sei, oder 
wie Krauss meint, blos als niodrig-e Gemeinheit zur Veruneiiruni? 
der Braut erklärt werden ir.uss, sei iiier nicht untorsucht Es 
sei aber erwähnt, dass Kratiss selbst nachweist, ,.bei den Süd- 
sJaven sei früher ein Hetärisaius in der ßrautnacht \'orgc- 
komme:»!; und in Morrteüeoro komirie er vielleicht roch heute vor." 



34, Beschaffenheit der Braut und des 
Bräutigams* 



WCnsche der Fcllacheu Falästtuafc. — Südslavische Wünscbe. — Die Braut 
fiJ« Juügh'ä'u. — Ausspruch Mohammeds. — Persische Strenge gegen Ua- 
keuschheit. — Die Jungfrau im Koran. — Die Brüste. — Die Haare. — 
Indisches Haarmittel. — Mohammed und die Haare von Frau und Mann. — 
Vorkommen von Schnurrtärteu bei Frauen. — Haarschnitt der Knaben. — 
Arabische Polizeigesetze für Friseure. — Der Bari- — KahlköpSgkeit. — 
Schamhaare. — Eathaaracg der Schamteils hei den m-oslerciscLe-" riauen. 

Der Fellacheujünglii].^ in Palästina wünsclit sieb senio 
Braut so: .Rakikat el cüawasir, sie soll yoe scLlaiikem Wuchs 
sein; cbudud Iiomr, mid hübsche rote Backen soll &ie haben; 
ajun mitl el ghasalj miti el fanadschin, anclAugjn so gross xuid 
glänzend wie die der Gazelle, oder so gross wie Kaäeetässchen : 
und schöne weisse Zähne soll sie haben — und noch ähnh"che 
Dinge, die auf keineji schlechten Geschmack de;-/ Mannes schliessen 
lassen. Die Südslayen dagegen bevorzugen brc' rhüftige Fraaen mit 
dicken Hinterbacken. Steatopygle hält man tüi eine Bürgschaft 
der Fruchtbarkeit. Allerdings darf sie nicht aiku ariäällig sein; 
sonst ist sie ein Gegenstand des Spottes. 

Die zur Gattin ausgewählte Person soll eine Jungfi-au sein. 
Der Prophet Mohammed sagte: „Gehe, nimm zur Frau eine 
Jungfrau." Die Araber bezeichnen die Jungfernschaft mit dem 
Worte Sabah, der Morgen. Verheiratet sich in Persien ein 
Mädchen, so muss sie Jungfrau und mit dem Hymen versehen 
sein — „dachter-e-bakere*"; für den Mangel des letzteren gibt 
es keine Entschuldigung, vielmehr ' kann die Frau in solchem 
Fall, auf die einfache Aussage des Mannes hin, nach der ersten 
Nacht Verstössen werden. — Omer Haleby beruft sich auf das 
zitierte Propheten wort und sagt: „Schon diesem Worte ent- 



— 125 -- 

apreciieiid ist es für die Gläubisfen vorteilhafter, eine Juügfrau 
ziir Frau zu nehmen, als eine Frau, deren Leib bereits unter 
dem Stachel des üebels erschauert ist. Aber das Leben oiit 
der Sonne, den Hausch der iiose mit ihrem in den Kopf stei- 
genden Dufte "- das umschliesst eine Jung-frau, deren Flanken 
noch von jeder Berührung rein sind." — Ein indischer Dichter 
schon schildert die Jungfrau als eine zarte Eosenknospe, deren 
Keich noch nicht erschlossen ist, und die Dichter aller Zeiten 
und Länder haben diesen Vergleich nachgesprochen. 

Eciüc und unbefleckte Jungfrauen sind da.s Ideal aller mos- 
lemischen Liebessehnsuch.t. Mohammed hat dies den Gläubigen 
als die schönste himmlische Belohnung aller Tagenden versprochen. 
So im Koran II 23: „Verkünde denen, die da glauben und das 
Gute thua, dass sie kommen werden in Gvärten . . . Aijch 
reine und unbedeckte Frauen werden ihnen zuteil.'* . . . Und 
in derselben Sure heisst es: „Dem Menschoii ward eingepüanzfe 
Trieb und Begierde zu Frauen, Kindern, Gold und Silber, ediert 
Pferdeji, Viehherden und Aeckeni. Doch ist dies alles cur 
Nahiung für dieses Leben; aber dJe schönste Euckkehr ist zu 
Gott. Saget selbst: Kaiin ich euch Besseres als das verkünden?- 
Die Frommen werden von Gott einst erhalten Gärten von 
Quellen dnrchbirömt. und ewig werden sie darin verweilen.. 
Ünbefiecite Frauen werden ihnen zuteil ..." 

Das sind die .K-.iris. Das Wort Haura bedeutet im Ara- 
bischen: „Mädchen mit grossen Augen, in denen das Schwarze 
und Weisse stark hervortritt." Diese himrulischen Jungfrauen 
sind von besonderer Natur, die Giäubigen werden sie stets in?. 
Znstande der Jiingfernschafi finden; sie bleiben immer schön, 
gebären nie, altem nie. Zahlreiche Stellen des Korans kommen 
auf diese himmlische Verheissnng zurück. SoLXXVI 12 — 18 
und 21; LV 70, 72 und 74: „In den Paradiesesgärten sind gute 
und schöne Mädchen; EnriSj verschlossen in Zelten, die weder 
Menschen noch Dschicnen zuvor berührten"; XXXVI 55—57; 
XLIV 51 — 54: „. . . und wir vermählen sie mit schwars- 
äugigen Hmis''; lill 17, 20: „. . . mit grossäugigen Huris"; 
27 — 3'9: „Unter doraenlosem Lotus und Bananen mit Biüten- 
schichteu und weitem Schatten, und bei strömendem Wasser 
und Früchten in Menge, unaufhöriich-.'n und unverwehrten, da.. 
werden sie wohnen; und auf erhöht-m Polstern . . Siehe, 



— 126 ~ 

wir erschufen die Huris in "beeoü-dcnT Schöpf ung ucd DiacLtea 
8)0 zu JuLgfraüen, zu liebevoilöu Altersgeiiössmnen iür die Ge- 
fäTixten der Keciiieii'% für die Seligen. - -- 

In der TS. Sure, Vors 31—33 hois&t e&: „Siehe, für die 
Gottesiiirchtigei) m ein heiüger Ort. Gar^engehege und Wein- 
borge, Juägfraaeii mit schwelleüden Brüsten, •' Die ,,schwQii??jj" 
den Briiste'' sind aber aiicli schOL» auf Er'jen er^^riinscht. Bin 
bosiiischos Lied singt: ,,0 närrisdi BürscbJeir,, leg die Hände" 
ÖLT uaier dio iVchselhöbleu üüd niiaui heraus die zwei Aepfei.*' 
Oa$ Mädchen gesteht allerdings, dass sie „noch niclit reif" 
ftieien; dafür aber auch „nicht grün, sondern eben geeignet zum 
Kosen'*. Bei den Hebräern war die normale EntAdcklung der 
Brüste eine Vorhediiignag fni- die Verehelichung der Mädchen.. 
Im Hohelied VIII, 7 heisst es : »AVir haben eine kleine Schwester, 
xtüch ohne Brüste: v^'di sollen wir mit unserer Schwester thmi^ 
wenn man ..einst niL sie wirbt?'' Im Hohelied Vill 9: ,,Dein 
Wuch>^ da "gleicht der Palme und deine Brüste den Tranbeßt 
Möchten doch deine Brüste den Trauben am Vv\nnätock gleichen.' 
Im Hohelied IV 5: „Deine .Brüste gleichen zwei Rehkalbchen, 
Gazelienzwillingen, die ia den Inlien weiden.'* l.a Hesekiel XVI 3 
heisst es symbolisch; ,.D;i wjchsest inid wnrdest gross und 
gelaiif-rtest zum höchsteE Eeize. Die Brüste waren steif ge- 
worden nud dein Haar sprosüte kräffig." 

Auch &n dnderevx Soellen ia Alten Tesiameni wird der 
reiche Ha3rv\uch.s der Frau gcrühnil. Im II. Enche Samuel 
XIV wird erwähnt, dass die hel)räi.schen Fraaen ihre Haa)-e 
salbtoü. Sje fiochten nnd kräuselten eio: Eichter XVI 3 3; 
Jesaia HI 24; Judith X S. 

Den indischen Frauen emnftehjT, das Kam^ifvatravn iiur Haar- 
pflege folgende Mittel; Myrobalanenfriichte, vc.r.^jehon mit dem 
"Milchsäfte vo.ii .Euphorbia anriquoruni, Soma und ''lilotropis 
gigü.ntea und ö/Oin Fiitcbteii von Vernonla antheiiniuthiea bewirken 
Vi'eissvverden der HaÄre. Ein Bad mit d(;n Wurzeln vom aia- 
bischeci Jasmin, Wrightia antidyseiiterica. Kavaüjänij: , Olitoria 
Ternatea und Siaifsnapörni bewirkt, dass die Haare \N'}eder 
wachsen. Vrenn man sie init, einer Salbe be.^i-; eicht, die man 
durch soj'^*f 3 Itigcs KivcheiL. der.'jelben Di:ige erhiili, so werdt-;n 
sie scbwarz und wachsen allmählich jjach 

Ein moslemischer Gesang hegiiint albo; „ixuh;j). sei uoiu. der 



~" 127 — 

dea Bart den Mämieru and die Haare dan Frauea als Zierde 
verliehen hat." 

MohaDnaei Setzte Yollen ß-^itpreis, den Tod., als Strafe im- 
don, „der das Antlitz f;iö.e3 Mannes durch VernicliMiag der 
Augea-rtiUipern oder d^r AugerJjraueD oder das A.htlitz einer 
Fr&n durch Vemlclitttiig der Haare veranstaltet." Es wd'c-i eia. 
Verbrechen genarüit, gleich „einer Operation, die den Kächsten 
UTXi &ei)iea Yerstaiid, um oiaea seiner fiinf Siitnc bringt oder 
eine Frau u.rif?.*achtbar macht/' Mohammed hat auch die 
falschen Hßare ü-a^ch Ailah verfluches lasser?, vm\ „s(;wohl äl2, 
weiche darait handeln, als die, welclie day«n Cxe'ttraiich machen^, 
i'jLTchtbar yerdammt. 

So vYillkoxaip.ea deu. Frauen, die Zierde der Kaare ist, so 
sDi^iiikomnien ist ßie iiiiien, weaii sie als Schnii.rrbait erscheiüt. 
Und doch ist iöt:.?,teres im. Oiient MuÖg. Dr. S. Weinberg' aus 
ElisaocthgTßd bericlitete au die Zeitscitrift Cur Ethnologie — Ver- 
handlungen XKjN 230 — über seine Wahniehicimgen bei eiriem 
Gaiig-o auf der Perasirasse ifs Konstantiaopei ; er zählte 15.1 
iYauou, von 18 bis 50 JaiD^ea, davon il mit SchDurrbai t ; bei 
eincift zweiteü Gaage 273, davon H 3 mit Sehnorrbait ; bei eliiem 
dritten Gange 243^ resp. 26; bei einem vierten Gange 807, resp. 
70; bei einein frlnlten Gange eudlich 105, resp. 9. Insgesaint 
traf er also bei 5 Oäng-en 1439 .Frauen von 18 bis 50 Jahren; 
davon hatten i-iP Schnurrbürte, im .Durchschnitte also 10 Prozent, 
Er sah sämtliche Uobergänge von einem feiijien Elaum bis zu 
einem schneidig-eii ."Schnurrbart. "Sine Backenbaiteutwickelung 
hatte unter den 149 Jedoch 3iUr eine einzige ältliche FraiL 

Den Knaben der Palästina-Beduiuen wird am siebenten 
Tage nach der Gebui't der Kopf rasiert. 

Bei den Jxidcn Pa,I«?tinas, ICleinasiens und Persiens ist es 
Sitte, den ersten Kaarschnitt eines Knaben am Grabe eines 
FrommpR vorainiehrjen. Das sn diesem Zweck meistbesuchte 
Grab in Jorus-ilem ist d.asjenig-e des Rabbi Simeon l»en Jochai, 
des vorgeblichen thanaitischen Verfassers des Sohar oder G-rnnd- 
bachs der Kabbalah. .äjii Todestage des Frommen, am IS. des 
Monats Jjar oder am 31 der Scphir-ah, um Mitte Mai, versammelü 
nlch hier Juden aus Nah und Fern, selbst Pilger aus Xnnerasicn. 
Nach derr« Naciit^-ebet tuid de» Lektüre der heiiigen Schrift 
steigrt eine Flamnicnlohe aus feinstem Gel an diesem Grabe zum 



— 12S — 

HiiTim^^l. AiTi oiideren Morton nach dorn I*>ühgebet führt man 
iV.<} Knaben unter Musik und Gesang und Tanz zum Grabe des 
Rabbi Siraeon, und an der Thür des hier befindlichen Bothanses 
wird der erste Haarschnitt vorj^enommen. So bericlitet Moses 
hrn Menachem Mendel Reischer in seiner 1878 in^Lc^mberg" er- 
schienenen hebräischen Schrift ,,Schaare Jeruscholaim oder die 
Pforten Jerusalems," aus welcher 1894 im „Urquell" ein Aus- 
zug veröffentlicht wurde. 

Den moslemischen Knaben wird inöt allgemeinen, und be- 
sonders in Bosnien, nach zurückgelegtem vierten Jahi'e das Kaar 
zum ersten Male ganz abgeschnitten. Dies g'eschieht immer 
entweder an einem Donnerstag oder an einem Soantag. Das 
al.igeschnittener Haar wird abgewogen, und der Vater des 
Knaben verteilt soviel Münzen unter die Armen, aJj- es türkische 
Dram \\'iegt — ein Dram ^= 400. Teil einer Oka. Der Wert der 
Münzen richtet sich nach den Vermögensverh iitnissen des 
Spenders. Aach der ßa^rbier, der die Prozedur vornimmt, wird 
beschenkt. 

_ Im Sultanshause gibt es bei solcher Gelegenheit grosse 
Feste. Unter Sultan Achmed II. bekleidete der Grossweair 
Daltaban mit Zobelpelzen den Leibbarbier, welcher die Freuden 
künde gebracht^ dass dem Prinzen Machmud zum ersten Male 
der Kopf geschoren worden. 

Die alten arabischen Poiizeigesetze hB,tten spezielle Ord- 
nungen für die Friseure festgestellt: „Sie sollen" — heisst es 
bei Behrnauer nach Annabrawi — „von schlanker Taille, sowie 
versiert in ihrem Metier sein. Das Rasierzeug sei immer neu 
und scharf. Der Barbier darf nichts essen, wae seinem Atem 
eiüen anhaftenden Geruch geben kann, wie Zvdebeln, damit 
dieser Geruch die Leute nicht geniere, wenn der Barbier ihnen 
nahe tritt. Der Barbier soll die Stiin und die beiden Schläfen 
in einer für die Haltung der behandelten Person dezenten Weise 
arrangieren; er soll nicht das Haar eines Kindes rasieren ohne 
Zustimmung des Vaters; auch soll er nicht die Wange eines 
jungen Mannes, bei dem die Haare eben hervorspriessen, noch 
den Bart eines Mannes, der zum Coitns impotent ist, rasieren " 

Aus Persien erzählr Polak: Der Barbier entfernt mit einem 
Messer die i'berjiüssigeu Haare ^n den Extremitäten und am 
Kopf. Priester, überhaupt Leute, welche noch den Turban 



— 189 — 

tragen, lassen sich eigentlich das Hanpt ganz kahl rasieren. 
Nach der neueren Mode bleiben jedoch die Partieen um die 
Schläfe nnd am Wirbel unberührt; erstere werden in zwei 
Locken vor und hinter dem Ohr, letztere zu einem. Schopf oder 
einer Art chinesischem Zöpfeben vereinigt. Die Frauen behalten 
ihr volles Haupthaar. Von den Genitalien und aus den Achsel- 
höhlen müssen nach .dem Ritualgesetz die Haare entfernt 
werden — 

Bei den alten Hebräern galt das Abschneiden eines Bartes 
— wenigstens in gewissen Fällen — als eine Schmach. Im 
2. Buche Samuel X 4 heisst es in diesem Sinne: „Hanun liess 
sie ergTeifen und ihneii den Bart abscheeren." 

In der osmanischen Geschichte wird berichtet, dass ein ab- 
geschnittener Bart einmal Ursache von Rebellion und Mord 
wurde : Einem alten Turkmanen, namens Suklundkodscha, welcher 
sich beklagte, dass sein Acker mit zweihundert Aspem zu stark 
belastet sei, wurde statt Rücksicht auf seine Beschwerde der 
Hohn abgeschnittenen Bartes. Der durch Verschneidung seines 
Bartes tiefer als durch die Beschneidung seiner Einkünfte ge- 
kränkte Turkmane, sein Sohn Suklun Schah Weli und ein 
Dritter, Sulnunoghli, stellten sich an die Spitze melirerer >turk- 
manischer Stämme, überfielieu den Laudesschreiber, Richter und 
Sandschakbeg und schlugen sie tot . . . 

Nicht minder als abgeschnittener Bart wird geschmückter 
Bart von den Orientalen verhöhnt. Die osmanischen Historiker 
erzählen sogar voll abergläubischer Scheu, der Despotismus der 
Weiber über ihren Sklaven Sultan Ibrahim sei so weit gegangen, 
dass eine seiner Günstlinginnen den Sultan gar beredete, seinen 
Bart mit Edelsteinen zu schmücken und sich öffentlich damit 
zu zeigen, was für schlimmstes Wahrzeichen galt, weil nach 
morgenländischer Ueberlieferung Pharao allein auf diese Art 
seinen Bart geschmückt, — 

In Simsons Haaren lag seine Kraft. Im Buche der Richter 
XVT 17 sagt Simson: „Auf meia Haupt Ät noch kein Scher- 
meflser gekommen, denn ich bin ein Gottgeweihter vom Mutter- 
leibe an — wtlrde ich beschorön, 8o wlirde meine Kraft von 
mir weichen.** Und so geschah es bekanntlich. — 

Storn, Medisio, AJbergUube n. Qesohleohtsleben in dei Tiu-k-i. II. 9 



— 1^0 — 

Den Kahlköpfen verbot das Gesetz der Hebräer den Ein 
tritt ins Priesteituni. Die Kahiköpfigkeit ist im Orient weit- 
verbreitet und besonders d^^rakteristisch. 

Während im zivilisierten Europa die Idee verbreitet ist, 
dass Kahlköpfigkeit die Prärogative der Gelehrtem sei, werden 
von ihr in der Türkei zwei Rassen betroffen, die dort beide 
nichts weniger als ihr Nervensystem durrfi üeberanstrengnng 
mit seriösen Studien erschöpft haben, nämlich: Türken und 
Spaniolen. 

Ein österreichischer Arzt, Schweiger, ist den Ursachen der 
orientalischen Kahlfcöpfigkeit einmal uachgegangeu und hat in 
einem Briefe aus Widdin, März 1885, nach Aufklärungen eines 
Kollegen, des Dr. Gelber, in der österreichischen Monatsschrift 
fiii' den Orient XI 4, folgende Ee^oltate uiedergeiegt; Das 
orientalische Weib, dessen Indolenz aligemein bekannt ist, zeichnet 
sich mehr durch Ünterlassungs- als durch Begehungssünden aus. 
Am meisten leiden dai'unter die hülflosen Kinder. Die Haut- 
pflege der Säuglinge wird von Hebammen, Müttern und Kinder-^ 
frauen gleichmässig vernachlässigt. Das neugeborene Kind wii-d 
in. den ersten acht Tagen seiner irdischen I^aufbahn täglich 
einmal von der Wärterin auf die üache Hand gelegt, mit \s enig 
lauem Wasser über einem Waschbecken abgespiUt mid sodann 
in Fetzen gehüllt, und zwar in farbige Fetzen, um das oftmalige 
Wechseln zu ersparen. Auf den Kopf setzt man dem Säugling 
eine gut wattierte Haube, die unter dem Küin festgebunden 
wii*d. Diese Manipulation wiederholt man in den nächstfolgenden 
Wochen nur je eiumal in zwei Tagen, bis dann die anstrengende 
Arbeit ganz eingestellt wird, da man fürchtet, das Kind könnte 
sich durch zu häufige Waschungen erkälten. Dabei ist noch 
der Aberglaube zu berücksichtigen, dass dem Säugling der Kopf 
nicht tüchtig abgewaschen werden dürfe, denn die Borke, welche 
sich auf der Kopfhaut bildet, sei gesund für die Augen. Dieso 
Borke, nichts anderes als Schmutz, vermischt mit dem Sekret 
der Haardiiisen, bildet einen guten Nährboden für verschiedene 
ptlanzliche und tierische Parasiten, welche die Sekretion unter- 
drücken, die Entwicklung dei Haare hindern und die schon 
vorhandenen an der Wurzel zu Giiinde richten. Damit aber 
die wohlangelegte Brutetätte von Trichophyteu und Mikrosporeu 
durch die liische Luft, die Feiudin aller jütderen Organismen, 



— 131 — 

nicht etwa zerstört werde, übernimmt der Ritus die Sorge; nach 
letzrtxjreni darf sowohl bei Türkei] als bei orthodoxen spaniolischen 
Juden die Kopfbedeckung nie abgenommen worden) weder bei 
Tage noch bei Nacht, Nachts wird blos der Fe?, mit einat 
Leinwandhaube ähnlicher Form Tertauscht. Unter diesör Kopf- 
bedeckung bilden sich verschiedene Ekzeme, welche den Haarr 
Wuchs ruinieren. ■— . 

Sowohl der Jüngling als das Mädchen gelten im Orient 
als reif, wenn in der Schamgegend die Haare hervorsprosseii. 
In einem bosnischen Liede fragt ein Jüngling ein Mädchen: 
„0 du Mägdelein, sind dir schon hervorgesprosselein wohl auf 
der Pitschka die Härelein?" Und sie antwortet: „Jawohl, bei 
Gott, Martin! Sogar bergauf gestiegen, über den Bauch ge 
klommen." ... In einem montenegrinischen Liedchen gibt das 
Mädchen auf die Frage: .,0 du Mädchen, Jungfer fein, sind dir 
ersprosst die Härelein?" eine viel einfachere Antwort: „0 du 
Büi-schleia, Junker fein, komm daher und schau allein" 

Die moslemischen Frauen reinigen vorschriftsmässig jeden 
Freitag ihre Schamteile und enthaaren sie, meist durch An- 
wendung der Aiirumsalbe. oder lassen sie sich von geübten 
Kaseurinnen im Bade wegrasieren. — 

Aus Persien 'oeriChtet Polak: „Die Schamhaai'e werden dem 
Ritualgesctz gemäss durch ein Präparat von Auripigment- -— 
„Zernich" — und Kalk entfernt; man nennt dies ;,hadschebi 
kescJuden", sich dem Gesetzlichen unterziehen; olegante Frauen 
aber rupfen sich die Haare aus, bis endlich der Nachwuchs von 
seibst aufhört. Auch Männer müssen dieselbe Vorschrift befolgen; 
ein Abweichen davon, sowie das Stehenlassen des Haares am 
Vorderhaupt, gilt als besonderes Zeichen der Emanzipation vom 
Gesetz. Diese Bestimmung ündet darin ihren Grund, weil zum 
Gebete und zu jeder religiösen Handlung, desgleichen oach jeder 
Excretion, d-?s Waschen der Genitalien geboten ist und die Haare 
eine genügende Reinigung fticht zulassen würder.'' — Krauss 
behauptet, dass auch bei den Südslaven dieser Gebranch, nament- 
lich in vornehmeren christlichen Kreisen, in Schwung gekommen 
sei, „weil die Männer vor den verfilzten und übelriechenden 
Schambaaren zurückschrecken". 

Am Tage vor ihrer Hochzeit lässt die Feltachenbraut in 
Syrien ihrem Leibe eine reichliche Pflege angedellipn. Von. 

9* 



— 132 — 

Frenndinnen und Verwandten begleitet begiebt sie sich ins 
Bad. Dort wird sie gewaschen, gerieben, geschminkt and 
geschmückt. Eine wichtige Aufgabe der Frenndinnen aber ist 
es, mittelst eines aus Honig und anderen Ingredienzen bestehen- 
den pechartigen Pflasters der Braut alle Härchen am Leibe 
ausaurupfen — sie wird glatt und glänzend, wie ein kleines 
unreifes Mädchen, Dann kehrt man nach Hause zurück. Hier 
werden der Braut die Kopfhaare geflochten, auf ihrem Gesicht 
klebt man einige Schönheitspflästerchen aus Groldpapier auf, die 
Augenbrauen werden mit Kohol und die Finger und Füsse mit 
Hennah gefärbt 

Aehnlich geht es nach Schweinfurth in den unteren Volks- 
klassen der ägyptischen Stadt- Araber und der Fellachen zu. 
Einige Tage vor der Hochzeit nimmt die Braut ein Bad. An 
einem bestimmten Abend kommt sie dann mit ihren Freundinnen 
zusammen und sie entfernen sich gegenseitig an sämtlichen 
Körperteilen, den Kopf ausgenommen, die Haare; sie gebrauchen 
dazu ein zähes Colophoniumharz, das sie in noch halbflüssigem 
Zustande auf die zu entfernenden Haare aufgiessen und nach 
Erkalten mit den Haaren gewaltsam abreissen. Ein schmerz- 
loseres, aber mehr Vorsicht erforderndes Verfahren ist mit einer 
Salbe zu erzielen, die gewisse Ingredienzen enthält und mit 
Auripigment, Silberglätte, zersetzt ist. Vierundzwanzig Stünden 
nach dieser Prozedur folgt die Lelet el henne, die Nacht der 
Heunah. Die Braut und andere ihr befreundete Mädchen und 
Weiber, welche im Brauthause zusammenkommen, füllen sich 
die Hände mit Hennah-Pasta, binden sich Hennah-Pasta auf die 
Sohlen der Füsse und halten selbst im Schlafe die Fäuste geballt, 
damit der Hennahbrei nicht abfalle. Erst am andern Morgen 
wird der Brei entfernt und retouchiert, und dann beginnt die 
Verschönerung der Augenbrauen und Lider, welche man mit 
Antimon oder Bleiglanz, auch mit Eisenglimmer, färbt. Den 
Best des Tages verbringt das Weibervolk mit Kauen von Mastix^ 
um die Zahne blitzblank zu putzen. 



Fünfter Teil. 



35, Sexuell'Hs Lexikon. — 36. Menstruation. — 37. Scham- 
>jefuhl und Keuschheit. -- 38, üasferliaftigkeit. — 39. Oeffcnt- 
iiche Pro'JitutiOfi. - 40. Das Vorgehen bei der Geschlechts- 
fuakfion. — 41. Die Arten der Geschlechtsfunktiou, — 
/<2. Päderastie und Sodomie. — 43. Eunuchen und Per- 
versitäten. — 44. Onanie und künstliche Instrumente. — 
45. Geschlechtskrankheiten. — 46. Impotenz. 



35. Sexuelles Lexikon, 



Anständige uud luianständige Benennungen — Jimgferjtihäutchen. -— Men- 
struation. — Coitus, — Same. — Onanie. — ijesbiji'ive Liebe. — KUppIei. — 
Ehebrecher. — Prostitution. — Päderastie — Bezeichnungen für Viüva; — 
für Penis. — Poetische und verblümte AuBdrücbe. — Tripper. — - Schanker. — 
Das Geaäss. — Ordinäre Flüche. 

Havelock Ellis erwähnt nach Both, dass es in Queensland 
ein anständig-es und ein ananständiges Vokabularium gebe, so 
dags man das eine Wort für Vulva in der besten Gesellschaft 
gebrauchen kann, während ein anderes durchaus verpönt ist. 
So gibt es auch bei den Völkern des Orients füi- alle Dinge, die 
mit dem Geschlechtsleben in Beziehung stehen, ordinäre und 
verfeiLierte, unverhülite und symbolische Benennungen. 

Nicht unpoetisch ist es, wenn die Türken für das Jungfern- 
häutchen das Wort ,.Sabah" gebrauchoil. das auch den Morgen 
bezeichnet. 

Für Menstruation bat die heilige Schrift fast, immer eine 
Bluraensprache. Im 3. Buche Moses XV 19 — 2 t heisst cr: 
„Wenn das Weib flüssig 'v^'ird . . ." Im 3. Buche Moses XX 18 
aber wird schon dearlicher vom ,, Brunnen ihres Blutes'' ge- 
sprochen, oder: „vom Blutfiuss ihreüj Leibes". Anr der letzt- 
erwähnten Stella heisst ■ es auch: „monatlicho Kranlvheit". Im 
3. Buche Moses XII 2 und in Hcsokiel XYUI 5 ist aber nur 
von „der Weiber gewöhnlichen Krankheit" die l(cde. Im 
3. Buche Moses XV 34 und im mlben Buche XXVII 2f>: „Der 
Weiber gewöhnliche Zeit"; ebenda: „Der Weiber Absonderung". 
Das erste Buch Moses XVIII und XXXI 25 spricht von „der 
Weiber W^eise^'. Im ersten Buche Moses XVIII 1 1 wird erzählt, 
dass „es Sarah nicht mehr erging, wie es Frauen ergeht"; und 
im ersten Buche Moses Xx^XI 35 entschuidisi; sich Sahel vor 



— 136 — 

fiirem Vater: „0 Herr, sei nielit böse, wenn ich vor dir nicht 
itufstehe", mit Angabe ihres Menstruationszustandes als Bnt- 
schuldigimgsgrandes , „denn es ergeht mir, wie es Frauen ijr- 
geht". Auch der Ausdn^ek „Monatsfluss" wird an verschiedenoji 
Stellen gebraucht. Der Koran nennt die Menstmatioa eiDfach: 
„Das Monatliche"; so in der 65, Sure. Die türkischen Äusdr&cke 
für Menstruation lauten: al basclii oder haiz; arabisch: el hizat, 
el tems; persisch: eiadet, ras eschar; indisch: kamerie. I^ür 
mangelnde Menstruation sagt man im Arabischen: kniet (oder 
haps) el heis; im Persischen: kalüet (oder habs) ei ade; im In- 
dischen: Ion e kammer bend; im Türkischen; silyk (oder eksiklik) 
kusur. Die Serben bezeichnen die Periode- als „weibliche Blüte". 

Der Koran sagt: „Ihr seid den Frauen und sie sind euch 
eine Decke." Bei den Südslaven nennt ein Lied die Frau „das 
Bett" des Mannes; Sekula der Wuaderknabe spricht in einem 
balgarischen Heldeuliede zu seiner Mutter, als er ihr seine Beute 
aufzählt: „Ich brachte mir heim ein schmuckes WeibchfMi, dir 
ein Ersatz in der häuslichen Arbeit, mir als ein Bett". 

Für Coitas sagen die Bibel wie der Koran: ,,beischkfen'*j 
„beiwohnen". Bei Moses findet man öfter den Ausdruck: „auf- 
decken". Im 2. Buche Samuel XIII 1—14 kommt die Bezeich- 
nung „schwächen" vor. Das türkische Wort lautet: siklsch, 
auch gebraucht man; bill jatmaklik; arabisch: dschamea; persisch.: 
mudschama; iiulisch: mudschema, nal sone. Unendlich ist d!e 
Zahl der stidslavischen Worte für die Ausübung des Coitue; 
man sagt: jebati, jebucati, jebiti se, jepsti im ordinärsten Ge- 
brauch. Umstihreibend heisst es: Jahati, reiten; Nafrsdiiti» voll- 
bringen; Mi'dati, Trti, reiben; Poklopiü, bedecken; Prc&ti, 
Priischiti, Kuudatschiti, schalten; Sigiati se sigre, mch spiekm 
Sich-Spiele. Feinerer Ausdruck: Saprtschkati. Ausserdem fand 
ich in den Bänden des Kraussschen Buches über „die Zengimg 
in Brauch, Glaube und Sitte der SüdsJaVen" noch folgende Um- 
schreibungen: n 157: trennen, kneten; I 349: „Ach Gevatterin, 
wie gern möchte ich dich kneten"; IT 235: Mehl sieben: H 109: 
einj-ammen; I 289: schachten; I 225: Sprung, Häuägsprung; 
I 341: zupfropfen; I 315: die Vagina auschmieden. Endlich 
sagt man: „poJjubat u pitachku, die Vulva kSasen", für den 
Coitus; und für die Ausübung des Coitus a retro hat man das 
spezielle Wort: „podjebavati". 



_ 137 — 

Koran und Bibel gebrauchen för Sperma das entsprechende 
hebräische oder arabische Wort. Die Südslaven sagen: das Oel; 
60 bei Krai^s I 289. Das Zurückhalten des Sperma heisst im 
Türkischen: As oder Srök; Onanie: Eummaira. Araber und 
Türken gebrauchen ferner für Onanie den Ausdruck: itlam; die 
Perser sagen: muscht zenni; die Inder: scheitan kari. Die Süd- 
slaven gebrauchen für Onanie folgende Worte: Odrati Kurac, 
vom Manne; Pisdu guiiti oder oguliti, vom Fraueuzimmer. 
Ausserdem sagt man: Kiirtschati se, si alter alterum fricat. 
Für die Bezeichnung der lesbischen Liebe sagt man südslavisch: 
Pisdekati se, etwa: den weiblichen Geschleehtsteii onanieren. 
Für Pollution sagt das 3. Büch Moses XVI: „Wenn jemandem 
der Same entgeht . . .*' Samenfiuss nennen die Türken: mote- 
lim; arabisch: suret enzal; persisch: dscherian emenni; indisch: 
dat, t-ant. — Besewenk ist das türkische Wort für Kuppler; es 
wird wie im Deutschen als Schimpfwort gebraucht. Denuoch 
wurde unter Sultan Mustafa III. ein Kuppler eiumal Grosswesir; 
das war Ali Moidowandschi, von dem Hammer im IV. Bande 
seiner osmanischen Reichsgeschichte sagt: „Moldowani oder 
Moidowandschi bedenket zwar den Moldauer, aber nur den 
Sklavinnenverkäufer, ein Name, der dem Bostandschi Ali in nichts 
minder als ehrenvollem Sinne unter Sultan Osmans Regierung 
beigelegt ward, wo er, wider Strassenräuber ausgesandt, ein- 
gebrachte moldausche Dirnen mit ihren Kindern verkaufte. Vom 
gemeinen Bostandschi schwang er sich in dei Folge zum Chasseki, 
zum Sultansgünstling, auf." Das ärgste türkische Schimpfwort 
ist: Eselsf 

Die Südslaven haben für Ehebrecher das männliche Wort: 
Preljub, und das weibliche Wort: Preijnbniza; verächtlich sagt 
man; Pogan, Heide; Pogana, Heidiu. 

Die Prostitution heisst im Testament wie im Koran einfach: 
Hurerei. Im Türkischen gibt es ferner den Ausdruck: Kahba. 
Die Südslaven sagen vom Manne: Jebac, der Hurer; Jebalac, 
Jebatsch, Kurvitsch; femer: Pisdolaw, Pisdolovac, wörtlich: der 
Pisdajäger; Pisdoiiz, der Pisdalecker; Kurcoliz, der Penislecker; 
von der Frau sagen sie : J ebica, die Hure ; auch Jebitschina. In 
allen Balkanländern nennt man die Hure aber auch populär; 
Frajle, Fräulein, Das Schimpfwort Hure heisst im Südslavischen: 
Kurva. 



~ 138 — 

Für Päderastie gebraacht Ibrahim Haleby — bei Regia 
253, 6. AbSäte — den türkischen Ansdruck Liavta. 

Bei den Südslaven nennt man den Coitus in an am: U dupe 
jebati, wörtlich: auum coitieren. Bei den Bulgaren sagt man 
unbestimmt: da ti go vkaram, den Penis eintreiben. 

Für die weiblichen Geschlechtsteile hat die Bibel die Aus- 
drücke: „Schamspait^", „weibliche Scheide". Die Gebärmutter 
heisst: Schoss, Leib,. Mutterleib. In Ruth I 11 heisst es: 
„Berge ich etwa noch Söhne in meinem Schosse"; und im ersten 
Bache Moses XXY 24: „dasä Zwillinge in ihrem Leibe". Auch 
Öas Wort „llutterrnund" kommt vor. Für Mutterscheide sagen 
Türken und Araber: ferzedsch, kus, d^nat; die Perser und Inder: 
kus; für Gebärmutter gebrauchen die Türken den Ausdruck: 
raam; die Araber sagexi: rehm oder beit el olöt; die Perser: 
betschedanj die Inder: zedane, 

Sowohl für die männlichen als für die weiblichen Geschlechts- 
teile gebraucht die Bibel bekanntlich die Worte: „Scham", 
„Blosse", lux I. Buche Mos^s IX 28 wird erzählt: „Sem und 
Japhet. deckten die Blosse ihres Vaters Noah". Im EL Buche 
Moses XX 26 j „Dass nicht etwa deine Schamtcilo vor ihnen 
entblösst werden." Für den männlichen Geschlechtsteil findet 
man endlich in Hesekiel XXIII 20 den Ansdruck: „Glied"; und 
im ö. Bache Moses XXIII 2 die Bezeichnung: „Harnröhre". 

Der vulgäre, grobe türkische Ausdruck für Penis ist: El 
s5bb; der feinere: Dkbr oder Palawer; ferner sagen die Türken: 
sik; erkogen alcti; die Araber: er, kazib, zeker; die Perser: kir; 
die Inder; dendi. Der Koran gebraucht für die männlichen 
Geschlechtsteile gewöhnlich :,. Blosse", für die Weiblichen: „Zierde". 

E'ür Penis sagt man serbisch und bulgarisch, ?buch chrowo- 
tisch nnd slowenisch: Kurac, Kurec, Kuro, Kur (bulgarisch), 
Kurtschina, Kurtschitsch, Kurcckanjo, Kurlekanjo. Will man in 
gnter Gesellschaft das aristö.ssige Wort vermeiden, sagt man, be- 
sonders in Bosnien: Kudrac. Südslavische Umschreibungen: 
Bat, Batina, Cula, die Keule; Glaviitschina, das knollige Haupt; 
Mosur, die Weberspule; Budza; Glista, der Wurm.: Klin, der 
Keil; Coro, Einaug; Rak, ,der Krebs; Krastovac, die Gurke; 
Safalada, die Cervelatwurst (nur in Städten gebräuchlicher Aus- 
druck); Tupak, der Stumpfe; Litrenjak, der Litraschwere; (!uka, 



— 139 — 

der Iiidian; Küj, Kunduk, der Kolben (bei den Balgaren). Bei 
Knaben: Resa, ßesiza, Palmkätzchen. 

In den sexuellen Liedern, die Krauss mitgeteilt hat, fand ich 
noch nachfolgende Bezeichnungen: I 312: der Stab; I 360: der 
Hase; I 241: der süsse Bissen; I 246: „der Einspänner", wobei 
femora feminae als Deichselstangen bezeichnet werden; I 236: 
das Kühlrohr; 11 119: Pflugnagcl, Pfiugeisen; I 348: „Die Ratte"; 
ein Belgrader Lied singt: Es scherzte die Magyarin mit dem 
Raitzen, rattum inter femora sna cucurisse; neque vero rattus 
erat, sed Raitzeni penis. Ferner II 235: Schiefer -Reuter; 
n 174: Igel; II 160: Blindenachse; II 237: Rippen des Zumptos. 
Ausserdem vsagt man: penem fricando porrigere : Kurac nadrkati; 
penis se erigit: Kurac se dize; penis se intendit: Kurac se 
napiuje. 

Bei den Südslaveu sagt man für den weiblichen Geschlechts- 
teil: Pitschka, Pitschiza, Pika, Pica, Pisda, Pishdra, Pisdra, 
Pisdura, Pisdurina, Pisdetina, Pisdekanja, Pisdenjak; ferner sind 
speziell bulgarisch: Putkata, Putschica, Ongnrica, Dupka; speziell 
serbisch, auch chrowotiscli und slowenisch, sind folgende Um- 
schreibungen; Manda öder Mandra, der abgeschlossene Raum: 
Koka, die Glucke; Cm-ka, die Truthenne; Vrtatscha, das Bohr- 
loch; Vagasch, das Geleise; Rupa, das Loch; Schupak, die 
Höhlung. " 

Ferner fand ich in den Kraussschen Liedein noch folgende 
Umschreibungen: VVeberwirtel; Hafersack; Büiiin der Vulva; 
Stirnleisten; Darnuteriu; Melone; 11 152; rote Kitzierburg. Für 
labia lautoi eine Umschreibung in einem südslavischen Liede 
bei Krauf^s I 322: „Wimpern"; für pubes: „Wolle" von der 
Frau, „Zopf" vom Manne. 

Die Clitoris wird in einem serbischen IJede bei Krauss 
n 274: „Kamm" geuaunt. Statt dieser Umschreibung gebraucht 
man aber im f?-ewöhnlichen Leben das Wort: Imene, Jezitschac. 
Von der Entstehung der Clitoris erzählt man in DaJmatien, 
Bosnien und Montenegro folgende Sage : „Der heilige Elias hieb 
das Weib durch die Mitte durch; er spaltete sie. und noch jetzt 
ist der Axtriss sichtbar mitten in der Piza." Fiu- das orificium 
vulvae gebraucht ein südslavisches Lied bei Krauss 11 236 den 
Ausdruck: Goschen, Mündchen. 

SüdslavischeWorte für glans penis sind: Glawitsch: Njuschka, 



— t40 — 

Schnupperer; Propfkeil (Krauss I 286); der Kopf. Für Hoden: 
Mada, Heljbice, Mndica (bulgarisch), Kita, Klupko, Jaja, Jajeta, 
Bucekanja; umschreibend femer: der Dndelsack (Krauss II 254). 
IHirkiscii sagt man Kesa, wörtlich: der Beutel Manchmal drückt 
man sich in Bosnien recht poetisch aus: „0 du mein Mädchen 
aus Silaj" — heisst es in einem Liede bei Krauss I 244 — 
„möchtest du wohi mit mir anzettelo? ich habe eine Spule und 
zwei Knäuel." Und sie entgegnet; „Unterhalb des Nabels sprang 
die Zuckermelone auf, ist weder reif noch grün, sondern kaum 
erst rötlich angehaucht." 

Einen lustigen Vergleich gibt ein anderes Lied: „Was 
habt ihr euch um den Reigen aufgestellt, wie die Ochsen um 
die Bürde? Was bewegt ihr eure Schnurrbarte wie die Mädchen 
die Pitschkas?" Das Wort Hürde wird auch sonst oft. als Um- 
scisroibung für die Pitschka, den weiblichen Geschlechtsteil, 'ge- 
braucht. So singt ein Määchen in einein Liede, bei Krauss I 255: 
,.Jcli pflegte unterm Nussbaum zu sitzen und meine Höi'de zu 
streicheln.'' 

Ich erwähnte den südslavischen Ausdruck Hase für Penis; 
wir werden dasselbe Wort in dem Kapitel, das die indische 
Einteilung der Männer uud Frauen nach den Dimensionen ihrer 
Ge>schlechtsteiie behandelt, wiederfinden. Wie die Südslaven für 
Penis: „Ratte" sagen, so wählen auch andere Völker ilire Ver- 
gleiche für das männliche Glied unter den Tieren. So ist der 
Ausdidck Schl^Age für Penis vielverbreitet. Die Suahelifraueu 
Deutsc.h-Ostafrikas — erzählt Zache in der Zeitschrift für Eth- 
nologie 1SÖ9, 73 -- haben in ihren umschreibenden Bezeichnungen 
das Wort Schlange für Penis. Das kriechende Getier wird be- 
vorzugt bei der Auswahl solcher Umschreibungen. Im Berliner 
Museum für Völkerkunde befindet sich eine geschnitzte Holzfigur 
aus Nougijinoa, die ein Weib darstellt, in dessen Vulva ein 
Krokodil seine Schnauze eiufühi't; bei einer anderen Figur, die 
aus de.jseiben Gegend herstammt, kriecht ein schlangenähnliches 
Krokodil aus der Vulva heraus, und bei einer dritten Figur sieht 
man eine kleine runde Schlange mit kleinen«. Kopfe, dem Penis 
ähniich, am Eingange des weiblichen GeF,chlechtsteiles. Bei 
Ploss und Bartels sind diese Figuren abgebildet. 

Harn heisst im Türkischen:" sidik, beul, iui Arabischen: 
bou!. .scbakh; im Persischen: pischab; im ludischen: karura^ 



— - 141 -* 

muter.« Für Harntröpfeln sagt man türkisch: damalajan sidik 
arabisch: boul mutekathir; persisch: sinselet eboul; indisch 
pischab ke topka. Tripper heisst türkisch: belsokhighy; arabisch 
harak el boul^ persisch und indisch : suzzak oder korra, Schanker 
nennen die Türken und Araber eine fränkische Seuche; die 
Türken sagen: freng sameti, die Araber kru el fi'eng; die Perser: 
zachm atescheg; die Indier: bad ke zachm. 

Für das Sitzfleisch des Menschen hat die Bibel den ein- 
fachen Ausdruck: „das Gesäss". Im II. Buche Samuel X 4 liest 
man: „Hanun liess die Kleider halb abschneiden bis ans Gesäss." 
Türkische Ausdrücke sind: göt deligi oder beuzuk, arabische: 
»yn ettiz oder makat. Persisch: kun-, indisch: tschotter oder 
pitschari. Das Rectum heisst türkisch: dogbru baghersak; 
arabisch: miai mustakim; persisch: makat; indisch: tundri. Süd- 
slavisch sagt man: Dupe; Zadnjica, wörtlich: Hinterteil; um- 
schreibend sagt man: Prkno; Zrcalö, der Spiegel; Tupi Kraj, 
das stumpfe Ende- Ferner sagen speziell die Serben: Gus, 
Gusiza; die Bulgaren: Guso. 

Die Südslaven nehmen gleich den Russen ihre Flüche aus- 
dem sexuellen Lexikon. „Sie sollen ihm seiner Mutter Seele 
entehren'i (der Originalausdruck gebraucht das ordinärste Wort), 
oder: „Entehre deine eigene Mutter" — das hört mau so leicht 
wie „Guten Morgen" oder „Guten Abend". Man droht feraer, 
sich selbst an der Mutter des Geschmähten zu vergreifen, und 
geht eo weit, dass man sagt: „Matri tuae eum in anum intro- 
ducam". Oder: „Ich sodomiere deinen Vater!". Selbst das 
höchste Wesen wird in den Streit gezogen, und der Gott, sja 
dem sich der Beschimpfte bekennt — sei derselbe auch oft der 
Gott des Sehimpfenden — wird in der gleichen Weise bedacht,, 
wie Vater und Mutter des Geschmähten. Desser Eitern und 
ihn selbst bringt man ferner in Beziehung zum Hündogeschlecht 
und sagt: „Ein Hund hat deine Mutter beschlafen"; oder: „Du 
bist ein Hunde- und Hurenbastard"; oder: „Du bist auf einem 
Hundefell gezeugt worden". Milder ist der Vorwurf: „Du bist 
in einem Strassengraben gezeugt worden". Von einem Dummen 
sagt man: „Dein Vater hat dich nicht zu Ende gemacht." Der 
Originalausdruck ist der ordinärste; von Krauss werden die Original- 
ausdrücke wortgetreu übersetzt. Ich ziehe es jedoch vor, mög- 
lichst umschreibende Worte oder blos Andeutungen zn wählen. 



-142.— 

Einen Dulder, einen Menschen, der sich alles gefall&n lässt, be- 
zeichnet man als einen, dena man selbst das Taschenmesser oder 
den Bobrer oder sonst einen Gegenstand seines Eigentums coi- 
tieren könne, ohne dass er Widerstand leistet. Die. Worte: 
,,3ebem ti", „jebem mu" sind ständig gebräuchliche, sagt Krauss. 

Will eine Südslavin jemandem ihre tiefste Verachtung aus- 
drücken, so beugt sie sich nach vorn, hebt mit der Linken den 
Rock in die Höhe, schlägt sich mit der Rechten auf den Hinteren 
and schreit: „Na ti ovol Da hast bu biesi" Man nennt diese 
schöne Art; ,,Pokasati prkno, den After zeigen." Aus Hass sagt 
man fast wie aus Liebe — nur der Toji nmcht ded Unterschied: 
„Osch pitschke? Möchtest du nicht die Pitschka haben?" Krauss 
erzählt in seinem Buche über die Zeugung bei den Südslavcn 
I 201 eine Anekdote •„vx)n Einem, der seine Frau zur Sti-afe" 
begattet. Für den Ausdruck des Götz von Berlichingen ge- 
lirauchen die Südslaren folgende Varianten: „Fahr in den Zumpt, 
ajd u Kurac!'' Oder: „Dir den Zumpt!" Oder man zieht die Hose 
herauf oder herunter und zeigt dem Verachteten das Glied! 
Eine anaere Wendung: „Per.ls mens tibi in anum introiat!" 
ist nichts weiter als ein Ausruf der Verwunderung. 

Diese Ausrufe sind daix Südslaven unentbehrlich. Wollen 
die Leute aber höflich sein und die anstössigsten Origiualworte 
vermeiden, so verstümmeln sie sie ein wenig, sagen statt jcbeni 
ti: jerem ti, statt Kurac für das männliche Glied: Kudrac. 

Statt der direkten AuSorderung, wie sie Götz von Ber- 
lichingen gebraucht, sagt man: „Schreib mich in anum!*' . . . 
Dem Niesenden ruft man statt „zur Gesundheit" freimdlich zu: 
„Die Nase fahre in anuml" Eine Abweisung im Aerger geschieht 
statt mit den Worten: Lass mich in Frieden! mit diesem Aus- 
druck: „Fahr' in anum". Statt: es ist mir ganz egal, sagt mau: 
„Mein auus ist finster". Einem Dummen ruft man zu: „Sclbsi 
mein penis hat einen Kopf." 



36. Menstruation. 



Beginn und Ende der Periode. — Aus Persien. — Frühe Reife. — Fördernde 
Mittel. — Hinderade Mittel. — Svrisches, — Serbiscjies. — Eine mosleioisciie 
Tradition. — Die Schädlichkeit der Menstruieionden fär dio Mitmenschen. — 
Ethnographische Parallelen. — Biblische Reiainiscenzen. — iieiuijsjuugs- 
bäder. — Unreinigkeit der Menstruierenden. — Der Be^fiiff des Tabu. — 
Gute und böse Eigenschaften der Menstruierenden nn,ch Plinius. — Aber- 
gläubische Andichten der Syrer. — Bei den Juden Paläitinas. — Euro- 
päische Seltsamkeiten. — Meustruaiblut als Medikament uad Liebeszanbor- 
uitttel. — Vergleiche zwiechcu Tieren und Meuschen. — Menstruation und 
Coitus. — Ordnung des Zcndavosfca. — Bibiische Rege'.n. — Vnr- 
ächriften des Korans. 

Im Orient beginnt »lie Menstruation meist uiu das dreizehnte 
Lebensjalu- und endet meist mit dem dreissigbten. Die Orientalin 
altert rascb. Mit 35 Jahren ist sie schon eine Matrone. 

Aus Persien erzählt Polak: Dio „Scherifen'' — weibliche 
„Seiden", Abkömmlinge des Propheten, also arabischen Ur- 
sprungs — menstruieren und g'ebären länger als Voilblnt- 
Perserinnen, was jedoch dort nicht dem Kasseuunterschied zu- 
geschrieben, sondern, als Mirakel ausg-ele^-t wird. Die Fraueri im 
Orient kontrollieren ihre Meiistren weit leichter als die Frauen 
in Europa, weil jene nach dem dort gebräuchlichen Kalender 
des Mondmonats zählen, sodass sie genau den Mond-^Ta«: ihrer 
Menstruation kennen. Dasselbe gilt auch von der Berechnung des 
Tages der Geburt, welche sich genau mit dem Tage der zelinten 
Mensti'uationsepoche einstellt. 

Gesetzlich soll das Mädchen im Orient erst nach erlangter 
Yöller Pul>ertät heiraten, „mit sich eiustelJeuder Menstiiiation 
und wenn Schaüi- und Achsolhaaie zu keijnea beginneu", ähnlich 



— 144 — 

der mosaischen Vorschrift; doch hält man sich — wie Polak 
aus Persien berichtet, und das gilt auch für den übrigen Orient — 
in der ärmeren Klasse nicht streng an dieses Gresetz; man sucht 
sein Kapital so schnell wie möglich zu verwerten, und der 
Dispens von einem Mulla ist leicht erkauft. Es heiraten Mädchen 
mit noch unentwickelter Menstruation und ganz platter Brust, 
jedoch entwickelt sich beides in der Ehe rasch. Dr. Polak er- 
zählt, dass in Persien Fälle von Schwangerschaft vorkommen, 
ehe noch die Menstruation sich eingestellt hat. Letztere beginnt 
im nördlichen Persien erst gegen das dreizehnte Jahr, im süd- 
lichen jedoch schon gegen das neunte oaer zehnte Jahr; in letz- 
terem Alter auch bei Judenmädchen, welche trotz ihrer schein- 
baren Anämie, infolge der gedrückten Lebensverhältnisse, früher 
menstruiert werden. 

In Schiraz sah Polak. Frauen von zwölf Mondjahren, welche 
bereits Mütter waren, während in Teheran selten eine Frau vor 
dem dreizehnten Jahre gebiert. Oft sind Weiber von 30 Jahren 
schon Qrossmütt.er; Töchter und Mütter kommen zugleich nieder. 
Dagegen hört, die Menstruation durchschnittlich schon gegen das 
zwei- bis fünfuuddreissigsto Lebensjahr und damit auch die 
facultas gonerandi auf, zu welcher Zeit demnach die Involu- 
tionsperiode beginnt. 

Die Wurzel des Alizari — Rubia tinctorum — gilt bei 
einige a nomadisierenden Stämmen ^^r asiatischen Türkei als 
ein die Mensiraation hervorrufendes- Mittel, das bei denselben 
Stämmen auch im Wochenbette angewendet wird, um stocken- 
den Wochenbettfluss wiederherzusteilei^. In Konstantinopel — 
erzählt Rigler — glauben die einheimischen Aerzte und die 
PYaueu, dass man einer Frau, wenn man ihr am Arm zur Ader 
iässt, dies auch sogleich am Fusse thun müsse ; sonst werde das 
Blut nach oben gezogen und die Periode müsse ausbleiben. 
Wenn eine moslemische Frau in Syrien sich auf ein Pferd 
setzen muss, während sie sich im Zustande der Menatruation be- 
findet, so legt sie — wie Eijub Abela berichtet — erst unter 
den Sattel, auf den blossen Rücken des Pferdes, etwas Erde; 
dann schadet ihr das Reiten nicht. 

Wenn eine Serbin die Regelmässigkcit der Menstruation 
verhindern, „die weibliche Blüte" zerstören will, so braucht sie 
sich blos beim Eintritt der Periode zu waschen und mit dem 



— 145 — 

Abwaschwasser eine rote Rose zu begiesscn. Eine mosleniiscJio 
Tradition^ die auf den Propheten Mohammed zuiUckführt, gestattet 
der Frau, sich der Medikamente zu hedienen, um ihre Regel zu 
onterdrücken, aber unter der Bedingung:, daas diese Medikamente 
ihr nicht schaden und ihr Gatte dem zuHtimmt. 

Der Glaub© »n die Schädlichkeit der Menstruierenden ist 
in der g^anzen Welt verbreitet. Ich habe Beispiele hierfür ge- 
legentlich der Schilderung der kaukasischen Frauen in meinem 
Bache „Zwischen Kaspi und Pontus ' beigebracht. Hier will ich 
noch einige femerliegende erwähnen: Bei den Negern in Suri- 
nam niuss die Frau während ihrer Periode einsam leben; es 
gilt als gefährlich für Mann und Weib, sich ihr zu nahem; und 
wenn sie jemanden von ferne kommen sieht, ruft sie selbst 
besorgt: Mi kay, roi kay, ich bin unrein, ich bin unrein!. . 
Bei den Schwarzen von Issing — einzahlt Trusen - - ist in jedem 
Orte, etwa hnndert Schritt« von ihm entfernt, ein besonderes Ge- 
binde, das Bnmamon gcnaunt wird und dazu bestimmt ist, die 
Kranen während der monatlichen Keiuignng aufzanehmen. Die 
Frauen des Königreiches Angora tragen, so lange ihre Monata 
zeit dauert, eine Bimle um ihr Haupt. Bei den Hottentotten, 
auf Ceylon nnd bei den Kalmücken kann man die gleiche Ab- 
soilderang beobachten. 

In Elngland sagt eui von Ellis zitiertes Wort: „Bin Unhold 
bist du, roenstmirend' Weib — ein jeder hilf sich streng vor 
deinem Leib!" 

Die talmudischen Gesetze verpflichteten die Israelitinnen, 
nach überstandener Menstruation — gleichwie nadi dem Wochen- 
bett — in Qnellwasser zu baden, welches die Erde noch nicht 
verlassen hat, also in Flüssen, als den Fortsetzungen der Quellen, 
oder in Quellen, die in Kellern, ge^vöhnlich in Synagogenkeliern, 
sich befinden. Quell- und Flusswasser in Badewannen hat die 
Erde verlassen und ist untauglich. Auch den moslemischen 
Frauen ist das Bad nach Absolviemng der Menstruation oder 
des Wochenbettes vorgeschrieben. 

Die Menstroierende gilt also als „unrein'*. Sie darf daher 
keinen geweihten Ort betreten, hei den Moslems nicht die Mo- 
iichdeni bei den Christen nicht die Kirchen, bei den Juden nicht 

Synagogen besuchen. 

Stortt, MhdUsln, \bergI<iubo a. Ocsohteohttlobvn In d«r Ttlrlmi. U. 10 



— 146 -^ 

Zu (lieser Bxage der .,Unreinliclik?it" bemerkt Dr, Havelock 
Ellis in seinem Bache über Geschlechtstrieb und SchaxDgef ühl : 
In friüien KultTirperioden wurde riie Menstruation als eiji Prozess 
der Reinigung aaigeseben, als eine gefahrbringende Abscheidung 
verdorbener Flüssigkeit^ daher von den Griechen Katharsis ge- 
genannt; daher auch das mittelalterliche urteil des Boethius 
über die Frauen : Malier speciosa templum aedificatum super 
cloacam . . . Bei den späteren Juden „besudelten" die heiligen 
Bächer die Hände der Leser ebenso wie dic Berührung eines 
unreinen Gegenstandes. Bei den Syrern, erzählt Lucian, wurde 
die Taube füi* so heilig gehalten, dass, wer sie beriihito, foi- 
einen Tag als unrein galt. Unrein soll dcniuach richtig; heilig 
heissen. Das geht so weit, dass bei den: hei<:lnischen Semiten 
unreine Tiere heilige Tiere waren: Ein im religiösen Sinne 
Unreiner — niggis — bringt, nach arabischem Glauben der Per- 
son Unglück, die zuerst am Morgen von ihm begrüsst wiid, und 
der Znstand eines Kranken verschlimmert sich, wenn er «ich 
diesem, naht 

Wellliauseu sagt in seinem Werke über ßeste arabischen 
Heidentums: bei den alten Araber u bedeutete rein: unheilig und 
erlaubt; unrein: heilig und verboten. Jastrow sagt dasselbe von 
den babyionischen" Semiten. VVellhauseo betont jedoch, d?^s in 
prä-islamitischen Zeiten die Bezeichnungen nur auf die Frauen, 
die sich in oder ausser der Monstrualperiode befanden, ange- 
wendet wurden , . . Frazer wies darauf hin, dass die Auffassun- 
gen über Heiligkeit und Unreinheit noch nicht differenziert seien, 
so dass Frauen im Kindbette und während der Menstruation auf 
derselben jStnfe stehen wie göttliche Könige, Oberhäupter und 
Priester, und sich denselben Regeln der zeremoniellen Reinheit 
zu unterwerfen haben. Solche Personen von der übrigen Weslt 
abzuschliessen, daniit die gefürchtete geisterhafte Gefahr sie nicht 
erreicht oder von ihnen ausgeht, ist der Zweck des „Tabu" , . . 
Nach alledem, meint Ellis. darf also das Weib nicht betrachtet 
werden als durch die Menstruation in einen Zustand dei i j- 
niedrigung und Unreinheit — in unserem Sinne — versetzt, 
sondern — nach der ursprünglichen Auffassung — als ein V/esen, 
das in hohe Regionen übematfirücher Mächte emporgehoben wird. 

Pliniiis zälilt in seiner Naturgeschidite — VH 13 und 
XXVITJ 23 - lange Reihen der verschiedenen guten und böse 



— 14V — 

Eigenschaften der McnstTnierenden auf: Ha'^elstürme, soj>-ar 
Wirbelwinde and Blitze verjaürt oiae Frau, wenn sie üiren 
Körper während der Menstruation entblösst. Das Gleiche erfolüft 
bei allen anderen Arten von Wetter und Sturm. Auf dem Meere 
kann ein Sturm dadurch beruhigt werden, dass ein Weib den 
Köri)er entblüsst, auch wenn es zur Zeit nicht menstruiert . . . 
Wenn ein Weib während d^r Menstruation nackt um ein Weizen- 
feld herumf^eht, fallen die Raupea, Kilfer und anderen Insekten 
von den Kornähren ab . . . 

Aber auch zu anderen Zeiten, wenn sie nicht im Zustande 
der Menstruation sich befinden, können die Weiber — w.Hi'linius 
anführt — die Obstgärten vor Raupen schützen, wenn sie in 
den Gärten nackt herumgehen. Pünius berichtet ferner, dass 
namentlich die Kappadocier die Kanthariden dujTh nienstruiercndo 
Fröuen, die durch die Aecker schritten, zu vertilgen glaubten; 
doch musste dies Mittel vor Sonnenauf g:an;? erprobt werden, da 
sonst auch die Saal verdorben wurde. — — 

Mit sanitären, ä.sthetischen und religiösen Rücköicliten geht 
der Aberglaube Hand in Hand. Der Syrer Eijub Abela erzählt, 
in seiner Heimat meine man: Wenn eine Menstruierende sich 
an das Bett einer Wöchnerin setzt, so ist zu befürchten, dass 
das neugeborene Kind eine „Milchkniste" bekomme. 

Die Juden in Palästina sagen: In das Zimmer einer Kranken 
soll man keine lebendigen Tiere und keine menstruierenden. 
Frauen hineinlassen. Ein syrischer Aberglaube verbietet Men- 
strniereoden das Einsalzen oder Eüimachen von Speisen, da sich 
nichts halten kann, was Frauen thiin, die sich in solchem 
Zustande befinden. Hammer-PürgstaU hat bereits in seiner Ge- 
schichte der persischen Redekünste au einer Stelle bemerkt, dass 
der Glaube an schädlichen Einddss der Menstruierenden auf Back- 
werke und Speisen im Orient ziemlich allgemein verbreitet sei. 
PUüins VII 13 spricht gleichfalls von dem verderljHcben Einüosse 
der Frau, wenn sie eine Menstruierende ist, auf Pflanzen, 
Früchte und Bienenstöcke. Sie veruichtet die Lebenskraft, bringt 
Blumen süum Welken, lässt Früchte von den Zweigen fallen, 
nimmt dem Kom die erzeugende Kraft, tütet Pfropt"r(?isor, Aber 
auch in Europa ist dieser Glaube verbreitet. In <ien gro.sseü 
Zackerraöinerien Nordfrauki-eichs — so berichtet Ellis nach 
Laurent — ist es streng vei boten, dass eine Frau die Fabrik 



— 148 — 

l)etritt, während der Zucker kocht oder abkühlt, da sonst der 
Zucker schwarz werden würde. Aus demselben Gininde Avird 
keine Frau bei der OpiunigewinnuDg in Saig-on angestellt: das 
Opium würde sich verändern und bitter werden. 

EUis erzählt: 1878 wandte sich ein Mitg-lied der British 
Medical Association an das Medical Journal mit der Anfrage, 
ob es wahr sei, dass Schinken, die von einer Frau während ihrer 
Menstrualperiode eingesaizen werden, verdürben; er wisse, dass 
dies schon mehrmals vorgekommen sei. Ein anderer antwortete: 
Es bestehe kein Zweifel, dass Fleisch verderbe, wenn es von 
einer Frau während ihrer Periode eingesalzen werde; die That- 
sache könne er mit Bestimmtheit bestätigen . . . 

Dass die Wirkung der Menstruierenden auch eine gute sei, 
hat uns schon Plinius erzählt. Nach einem Ausspruche Aelians 
ist das Weib in der Menstrualperiode in regelrechter Ver- 
bindung mit den Steraen weiten. Das Menstrualbiut wird viel- 
fach als Medikament und T.iebeszaubermittol gebraucht. 

Der Ursprung der geheimen Kräfte, die dem weiblichen 
Organismus zugeschrieben werden, liegt — wie es bei Ellis 
nach Dürkheim heisst — in den primitiven Begriffen über das 
Blut; nicht blos das Mcnstruaiblut. Jede Art von Blut ist bei 
wilden und ])arbarischen A'Olkern der Gegenstand ähnlicher Ge- 
fühle. Alle möglichen Vorsieh t«massvegeln müssen in Bezug auf 
das Blut beobachtet werden. In ihm wohnt ein göttliches 
Prinzip, oder — wie die Röriier, Juden und Araber glaubten: 
das Leben selbst. Durchweg ist Blut „tabu": es heiligt alles, 
was mit ihm in Berührung kommt. Nun ist das Weib chronisch 
das Schauspiel der blutigen Manifestationen . . . 

Eine Sekte der Valentinier schrieb dem Menstrualblut die 
Tilgenden des Sakramentes zu und genoss davon ^ie vom Blute 
Christi. Menstrunlblu1 ist wertvoll als Liebestrank; das er- 
wähnte ich schon im ivapitel über Liebesuiittel. Aehnlich wird 
es im Kaniasutram, dem indischen Lehrbuche der Liebe, als „ein 
Trank, wirkend auf Potenz und lange Lebensdauer", empfohlen: 
„Erstes Menstrualblut mit Asparagus racemosus, xVsteracantha 
longifolia, Melasscüaft, Paste aus Piper longuui, Honig, Kuh- 
milch und Ziegenschmelzbutter." Ferner: „Erstes Menstrual- 
blut mit Asparagus racemosus, Asteracantha longifolia, Gmelina 
arboi'ta, mit vier Teilen Wasser gekocht bis zur rechten Kon- 



— 149 — 

sistcnz." — Plinius l:>erichtetc von den Kappadociem, dass raaii 
bei ihnen p-laubte, das Blut eines menstruierenden Mädchens 
TTiactie die Waffen siegreich, die Panzer uudurchdring-lich. Diese 
Ansicht hat sich bis heute in Deutschland erhalten. Denn in 
Bayern sagt man : Ein Kleidungsstück, mit jungfräulichem Mcn- 
Strualblut befieckt, ist ein Schutzmittel gegen Hieb und Stich 
und löscht Fenersbranst 

Im Mittelalter — bemerkt Strack — war Menstrualblut ein 
vielfach angewendetes Mittel gegen Lepra. Strack erwähnt auch 
Menstrualbhit als Liebeszaubermittel: In Deutschland, sagt er 
nuter Anführung von Beispieleu, verabreichen noch heute 
^lädchen ihren Geliebten Tropfen ihres MenstrUalblutes im Kaffee 
um sich dersa Liebe zu versichern — 

Ullis sagt: Es ist l)enierkenswGrt, dass bei Tieren die 
Brunstzeit die einzige Periode des geschlochtlichen Verkehres 
ist, wähn>nu bei den Menschenrassen gerade die Zeit der PerifKie 
die einzige ist, während der ein geschlechtlicher Veikobr, oft 
unter schvereu Strafen, sogar bei Todesstrafe, verboten war. 
Schon Ploss und Bartels lenkten die Aufmerksamkeit auf diesen 
■Pulikt. Sie erwähnen, dass im Mittelalter die Prediger ihre 
Hörer vor der Sünde der geschlechtlichen Vermis«huug während 
der Menstruation warnten. Eilis erklärt: das Verbot des ge- 
schlechtlichen Verkehrs während der Menstruation ist ein 
Fiiudamentalelement desßitus v/ilder Völkerschaften, ein Element, 
das nur deshalb universell ist, weil — was jetzt allgemein an- 
erkannt wird — die Gründe der menschlichen psychischen Ent- 
wickliuig überall dieselben sind. Auf psychischer Seite — meint 
Ellis weiter — sei das hauptsächlichste normale und ursprüng- 
lichste Charakteristikum des Menstrualzustandes die Anwesen- 
heit vorheiTschender geschleelitlicher Triebe . . . Ellis zitiert 
den alten Hiuduaizt Susruta, der behauptet hat: die Neigung, 
Männern nachzulaufen, sei eines der Zeichen der Menstruation 
(Schmidt, Beiträge zur indischen Erotik, p. 390.) Dagegen wird 
in einem arabischen Buche „der duftende Garten" gesagt: dass 
Frauen während der Menstruation eine Abneigung gegen den 
Geschlechtsverkehr haben. Hippokrates erteilte unfruchtbaren 
Frauen den Rat, ihren Ehemännern bei Beginn der Periode den 
Zutritt au ihrem Schosse zu gestatten. Im Altertume und Mittel- 



— 150 — 

alter bestand indessen der Glaube, der geschlechtliche Verkehr 
während der Meustruatioi) erzeige Mlssgebm-ten. 

Iva Zusammcnhaug mit der 1 tzterw ahnten Ansicht mag 
eine südslavische Meinung stehen. Kranss erzählt, man sage 
bei- den Stidslaven von einem nichtswürdigen Beamten: „seine 
Mutter hätte Ihn während der Periode empfangen und er wäre 
aus der Vagina auf einen Düngerhaufen gefallen." -^ Bei den 
Iraniern gilt — so erwähnen Bloss nnd Bartels — die Menstrua- 
tion als eine Schöpfung des bösen Geistes. Nach dem Avesta 
werden die Weiber auf einen besonderen Platz verwiesen und. 
dort abgeschlossen. Pflegen sie während dieser Zeit Umgang 
mit einem Mann, so erhalten sie das erste Mal 30, daiin 50 
Siemenstreiche. Für den Mann gibt es iiacli Zoroaster gai* keine 
Sühne. Er mnss bis znr Auferstehung der Toten in der Hölle 
büssen. Hatte der Mann mit seiner eigenen menstruierenden 
Frau den CoitQs vollzogen, so wurde er unrein und bekam 200 
Eiemcnstreiche oder musste 200 Thaler zahlen. 

Nach den mosaischen Gesetzen wurden beide Individuen 
verbannt, wenn ein Mann eine Menstruierende beschlafen hatte. 
Das 3. Buch Moses XV 19—24 enthält folgende strenge Vor- 
schriften für die Menstruierende: „Wenn ein Weib flüssig wird,, 
indem sie ihres Leibes Bluttluss hat, so haftet an ihr die Un- 
reinigkcit 7 Taige lang, und joder, der sie berührt, wird unrein 
bis zum Abend. Und alles, worauf sie liegt wählend ihrer ün- 
reinlgkeit, wird uurein, und alles, w^oranf sie sitzt, wird unrein. 
Und jeder, der ihr Tiager berührt, muss seine Kleider waschen 
und sich baden und bleibt unrein bis zum Abend, Und jeder, 
der irgend ein Geräte berührt, auf dem sie sass, mus« seine 
Kleider waschen und sich baden und bleibt unrein bis zum 
Abend. Und wenn er etwas berührt, was sich au! dem Lager 
oder auf dem Geräte befindet, auf dem sie sitzt, so wird er 
unrein bis zum Abend. Und wenn einer bei ihr liegen sollte 
und von ihrer Unreinigkeit an ihn kommt, so bleibt er 7 T^ge 
lang unrein, und alle? Lager, auf dem er liegt., wird unrein" . . . 
An einer anderen Stelle beisst es gar: „. . . Derjenige, der 
bei einem Weibe zur Zeit der monatlichen Krankheit liegt und 
ihre Scham cntblössi, ihren Brunnen aufgedeckt hat, und sie, so 
den Brunneu ihr^s Blutes entblösst bat — sie sollen mitten aus 
ihrem Volke hinweggefegt werden.** 



— 151 — 

Der Koran ist nicht so streng:, wie das Alte Testament, 
obwohl er den geschlechtlichen Verkehr in der Zeit der Men- 
struation Terurteilt. In der Ü. Snrfe heisgt es : „Auch über die 
monatliche Reinigfung der Frauen werden sie dich befragen. 
Sage ihnen : Dies ist ein -Schaden, darum sondert euch während 
der monatlichen Reinigung von den Frauen ab, kommt ihnen 
nicht zu nahe, bis sie sich gereinigt haben. So sie sich aber 
gereinigt, möget ihr nach Vorschrift Gottes zu ihnen kommen; 
denn Gott liebt die Frommen und Reinen." Die moslemischen 
Gelehrten haben diese Koranstelle häufig kommentiert. 

Im Sidi Khebit, einem älteren Gesetzbuche der Mohamme- 
daner, hoisst es: „Wer mit der Absicht, seine Wollust zu be- 
friedigen, seine menstruierende Frau besucht, der verliert seine 
Kraft und geistige Ruhe.** 

Der moderne osmanische Verfasser eines Buches über die 
Geheimnisse der Liebe, Omer Haleby, sagt in dieser Beziehung: 
„Mohammed befahl uns, immer das Gegenteil von dem zu thun, 
was die Juden thuji, ausgenommen das, was die fleischliche 
Vermischung betrifft." 



37. Schamgefühl und Keuschheit. 



Der erste Arzt in eiuem moslemischea Hareiii. - Moderne Sitten. -- 
Dr. Spitzer im Harem des Sultans Abdul Medschid. — Aerztlirhe Besuche 
in Harems von Privatleuten. — Seltsame Fragen an den Arzt. - Konsul- 
tationen per procuram. — Persisclie Sitten. — Entstehung des bcliam- 
gefükls. — Kleidung und Sohamgefülil. — Bibel und ICoran — Verschleierung 
des Gesichts. — Zur Geschichte der Verschleierung. - Gesicht und regio 
aacropnbica. — Entblössung der Schamtcile. — Vorschriften des Korans. — 
Nacktheit und Keuschheit. -- Religiöser und abergläubischer 
Ursprung des Schamgefühls. 

Das Familiecieben in der Türkei ist noch heute häufig ein 
Mysterium für fremde Angen. Selbst die Christen und Juden 
lassen ihre Häuslichkeil nicht gern erforschen. 

Am schwierigsten ist es naturgemäss, einen Einblick in das 
intime Leben der moslemischen Frau zu gewinnen. Der erste 
nichtmoslemische Arzt, der ein Harem betrat, war der Christ 
Dschordschis Ben Bachtjeschuu, Arzt des Spitals von Dschon- 
dschabur in Persien. Nach einem auf der Wiener Hofbibiiothek 
befindlichen Manuscripte des arabischen Arztes und Biographen 
der Aerztc Ihn Ossaibije berichtet Hammer-Purgstall in seiner 
Geschichte der arabischen Literatur unter 1180 folgendes: 
Dschordschis Ben Bachtjeschuu, mit dem Vornamen Ebu Bach- 
tjoschuu, Arzt von Dschondschabur, Verfasser des Kenasch 
oder Buches der Pandekten, gestorben um das Jahr 154 der 
moslemischen oder 771 der cJiristlichen Z:.'treclmung. Als der 
Kalif Manssur im Jahre 148-=--7ß5 die Stadt Bagdad erbaute, 
ward er von Magenweh und ünfähigkeii des Zeuguugs Vermögens 
befalleii. Alan riet ihm, Dschordschis, den geschicktesten Ai'zt 
seiner Zeit, den Direktor dos Spitals und der Mcdizinschulo von 
Dschondschabur, zu berufen. Dschordschis kam und nahm mit 



— 15 B — 

sich seine Schüler Ibrahim und Isa ben Schehla. Der Kalif 
sprach mit IJschordschis persisch uud aral}isch und bewunderte 
des Arztes Geist und Ruhe, liess ihm ein schönes Ehrenkleid 
auxieben and befahl dem Kämmerer Rebii, dem Arzt«^ Wohnung 
im schönsten Teile der Stadt anzuweisen. Dschordsclus heilte 
den Kalifen zu ilessen grosser Freude. Manssur bewies seine 
Dankbarkeit, indem er dem Arzte 3000 Dukaten und 3 schöne 
i^klavinneu sandte; als diese Geschenke kamen, war Dschordschis 
nicht zu Hause und sein fSchüler Isa ben Schchia nahm sie ent- 
g-eg"en Dschordschis, der sein altes Weib zu Dschondschabur 
gelassei. liatte, weil sip nicht imstande g-ewesen war, der Reise 
Beschwerliclikeiteu zu ertragen, schalt den Jüng-er dafür aus, 
dass er die Sklavinnen angenommen hatte; er stoJlte sie dera 
Kalifen sofort zurück mit den Worten: „Ich darf als Christ 
keine andere Frau als die meine berühren." Von diesem Augen- 
blicke an erhielt Dschordschis freien Eintritt ins Harem des 
Kalifen Manssur. — 

In neuerer Zeit wai" es dem Dr. Sigmund Spitzer, Leibarzte 
des Sultans Abdid Medschid, auf des letzteren eigenen Wunsch 
vergönnt, ein kaiserliches Harem zu betreten. Er berichtete 
darüber in seinem Tagebuche ausführlich, .und diost? Schilderung 
vordient ais ein merkwürdiges Dokument hier mitgeteilt zu 
werden: „Freitag, den 11. August 1845, traf ich den Sultan 
in sichtbarer Aufregung. Hierüber von mir befragt, bcFucrkte 
er mit gerührter Stimme: „Ich sprach dir neulich schon von 
der Krankheit meiner dritten Gemahlin. Sie sowohl,, als ihr 
Kind beiinden sich sehr übel. Das letztere, Reschad-Efendi 
(gegenwärtig Thronfolger nach Abdul Hamid IL), ist unrettbar 
verloren. Aber auch für die Erhaltnng der -Mutter gibt man 
wenig Hoffnung. Merjem Hatun (die Armenierin Maria Dudu) 
und ein durch sie empfohlener Arzt namens S. behandeln sie 
seit mehreren Monaten fi'uchtlos. Doch will ich nichts unver- 
sucht lassen und wünsche durchaus, dass du sie sehest. Denn 
wisse, diese Frau ist das einzige weibliche Wesen, für das ich 
wahre Liebe empfunden. Mit ihr auferzogen, hing ich von 
Jugend an mit meinem ganzen Herzen an ihr. Hältst du Rettung 
noch für möglich, so wirst du ihre Behandlung übernehmen, 
gibt, es keine Hülfe, so bekenne es mir ohne Scheu. In diesem 
traurigen Falle wirst du, um die Kranke nicht zu erschrecken, 



— 154 — 

die bisher von den Aerzten ani^owendeten Kittel gniheissen und 
dich nicht weiter mit ihr befasv«!en. Vor allem verlange ich 
Wahrheit von dir." — Die Thränen traten ihm in die Augen, 
als er die letzten Worte sprach. 

Er liess nun den Eunuchen den Befehl erteilen, die Harems- 
pforte zu öffnen und führte mich mittlerweile in den Vorsaal 
hinaus, in welchem er bis zum Erscheinen der Schwarzen in 
nngediüdiger Hast mit mir auf und ab ging. Endlich hatten 
diese die Thüren geöffnet, die, nachdem vrfr sie überschritten, 
wieder geschlossen wurden. Wir befanden uns in einem Korri- 
dor, den vor mir wahrscheinlich ein Fremder nie betreten haben 
dürfte. Denn selbst jene Frauen und Aerzte, die bisher in das 
Harem gekommen sind, w'aren gewiss nicht in der Lage, vom 
Selamlik eingeführt zu werden. Um diesen Korridor, der oft- 
mals in Winkeln gebrochen ist, zu durchwandern, brauchten wir 
etwa zehn Minuten. Die zwei Eunuchen schritten voran, nach 
ihnen kam der Sultan, und ich folgte in einiger Entfernung mit 
gesenkten Blicken. So oft wir zu einer Ecke kamen, rief mir 
der Sultan lächelnd zu: „Restez!" Ich blieb demnach stehen, 
damit unverschleierte Frauen, die sich ebenfalls auf unserem 
Wege befinden mochten, und deren verworrene Stimmen sammt 
dem Rauschen von Kleidern und dem Getöse hastig zuge- 
schlagener Thüren in der That hie und da an mein Ohr drangen, 
zuruckgescheucht würden. Ich setzte mich erst in Bewegung, 
wenn der Sultan, den trotz seiner inneren Bewegung die Neu- 
heit des Vorgangs zu ergötzen schien, mich durch das Kommando- 
wort: „Avancez!" dazu ermächtigte. So erreichten wir eine am 
Ende des Korridors befindliche zweite Pforte, an welcher der 
Kislar-Aga — Harems- Vorstand — den Sultan empfing, indem 
er mich zugleich mit grossen Augen ansah. 

Wir traten in den Vorsaal, wo wir eine Weile warteten, 
bis die Nachricht von unserem Erscheinen im Inneren des Harems 
genügend verbreitet war. Dann gingen wir weiter: voran der 
Sultan und ich hinter ihm her, der meine Blicke streng be- 
wachende Kislar-Aga mir zur Seit«. Durch ein prachtvolles 
Kabinet mit reich vergoldeten Wänden gelangten wir in einen 
grossartigen, wahrhaft kaiserlichen Saal, der sein Licht von oben 
erhält, und dessen Decke von zwei Reihen grandioser Marmor- 
säulen getragen wird. An den beiden Längsseiten bis an das 



— 165 — 

Ende des Saales sah ich eine Folge von Thüren, die, mit 
schweren, rotCD Vorhängen bedeckt, den Anblick dieser Räum- 
liclikeit noch malerischer machton. Jede dieser Thüren führt in 
ein Appartement. Das erste linket Hand isJ; jenes der Snltanin 
Mutter; nach diesem kommen die Gemächci der legitimen Ge- 
mahlinnen und dann die dei übrigen Odalisken. Der Sultan 
näherte sich der vierten dieser Thüren und hob den Vorhang, 
hinter welchem sich jedoch nicht unmittelbar die Gemächci, 
sondern ein von diesen durch einen zweiten Vorhang getrennter 
kleiner Gang befindet. 

Beim ersten Schritte, den ich, dem Sultan folgend, in diesem 
Gange machen wollte, packte mich der Kislar-Aga beim Arme, 
sodass jener, sich umsehend, ihm mich loszulassen bedeutete. 
Gerade in diesem Augenblicke ging auch zufällig ein unver- 
schleiertes junges Mädchen im Saale vorüber, dem mein Begleiter 
grimmige Blicke zuwarf. Der Sultan war indessen in das Ge- 
mach getreten und winkte mir, desgleichen zu thun. In der 
Mitte der einen Wand des reich geschmückten Zimmers — das 
näher zu lietrachten mir natürlich die Müsse fehlte — sah ich 
ein mit den feinsten Lahore-Shawlen überhängtes Ruhebett, und 
auf diesem lag unter Decken von gleichem Stoffe die kranke 
Sultanin, das Gtesicht mit einem ähnlichen Shawl verhüllt Der 
Sultan näherte sich ihr und fragte mit zärtlichem Tone: „Wie 
geht es Ebnen, Efendim?'* — „Iah fühle mich wohl, Efendimüs," 
antwortete eine sanfte, wunderiiebliche Stimme. — „Hier ist mein 
Arzt," versetzte der Sultan, „mit dem ich selbst überaus zu- 
friodeu bin, ich wüiische, dass er auch Sic behandele." — „Sie 
haben zu befehlen," erwiderte die Kranke. Der Sultan ersuchte 
sie nun, mich ihren Puls fühlen zu lassen, worauf sie mir eine 
zarte, schön geformte, aber ganz abgemagerte Hand entgegen- 
streckte, die allerdings auf ein zehrendes Leiden zu deuten schien. 
Der Sultan fragte mich sodann, ob ich nicht auch ihre Znnge 
zn besichtigen wünsche. Auf meine l)ejaheude Antwort schlug 
er selbst den Shawl, der ihren Kopf bedeckte, zurück, und ich 
sah vor mir den schönsten weiblichen Kopf, den ich in meinem 
Leben gesehen, und der duj-ch den leidenden Ausdruck, die faiile 
Gesichtsfarbe imd die infolge der Krankheit gleichsam verklärten 
Augen nur noch anziehender erschien. Nachdem ich das Er- 



— 156 — 

forderüche gethaii; brachte der Sultan den Shav^l in seine vorige 
Lage. 

Mittlerweile war die bekannte Merjein Hatuu in das Zimmer 
getreteiij und es entspann sich zwischen ihr und mir ein sehr 
lebhaftes, langes Gespräch, in welchem sie mir über den Zustand 
der Sultaniu Aufschlüsse zu geben trachtete. Während tlesseiljen 
bemerkte ich, dass der Thiu-vorhang von aussen ganz leise auf- 
gehoben wurde, bis endlich durch den so gebildeten kleinen 
Spalt eine Stimme der armenischen Doktorin zurief: „Du weisst 
die Sachen nicht recht zu erklären. Der Arzt soll dann zu mir 
kommen." Es war, wie ich alsbald erfahr, die Sultanin-Walide. 
Denn nachdem wir das Zimmer der Kranken verlassen, führte 
uns der Sultan zu jenem seiner Mutter, ohne cfe jedoch selbst 
zu betreten. Dui:cb den Vorhang getrennt, besprachen wir uns 
noch ausführlich mit ihr und lebhaft über alles, ^^'as sich auf 
den Zustand der Krauken bezog, wol^ei Merjem Hatun mit 
grösster Ungezwungenheit gegen die Ansicht der V7alide den 
Eintritt einer wirklichen Besserung infolge der von S. einjs^e- 
leiteten Behandlung verfocht. Der Sultan führte mich hierauf 
aus dem grossen Saale in das oben crvv^äLintc ivleinere Gemach 
zurück, wo er mich hastig um meine Meinung fragte. Da ich 
nun, was imToer meine Ansicht sein mochte, die Yerautwortlich- 
keit der Behandlung nicht allein übernehmen konnte, so erklitrte 
ich dem Sultan, dass m<dne ärztliche Prüfung zwar. Dank seiner 
persönlichen Gegenwart, vollständiger gewesen sei, als es souat 
die Etiquette erlaubt hätte, dass ich aber doch nicht im stände 
sei, allsogleich ein Urteil abzugeben, und dass mir eine Konsid- 
tation mit den bisher behandelnden Aerzten nötig scheine.'' — 

Später ei*zählt Dr. Spitzer „Als ich gestern, am 16. Sep- 
tem her 184Ö, in Beglerbei, bevor ich zum Sultan vorgelassen 
wurde, mit Hamid Eey, dem ersten Kämmerling, zusammenkacj, 
kündigte mir dieser an, dass ich wieder einen Auftrag für den 
Haxem erhalten würde, und riet mir zugleich, diesmal meinen 
Widerwillen gegen derlei Besuche nicht laut werden zu hissen. 
So vorbereitet tivd ich beim GrossheiTu ein, welcher sogleich 
den Gegenstand berührte. — „Ich weiss," sagte er, .jdass du 
nlcfiit gern derlei Auftiäge erhält'^t. Du fürchtest, in deinem 
Benehmen gegen die Etiquetie zu Verstössen: auch glaubst du, 
dass mit den Frauen nicht viel auszurichten sei, und besorgst, 



— 157 — 

dass ich dir, wenn deine Behandlung" nicht den erwünschten 
Erfolg bat böse sein werde. Hierüber kannst du vollkoinineQ 
ruhig sein. Ich habe dir einmal mein Vertrauen g-cschonkt 
und weiss, dass deine Medikamente wenigstens niemals schaden 
können. Gibt der Himmel seinen Seg-en, so führen sie zur 
Heilung-. Was aber deine übrigen BesorgnisF betrifft, so sind 
sie besonders in dem gegenwärtig-eu Falle ganz unbegründet 
Denn ich will dich nicht zu einer der jüngeren Frauen, sondern 
zu meiner Mutter führen, die eine sehr ruhige, verständige 
Matrone ist, und bei der du in der Ausübung deiner Kunst 
auf keinerlei Vorurteile und Hindernisse stossen wirst. Schon 
seit einiger Zeit ist ihre Gesundheit angegriffen, und neulicli 
fühlte sie sich so unwohl, dass sie — und ich mit ibr — 
bitterlich wöinte." -- Die Thränen standen ihm in den Augen, 
als er die letzten Worte sprach. — Er entfernte sich nun durch 
die Eingangsthür des Harems, kam aber bald mit der Nachricht 
zurück , dass die Sultanin - Mutter eine Spazierfahrt nach 
Tschiragan unternommen habe. Er befahl mir daher, mich dort- 
hin zu begeben, und wies mir einen Eunuchen als Bogleiter 
zu, den er beauftragte, mich dei* Sultanin als seinen Arzt vor- 
zustellen und sie in seinem Namen zu bitten, dass sie sich von 
mir behandeln lasse und nötigenfalls meiner Schüchternheit zu 
Hülfe komme. 

Im Hofe von Tschiragan angelangt, sah ich in der Ferne 
einen Lehnstuhl, auf welchem eine in Schleier und Mantel ge- 
hüllte Dame sass. Es war die Sultanin Mutter, welcher ich 
mich, meinem schwarzen Gefährten folgend, ehrerbietig näherte. 
Nachdem dieser ihr die Botschaft des Sultans ausgerichtet, 
empfing sie nüch sehr freundlich und lud mich ein, mich nieder- 
zusetzen, wozu mir allerdings nur der Erdboden zu Gebote stand. 
Durch den halbdurchsichtigen Schleier sah ich einen Anflug von 
freudi|>-er Höte auf ihren Wangen, als ich ihr von der zarten 
Sorgfalt sprach, welche ihr erhabener Sohn in Betreff ihrer 
Gesundheit an den Tag gelegt hatte. Ruhig und unbefangen 
beantwortete sie hierauf meine ärztlichen Fragen, und nicht 
wenig licl mir die vollendete Sch(»nhclt ihrer feinen , blendend 
weissen Hand sowie die Regelnlässigkeit und Energie der Ge- 
sichtszüge dieser etwa 35 jährigen, noch sehr "<vohl erhaltenen 
Georgierin auf. Beim Weggehen entlicss sie mich überaus 



— lob — 

$',nä(iig, empfahl mir, die ihr nötigen Arzneien selbst zu bereiten 
and holte aus dem Sack ihres Peredsche — Mautel — eine mit 
Gold gefüllte Bönse, vi,^elche sie mir durch den oben erwähnten 
Eunuchen überrc leben Hess. 

Ich eilte {^odanu ium Sultan nach Beglcrbei zurück, um ihm 
über meinen Besuch Bericht zu erscatlen. h^dom er mir uoch- 
mals die sorgfältigste Behandlung seiccr Mutter ans Herz legte, 
sagte er mit rührendem Tone: „Es handelt .sich hier nicht um 
einjen Baum, der aufblühen und neue Früchte tragen soll, aber 
möge er wenigstens nicht verdorren!" Mit naiver GeralHlichkeit 
fragte er mich auch, ob ich nicht seiner Mutter dieselbe Arznei 
geben könnte, üie er unlängst — bei einer ganz anderen Un- 
pässlichkeit — mit dem besten Erfolge angewendet hatte. „War 
es also nötig äugstlich zu thun?" setzte er hinzu. ,.Die Europäer 
beurteilen noch immer unser Familianleben von eiuem falschen 
Gesichtspunkte aus. Sind wir denn nicht alle Menschen wie 
du? Hast du je etwas Unangenehmes von mir oder deu 
Meinigen erfahren? Sei unbefangen, wir haben Gelegenheit 
gehabt, uns gegenseitig kennen zu lernen. Dost olduk — whr 
sind Freunde geworden!" 

Im Allgemeinen spielt sich das Erscheinen des Arztes im 
Harem heute schablonenmässig in folgender Weise ab : Kommt 
der Arzt in das Harem, so verschwinden die Bewohnerinnen 
oder verhüllen sich schleunig. Ein Eunuche geht dem Arzte 
voraus und jagt die Frauen aus dem Wege. Der Arzt darf 
nicht nach rechts noch links schauen. Die Kranke findet er im 
Bette, welches auf dem Boden aufgemacht ist, oder auf der 
Ottomane, tief verschleiert, umgeben von der ganzen weiblichen 
Verwandtschaft und Dienerschaft Der Arzt liekommt vom Ge- 
sicht nur die Zunge zu sehen-, nur wenn er schon jahrelang im 
Harem bekannt ist, entschleiert die Patientin, falls es unbedingt 
nötig ist, ihr ga-nzes Antlitz: Betastung, Beschauung und Unter- 
suchung der übrigen Körperteile begegnen selten Hindernissen. 
Es kommt nur manchmal noch vor, das? die Kranke sich hinter 
einem Vorhang verbirgt und dem Arzte blos den Arm heraus- 
streckt, um den Puls fühlen zu lassen. Die häufigste Frage, 
w^ölche eine tftrki.sch(» Frau an den Doktor richtet, ist die: ob 
si'' schwanger sei odei- nicbt; im bejabendcn Falle: ob sie einen 
Knabe' i oder ein Mäüchou gebären werde? 



— löy ~ 

In den Provinzen, wo noch gar koino Emanzipation statt- 
gefunden hat und das Harem, auch dem Arzte nach wie vor 
verschlossen ist, gehen statt der weiblichen PatienteD deri'u. 
Männer, Brüder oder Söhne zu den Heilkundigen. Da sitzt ein 
Mann vor dem Arzte und klagt über Syj]ii»tonie emer KrankJieit, 
die eine Frau in gesegneten Umstand eu an sich gewalir wird. 
Der Arzt ist klug genug, die Schainhaftlgkeit der Weiber und 
die Eifersucht der Männer zu schonen »iid rät dem angeblich 
kranken Gaste das zu thun, was der wirklich kranken Frau 
daheim frommen k(hinte. Freilich ist eine solche Behandlung 
auf Entfernung selten von Erfolg begleitet. 

Früher war es in Persien deus Arzte, Vv'enn er zu einer 
kranken Frau gerufen wurde, nur gestattet, ihren Puls zu fühlen, 
■doch ist, nach P^laks Versicherung, die Zivilisation jetzt auch 
dort soweit vorgeschritten, dass der Arzt bei ernsterer Er- 
krankung eine allgemeine physikalische Untersuchung vorn<^hmen 
darf. Nur einmal verlangte ein Prinz von Dr. Polak, er solle 
den Zustand einer kranken Frau beurteilen, während sie, hinter 
einem Vorhang stehend, durch einen kleinen Ausschnitt in deni- 
selb^ ihre Hand her vorstreckte. Bürgersfi-aueu, ja selbst An- 
gesehenere besuchen allein den Arzt 

Das allerletzte jedoch, was die Orientalin dem Arzte zeigt, 
ist ihr Gresicht. Das Geeicht Lst der Brennpunkt des iveiblicheu 
Schamgefühls im Orient — eine merkwürdige Thatsache. die 
ich näher erläutern wilJ. 

Der Urzustand war die Nacktheit. I. Buch Moses II 25: 
„Und sie waren Beid(j nackt, der Mensch und sein Weib, und 
schämten sich nicht." Aber mit der Sünde wurde auch das 
Schamgefühl geboren; schon wenige Seiten weiter nach der Kon- 
statierung des Urzustandes der Nacktheit berichtet die Bibel, 
I. Buch Moses III 7: „Da waren Beider Aqgen aufgethan, und 
sie wurden gewahr, dass sie n^ckt .seien ... Da nahmen sie „Feigen- 
blätter und ni achton sich Schürzen." Die erste Tracht \\ar füi* 
Mann und Frau die gleiche; und sie blieb es noch, als Gott — 
im ietztgeniinnten Kapitel, Vers 21/ — ., dem' Menschen und seinem 
Weibe Röcke von Fell machte und sie iliuen anzog." Erst später 
wurde es für nötig befunden, dass Mann und Frar separate 
Kleidung haben müssteii. Im V. ]3uch Moses XXII 5 heisst es: 
„Ein Weib soll nicht ManntjKgeräf,e tragen, und ein Mann soll 



— 160 — 

nicht WeiberkJeider anziehen, rtenu jeder, der Solches thnt, 
ist Jehovah, deinem Gotte, ein Greuel." 

Bald galt dann Enthlössung als Schande nnd Strafe. Jesaja 
47, 2 — 3 sagt: „Du, Jungfrau, Tochter Babel, hebe die Schleppe 
aaf, entblösse den Schenkel, aufgedeckt werden soll deine Blosse, 
ja gesehen worden deine Schande." . . und. in Hosea II 12 
wird gedroht: „Ihre Scham soll enthüllt werden vor den Augen 
ihres Buhlen." 

In seiner Schrift über Reste arabischen Heidentums erwähnt 
Wellhausen zum Beweise des Schamgefühls, das schon bei den 
heidnischen Arabern herrschte, dass bei ihnen unzureichende 
Kleidung verboten war. Wenn bei ihnen Personen nackt auf- 
traten, so geschah es immer unter ganz besonderen Umständen 
und zu ganz bestimmten Zwecken Trauernde Frauen entblössten 
Gesicht und Busen und zerrissen ihre Kleider. Ebenso thaten 
Boten, die eine böse Nachricht brachton; Mütter, die auf ihre 
Söhne eine Pression ausüben wollten, legten ihre Gewänder ab; 
Männer, denen es verboten war, Rache zu nehmen, gaben ihrer 
Verzweiflung dadurch Ausdruck, dass sie sich die Kleider vom 
Leibe rissen oder ihr Gewand von hinten über den Kopf zogen. 

Als Mohammed den Koran offenbart hatte, kam bei den 
Arabern der Gebrauch auf, nackt um die Kaaba in Mekka herum- 
zugehen. Der Koran richtet« sich dagegen und befahl in der 
VII Sure ; „0 Kinder Adams, bedienet euch anständiger Kleider. 
Sprich: Wer hat denn die anständige Kleidung vor Gott ver- 
boten, die er ja für seine Diener geschaffen hat?" . . . 

Namentlich den Frauen wurde anbefohlen, dass sie beim 
Ausgehen ihr Uebergewand umwerfen sollen : „0 Propliet". lautet 
Vers 59 der XXXIII Sure: „sprich zu deinen Gattinnen und 
deinen Töchtern und den Weibern der Gläubigen, dass sie sich 
in ihren Ueberwurf hüllen; so ist es schicklich, dass man sie als 
ehrbare Frauen erkenne und sie nicht beleidige." Schon die 
Arabei innen jener Z6it trugen als Uebergewand den nodi heute 
in Arabien und Aegypten üblichen, aus weisser Leinwand her- 
gestellten Ueberw'urf, das die Frauen vom Kopf bis zu den Füssen 
bedeckt und nur vor den Augen oine kleine Oeffnung Jiat. An 
einer anderen Stelle der XXXIII. Sure sorgt Mohammed besonders 
dafür, dass seine eigenen Frauen vor allen die unnalibai*sten 
bleiben sollen Da Iioisst es; „Wenn ihr etwas notwendiges von 



~ 161 — 

don 5Yaaen des Propheten zn fordern habt, so fordert es hinter 
einem Vorhange." Nach Ulimann heisst dies: ein Vorhang sei 
zwischen euch und den Frauen; oder Vorhang heisst hier soviel 
als Schleier, die Frauen seien verschleiert. Begründet wii-d es 
mit der Reinheit: „Dies trägt zur Reinheit euerer und ihrer 
Herzen wesentlich bei ... . Doch haben die Frauen des Pro- 
pheten keine Sünde davon, wenn sie unverhtillt sprechen rail 
ihren Väteni, Söhnen, Brüdern oder mit den Söhnen ihrer Brüdei 
und' Schwestern, oder mit ihren Frauen oder mit ihren Sklaven.*' 

Es sei nicht unmöglich, oieint Ellis, dass der mohammedanische 
Brauch des (iosichtverschleierns von der Furcht vor dem bansen 
Blicke herstamme. Man dürfe nicht vergessen, dass dieser Brauch 
nicht mohammedanischen Ursprunges sei, sondern scheu lauge 
vorher bei den heidnischen Arabern bestanden habe und von Tor- 
tallian in „De Virginibus Velandis" XVII erwähnt werde. Im 
frühen Arabien versclileierten auch Männer ihr Gesicht, wenn 
sie auffallend schön waren, um sich vor dem bösen Blicke zu 
schützen. Nach Wellbausen hat die Annahme, dass das Ver- 
schleiern des weiblichen Gesichtes einer rituellen Vorslchtsmasa- 
regel zuzuschreiben sei, viel für sich. 

Auch Dürkheim sagt: Der Schleier habe oft den Zweck, 
eine Zauber Wirkung abzuwenden. Auf diese Weise entstanden, 
wurde der Brauch boibehalteu und nach und nach in seiner Be- 
deutuni,^ verwandelt. Bei den luoslemischen Frauen ist so die 
Verschleierung zu einem religiösen Gesetz geworden, welches 
das Gesicht zum Brennpunkte des Schamgefühls gemacht hat. 
Emin Bey bemerkte — heisst es bei Ellis -- dass die Frauen 
mancher Afrikauerst&mme , die nackt gehen, ihr Gesicht unter 
dem Einflüsse des Schamgefühls mit der Hand bedecken. Schon 
Martial schrieb: wenn ein unschuldiges Mädchen den Penis an- 
sehe, thue sie es durch die Finger. Als Casanova in Konstan- 
tinopcl war, versicherte ihm Graf de Bonneval, ein zum Islam 
bekehrter Franzose, dass er thöricht handele, wenn er das 
Gesicht der Fra« zu sehen sich bemühe, während er doch leichter 
weit pikantere Dinge betracbt<m könne; die zurticlvhalteudste 
l'ürkin kenne das Schamgefühl ntir in Bezug auf ilir Gesicht 
und erröte vor gar nichts, wenn sie nur ihren Schleier vor dem 
Antlitz habe. Wo, wie bei den mohammedanischen Völkern, 
das Gesicht der Brennpunkt des Schamgefühls geworden i^t, da 



-^ 162 — 

wu'd die Blossstellung des übrigen Körpers, sogar der regio 
sacropubica, jedenfalls aber der Beine und Oberschenkel, ganx 
gleichgültig behandelt. Diesen von Ellis ausgesprochenen Satz 
kann ich bestätigen. Li den belebtesten Strassen Konsiaati- 
nopels sah ich tiefverschleierte Frauen stehen bleiben, um sich 
ungeniert die Röcke zu heben und sich in der Schamgegend zu 
kratzen. In Beyrut wohnte ich einmal einer Szene bei, wie 
türkische Prostituierte sich zum Coitus auf das Lager warfen, 
ohne den Schleier fallen zu lassen. Und doch hat der Koran 
da* Eutblössen der Scbamgegend nicht minder streng verboten 
als das Entblössen des Antlitzes. In der XXIV. Sure iieisst 
es; für Frauen, die keine Kinder mehr gebären und sich nicht 
mehr veiheiraten können, sei es keine Schande, wenn sie ihre 
Obergewänder ablegen, aber doch müssen sie Acht haben, das« 
sie dabei ihre „Zierde" wohl verbergen. ijQer ist also fast klar 
die Entschleierung erlaubt, aber die Enthüllung der Zierde bleibt 
doch nicht weniger verboten als früher. 

Die mehrfach erwähnte XXIV. Sure des Korans setzt in 
dieser Beziehung noch folgendes fest: „Sage auch den Glilubigen, 
dass sie ihre A.ugou abwenden und sich bewahren sollen vor 
ihren Schamteilcn; so ist's am schicklichsten für sie. Sag« auch 
den gläubigen Frauen, dass sie ihre Augen abwenden und sich 
bewahren sollen vor ihren Schamtellen, und dass sie nicht ihre 
Zierde (nämlich: ihren nackten Körper), ausser nur, was not- 
wendig erscheinen muss, entblössen, nnd dass sie ihren Euseo 
mit dem Schleier verhüllen sollen. Sie sollen ihre Zierde nur 
vor ihren Ehemännern zeigen, oder vor ihren Vätern, oder vor 
den V&tem ihrer Ehemänner, oder vor den Söhnen, öder vor. 
•den Söhnen ihrer Ehemänner (nämlich: vor ihren Stiefsöhnen), 
oder vor ihren Brüdern, oder vor den Söhnen ihrer Brüder und 
Schwestern, oder vor ihren Frauen (Kammerfrauen, Gujipielinnen, 
Ammen), oder vor ihren Sklaven, oder vor solchen MäQncm 
ihre« Gefolges, welche kein Bedürfnis zu Frauen fühlen (näm- 
lich: vor Verschnittenen und alten Leuten), oder Vor Kindern, 
welche die Blosse der Frauen nicht beachteu. Auch sollen sie 
ihre Füsso nicht so werfen, dass man gewahr werde die Zicidr». 
welche sie verbergen" — das heisst: entweder ihren nacklon 
Körper, oder auch allerlei Zierrat, welchen die orientaliseln'i 
Frauen an den Knieen zu topfen pflo<>ten. Schon Jesajas 1 1 1 i H 



— 163 — 

warf don Hebräerinnen „ihren buhlerischen und verführerischen 
Gang-" vor, wodurch sie jenen verborgenen Schmuck bemerkbar 
zu machen suchten. Der Talmud ist der Ansicht, dass die hier 
erwähnton g-oldenen, silbernen und anderen kostbaren Fesseln 
um den Unterteil der Füsae, dicht über den Knöcheln, an- 
gebracht und durch eine j^oldenc Kette verbunden waren; sie 
dienten „bei vornehmen Mädchen zur Bewahrung der Keusch- 
heit". Nach Trusen wird bei den Negern am Weissen Nil auf 
ähnliche Weise eine künstliche Gynatresie der Frauen nach jeder 
Entbindung bewirkt. Auch bei Türken und Arabern soll nodi 
haute ein Verfahren, um vorzeitige Defloration unreifer Mädchen 
oder Begattung Uilerer Sklavinnen zu verhindern, in der Infi- 
liuiation der Pudenda mittelst Silbeidraht bestehen. 

Vereinzelt findet man die Ansicht, dass die Geschlechts- 
organe blos deshalb frühzeitig verhüllt werden müssen, um zu 
verhindern, dass die unangenehmen Ausdünstungen die Umgebung 
erreichen. Diese Meinung scheint mir wenig stichhaltig zu sein 
Denn so zartfühlend ist kein Volk im Orient, dass es sich just 
durch unangenehme Ausdünstungen belästigt fühlen würde. Der 
Koran, der in der XXIV. 8uic das Soheniassen der „Zierde'* 
vor ^Sklaven und alten Leuten" und „vor Kindern, welche die 
Blosse der Fraueu nicht beachten'*, gestattet, bezeichnet ea aber noch 
in derselben Sure als besonders unschicklich, sich vor Sklaven und 
Kindern unbekleidet zu zeigen: „0 ihr Gläubigen, lasset euere 
Sklaven und die unter euch, welche noch nicht das mannbare 
Alter erreicht haben, erst um Erlaubnis fragen, bevor sie zu 
euch kommen, und das drei Mal des Tages, nämlich: vor dem 
Morgengebet^^. (in der Zeit wo man aus dem Bette kommt); und 
wenn ihr des Mittags (um der Mittagsruhe zu pflegen) onere 
Kleider ableget; und nach dem Abumigebete (Wo man sich aus- 
kleidet, um zu Betto zu gehen).** 

Der Bugi iff des Schamgefühls ist ein merkwürdig undetiuier- 
bar«'r; irh niürhte sagrn: .j<>d«^RVolk deutc't ihn «ndors. Fleroriot, I 
f^M b X I ru.ilinir. ilass es '|>ei diMi Lydieni, y>\y »ibcHiaiipt b«'i 
dcii IImiImmii. .'.••Ibvl. Mir cinrn M.'iiin ;i)s riojis«; Sili.iicle i^jtlt, 
<'ii,l|, >/( (Ihm i wridm lb»d 'iii « uiri ,iii<l( iimi Sldir rr;rjihh 
M v'Mi '!« (I WmI'iki dui <Hndvion, d.i:>s ,;!« uil il:i' n kl'^leni 
s»» viril" KirnKii von l,<'<lcr <i«ig«n. abJ '.i«^ riMt uim-ih Muntir /.u 
ihiK' )■• b'il'i . .1'! (|nj«'iM|«v"| VV«'i'm-i dl« ;ni /. i!)l ' i»|t lni lluncn 



— 164 — 

die an deren übertraf en, wurden als die allergeachtetaten be- 
trachtet. Rudeck berichtet in seiner Geschichte der öffentlichen 
Sittlichkeit in Deutschland, dass dort im Mittelalter jeder beim 
Ziibcttegehen sich rollständig auszog, und dass in den Dampf- 
büdern eine Bedeckung nicht notwendig war. Von der Kaiserin 
Theodora erzählt Prokop, ein Geschichtschreiber des VI. Jahr- 
hunderts, sie sei „öfters fast nackt vor dem Publikum erschienen 
und wäre ^Qin völlig nackt gegangen, wenn es nicht dem Weibe 
verboten gewesen wäre, sich bloss zu zeigen, da man wenigstens 
kurze Hosen über dem tiefsten Teile des Unterleibes anhaben 
niusBte". 

Bei den Stidskven ziehen sich, wie Krauss mitteilt, Mann 
und Frau splitternackt aus, wenn sie sich zum Coitus begeben. 
Jobnston erzählt von den Massai, dass sie penem suum insueta 
longitudine praeditum, offen tragen. Auf der volkreichen Brücke 
Karakö, die von Gaiata nach Stambul führt, sah ich eines 
Tages um die Mittagsstunde einen Derwisch gemächlich wandern, 
der ingens membrum suum offen herabhäugen Hess. Nur die 
Europäer beiderlei Geschlechts wichen ihm erschrocken aus. 
Die Türken und Türkinnen aber fanden dies durchaus nicht 
anstössig. Es war ein Büsser, so erklärte man mir ; er kasteite 
sich durch die rücksichtslose Blossst^llung jenes Körperteiles, 
durch den e** seiner Ansicht nach am meisten gesündigt hatte. 
Ni'v.'mand wagte ihn aufzuhalten oder wollte dies thun. Un- 
bOi»indürt ging er nach Pera, wo die Pclizei erst auf Verlangen 
einiger Europäer ihn bat, den Schauplatz seiner Kasteiung in 
sein Wohnhaus oder wenigstens in ein türkisches Quartier zu 
verlegen. 

Wenn bei nnzivilisierten Völkern das Glied verhüllt wird, 
80 geschieht es durchaus nicht immer aus Schamgefühl: Eilis 
erzählt nach Somer^'illc, dass die Männer auf den Neuhebriden 
ihren Penis sorgfältig verdecken, aber sie thun es aus Furcht 
vor Narak, dem bösen Zauber; sie glauben nämlich, dass dar 
Anblick des unverhüllten Gliedes höchst gefährlich werden kann, 
sowohl für den Entblösaten als fw deii Beschauer. Daher 
wickeln sie sich viele Ellen Kaliko oder anderen Stoff am ihr 
Glied, bis es zu einem Bündel von zwei Fuss Länge und ent- 
sprechendem Durchmesser vcrgrössert ist; dann verzieren sie es 
an der Spitze mit blühenden Gräsern Ui.d tragen es vermittelst 



- 16S — 

eines Gürtels nach oben gerichtet. Die Testikel bleiben dabei 
unbedeckt Auch eine Stelle der v<unna lilsst der Meinuntr T^aum, 
daas diy Verhüllung- dor Geschiechtsteilo abergläubischer P'arcbt 
eutstanime. Dort wird vorg-eschrisbeu, dass kein Mann sich, 
selbst wenn er allein sei, entblösson oder ganz nackt waschen 
dürfe, aus Forcht vor Gott und bösen Geisitern; man meint, Hioit 
mus3t43 deshalb so schwer büssen, weil er gegen dieses Gebot 
handelte. Der türkische Schriftsteller Omor Raleby schlios^T, 
daran an und sag-t: „Die Gesetze der Schamhaftigkeit verbieten 
jedem Moslem, gewisse Teile seines eigenen Körpers zu be- 
trachten. Um wieviel mehr müsset ihr, o Franen! euch hüten, 
das zu. betrachten, was die Scham mit einem dichten Schleier 
verhüllt! Erklärte Aischa nicht, dass sie sich oft mit dem 
Propheten zusammen im Bade wusch und dass Beide stets vius 
derselben Urne Wa.ssor schöpften und dass sie dennocli dabei 
einander nicht aosahen? Und hat nicht der Prophet gesagt: 
,,So])ald ihr euch eueren trauen nähert, bedecket euch vor ein- 
ander, so viel als möglich, denn die Bücke entnerven dann die 
Seele und sclivyfichen die Kräfte." Seid deshalb, o Franen! dezent 
in eueren Blicken und in allen eueren Handlungen und Gesten''- 



38. Lasterhaftigkeit. 



Die Jungfräulichkeit bei dem iranischen und dem hebräischen Volke. — 
ZoroaBters Gebote. — Mosaisebe Gcgctze. — Verletzung der Jungfrau- 
scbaft. — Der Koran über Ausschweifungen. — Vorschriften Hamsas des 
Drusen. — Persische Sitten. — Albanesischc Strafe für Unzöchtige. — Ein 
christlich-orientftUschei" Gebrauch. — SlldslaTischc Ansichten. — Heitere 
Auffassung in Liedern. — Vergewaltigung ist Schmach. — Lascive Lieder 
und Feste. — Der südslavische Kolotanz. — Geschlechtstrieb und Jahres- 
zeiten. — Ethnographische und histovische Parallelen. 

Unter den Völkern des Altertums waren es nur dielranier 
nnd die Hebräer, welche ein Verständnis für den moralischen 
Wert der Keuschheit hesassen.. Man ehrte zwar auch sonst — 
in China, Hellas und Rom — die Juni2:frau, aber mau hielt es 
nicht für sündhaft, sie gejfebenen Falles gewissenlos zu fmtchren, 
und hielt jeden gesciilechtlichen Akt für erlaubt, sobald er nicht 
das Recht eines anderen verletztem; beispielsweise den Verkehr 
mit einer Witwe oder mit Jeder anderen Frau, die Herrin über 
ihre Person war. 

Bei den anderen Völkern zog man aUerdings auch als Frau 
©in jungfräuliches Mädchen einem anderen vor; aber entpuppte 
ß^ch die Braut als eine Entblätterte, so war das Unglück nicht 
allzu gross. 

Bei den Hebräern und den Iraniem aber war die Jung- 
fräulichkeit der Braut ein strengstes Muss. Die sexuellen Ge- 
setze der Iranier uud der Hebräer stimmen teilweise wörtlich 
tiberein: „Du sollst nicht Unzucht treiben, dn sollst nicht die 
Frau deines Nächsten begehren; du sollst die fleischliche Ver- 
mischung nur in der Ehe ausüben : du sollst nicht ver- 



— 167 — 

schwenderisch sein, weder mit deinem Leibe noch mit. deiner 
Gewähmng" — das sind iranische Gebote. 

Nach der Lüge ist in den Augen Zoroasters die Aus- 
schweifung das grösste Verbrechen; sei es die Ausschweifung 
in der Form der Onanie, der unfruchtbaren, unordentlichen oder 
illegitimen Liebe. Der Verlust der Fruchtkeime wird von der 
Gesellschaft Gottes als ein schwerer betrachtet. "Ein Tränier 
ohne Frau galt als das niedrigste aller Wesen. Wenn der 
Mann ein Mädchen geschwängert hatte und sich drückte, so 
hatte die Betrogene, falls sie Mutter geworden war, das Recht, 
den Verführer zu toten. 

Auf derselben Höhe der Moralität stehen die mosaischen 
Gesetze im V. Buche Moses XXII 15 bis 27: „Und so jemand 
eine Jungfrau verführt, die nicht verlobt ist, und liegt bei ihr, 
so soll er sie durch den Ehe-Kaufpreis zum Weibe erwerben. 
Wenn ihr Vater sich weigert, sie ihm zu geben, wäge er so- 
viel Silber dar, wie der Kaufpreis der Jungfrauen beträgt" — 
nach Maimonides 50 Schekel Silber. Betraf die Verführung 
aber eine einem anderen verlobte Juugfrau, und geschah die 
Verführung „innerhalb der Stadt, wo sie hätte rufen können, 
dann wurden beide gesteinigt; die Dirne darum, weil sie nicht 
uro Hülfe geschrieen; der Mann, weil er seines Nächsten Weih 
verfülirt hatte, denn die Verlobte wurde schon so gut wie ver- 
mählt betrachtet. 

Wurde die Verletzung der Jungfrauschaft mit Gewalt an 
einer noch nicht verlobten Jungfrau verübt, so hatte der Haön 
dem Vater der Vergewaltigten 50 Schekel Silber zu entrichten 
und musst« das Mädchen heiraten, unter Verschärfung dieser 
Strafe: dass er sich nie von ihr scheiden konnte. Wurde end- 
lich die Notzucht an einer mit einem anderen verlobten Jung- 
frau ausserhalb der Stadt verübt, so wurde sie dem Ehebruche 
gleich geachtet und der Mann mit dem Tode bestraft; das 
Mädchen aber blieb ungestraft, weil ihr Hülferuf vergeblich 
gewesen wäre, „wie bei einem Morde." 

Im n. Buche Samuel XIII 1—14 erwähnt die Geschichte 
den Fall der Notzucht, die Ammon an seiner Schwester Thamar 
beging. Ihn traf jedoch keine öffentliche Strafe, sondern sein 
Bruder Absalon liess ihn, nachdem er ihn berauscht hatte, durch 
die Knechte töton. — Die Verletzung der Jungfrauschaft an einer 



— 168 — 

Magd, die für einen andere u bestimmt war, wurde — nach dem 
HI. Biiobo Moses XIX 20—22 — mit Geisselur.ir des llobel- 
thäters bestraft; aus.serdeia musste man dann einen Widdc; als 
Scliiildopfer darbringen. 

Der Koian riclitet sich in Bezug auf Keuschheitsvorsciiritteii 
ganz nach der 'liilvA. Die VI. Sure verbietet die „Ehe mit 
schlechten und liederlichen Frauen" und verlangt von den 
Sklavinnen, die man zu Frauen nimmt, dass sie züchtig und 
nicht schlecht seien, noch sich irenide Liebhaber halten 
XXIV. Sure: „Ausgelassene Frauen v/erden im zukUnttigau 
Leben vereinigt mit ausgelassenen Männern, und ausgelassene 
Männer mit ausgelassenen Frauen; gute Fiauen aber mit guten 
Männern, und gute Männer mit guten Frauen." .... „Ver- 
heiratet die ledigen Standes unter euch, ebenso euere redlich'GU 
Knechte und Mägde, und wenn auch diese arm sind, so kann 
sie Allah ja mit seinem Ueberflusse reich machen. Aber die- 
jenigen, die keine Aussteuer zur Verheiratung finden kunneu; 
mögen sich hüten vor jeder Unkeuschheit.'' XVII. Sui'C: „Ent- 
haltet euch der Unkeuschheit; denn sie ist ein Laster ijuvliübi' 
auf schlimme Wege." VH. Sure 29: ... . „aber schweifet nichi 
aus, denn Gott liebt nicht die Ausschweifenden." Mau klage in- 
dessen die Frauen nicht ohne genügenden Grund an, dass 
sie durch freieres Benehmen und ungezwungene Haltung Anlass 
zu Tadel geben. 3n der XXIV. Sure hoisst es: „Die, welche 
ehi'bare gläubige Frauen, die leichtsinnig in ihrer äusseren 
Haltung scheinen, fälschlich verleumden, sollen in dieser und lu 
der zukünftigen Weit verflucht sein und peinliche Strafe er- 
leiden." 

Als ein Beispiel idealer Keuschheit erscheint dem Koran 
die Geschichte Josephs im Hause der Potiphar, und in der XU, 
Sure sind die darauf bezüglichen Verse 22 — 35 und 50-54 
eine der schönsten Stellen dieses heiligen Buches: 

„Und als Joseph seine Vollkraft erreicht hatte, gaben wir 

ihm Weisheit und \Vis.sen Und sie, in deren Haus er 

war, stellte ihm nach und verriegelte die Thüren und sprach: 
„Komm her!" Er sprach- „Allah verhüte esl Siehe, mein Herr 
hat mir eine gute Wohnung gegeben. Siehe, den Ungerechten 
ergeht es nicht wohl." Und sie verlangte nach ihm; und auch 
er hätte nach ihr verlangt, wenn er nicht ein Zeichen von 



— 169 — 

seiuem Hei ru «:cseheu hätte. Also thatep wir, um Schlecttigkeit 
nnc' Sch^i]<Uichkcit von ihm abzuwehren. Sielie, er war einer 
UDi^erer lauteren Diener. Und sie iicfen beide zur Thür, und 
sie zerriss sein Ilemd von hinten; und sie trafen au? ihren 
Hcirn vor der Thür. Sie sprach: „Was ist der Lohn dessen, 
der gegen deine Familie Böses im ScLilde führte, das Gefängnis 
oder schmerzliche Strafe?" Er sprach: „Sie stellte mu- nach."^ 
und CS bezeugte ein Zeuge aus ihrer Fainilie: „Wenn sein 
Hemd vorn zerrissen ist, so hat sie die Widirheit gesprochen, 
und er ist ein Lügner. Ist sein Hemd Jedoch hinteu zerrissen, 
so hat sie gelogen und er hat die Wahrheit gesprochen." Und 
4ia er sein Hemd hinten zerrissen sah, sprach er: „Sieh?.^, das 
ist eine eiu'er Listen! Siehe, eure List ist gross! Joseph 
wende dicJi ab hiervon, und du, o Weib, bitte ilin für deine 
Schuld um Verzeihung; siehe., du hast gesündigt." Und es 
sprcschen die Weiber in der Stadt: „Die Frau des Hochmögend en 
fuit Ihrem Burscheu nachgestellt. Er hat sie zur Liebe ont- 
flummt. Siehe, wahrlich, wir sehen sie in offenkundigen Iit- 
tum," Und als sie von ihrer Bosheit vernahm, schickte sie zu 
ihnen und bereitete ihnen ein Gelage und gab einer jeden von 
ihnen ein Messer und sprach zu Joseph: „Komm heraus zu 
ihnen." Und da sie ihn sahen, rühmten sie ihn und schnitten 
sich in die Hände und sprachen: ,, Allah behüte! Das ist kein 
Mensch, das ist ein edler Engel!" Sie sprach: „Und dieser 
ist's, nm dessentwillen ihr mich tadeltet. Und Wiihrlich, ich 
stellte ihm nach, doch widerstand er. Und wahrlich, wenn er 
nicht nach meinem Geheiss tlmt, soll er ins Gefängnis geworfen 
und verächtlich behandelt werden." Er sprach: „Meha Herr, 
das Gefängnis ist mir lieber, als das, wozu sie miclj einladen. 
Und w^enn du nicht von mir ihre List abwendest, gebe ich 
ihnen in meiner Jugend nach und werde einer der Thoren." 
Und es erhörte ihn sein Herr und wendete ihre List von ihm 
ab. Siehe, Gott ist der Hörende, der Wissende. Alsdann be- 
liebte es ihnen, nachdem sie die Zeichen seiner Uiischuld ge- 
sehen hatten, ihn für eine Zeit einzusperren . . ; Und 

es sprach der König: „Bringt ihn mir." Und als der Bote zu 
ihm kam, sprach er: „Kehre z irück zu (feiiÄm Herrn und 
frage ihn, was die Frauen vorhatten, die sich in die Hände 
schnitten. Siehe, mein Herr kennt ihre List." Er sprach: 



— 170 — 

„Was war eure Absicht, als ihr dem Joseph nachstelltet?" Sie 
sprachen: „Allah bohrte! Wir wissen nichts Böses von ihm.** 
Da sprach die Frau des Hochmögenden : ,^unmehr ist die Wahr- 
heit offenknnd. Ich stellte ihm nach, nnd siehe, wahrlich, er 
Ijehört zn den Rechtschaffenen." — „Dies," so sprach Joseph, 
„damit mein Herr wfisste, dass ich nicht während seiner Ab- 
'Wesenheit Verrat wieder ihn geübt, und dass Allah nicht die 
List der Verräter leitet. Und nicht rechtfertige ich mich selber; 
siehe, die Seele ist geneigt zum Bösen, es sei denn, dass sich 
mein Herr erbarmt; siehe, njein Herr ist verzeihend, barmherzig.** 
Und es sprach der König: „Bringt mir ihn, ich will ihn für 
mich haben." Und als er mit ihm geredet hatte, sprach er: 
,ySiehe, von heute an bist du bei uns in Amt und Vertrauen." 

Den Drusen hat Hamsa die Keuschheit in folgenden Worten 
empfohlen : Die tierischen Begierden des Geschlechtstriebes sind 
das Erzeugnis der vier Elemente. Wer sie seiner Religion vor- 
zieht, steht unter den Eseln und Ochsen, nach jenen Worten 
des Korans in der fünfundzwanzigsten Sure: Sie sind wie das 
unvernünftige Tier, ja sie irren weiter vom richtigen Wege ab als 
dieses! - Wer sich dagegen von den viehischen Leidenschaften 
frei hält, der steht höher als die erhabensten Engel. Wenn ein 
Unzüchtiger Reue zeigt, muss er sich sieben Jahre demütigen 
und weinend die Eingeweihten besuchen ; wenn er aber keine 
Reue zeigt, stirbt er als Abtrünniger und Ungläubiger. 

Hat in Persien das Unglück der Defloration bei einem 
Mädchen stattgefunden, so werden Anstalten getroffen, um die 
Schande von ihr und den Eltern abzuwenden. Man verheiratet 
sie nämb'ch an einen armen Mirza unter der Bedingung, dass er 
sich nach kurzer Zeit von ihr scheiden lässt, um sie dann einem 
angesehenen Mann zuzugesellen; oder man gibt sie einem ganz 
jungen unerfahrenen Knaben zur Frau; oder es wird am Tage 
der Entscheidung durch einen operativen Eingriff, worauf sich 
einige persische Chirurgen wohl verstehen, nachgeholfen. 

Das Mädchen wird im Orient bekanntlich nach den Wünschen 
seines Herzens nicht gefragt, sondern gezwungen, dem Willen 
anderer zu folgen, wenn es die Wahl eines Gatten gilt. Die 
durch die TradMon geheiligten Mittel, die es einem Mädchen 
trotzdem ermöglichen, der Ehe mit einem ungeliebten Manne zu 
entschlüpfen, sind nicht zahlreich. Bei den Mirediten in Ober- 



— 171 — 

Albanien gibt es, wie Hahn in seinen Albanesischen Studien 
berichtete, ein solches Mittel : Weim doi:t eine Jnngfraii sich vor 
der Ehe mit einem ihr verhasstcn Manne retten will, ohne da- 
durch die obligate Blutrache des verschmähten Bewerbers und 
seiner Familie auf sich und ihre Famüie 2u laden, so geht sie 
zum Pfarrer und erklärt: .,Ich will fortan als Mann gelten 
nnd leben!" Und der Pfarrer bringt dies nach der Messe zur 
Kenntnis der ganzen Gemeinde und gibt dem Mädchen einen 
männlichen Namen. Die Jungfrau zieht darauf Männerkleider an, 
und alle Welt behandelt sie nunmehr als Mann. Wehe aber, wenn 
sie als Manu — schwanger wiid; dann ist der Tod ihre 
Strafe. 

Bei den Christen in der Türkei ist es allgemeine Sitte, 
dass die Braut laut weinen muss, um schon von fern vom 
Bräutigam gehört zu werden, wenn er kommt, sie in die Kirche 
zu holen. Denn wenn sie nicht also laut um ihre Unschuld 
klagt, dann ist ihr Schweigen ein Zeichen dafür, dass sie nichts 
mehr zu beklagen habe. 

Vergeht sich bei den Südslaven ein Lediger mit einem 
Mädchen, so erscheint dies vor Gott als keine grössere Sünde, 
„als ob ein Mensch ein Blümlein pflückte". Die Südslaven sind, 
wenn man nur die von Krauss gesammelten erotischeu Lieder 
in Betracht zieht, ausserordentlich sinnlich. Beim Anblick eines 
Frauenzimmers, sagt. Krauss, denkt der Südslave zunächst an 
•die Begattung. Diesem Empfinden wird in den Roigenliedci-n 
ungeschminkter Ausdruck verliehen. So heisst es: , .Lieber 
möchte ich neben ilrr stehen, als AVesir in Bosnien sein; lieber 
mochte ich sie entkleiden, als mit dem Kaiser zu Nacht essen; 
lieber möchte ich sie beschlafen, als mit meiner Seele in das 
Paradies eintreten." 

Ein anderes bosnisches Duett lautet: „0 du Mädchen aus 
Koraj, du wähnst, dass du im Paradiese weilst". . . „Und sie 
wähnt, dass sie im Paradiese sei, weil sie von Zumpten gevier- 
teilt wird." — Nach Milena Mrazovic wird bei den Bosniern ün- 
kenschheit streng bestraft; die lasterhaften Mädchen verachtet 
man, man schliesst sie aus der besseren Gesellschaft aus. Das 
mag sein. Aber dass „die Unkeuschheit deshalb selten srorkommt, 
ist nach den zahllosen schlüpfrigen Liedern, die dort kursieren, 
gar nicht recht denkbar. So singt man im Bjelitiaer Bezirke in 



— 172 — 

Bosnien dieses Duett; ,,0 du Mädchen aus Dubica, dein Hemd 
reicht dir bis zum Gesäss herab, das huntverzierte Leibchen bis 
7.1t den Rippen; möchtest du wohl mit mir schlafen?" . . . 
„ftclnvoig, Leid dich verschone, wie sollt ich denn nicht? 
Pruherüc peneni prehensumquc introducas/' 

Eine Variante dieses Lieder^ singt man in Vischegrad in 
Bosnien: Die junge Bäuerin sitzt beim Meierhofe. Das Hemd 
reicht ihr bis zum Gürtel, das Tiichloin bis zu den Rippen. 
Dieselbe Fra^o und dieselbe Antwort v/ic früher. — Oder in 
anderen Jiosnischen Orten: „0 du kleines Mäjrdelein, möchtest 
Du mir Pitschka gewähren?'' . . . .,0 dn kleines ßüi*scheloin, 
wer wehrt es dir? Schleich dich i^ach VVolfsart heran und über- 
sprinsie nach Jiasenart, schau dich nach Fuchsart. um, und hübsch 
bleibt der Penis in der Pitschka stecken." — Oder: 

„() du brünettes Mägdelein thät' ich dich vorführen, 
Tliätst dn da krepiereii!'" . , . 
„Nein, bei Gott, ich thät' niii nichts dr^ris machen. 
Vielmehr darüber herzlich lachen. " — 

Ini bosnischen Drinagebiet fragt im Reigenlied der Bursche: 

„0 ssg' mir, Mädchen, Schminligefäse, 
Wo ruht zu Nacht heut dein Gesäss?" — 

Und sie antwortet prompt im Reime: 

„Wo ich auch schlafe überall, ^ 

Entzifth' juich dir auf keinen Fall." — 

Häufig stellt das bosnische Lied die Mönche als geil hin; ,,Es 
schickte mich meine Mutter, mit dem Mönche Grünzeug klauben. Der 
Mönch, dc' gibt mir keine Ruh, schaut in die Piza immerzu.*' 
Auch die Moslcihinnen in Bosnien sind den L?edern zufolge nicht all- 
znkeusch. In einem bosnisch-moslemischen Gedichte heisst es: 
„0 du kleines Mädchen, machtest du mir Piza geben?" — „0 
du kleines Biirschchen, wer wehrt es dir noch? — Führ mich 
hinein ins Wäidchcn, heb' mir empor das Schösseben, beschaue 
dir mein Blösschen, schneid' zu zwei Gabelhölzchen und reibe 
steif dein Stelzchen." 

Auf den Vorhalt leichtfertigen Le1)enswindols schlägt sich 
die südsl'jv'ischc Städterin mit der dachen Hand auf die Scham- 
teile und deklamirt: „Meine Ware, meine Neigung; wem ich 
geneigt war, dem gab ich; habe mich vor niemand gescheut." 



— 173 — 

Und wie die Städterin, denkt und singt die Bäuerin: „Dala eam 
i datscLu, i pre sara i satschu — ich habe gewährt und werde 
geben; auch früher gab ich, und so will ich leben." 

In Westsorbien klanft eine Frau im Liede: „Ach, ich kann 

ungev nicht spinnen." In einem auderon serbischen Liede 

singt ein Mildchtn: „Ich gäbe, ja ich gäbe hm sogar drei Rappen 
und einen rnausfahlen Renner für ein beschwäuztes Bürschelein.** 

In zahllosen Varianten besingt das Lied, wie die Mutter 
selbst ihre Tochter der Leichtfertigkeit in die Arme treibt. 

Ein bosnisches Lied: „Der Lüstling steht mit der Mutter 
an der Thür. Penura suum fricat und zieht einen Silber* 
z\v<m7.iger heraus. «Was soll ich thun, Mutter., soll ich ihm 
gewähren?" — „Gewähr ihm, o Tochter, auch die Mutter hat 
genährt." — 

In einem Tiiede in Bosnisch Brod bleibt die Tochter die 
Antwort nicht schuldig, als die Mutter das Mädi'.hen sagen lässt, 
da.ss es sich hergeben solle: „Hat sie es gesagt, soll sie dir 
selbst hergeben." — 

In einem bulgarischen Liedchen, das in der Gegend von 
Sofia gesungen wird, fraj^-t die Tochter: „Soll ich ihm gewähren, 
Mutter?** — Die Mutter meint: „Du bist jung, du wirst ihm 
pencm frangere." — Die Tochter aber tröstet die ängstliche 
Mutter mit den Worten; „Ich bin jung, ich werde ihm penem 
CÄjofaccrc.** 

In einem Jiedcheu aus Bosnisch Brod klagt die Tochter: 

„Teuere Mutter, ich habe kein TBchel.^ 

Prompte Antwort.: 

„Soil dir der eines kaufen, 
D«T für die Piza tliut raufen." 

Als tiefe Schmach gilt, nach Krauss, bei den Stidslaven 
bios die VorgewaJügung. Ein Mädchen, das infolge eigener 
Unvorsichtigkeit einem Lüstling zum Opfer fiel, vdrd als entehrt 
betrachtet — also genau das Gegenteil der althebräischen Moral, 
wo — wie ich gezeigt habe - in einem solchen Falle das 
Mädchen straflos blieb, der Mann aber gezüchtigt wurde. Bei 
den Sddslaven findet wohl eine leichtfertige Üinie, aber nicht 
ein vergewaltigtes Mädchen einen Gatten. Dieses ist selbst 
gegjnübcr jenen Frauenzimmern im Nachteil, die als Ledige 



— 174 — 

Mütter geworden siod, ahor sich aus Liebe hingegeben haben; 
und, wie Krauss sagt, wird selbst eine für Geld Feile einer Ver- 
gewaltigten vorgezogen. Der Schänder wird je nach den Um- 
ständen, unter denen sein Streich gelang, bewundert oder ver- 
achtet. Die nächsten Anverwandten des Mädchens aber trachten 
ihm nach dem Leben. In früheren Zeiten wurde der Schander, 
wenn er von der Familie des genotzüchtigten Mädchens erwischt 
wurde, entmannt. 

Es ist deshalb verständlich, wenn in einem der Lieder aus 
Bosnien, die sonst von Geilheit und Bejubelung der Wollust 
übortiiesscn, in einem solchen Falle das vergewaltigte Mädchen 
einen melancholischen Ton anstimmt und der Mutter klagt: 

„Ach Mutter, die Schande eu sagen! 

Und doch inuss ich es dir klagen. 

Du, dass ich lüge, denke nicht; 

Glaub, dass dein Kind die Wahrheit spricht. 

Ich betrog mich und schlief ein, 

Unter dem Kirschenbaura im Hain. 

Und während auf der Bank ich nickte, 

Schlich Einer heran und drückte, 

Trieb ihn von der Seite ein und schwieg — 

Mutter, denkt nicht, dass ich lijg", 

Und als er aus dem Staiib s-ich machte 

Und ich dann aus dem Scblaf erwachte — 

Ach Mutter, so giT)S8 ist die Sciiaud, 

Ich gerate au» Rand und Band." 

Solche Lieder singt man bei den Südslaven zum Feigen 
oder Kolo, der ao sich keine.sweg-s untüchtig ist. Das Haupt- 
gewicht, sagt Krauss fällt eben auf den Inhalt der Lieder Im 
Reigenhede hören Scham und Zucht auf, es heri-scht volle Ge- 
sangsfreiheii Die obscönen Schnadahüpfl, meist gereimt, heisst 
man in Serbien und Bosnien: ,.Zählverse'', weil man den Takt; 
gleichmäsaig abzählt; in Kroatien und Slavonien nennt man sie 
einfach Reigenlieder oder IlüpfÜedchei» Den Ufiigen verabreden 
nnd biTufn» MüdduMi ein iumI sir t;»nz«'r> jbn »ul^njfs allein 
'•'rllni (!fil>i rs .\mh UnrsrhiMnrijtrrn, rpd'M'h h'nni tn.ni t!;ruiiMrlil<' 
t^olfou df'H M.idriirn mihI )liu';»lu»ri 'tm/iMi !i der J^('ii*rn Imi, 
eine AiifOhterin, die zugleich Vor:<UH^viin, udrr «'Uien Anlllhm. 
**irh'U'U Vor.silniror ist Man hnbt «U-n {.'pigpo an, /.n« est 
miissij»;, dnun lu-Nrln-r, U'boiidtr'i, W'»)»!! iii;»m, inil \Mit!;ült('i,"l<'fn 



— 175 — 

Oberleibe, und die Augen zu Boden gesenkt, die Hüften wiegt 
Den Hintorbacken ist eine grosse Aufgabe beim Kolo zuge- 
wiesen; „die mit ihnen am besten wackeln können, gelton als 
die Yortreff liebsten Tänzerinnen." 

Das isr der in den Balkanländem beliebte „Hinterntanz", 
w&hrend man in Konstantinopol und Kleinasien den Bauchümz 
dei' Armenierinnen und Zigeunerinnen vorzieht. Die Burschen 
lungern herum und schauen zu, fangen Feuer und hängen sich 
oin, wo es ibueii am sten gefällt Man wird lebhafter, hält 
sich nicht blos an den Händen, sondern umschlingt sich, tauzt 
Leib au Leib, Lende an Lende gepresst Die Burschen treten, 
um ihre aufwallende Leidenschaft zu zeigen, den Mädchen auf 
die Zehen, beissen sie in den ^^acken oder Hals, zcrreissen ihre 
Halsschniire mit den Zähnen und schnappen uach ihren Ohren. 
Die Musik wird 70m Dudasch, dem Dudelsackpfeifer, besorgt, 
der in der Mitte des Kolo allein tanzt In Bulgaritm hat man 
neben donj Dudasch auch einen Fiedler mit einer dreiseitigen 
Gusia. Der Gesang ist durchweg lasciven Inhalts. Geschwängerte 
Mädchen dürfen im Roigen nicht mittauzen. 

In Serbien spielt man ein Mummenspiel, dessen Haupt- 
person Turiza genannt wird. Bis zur völligen Unkenntlichkeit 
vermummt, schlägt Turiza unablässig Lärm und macht fort- 
während obscöne Körperbewegungen. 

Die eigentlichen geschlechtlichen Ausschreitungen unter den 
jungen Leuten fallen hauptsächlich in die erste Herbstzeit nach 
erledigter Einheimsung der Feldfiüchte. Es kommt einem vor, 
als ob sich die mannbare Jugend während zweier, dreier Wochen 
wie liebestoll geberdete; sie stampfen ganze Nächte hindurch 
den Reigen bis zum Krschöpfen und singen bis zur Heiserkeit 
die ubscöasten Lieder. Der wildeste Cancan ist nichts im Ver- 
gleiche zu dem sudsl avischen herbstlichen Kolo, wenn er in 
ftihlem Mondschein von b och geschürzten Mädchen mit wallendem 
Busen, geschmückt jnit stark duftenden Blumen und Kräutern, 
und von aug-t^runktMion Burschen getanzt wird. Die sinnlich 
aufrogniMlr Macht die.sor Tänzo ist verwirrend, '^or Aiislurin der 
Oo:;( It'uohtstriebes entwurzelt allen Anstand i'"l luan »'»ul «o, 
V 10 0*1 dio Vorfahren alle gethan haben - .man "'kday,« <u'h 
mit den Weibern in die Büsche." 



— 176 — 

Kraus» meint, es lasse sich nicht 'v on vornherein die Ver- 
mutung abweisen, dass diesen herbstlichen Tänzen nrsprflDglich 
religiö&e Motive mit za Grunde gelegen hätten. Diese Ansicht 
begfognet sich mit der von Dr. Havelock EUis in seinem Buche 
„Schamgefühl und Geschlechtstrieb" aufgestellten Behauptung. 
Johuston erzählt von einem unanständigen afrikanischen Tanze, 
der ursprünglich den Akt der Begattung darstellte, im Laufe 
der Zeiten aber so modifiziert wurde, dass man seinen eigent- 
lichen Zv^eck nicht mehr erkennt. 

Bei den Zigeunern und slavischen Völkern gab es früher 
Versammlungen mit voller geschlechtlicher Freiheit. Bis zum 
Beginn des 16. Jahrhunderts fanden an den Flussufern in der 
Nähe von Nowgorod, erzählt Kowalewsky, am Vorabende des 
Festes Johannis des Täufers, das in heidnischen Zeiten der 
Gottheit Jarilo geweiht war, solche erotische Feste statt. Ein 
halbes Jahrhundert später war die Ejrche bestrebt, die Spuren 
dieser alten Feste zu zerstören. Ein allgemeines Merkmal bei 
jenen Festen war das Vorherrschen zwanglosen geschlecht- 
lichen Verkehres. 

Bei den Esthen war es noch zu Ende des 18. Jahrhunderts 
Braucli, sich am Abend vor Johannis um eine alte Kirchenruine 
zu scharen und Feuer anzuzünden, und sterile Frauen tanzten 
nackt herum, junge Mädchen aber eilten mit den Burschen in 
den Wald, um nach Lust mit einander zu verkehren. Noch 
heutzutage sah ich Reste dieser altbaltiöchen Feste in meiner 
liViüni/ischeii Heimat; aber man springt barfuss über das Feuer, 
bios um Gesundheit zu erlaügen oder um fruchtbar zu werden. 

Bei den alten Arabern fiel, nach Wellhausen, das grosse 
Eaghab-Fest, das Ewald und Robertson mit dem Passahfest 
identifizieren, in das Frtihlingsende und den Sommeranfang, wo 
die Kamele und andere Haustiere ihre Jungen werfen. ' 

Babylonien bietet ein lehrreiches Beispiel für die sexucilei 
Feste: Das Thamus-Fest ist dem europäischen Johannisfesl 
durchaus analog. Thamus, der Sonnengott des Frühlings und 
der Vegetation, war eng verbunden mit Isthar, der Göttin des 
Ackerbaues und der Fruchtbarkeit Das Thamus-Fest woide 
gleich nach der ersten Getreideernte zur SommersonneLwende 
gefeiert. Es begann mit einer Fastenzeit, der ein Fcstgelage folgte. 
Es war ein Bittfest; die Natur wurde angegangen, ihr Zeugungs- 



— ' 177 — 

Vf^mögen voll zu entfalten. Sein erotischer Charakter ersaht 
^ich daiius, dass die Priesterinreu der Görtin Isthar Prostituierte 
vvared. 

Ellis hat alles • ztisaminengestellt, was beweisen soll, dass 
es jährliche Wechsel im menschlichen Organismus giebt, dio 
sich jahreszeitlich regeln und besonders mit den Geschlechts- 
fnnktionen in Verbindung stehen. S(^hou Laycock hat noch 
frilher interessante Beispic.'Ie für dio Behan})tung beigebracht, 
dass das Körpersystcm zur Zeit der Frühjahrs- und Hgrbst- 
Acquinoktien Verändcrungdi hauptsächlich sexueller Natur unter- 
vvori'eu ist. Wcstermarck gibt Beweismateriul, aus dem hervor- 
geht, dass -das splitc Frühjahr oder der Sommeranfang eine 
Steigerung des Gesohlechtsinstinktes mit sich bringt, und hält 
dies für einen C'ebeiret.t der alten Paarungszeit. Cook fand, 
dass bei den Eskimos wahrend der langen Winternacht die 
iiCidensclj arten herabgesetzt sind; kaum Lst aber die Sonne 
■wieder da, so zitteni die Leute vor sexueller Leidenschaft. Die 
beiden Perioden Irühjahr und Herbst, die Zeit des Erwachens 
der Natur und die Zeit dos Scliwelgens im Ueberfluss, scheinen 
nach der Meinung von Ellis in der ganzen Welt die allgemeinsten 
Perioden der erotisch eu Feste zu sein. 

Im klassischen Griechenland nnd in E-om, in Indien wie 
bei. den Indiüuern Nord- und Südamerikas, ist das Frühjahr die 
Jahieszeit der Liebe, wahrend in Afrika besonders die Erntezeit 
der JamsAvurzel im Herbst dazu auserkoren wiid. 

Betrachtet man die Feste nüht-r, die auf der ganzen Erde 
gefeiert werden, so findet man zwar, dass sie in allen vier 
Jahreszeiten ijtattfinden : Win:irsonuenweudc, Frühhngsäqui- 
noktium, Sommer>:onnenweüde, Herbst. Aber gewöhnlich feiert 
man nur zwei Jahreszeiten bei einem Volke. 

In Australien, heisst es bei Ploss und Bartels nach MüUer, 
finden die Heirat und Empfängnis während der heissen Jahres- 
zeit statt, und bei manchen Stämmen wird die Empfängnis durch 
ein Fest gefeiert, bei Neumond, wenn die Jamswurzel reif ist; 
ein besonderes Merkmal dieses Festes ist der Mondscheintunz, 
der den Geschlechtsakt symbolisch darstellt. Mit ihren Speeren, 
die das männliche Glied darstellen sollen, urt<'raehmen die 
Männer Aiigriffe auf Busche, welche die weiblichen Organe 
Tt^rsinnbiidlichen. Nacü Miklucho-Macleay ist dio beste Zeit der 

Storn. >|fdi7,i:i, Aberjjlftuho u '.Jtäuchlonlitsloben j'i Uer TtArkPi. 11. 12 



— 178 — 

Empfängnis bei den Frauen von Neu-Guinea hauptsächlich gegfen 
Ende der Herbsternte. Guise beschreibt das grosse alljähriiche 
Fest, das zur Zeit der Jamswurzel- and Bananenemte stattfindet, 
wo die Mädchen feierlich in die Vorgänge des sexuellen Lebens 
eingeweiht und Heiraten geschlossen werden. Johnston erwähnt 
in seinem "VN''erke über Centralafi'ika, dass dort zu bestimmten 
Zeiten geschlechtliche Orgien ernst und feierlich begangen 
werden. In Neu-Britannien — zitieren Ploss nnd Bartels nach 
Weiss<jr — werden die jungen Mädchen sorgsam vor den Jungen 
Männern behütet. Aber zu bestimmten Zeiten wird abendr^ ein 
Trompetensignal gegeben, und alle jungen Mädchen erhalten die 
Erlaubnis, in die Büsche zu gehen und mit den Männern zu 
verkehren. Im alten Peru begegneten sich im Dezember, weuu 
die Fruchte des Paltay reifen, bei einem Feste, das einem fünf- 
tägigen Fasten folgte und das sechs Tage und sechs Nächte 
dauerte, Männer und Weiber völlig nackt an einer bestimmten 
Stelle der Gärten; alles begann einen Wettlauf nach einem 
Hügel und jeder Mann, der ein Weib einholte, war verpflichtet, 
in geschlechtlichen Vorkehr mit ihr zu treten. 

Dalton erzählt Achnliches von den bengalischen Völkern: 
Die Ho, ein bindostanischer Stamm, der nur Ackerbau treibt, 
haben ihr Hauptfest, Magh Parak, im Januar, „wenn die Scheunen 
voll Getreide und die Menschen voll von Teufeleien sind" -, dieses 
Fest dor Ernte bei Beendigung der Arbeit des ganzen Jahres 
findet zur Zeit des Vollmonds statt. Alle Regeln der Pßicht 
und des Anstandes werden beiseite gesetsjt, Mädrhcu und Frauen 
erhalten unbeschränkte Freiheit und werden Bacchanten und 
Bacchantinnen. Man glaubt, dass zu dieser Zeit Männer und 
Frauen „mit Lebenskraft so überladen seien, dass es unbedingt 
nötig sei, ein Sicherheitsventil zu öffnen". Die Ho-Bevölkornng 
ist zu anderen Zeiten rahig und gemessen, gegen Frauen sanft 
und anständig; die Mädchen haben sonst angeborenes Anstands- 
gefühl, schamhaftes Auftreten. Aber zur Zeit des Magh Parak 
w'ojfeu sie alles beiseite, Kleidung inclusive. Alles wetteifert 
in groben Reden; sie werden tierisch in geschlechtlichen Exzessen 
und vollführen, was nur je die Phantasie von bacchantischen 
F<'&ten und von dem Pan geweihten Orgien sich ausgemalt hat. 

Das Narrenfest des Mittelalters war eine ebensolche Orgie. 
V,y fand eine Parodie der Messe statt, dann tanzte man in der 



— 179 — 

Kirche lüsterne Täuze, Scham und Schüchternheit schwanden, 
die Leidenschaft flutete ungehindert. Dieses Fest lässt sich, 
sagt Ellis, leicht zurückleiten bis zu den römischen Satumalien. 
Mannliardt verwies in „Wald- und Feldkulte " als erster darauf, 
wie eng die Frühjabi-s- und Fruhsommorfeste in Europa mit 
dem I.jiehesworb»3n und der Wahl einer Lebensgefährtin zu- 
sammenhängen. — Die Hauptjahreszoit, die mit erotischen Zere- 
monien verbunden, ist in p;'Q2 Europa die Zeit der Sommer- 
sonnenwende, der Vorabend des Mittsommers- oder St Johannistages. 
Erotisches Zeremoniell beherrschte die Feste der deutschen Oster- 
fener, die keltischen Maifcuwr, die Walpurgisnacht, von welcher 
Grimm meinte, dass sie einen gemeinsamen Ursprung mit den 
römischen Floralicn und den gdechischou Dionysiou habe. 



12* 



39* Oeffentiiche Prostitution. 



Buhleiinnen bei den Hebräern. — Altaiabische Strafen für Huren. — Der 
Koran ober Ilurerei. — Prostitution in den moslemischen Rf^ichen. — Das 
Gesetz des Sultans Gliasan. — Prostitution' in Kairo. — Die Huren sind 
TJrsachn der Pest. ~ Arabische Polizeigesetze gegen Huren. — Sultan Su- 
leiraans Sittengesetze. — Reminiscenzen aus der osmaaischea Geschichte. — 
Kleiderluxu8 und Spaziergänge der Weiber verboten. — Freiere Sitten bei 
den Bedudneu. — Bei den Beduinen Prostitution fast unbekannt. — Omer 
Ealcby über Prostitution. — In der heutigen Türkei. - Im Inneren. — 
Die Griechinnen von Sille bei Konia. — Die Töchter des algerischen Stammes 
Ulad Na'il. — In des Hafeustädten. — .An der Karawnnenbiücke in 
Smyrua. - In Galata. — In den christlichen Balkanländern. 

üebcr Prostitution heisst es im alten Testament im 5. Buche 
Moses XXIII. lä: . „Unter den israeütiscliea Mädclien soll es 
keine im Dienste einer heidnischen Gottheit der Unzucht Ge- 
weihte geben." Im 2. Buche Moses XXII 15 und 16 wird jede 
ausseroheliche Beiwohnung unter schweren Strafen verboten. Im 
3. Buche Moses XXI 9' wird gesagt: „Wenn sich die Tochter 
eines l^riesters entweiht, so entweiht sie damit ihren Vater; 
man soll sie verbrennen." Die Verbrennung geschah nach voran- 
gegangener Steinigung als Öffentliche Beschimpfung nach dem 
Tode; und über der Verbrannten wurde ein Schandhügel von 
Steinen aufgerichtet — Moses 1. Buch, XXXVJIi 24^ und 
3. Buch XX 14. Trotzdem waren unter den Hebräern die „Buh- 
lerinnon" keine Seltenheit. Unter A?itiöchus wurde allerlei Un- 
zuiht mit Weibern au heiliger Stätte getrieben. 

Wie bei /len Hebräern wurden bei den Ii-aniern von Zoro- 
aster Kindesniord nnd Konkubinage mit Todesstrafe bedroht. 
Allein das Gesetz? sagt nichts direkt gegen „Frauen, die öffeut» 



— 181 — 

lieh sich auf den Strassen aufhalten, heiter und zufrieden sind 
and sich von dem nähren, was ihnen der Zufall gibt." 

Die heidnischen Araber begruben ihre Töchter lebendig, 
wenn sie Ruien geworden waren. So bemerkt Note 4 in Ull- 
manns Uebersetzung der 81. Sure, Seite 523, nach einem Kom- 
raeutator. Abdallah Ebn Obba, der Aischa verleumdete., dem 
Propheten untreu geworden zu sein, führte selbst keinen tadel- 
losen LebenswandeL Er soll seine Sklaviunen gezwungen haben, 
«ich aJs öffentliche Dirnen gebrauchen zu lassen und ihm dafi'ir 
einf; gewisse Summe zu entrichten. Dagegen eifert — zwei 
Fliegen mit einem Schlage treffend — die XXIV. Sure des 
Korans: „Zwinget euere Sklavinnen, wenn sie ehrbar und keusch 
sein wollen, nicht zur Hurerei, der zufälligen Güter des Lebens 
wegen. Wenn sie aber doch jemand dazu zwingt, so wird ihnen 
Gott, nachdem sie gezwungen worden, versöhnend und barm- 
herzig sein." 

Nach der Sunna werden eine Hure und ein Hurer, wenn 
sie Sklaven sind, mit hundert Schlägen gegeisselt; Freigeborene, 
die solchen Lebens bezichtigt sind, werden gesteinigt. Der 
Koran bestimmt in der „das Licht" überschrie benen XXIV. Sure: 
„Eine Hure und einen Hurcr sollt ihr mit hundert Schlägen 
geissein. Lasst euch nicht, diesem Urteile Gottes zuwider, von 
Mitleid gegen sie einnehmen, so ihr glaubt an Gott und den 
jüngsten Tag." Einige Gläubige sollen bei der Bestrafung als 
Zeugen gegenwärtig sein; IV 19: „Und wer von eueren "Weibern 
eine Hurerei begeht, so nehmet vier ron euch zu Zeugen wider 
sie. Und so sie es bezeugen, so schlicsset sie ein in die Häiiscr, 
bis der Tod ihnen naht, oder Allah ihnen einen Weg gibt.'' 
Ferner befiehlt der Koran an derselben Stelle; „Der Eurer '•^qü 
keine andere Frau als nur eine Hure oder eine Götzendienerin 
heiraten, und eine Hure soll nur eioen Hurer oder einen Götzen- 
diener zum Manne nehmen. Den Gläubigen aber ist eine der- 
artige Heirat verboten." XVII 34: ,,lTnd bleibt fern der Hurerei; 
es ist eine Schändlichkeit und ein übler Weg." VII 31: „Sprich: 
Verwehrt hat mein Herr nur die Schandbarkeiten, die öSentüchen 
und geheimen ..." 

Die Prostitution ist durch alle diese moslemischen Gesatze 
In den moslemischen Ländern ebensowenig gans unterdrüci?:f. 



— 182 — 

wordeD, wie die „Eahlorei" durch die biblischeD Waniiins-en 
bei den Hebriiem. 

Der moslemische Sultan Ghasaa -wm- Persien sah sich vr-r*ii- 
lasst, ein Deues Gesetz zu erlasser, welches den Versuch mtchte, 
dio Hurerei auszurotten. Wir erfahren durch dieses Gesetz, dass 
die Frostitation damals eiüe vollkommen organisiertQ Einrichtimg 
war. Es gab die Charäbät-Häuser, Bordeile; und ausscrdcra 
siedelten sich „liederliche Frauen" in den grossen Städten 
namentlich gern ,„in der Nähe der Moscheen, Medressen und 
Klöster" en, wahrscheinlich auch in der Nachbarschaft der Ka- 
sernen — ganz wie heute und 2ti alien Zeiten and üijerall. 
Sultnn Qhasan befahl: Die Inhaber der C'har^bat-Häwsisr sollten 
^einen Mieren Kaufpreis für Mädchen bezahlen IrIs die aiiderec, 
Tfotl sie sie mehr ausnütsen". Ais der heuere l^Ma für den 
Kauf von Mädchen, die tiXt das Gewerbe der Prostitution erworbon 
wurden, ül& letztere durchaus nicht veriniaderte, ordnet«.^ der 
Suiten EU, die Charäbät-Htluser zu schliesseo, Dio Waasregei 
stiess iDdessea auf grosse Hindernisse. ]3ie Inhaber «ler Häuser 
harten ihre Mädchen gekauft, und erklärten sich natilrlicb ge- 
achadigt, wenn es ihnen verwehrt wurde, sich gleiclifain durch 
den Umsatz Ihrer lebendigen Ware ])ezal)it zu niachen. Dies 
scheint dem Suiten eingeleuchtet zu haben; er befahl schrUi- 
weise vorzagehen; ,.da Intcressengiünde die Bordelle seit alten 
Zeiten toleriert haben und die Prostitution stark eingerissen ist, 
kann roan das üebel nicht mit einem Schiago veitilgen". Man 
sollte deshalb zuuRchst blös „jene Frauen aus den (,'haräbats 
' befreien, die frei sem wollen"; die anderen aber, die mangels 
anderer Sxistenzmittei bei dem horizontalen Gewerbe bleiben 
museten und sich selbst damit einverstanden erklärten, sollte 
man vorlüufg zurücklassen. Doch wurde streng verboten, neiiO 
Frauen und Mädchen an die Charabäts zu verkaufeD. und 
schliesslich iftxierte der Sulfin für jede freigewordene Prostituiei-te 
ebien Preis, der ihrem • ursprünglichen gesellschaftlicben ßajvgo 
entsprach, und liesa sie legal verheiraten. Dieses Mittel wirkte 
noch am besten, um wenigstens den Eückfall der Bofroiten zu 
verhindern. Nach einiger Zeit hätt« man den Zweck ganz er- 
reicht, und der Historiker Wassaf sagt von der neu ang( brochenen 
Zeit der Keuschheit und Reiniieit: „Jedermann sali seine Lügt 
nur in den Augen der geliebten Person; man hörte ('.ic Guitane 



— 18::i — 

pur noch yod der XahM, der Venus des Himmeln" —- und nicht 
mehr Ton rrostituicrteii, wie früiicr. 

Der Zustand dauerte alleidiiigs Dicht lange, und bald wieder 
und bis heute klai^^en alle orientalischen Historiker über die 
üDAUsrottbaro Prostitution in den moslemischen Ländern. 

Als im 1436. Jahre unserer Zeitrechnung in Kairo die Test 
wütete, befragte der Sultan 'Almalik Älaschraf Barsebai die 
Weisen des Landes über die Ursache der Seuche. Und die 
Weisen erklärte«: „Das ist Gottes Zorn ob des Skandals, den 
die lasterhaften Weiber Tag und Nacht in den Strassen und auf 
den Märkton vermsjiciien". Infolgedessen befahl der Sultan 
diu Anstellung eines Müchtassib, eines Polizeichefs „von grosser 
Statur", um den Frauen Respekt einzuflössen. Man ^vählte zum 
„Oberautseher der Weiber** den Wibischeu defi Sultans ent- 
sprechend „einen Mann von grosser Statur, Daidät HadscLä 
Assalüri, der berüchtigt war ob seiner Strenge, seiner ünljarm- 
herzigkeit und seines gewaltigen Hochmutes.*' In dem Diplom 
der Bestalhiag erklärte der Sultan, es sei sein dringender Be- 
fehl, dass der neue Müchtassib „sein schärfstes Auge auf das 
Bei] Ohmen der Frauen richtig und insbesondere keiner einzigen 
gestatte, sich auf der Strasse zu zeigen*'. Dies berichtet Behmauer 
nach iirabischeu Quellen in seinen Mitteilungen über arabische 
FoHzeigesetze. Auch Dozy erzählt in seinem „Dictionnaire des 
vetements des Arabos", dass nach Ihn Ayäs' Geschichte von 
Aegypten der genannte Sultan im Jahre 840^=1436 den Franen 
vcr])ot, ihre Häuser zu verlassen, so, „dass selbst die Frau, 
weiche die verstorbenen Frauen zu waschen hatte, um ihr Amt 
ausüben und das Haus verlassen zu könneu, vom Müchtassib 
einen Erlaubnisschein verlangen musste; diesen Schein trug sie 
sichtbarlieh auf ihrer Isabeh, der Kopffrisur, damit alle ihren 
Bej'iif schon von ferne erkennen sollten". 

Auch im Kanuname d<^s grossen osmanischen Sultans Sulei- 
maü nehmen die Sittengesetze, als zn jener Zeit dringend not- 
wendig, elnea bedeutenden Platz ein: Suleimans des Grossen 
Gesetzgel uing befahl, die Vergehen der Hurerei nach Massgabo 
des Vermögens der Schuldigen mit einer Geldstrafe von 1000 
Aspcru füi* die Reichsten, von 30 für die Aermsteu zu strafen. 
Entführer von Kcaben und Mädchen büssfen dafür mit dem 
Verluste ihrer Mannheit. Wer der Frau oder To<:ütei eine» 



— 184 — 

anderen aufpasste, um sie zu schrecken, und sie küsste, erhielt 
scharfen Verweis und zahlte einen Asper für jedes Wort und 
jeden Kuss; wer desgleichen mit Sklavirmt-n that, kam ur die 
Hälfte leichter davon, indom er nur für zwei Küsse und zwei 
Worte einen Asper zahlte. ' Der Anklage, der Yerführuni^ sollte 
ohne Zeugen nicht Glaube bcigemesseu "werden; beschwor der 
Beklagte das Gegenteil, so erliielt das Weib oder Mädchen noch 
richterlichen Verweis und zahlte einen Asper. Der Vater, der 
die SklaViU seines Sohnes heschlief. nnterlag keiner Geldstrafe. 
Wer sich mit Tieren vorging, zahlte einen Asper für jeden Be- 
tretun psfall. 

Raufton sich ehrbare Frauen, weh he unter die Verschleierten 
gehörten, so entliess sie der Richter mit Drohungen und einer 
Strafe \otl zwanzig Aspcrn; Unverschleierto, Unehrbare aber mit 
einem Verweis und einer Geldstrafe von zwei Aspern für jeden 
Streich. Suleimans Sittengesetzc waren demnach nicht allzu- 
streng gey;en die Vergehen der Unsittlichkeit und eher geeignet, 
letztere zu ermutigen, als in Schranken zu halten. Selbst von 
der Hauptstrafe der Steinigung, welche die Gesetzgebung des 
Islams nach dem Koran auf Ehebruch gesetzt hat, konnte m-a>i 
sich nach dem Gesetzhuche Suleimans durch Geldstrafe loskaufen. 

Man glaube also nicht, dai?.^ in den Reichen der Polygamie 
die Unsittlichküit , die Prostitution und die Sucht der Frauen, 
auffallend zn erscheinen, nicht existieren konnten. Kein Volk 
ist so reich an obscöner Litteratm- wie die Völker des Orients. 

Von Sultan Mohammed IV wird erzählt: Er sass eines 
Tages in Kjöscnke Sultan Achmeds im Sommerpalaste zu Bc- 
schiktasch und las während eines Ungewitters eben in den 
Satyren, oder vielmehi" in deti sotadischcn Pasguillen Nefii's, 
welchen dieser ebenso durch Talent wie durch Unsittlichkeit 
ausgezeichnete Dichter den Titel: Nefiische Schicksalspfeile, zu 
geben sich angemasst hatte. Da schläg-t es vor den Füssen des 
Sultans ein, die Pagen stürzen hewusstlos zu Boden, der Sultan, 
erschrocken, zerrejsst die Satyrensammlung in Stücke, und — 
lässt dem Dichter seine Unverschämtheit und Unsittlichkeit 
scharf verweisen, gibt Almosen und thut Busse auf die Warnung 
d('S Himmels vor solcher Lektüre. 

Sultan Achmed II. wiederum erliess eine scharfe Polizeiordnnng, 
welche die Zigeuner zu sittigen befahl, ,.indem bisher und", wie 



— 18Ö — 

(1er Geschiclitschreiber Moliaiimiedgh'ai bemerkt, „auch seitdem 
die Weiber dieser Horden alle Huren, die Männer alle Kuppler." 

Vor den wilden Leidenschaften des empörton Volkes ist dais 
Heiligtum des Harems auch nicht geschützt: Als im Jahre 1688 
eine Emjiörerschar den Grosswesir Siawuschpascha bedrohte, 
fürohtete der zunächst für die Entweihung seines Harems, 
welchem das l^aubgesindeJ nahte; „da er das nicht zu crtrag-en 
vermoclito, stellte er sich mit seinem Aga vor die Thür, um sie 
mit PfcilcTi und Flinten wider den anstürmenden Tross zu ver- 
teidigen. Mohr als hundertfünfzig lüsterne Eaubgesellen üolen 
tot, ebenso viele wurden verwundet. Endlich aber brach Sia- 
wusch, der so tapfer die Ehre seines Harems bis auf den hetzten 
Athemzug verteidigte, als Märtyrer seiner ritterlichen Gesinnung 
zusammen. Nun stürzte der Strom des Raubgesindels unauf- 
haltsam ins Harem, dasselbe als Beute teilend und schändlich 
raissnandelnd. Die Sklavinnen wurden wie die Kisten der ge- 
raubten Einrichtung von Lastträgern auf dem Rücken fortge- 
tragen. Der Schwester Siawuschpascha's und seiner Gemahlin, 
der Tochter Mohammed Köprilis, wurden die Hände und die 
Nasen abgeschnitten, und die verstümmelten Frauen dann nackt 
durch die Gassen geschleift." 

So schändliche Misshandlungen waren bei keiner der vorigen 
Empörungen und Plünderungen der Ministerpaläste vorgefallen; 
sie wiederholten sich aber später so häufig, dass der Geschicht- 
schreiber es bei dei' Schilderung eines zur Zeit Sultan Achmeds ILl. 
stattgehabten Äufi-uhrs in Konstantinopel besonders zu bemerken 
für nötig hält: „Die Polizei ward strenge gehandhabt, gegen 
zehntausend Rebellen waren versammelt, ohne dass gestohlen, 
geraubt oder eine Frau geschändet ward; kein Magazin wurde 
geplnndei;t, kein Knabe angetastet, kein Betrunkener gesehen." 

Die Epoche des letztgenannten Sultans Achmed IIL war 
den Freiheitsbedürfnissen der Frauen ausserordentlich ungünstig. 
Dem Kleiderluxus der Weiber, welcher besonders zur Zeit der 
Kriegsjahre während des Aufenthaltes des Hofes zu Adrianopel 
zugenommen hatte, wurde durch die Verordnung gesteuert, dass 
keine Frau einen Krq,gen länger als eine Spanne, ein Tuch 
grösser als drei Spannen, ein Band, das breiter als einen Zoll, 
tragen dürfe; der Gebrauch der Hermolinpelze wurde der ge- 
meinen Klasse untersagt. Auf die Einhaltung dieser Kleider- 



— 186 — 

Ordnung uiüssteu die Kicliter yon Konstantinopel, Galatä, Sku- 
tari, Brnssa und Adrianopel, some der Janitschareuaga und der 
Bostandschibaschi schauen. Auch wurden die Tschardake, die 
hölzernen Gerüste und „Lng:insteld" auf den Dächern der Häuser 
abgeschafft, „sowohl weil dieselben die zünd barsten Feuerleiter 
von einem Hause zum anderen, als auch, weil von denselben 
Neugierige das Geheimnis bena-^hbarter Hai'ems entweihen 
möchten." 

Das Gesetz wmde wohl bald vergessen. Denn auch zu 
Konsfcaatinopel dauern manche Verbote, wie das Volkssprichwort 
sagt, nur von Mittag bis Nachmittag. 

So sah sich Sultan Machmud I. gezwungen, das frühere 
„Luxusgebot wider die grossen Umhängtücher der Weiber, die 
gestickten Pantoffeln und Hauben, die zwei Elleü langen Kragen 
der Mäntel aus Soidenzeug, und wider die zu feinen und durch- 
sichtigen Schleier, die zu knapp anliegenden Oberkleider, welche 
zu viel von Gesicht und Wuchs verrieten", zu ernencm. Einige 
Weiber, welche mit so verführerischer Ti-acht die Moslems ver- 
führen zu wollen beschuldigt wurden, ertränkte man, namentlich 
eine unter dem Namen der Teufelsaufseherin bekannte Frau, 
welcher, wie der Reichsgeschichtschreiber sagt, „auf cntblösstem 
Leibe der blau gewässerte Seidenstoff der Meereswogen als 
Kleid angemessen ward." Und wieder half alles nicht. 

Die erste Regierungsmassregel Sultan Osmans in., die von 
ihm selbst kam, war ein dreifaches Verbot wider die Wirts- 
häuser, die Spaziergänge der Weiber und die Kleider der Eajah 
gerichtet. Femer befahl dieser Herrscher: Die Weiber sollen 
aii keijiem Dienstag, Donnex"stag, Freitag auf der Strasse sich 
zeigen dürfen, weil an diesen Tagen der Sultan selbst ausgehen 
wollte. E.s schien, sagt Hammer, dass Osman IH seine lange 
Kerkerhaft eines halben Jahrhundeits jetzt den Frauen ent- 
golten lassen und das auf die Stadt übertragen wollte^ was blos 
Despot«Dsitte des Hatems: Wenn der SuJtan ins Harem tritt, 
trägt er Stiefel, die mit grossen silbernen Nägeln beschlagen 
sind, damit das Getöse derselben auf den steinernen Platten der 
Gänge von weitem dem Harem und den Sklavinnen des Herrn 
Gegenwart künde, auf dass sie zeitig genug eutflichen und sich 
in ihre Zelte und Kammern zurückziehen; denn die unaufge- 
forderte Gegenwart der Weiber könnte dem ausschliesslichen 



— 187 — 

Inhaber eines halben Tausends von ihnen Iftstig fallen; keine 
darf es wagen, ongerafen durch ihre Reize dem Blicke des 
Gebieters sich aufzadräugen, und der silberbeschlagene Stiefel 
verscheucht die Herrschaft, des Pantoffels. 

Auf Spionage-Runden, Gespräche unter dem Volke und 
Kleiderordncngen beschränkte sich Sultan Osman's HI. Selbst- 
regierung. Wider den Luxus der FrauenkJeidungen hatte er 
noch ein zweites Verbot erlassen, wodurch den Weibern der 
Text des Korans, dass sie sich für niemanden als für ihre Männer 
schmücken sollen, zu Gemüte geführt, ihnen die Tracht von 
engen farbigen 0)>erkleiJern mit langen Kragen verboten wai-d. 

Die letzte Massregel Osmans III. war ein Verbot, welches 
den Weibern das unnötijge Ausgehen und den Besuch öffentlicher 
Spaziergänge untersagte, die sie nur besuchten, um zu sehen 
und gesehen zu werden; und die Imame der Stadtviertel er- 
hielten die gemessensten Befehle, über die ursprtingiiche Zucht 
des Islams und des Koraus zu wachen, welche den Frauen das 
Haus zu hüten empüehlt. Doch ist dieses Verbot wohl nicht zu 
beziehen gewesen auf Chalwelfeste oder Spaziergänge des Harems, 
wo daß Chalwet, die Einsamkeit des Harems, durch die Ver- 
bannung der Männer aus den Strassen, durch welche die Frauen 
und Sklavinnen ziehen, gewahrt wurde, und jeder Mann, der dem 
Befehle des Rückzugs nieht gehorchte, von den Verschnitt^en 
nicht selten den Tod, sicher aber Wunden dm-ch Prügel oder 
Säbelhiebe zu gewärtigen hatte. 

In Betreff der Kleiderordaung trat Mustafa IIL ganz in seines 
Bruders Osman Fussstapfen, indem er, nicht minder streng als 
dieser gegen den Luxus der Kleider und das Erscheinen der 
Flauen auf öffentlichen Spaziergängen, die Verbote seines Bruders 
erneuerte. Um über ihre Vollstreckung selbst zu wachen, durch- 
strieh er, wie Osman III., unermüdlich die Gassen Konstantmopeis 
and dessen Vorstädte. Die erste Massregel seines Grosswesirs, 
d^ rohen Serben Daltaban, war ein Kleiderverbot, das die Weiber 
der Moslems traf. Den Weibern, „welche in der jüngsten Zeit 
statt weiter MantelMeider enge, den Wuchs umreissende, trugen 
und sich mit dünnem Musslin verschleierten, wodurch das Gesicht 
zu sehen war", wurden weite Manteikleider nttd schwarze Stirn- 
binde, um das Gesicht zu verschleiern, geboten. — Besser erging 
es stets den Frauen und Mädchen der Beduinen. Der Beduine 



— 188 — 

ist trotzdem Licht minder ein warmer Verteidiger seiner Ehre und 
besonders der Ehre seines Harems. Für seine oder seiner Franen 
Ehre kämpft er bis zum letzten Blutstropfen. Aber das hindert 
ihn nicht, ihnen menschliche Freiheiten zu gewähren; ihre Unter- 
haltungen sind Märchen und nächtlicher Gesang in hellem Mond- 
scheine. Jünglinge und Mädchen in Gruppen versammelt, wieder- 
holen in Gh<)ren den vom Vorsänger vorgetragenen Vers, den 
Gesang mit Händeklatschen nnd allerlei Bewegungen des Leibes 
begleitend. Zwei oder drei verschleierte Mädchen tanzen dem 
Chor der Jünglinge entgegen, denen beduinische Sittsamkeit ver- 
bietet, die Mädchen beim Namen zu nennen, und sie nur als ,;junge 
Kamele" anzureden erlaubt. Dieselbe Melodie des Nachtgesanges 
ist auch die des vSchlachtgesanges; bei freudigem Anlasse ertönt 
das LiJi der Weiber stundenweit in die Wüste, und bei Sterbe- 
fällen der Klagefrauen Todesgeheul. 

Während bei den Beduinpn trotz allen freiheitlichen Ver- 
kehres der Geschlechter die Prostitution fast unbekannt ist, 
dringt sie in jenen moslemischen Ländern, wo die Frauen 
noch streng abgeschlossen gehalten werden, immer tiefer ein, 
und immerfort muss gegen sie gepredigt werden. Deshalb sagt 
der Türke Omer Haleby den Gläubigen warnend: „Es gibt 
Leute, welche euch erzählen, es existiere kein Vers im Koran, 
der direkt die Prostitution verbieten würde. Antwortet darauf: 
indem das heilige Buch den Ehebruch, die Sodomie und den 
Sameuverlust verdammt, verurteilt es auch die Prostitution. Aus- 
drücklich geschieht dies deshalb nicht, weil die Prostitution bei 
den Moslems nach den moslemischen Gesetzen und Sitten gar 
nicht vorauszusetzen ist. Die Prostitution ist das Resultat der 
Moiiogamie, sie verschwindet in einer polygamischen Organv 
sation, die den Individuen alle möglichen Befriedigungen gewährt 
und ihnen Uebcrflass darbietet. Fliehet, o ihr Gläubigen, alles vas 
die Prostitution streift! Fliehet die Prostitution, denn sie ist 
ein Werk der Götzendiener, der Juden und Christen 1 Fliehet 
sie, denn sie bringt euch um die Gesundheit, öffnet eueren Leib 
den Einflüssen des Dämons und den desorganisierenden Winden 
des üebels ! Fliehet sie um eueretwillen, um der Eueren wülen, 
um euerer Freunde willen! Fliehet sie als eine der Lehre des 
Propheten entgegengesetzte Sache!" 

An ehier anderen Stelle meint Omer Haleby, die Prosti- 



— 189 — 

tution sei in die Länder der Moslems und namentlich in Stanibul 
nur „durch, die zahlreichen Berührungen der Gläubigen mit den 
Juden, den Götzendienern und den Christen eingedrungen". Das 
erhelle daraus, dass die Prostitution in den ersten Jahrhunderten 
des Islams in diesem unbekannt war. Endlich beantwortet Omer 
Haleby die Frage, ob es erlaubt sei, mit einer Prostituierten 
zu verkehren, nochmals in resümierender Weise: „Die Ansichten 
hierüber sind verschieden. Die Einen sagen: Ja, wenn man das 
Mädchen generös bezahle, und es aus gesundheitlichen Gründen 
thue, um sich von Samenüberfluss in Abwesenheit der legalen 
Bettgenossin zu befreien, und nicht aus perversen Gründen. Die 
Anderen halten den Coitus mit einer Prostituierten für durchaus 
unerlaubt und vom Koran verpönt. Meine Meinung ist: Im 
Prinzipe ist es nicht einmal erlaubt, mit einer ungläubigen Frau 
zu schlafen, weU dies allein schon Pfosticution und Schmutz ist 
und daraus später ein böses Beispiel für unsere Frauen und 
Töchter resultieren kann. Aber da wir genötigt sind, mitten 
unter emer Menge Andersgläubiger zu leben, und die Prosti- 
tuierten, die uns umgeben, Gottlob zu diesen Andersgläubigen 
gehören, so glaube ich, dass man mit ihnen sich vermischen darf, 
wenn diese Vermischung uns von Ehebruch und Blutschande 
abhält''. 

Nichtsdestoweniger dürfte auch der brave Omer Haleby 
gewusst haben, was jeder Kundige weiss, dass selbst unter den 
Türkinnen und den Araberinnen, und selbst in den innersten 
Provinzen der Türkei, die Prostitution geduldet ist. Angora ist 
seit altersher wegen seiner Sittenlosigkeit verrufen und hat 
seinen Euf seit der türkischen Herrschaft nicht verbessert. Das 
türkische Wüajet Kastamuni ist von der Syphilis total verseucht 
Nach dem ganz türkischen Konia kommen, wie ich selbst dort 
beobachtete, vom nahen griechischen Dorfe Sille die Frauen an 
bestimmten Tagen der Woche, wenn ihre Männer auf den 
Feldern arbeiten, herüber und verdienen mit der Prostitution 
bei den Türken beträchtliche Summen. Aehnlich wie diese 
Griechinnen treiben es — v/ie Regia in den Anmerkungen zu 
El Ktab 71, ^ote 3 erzählt — die moslemischen Töchter des 
Stammes Ulad Naü bei Biskära in der algerischen Provinz 
Constantine. Sie lassen sich von einem Jüngling des Stammes 
entjungfern und wandern dann von Ort zu Ort bis Algier, 



— 190 — 

Ooustäiitme und Oran, um sich der Prostitution in solchen 
Häusern zu ergeben, in welche man nur Beschnittene — Mos- 
lems und Juden ~ einlädst; Christen acceptieren diese Prosti- 
taierten nur mit sichtlicher Schanj. Wenn sie dann GvMd erspaii; 
haben, kehren sie heim und verehelichen sich trewöhnlich mit 
dem Manne, der sie entjungfert hat und dem sie nun treu bleiben. 
Weun dem so, wie geschildert, im Innern ist, dann kann man 
e*5 begreiflich finden, dass in den riafenstädtcn die Sitten noch 
weniger rein geblieben sind. Namentlich an drn Küsten Ara- 
biens und Aegyptens ist ,der Islam kein Hindernis für die Pro- 
stitution. 

In Srayrna dagegen ist das spezielle Hiirenquartier an der 
Karawauenbrückc — ein Rendezvousplatz orientalischen bunten 
LeliCüs — meist von Griechinnen und Armeuien/inen bewohnt. 
Im Konstantinopeler Hafenviertel Galata sind Prostituierte aller 
Nationen der Welt zu finden. 

Bekannt ist die Sittenlosigkeit in einigen christlichen Balkan- 
ländern. Selbst in den besseren Hotels in Bukarest und Belgrad 
gibt es unter den Bediensteten stets solche, deren spezielle Auf- 
gabe es ist, den Durchreisenden i'rauen zuzif (ihren; diese Frauen 
sind durchschnittlich für zwanzig Francs zu hal)en, gehören 
manchmal den sogenannten besseren Ständen an, kommen aber 
nur zu Fremden, von denen ihnen voraussichtlich keine Entdeckung 
droht. Der Verdienst dient nicht dazu, des Lebens Not zu 
lindern, eondern geht in Parfüms und nichtig(;m Tand auf. In 
kleineren Städten und kleineren Hotels bieten sich die Stuben- 
mädchen selbst den Fremden an; diese Sorte ist auf solchen 
Verdienst als einzige Einnahmequelle angewiesen, ja sie muss 
den Hurenlohn oft mit den Dienstgebern teilen. Nur in Bul- 
garien ist durch Stambulow ein strengeres Hcgiment eingeführt 
worden, und in Sofia und Philippopel sind die I*rostituierten in 
besondere Quartiere ver])an]it, deren Häuser die x\ufschrift tragen: 
jyPublitschny dorn, offen lliches Hans". 

Der Serbe meint, wie es in einem Liede heisst, eine Hui'« 
Ifichl von anderen Frauenximmern zu unterscheiden: „Ich stelle 
eiebon, acht Mädchen zusammen und erkenne, W(;lche von ihuoa 
eiue Huie ist: jede Hure ist in der Taille dünn, ein anstäudigea 
jtfti'li.-hen aber ißt in der Taille dick." 



— 191 — 

Wenn auch die Leichtfertigkeit an sich, sobald sie aus 
Liebe resultiert, bei den christlichen Balkanvölkem nicht als 
Bchinipflich gilt; wenn man sie g-leichsam mit dem hitzigen 
Temperament der Südländerinnen natürlich zu erklären und zu 
entschuldigeh sucht, so ist doch eine Frau, die für Geld feil ist, 
iu allen Fällen gesellschaftlich anrüchig und verachtet. 



40, Das Vorgehen bei der Geschlechts- 

funktion. 



Defloration. — SchmieTeu des Penis. — Bei den ludern. — Bei d«n 
Serben. ~ Lieder darüber. ~ Unreinigkeit des Coitus. — Bei den Völkern 
des Altertums. -- Moj>lemische Gesetze und Anachauungen. - Eütbaltung:s- 
g:elioto ^jci den Moslems und dei; Drusen. — Der Türke Omer Haleby über 
das Vorgehen beim Coitns. — AbeTgläubische Furcht vor dem Dämon beim 
Coitus. — Wf.schungen und Parfüms nach dem Coitus. — Indische Art des 
V'^rgehens. ~ Ein türkisches Kussgedicht. — Südslavisohe Küsse. — Parallele 
ans Ovid. — Zartheit und Leidenschaft. — Erotisches und Schweinisches. — 
Das Schlagen und Beissen beim Coitus. — Sinnlichkeit und Zank, Liebe und 
Zorn. — Beste Zeit zum Coitus. — Türkische Ansichten. — Süd- 
slavische Meinungen. 

Die Defloration ist nicht immer eine leichte Sache des Ver* 
gnitgens. Einen schweren Fall schildert in humorvoller Weise 
ein wcitverhreiteios bosnisches Lied: „Die Pitschka wand um 
den Penis eine Krause. Als der Penis in «?ute Laune geriet» 
zersprangen die Knöpfe um ihn. Ihm wurde übel, weil die 
Pitschka sich entkleidet hat; die aber ist gutgestiiumt, weil sie 
sich wacker gehalten hat," um die erste immissio penis in 
vulvam zu erleichtern, muss man ihn schmieren. 

Bei den Lidern wurde, um den Penis „gewinnend" zu 
machen, Folgendem gethan Man bestrich ihn „mit dem mit Honig 
ircmischtea Staube von Datura alba, Pfefferstaudo und Piper 
long'um**. Ferner heisst es im Kamasutram: „Euphorbia nerii- 
folia und Euphorbia antiquoriim, in Stücke zerschnitten, mit 
Pulver von rotem Arsenik und Schwefel verseben, siebenmal 
getrocknet und zu Pulver };erio])en, damit und mit Honig" den 
Penis bestrichen, wirkt ebenfalls gewinnend." 

Der Serbe möchte sich bei der Defloration nicht gern ab- 
mühen. Er schmiert die Oeflfuiing der V^ulva und .sich selbst 



^ 193 — 

das Glied und den Kodcmsaclc mit Fett ein. Ein serbisches 
Li«dchen lauiet; „Die Mizttf^r sandte Marie Ju den Reigen, hatte 
ihr aber <?ie Piaa mit ünschlitt versebmiert , damit sie nicht 
xerspriijg^e döTch eißen dickcu Penis.** Auch ein polnisches 
Lied — Ki-yptadia III 332, Nuuiiner 60 — bedingt das Ein- 
schmieren der Vulva mit ünschlitt Der Serbe wählt za diesem 
Zwecke am üebston Fischfett. Er sirtgt: „Gib mir, o Gott, 
lan^^c Boine, damit ich den langen Teich darcliwate^ damit ich 
den Recht einfange, damit ich ans dem Hecht äen Schmeer 
herausnehme, d&md ich der Piza die Goschen beschmiere . . ." 
Ein bosnischer Sänger gebt noch weiter, indem er sein© Helgen» 
naetibfidn durch das Lied auffordert, selbst die Butter ausza- 
lassen, viomit er seia Glied salben könnte, um sie leichter zu 
bezwingen: „0 m helistimnuges Mädchen, schmilz mir Batter, 
damit ich mich mit Butter vollspeie, um dir die Piza zu spren- 
gen." Sin anderes bosnisches Lied empfiehlt — wie das Ka- 
Hiasutram der lodier — «Icn Honig za diesem Zwecke, indem 
es singt: „Meißc Mutter schickte mich in das Milchkämmerchen 
um die kleine jSiangenwaa^Ci, dannt ich eine Litra Honig ab- 
wäge, ^em Penis dm Kippen bestreiche, um der Piza den Busen 
„durehsureissen*'. 

Die Geschlechtsfunktionen galten schon im Altertum als 
unrein. Herodot erzählt, daas bei den Babyloniern beide Oattcn 
nach dem Beischlafe ein Weihraachopfer bringen und dann bei 
Tagß&anbriifih ein Bad nehmen mussten. 

Die Assyrer hielten sich nach dem Ooitus für eben so un- 
ein, als hkti&n sie einen Toten berührt. Bei den Jndeu ver- 
unreinigte jede Beiwohnung, wie es im 8. Buche Moses XV 18 
heisst, beide Teile bis zum Abend. Mantegazza erwähnt in 
„La Donna", dass eine jung\'erßeiratete Lappländerin ihi* Gesicht 
zwei Monate lang vor dem Gatten verbergen iiiüs.se und sich 
ihm erst nach dieser Frist hiigeben darf. Schellong eraahlte 
in der Zeitschrift fiir Bömologl* i«8» L 18, dass die Pupuas 
in Kaiser •Wilhclmslaud den CoUtts nur im Oohofmen ausüben; 
irer sich dabei sehen 13«st, gill t\if idiotisch oder wahnsinnig. 
In Tahiti aber, bemerkt Ellis iach Tautaln, »rird die Ehe am 
Hocbzeitstage vor Zuschauem vollzogen. Bei den SUbba in 
Arabien müssen die Eheleute die ersten acht Tage beisammen 



— 194 — 

bleiben und «itirfen mit niemandem in Berührung kommen, denn 
sie gelten ajs unrein. 

Anderwärts dürfen die jung-en Eliolcuto wolil mit den an- 
deren Mensclieu in Berührung kommen, Kber nur einzeln, bei- 
sammen dürfen sie eine Zeit lang nickt gesellen werden. Uie 
katholischen Maljsoren in Ohcralbanien betrachten es, wie Hahn 
berichtete, als eine Schanae, wenn der neuveruiählte Mann be- 
merkt wird, wie er sich zu seiner jungen Gattin begibt, oder 
von ihr zurückkehrt. Hat das junge Paar, etvv'a bei einer zahl- 
reichen Familie in einem iiicbt wohliiab enden Hause, nicht einmal 
ein eigenes Gemach, danii treffen sich Manu und Frau bis zur- 
Geburt ihres ersten Kindes nur heimlich. 

Der Koran verbietet den Moslems in der IV. Sare 46: zu 
beten, wenn man sich durch Samenverlust befleckt hat, bevor 
man sich gewaschen; es sei denn auf der Eeise: „wena ihr 
krank oder auf der Reise seid, oder eure Notdurft verrichtet, 
oder euere Frauen berührt und ündet kein Wasser, so nehmet 
feinen reinen Sand und reibet Angesicht und Hände damit . . .' 
Auf denselben Gegenstand kommen noch mehrere andere Stellen 
zurück; so fast wörtlich: Koran V, 9. 

Omer Haieby kommentiert diese Frage im „El Ktab'' fol- 
gendermassen : „Der Coltus ist vom Schöpfer angeordnet und 
daher der Schlüssel zum Gewölbe der Natur; er werde ausge- 
übt wie ein Lobgesang auf den allmächtigen Gott, den Fruchtbar- 
machenden. Aber er ist auch die Konzentration aller Angrifi;e 
des Scheitan, dessen Aufgabe es ist, sich in die Trunkenheit 
und die Freuden der Menschen einzudi-ängen, um die Keinheit 
dieser Genüsse zu trüben und ihre himmlischen Zwecke zu ver- 
unstalten. Dadurch erklärt sich ,,der unregelmässige ("Koitus" 
"ond die Störung in den Gcschiechtsorgauen . . .'' Omer Haieby 
will damit sagen, „dass im Momente des Eindringens des Mannes 
in die Frau die Dschinuen und bösen Geister ebenfalls in die 
Gebärmutter zu gelangen trachten, um die Ivinder krank oder 
zu Missgeburten oder zu moralisch verkommenei Wesen zu 
machen." Deshalb soll man den Coitus mit einem Segensspruche 
einleiten und im Momente des Samenergusses abermals ("Lottes 
Namen anrufen. Aehnlich sagt der Scheich Dschellaleddin Abu 
Soleiman Daud: ,,Im Momente, da man den Coitus beginnt, ist es 
gut und löblich zusagen: „Bismillah!" entsprechend dem Worte 



— 195 — 

dos Propheten: Wenn einer von euch seiner Frau sich näliort, 
lind dabei spricht: „Ln Namen Gottes! mein Gott!" dann jagt 
ihr alle Beide den Teufel in die Flacht, denn es ist, als wenn 
ihr sagtet: „0 Gott, entferne den Teafel von den Wohlthaten, 
die du uns erweisest.*' 

Schon Zoroaster betahr dasselbe: Der eheliche Akt sei ge- 
heilig't durch das Gebet. Man rufe aus: „Ich vertraue euch 
diesen Samen, o Sapondamad, Tochter des Ormuzd I . . ." An 
jedoni Morgen spreche der Gatte seine Bitte an Oschen au^^, der 
die Frnchtkeime spendet. 

Aus solchen Gründen mag auch das Gesetz vorgeschrieben 
worden sein, welches den Moslems den Besuch der Frauen 
an den Tagen des Fastenmonats Eamasan verbietet; in den, 
Nächten dieses Monats ist er jedoch gestattet. Im Koran II 
heisst es: „Es ist euch erlaubt, in der Nacht der Fastenzeit 
eueren Frauen beizuwohnen; denn sie sind euch, und ihr seid 
ihnen eine Decke (das heisst hier: ihr seid euch gegenseitig uu- 
enlbehriich). Gott weiss, dass ihr euch dieses versagt habet, aber 
nach seiner Güte erlässt er euch dieses; darum beschlafet sie, 
bis man beim MörgeUvStrahle einen weissen von einem schwarzen 
Faden unterscheiden kann. Dann aber haltet Fasten bis zur 
Nacht, bleibet von ihnen . . ," In demselben Kapitel, das die 
Vorschriften für den Beischlaf im Ramasan enthält und das 
„die Wallfahrt" betitelt ist, heisst es: „Die Wallfahrt geschehe 
in den bekannten Monaten, Schewal, Dhulkada und Dhühedscha. 
Wer in diesen Monaten die Wallfahrt unternehmen v/ili, der 
mnss sich enthalten des Beischlafes." 

Hier will ich auch erwähnen, dass die Gesetze der Drusen 
die Enthaltung nach Empfängnis und während der Stülnngszeit 
befehlen und ausseixiem nur eine einmalige Begattung im Mo- 
nate zulassen. 

Omer Haleby empfahl ein zartes Vorgehen beim Coitus: 
„Wenn ihr den Akt beginnen wollt, so zieht eure Frdu sanft 
zu euch heran und sagt ihr süsse Dinge, die sie vorbereiten, 
eine würdige Teilnehmerin an euerem Vergnügen zu sein. 
Liebkoset sie, und sie liebkose euch. Küsset sie auf die Wan- 
gen, auf die Lippen, auf den Busen, auf den Nacken, ?.nd spielt 
mit ihren Haaren. Wenn ihre Natur eiue kalte ist, wenn ihr 
sehet, dass ihre Aufregung mit der eueren nicht übereinstimmt, 

lö* 



— 196 — 

so legt- enere Hand auf Ühre Clltoris, mnd wena ts unbedingt 
nötig- hfy so erreget sie dort leicht oder energisch, aber ohne 
bis zur Onanie zu gehen; denn das Gesetz verpönt im Alige- 
Dieineo solche Praxis. Diese Zärtliehkoiteii soll äucIi die Frau 
cucb erweisen; ja sie soll euch sogar in dieseu entziiciieiiden 
Spielereien vorangehen, so wie es dar heilige Prophet bei ver- 
sciiiedeßen Gelegenheit<in empfohlen hat." 

Auch, das indische Lfehrbncb der hleha cmpnehlt, zu. Beginft 
des Cültus die Vulva mit der Hand zu reiber?, und den Beischlaf 
erst asaszuüben, wenn die Frau bereits Wollcstempiindnugen hat. 
Man kann namentlich — heisst es dort — ein Weib Hastinij 
ein "BJefantefl-Weib — nämlich eines, das eine übennässigf 
grosse Vulva besitzt — nicht eher befriedigen, als bis mau sie 
durch B/Ciben der Vulva heftig erregt hat. Ebenso heisst es bei 
Ovid: Im Bette sollen die Liebenden ihre Hände nicht unb«^ 
vi'eglieh halten; ihre Finger sollen sich üben in dem mystischen 
Asyle, wohin die Liebe gehoiin einzudringen liebt. Wenn ihr 
diese Ge?renden gefunden habt, die eine Frau gern benihvt fühlt, 
so soll euch thörichtc Scham nicht hindorn, eure Hand dort ver- 
weilen zu lassen Ihr werdet in den Augen der Geliebteu eine 
bewegäiciso Helligkeit aufblitzen sehen, eine Helligkeit wie jene, 
wenn sich die Strahles der Sonjie in den Wasserweilen erfri- 
&chen Sie wird angenehme Worte reden, iiebesseufzer, Aechzen 
nnd zartes Girren ausatossen. 

Wönis „alles bereit ist für das Eindringen", wenn die Frau 
auf solcb.e Weise erregt wurde und „durch schnellere Atemzüge 
irnd durch leise Ausrufe" zeigt, dasa sie Rieb in der Lage be- 
findet^ um mit Vorteil den „Sanienliqueur" zu empfangen, dann 
— sagt Omer Haleby — lege sif^h der Mann auf sie: Gesicht 
gtgen Gesicht, I^uch gegen Bauch; nicht brüsk, aber doch mit 
einer cuergischen Sanftheit, und bcgiuno mit einigen kräftigen 
Stössoü einzudringen. In diesem Momente sollen Beide, um den 
Teufel IM Yert:;^'eibDn, ausrufen: „Im Nanum Gottes!" . . . Und 
wenn im Angenblicko des Schlu.sskrampioF., im Augenblicke des 
Ergnsee,»^, die Frau wie in Ekstase uiibo^veglich liegen bleibt, 
dann fuge der Mann den Rest der heih'gen Formel hirjju: 
„Barmherziger und Gn&digerT . . . 

Wenn mi^ti also hauAelt, dann wird, nach Omor llalebya 
Aftsicat, dftft iiv.tK f ankommen sein, and das Kin«l, (ü&r mau in 



— 197 ^ 

diesem Momente gesdiÄffeii, wird nie die Hand des Dämons 
fühle«. Nach beendetem Coitus wasche mac sicli, parfümiere 
man sich und da?±e abermais Gott. 

Öen&u so wie diese türkische Art, sich der Frau zu näberß, 
ist die indischet Vatsyäyana, der Verfasser des ipdiscbca I'^hr- 
buches der Liebe, empfahl zartes Vorgehen beim Liöbes werben; 
„Der sieb Nähernde gehe äu Werke, ohne etwas w überhaste» 
Ulumenartig- sind ja die Frauen aad müssen sehr zart umworben 
werden. Wenn sie von Leuten, di« ihr Vertrauen noch aiuht 
besitzen, ungestüm umwörbon werden, lernen sie die geschiecht« 
liehe Vereinigung ]<asseu/* 

Ein anderer indischer Schrift-steller, Bhartrihaii, sagte: 
„GlückUch die, welche küssen: den Honig von den Lippen der 
jnngen Fi-anen^ die m ihren Armen ruhen; welche küssen: die 
»nfgejöstea Haare, die halbgeschiossenen Augen ; welche küssen; 
die Wangen, feucht vom Schweisse, den die Mühe der .Liebes- 
geniisse erzeugt hat." 

Bezüglich der Anwendung der Küsse im geschlechtlichen 
Verkelire empfahl das Kamasutram den Indejrn folgende Regein; 
Während des ersten Coitus soll man sie nicht aliiahäufig m\- 
wenden, um erst Vertrauen zu erwecken. Darauf aber sehr eilig 
und iß besonderer Häufung, uni die Leidenschaft auzüfechen. 
Auf die Stirn, das Haar, die Wangen, die Augen, die Brust, 
diu Lippen und daa Irmenmund drückt man Küsse ; hQ\ den Be- 
wohnern von Lata auch auf die Verbindungsstelle der Schenkel, 
die Aiiühöhle ncd die Gegend unter dem Nabel. 

Ein schönes türkisches Gedicht, von Griinfeid übersetzt« 
folge hier: 

ich vrJU nicJifc, dass der Mond Deiu Antlitz sieht, 
Wenn er zur Nacht an Dir vorüberzieht, 
Und dass des Tages Sonne Dich erwäru)!, 
Indes sich Kerem wfinend um Dich härmt. 

Ich will Dicht, dass der ßegea dich ers^etzt, 
Wenn alle ander' n Blumen er henetat: 
Ich will nicht, dass Dich Deine Mutter* Hebt, 
und dass sio ihit-m Kinde Küsse gibt! 

Ich will Dein Mond um! Deine Sonne sein; 
Und dürstet Dich, bin ich der Mandsehernk Dein. 
Ich will Dich lieben jetzt und iaimerdar. 
Und will allein Dir küssen Mond and Haai. 



— t9S — 

Die Südslaven kennen eine ganz besondere Art des Küssens, 
genannt: „jezicati se", sich züngeln: i,I)or Mann stcslrt dem 
Frauenzimmer die Zungenspitze ti-jf in lici'. Mund." Die biid- 
slavcn glauben, „dass Frauenzhiimer dadurcli gescblechtlioh uu- 
geheuerlicli erregt werden -ind sich dein Manne wider&tand.slos 
hingeben'' . . 

Aber es gibt nichts Nt'ues unter der Sonne, und in den 
Arten, wie die Menschen dm' Lie1>e fröhnen, schon gar nicht. 
Sagt doch Ovid in scinijr ,.Ars amatoria'* XIV. Elegie des III. 
Buches: „Es gibt einen Ort fürs Sch\\=;elgen. Dort, erröte nicht, 
dich dort von der leichten Tunika zu befreien, die ;leine Reize 
verhüllt, und dort auf deinem Schenkel den deines Geliebten 
zu halten; dort möge zwischen deine Rosenlippen gleiten seine 
Zunge, tief in deinen Mund" . . . 

Der Mann wünscht wohl überall, dass es der Frau an lieiden- 
schaft beim Coitua nicht fehle. Schon ein Fjpigiau;m bei Martial 
X 60 lautet: „Ihr fragt, ob Chloc oder Phlogis besser in der 
Liebe sei? <';Uoe ist die Schönere, aber Phlogis ein Vulican, 
der Nestor verjüngen würde; Cliloc dngegen fühlt nichts. .Man 
könnte glauben, sie sei abwesend oder aus Marinor. Gott maclie, 
dass Phlogis die P^ormen von Chloe und Ohloe das Feuer der 
Phlogis erhalte!*' - Die ßalkanslaven lieben celeres femiiiae inter 
coituui iactationes. Sie soll venire et clunibns „tüchtig v.ackelu 
wie mit einem Bafersacke", wt'ihrend der Manu „wie mit einem 
Weberwirtel in der Vagina heramarbeiten soll." So singt man 
in Bosnien allgemein. 

Und so sang schon Ovid: ,, . . • dort .spare nicht mit süssen 
Worten, mit provozierenden Zärtlichkeiten, lass dein Lager er- 
zittern unter unzüchtigen Bewegungen . . , ." In zahlreiclien 
Liedern feuert, der SüJslave F:ich an, in feminam quam lon- 
gissime penetrare. Ein Moshirn Lied in Doboj in Bo.snien meint; 
Der Penis solle „der Pischka die Zähne einschlagen und so tief 
in ihren Rachen dringer:, dass sie nicht mehr piepsen" könne. 
In V^'estserbien singt man: „0 Mädchen, sollst mir gewähren, 
damit ich dein Einspänner werde, deine Beine die Deichsel- 
stangen; tibi iilum in protiindum impello usque ad auumi" 

Von dem Erotischen vorirrt man sich manclimal in das roh 
Schweinische. ' So wenn man im Liede dem Mädchen zuruft: 
„(.) Mägdleiu, Mägdlein, fasse es als Scherz nur auf) dass ich 



— 199 — 

iD einen Einaug in deinem Pisswasser ersauf!" Noch ärger ist 
es. wenn man behauptet, „eine gute Vagina müsse stinken"; 
oder wenn der Mann alle Unsauberkeit, die sich iuter glaudem 
et pracputium penis ansammelt, sorgfältig vschont, weil er glaubt, 
ein so bedeckter Penis erhübe die Wollust. Oder: wenu man 
vorlangt, da.ss die Frau beim Coitus eine gewisse üble Musik 
anstimme, was im Sprichwort, mit den derbsten Worten ausge- 
drückt wird, was ich hier aber so übersetze: es giebt nicht 
„Eius*^ ohne das „Andere". Beim Anblick eines begehrens- 
werten Weibes ruft man in den Balkanländern aus: „Ha, die 
würde unter mir tüchtig kaallenl" Bin derartiges Schnadahüpfl 
will ich hier noch, der Vollständigkeit hall^er, übersetzen; ich 
überlasse es aber dem Leser, sich den letzten Reim selbst zu 
machen: „Es gibt keinen Regen ohne Donner und Blitzen, und 
keinen Fisch ohne Wasserspritzen; keine Pistchka ohne Hinter- 
backen; keine Brust ohne Warzen und keinen Coitus ohne — " 

Ein russisches Sprüchwort sagt: wer seine Frau liebt, 
prügelt sie. Schon das indische Lehrbuch der Liebe widmete 
ganze Kapitel dem Misshandeln der Geliebten, des Mannes wie 
dor Frau, um die Leidepschaft zu steigern. 

A\'ie der Verfasser des indischen Lehrbuches sagt: „Der 
Liebesgenuss sei eine Art Streit", so liess schon Hesiodus in 
seiner Theogonie das sinnliche Vergnügen und den Zank als 
Zwiiiiijgo geboren werden. 

rropertius meinte: es gebe bei einer Frau keinen furiosen 
Zorn ohne heftige Liebe. Soll man an ihre Treue glauben, so muss 
sie sich durch Beschimpfungen zeigen. „Gott der Cythero, gieb 
meinen Feinden eine fühliose Geliebte. Meine Rivalen mögen 
auf meinem Busen die Zähne meiner Geliebten zählen. Die 
bläulichen Linien mögen allen zeigen, wen ich neben mir 
habe" . . . 

Bei Lucian spricht Ampelis zu Chrysis, die sich über die 
Schläge des Gorgias beldagte: ,.0 meine liebe Chi-ysis! Die 
Eidschwüi-e, die Thräneu, die Küsse — alles sind nur Zuff'Mo, 
die sich bei einer beginnenden Liebe äussern. Allein, v. 
man dasjenige, was man liebt, schlägt — das ist die Probe 
einer grossen Liebe ... Du kannst nichts mehr wünschen, 
als dass dein Geliebter in dieser Weise fortfahre . . ." 



^ 200 — 

Das Misshandeln der Frau vor dem Coitus, nra d5e »escMecht- 
liehe Erregung zu steigern, ist bei allen Balkan Völkern in. Ge- 
brauch. Zu demselben Zwecke lassen sich doi-t auch die Ifäuner 
TOD den Frauen bescliimpfoii imd schlagen, Boim Coitas acl^ 
es die iiöchste Glut a», wenn man sich m einander verbeisöt- 
man hat dafür bei den Balkanslavea einen i-pmieihn Äasdrack: 
„giiskati se". In einem Liede frag-fc die Matter ihr vom Felde 
helmkehreades Töchterchen: „Was sind (lerne Äugen so träl) 
geworden, was ist dein weisses Angesicht von Ziilinejci zerbissöB?" 
In einem anderen Liedchen jubelt da3 Mädchen: „Mit doji Zähiiön 
hat er mii* (üe Brlhte wund g-ebisseii." Mit solchem Zeichen 
der Mannesliebo prunkt föiTolich die .iangverLeiratete »SädslaYin 
ebenso wie die Indierin. 

Auch der Türke Omer Halcby bekennt sich znm Satze: 
„Ein Weib bewundert donjenig-en, der sie verachtet uad gelbst 
schlägt'* 

Am besten ist es, nach türldscbe? Meinung, wie sie 
im El Ktab des Hodscba Omer Haieby Abu Oisman geäussert 
wird, den Ooitus am Abend auszuführeii, naoli äer Verdauung 
des Abendessens, wenn der Leib in öinem massigen, noiinalen 
Zustand zwischen Wärme und Frische, xwischsn Füllung nnd 
üeberfiUlung, mit einem Worte in einem möglichst mitteimässigen 
Zustande sich befindet. Jedenfalls ist es gut, wenn man sich 
zum Coitus nicht mit leerem Magen begiebt; „der Sohn Omers 
beschüel nie eine Frau, wenn er nicht zuTor gegessen hatte",. 
Nach der Meinung des weisen Dscheilaieddin Abu &*oleijiian 
Daud darf man nicht coitierea,- wenn man müde, sorgenvoll, 
bekümmert ist oder eben eine Arznei genommen hat. Die beste 
Regel ist, nur dann zu coitieren, „wenn das Bedürfnis dazu 
lebhaft, vorhanden ist und der Wunsch, den Coitus zu vdlführen, 
weder durch gewaltsame Mittel, noch durch lüsterne Blicke, 
noch durch erotische Gedanken herbeigeswungen ist; bios die 
Anhäufung des Samenliqueurs soll askJmieren imö zw: fleiscjb.lichan 
Vermischung drängen". 

Die Südslaven halten dafür^ wie eß in einem äer Krauss'schen 
Lieder heisst, dass ein FrauenEimmer acht Tage nach einer 
glücklichen Niederkunft mit einem gesujiden Kinde „am süssesten'* 
zu finden sei. Als beste Tageszeit sur Ausübung dm Ooitus 
gilt bei den Südslaven die Morgendämmerung. Wenn man sein 



— 201 — 

Liebchen besuchen wolle, heisst es m einem: weitverbreiteten 
ßeigenliede, so komme man zu ijir im Morffengr^iUen; „da ist 
jedes Lieb am angenehmsten". 

Die Serben sagen in einem Liedej „Nimm" — der Original- 
ausdrnck nennt die Sache beim ordinärsten Namen — „nimm 
die Alte abends, damit sie dir ein Hühnchen brate; das junge 
Weibchen im Moi"gengrauen, damit du von ihr ein Hemd be- 
kommst; doch das Mädchen jedesmal, so oft dir penis erigitur"... 



41. Die Arten der Geschlechtsfunktion, 



Einteilung dor Coitusarten nacli den Dimeosioncu der Gcschlechtsteiic. — 
Ovid^. Sprüchlein. — Einteilung der ägyptischen Fdlachenfrauen uacb der 
Form ihrer Vulva. - Südslavisohc Liedei übt:r Rj.ge oder Weite der Vuhd — 
Eine Klage des Dichters Martial. — Mitlei ^iir Vcrengcxung «'.er Vulva. — 
Das Geheimnis der Poppäa. — Indische ^liHcl. — Serbische Lieder. — V>&3 
männliche (.rUed. — Loijhynn;t:'j aiii iif giosHcn und kralligen Glieder. — 
^potilieder auf die kleinen. - Das Alte Testuuiont über diesen Punkt. — 
luciiscbe li.iutcilurig dur Vermifechungcn. — T'er Koran über die Coitus- 
Artcu. — Lehren des Türken 0/ner Ralehy. — Türkische Arten. — Süd- 
slavisches. — Bosnischer Coitus aul' d-ra Schosse. — Die Unterlage der 
Frau. — Der serbische Coitus. — Ealgarischc Art. — Arabische Art. — 
Dalmatin-sche und kroatische Art 

Die orientalischen Liebespliysiologon IjemeHsen fast allo die 
Stärke des Genusses beim Coitus jo nacl). den JJimensionen der 
Gesctilecbtstoile der coitiorendcn Personen. Eine kleine Vulva 
wird fast iniiiier bei der Fran erwinisciit, and ein kräftiger 
Penis zicit den Mann bes-mders. 

Man kennt Ovids Sprüchlein, wonacli man diese Vorzüj^e 
der Frau oder des Mannes schon mit einoni ci'.izijj^en Blicke 
ä'.isserlich erkennen kann: „Bei der Frau ■— kleiner Fuss, kleine 
Vulva; bei dem Manne - grosse Xa.-^.o, ;^tossos Glied."*) 

Bei den äjr.viitischon l''el]abiu werden nach iSchweinfurths 
Bericht die Frauen in Hinsicht ai:f die 1^'orni ihrer Vulva in 
drei Gruppen eingeteilt: iii die Scbelenldjeh, Ennabijeh . und 
Kelbijeh, Bei den Schelenkijeh-Frauen iiffnet sich das Hymen 
mit einer Länjifsspalte; des Blutveilust bei der Zerstörung- der 
Jungfernschaft ist nur gcrinj^, einige Tropfen. Bei den Ennabijeli 
ist das Hymen fast vollkommen geschlossen; es zerplatzt aber 

*) Vgl. Hagen, die sexuelle Osphresiologie, die Beziehungen des Geruchs- 
Biunes und der Gerüche zur nienachiicheu Gcschleohtsthätigkeit pag. 15 ff. 
(U-Tlin loci. 



— 203 — 

beim leisesten Stosse wie eine ICnnabi oder Weinbeere, daher 
der Namo Enriabijeh; del* Blutverlust ist ebenfalls gering. Die 
Kelbijeli, hundartitrc, uonat man die Frauen der dritten Kate- 
gorie, bei deuoi) dus Hymen dick, fleischig, resistent und der 
ßlatverlust *iclm Oeffnen heftig; ist. Die Defloration der FeDa- 
chinnen g'eschif.iht, wie in ein^m anderen Abschnitte bereits er- 
zählt wurde, häufig" nicht durch den Bräutigam, sondern durch 
eine l.»esonders hierfür angestellte Person, die T^ulhine, wei'Jie 
das Hymea inii doiu Finger durchreisst. Namentlich die Kel- 
b]J8h-l:''rHuen dürfe]) nur durch die BalJano defloriert werden. 

Süd.siavische Heigenlieder, die sich mit der Zeugung be- 
.schäftigen, behandeln eifrig die Enge und Weite der Vulva und 
die Dimensionen des Penis. In Zabrgje in Bosnien horte Krauss 
ein Reigonlied aus dem Mundo einer junyyerhciratcten Bäuerin, 
welche ihre eigene Defloration schilderte: „Ais ich noch eine 
Ziegenhirtin war, war niciue Pitschka so wie die kleinste Münze. 
Kurze Weile danacli verheiratete ich mich, mau bog micl) um 
wie einen Fiedtdbogen, schob in mich ein Ding wie einen Pflug- 
uagel ein, zog es heraus Avie ein Pflugeisen." 

J,)cr Südslave erwartet bei den Frauen, di(? er begiilckeii 
soll, eiue enge Vulva: die grosse, weite aber bi ihm ein Circuel. 
Ein bosnisches rvoigenlied singt: „Am Bachrand sitzt ein Mail- 
chen; sie misst ihre Piza, ob sie tief sei. Eine Elle lang, drei 
Elien breit, fasst achtzig Oka.'' 

Die serbischen Weiber in UgljeWk besitzen in dieh-er Bo- 
ziohuug eiuen gar üblen Kuf. Ein lieigculied verspottet sie; 
„Bir iingeschlachten Mädchen von I'gijevik, wie sind euere ge- 
waltigr-n Pizen beschaffen, gleichwie Uüsere langgedehriten Wiesen; 
die Wiesen sind von Furchen durcawüblt, so siud euer»! i'i/vn 
durchgearbeitet." Das letzte Wort lautet dabei iui Oriiriual so 
onlinär ais möglich. 

Schon Martial klagte in seinen Epigrammen XI 71: „Lydia 
ist ?o w^eit, wie das Hinterted eiu(^ bronzeijen Pferd(^s; wio ein 
}..irer. in Kot gefallener Schuh; wie eiue des Betttuches beraubte 
Matratze. Man sagt, ich hätte Lydia iu einem MeerwasserlDC- 
hälter hergenommen; ich glaube jedoch, daas ich in den Behälter 
selbst hineingearbeitet habe." 

Ein bosnischer Pope, den seine Frau in einem Licde als 
Sodoiuisten beschimpft, wirft ihr zur Revanche die Geräumigkeit 



— 204 — 

ihres Geschlechtsteiles mit folgenden Worten vor: „Hinein kann 
eine Gans^ hinein können zwei tüj'kiscbe penes und vier waia- 
chische nnd ein Tannenholzbrett und eine deutsche Katze. . ," 

Eine Variante dieses Liedes besagt indessen, dass den 
Sodojnisten gerade die enge Vulva etwas Unangenehmes ist* 
„Der Pope" — heisst es da — „sodomierte die Stute und hält 
sich an den Mähnen fest. Die Popin schreit: Was ist da«, Un- 
glftcicsmensch? — Der Pope erwidert: Schweig, du wütende 
Hure, deine Plza ist- eng, die der Stute aber geräuBÜg seit ihrer 
Entstehung.*' 

Da bei den Baüvan Völkern die Männer hei den Frauen eiae 
enge Vulva haben wollen, so ist es dort allgemein üblich, dass 
sich die Weiber Alaun in die Scheide streuen, uin ihren Ge- 
schlechtsteil, wenn er weit ist, künstlich zasamnienzu ziehen. 

Die gute Poppäa, Neros späteste Lebensgefährtin^ scheint 
an einer weiten Vnlva. labcrierl/ zu haben, was nicht verwunde?^ 
lieh, da Nero ihr fünfter oder sechster Mann war. Als „Ge- 
heimnis der Poppäa" ist folgendes Mittel in der dislcretcn sexu- 
ellen Litteratur überliefert worden: „Uro stet-s als Jungfrau au 
erscheinen, waschet euere Geschlechtsteile mit einem Wasser, 
weiches durch alkoholisches Benzoe eine milchige Färbung er- 
halten bat; trocknet daiyi euere verborgene Gegend nut feinem 
Leinen und bestreut sie mit Stärke." 

Als ein Mittel jsur Verengernug der Vulva empifiehlt Jus 
Kämasutram der Inder: „Eine Salbe aus den Früchten von A.^ter- 
acantba lougifolia", solche Salbe zieht selbst die gewaltigste 
Vulva, die der sogenannten „Elefantenkuh", für eine ganze Nacht 
zusammen. Für den möglichen Fall aber, dass man eiue allzu 
enge Vulva, die „Gazellen"~Vulvai erweitern wolle, gehrauche 
man; ,,WoIüriecheudes Pulver aus den WurzelkaoUeu des Nelum- 
bium speciosum und des blauen Lotus, sowie ans Terminaiia 
tomentosu, mit Honig zu einer Salbe verrieben." 

Jn eine kleine liebliche Vulva verliebt sich selbst die Be- 
sitzerin. In einem bosui sehen Liode kommt es vor, dass ein 
Mädchen bei Betrachtung ihrer Vulva ganz entzückt wird. Das 
MUdchen kJettert^o einen Nussbaum hinan, der rechte Fuss 
rutschte ihr aus, ausrutschend zeigte sie ihre Piza, und rief aus: 
„O meine Glucke, wie schön ist dein Zuschnitt!" 

Wenn bei den Frauea das Kleine Freude macht, so ist om- 



— 205 — 

gekehrt bei den Mäanera die Grösse massgebend. Die Araber 
zeichnen sich durch mächtige Zeug^ungsgrlieder aus. Es woi*de 
mir erzählt, dies komme teilweise daher, dass sie von Kiodbeit 
auf nach dem Urinieren den Penis an Steinen oder in Sand 
zwecks Eeinigung von nachfiiesscndem Was«er lange und fest, 
abreiben. 

'Bei den türkischen Hochzeiten grosser Herrschaften wird 
in) Festzuge der Brant ü'ib sogenannte Hochiieitspalme als Sinn- 
bild der anfrecbt ^tobenden männiichen Kraft voraugetragen, 
Wie ich dies oben wiederholt erwähnt habe. 

Der SüdsiaTe rühmt selbst seinen „Litraschweren", und 
das Mädchen hört es gem. „0 du schlankhüftig Mädchen" — 
so v/arnt ein bosnisches Liod — „nähere dich dem Barschen 
nicht, er hat einen Penis von einer Oka Gewicht, dein© 
Piza wird nass bleiben." — Sie antwortet: .^Sehvveig, Bürsch- 
lein, drohe Dicht, meine Piza kann es ertragen am Samstag 
vor Palmsonntag " 

Allerdings, wenn auch eh] grosser Penis willkommen ist, 
die aileioige Hauptsache ist das nicht. .In Bosoieii singt ein 
Lied: „Man fragte ein Mädchen, welcher Penis der beste wäre? 
und sie autwortet«;: Weder hebe ein langer das ICnde erreicht, 
noch ein dicker ansgofülit, sondern nur dex- Häufispäprung be- 
friedigt." Bei den moslemischen Sl&ven in Bosnien hoisst es 
in einejn IJede: „Nirgends besitzt er eine Hürde ^cr eine üm- 
«äunirng, möge ihn Gott töten! Doch hat er einen tüchtigen 
Penis, so helfe ihm Gott aus den Nöten !^* Der kleine Penis 
ist ein Gegenstand des Spottes und der Verachtiuig. Darum 
sagt man in Serbien von ihm: „ein kleiner Penis ein Kuckuck"; 
dieser Vogel ist, wie im Kapitel über di« Orakeitiere erzählt 
wird, das Sinnbild des JÄmmers. 

Stolz dagegen mit ein bosuischer Bursche seiner Nachbarin 
im Heigen zu: „0 da MEdcheo, luagnus mihi penfs est; hnmi 
"•oti'ahitar." In eioem anderen Liode bestellt sich das Mädchen 
beim Schmiede Äthanasins einen Penis nach ihrem Geschmack: 
„Wie ein Kühirohr, weder zu lang noch za dick, an seineia 
Ki)(\e sei da Propfkeü, dass er tüchtig tu fühlen sei, wenn er 
ih (Ho Pi^i. Qinvilinjft.*' 

U\ etfto'" lmÄtil««'Oon \M(!> fragt iru'f« ein MlUlchoh, «b es 
Hvhon 2u Naötit gt'»rr;A«cn Ji»bfc. Sie öhi^rgii^t: „Hado nichts aa 



— 206 — 

Nacht g-egessen, als eip Häuptlori Krioblaiiclij es vrar mir sein' 
schLclit zu Mute — donec ille in mc iiitravit, crass: ': ?^:icat 
braccliium"; danu war ihr wohl, und sie fühlte keinen Hnngor 
mehr. Die Anfängerinnen tarnen magno meinbro perterrcntnr: 
,,0 Mutter," jammert ein junges Blut, „Quam magnus est ruber 
penis vicini." Manchmal scheinen auch schon eifahreuer'^. Mild- 
chen vor gewaltigen Zeugungsinstrumeiiten Angst zu cmpfiuden. 
In einem allgemein bei den Balkanvölkern verbreiteten Liod- 
cheii sagt das Mädchen: „Ich gebe nicht her, hast einen ge- 
waltij^cn Penis." Nachdem aber der Werber erklärt hat: ,,Gib 
her, ich werde den Penis beschneiden" — da ist sie damit 
durchaus nicht einverstanden und ruft: „Beschneide den Penis 
nicht, den süssen Bissen.'' 

Auch im Alten Testament wird einige Male der Wunsch 
der Frau nach einem grossen Penis kundgethan. Prophet Hesc* 
kiel XXni 20 sagt: „Und Oholiba ward brünstig nach ihren 
Bulilen, die Glieder hatten wie die Esel und Samen erguss wie 
die Hengste." Die Hengste werden noch an anderen Stellen 
mit der Geschlechtsliebe in Beziehung gebracht; so in Jereniia 
V 8: „Wie feiste Bosse schweiften sie umher, geil wiehern sie 
ein jeder nach des Anderen Weibe." 

Von allen Völkern des Orients haben zweifellos die Inder 
die Geschlechtsliebe zum Gegenstande der eingehendsten Stu- 
dien gemacht, die peinlichst genaue Einteilung der Männer und 
Frauen nach den Dimensionen ihrer Geschlechtsteile festgestellt 
und die meisten Arten der Ausübung des Coitus beschrieben. 

Nach dem Kfimasutram teilt man die Männer nach der 
Dimension ihres Penis in drei Gruppen ein: in Hasen, Stiere 
und Hengste. Ich will hier darauf zurückverweisen, dass auch 
die Südslaven, wie im lexikalischen Intermezzo nachzulesen ist, 
Männer mit kleinen Gliedern als Hasen bezeichnen, und dass die 
Bibel die Männer mit grossen Gliedern, wie ich kurz zuvor aus- 
geführt habe, mit Eseln und H(mgsten in Beziehung bringt.. Die 
Frauen teilt das Kämasutram ebenfalls in drei Klassen: in 
Gazoilen, Stuten und Elefanten. Danach gibt es zwischen 
Männern und Frauen drei gleiche Vermischungen: die der Hasen 
mit den Gazellen, die der Stiere mit den Stuten, die der Hengste 
mit den Elefanten; und sechs ungleiche Vermischungen, die 
zwiseheu üec nicht miteinander koiTespondierenden Gruppen 



— 207 — 

stattfinden. Von dJcsen Yormischungeii nonnt luaii jene, hoi 
welcher Stior und (.»azelle oder Hciigst und Stute zusamfjieii- 
komrae^, einen höheren Genuas; jene, bei welcher ein Hengst 
eine Cirazelle bei^at^tet, <leu höclistcn Genuss, denn das ist die 
Vt i-einigan^c '^'/s gT<;os-jm lY-iii.^ mit u'or kleinsten Vulva. Da- 
g'eg'cn bereitet die Vcrciuij^ung eines Hasen mit einer Stute oder 
eines Stieres mit eiaen Eluiautouwoibchen eiaen minderen Ge- 
nuss, die Vereiijigmig des Hasen mit 'ior Elefaiiienkuh gar den 
allorniedrigsten Geuuss 

Aehnlich Idarsiüzicrt das Kamasutruui Mann und Frau nach 
dem Grade ihrer Leidenschaft als schwache, mittlere und starke. 
Endlich giebt es aucc drei Klassen, je nach der Zeit, in welcher 
den Männern ip.id rk-n Frauen der Same kommt. Bei dem ersten 
(Viitus, meint das Kaiuasutram, ist gewöhnlich die Leidenschaft 
des Mannes die heftigere und die Dau«jv seiner Thätigkdi. kia-z; 
bei den Wiederhol im gen des Ooitus wird seine Leiden^vhaft 
immer kühler, und sein Same braucht stets längere Zeit, bis er 
sich ergiesst. Bei der Frau aber ist es in allem umgekebri. 

Der Koran hat den Moslems alio Arten des ('oitus gestattet. 
Es heist in der II. Sure: „Die Wei'eer :ind euer Acker; kommt 
in eueren Acker, auf welche Weise ihr wollt." Nur befiehlt aa 
derselben Stelle der Koran, „die Seeje zuvor zu weihen," durch 
ein gutes Werk, Aluiosen und Gebet. Omer Haleby sagt lu 
seinem El Ktab, dem Buche der liebcSj^ehcimnisse: „Die kräftige 
und gesunde Jungfiau ist jener n-uchtbare Acker, der euch 
hundertfach die Freuden und '^fVnnkenheiteu wiedcrgiebt, deren 
Samen man ihm •an\ eitraut." Aber die Jungfrau ist auch eine 
Quelle der Verdriesslichkeiton für den, "welcher sie nicht mit 
Klugheit und Sauftheit zu befTuchien weiss und die Blume rauh 
und roh zerstört. 

Deshalb empfiehlt der türkische Liebesphysiologe ebenso 
wie der indische ein zartes "Vorgehen, namentlich bei der De- 
floration und gegenüber allen Frauen, welche die Liebe noch 
weuig genossen haben. 

„Versuche nichV, warnt er die allzu Stürmischen, „den 
Widerstand des geschlosseneu Blumenkelches durch einen hef- 
tigen Stoss zu zerreissen. Vorstehe, deine Kühnheit zu zähmen. 
Und wenn die Natur dich zu stark gebaut hat., so zögere nicht, 
das Ende deines Werkes der Entblätterung auf den nächsten 



— 208 — 

und gelbst auf den fibemächsten Tag zu verschieben. Vergfcsset 
nlcbt, Mejiscben, dass aus dmr heftigen Handlung für die 
zarte Blume scliwere Veiletsangen entstehen können, und daas 
solche ünordnnng-en d^nrcli Depkzierung der Gebännutter nach 
rechts oder links aen'its^ Krankbeite« der Fraa und sogar ihre 
Uofracbtbarkeit im Gefolge haben können, Gebfanchet dabo* 
die Jungfrau, die Gott eiich anvertrantf mit Mässlgong; kultiviert 
eueren Acker als Kenschen, die auf Douerhaftigkeifc und nicht 
auf ephemere Schnellig-keit sinnen." 

Bei den Südslaven „l'egt im Falle des grewöhnüchen Ge- 
nusses das Weib stets linkerhand vom Manne, damit er sich 
bequem auf den linken Arm stützen kann, wenn er sich auf 
die Frau bäuchlings legt." In einem bnlgurischen Liede bittet 
eine Frau den Mann, sich ,,zm' Abwechselung* einmal rechts 
legen zu dürfen, weil ihr die linke Seite schon weh tbne " 

Ein bosnisches Lied besingt den coit^u? iß greniio in folgen- 
der Weise: „Die Schwägerin setzt sich dein Schwager supra ova. 
Der schreit: Abi, siulta; testiculo8 mihi frangis." Die Frau setst 
sich dabei ritsklinga &\it den sitzenden Mann Diese Art heisst 
in Bosnien: püivo sije, sie siebt Mehl. Sie gut vielfach als 
schimpflich fü.r die Frau. - Em bosnischer Bursche empfiehlt 
in einem anderen Beigenliede dem Mädchen, „eine Unterlage 
zu nehmen", um ihre Leibesmitte zu erhöhen. 

Eine spezielle Art ist ier srpski jeb, der serbische Coitus; 
in einem Liede wird er auch umschrieben mit den Worten i 
Die Frauen würgen. Kiaass beschrieb diese Manier in seinem 
Buche ober die „Zeugung:-' I 220: Der Mann erfasst von vom 
das Frauenzimmer unten an den Fussgolonkeu, bringt es rück- 
lings 'iVL Fall, so dass sich die Umffeworfeue mit den Händen 
am Boden festhalten muss, um nicht das Genick zu brechen. 
Deiode pedes feminao »^icut forcam in hnmoris suis ponit, h^Ut 
«ie mit der vollen Kraft seiner Arme lest und stßsst nieder* 
Jlnle<>nd sein Glied in sie hinein, wobei er sich iii)f(<»zw'.«Dgen 
ifni **o\ncT Schwere auf sie wirft, unbeküuniicrt um ihr Acchzen 
uikI Stnhncn . . . 

Krauss meint, man müsse bedenken, «Iohm ilie Elien frühtr 
IrttHMAUchlicQ auf Frnuenrauh beruhten und dass der Uäubor 
Mni (Uwin thatsÄchlich zum Gatten der Geraubten geworden war» 



— 209 — 

wenn er sie b€galtet hatte. Er njusste deshalb allem zuvor 
trachteii, S6ino Beute diircli eigene Kraft und gegen ifcxoji 
Willen xvL vergewaltigen, oline sie halbtot zu scfclageia oder 
sonstwie zo betäuben. Auf die ^serbische Art" aber War deui 
Frauenzimmer am leichtesten beizukoBimen, wenn es sich 
wöJgerte, dem Manne zu Willen zu sein. Aussoi-dem mag e» 
auch sein^ dass der Mann diese Art, der Frau voiu ersten Mo» 
mente ab sein Uebergewicht im vollen »Sinne des Wortes ^ be- 
wdsen, als die des Oebieterö vorzugsweise wüi^iSige foeit achtete 
nnd später beibehielt. Jetat ist sie durch den Brauch gefesti^:. 

Die Helden ä&r Gaslarenlieder gehen nur auf diese Weise 
vöy, we^nn sie ihre gei'aubtfeD Brüute Ixjgatten ; ujid eke ständige 
Wendung in <öeae» Liedern lautet: „Er hebt ihr die Fösse 
ge$eti die Zimmerdecke und magno pene intex förnor» Uli pungit.*' 
Andere Steilen, der Guslaretiliedor erzählen den Fall verbiümi: 
„Sie spielten miteinandei" %lele alierJei Art, zumeist das Spiel 
Enickdenhals.*' 

Eine Variation des srpaki jeb ist d^'ese: Vir pedos feininae 
tettens iliana prae se &«e^teln inter coitum prac se movnt la 
einem Liede heisst dlea: „Dei) griechischen Wagen oder Schieb- 
karren ffiachen." 

Die ,^bnlgarische Art" ist die gleiche wie die serl:/l8che. 
Doch, giefot es noch eine speziell bulgarische: Mann und Weib 
hockeaj beide dabei ; yCfiese Art kann anch zu Rosse reifcend aus- 
geführt Worden." 

Ich hÄbe von eiw?r äfenMcJien. i,amb!schen Art" gehört. Um 
Araber sind im ganzen Orient, ebenso wie die Armenier, be- 
rühmt wegen ihrer ungeheuren Zei^nng^lieder, die ee ihneji 
ermöglichen .sollen, auf dem Boden sitzend eine vor ihten rückr 
Irngs sitzende Frau zu coitieren- — Die „dalmatinische Art', 
oitöh ,jitalienlsGho" genannt, geschieht nach Art der Hunde. 

Verpönt ist der „hrvacki jeb", der chrowotische Coitu«, bei 
den Bttlkanvö-lkemj da der Mann nach einem solchen Akte ganz 
zewchlagen ist: Abiectis vestimefitis vir in cubili supiöiv^ pro- 
cnmbit, femina tötum illius corpus lingna IcMaibit, doaee insanire 
coepit. Qoae postquam hunc in modtun virum iaflammavit, 
8ttpra euni consedit introductnque pene in vaginam eiunjbus 
agitot 

StATOj ilt^iz'M, Aberglattbe u. <3^«st^l6chtBleb«a in der Türkei. II. i^ 



42. Päderastie und Sodomie. 



Riiabealiebhaberei bei den Griechen uud Eömern. — In 1001 Nacht. - Im 
Alten Testament. — Im Koran. - Abdul Wahib gegen die Unzucht, -r- 
Knabenliebhaberei in der osmanischea Geschichte. — Am Hofe Sultan Ba- 
jfcsidö. — Am Hofe des Eroberers Mohammed 11 — Christenknaben Opfer 
der Unzucht. — Pagen der Sultane. — Vom Geliebten des Sultans zum 
Grosswesir. — Ein Oberstlandrichter als Knabeuschänder. — Murad IT. 
und sein geliebter Page Musa. — Knabenschändung in den Bädern. — Mos- 
lemische Ansichten über Päderastie. — Bosnische Lieder. — Das Laster in 
Konstaatinopel. — Lotterbuben in den Kaffeehäui?ern. — Knabcnliebhaberpi 
in ChorSSan und in Albanien. — Unzucht mit Tieren. — Biblische Ver- 
ur*;eilungen. — Alt-Aegyptisohes. — Modern-Aegyp tische». — Ethnographische 
Parallelen aus Russland und Sizilien. — In Bosnien. — Bosnische Sodo- 
mistenlieder. — Osmanische Aerzte gestatten Unzucht mit Tieren. — 
Parallele aus Algier und aus den ßalkanländern. — Eine Reiseerinnerung 

aus Alexandrien. 

Das I^aster der Pinabenliebhabcrei war wohl nirgends so 
stark verbreitet als bei den alten Griechen und Römern. Catullus 
und Tibullas besangen ihre geliebten Knaben mit einer Innig-keit. 
die nur je ein Dichter austli-iickte, um sein geliebtes Mädchen 
zu feiern. Nach Catullus war die Päderastie zu seiner Zeit faat 
allgemein in Rom und namentlich in der A.rmee. Xenophon 
erzählt, dass man zwar den Söldlingen das Mitführen von Sklaven 
und Beute, als don Marsch erschwerend, verbot, aber man konnte 
nicht umhin, einen Knaben für .jeden Soldaten zu {gestatten. 
Der Ursprung des Lasters ist zweifellos im Orient zu suchen. 
Das Ori}iinal der Erzöhlunpfen der lOOl Nacht ist on Sammel- 
surium von päderastischcn und sodomitischen Uebimjren. 

Im Alten Testament, im '6. Buche Moses X^ 1.3, werden 
strengste btrafeu angedroht: „wenn jemand bei einem Manne 
liegt, wie man beim Weibe liegt. Beide haben eine Greuel that 



— 211 — 

verübt, mit aeia Toae soUen «ie bestraft werden". Derartl<>;e 
Unzucht war nicht auf ^vereinzelte Fälle »lescliränkt, souaern in 
ganzen Gegenden epidemisch. Im ersten Ruche Moses XIX 4 
wird berichtet, dass zwei Engel bei Lot in Sodom einkehrten: 
„Noch hatten die Engel sich nicht schlafen gelegt, da umringten 
die Männer von Sodom, Jung und Alt, das Haus, die ganze 
Bevölkerung von allen Enden. Die riefen Lot und sprachen zu 
iiiin: „Wo sind die Männer, die heute Abend zu dir gekommün 
sind? bringe sie heraus zu uns, damit wir ihnen beiwohnen!" 
Vergebens ermahnte sie Lot, von ihrem Vorhaben abzustehen; 
vergebens erbot er sich, der Horde seine beiden jungfräulichen 
T'ichter preiszugeben. Die Strafe, die wegen dieses Verbrechens 
über Sodom verhängt wurde, hat doch nicht verhindert, dass 
sich das Laster durch alle Zeiten und mehr oder minder bei 
alieii V'üikern erhalten hat. Es wird auch im Neuen Testament 
erwähnt, „dass Männer den natürlichen Braucb des Weibes ver- 
Uossen und an einander erhitzt, in ihren Lüsten, Mann mit Mann, 
Schande getrieben." Und übereinstimmend mit der Bibel ver- 
weist der Koran an vielen verschiedenen Stollen immer wieder 
warnend auf das Schicksal Sodoms: So berichtet die VIT Sure 
?u — 81 : „Erinnert euch auch des Lot. Ais dieser zu seinem 
Vcilke sagte: Wollt ihr denn solche Schandthaten begehen, wo- 
von ihr nicht bei irgend einem Geschöpfe ein Beispiel findet? 
Wollt ihr denn in lüsterner Begierde, mit Hintansetzung der 
Frauen, zu den Männern kommen? Wahrlich, ihr seid zügellose 
Menschen .... Und wir Hessen einen Stein- und Schwefel- 
regen über sie kommen. Siehe, so war das Ende der Frevler." 
XI 72 — 84: „Als unsere Boten nun zu Lot kamen, da ward 
es ihm um ihretwegen bange, und er fühlte sich zu schwach, 
sie vru beschützen (vor den sündhaften Absichten seiner Mit- 
bürger), und er .^agte: „Das ist ein schlimmer Tag!" Da kam 
sein Volk, welches von früher gewohnt war, Böses zu thun, 
auf ihn herangestüi-mt. Er aber sap-te: „0 mein Volk, hier sind 
meine Töchter, welche sich m«?hr für euch ziemen, und macht 
mir keine Schande, indem ihr meine Gäste beleidigt. I;^ .'enn 
kein rechtlicher Mann unter euch?" Sie aber antworteten. ,,,Du 
wejsst ja, dass wir kein Recht an deinen Töchtern haben wollen, 
und weJsst auch recht gut, was wir eigentlich wünschen" . . . 
XV 57 — 81: „Da kamen die Stadtleute zu Lot, von Wollust 



— 212 — 

tranken. Er aber sagte zu ihnen: „Üie^e Leute sind meine 
Gäste, darum beschämt mich nicht, sondern f^irchtet Gott und 
machet mir keine Schande." — Sie aber antworteten: „Haben 
wir dir nicht verboten, fremde Leute aufzunehmen?" Er aber 
antwortete: „Hier habt ihr meine Töchter, wenn ihr dar(^hatts 
Böses thun wollt." — So wahr du "lebst, Mohammed, die Leute 
beharrten in ihrem Woilustraosche; darum erfasste sie mit 
Sonnenaufgang der Sturm, und wir kehrten die Stadt um, von 
Unterst zu obcrsl;, und wir Hessen Backsteine auf sie herab- 
regnen. Hierin, in dieser gerechten Bestrafung, sind deutliche 
Zeichen für nachdenkende und gläubige Menschen . , . ." 
XXVI: „Ihr Bruder Lot saf.'te zu ihnen: . . . Wollt ihr nun 
wobl zu den männlichen Geschöpfen kommen und euere Frauen, 
die euer Herr fiXr euch geschaffen, verlassen? Aber ihr seid 
frevelhafte Menschen ... ich verabscheue ihre Handlungen . . . 
Herr, en-etie mich von den Schandthaiun, welche sie ausüben." 
XXVII 65 — 59: „Erinnere dich auch des Lot. Dieser sagt^e 
zu seinem Volke: „Begeht ihr nicht Schandthaten, deren Schänd- 
lichkeit ihr selbst einseht? Wollt ihr wohl ausser zu den Frauen 
auch wollusttrunken zu den Männern kommen? Wahllich, ihr 
seid nnwisseude Menschen.*' 

Nach dem Beispiel der Bibel bedroht aucii der Koran das 
Laster mit Strafe in der Sure IV 20: „Wenn zwei Männer unter 
sich durch Unzucht sich vergehen, so strafet sie beide." Aber wie 
schwer die Strafe sein seil, wird nicht gesagt. Ja, es wird 
ausdrücklich in gewissen Fällen Straflosigkeit zugesicheii;. Und 
diese Fälle sind: blosse Heue! . . . „Wenn sie aber bereuen und 
sich bessern, so lasset ab von ihnen, denn Allah ist versöhnend 
und barmherzig!" . . . 

Die Lehre Abdul wahibE dagegen eifert furchtbar gegen 
diese unnatürliche Lust, die bei den Türken allzu häufig ist. 
Fast alle Sultane werden dieses Lasters beschuldigt, das nament- 
lich seit den Zelten Bajesids im Osmanenreiche grassiert. Baje- 
ßid — sagt Hammer — von den Fittichen des Sieges und der 
Eroberung emporgetragen, fing an, sein Reich und sich selbst 
zu vernachlässigen, indem er, der erste der osmanischen Fürsten, 
wider die Satzung des Islams Wein trank und dem Luxus und 
den widernatürlichen Ausschweifungen seines Wesirs Ali-Pascha 
gleichgültig zttSfth. 



Soltan Mohammed, der Erol>erer Koiistantinopels, war eJn 
berüchtigter KiiabecUebhaber. Am Ta^o nach der Einnahme 
von Byzaoz veranstaltcto er im kaiaerlichcii Palast ein testliches 
Mahl uud ergab sich umnässig rlem Weine. Halbtmnken befahl 
er dem Obersten - Vcrachnitteuen , Lbm den ■vici'T^ehn jährigen 
jün},^eren Sohn des Notaras, dos letzten Grossherzo;?s des byzan- 
tiuischen Reichs, dessen Schönheit ihn eDtzündot hatte, zu. 
bringen. Der Vater, eijtsetzt über des Tyrannen Botschaft, ant- 
wortete, dass er seinen Sohn nie freiwillig sdiändüchsr I^-nat 
überliefen! werde, lieber möge der Saltai; den Henker schicken 
Der Verschnittene kehrte mit dieser Antwort znrtick, und Mo- 
hammed sandte den Henker um Notaras mid fceiiie ganze Familie. 
Notaras folgte ihm mit seinen Söhnen und mit Cantacozen. Der 
Henker Hess sie an der Schwelle stehen, und schleppte den 
Jüngling als Opfer sultanischcr Lust fort, den Anderen bracbte 
er das Todesurteil. 

Notaras, der sich bei. der Einnahme Konstantinopels durch 
die Osmaneu durchaus nicht rühmlich benommen hstte, fand iu 
diesem Augenblick die verlorene Würde der Seele und des Geistes 
wieder, ermahnte seine Söhne, als Christen zu sterben, und 
endete seine Re«le mit den Worten: „Gerecht bist du, o Herr!'* 
Die Söhne wurden vor des Vaters Augen enthauptet ; Notaras bat 
den Henker, ihm nur wenige Augenblicke zum Gebet zu lassen, 
das er in der nahe gelegenen Kapelle verrichtete, worauf auch 
er enthauptet ward und auf die noch zuckenden Leichname 
seiner Söhne fiel. Die Körper wui-den nackt und unbegraben 
weggeworfen. Die Köpfe wurden dem Tyrannen, der niclit nur 
nach Wein, sondern auch nach Blut dürstete, zum Mahle unter 
die Becher gebracht, wie sich Marius den Kopf des Konsuls 
Antonius hatte zam MaJile bringen lassen. Mohammeds natürliche 
Grausamkeit wurde noch dnrch einen Fremden entflammt dessen 
Tochter der Ty^'ann rasend liebt«, und deren Vater zu Gefallen 
er die Him^ichtung aller Griechen, denen er Tags vorher das 
Leben geschenkt hatte, befahl. 

Zur Befriedigung schändlicher Lust lockte die Oamanen die 
Menge chiistlicher Knaben, die nun nicht mehr blos, wie bisher, 
zu Rekruten der Janitscharen, zu „Adschemoghlau", sonlern 
deren durch schöne Gestalt und Geist Ausgezeichnetste als 
„Pagen", als „Itschoghljin'*, zum innersten Dienste dev? Hofes 



— 214 — 

gebraucht, und von mm an aas dieser Laufbahn zum Besitze 
einträglicher Lehen und der ersten Aeniter des Heeres und des 
Staates befördert wurden. So schlicli sich die widernatürlichste 
Sittenverderbnis des Morgenlandes, deren erste Einfühnm^ 
schon in der ältesten Zeit die Crriecben den Persern, die Perser 
den Griechen schuldgaben, in das osmanische Eeich ein; sie 
wucherte nicht nur durch das Beispiel von Sultanen und "We- 
siren, sondern auch durch das von Gesetzgelehrten, vorzüglich 
vom Stande der liichter, so ausgelassen fort, dass sie zum aus- 
gezeichneten Liebiiugslaster des Hofes, des Heeres und des 
Volkes, dass sie zum wirksamsten Mittel der Beförderung zu 
Ehren und Reichtum, und nicht selten zum triftigen Grunde 
eines Christenkrieges ward, dessen Beute die verdünntcu Reihen 
der Rekruten uud ,,Pagen" mit neuem Anwuchs von Macht und 
Lust zu füllen verhiess. Wiewohl das Gesetz des Islams nie 
zur Duldung solcher Schändlichkeit verdreht werden konnte, 
indem es sie als widernatürlich verdammt, so sprach ihm doch 
von jeher im türkischen Reiche die verderbte Sitte offen Hohn. 

Wenn, wie sich aus Herodots und anderer Geschicht- 
Bchroiber Zeugnis wohl nicht bezweifeln lässt, die schändliche 
Sitte der Knabenliebe ui'sprünglich eine persische, oder eigeut- 
lich eine medische ist, welche mit dem Luxus der Eunuchen 
innigst verbunden, mit ihm und mit den langen medischen Ge- 
wändern zugleich die Perser verweichlichte : so haben die Tüi'kcn 
doch einen anderen, männlicheren, staatsnützlicheren Weg ein- 
geschlagen, indem sie jene uralte medische Verbindung der Ein- 
öden- und Eunuchenschaft aufgehoben, und diese beiden, vom 
persischen Hofluxus ursprünglich vereinten Systeme jedes be- 
sonders, das eine blos zum Dienste des Harems, das andere zum 
Dienste des Staates organisiert, jedes für sich fortgeführt haben. 
Meder und Perser verschnitten die schönsten Knaben nicht nur zu 
widern atüi-Iichen Wächtern des Harems, sondern auch zu Werk- 
zeugen widernatürlicher Lust, und versündigten sich doppelt 
gegen die Natur, an der Freiheit des Weibes und an der Würde 
des Mannes. 

Die alten Griechen läutorten das Widernatürliche in der the- 
banischen Schar der Liebenden und in der mazedonischen Schar 
der Unsterblichen zum höheren uud reineren Bunde der Jünglinge 
für Freiheit und Vaterland; die Türken ahmten die letztere Ein- 



— 215 — 

richtung durch die der Janitscharenknabeii und Pagen herab- 
würdig^enduacb; aber mit wenigen Ausnahmen bli^^ben dieselben 
nnenrmanTit, und die Horden der weissen Verscnnittenen ^vllrden 
meistens mn aus genrßrischen und cirkassiachen Sklaven und 
fticlit aus curopäisnoün ergänzt 

Griechisf be, serbische, bulgarische, ungarisrbf Fnaben wurden 
nicht als Eunuehen verschnitten, sondern nu'- als Moslems be- 
schnitten, in den Uebungen der Waffen unterrichtet; imd nach- 
dem sie der Lust ihrei Horron und Meister getröhnt, stand 
Iboen der Weg zu den eröten Stelieu dee Staates und des Heeres 
durch Gunst und Geschicklichkeit offen. Aus diesen Pflanz- 
schulen gingen die grössten Männer des osmanischen ßeiches 
hervor. Der zum Gross wesir und Schwiegersohn des Sultans 
Suleiman aufgestiegene Rüstern war ein ehemaliger Zögling der 
Pagenkammer des Sscral und gewann Suleim-ans Gunst als Werk- 
zeug seiner Lust. Rastern war ein geborener Ki"oate. 

Die Sittenverderbnis der Ulema imd Richter war allezeit 
noch ärger als die der Sultane, Paschas und Wesire. Als das 
„grö.sste Aoi'gernis des Gesetzes" ^ilt in der osmanischen Ge- 
c-ichichte der Oberstiaa drichter Tschiwisade, „viel berüchtigt durch 
seine Unwissenheit und Knabenschänderei." Dem Silihdar Jusuf 
Pascha, dem „siegreichen Mehrer des Seiches'* und Eroberer 
Aegyptens, wagte einmal der Grosswesir, sein Gegner, in hoch- 
mütigem, unanständigem Tone die Worte zuzurufen: „Hör einmal 
auf, junger Mann zu sein!'*, eine unanständige Anspielung auf 
des Feldherrn einstiges Verhältnis zum Sultan, aber ebenso un- 
schi'*Mch als unanständig in dem Munde eines Grosswesirs, der 
wahrscheinlich auf gleiche Weise zu Ansehen und Macht gelangt 
war. Den Grosswesir traf übrigens für seine unbedachte 
Aeusseruug gebührende Strafe. Als er nach diesem. Auftritte 
sich im Diwan eher wie gewöhnlich zur Tafel setzen wollte, 
kam der Oberkünimerer, ihm das Reichssiegel abzufordern. 

Unter Sultan Murad IV. begehrten die Truppen während 
eines Aufruhrs den Kopf des Vertrauten Musa, ües vom Sultan 
persönlich geliebtesten Jünglings. Der Sultan übergab den be- 
drohten Jüngling zwei hohen Beamten in Obhut; die aber — 
Redscheb und Dscbanbuladsade Mustafa Pascha — lieferten 
Musa den Em})örern aus. Als der Sultan Redschebs schändlichen 
Anteil an seines geliebten Jünglings Musa Tode erfahren hatte, 



^ 2id — 

»ahm or für dieses „Verbrochtai beleidigter Majestät'* ' fttrchter- 
liehe Rache aii Redscheb, seinem Schwager uiid Gjnosswesir. 
Don I'schaßbuladsade traf die Strafe für den Frevel erst spS^-^r. 
Der SiiitciD nahüi einen j^erinii-en Anlass wahr, obs det> Belehl 
zu seiner Hinrichtung zu erteilen, l^ta der vielen im Felde 
geleisteten Dienste, trotz der Hand der Snitanin Aische, welche 
Dschaabuladsadc geheiratet hatte, konnte üim Mnrad's imer- 
gritßdliche, unversöhnliche Rache nicht verzeihen, äma er mit 
d&m Grosswesir Redscheb Tormahs für des Gtinstüags Mosa 
Leben ^i gesagt niid denselben dennoch der Wut der Auf- 
lübrer {»reisgegeben hatte. 

De* Gfos-swesir Süihdar Mchaniüiedpsscha war in seliiür 
Jißgeüd Page in- iSsera; und T.iebiiug des Sultans gewesen^ ab 
solcher %&m Trag er des Tischluches, des Steigbügele, deg Mantel- 
sackes, des Schwertes aufgestiegon, baUl nach der Thronbest^^;ang 
Sultan Musiafas mit der Hand der Sultan in Aische ansge* 
zeichnet worden nnd, nachdem er die Bahn der Wesire dnwh- 
laufen hatte, zur obersten Würde de.^ Reiches vorgorückt Aber 
»eme eigene Vergangenheit vergessend, eriiess er 1771 im Donaa- 
feld^ng, uffi l»csserc Zucht he'-zustellen , strenges Gelmt, alle 
Lotterbuben aas dem Lager zn entfomeii Da l>egab sich im 
öffentlichen Diwan folgender Anftritt, welchen der Reichs- 
gi;scMcht3Chreiber unter dem Titel: „Selt.sauie Erztlhlung" attf- 
genommen« Lat und die im Munde eine? Rdchs^fschichtsehreibers 
filrwöhr als eii\ seltsamer Beleg herrschender Slttenverdärbnis 
und gänzlichen Mangels an Zucht erscheinen muss. Der Grosä- 
wesir strafte den General der Zeng.schmi?de, Gurd Aga, mit 
harten Worten ob üebertretnng obigen Gebotes; da nahm der 
BittschriftDioister Munib Efendi dat^ Wort: „Was heisst das? 
Wenn der I'adlschah Juwelen zu tragen streng vorbietet, er- 
lauben sich die Minister nnd Grossen doch, kleine, mit Steinen 
beäctxte Messer, die nicht ins Auge fallen; und mau lässt ihnen 
fli»i8, ohne davon Kenntnis äu nehmen, hingehen. Wer wird 
mii's wehren, einem ikieinen Knaben vou acht Jahren, der mii' 
Zuwachs von Lebensfrist schenkt und als Gesundheits-Amulet 
dttsiüty al£ .^inem Sßeleukinde einen Bund um den Kopf zu winden, 
nud ibii in meinen Diensten zu behalte'», statt ihn hiuauszustossen, 
audoren tum Opfer der Lust?" Alle schwiegen, set^t der Ge- 
gcJuchtschreiher hinzu, niemand widerlegte dem angesehenen 



— JJ17 -- 

Untei'staatssekretär, und die ihm Gleichgesinnten freuten sich 
heimlich. — 

Fast im ganzen Orient sind die MaHSOure in den Bädera 
Jtin^Unge, die aicli selbst ftlr Päderastie iinMetcn, und niomals 
vergcbcoH. Zwar sagt das moslemische Gesetz: „Wenn der Mann 
Päderastie tieibt, dar! die Fran die iScheidung zu ihren Gunstei; 
verlangen", aber es gibt kein Beispiel solcher Scheidung, 

Der Türke Omer Haleby verdammt gioichfaJla die Päderastie 
und erklärt: „Wenn schon die Onanie verpönt ist, um wieviel 
mehr ist es der €oitnä in anum, sei es mit einem Manne, mit 
einer Frau, mit eineni Eunuchen oder einem Tiere. Wenn man 
euch sagt: Alles, was 4ie Sinne hefiiedigen kann, ist erlaubt — 
80 erwidert: dies sei profen und ISgneriscii; dies i^ ein unreiner 
C'oitns. Und vermisdhLt each deshalb nicht auf diese Weise, 
nicht mit Menschen, nicht mit Tforec." Omet Haleby kennt 
aber soviele „einsig« Ansnuhmen", dasa «ini Regel ganz auf- 
gehoben wird. Er sagt nämlich: „Was aber euere eigenen 
Frauen betrifft, so könnt ihr, felis sie selbst desi zustimmen, 
den Coitiis in anum in dem einzigen Folie ausöben, wenn Krank- 
heit sie hindert, euch In die Vulva einÄulasscn, und wenn ihr 
nur eine einzige Frau habt. Dann treibet mit ihr Sodomie aus 
dem Grunde, weil ihr ihr treu bleiben wollt, aber nicht aus 
Perversität; und wenn ihr sündigt, dann ist Gott bÄriüheizig 
gegen die Bereuenden und vergibt.*' An einer anderen Steile 
hebt Omer Haleby hervor, dass es auch, wenn, dw Mann 
geschleGhtskrank ist, ihm erlaubt sei, mit Negerjanen Sodomie 
zu trdben; ob diese nun Gläubige clei* Ungläubige, FelLsch- 
diencfinnen oder Tenfeisanbeterlnnen sind. Docli vergesse man 
nicht, im Momente des Samenergusses ausÄurut'ea: „Im Namen 
des bannheraigoü imd gnädigen Gottes!'', denn diese Fonnel 
erleichtert die Heiiting und behütet die gebrauchte Negerin vor 
Ansteckung. 

Bosnische Lieder besingen die Päderastie mit Männern und 
Frauen : 

«0 Börgchetefa im TttchreckeU»«^ 
La88 in den aoum mich hinein!" 

Ein Sarajevoer Lied schildert den Schmerz eines von einem 
PÄderastea geplagten Burschen: 



- ■ 218 — 

Der biizerierte Duka jaminert im Bacbc, 
Die buze.rierte Mutter' ruft von dem Dache: 
„BuzerJerter D»'aa, was plagt dicli für Leid?" — 
JÜer Ii\clian iöt weiüh, doch mein auus tticW weit." 

Ein drittes bosnisches Lied: 

Drei Zlügrel, drei Spagate, 
Drei penes sind an ihrem anus, 
loh zog an dem Spagal> 
Der penlb fuhr in den anus grad; 

In allen Städten des Orients bevölkern Knaben verschiedeuer 
J^ationen die öffentlichen Hänser in nicht viel g-eringerer Zahl 
als Mädchen. In den türkischen Bädern werden einem Knaben 
angeboten. A;q Feiertagen sieht man solche Knaben, in ihrer 
auffallend reichen weibischen Tracht, mit falschen Haaren, 
singend nnd tanzend, selbst in den StTassen umherziehen und 
Lüstlinge locken. In Konstantinopel trifft man sie mit bleichen, 
hageren Gesiebtem, in weiten goldgestickten Hosen, namentlich 
in den Kaffeescnänken von Galata. 

In Stambul existieren besondere Fi-eudenhäuser, Imam- 
Eweler, Häuser des Imams genannt, in deneh nui- Knaben die 
Funktionen der Freudenmädchen ausüben. Der russische Arzt 
Dr. Rafaelowitsch erwähnte zehn solcher Stätten unnatiirlichei' 
Wollust schon im Jahre 1846. Seither hat sich die Zahl, nach 
einer mir von einem türkischen Polizeibeamten gemachten Mit- 
teiluug, verdreifacht. — Die „Knaber.liebhaberei Chorusans" ist 
im Orient eine alte sprichwörtliche Re::densait. Nach Saalebi 
erklären die Araber dies Spruch wort daher, dass die Einwohner 
f 'horasans, weil sie kriegerisch und unruhig waren und auf ihren 
Zügen lanye von Ihren Weibern getrennt blieben, auf diesen 
Missbrauch hingedrängt worden seien. — EinalbanesischesSprücb- 
wort sagt: K,Wer 40 Oka Skutariner Wasser trinkt, wird ein 
schlechter Kerl: wer aber 40 Oka Tiranaer ^Vasser trinkt, der 
wird em Knaben liebhabcr." Wie Hahn versichert, ist in Albanien 
aas fuj'chtbare Laster nicht in allen Gegenden gleich arg ein- 
gerissen; während bei den Tosken die geschlechtliehe Liebe die 
Regel und die unnatürliche Knabenliebhaberei die Ausnahme 
bildet, ist es bei den Gegen umgekehrt. Hier ist die Knaben- 
liebhaberei unt(tr (Ion unverheirateten Männern eine natiouale 
Leidenschaft. Wie anderswo um die Huld von lieblichen Mädchen, 



-' 219 — 

so buhlt man hier um Knabengunst, und nicht selten gibt es 
zwischen Mimncrn Mord und Totschlag wegen Nelienbuhlerschaft 
um einen Buben. Das Lasifjr ist sowohl bei den Christen als 
bei den Moslems im Gebi(3te der Gegen verbreitet. Zu bemerken 
ist jedoch, dass es blos bei unverheirateten Männern anzutreffen 
ist, und dass diese TJunutürlichkeit mit dem Augenblicke der 
Verheiratung geAVöhnlich ihren Abschluss findet. — 

Ein anderes unausrottbares Uebel des Orients ist die Un= 
zucht mit Tieren. Darüber heisst es im 2. Buche Moses XXII 18: 
„Jeder, der mit einem Tiere Unzucht treibt, soll mit dem Tode 
bestraft werden". Im d. Buche Moses XVIU 23: „Mit keinem 
Tiere darfst du dich fleischlich vermischen und dich dadurch 
verunreinigen, und ein Weib soll sich nicht vor ein Tier hin- 
stellen, dass es sich mit ihr begatte; solches ist eine schwere 
Schandthat'*. Im 3. Buche Moses XX 15: „Wenn sich jemand 
mit einem Tiere fleischlich vermischt, so soU er mit dem Tode 
bestraft werdeu, und auch das Tier sollt ihr toten. Und wenn 
sich ein Weib irgend einem Tiere naht, dass es sich mit ihr 
begatte, so sollst du das Weib samt dem Tiere töten. Mit dem 
Tode sollen sie bestraft werden. Blutschuld lastet auf ihnen". 
— Dieses Laster war von den heidnischen Völkern übernommen 
worden. Moses warnt die Israeliten im "3. Buche XVIU 3: 
„Ehr dürft nicht thun, wie man im Lande Aegypten thut, in 
welchem ihr gewohnt habt, und ihr dürft nicht thun, wie im 
Lande Kanaan, wohin ich euch bringe". Von den Aeg3'ptern 
berichtete Michaelis — bei Trusen — dass bei einigen ihrer 
Gottesdienste öffentlich Unzucht mit Vieh getrieben wurde. In 
seiner „Reisebeschreibung von Ober- und Niederägypten" er- 
zählte Sonnini, dass um 1800 „die Aegypter das männliche 
Krokodil von dem auf dem Rücken liegenden weiblichen ver- 
jagten, um mit letzterem Sodomiterei zu treiben." In meinem 
Buche „Die Romano^^s" erwähnte ich gelegentlich einer Schil-^ 
derung der Sitten unter den ersten Romanows ein von Peter dem 
Grossen erlassenes Kriegsreglement, dessen vierter Artikel be- 
sagt: „Die Notzüchtiguug zieht unvermeidlich die Todesstrafe 
»ach ?ich'S und dessen fünfter Artikel lautet: „Unnatürliche 
Unzucht zwischen Männern unxl Männern, Kuabenschändung und 
Unzucht mit einem Viehe soll man mit dem Feuertode richten'*. 
• — Von den Weibern au der Küste Guineas wird berichtet, dass 



— 220 — 

sie ebenfalls von Tieren sich begatten lossen: sie sollen sich 
nainentln'h dsn AÄeu ergeben — da kann Darwin bald mit 
seiner Theorie Recht bekommen. Dagegen sollen dort die Priester, 
wie Blumenreich schreibt, sich nur an das Esolsgeschleeht halten. 
1h Sizilien stehen die Ziegenhirten im Rufe, dass sie ihre Ziegen 
häufig benützen. In Serbien soU einmal Ivara Gjorgje, wie Kraass 
erwäimt die Sodomie mit Ziegen völlig freig'cgebcn haben. In 
Bosnien schreibt man jedem Stande eine besondere Vorliebe für 
besondere Tiere zu. So sagt n»an, dass die Franziskaner füi* 
ihren Bedarf llaasziecfen füttern,* während andere katholische 
Kapläiic sich den Hühnern und Katzen widmen. Die griechisch- 
orthodoxen Popen und die mosieniiscben Hodgchas lieben mehr 
junge Stuten. In Bosnien ergeben sich Frauen, wie Krauts mit 
eigenen Augen gesehen hat, nicht blos Bunden, sondern auch 
Katern. In Bogutovo in Bosnien singt mau dieses sinnige Lied: 

Der Hodsc'hft buzerieri dio Stute im tiefen Baohbettcheu. 
Vom Saumsattel herab betracUfet ihn das f/fädchen: 
„La5s al», Hoclscha, quäle nicht das Tier, 
War' (cli nälier, selbst gewährt' ich dir!" 

Wie die römischen Dichter (iie Knabenlierie besungen haben, 
so apostrophiert der bosnische Beimpoet sein geliebtes Vieh mit 
Zärtlichkeitsausdrücken : 

.,0 Bräunlftin, Rössleiu, braves Tier, 
Ein rotes BriSderleiu sieh bei mir, 
Das aus den Hnsen zur Erde sieh lässt, 
Öo gross, so dick, so stark und fest. ' 

In einzelnen Fällen — sagten berühmte osmanischc Aerzte, 
.*iüf die sich Onier Haleby beruft — sei es gestattet, „Tiere von 
grossem Bau" zu gebrauchen: die Ziege, das Maultier, die Stute. 
Solche Fälle seien aber „rein medizinische Dinge'* und dürften 
nur „zu Kurz wecken, einzig und allein im Interesse der Gesund- 
heit in Frage kommen.'' So dürfe n»an weiblich(! Tiere gebraiicben, 
wenn man an einem Tripper oder an anderen Affektionen des 
Penis leidet; ausgenommen sind Schanker und Wunden und 
Geschwüre welcher Art immer. Die Erfahrung lehre, dass unter 
dem Einflüsse eines solchen Coitns der Mann sich seines Uebels 
cjitledige, ohne dass das Tier erkranke, da der Eiter durch die 
grosse Hitze in der Vulva des Tieres und durch die Scliärfe der 
tierisoh<Mi .Schleimabsonderung annihiliert werde. „Wenn ihr 



— 221 — 

also Jtr[>nk seid und ohne ärztlidie Hülfe'* — meint Omer Haleby 
— „oder auch, wenn die Aerzte nichts vennöj^on, so gebrauchet 
Tiere; aber dies mu.ss — bei der Androhung der Strafe, die das 
Gesetz des Islams anbefohlen hat — in dem Momente aufhören, 
wo ihr euere Gesundheit zurückerlangt habt.'' Als die Franzosen 
Algier erobeit hatten — erzählt Regia — hatten die Gerichte 
ununterbrochen mit Verhandlungen zu thun, welche Fälle von 
Unzucht mit Tieren betrafen. Man üben'aschte die Araber in 
den Ställen der Kavallerie tagtäglich in der Ausübung des Coitus 
mit jungen Stuten. Die guten Moslems waren erstaunt, als man 
sie deswegen verurteilte, und entschuldigten sich mit denselben 
Gründen, die ich eben von Omer Haleb}" vorbringen liess. Auch 
in den christlichen ßalkanländern wird der Coitus mit Tieren 
als ein Mittel z\im Loswerden des Trippers betrachtet Man 
bedient sich aber meist einer Henne. Die Wird vor allem lebend 
gerupft, dann presst der Kranke den Penis in sie hinein, während 
ein helfender Freund das Tier langsam abschlachten muss, so 
dass es in seinen Todeszuekungen die Vagina krampfhaft zu- 
sammenzieht. Damit die Heilwirkung nicht ausbleibe, muss dann 
die tote Henne gebraten und einem durchreisenden Fremden zu 
essen gegeben werden; der nimmt die Krankheit mit Alle 
diese Dinge gehören auch teils in das Kapitel vol Uebertragung 
der Krankheiten, teils in das Kapitel der Geschlechtskrankheiten; 
ich bringe sie aber deshalb hier unter, weil ich meine, dass die 
gesundheitliche Begründung der Unzucht nur ein Verwand für 
die Entschuldigung viehischer Triebe ist Krafft-Ebing zitiert 
in seiner „Psychopathia sexualis" ähnliche Fälle in anderen 
Ländern, darunter Mantegazzas Mitteilung; bei den Chinesen 
bestehe ein entsetzlicher „Sport" darin, dass sie Gänse sodo- 
raisieren und ihnen im Momente des Samenergusses den Hals 
absäbeln lassen. Ich selbst war in einem Hause in Alexandrien 
Zeuge, wie einer Henne dergleichen geschah. In demselben 
Hause gaben auch einige Araber den europäischen Gästen eine 
eigene Vorstellung: wie man den Coitus mit einer Eselin aus- 
übt Letztere Handlung gilt -brigens im ganzen Orient als das 
Einiedrigendste, das man sich denken kann, und einen ganz 
verächtlichen Menschen bezeichnet man als einen Sselsf .... 



43, Eunuchen und Perversitäten. 



Weibliche Eunuchen. — Ausschneidung der Eierstöcke und Verstümnielung 
der Clitoris. — In Aegypter... — Bei den Kopten. — Manuliehe Ennucben. — 
Ihre Eollen im Orient. — Die Bibel über Eunuchen. — Der Korau über 
VeTstummeluug. — Ursprung des Eunuchen wesens. — Semiramis. — Poti- 
phar. — Aethiopier und Kolchier. — Die Eunuchen in der osmanischen 
Geschichte. — Der Charakter der Eunuchen. ~ Ihre ateUung in Persien. — 
Die Eunuchen in Rom. — Einteilung der Ei'nuchen in drei Kategorieen. ~- 
Die Hodenzerquctschung. ~ Ein hiSLorisdif^r Fall. — PJunuchen als Gatten. — 
P.achsucht der Eunuchen. — Die Eunuchen in Indien' — Von Frauen ge- 
liebte Eunuchen. — Unter Frauen ¥änT!er, unter Miinnern Frauen. ~ 
Der Coitus mit. dorn Munde. — Monumentale Darstellungen des Mund- 
Coitua. — Mund-Coitus bei d£u Römern. — Bordelle £iir Mund-Coitus in 
Algier. — Den Mund-Coitus übende Fraueu. — • Ein Euiini der Zigeuner. — 
Frauen untereinander. — L'?sbischc Liebe. 

Eine orientalische Merkwürdigkeit sind die weiblichen 
Ennuchen. Man spaltet Jimg-en Mädchen den Banch, um die 
Eierstocke zu eifstirpieren. Man schneidet die ("Klitoris bis zur 
Wurzel auf, dann schliesst man die Vulva und zieht die Schani- 
lipper durch Nähte zusammen. Man schafft so Wesen ohne 
Geschlecht und ohne Wünsche. 

In Acg^pTeii g-eschieht die Operation bei Mädchen im Ajter 
von 5 — 9 Jahren. Nach einigen Berichten wird die Clitoris 
■verstümmelt; nach anderen werden nur di« Schamlippen teil- 
weise wegereschnitten, weil sie ' m den Frauen jener Gegend 
häufig von ungewöhnlicher Grösse sind und während der Erektion 
beim Coitiis infolge dos woUüstigeu Temperaments der Süd- 
ländorinnen noch /unehmen; man boscitigt auf diese Weise ein 
Hindernis des sinnlichen Veignügens, da die allzugrossen Scham- 



— 223 — 

lefzen" das erwimschte tiefe Eindring'eii des perJs verhindern 
oder wenigstens erschweren. Kach Angabe der einheimisclien 
Acrzte wird diese Operation, welche Chasath genannt wird uua 
das Gescliäft von Spezialistinnen ist, blos vorgenommen, um 
Nervenkranklieiten und Hysterie zu verhüten. Diese Darstellung 
ist aber mit Kecnt zu bezweifeln. Alle unbefangenen Berichte 
stellen fest, dass die barbarische Operation aus sinnlichen Motiven 
herstammt. Schon Strabo erwähnt sie, und Xanthus, ein 
griechischer Historikerj berichtet über die Kastration der Frauen, 
welche im alten Lydien ausgeübt wurde; sie wurde dort auf 
Befehl des Königs Gyges voilzogen; einesteils, damit er die 
Frauen gebrauchen konnte, ohne Folgen zu erwarten, anderen- 
teils, um den Frauen ihre Jugend und Schönheit länger zu 
erhalten. 

Gegenwärtig ist die Verschneidung der Mädchen namentlich 
bei den Kopten noch stark in Gebrauch. Die Operation betrifft 
sowohl die Verkürzung der kleinen Schamlippen als das Ver- 
nähen des Mädchens, derart, dass dej' l^eischlaf nicht mehr 
durch die weiblichen Teile vollzogen vrerden kann, sondern auf 
unnatürliche Weise erfolgt, wie mit einem Kimben. Ein nicht 
vollständigem Vernähen, eigentlich nur eine künstliche Ver- 
engerung, tindet manchmal statt, um die verlorene Jungfrau- 
schaft vorzutäuschen diese Operation wird bei Mädchen, die 
man der käufliclien Liebe überantwortet, gewöhnlich mehreremale 
vollführt — - ~ 

Die Rolle der männlichen Eunuchen im Orient ist eine 
vielseitige. |3ie Eunuchen sind nicht blos die Wächter des 
Harems, sie dienen auch allen möglichen Perversitäten als 
Willige Werkzeuge; und schon die Lateiner jirägten auf sie das 
Wort: „Unter Frauen Männer — unter Männern Frauen." 

In meinem Buche über den Hofstaat und das Harem Abdul 
Hamids habe ich den Eunuchen ein besonderes Kapitel gewidmet 
Ich gebe hier eine Ergäi\zuug besonders nach jener Richtung 
hin, welche die Eunuchen im sexuellen Leben der Orientalen 
benandelt, da ich diese Fi-age in meinem erwähnten Buche nur 
ieise gestreift habe. 

Im 5. Buche Moses XXTIl 2 beisst es- „Der Gemeinde 
Jehovahs darf keiner angehören, der durch Hodenzerquetschung 
oder durch das Abschndden der Harnröhre verstümmelt ist." 



DeÄ „V^»clmitteneji" vmv der Besuch ^r bäiigea Orte ter? 
boten. Tiey© mit aerqtietuditen MbA&a dffrften — wie im 3. Bache 
Moses XXII a4 eirjsÄhlt wi?d — Jeb&vali nicht als Opfer dar- 
^bracht werden. 

Der Türke OmeS* Haleby sagt äbei da« Emuichenwesen: es 
sei mit döm Islara, selufto PrinKlpien und seiner Moral dorcbana 
im Widersprach» vstd trügt: „Habe» wir als Wächter der Ehre 
unserer Frauen nicht die schweren, v<mi Koran an^drohten 
StTJtfea, aicbt die Geaetae gegen Ehebruch? Bedurfte unser 
Prophet der Btmwchen? Bedient sich der Araber der Wüste 
und der ZeUe diesw uj» vollkommenen Menschen? Die Osmanli 
haben die Institution der Eurmchen eisgcfüiirty haben sie über- 
nommen von den verderbliche» Gebriluchen der Griechen und 
der Völker der Decadence. ihrem Ursprünge nach ist sie mehr 
christlich, als !no8kn]ii3ci> ; desin sie Ist die Basis der im 
III Jahrhandort berühmt geweeien Sekte der Valesianer. Den 
Gebrauch, den die Türkon mit dem Padischah «n der Spitze 
von wefesen und schwajsrea Eimnchen ma«3hen, kann man nur 
verdammen, er ist geeignet, die Praxis der Kastration zu ver- 
ewij^eiL" 

Das moslemische Gesetz droht schwere Strafe an fßr Ver- 
wundungeu oder Verstümmelungen des Gliedes bei einem Manne 
oder einem Knaben. D<5r Verlust eines Gliedes, das der Mensch 
nnr in der Einzahl besitzt, erfordert den gftozen Blutpreia. Zu 
diesen nur in der Einzahl emüerenden Oliedem gehört das 
ZeuguBgsör^n. Der Blutpreis ist. Blut ura Bißt, Vergeltung 
des Gleichen mit Gleichem; wer also einem Nebenmenschen das 
Glied vesistftmmeit d<an geschehe in derselben Weise, Dies hat 
aUerdiJiigßß niieht Vf^rhaidert, dass in den moslemischen Ländern 
noch bis heute EumKiheu gemacht und verwendet werden. 

NÄc-h Marcelliiiu« hat Semiramis zuerst den Bct'rhl gegebcm, 
junge Knaben zu kastrieren. Cicero erzählt: in Griechenland 
herrschte lange der uralte Glaube^ dass (^/ölns, der Himmel, yon 
seineo) Sohne Saturnns kastriert worden sei. In Aegypten kannte 
man schon in frühesten Zeiten EnnHf^en, und Potiphar soll ein 
Eonuch gewesen sein. Zu Cyrus' Zeiten waren die Aethiapier 
bereits als die WeHliofersmten TOto. Bunu(5hen bekannt? ihre Ab- 
gaben an die Persci bestanden 1d Knaben. Auch die Koldußi' 
lieferten ihren Tribut in verschuitteßcn Knaben. 



— 225 — 

Die Osmanen waren von allem Anfan/?e Liebbabcr vg;i 
Eunuchen. Als im Jahre 1547 zu Kon stau tiuopel der Botschafter 
des indischen Sultans Alaeddin erachien, welcher 'les Sultans 
Hilfe wider die Portugiesen anflehte, 1)rachte er ausser seltenen 
Tieren nnri Papageien von wunderbarem Farbengemisch, ausser 
köstlichen Gewürzen und Wohlg-erüchen. Harzen und Balsamen, 
als ^Seltsamkeit: eiuen Sklaven, der blos Menschenfleisch frass, 
and als erwünschteste Geschenke: Neger und Verschnittene. 

Unter Sultan Achmed HI., zu Anfang des X^l. Jahrhunderts, 
erliess der Grosswesir Ali Pascha das in der Türkei höchst 
merkv^äirdige und menschenfreundliche Gebot, hinfür in Aegypten 
die Neger nicht mehr zu verschneiden. Der betreffende Befehl 
des Grosswesirs an den Statthalter und die Richter Aegj'ptens 
lautete, dass sie durch Verwehruug solclien Zwanges und Un- 
rechtes Lohn und Verdienst erwirken würdeu; aus einem Bei- 
satze des ßeichsgeschichtschreibers scheint indessen fast hervor- 
zugf'hen, dass nicht die .^lenschenfreundlichkeit der Grund war, 
sondern dass es des Grosswesirs Hauptzweck nur gciwesen, das 
Sserai von Negern zu reinigen. Das Verbot des Grosswesirs 
Ali wurde übrigens in der Folge schiecht beachtet, und das 
Eunuchen Wesen l)lieb bis heute bestehen. 

Der Schilderung des Eunuchen Charakters, welche ich in 
meinem Buche über den Hofstaat Abdul Hamids gegeben habe, 
füge ich hier eine Ergänzung nach der Skizze bei, die Dr. Polak 
von deu Eunuchen am persischen Königshofe entwirft: 

Die Eunuclien, heisst es da, sind habsüchtig, geizig, eitel, 
abergläubisch, da,bei doch durchaus nicht boshaft, grausam und 
heimtückisch, wie sie uns gewöhnlich geschildert werden. Sie 
sind piunkliebend und halten namentlich viel auf schöne Pferde 
und Yögal Auch für Pflanzen und Blumen, welche sie mit be- 
sonderer Vorliebe kultivieren, haben sie Passion. Man findet in 
den königlichen Schlössern kaum eine schöne Blume, weil die 
Eunuchen sie sofort, heimlich sich aneignen. Vor ailon Dienern 
des Hauses geniessen sie den Vorrang; ihnen koniint der Titel 
„chadsche'' — Patron — zu. Man vertraut ihnen die Schlüssf)! 
zu allen Habseligkeiten an; sie erhalten prächtige Kleidung urwi 
eigene Dienerschaft zu ihrem. Gebranch. Wider die gesetzlich.) 
Bestimmung wird ihnen sogar gestattet, eine Frau zu nehmen, 

Stern, Medizjji, Abarglaube n. Geschiechts!«beD in der Tlirkei. 11. 15 



— 220 — 

so heiratete der erste Eunuch des Königs, Baschir-Chan, nach 
dem Tode des Mehmed Schah eine von dessen schönsten Frauen, 
in welche Wahl die Frau aus selbstsüchtigen Zwecken willigte. 
Zu Zeiten Feth- Ali' s und Mehmed Schah? gelaDj^'ten mehrere 
Bmiachen zu den höchsten Stellen und Würden des Keichs. Es 
waren dies Georgier, welche Agha Miihammed Chan, der erste 
Kad scharenfürst, auf seinem Eaubaug erbeutet hatte. Zwei von 
ihnen, Muhammed eddauleh und Cosruw-Ohan Vali, stehen heute 
noch bei den Persern in grossem Euf; der er^te stellte als 
Gouverneur von Ispahan die Sicherheit der Wege und Strassen 
her, zerstörte die üaubschlösser und befestigte das . gelockerte 
Ansehen des Schah in der rebelilschen Provinz Arabistan-, der 
andere, abwechselnd Goaverneur in Yezd, Kurdistan,' Kaswiu, 
zeichnete sich durch seine besondere KOrperstärke, von der man 
iiTi f;anzen Land die abenteuerlichsten .;\jiekdoten erzählt, aus. 
Unter dem Schah Nassreddin waren der Binfluss und das Ansehen 
der Eunuchen sehr gesunl?.en; die weissen wurden aus über- 
triebener Eifersucht gänzlich aus den Harems verbannt. Der 
Chadsche baschi hatte indessen noch die Schlüssel der königlichen 
-OhatonHe in Verwahrung und versiegelte noch die fiir den Schah 
bestimmten Sp-^isen, um sie vor gefährlicher Beimischung zn 
sichern. 

In Eom waren die Eunuchen sowohl Frauenwächter als 
Werkzeuge der Unzucht. Ersteres geht aus Ovid 11 her^or^ 
wo Bagoas, der Eunuch, aufgefordert wird, kein allzustrenger 
Wächter zu sein: „0 du Bagoas, der du weder Mann noch Frau 
bist, du Hüter memer Herrin, lass ihr ein bischen Freiheit!*' 

Die Römer unterschieden, gleich den früheren und den 
t-jiUteren Tölkern, drei Arten Eunuchen: Die Oastrati, die Spa- 
dones und die Tblibiae. Die Castrati waren diejenigen, die man 
aller äus.seren Ze igungsorgane beraubt hatte ; sie waren die 
meistgesuchtesten und teuersten. Die Spadones waren blos der 
Hoden beraubt. Bei den Thlibiae sah man äusserlich kein 
Zeichen der Entmannung, denn ihnen liess man die Organe, 
man zerschmetterte blos die Hoden. Dem römischen Reiche 
lieforten lange Zeit die Inseln Chios und Dolos die meisten 
Eunuchen. 

Nach Sueton. verbot Domitian die Castration und setzte den 
Preis für Eunuchen, die noch auf dem Markte waren, herab. 



_ 227 — 

Der Nachfolger Domitians, Kaiser Neiva, bestätigte des 
ersteren Edikt. Aber die Erlässe beider Herrscher wurden 
bald immer weniger beachtet, und die Zahl der Eunuchen wuchs 
von Neuem au. Heliogabal gewährte ihnen Belohnungen und 
hohe Stellungen. Um dem übermässigen Anwachsen der Zahl 
der Eunuchen in Rom Einhalt zu thun, fixierte Aurelian eine 
Norm, nach welcher jeder römische Bürger nur soviele Eunuchen 
halten durfte, als es seinen vor dem Senate deklarierten Ein- 
nahmen entsprach. Infolgedessen — erzählt Flayius Vopiscus 
— steigerte sich der Preis der Eunuchen ins Enorme, 

Damals wurde die Kastriernng häufig auch als Streife für 
Ehebruch vollzogen. Horaz erwähnt einen solchen Fall Valerius 
Maximus berichtet von der Operation, die an Attienus aus- 
geführt wurde, als er in flagranti von Bibienus ertappt worden 
war, und von dem gleichen Schicksal, dass den von Cervius 
überraschten Marcus Pontius traf. 

Die Epistel 60 im ü. Buche Martials erzählt uns ähnliches 
in launiger Form: „Du schwelgest mit der Frau eines mili- 
tärischen Tribuns, o jugendlicher Hylus; gib Acht, du wirst 
kastriert werden. Das sei nicht erlaubt, meinst du? Was du 
aber thust, ist das denn erlaubt?" 

Nach Omer Haleb}^ gibt es — wie bei den Römern — drei 
Arten Eunuchen auch bei den Türken: „Die vollständigen, die 
unvollständigen und die der dritten Kategorie." Ein vollstän- 
diger Eunuch ist jener, der als Kind der Zeugungsorgane — 
des Gliedes, des Hodensackes und der Hoden — ganz beraubt 
worden ist. Der unvollständige Eunuch ist jener, dem man erst 
nach Erlangung seiner Mannbarkeit die Hoden ausgeschnitten 
hat. Zu der dritten Kategorie gehören jene Eunuchen, denen 
in ihrem Kindheitsalter die Hoden zerquetscht wurden. Die 
Hodenzerquetschung geschieht, indem man die Kriaben in Schüsseln 
mit warmem Wasser setzt; wenn die Hoden erschlafft sind, 
drückt man sie mit den Fingern so lange, bis sie nicht mehr 
gefühlt werden. Bei der Verschneidung fasst man den Hoden- 
sack mit der linken Hand, spannt ihn an, macht mit einer- 
Messer über dem linken Ei einen vSchnitt, dass es herausspringt, 
schneidet es ab und lässt blos einen Teil des Nebenhodens 
zurück. 

15* 



— 228 — 

Einen historischen Fall von Hodenzerqiietschung berichtet 
Hammer im zweiten Bande seiner osraanischen Geschichte, da 
er Ton der Ermordung: des Sultans Osman erzählt: „Daudpascha, 
der Grosswesir, kam mit seinem Kiaja Omer, dem Dschebedschi- 
baschi und dem Polizeileutnant Kalender, der den Beinamen 
Oghri, ,,der Kinderräuber" führte, um das Henkerwerk zu voll- 
bringen. Sultan Osman, voll rüstiger Jugendkiaft, wehrte sich 
lange wider die vier Schwächeren, endlich warf ihm der Dsche- 
bedschi die Halfter über den Hals; der „Oghri" quetschte ihm 
mit den Händen die Geschlechtsteile, und die Grenelthat des 
ersten Herrschermordes, welcher die osmanische Geschichte be- 
fleckt, war vollbracht. Des Ermordeten abgeschnittc^s Ohr wurde 
zum Zeichen der vollbrachten That der Auftraggeberin, der 
Walide-Sulta,nin, der Mutter Sultan Mustafas, überbracht." 

In Acgypten war von jeher die Abtrennung des ganzen Penis 
beliebt. Diese Operation wird, nach Trusen, besonders in Siut 
von koptischen Priestern und auch von christlichen Aerzten 
vorgenommen. In Darfui- wird das Kind der Länge nach in 
frischem Sande eingegraben, so dass bloss der Kopf und die zu 
operierenden Teile freibl8ii)en. Die Genitalien werden durch 
einen einzigen Messerschnitt vollständig vom. Körper getrennt; 
die Blutung wird durch schnell über die Wunde gegossenes 
siedendes Blei gestillt. Nach 40 Tagen soll alles wieder ge- 
heilt sein und es sollen bei dieser Operation nur 16 oder 17 
Prozent zu Grunde gehen. Das Operationsmesser ist der Jata- 
gan. Wenn auch nur ein Teil des Penis weggehackt wird, so 
bleibt auch nicht viel zurück. Fritsch produzierte vor der Eth- 
nologischen Gesellschaft in Berlin im Jahre 1894 ein Präparat, 
welches als Rest eines Eunuchen-Penis ein nussgrosses Stück- 
chen zeigte; näheres darüber in den Verhandlungen dieser Ge- 
sellschaft XXVI 455 — 458. Manchmal wird die Blutung, wie 
Rigler erzählt, blos durch Anwendung von Stopfmitteln oder 
durch Ausbrennen zu stillen versucht. Andere Operationsmethoden 
und Stillungsmittel habe ich in meinem Buche über Abdul 
Hamids Hofstaat nach Angaben eines hoüäudischen Arztes mit- 
geteilt. — Bei einigen Völkern Afrikas und bei den Skopzen ist 
die Kastration eine religiöse Zeremonie. 

Nur die Eunuchen der ersten Art liefern eine vollkommene 
Garantie, dass sie den Coitus nicht ausüben können; die der 



— 22» — 

zwei anderen Gruppen aber können bis zu einem gewissen Alter 
coitieren und sind um so gefährlicher füi" die Moral und die 
guten Sitten, weil sie fähig sind, die Frauen zu befriedigen, oLne 
sie zu schwängern; doch solleTi auch in letzterer Beziehr, ;)g 
merkwürdige Fälle vorgekommen sein, wo es Eunuchen gelang, 
die Frauen zu befruchteu/' — 

Die Eunuchen der ersten Gruppe nähern sich dem weib- 
lichen Geschlecht infolge ihrer phj^sischen Constitution, ihrer 
intellektuellen und moralischen Eigenschaften. Sie sind bartlos, 
ihre Luftröhre l>chält die Dimension, welche sie in der Kind- 
heit besitzt, ihre Stimme bleibt kindlich und durchdringend. Sie 
leben, namentlich wenn sie der schwarzen Easse angehören, am 
längsten. Die Eunuchen der beiden anderen Kategorien sind 
nicht bartlos, wenn auch ihr Bart hell und schütter ist. Ihre 
Stimme ist tief und schwor. Ihre geschlechtlichen Begierden 
sind häufig lebhaft. Ihi'e intellektuellen Fähigkeiten nähern sich 
denen der gesunden Menschen, werden indessen vorzeitig schwach, 
und ihr Körper verfällt und altert früh. 

Die Eunuchen gelten allgemein als leidenschaftlich wild. 
Wenn sie sich für eine Beleidigung rächen wollen - und be- 
leidigt sind sie schon, wenn man sie nicht genügend beachtet — 
so erwarten sie mit staunenswerter Geduld selbst Jahre hin- 
durch dten günstigen Augenblick. Von den schwarzen Eunuchen 
sagt man: „Wenn ein schwarzer Eunuch es sich in den Kopf 
gesetzt hat, jemanden zu töten, so tötet er ihn ; gelingt ihm dies 
nicht, so tötet er sich selber." Die weissen Eunuchen hält man 
füi" weniger rachsüchtig,, aber dafür für betrügerischer. 

Den Eunuchen der dritten Gruppe soll es, wie schon ge- 
sagt, manchmal gelungen sein, Frauen zu schwängern. In 
meinem Buche über den Suitaushof erwähne ich einige Fälle 
von Euüuchenlie bschaften. Aus dem Harem Abdul Hamids wur- 
den zur Zeit meines Aufenthaltes in Konstantinopel die Eunuchen 
Muzaffer Aga und Faik Aga, zv/ei Lieblinge des Sultans, nach 
Yemen verbannt, weil sie im Harem intime Verhältnisse mit 
sultanischen Damen angeknüpft hatten. Eegla erzählt, dass eine 
Sklavin im Harem Osman Paschas von einem weissen Eunuchen 
der (britten Kategorie zur Mutter gemacht wurde; das Kind kam 
jedoch tot zur Welt. 

Zuweilen dienen die Eunuchen den Frauen nicht mit ihrem 



— 230 — 

Terstümmelten Penis, sondern mit dem Munde. Eine ägyptische 
Prinzessin in Konstantinopel- Skutari hatte solch ein Verhältnis 
mit einem schwarzen Eunuchen, der infolgedessen 1887 an der 
Schwindsucht starb. 

Die Inder sahen die Eunuchen zum Teil als eine besondere 
Art von Hetären an, weiche den Genuss der Wollust durch 
Mundcoitus bereiteten. 

Dass es Frauen gibt, welche Eunuchen lieben können, haben 
schon Juvenal und Martial erzählt. Juvenal spottet in seiner 
YI. Satire: „Es gibt Frauen, welche die schüchternen Euimehen, 
ihre weiblichen Küsse ohne Hitze, ihre bartlosen Gesichter liehen. 
Mit ihnen dürfen sie sich ganz nach Wunsch vergnügen, und 
sie brauchen nie zur Abortierung Zuflucht zu nehmen." Und bei 
Martial heisst es VI 67: „Du fragst, Pannicus, weshalb Gellia, 
dein Weib, so sehr die Eunuchen liebe? ~ Es ist deshalb, weil 
sie die Liebe gemessen will, ohne Kinder zu bekommen." 

Als Domitian das Eunuchonwesen unterdrücken wollte, schrieb 
Majftial ini 3. Epigramm seines VI. Buches: „Man machte sich 
ein Spiel daraus, die heiligen iiechte der Ehe zu verletzen, ein 
Spiel daraus, unschuldige Menschen zu verstümmeln. Du ver- 
bietest dies, Cäsar! und du erweisest den zukünftigen Genera- 
tionen einen Dienst. Unter deiner Herrschaft wird niemand 
Eunuch noch Ehebrecher sein. Aber vor dir, o mores! war so- 
gar der Eunuch selbst ein Ehebrecher." 

Wie die Eunuchen unter Frauen ti-otz ihrer Verstümmelung 
häufig doch die Rolle von Männern spielen, so geben sie sich 
noch viel mehr den perversen Mäi^nem im Orient als Frauen hin. 
Sie sind vor allem Werkzeuge der Päderastie, und Omer Haleby 
sagt mit Bezug darauf: „Wenn sich diese Eunuchen a retro 
gebrauchen lassen, so sind sie die schlimmsten Feinde der 
Frauen, deren peinlichste, wildeste und eifersüchtigste Wächter; 
und sie sind nicht blos eifersüchtig auf die I<>auen, sondern 
auch auf einander." 

In Indien kleideten sich die Eunuchen, die sich solcher 
ßcschäfti.üung widmeten, einst in Frauenkleider. Seit Indien 
moslemisch geworden ist, tragen sie jedoch Männerkleider. Denn 
nicht die Frau ist es, die man sucht, sondern den Mann als 
Frau, und man will sich in seinem widerlichen Genüsse gar 
nicht über die Unnatur hinwegtäuschen lassen. Diesen Wüst- 



— 231 — 

lingcn ist das Männliche umsoviel wallkommener als die schönste 
■Weiblichkeit, dass sich die Bayaderen, die bei mosleraischea 
Fürsten singen und tanzen, oft Männertracht anlegen müssen, 
am mehr sinnlicheu Heiz auszuüben. 

Wie den P'raueu dienen die Eunuchen ferner auch den 
Männern mit dem Munkle. Bei den ludicrn bediente man sieb 
der F/anuchcn für den Mundcoitus, den sie bei beiden Geschlech- 
tem ausübten; *ie waren gleichsam Hetären für die V/ollust der 
Männer wie der Frauen. Der Coitus mit dem Muude — hdsst 
PS im Lehrbuch der Liebe im Abschnitt über fiie Wiederer- 
weckung der erstorbenen Leidenschaft — dient diesem Zw(?cke 
bei einem Manne vqn mattem T«?mperamente, dessen Jugend 
dahin ist; der krJiftig, aber erschöpft ist. 

Der Coitus mit dem Munde heisst Im ladischen Auparlsch- 
taka. Dan Eämasutram sagt: Das Auparischtaka ist das Existenz- 
mittel der Eunuchen, die wie Courtisanen leben und da« Metier 
eines Masseurs ausüben. luter fricationem quasi complectens 
membris suis amatoris feraora premat; fainiliaritate aucEa f«. lo- 
mm radices iina cum inguinibus contingat; et illius membrum, 
cum erectnm esse iatelligit, manu fricans excitet rideasque IHum 
oh luricivium quasi obiurget. Si a viro, quaraquam iadicia praebet 
illiusque naturjuü monstruosam inteliigit, non lUTitätur, sua sponte 
incipiat; si autem invitatur repugnet aegreque accedat. 

Das Auparifichiaka machon aber nicht bios die Buöuchen, 
Kondern nudi — wie es im Kamasutram htisst — „Die Dianer 
ihren Herren and Freuade ujit«3r einander." Ferner thun dies 
Männer ihren Frauen and die Fraaeu j^Ioichzeitig ib^ren TdäunerE. 
„Aus Leidenschnft fiii- dio?e Art de« Vergnügens" — sagt das 
KaDiasutram — „vorlasseii Courtisanen ihre generüseu und 
aUerU-i gute Eigenschaften besitzenden Liohliaber, um sich au 
Sklaven und Eiefantenfülirer wegznwerlen.'' Man nenat diese 
Art des Mund-Coitus: „die Krähe''. Auf den architoKtonißchen 
und l>iidhaueri3chon Meisterwerken der alten iTjder sind s-olcho 
Szenen oft in übernatürlicher Grösse varowigt worden. Im 
unterirdischen Elephauta-Tcmpel befiudöt sich eine Daratelluag 
der Ejähe"; sie ist in den ^Gravnres" des Chevalior Richard 
Payae, welche den Kultus des Priapus behandeln, reproduziert. 
Auf dem heiligen Wagen des Mazupatam sieht man eine Gruppf^ 



— 232 — 

von sechs Personen in übernatüiiicher Grösse: einen Manu, der 
fünf Frauen mit seiner Zunge die ,Jirähe" macht. Andere bild- 
liche Darstellungen dieses JVIund-Coitus findet man in den aui 
dem achten Jahi'hundert stammenden Tempeln von Liva ..i 
Bhuwaneschwara bei Cuttak in Orissa und auf dem heiligen 
Wagen des Schandernagor , wo lü'ischna und eine Gopi den 
Akt verrichten. Lamakesse, erzählt, dasö in Pondicheiy Affen, 
die sich musturbiercn, die Oaryatiden eines Wagens bilden. — Bei 
den Römern v. ar der Mund-Coitus das letzt^e AushiUfsmittel der 
idton und rmpotenten. Martial IV. 50 fragt: „Weshalb, Thaj's» 
wiederholst du, ich sei zu alt? Man ist me zu alt zum Lecken." 
In Algier gibt es Bordelle, in denen, meist von Arabern, nur 
der Muad-Ooitus ausgeübt wird. Von dieser Unsitte in earopäi- 
sclien Städten will ich hier nicht sprechen, sondeni nur bemerken, 
dass Viele behaupten, man könnte aus sauitäreu Gründen den 
Mund-Coitus wohl jedem anderen geschlechtlichen Akt vorziehen, 
weil er ebenso befriedige und bei der inmier zunehmenden 
syphilitischen Seuche am unschädlichsten sei. 

Die christlichen Balkanvöiker in der Tüi-kei meinen, mau 
könne einen Tripper los werden, wenn man ein zartes Mädchen 
gebrauche oder sich von einer Frau dfcn Mund-Ooitus machen 
lasse. Aber im letzteren Falle — fügen -die Südslaven nach 
Krauss I. 237 hinzu — ist es Bediugung: ut i'emina semen 
diworet Im Uebrigen gilt es bei den 8üd;slaven „als Beweis 
]jesouderer Liebe, wenn das Frauenziminer rijembrnm viii in ortj 
j'orJt id<iue sugit, donec spcruia ciacuiatur. VerbuMte Weiber 
tiniß es ihren Männern mit Absicht, bis sie impotent werden, 
und dann hat die Frau füi" ihre Liederlichkeit die beste xVus- 
rede.'" In zahlreichen Liedern — Kiauss 1. 210 — s^'t der 
Bui'sche zum Mädchen: „Du beissest meinem Penis die Schnauze 
ab." Auch der Mann thut es „aus besonderer Liebe" seiner 
Frau und -.manche Männer mögen nicht eher eine Frau ge- 
niessen, priusciuam eam iaaubendo vagiuam inilaramaverunt." 
Die Zigeuner stehen im ganzen Morgenlande in dem Eufe, im 
Muud-Coitiis die grösste Volienduug erlangt zu haben und ihn mit 
"verliebe auszuüben. Ein bosnisches Lied tragt deshalb spöttisch 
den Zigeur.er: „Du Hundesohn, kosest du uxorem tuam inter 
iemora, ubi barba ei crescit?" Das Auparischraka machen auch 



— 233 — 

die indischen Frauen in den Harems untereinander. Mau könnte 
dies als eine Art lesbisclier Liebe bezeichnen. 

Die „Lesbierinnen" legen sich, wie Weib und Mann, bäuch- 
lings ?nf einander und cunnis altera altq|-ain vehementer fricant, 
donec iugenteui delectatiouem adipiscuntur. 5)er französische 
Schriftsteller Pierre Louys hat in seinem Roman „Aphrodite" 
das Leben und Lieben der Lesbierinnen g-escbildert und diesen 
seltsamen Kultus förmlich idealisiert. Manche behaupten, dass 
Frauen, die sich solcher Praxis hingeben, für Männer keine 
Liebe besitzen können. Krauss berichtet jedoch, ihm sei erzählt 
worden, dass ..nach südfjjavischen Erfahrungen keine Frau einen 
Mann sinnlich mehr zu. befriedigen vermöge als eine, die von 
einem anderen Frauenzimmer nach iesbischer Art en'egt worden 
sei." Eine türkische Sappho, welche als Dichterin wie als Frau 
nach dem Vorbilde ihrer griechischen Schwester lebte, erwähnt 
Hammer in der Geschichte des o^manischen Reiches bei der 
Schilderung der Merkwürdigkeiten von Amasia: „Oestlich von 
Ssamssnn dehnt sich die Ebene von Phanaräa, welche der Iris 
durchfliesst, und weiterhin die von Themiskyra aus, welche, vom 
Thermodon durchschnitten, der Sitz der Amazonen war. Am 
Iris — heute Tscheharschenbessnji, Mittwochswasser — liegt 
Amasia, dessen Name — eine wahre Seltenheit — sich von der 
ältesten Zeit her, durch so viele -Jahrhunderte und in dem 
Munde so vieler Barbaren bis auf den heutigen Tag unverändert 
erhalten hat; den Griechen von den Danischmenden, diesen von 
den Seldschuken, den Seldschuken von den Isfendiaren, diesen 
von den Osmauen entrissen, vor anderem sehenswert durch die 
Ruinen der alten Königsburg mit ihren den Felsen eingehauenen 
Königsgräbern, durch die alten "Wasserleitungen und durch den 
Palast Isfondiars, ob so vieler Vorzüge insgemein das Bagdad 
Rums genannt. In Amasia befindet sieh das Grab der Dichterin 
Mihiri, welche als Sappho der Osmanen, ihie Gedichte und ihr 
lediges, aber nicht jungfiäuiiches Leben der Liebe weihte. Die 
turkmanischen Schönen Amasiens, die eigentlichen Amasien 
Klcin-Asiens, finden reichen Stofi zu romantischen Liebesge- 
schichten und Vorstellungen des sinesischen Schattesspiels in 
dem Romane Ferhad und Schirin, dessen Szene die tüi'kische 
Sage hierher verlegt, nnd die alte Wasserleitung beglaubigt sie 



— 234 — 

als den von Ferhad durch den Felsen gehauenen Kanal für die 
Milch der Schäfereien Schirins; und den Spaziergang von Kanli 
Binar, die „Strasse des blutigen Brunnens", bezeichnet man als 
den Ort, wo Ferhad, von dem alten Weibe mit der Nachricht 
von Schirins Tod angelogen, sich in sein Beil stürzte. Diese 
neuere Sage genügt den Amasien Amasiers statt der alten der 
benachbarten Amazonen, von denen sie nichts mehr wissen." 



44. Onanie und künstliche Instrumente. 



Ableitung des Wortes. — Onanie in der Bibel. — Onanie im Kamasutram. — 
Masturbation der Fxauen im modernen Indien. — Monumentale Dai- 
stelluag«a der Onanie. — Ethnographische Parallelen. — Der Koran über 
Onanie. — Omer Halebys Warnungen und Lehren in Bezug auf Onanie. — 
Die Onanie in den Harems. — In Pcra. — Badana. — In Persien. — In 
Alexandrieu. — Bei den christlichen Balkan Völkern. — Der künstliche 
Penis. - • Künstliche Vulva. — Verbreitung des künstlichen Penis in der 
Weit und in allen Zeitaltern. — Ethnographische Parallelen. — In der 
heutigen Türkei. — Bananen, Gurken und Padlischan als Penes. 

Onanie leitet man vielfach vom Namen jenes Onan her, 
von dem im 1. Buche Moses XXXVIII 8 erzählt wird, dass er, 
so oft er dem Weibe seines verstorbenen Bruders beiwohnte, 
den Samen daneben fallen liess, nm die Empfängnis zu ver- 
hindern. 

Im indischen Kamasutram wird die Onanie folgendermassen 
g-escLlldert: „Wie die Frauen bisweilen ihr Verlangen stillen 
ohne Männer, so thuu es auch Männer, die keine Frau auftreiben 
können, bei der Natur zwar nicht entsprechenden und anders- 
artigen, aber wei])llchen Wesen, bei Schafen, Stuten, oder durch 
blosses Berühren oder durch Eeiben des Penis, beispielsweise 
bei Ausübung des Löwenschrittes: mit den beiden auf den Fuss- 
boden gelegten Händen sieh stützend und mit gerade aus- 
gestreckten Füssen dasitzend, reibe man den Penis an der Mitte 
des Armes; das ist die Ausübung des Löwenschrittes." — 

Im heutigen Indien ist namentlich die Masturbation der 
Frauen eine alltägliche Sache. Dem Dr. EUis schrieb ein ärzt- 
licher Korrespondent aus Indien, dass er die Witwe eines reichen 
Mohammedaners behandelt und von ihr erfahren habe, dass sie 



— 236 — 

„schon in ganz jungen Jahren zu masturbieren begonnen hätte, 
wie alle anderen Frauen". Ferner teilte derselbe Gewährsraann 
mit, dass sich an der Fassade eines grossen Tempels in Orissa 
Bas-Reliefs befinden, die sowohl Männer und lYauen allein 
masturbierend, als auch Frauen, welche die Männer masturbieren, 
dai'stellen. 

Die Spanier fanden, als sie zuerst in Vizcaya und auf den 
Philippinen landeten, dass dort die Selbstbefleckung unter den 
Frauen durchweg verbreitet w^ar. In Cocliinchina wird sie, 
nach Lorion, von beiden Geschlechtem ausgeübt, besonders aber 
von den verheirateten Frauen. In Japan ist sie ganz allgemein 
und raffiniert. Bei den Nama-Hottentotten fand Gustav Fritsch 
die Masturbation unter den jungen Witwen so allgemein, dass 
sie als ein Landesbrauch angesehen wird; man macht gar kein 
Geheimnis daraus, und in den Legenden und Erzählungen dieses 
Volkes wird sie als eines der gewöhnlichsten Vorkommnisse des 
Lebens behandelt. So ist es auch bei den Basutos, bei den Kafferu, 
den Balinesen. Eram bestätigt, dass im ganzen Orient die 
Mastui'bation, besonders bei den jungen Mädchen, vorheiTScht. 

Der Koran II verdammt „die Form der Onanie'"; daraus 
folgert Omer Haleby, dass man im Principe jede Samen- 
einbaltnijg verbieten müsse, wie auch der Modus und die Manier 
des Vergehens sein mögen. Die Gelehrten des Kitus der 
Schafeiten erklärten, die Sameneinhaltung müsse schon deshalb 
verdammt werden, weil sonst das Gesetz der Zeugiing auf- 
gehoben würde. Nach den Traditionisten ist die Einhaltung 
des Samens indessen erlaubt, wenn beide Gatten einverstan- 
den sind. 

Dschaber erzählt: „Als dem Propheten der Koran vom 
Himmel gesandt wurde, enthielten Mohammed und seine Frau 
sich des Schlussmomentes des Coitus, der Prophet hielt den 
Samen zurück, dass er sich nicht in die Zeugungsorgane der 
Frau ergiesse. Der Prophet wm-de darüber befragt. Er verbot 
diesen Modus nicht ausdrücklich, aber er sagte: „Kein Lüftchen, 
keine Seele wird geschaffen werden von der Kreatur bis zum 
Tage der allgemeinen Auferstehung, ohne dass dieses Lüftchen 
seine Existenz haben wird." — Alle Seelen, die Gott schaffen 
wird, haben demnach ihre Existenz auf Erden in menschlichen 
Formen. Wenn man deshalb auch den Coitus nicht vollende 



~ 237 — 

— ■kommentiert Omer Ealoby — so werde flas Allali nicht 
hindern, „dass euere Frauen auch in solchen Fällen Mütter 
werden". Nach Omar verbot der Prophet ausdrücklich, „den 
unvollständigen Coitus oder die Einhaltung des Samens mit der 
freien Frau, wenn sie dem nicht zustimmt". 

Omer Halehy warnt namontlicli die Frauen vor der Onanie: 
„Höret nicht, o Frauen des Islams, auf die schlechten Kat- 
schläge; lasset euch nicht verleiten zur Onanie, zur Pädemstio 
und zu sapphischen Prakiiken, ob auch diese Ratschläge noch so 
oft von eueren Dienerinnen, eueren Eunuchen und fremden 
götzendienerischen, jüdischen oder christlichen Frauen in euere 
Ohren geträufelt werden. Alle diese Praktiken werden in euere 
Lenden den tötlichcn Schlag der Unfruchtbarkeit führen, eueren 
Geist verwirren, aus euerem Leibe eine Beute der Dämitnen 
machen und euer erhabenes Rayon der Keuschheit und Scham 
zerstören. Seid der Engel des Herdes und nicht seine schruss- 
liche Zwietracht." 

Omer Haleby giebt dann seinerseits seine Ansichten über 
Onanie ausführlich kund: Die Onanie sei ^jede Handlung, die 
mit der Hand, mit dem Munde der Frau, durch einen t]unuchen 
oder einen jungen Knaben ausgeführt wird und den Zweck hat, 
den Samen herauszupressen, zum Nachteile des natürlichen 
Coitus und zum Nachteile der Frau". Die Onanie mit dem 
Munde sei bei den Christen stark verbreitet, „als ein Rest alter 
Orgien, wie sie in gewissen heidnischen und götzendienerischen 
Tempeln stattfanden". Es sei nicht zu bezweifeln, dass diese 
Praxis „ein Vermächtnis jener barbarischen üebungen sei, deren 
Urspj'ung sich in der Nacht der Zeiten" verliere. ,, Lasset des- 
halb, Gläubige!" also spricht Omer Haleby, „solche Dingo 
den Christen, den Götzendienern und den Juden; denn es ist 
sicher, dass die Onanie, in welcher Form immer sie ausgeübt 
Werde, die Ursache von Traurigkeit und Mangel an Mut ist, 
dass sie, wie schon der weise Scheich Dschellaleddin Abu 
Soleiman Daud gesagt hat, die sinnlichen Naturtriebe, die 
Wünsche und die organische Kraft schwächt. Viele Gelehrte 
missverstehen die Worte des Propheten: „Vermeidet den Ehe- 
bruch, denn das ist eine Schändlichkeit und führt zum Bösen; 
thut alles lieber, als dass ihr euch zu Ehebruch und Blutschande 
verleiten lasset." Diese Gelehrten behaupten in ihrem Miss- 



. _ 238 — 

Verständnis: in gewissen Fällen, wenn man keine Frau bei sich 
hat, beispielsweise anf der Reise, sei es gestattet, der Natur zu 
Hülfe zu kommen, falls sie danach yerlani^; und man dürfe 
dann einfache Onanie — Eummaira — die an sich selbst mit 
der Hand ausgeführte Masturbation anwenden; aber man dürfe 
dies nicht thun um perverser Wollnst willen, sondern wie gesagt 
bios um der Natur nachzuhelfen." 

Im Gegensatze zu dieser Meinung und in „Anbetracht 
dessen, dass die Natur ja Mittel hat, sich während des 
Schlummers durch Pollutionen infolge eiTegender Träume selbst 
zu hellen", verdammt Omer Haleby „solche Weise durchaus" 
nnd erklärt „mit dem Koran in der Hand": „dass die Onanie 
in jeder Beziehung nnd in jeder Art als eine dämonische That" 
zu betrachten sei, als eine That, „gefährlich für die Gesundheit 
des Körpers und des Geistes," als eine That, „die fähig ist, 
die ärgsten Uebel anzustellen, und die nnwürdig ist eines ver- 
nünftigen Menschen . . ." Und nach dieser furchtbaren Ver- 
dammung schliesst der gute Omer Haleby ziemlich kleinlaut: 
„Aber, o Gläubige! wenn ihr in diesen Irrtum verfallen seid, 
— und dieser Irrtum ist doch mehr ein Fehler als eine grosse 
Sünde, den selbst das Buch der Christen verurteilt — dann o 
Gläubige, wisset, dass Gott gnädig ist, und zu verzeihen liebt, 
sobald die Reue in unser Herz einkehrt." 

Und dieser „Irrtum" herrscht ziemlich allgemein unter den 
Moslems, und Allah hat viel zu verzeihen. Namentlich bei den 
mannbaren und unverehelichten Gläubigen ist die Onanie stark 
eingerissen. In Arabien ist sie, wie bei den Hottentotten, fast 
Landesbrauch geworden. Bei Kindern und Knaben findet sie 
sich allerdings selten. Auch die Frauen der Moslems mastur- 
bieren sich verhältnismässig, wenig. In grossen Harems, wo sie 
oft sehr vereinsamt sind, treiben sie lesbische Praxis, aber nie 
mit Eunuchen, sondern mit anderen Haremsfrauen, die sich 
einen künstlichen Penis um die Hüfte schnallen und die Rolle 
des Mannes spielen. Dies thun auch Witwen untereinander. 
Mit dem Manne treibt die Türkin nie: als Onanie. Sie ist, um 
dem Mann gefällig zu sein, ihm manchmal ein Werkzeug der 
Päderastie, weigert sich aber entschieden, ihm den Penis mit 
der Hand abzureibcii oder ihm die „Onanie mit dem Mundo" zu 
thun; selbst die Prostituierten in Algier — Moslenünnen, die zu 



— - 239 — 

den verkommensten Prostituierten der ganzen Welt gezählt 
wftrden müssen — verabscheuen solche Praxis. In Persien hat 
sich die Onanie bei jungfräulichen Personen fast nie, nur hier 
und da bei Witwen und streng bewachten, von ihren Männern 
vernachlässigten Frauen eingenistet. 

Unter Peroten und Perotinnen, Griechinnen und Armenier- 
innen in Konstantinopel kennt man eine besondere Art Onanie, 
die man „Badana" nennt. Die Jungtrauen erlauben alles, nur 
nicht: „stylum in pixide". Das Mädchen nimmt den Penis in 
die Hand und reibt mit seiner Spitze ihi-en Geschlechtsteil^ gibt 
aber acht, dass der Same „danebenfällt", um den altbiblischen 
Ausdruck zu gebrauchen. Es gibt Hänser in den perotischen 
Hurengassen, wo nur Badana ausgeübt wird. Die Mädchen 
sammeln so eine Mitgift und bleiben doch physisch Jungfrauen. 

In Aiexandrien macht man Badana mit kleinen Negeiinuen, 
die noch nicht geschlechtlich reif geworden sind, aber trotz 
ihres zarten Alters den Kaffees entlang ziehen, um Kundschaft 
in ihre Lasterhöhlen zu schleppen. 

Bei den christlichen Balkanvölkern versteht man unter 
Onanie blos das Abreiben des Penis mit der Hand. Häufig- 
kommt es vor, dass zwei sich gegenseitig das Glied abreibon. 
Bei den Südslaven sagt man: „Kurtschewanje slagje neg jebanje, 
das gegenseitige Penisstreicheln ist süsser als der Coitus." 
Krauss beobachtete dies besonders bei den serbischen Schweine- 
hirten und behauptet: Onanistea gehen dort den Weibern aus 
dem Wege. 

Der künstliche Penis — Penis succedanus — heisst lateinisch: 
Phallus oderFascinum; französisch: Godemiche; italienisch: passe- 
tempo oder DiUeto; von letzteren Worte stammt die in England 
gebräuchliche Bezeichnung: Dildo; der indische Name ist: apa- 
dravya. 

Der entsprechende Apparat für Männer — Cunnus succe- 
danus — wird in England Merkin genannt, was ursprünglich 
bedeutete: nachgeahmtes Haar von des Weibes verborgenen Teilen. 

Der Gebrauch eines künstlichen Penis zur geschlechtlichen 
Befriedigung war ebensowohl im biblischen als im klassischen 
Altertum bekannt. Ersteres beweist eine Stelle aus EzechieL 

Die lesbischen Frauen sollen solche Instrumente aus Elfen- 
bein oder Gold, die mit Seidenstoffen und Leinen umhüllt waren, 



— 240 — 

benützt haben. Aristophanes spricht vou dem Gebrauch eines 
künstlichen Penis, der Olisbos genannt wnrde, bei den Mile- 
sierinnen. 

Herondas lässt in der Posse „Die geheime Unterredung" 
zwei Damen den Olisbos oder Bansson rühmen, „als die höchste 
Wonne des Lebens", nnd er erwähnt an einer ander n Stelle, 
dass dieses Instrument öffentlich verkauft wurde. 

Im Britischen Museum befindet sich eine Vase, auf der eine 
Hetäre dargestellt ist, die derartige Instrumente in der Hand 
hält. Einige solcher künstlichen Glieder wurden in- Pompeji ge- 
funden und werdesi im Musram von Neapel aufbewahrt. 

Ellis sagt; Durch das ganze Mittelalter hindurch, wo die 
Kleriker immer wieder den Gebrauch solcher Instrumente ver- 
boten, bis zum Zeitalter Elisabeths, wo Marston in seinen 
Schi'iften erzählt, wie Lucea einen .j-läsernen Penis einem wai*men 
Bette vorzieht, ja bis zur Gegenwart können wir solche Mittel 
auch in allen Ländern der Zivilisation angewandt sehen. Aber 
durchweg scheinen sie hier zum grössten Teile mir von Prosti- 
tuierten und solchen Frauen benutzt zu werden, die auf der 
Grenze eines vornehmen oder haibkünstlerischen Niveaus ihr 
Leben verbringen. Ellis zählt seitenlang solche europäischen 
Instrumente auf, in deren Liste nichts fehlt vou der Kerze bis 
zur Stricknadel. Ich übergehe hier natürlich diese Gattungen 
und eröffne blos einen Einblick in die Künste der Orientalen. 

Schon als die Spanier in Vizcaya und auf den Philippinen 
zum ersten Male landeten, erfuhren sie, dass dort die Frauen 
sich eines künstlichen Penis bedienen, um sich selbst geschlecht- 
lich befriedigen zu können. Bei den Balinesen — heisst es 
bei Ploss und Bartels nach Jacocs — findet man in jedem Harem 
einen Penis aus Wachs, dem die Frauen viele Stunden der 
Einsamkeit widme u. 

Die Japanerinnen können, nach übereinstimmenden Berichten, 
die Ellis sowie Ploss und Bartels zitieren, auf den höchsten Grad 
der Vollendung in der Herstellung mechanischer Glieder An- 
sprach machen, Sie benützen vornehmlich zwi hohle, aus 
dünnem Messingblech bestehende Kugeln in der Grösse der 
Taubeneier; die '-ijie ist leer, die andere, der sogenannte klebe 
Mann, enthält noch eine kleine schwere Met^iilkugel oder Queck- 



— 241 — 

Silber, maucbma! arich MeiallziingeTi , die — in Bewegimg ge- 
setzt — vibiierejB. Wervlen beide Kugelu nebeneinander in der 
Rand iicehaiten, so sind sie beständig- in Bewegung-. Die leere 
Kutrei wird sraerst in den öeschlechtÄteil eincroftilirt, bis sie den 
Uterus berfibrt; dann folgt die andere. Die gcrinj?8to Bewegung 
A<iS Beckens oder der Hüften oder jede selbständige Bewegung 
der Baucliorgane bringt die Metallkugeln oder das Quecksilber 
zum Rjlicn und die dadurch entstehende Vibration erzeugt ein 
fortgesetztes Kitzelgoftihl, einen sanften Schlag wie von einem 
scbwach(>n elektrischen Induktionsapparat. Diese Kugeln werdeu 
,Rir]-no-tainii genrtDiit und in der Vagina mittelst eines Papier- 
tanpoiis festgelialten. Die Frauen, die diese Kugeln benutzen, 
Wiegen sich mit Vorliebe in Häogeuiatten und Schaukelstühlen, 
denn die sanften Schwingungen der Kugeln rufen langsam und 
aU mäh! ich den höchsten Grad sexueller Erregung hervor. Joest 
erwähnt, dass dieser Apparat dem' Namen nach auch den 
japanischen Mädchen aus dem Volke bekannt sei, dase aber 
meist nur die besseren Geishas und die Prostituierten sich seiner 
bedienen. Sein Gebrauch hat sich fast durch den ganzen Orient 
verbreitet. 

In China kennt man femer einen aus Harz geschmeidig 
hergestellten ro?entarbigen Penis, der öffentlich verkauft und 
von den Frauen ungeniert verlaugt wird. 

In Cantoü fabrizieft man, wie Lamairesse berichtet, einen 
künstlichen Penis aus einem gummiharzigen Gemisch von einer 
bedeutenden Geschmeidigkeit, färbt das Produkt rosig und ver- 
sendet ea nach allen Ländern. In Tientsin verkauft man diese 
Instrumente öffentlich und gibt den Käuferinnen illustrierte 
Albums dazu, in weichen die Bilder den Gebrauch zeigen. In 
den Thestern kommt es sogar vor, duss eine Person sich ein 
solches Instrument anheftet, um den jungen Frauen ad ocnlos 
zu demonstrieren, wie anan damit verfahren mtisse. 

In def Türkei und in Aegypten bedient man sich gern 
solcher Naturprodukte, die durch ihr Aussehen dem Penis ähneln. 
So ist die Banane dnrch Form und Grösse dazu wie geschaffen. 
In der Mythologie von llawai wird von Göttinnen erzählt, di*^ 
von unter ihren Kleidern verborgenen Bananen befruchtet wurdeu. 
Das Gleiche, wie von der Banane, gilt von der Gurke. In Kon- 

jSietn, Mtdizin, A.berglaul)e a. Geachlechtsleben in der Türkei. JI. lö 



— 242 — 

stantinopel benntzen die Frauen, wie mir erzählt wui-de, die 
Padlidschan , Eierfrucht, welche man röstet, bis sie hart ge- 
worden ist. 

Im ganzen Morgenlande sind schliesslich auch die Pariser 
Fabrikate verbreitet, darunter eines, das man je nach Wunsch 
grösser oder kleiner aufblasen kann; es ist mit Milch oder einer 
anderen Flüssigkeit gefüllt und zerplatzt nach einer gewissen 
Anzahl von Stössen ; und wenn dann die Flüssigkeit in die Vagina 
strömt, so ist die Illusion möglichst vollständig. 



45. Geschleehtskrankheiten. 



Die Bibtl über Tiiirdnen. Fluss. — Syphiüb in moslemischeu Läüdera. — 
Fin Wort des Grosswesirs Rescliad Pascha. — Beginn der Syphilis in Kon- 
f^tantinopel zwischen 1827 und 1831. — Gei^enwärtige Zustände. — Sanitäts- 
leforrrien des Professors Dühring Pascha. — Syphilis in den Wilajets 
KasLamuni uijd Angora. — Syphilis in Syrien. — In der Armee. — Milde 
der Seuche in Konstantiuopcl und Soiyrna. — Fraiieo und Priester als 
S).i8zialisten für Syphilis. — Heilmethoden. — Ansichten des Türken Omer 
Haleby. — Orientalische Volksniittel gegen Syphilis. — Marokkanische 
Hcilmethodo. — Bosnische Spottlieder. 

Im HL Buche Moses XV 1 heisst es: „Wenc jemand aus 
seiner Scbam einen Fluss hat, so ist solches ein unreiner Fluss"; 
und es wird vorg-eschrieben. dass alles, was mit einer solchen 
Person in Berührung: kommt, uni'ein sei; „auch wenn der Flüssige 
seinen Speichel auf einen Reinen wirft, so muss dieser seine 
Kleider vv^aschen und sich baden und bleibt unrein bis zum 
Abend, . ." Die mit einem Flusse Behafteten mnssten, nach 
IV. Moses. V 2, ebenso wie die Aussätzigen oder wie solche, 
die sich an einer Leiche verunreinigt hatten, aus dem Lager 
der Israeliten herausgeschafft werden. DI. Buch Moses XX'II 4: 
„Und wer irgend von den Nachkommen Aarons aussätzig war 
oder einen Flnss hatte, durfte von den heiligen Gabei) nicht 
mitessen." Eine Verwünschung im IL Buche Samuel III 29 
lautet: „Mögen in Joabs Familie kein Ende nehmen, die an 
Fluss oder Aussatz leiden.'' 

In den Reichen des Islams ist die Syphilis bis zum neun- 
zehnten Jahrhundert angeblich unbekannt gewesen. 

Noch im Jahre 1832 konnte Fürst Demeter Maurokorüato 
m einer Berliner medizinischen Zeitschrift niederschreiben: Die 
Syphilis sei in der Türkei selteo. Sie grassierte damals eigent- 

16* 



— 244 — 

licli nur in den vorwiegend eliristlichen Provinzen, in der Moldau 
und Walachei. Bald wurde es anders. Der berühmte ungarische 
Gelehrte Vämbery erzählte mir, dass ihm der grosse Wesir Reschid 
Pascha einmal geklagt hatte: „Wir senden unsere iungen Leute 
nach Europa, damit sie zivilisiert werden j sie aber kommen zurück 
— bios syphilisiert." Die Beschneidung und die KeiuJichkeit 
der Türken, die vorgeschriebeneu Waschungen, die Vorschrift, 
sich nach dem Beischlaf durch ein Bad zu reinigen, der Mangel 
an öffentlichen Häusern — das alles hatte die Moslems lange 
vor der Syphilis bewahrt. Der Beginn dieser Krankheit in Kon- 
stantinopel lässt sich fast auf den Tag feststellen. Als Mauro- 
kordato 1827 die osmanische Hauptstadt verliess, um in Berlin 
seine medizinischen Studieii zu vervollkommnen, da gab es in 
Konstantinopel weder Bordelle noch Syphilis. Als er im Jahre 
1831 von der Si)ree an den Bosporus zurückkehrte, war alles 
anders geworden. 

Die Polizei, die früher unter den Türken keine Unsittlich- 
keit geduldet und die wenigen Freudenhäuser der Frauken 
streng bewacht hatte, kümmerte sich um nichts mehr, und in 
Stambal, wie in Pera und Galata grassierten alle Laster: die 
Zeit der Reiormen hatte begonnen! Venerische Krankheiten 
wurden allgemein. Die Konstant! nopeler Aerzte bcsassen keine 
Erfahrungen und vergrösserten das Unheil. Seither sind ganze 
Gouvernements in der Türkei verseucht worden. Berüchtigt 
sind besonders die Wilajete Kastamuni und Angora. Professor 
von Dühring Pascha hat in neuester Zeit zahlreiche Vorschläge 
gemacht, um die Seuche in diesen Provinzen zu bekämpfen. Die 
Regienmg acceptierte seine Vorschläge und das Budget des 
i'inanzjahres 1315 hatte bereits die nötigen Gelder verzeichnet. 
Dühriug Pascha verlangte: die Schaffung von Hospitälern in 
Kastamuni, Kenghiti, Erekli, Bartin, Dustsche und im Wilajet 
Angora; die Vergrüssernng des bestehenden Hospitals in Bolu; 
eine Summe vcm 16 000 Pfund für diese Zwecke; eine regel- 
mässige Inspektiou der verseuchten Orte durch eine aus zwei 
AerztcD und einem Apotheker bestehende Kommission, um alle 
angesteckten Persoaen iu die Hospitäler zu senden; die Er- 
nennung vofa 19 Spezialärzten für die beiden Provinzen; die 
Gratislieferung aller Medikamente an die Patienten. Die Mass- 



— 245 — 

regeln wurden auch ia Angriff genoramen, aber das Uebel wird 
nicht leicht zu bekämpfen sein. 

Uebrigens gibt es heute schon keine Provinz in der Türkei 
mehr, die von der Syphilis frei wäre. In Smyrna, Konia, Brussa 
nnd Beyrut sind zahlreiche Bordelle mit türkischen Frauen, die 
auch den Fremden offen stehen; selbst die inneren Wilajets sind 
verseucht In einem im 23. Bande der Zeitsclirift der Deutschen 
Morgenländischen GeseilschaiN; enthaltenen Briefe des Konsuls 
Wetzstein an Fleischer wird erwähnt, dass die Syphilis in S^Tien 
zerstörend grassiere. Die Krankheit nennt man in Damaskus: 
Kotal, was gleichzeitig Aussatz bedeutet, auch: „Frankenseuche" 
der „Gliederfrass". Der von der Syphilis Heimgesuchte heisst 
Mudschaen oder Mudschasim. 

Stark verbreitet ist die Syphilis gegenwärtig in der Ariiiee. 
Die Mehrzahl der in den türkischen Militärspitälem befindliclion 
Kranken ist daaiit behaftet. 

Bei dem bedeutenden Hafenleben Konstantinopels sind öffeut- 
licbe Freudenhäuser ein unvermeidliches UebeL In Galata sieht 
mau Gassen auf und Gassen ab nichts als Bordelle. Polizeilich- 
ärztliche Aufsieht hat es nie gegeben, daher ist die Syphilis häufig. 
Zum Glück ist die Krankheit nach allen mir bekannt gewordenen 
ärztlichen Mitteilungen in Konstantinopel gutartig. Das Gleiche 
gilt für SmjTna; hier mildert namentlich das herrliche Klima 
die Fälle. 

In der Türkei haben die weiblichen Aerzte und die Priester- 
Aerzte grossen Ruf in geschickter Behandlung der Syphilis. Sie 
versuchen, wie Professor Rigler berichtet, die Heilung durch 
Räuchcrungen rait Zinnober oder metallischem Quecksilber, welche 
mit Sublimat uiid dem Wurzelpulver der Hennah verrieben, mit 
etwas Eiweiss zu einer Paste angemacht und auf eii- Kohlen- 
fener geworfen werden; über letzterem sitzt der ia einen Mantel 
geliiiilte Kranke. Man kennt auch die Wirkung der Balsame 
sowie der Oubeben, behaDdolt primäre Geschwüre aii den Ge- 
schlechtsteilen mit Präcipitit, Kupfervitriol, armenischem Bolus, 
Hennah, und gebraucht bei sekundären und tertiären Formen 
Hoiztränke und Sublimat. Der gemeine Mann ätzt die Geschwüre 
mit Tabaksaft. 

Omer Haleby sagt: „Teus'iia — Gonorrhöe — ist die i-"olge 
eines allzuheftigeu oder eines schnell nacheinander wiederholten 



Coitns; eine Folge der Brmüuung- oder die Folge desseU; dass 
der Mann den Coitus knapp vor oder g-leich nach der Periode 
der Fran ausübte. Sic kann feraor entstanden sein dui'cti über- 
mässigen Gebrauch erhitzender Speisen und Mittel, wie Pistcxien, 
bitterer Mandeln, Zwiebeln; oder sie ist endlich eine Ucse Be- 
gleiterscheinung anderer Krankhoiteii, eine eirifacbe Blutschärfe 
Aber dies alles gilt nur für einfache Gonorrhöe, nicht för 
syphilitische, nicht für Geschwüre und Gewächse in Form des 
Hahnenkammes, der Kohlblätter und der Kietterpflauzen.. Die.s!e 
letzteren Krankheiten sind Folg^en der Prostitution und physischer 
Unreiniichkeiten bei den fremden Vö]ker.t5, wo die Dogotien 
vieler Sekten die Unreiulichkeit geradezu grossziehen. Flieliet 
deshalb, o Menschen! was in dieser Stambulstarlt euch in jene 
unreinen Tempel lockt, welche die sogenannte Zivilisation der 
Christen und Juden in so grosser Zahl in den alten Quartieren 
von Galata, Hasskiö und Jcnischehir installiert hat." 

Als Mittel gegen gevschlechtliche Krankheiten aller Art 
empfiehlt Omer Haleby den Moslems Zuflucht zur religiösen 
Medizin und zur Nathrah, der Besprechung des Wassers, die al?o 
geschieht: man lege die beiden Hände auf die Flüssigkeit, die 
für die allgemeinen Waschungen dient, und spreche die beiden 
letzten Suren des Korans, 113 und 114. 

Hierauf sage man; „Durch diese Wort,e bitte ich Gott ura 
Schutz vor dem Zorn, vor den Eacheaktcn, vor allem üebel, 
das seinen Dienern von den Bosheiten des Dämons zugefügt 
werden kann." Als rein medizinisches Mittel gegen chronischen 
Tripper nennt Omer Haleby endlich: Injektionen mit Gubeben, 
Copaivabalsam, rotem Pfeffer. 

In Persien wird nach Polak gegen Syphilis ausf:chIiesslicJi 
Quecksilber angewandt^ und zwar mischt man den Tabak unter 
dem Kohlenbecken des Nargileh mit Zinnober und lässt so den 
Dampf einziehen. Die Wirkung ist äusserst rasch und iniensiv, 
eine acht- bis zwölfmalige Anwendung reicht ge'^ohnlich zur Knr 
hin. Seltener ist der innere Gc])yauch von fein verriebenem 
QueeksUber. 

Bei Syphilis richtet sich die Kur in Marokko nach dem 
Temperament des Kranken. Der marokkanische Arzt leitet die 
4 Temperamente von den 4 Elemr>nten ab und behandelt je nach 



— 247 -v~ 

der Eigenschaft, welche er am Patienten zu erkennen glaubt, 
die Krankheit. 

Bosnische Reigenlieder besingen sowohl den Tripper des 

Mannes wie das Flussleiden der Frau: 



„Einmal im Leben hab' ieh'e gethan, 
Und gleich kam die Krankbeit mich an. 
Eine ganze Apotheke schon ich verbrauch, 
Nun wollen &ie den Penis abhauen auch" 

Ueber den Hain der .Penis jaiumert, 
Die Piza weint im Garteneckchcn. 
Der Penis ist von Leid uraklainmert, 
Die Piza ist ein Eitersäckchfjn 

Der Penis quält mich, 
Pisse ich, wird eE mir hoisti, 
Und die Stttine zähl' ich, 
Und gerate in Mutisren Schweiss. 



46. Impotenz 



Tiripotenz ein Scheidungsgrund, — Abergläubische Aasichten über Ursachea 
der Impotenz. — Knotenknüpfen. — Keüungsmetbodeii der durch Zauberei 
■verursachten Impotenz. — Ein Mittel de» ProphetüB. — Achmeds Mittel. — 
Omar Halebys Ansichten. — Das Alter als Ursache. — Ein bosaisclies 
Lied. — Geroconomie. — Der Fall des Könige David. — Alte und Jimge. — 
Kampfer als schwächendes Medikament. — Kastharidsapiüver als Aphrö- 
disiacum. — Marokkanische Latwergen. — Ikre Bestißdteiic — Rezepte 
Omer Halebya. — Persische Mittel. — Die Zunft der osmanischca Latr 
■wergenmachor. — PaBtllles de S6raiL — KoastaatLaopeler PräparAte. — 
Probate Mittel Omer Halebjö- — Des Propheten MchaniiaiedB Ratschiage, — 
Jiier, Hennah und Waschungen. — Potenz erhöhende Speisen. -~ Eerissah. — 
Mohammeds Potenz. — Erzählungen seiner Litbiinj^fraü Aischa. — Miisk. — 
Rolle von Parfüms beim Coitas. — "Weitere Rezopte Omer Habbys. 

Bei dem sinnlichen Charakter der Orientalen spielt die 
JYage der Potenz und Impotenz eine bedeutende Solle. Bei den 
Hochzeiten der Türken trug man friUier dem Zuge der Braut, 
wie erwähnt, die sogenannten Hochzeitspalmen, als die aufrecht- 
stehenden S^^mbole der Manueskraft.^ voraus. 

Wenn der Mann impotent, verrückt oder allzu dick ist, kauT?. 
nach moslemischem Recht die Frau die Scneidung verlang'&n. 
Die Levantiner glauben: wenn eine Braut, nachdem der Tag der 
Vermählung bereits festgesetzt worden ist, noch etwas näht, 
dann verliert der Bräutigam seme Geschlvchtskraft. Um ihm 
diese zi'i.ückzageben, muss die Braut die genähte Arbeit wieder 
trennen. In Syrien muss man, wenn man einem. Bräutigam be- 
ll üflich is*, sein Hochzeitsgewand anzuziehen, Acht geben, dass 
kein Knotcii geknüpft oder kein Knopf geknöpft werde; sonst 
haben seine JTeinde Macht über ihn, und wenn «e wünschen, 
dass er impotent werde oder seine Frau unfruchtbar bleibe, so 
können ihre Wünsche in Erfüllung gehen, um den Bräutigam 
vor solchem Unheil zu schützen, muss bei den spischen Christen 



— 249 -^ 

dcshjiJb aucli die Pathin des ßräötigams, während derselbe sich 
ankJeicJet^ die }Iäiide hewcgen, fi!s ob sie bete. 

Aehniiches glaubt man bei den anderen Völkern in der 
Türkei: Der Ehomaan ist sieht im Stande, seinen ehelichen 
Pflichte?! nach'/^LikorLiineD, wenn er während der Trauuno: in 
seinem ßchiiupflach 'einen Knoten trägt oder die üiivorsichtigkeit 
.hcg-eht, iclQU'h nach der Einsegnung der Ehe den Rock zn/n- 
*(f!apC»>n. Höbör nennt der Türke das Kaoteakntipfen, das Aua- 
sprecheji oder Niederschreiben von magischen Worten, welche 
einen Eiiifiizss auf den Körper oder das llan einer Person ohne 
imciitielbarou Kontakt ausüben sollen. 

Nach Dschellaieddin Abu Soleiman Daud gibt es unter den 
Kandlung-eu der Zauberer Operationen, die toten ; die eine Krank- 
heit hervorrufen; die einen Mann von seiner Fran sondern, in- 
dem sie ihn unfähig" machen, ihr beizuwohnen; Operationen, die 
zwischen Mann und Frau Hass erseug-ea, oder andere, die sie 
verliebter ineinander machen. 

Um L'npotonz. w^che durch Verschreiung und Bezauberung 
entstanden ist. unwirksam zu mat^hen, sprefhe mau einen Koran- 
vers. Aischa erzählte: Als jemand vom Kaiise des Propheten 
durch Bezauberuüg erkrankte, besprach der Prophet selbst den 
Kranken nud rezitierte die zwei 1 Uten Kapitel des Korans. 
Achmed empfahl: Der Besprecher lege die Hände wie eine 
Wölbung über das Wasser, das der Kranke trinken soll, und 
spreche das vorletzte Kapitel des Korans — dann ist, das Wasser 
gefeit vor Zanbersi. Hierauf vollführe der ImpotcEiic seine Ab- 
wasch angen und spreche seine Gebete. Scbiiesslidi lege er den 
Zeigefinger der rechten Hand auf seinen Dkör, den Penis, den 
Daumen aber auf seine Magengrube und schaue den Besprecher 
an. Dfcser versenke seine Blicke in die des Kranken, spreche 
in Gedanken die zwei letzten Kapitel des Korans and sage mit 
lauter Stimme und mit machtvollem Willen: „Gehe, von diesem 
Augenblicke an ist der Zau])er gebrochen, und da bi^t nicht 
mehr impotent!" Genügt dies nicht, dann wiederhole man die 
Handlimg dreimal, doch lasse man von einem Male zum andern 
ehie Pause von einer Woche. 

Um die nicht organische Impotenz zu heilen, Iiann man 
nach Omer Haleby ausser Sahr — der Made — auch „hygie- 
nische und pharmazeutische"' Mittel anwenden. In erster Linie 



— 250 — 

sind kalte lokale Wascliungeri nützlich; mar. richte kleine 
energische Strahlen anf das Glied." x\uch kann man dem Gliede 
sehr kalte Wassereinspritzungen machen, und zwar eine halbe 
Stnnde vor jedem. Coitns morgens und abends. 

Natürlich ist auch das Alter Ursache der Impotenz. Ein 
bosnisches Lied drückt dies drastisch aus: 
Durchs Stoppelfeld ein Alter xieLt, 
Als Zaunpfahl schleppt sirh nach sein Glied. 

Allgemein herrscht die Ansicht, dass Greise durch Ver- 
heiratung mit jungen Mädchen erjüngt werden, diese hingegen 
schnell altern. Im ersten Buch der Könige I. 1 — 3 wird erzählt: 
Als König David alt und hocLb^tagt war, kounte er nicht mehr 
warm werden, obgleich man um in Decken hüllte. Seine Dieuer 
rieten, ihm eine Jungfrau zu suchen, dass sie ihm aufwarte und 
ihm als Pflegerin diene. „Wenn sie an deinem Ru^L^n liegt'', 
sagten sie dem alten Könige, „so wirst du warm werden. ■■ "Man 
fand auch ein junges Mädchen, die schöne Abis:ig von Siinem, 
aber Da"\nds Impotenz scheint dadurch nicht l)ehoben worden 
zu sein, dean es wird erwähnt, dass der König der Jungfrau 
nicht beiwohnte, dass „er sie nicht erkannte". Professor Ebstein 
nennt diesen Fall den Anfang der sogenannten Goroconüniio, 
und er hat über diese Versuche, abgelebte Greise durch Be- 
rührung mit jungen Personen zu verjüngen, in einem Buche 
über „die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern" in- 
teressant gescliriel^en.*) 

In späteren Zeiten noch glaubte man, dieses Mittel zur Kräf- 
tigung erschöpfter Menschen beiderlei Geschlechts mit vielem 
Nutzen gebrauchen zu können, wobei man jedoch die Bemerkung 
gemacht haben wollte, d«««'; — während die Alt(3n munterer 
wnrden und an Kraft gewannen — die jugendlichen Personen 
durch das Beisammenschlafen mit Alten augenscheinlich an 
Kräften verloren und dahinwelkten. Höclist \\'ahr.«;cheinlicli 
gründete sich auf ähnliche Ideen der hohe Wert, den man bei 
den Griechen und Römern auf das .Anwehen eines gesunden 
Mannes setzte; denu Clodius lienniipus, ein Mädch«'n-Schul- 
meister zu Ivom, wurde laut seinci- Grabschrift ,,im Kreise janger 
Mädchen" 115 Jahre und 5 Tage alt, und der umstand, dass 

*) "Vgl. auch dab hereits zitierte Buch von Alb. Hagen, die sexuelle 
Ospiirosiologie Kap. VI. Dot .Siinfimitismus p. 191—211). Derliri 1901. 



— 251 — 

man unter Schnlmännern viele Beispiele eines hohen Alters 
lindet, scheint — nach Ansicht Trusens — diese Beobachtung' 
zu bestätig-en. 

Traurig'er noch, als wenn ein alter Mann nicht mehr 
seine Wnnsohe erfüllen kann, ist es, nach der Mdnung des 
ara])ischen Arztes Ihn Kilde, wenn ein junger Mann sich einem 
alten Weibe nähert. 

Der Serbe allen^.ings denkt anders. Wenn einen die Leiden- 
schaft ergreift, wenn einem „penis erig'itu-r", dann nehme man, 
was zu haben ist; in der Not frisst der Teufel Fliegen; 

Jede Kuh ist in der Dankelheit schwarz, 
Und habe ich kein Mägdelein, 
Willige ich auf eine Vettel ein. 

Kampfer — türkisch: Kiafur; arabisch: Kafur; persisch: 
rauschk Kafur; indisch: Kepiir — dient verschmähten Weibern 
als Mittel, um sich an dem unbeständigen Manne zu rächen; der 
Glaube an die Fähigkeit dieses Ajzneikürpers, die Geschlechts- 
kraft zu schwächen, ist weitverbreitet. Man bedient sich, nach 
Ri^ler, als Antidotum d43r Kanthariden, welche türkisch: Kodos 
l>ödschigi heisseu; arabisch: zerarih; persisch: meggcs bra dagh; 
indisch: niekkien daghyala. Die Kanthariden werden als forcieite 
Kur oft bei Blennorrhöen der Harnröhre in Gebrauch gezogen. 
Das KaiitharidenpulYer ist, nach Quedciifeldt, in Marokko auch 
als Aphrosidiacum — türkisch und arabisch: mubehyat oder 
muschteh; persisch: kuvetba; indisch: dova 8 kuvet — bekannt 
geworden. Die marokkanischen Städtebewohner bedienen sich 
seiner in einer Latwerge, die Madschun genannt wird, in 
ausgedehntem Masse. Die Madschuu-Latwerge hat, nach einer 
Mitteilung Quedenfeidte im 19. Bande der Verhandlungen der 
Bei^liner Gesellschaft fibr Ethnologie, folgende Zusamiüensetzuug: 
Honig, Eicheln, Nüsse, süsse Mandeln, etwas Butter, Mehl, 
Sesam, Haschisch und Kantharidenpulver. Man beachtet in Ma- 
rokko ebensowenig die schädlichen Einflüsse des Kantharidins 
auf die Urogenitalorgane, besonders die Nieren, als man die 
heilsamen medizinischen Eigenschaften Jieses Ärzneikörpers kennt. 
Bei der Bereitung des Kantharidenpul?ers bedient man sich nicht 
allein der Lytta vesicatoria L., sondern auch noch der Lytta 
sericea Walte und einer violett gefärbten Art. Eigentümlich ist, 
dass der Marokkaner dieses Insekt: Debtau el bind, indische 



—■ 252 , — 

Flie>g-e nennt, ebenso unkorrekt, wie man in Europa spanische 
Fliege sagt. Die getrockneten Käfer sind in grossen Städten 
in allen Attaria oder Drogenbuden käuflich, auch sammeln sich 
viele das Insekt selber, trocknen und zerreiben es. 

In Marokko kennen die Mohammedaner ausser dem Madschnn 
noch eine ähnliche Latwerge, die nur aus Sässij^keiten und heil- 
samen Kräutern bestebt und Takanit genannt wird. Leo Afri- 
canus erwähnte schon eine in Marokko Surnag genannte Wumel, 
welcher die Eigensobaft, die Potenz zu erhöhen, zugeschrieben 
wurde; ein anderer Reiseschriftsteller berichtet von der stÄrken- 
den Kraft einer Krautwurzel, die man nach ihm in Marokko 
Kersäna nennt. 

Omer Haleby gibt folgendes Rezept eines türkischen Aphro- 
disiacums: Man nehme aromatische Blätterspitzen von Stoechas 
und Safran blätter je 15 Gramm, Anis- und wilde Carotteu je 20 
Gramm, 25 Stück Orangen blütenbeeren, 50 trockene Datteln, 
4 Stück Gelbes vom Ei, ÖOO Gramm reines Brunnenwasser, koche 
alles 25 Minuten lang in einem irdenen, glasierten festvei-schlosscnen 
Topfe; hebe es dann vom Feuer we?, passiere es ordentlich, und 
wenn das Ganze massig geworden, füge man hinzu: 50 Gramm 
reinen Honig uud das frische Blut von 2 Tauben. Das lasse 
man 24 Stunden sich vermengen und verteilen, indem man das 
Gefäss 3 oder 4 mal umschüttelt. Dann passiere man es durch 
ein feines Sieb, und man hat das Mittel. Man nehme davon 
eine Woche hindurch 1 bis 2 Kaffeelöffel yoll \/._, Stunde vor 
dem Schlafengehen und vor jedem Coitus. 

Als Aphrodisiaca werden in Fersien Pillen von gestossenen 
Perlen, Rubinen, Gold, Ambra, Bernstein gekauft. Auch das 
Chinin, abends in einer Dosis s'on 1—2 Gran genommen, erfreut 
sich in dieser Beziehung eines guten Eufes. Dagegen scheut 
man in Persien die Anwendung des Kampfers als die Potenz 
herabsetzend und weil es Sitte ist, den Toten ein Stück Kampfer 
in den Mund zu legen. 

Die Latwergeumacber — Meadschindschian genannt — 
bildeten im osmanischen Reiche seit jeher eine besondere, ver- 
breitete Zunft. Als ihren Patron betrachten sie den Attar oder 
Gev^'ürzhäudlcr Obeid, der mit Hamsa, dem Oheim des Propheten 
Mohammed, in der Schlacht von Ohod fiel und am Fusse des 
Berjres Ohod begr;',bon liegt. Bei den Aufzügen der Zünfte in 



— 253 >~ 

früheren Zeiten erschienen flic Mca«3scluBdsphian mit Mörsern in 
den Händen, in denen sie Gewiirzo stiesson, oder mit silbciiieu 
Schaloa, in denen sie ihre köstlichen Latw'ergen zuhorciti^ton, 
wovon sie im Vorübergehen den neugierigen Schönen njutwilligr 
in den Mund strichen. 

Die türkischen Wundermittel gegen gescL wachte Manues- 
kraft waren schon vor Jahrhunderten in der g-anzen VV elt be- 
rühmt Der Sserai der osmaaischen Sultane befassto sich früher 
mii der Präparierung" dieser orientalischen SpezialitÄten, Die 
dritte Kammer des Sultan palastes, die Kauimer der Speisen niid 
Zuckerwerke, erzeugte nicht blos Esswaien, sondern auch Lat- 
wergen aller Art. Die Pagen dieser Kanmier verfertigten einen 
vorzüglichen Wachstaffet, den man — je eine halbe Elle lang — 
armen, mit Wunden und Geschwüren behafteten Leuten schenkte. 
Am berühmtesten sind aber im sechzehnten, siebzehnten und 
achtzehnten Jahrhundert ihre Ambra- und Mosehuskügelchen 
oder Churse, und ihre Ambra- und Moschnsamulete oder Tensu 
gewesen, welche mit türkischen" Inschriften versehen, wie: 
„Linderung der Schmerzen und Heilung der Herzen", unter dem 
Namen Pastilles de Serail in ganz Europa als ^unfehlbare aphro- 
ditische Stärkungsmittel verkauft wurden. 

Seit der Sserai diese Fabrikation eingestellt hat, beschäftigen 
sich zahllose arabische Wunderärzte mit der Erzeugung und dem 
Verkauf solcher Kraftmedikamente zu unglaublichen Preisen, da 
sie ihren Kunden vorschwindeln, dass in dies.en Arzneien Lulu 
und Elmas, die kostbarsten Perlen undiEd^elsteine, verpulvert 
seien. Der Orientale, der manchmal vier und noch uiehr Weiber 
»ein eigen nennt» kann kein grösseres Leid erfahren, als das, 
welches ihn auf cin^ Stufe mit seinen Eunuchen steiit. Er bringt 
deshalb jedes Opfer und zablt selbst drei Pfund für ein Pülver- 
chen, wenn ihm dadurch die Hoffnung winkt, seine Kräfto wieder 
stäi'ken zu könaen. 

Ein in Konstantinopeler Harems vielfach gebrauchtes Medi- 
kament gegen Impotenz soll aus den gepulverten Pistillen der 
Hanfblume nebst einem Gemisch von Honig, Muskatnuss und 
Safran bestehen. Ein anderes, ebenfalls in den Harems von 
Konstantinopel vielgebrauchte* Aphrodisiacum für geschv^'ächte 
Männer besteht nach einer Untersuchung, des Professor? Rigler 



— 254 — 

aus Cannabis, Nelken, Moschus, Ambra, Cocusnuss, Honig und 
Perlen. 

Man bekämpft nacli Ansicht des Türken Oiner Haleliy d'ie 
Impotenz am besten, „wenn mau sich oft das Glied strf^ichelt 
und den Beutel kitzelt, so wie es der Prophet gethan hat". 

Schon Ovid empfahl im 2. Buche Eier und Honig vom 
Hymettus als Aphrodisiacum. Aucl) nach Omer Haleby ist es 
gut, Eier zu essen. Nach dem ülema Dschellalciddin Abu 
Soliman Daud beklagte sich eines Tages jemand beim Propheten, 
dass er zu werug Kinder zeugte, und der Prophet ordinierte 
ihm: „Iss Eier!" 

Das Einreiben von Hennah auf den Fingerspitzen, auf detn 
Schädel und an den Füssen erregt gloicbfaJls die Sinnlichkeit 
und bekämpft dio physiologische Impotenz; auch soll man die 
Schamhaare häufig abrasieren und die Schamteile dann mit 
Hennah einschmieren, «Bestreichet euch niit Kennah" sagte 
Anas, ,,es verjüngt., es verschönert, es treibt zu geschlechtlicher 
Vermischung." Abu Rafi erzählt: „Eiuei? Tages befand ich 
mich bei unserem heiligen Propheten; ich sass bei ihm, da 
legte er die Hand auf mein Haupt und sprach; „Crut. Machet 
Gebrauch von dem Meister der färbeoden Kosmetik, vom 
Hennah. Das Hennah stärkt die Jlaud, animiere zum Coitus." 
Omer Haleby fügt der Mitteilung dieser Traditionen hinzu: 
„Nach meiner eigenen Erfahrung gibt es wenige Fälle nicht- 
organischer Impotoaz. die nicht aufgehoben werden körmteB, 
wenn man morgens und abends den Dkör mit dem Kitt von 
Hennah oder mit flüssigem Hennuh einreibt; es genügen 8 oder 
höchstens 14 Tü^ge, um auf diese Weise vollständige Heilung 
zu erzielen." 

Eier, Meerfische, Schaffloisch in Kümmel, Ä.nis und Fenchel 
gekocht, Hoden von Stieren, Höhnen und Igeln, Kiu'otten, 
Spargel, Pistazien, geröstete Nüsse, asiatischer Khamis, den 
man in Damaskus, Bagdad und Smyrna kennt, sov.ic Terfas 
oder Trüjö'oln von Algier gelten in der Türkei als Speisen, 
welche die Potenz stärken. Nai entlieh „dio Terfas", röhren- 
artige Champignons von exquisitem Duft und ausserordentlicher 
Schmäckhaftigkeit, ,, erleichtern den C(»ilus duj'ch ihre stimu- 
lierende Wirkung auf das Hirn und dwch dio Spannki-aft, die 
sie dem ganzen Nervensystem verleLhcu." Es sei deshalb gut, 



— 256 — 

Kliamis und Terfas zu essen, wenn man sich zum Coitus vor- 
bereitet. Gut sind ferner lokale kalte Bäder in der Dauer von 
60 Sekunden bis 2 Minuten, frfthmorftens beim Aufstehen. Auch 
die Selbstgcisselung erregt. 

Eines Tages beklagte sich — so berichtet der Traditionist 
Abu Horeirah — der Prophet selbst beim Eug-el Gabriel, dass 
er zu wenig copulieren könnte. „Weshalb isst du nicht Herissah?" 
frag-te der Eng-el Gabriel, „im Herissah üe^t die Kraft von 40 
Menschen." Herissah ist nach Regia eine Speise, eine Art 
Kuchen aus Mehl und Hammelfleisch; man kocht jedes separat, 
salzt es und wüi-zt es mit rotem Pfeffer hachiert das Fleisch 
und mengt* es mit dem Mehl. Zuweilen fügt man dem Hammel- 
fleisch auch das Fleisch eines jungen Hahnes samt den Hoden 
und feingeschnittene Trüfieln bei. 

Verschiedene Gelehrte bezweifeln übrigens die Wahrheit livr 
Erzählung des Abu Horeirah, da der Prophet eine bewunderns- 
werte Gesundheit hatte und Gott ihm besondere Gnade auch in 
puncto coitus erwies. Aischa sagte in dieser Beziehung von 
ihrem heiligen Gatten — und sie musste es als die Licblings- 
frau Mohammeds wohl wissen: „Die Naiur des heiligen Propheten 
war stark wie die heilige Natur des Korans." Aber der 
türkische Liebesphysiolog Omer Haieby nimmt trotzdem die 
Partei des Abu Horeirah und sagt: „Man bedenke, dass der 
Prophet doch auch nur ein Mensch war; man bedenke seine 
angestrengte tägliche Thätigkeit; man bedenke die endlosen 
Verführungen, denen er bei seinen vielen Frauen und bei all 
seinen Sklavinnen ausgesetzt w^ar, denn sie alle wünschten 
begreiflich die Ehre zu haben, mit dem Gesandten Gottes zu 
schlafen. Wenn mau das alles bedenkt, mnss man zugestehen, 
dass die Erzählung des <^hrenwerten Abu Horeirah nur natürlich 
ist; sie zeigt uns blos, dass Mohammed mehr Kraft von Gott 
begehrte, um allou Bedürfnissen seiner hohen Stellung gnädig 
und voll entsprechen zu können." 

Nach Omer Haieby sind die Beizmittel, welche die Potenz 
stärken sollen, einfache oder komplizierte. Die einen dienen 
dazu, um auf den Coitus vorzubereiten, die anderen dazu, um 
den Coitus zu 'neruhigen und die verbrauchte Kraft neu zu 
heben. Der Gebraucli der ersteren stammt direkt von Mohammed, 



— 256 — 

uje aaderea worden voß Tiaditionisteii und. ertV!u-p?^en EoüscJjajs 
empfohlen. 

Unter den Mitteln, die sich — wie Omor Haieby sagt — 
in seiuera elj^enen langen Leben am meisten bewälirt^n. ist in 
erster Reibe folgendes zu nencen: Mssk. oder Müsi^: Darüber 
hoisst es iiu Koran 83, Sure 22—23: „Siehe, die Gerechten 
werden wahrlich in Wonne sein. .Auf ITochzeitsthionen sitzend 
werden sie ausschauen. Erkennen kannst du mf ihren An- 
gesichtern den Glttnz der Wonne. Getränkt werden sie von 
versiegeltem Wein, dessen Sieg-cl Moschus ist: und hiernach 
mögen die Begehrenden begehreü; und seine Mischung ist 
Wasser von Tasiiim,' einer Qaelle, die zu den hohen (lernächern 
der Glänbigox! im Paradiese hinauigeleitet wird, einer Quelle, 
aus der die AHah Nahestehenden , trinken." Der Araber 
Dschanhari beschreibt die .Bereituötr des Mifsk: Man nimmt 
kleine Taubon oder zaite Kamele und. nährt sie durch 
sieben Tage .niit den allerbesten Gewürznelken, die n\'ii Rosen- 
was.ser und dem Es^traki aroniatiscljer Blätterspitzen bespriti-t 
sind, dann nimmt man einen GIa.skelcb, den man mit Gel 
bestreicht, und liber diesem Glaskel.'-,h erwürgt man jene Tiere 
und lässt ihr Blut in das Glas fJiessen, welches Biau danach 
verschliesst und vor Staub schützt. Wenn das Blut in dem 
Glase getrocknet ist, fügt man davon /u einera Grajnm Mesk 
ein fünftel Gramm und gibt die Mixtur ia eine Blase, 
welche mit Gummi arabicum bestrichen wi^rde. Dies ist die 
beste Ai't Müsk, die ich je gesehen." 

Omer Haleby sagt: Müsk ist heiss und trocken und das 
edelste aller Parfüms, das zum Coitus meist anregende. Der 
Prophet 3olI sich stets mit Müsk parfümierr und seinen Frauen 
vorgeschrieben haben, sich zur Zeit der Periode — von dem 
Beginn derselben bis nach der Eeinigung — ebenfalls damit 
zu waschen. Aischa hatte die Ptlicht, den Propheten mir Müsk 
zu parfümieren, wenn er sich zur Pilgerfahrt mit dem IhrAm, 
dem Pilgerge wände, bekleidete. Gemäss den Vorschriften des 
Propheten masstcn seine JYauen am Freitag ihre Wohnungen 
mit Müsk parfümieren, um die Luft zu verbessern, bösen ZaubÖJ 
unwirksam zu machen und den Genuas des Coitus zu erhöhen. 

Eine Thatsach'^ ist es nach Ansicht vieler Autoritäten, 
dass der Geruchssinn uüt den Geschlechtsverrichtung^a in einer 



— 257 — 

sympathischen Beziehung steht. Plumer-dtifte erregen oft 
wollüstige Empfindun.uen, was schon in der hf^ilijjen Schrift -- 
Hohelied Salouionis TI 7 — ang-odeutet wird. Der woilüstigfc 
Morg'enländer liebt daher die Woblgerüche über alles. Onier 
Haleby sagt: „Es ist gut, sich sowohl vor als nach dem Ooitus 
mit Müsk zu parfünüeren. Wenn man dem Müsk den Geruch 
von Weihiauch un<l ]!ilyrrhe hinzufüg-t, indem man diese beiden 
über Kohlf^n streut, so wird man sicher sein, mit grosser Kraft 
coitiereu und den Abfluss des Samens und das Endentzücken 
beschleunigen zu können. Der Duft der Myrrhe animiert zum 
Coitus, Weihrauch beruhigt nachher. Man wende dieses Mittel 
in kleinen Dosen an." Die Aral)er erzählen, dass Adam bei 
seinem Weggang" aus dem Parn diese drei Dinge in den 
iländpu hielt: ein':^ Myrrhe, eine Dattel und eine Getreideähre, 
was symbolisch bedeuten soll: das erste der Aromas, die erste 
der Früchte, das erste der Nahrungsmittel. Die Myrrhe war 
feiner nach derselben Tradition der erste Strauch, den Noah 
nach seinem Austritt aus der Arche pflanzte. Die Myrrhe 
heisst türkisch: mur safi; arabisch: morr mekki; persisch: bol; 
indisch: hira. 

Omer Haleby gibt folgendes Eezept noch eines anderen 
Parfüms, das die Potenz gut beeinflnsst: In 500 Gramm Rosen- 
wasser gebe man 2^i\ Gramm Olibanum oder Weihranch fein 
gepulvert, ebensoviel duftende Blätterspitzen, ferner je 50 Gramm 
Müsk, Myrrhe, Kampfer, alles fein gepulvert. Man schütte es 
in ein Glas, verschliesse es hermetisch und stelle es für 24: 
oder 48 Stunden in das Sonnenlicht. Dann kläre man es 
ordentlich ab; filtriere es und bewahre es im selben Glase. Will 
man das Parfüm für lange Zeit haben, so gebe man dazu 
75 Gramm rektifizierten Alkohol und drei Tropfen Bagdader 
Rosenessenz. Dieses Parfüm wirkt auf das Gehirn, das Herz, 
die Zeugungsorgane und das Gedächtnis. Man schütte davon 
einen kleinen Kaffeelöffel in das Wasch wasser; auf die Kleider 
gestäubt, gibt es dem ganzen Körper einen ausgezeichneten 
Wohlgeruch, behütet ihn vor Insekten und den bösen Einflüsse;- 
des Dämons. Dieselben Substanzen mit w^eniger Rosenwasser 
und weniger Alkohol, jedoch mit ^U des Gesamtgewichtes 

Steru-. Medizin, Aberglaube ii. Geschechtsleben iu ik-r Tiirkei. LI. 17 



— 258 — 

arabischen Gummis vermengt, kann man auch zu haselnuss- 
grossen Pastillen präparieren. „Im glücksreichen Zimmer", in 
dem man coitiert, lege man diese Kugeln auf drei verschiedene 
Kohlenherde 25 Minuten vor dem Beginne des Coitus. Wenn 
der Mann in seinen Liebesaktionen schon allznschwach ist, ver- 
doppele er die Dosis." 



Sechster Teil. 



47. Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit. — 48. Abortus. — 
49. Hebammen. ~ 50. Gebräuche in der Schwangerschaft. — 
5!. Die Niederkunft. — 52. Die Wöchnerin. -- 53. Mutter- 
milch und Ammen. — 54. Das Kind. — 55. Knaben und 
Mädchen. — 56. Missgeburten und Namensgebung. — 
57. Beschneidung. 



47. Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit. 



Althebräische Ansichlen. -— Die Liebcßäpfcl im Alten Testament — Ein 
liimiulisches Medikament für Fruchtbarkeit. — Eiu inüdernes jüiliEchr-ä 
Mittel. — Judischer Ahorglaiil>o. — UufrucLtbaTkeit cm Schcidungsgrund. — 
Arabische und albauesische Gebrauche. — Der Koran über Frnf^htbarkeit 
und Unfruchtbarkeit. — Falb von berühmter Fruchtbarkeit orientalischer 
Herrscher. — Androhung von Unfruchtbarkeit I'rsache ei?ic« Aufstände». — 
Ratschläge de.s Türken Omer Haloby. — AbergiäubiscUc "littel, um fruchtbar 
zu werden. — Bosnische, scTbische, albanesische und syrische Gebräuche — 
Der Granatapfel. — Di^ Bäume der Fruchtbarkeit aoi Hermon. — Das Apijuu- 
kraut in Bosnien. — Bosnische Mittel. — Persische Mittel. — Jordan- 
Avasser und Nilwasser. — Fruchtbar machendes Wasser der Juden. — 
Volksmittel. ~ Massagen. — Tampons. . 

Schlimmer als den Männern die Impotenz erscheint den 
Frauen im Orient die IJnü'uchtharkeit. Letztere galt den He- 
bräern und anderen Völkern des Altertums geradezu als unehren- 
haft; die Mutter vieler Kinder aber war ein Gegenstand des 
Neides. Als Rahel endlich gesegnet vrardo und einen Sohn ge- 
bar, da sprach sie: „Gott hat meine Schande hinweggenommen." 
Im 1. Buche Moses XXX 14—23 und im Hohelied VU 12, sowie 
an anderen Stellen des Alten Testamentes werden als Mittel 
gegen Üüfruchtbarkeit „Liebesäpfel" erwähnt. Hamilton hält 
sie für die ,.Früchte von Mandragora officinalis, einer den Sola- 
neen zugehörigen Pflan/v, die auch in Südeuvopa heimisch ist und 
deren Wui-zelstock als Zaubermittcl und Amulct gebraucht wurde." 
Ich habe über Mandragora bereits in einem frühercTi Abschnitte 
Ausfülirlichos mitgeteilt. Die auf die Liebesäpfel bezügliche 
Bibelstelle lautet: ^.ünd Rüben girg zm Zeit der Weizenernte 
und fand Dudaim auf dem Felde, und brachte sie z« Leah, 
fi'Mner ?iTiiti;er. Und Eahci sprach zu Leah: Giel» ndr doch von 



— 262 — 

den Dudaim deines Sohnes. Und sie sprach zu Dir: Ist es zu 
wenig, daes du meinen Manu genonuneu, und willst auch die 
Dudaim meines Sohnes nehmen? und Rahol sprach: darum liege 
er bei dir, diese Nacht, für die Dudaim deines Sohues. — Und 
Gott gedachte an Bahel und hörte auf sie, und öffaiete ihren Mutter- 
schoss. Und sie ward schwanger und gebar einen Sohn-, da 
sprach sie; woggenommen hat Gott meine Schmach." Aus 
gleichen Gründen stahl Rahel die Theraphim (Götter) — wie im 

1. Buche Moses XXXI 34—45 berichtet wird — als sie das 
Vaterhaus verliess, denn sie hatte damals nur einen einzigen 
Sohn und hofEte durch den Einiluss der Produktions-Symbole 
noch Söhne zu bekommen. Und eben deswegen finden wir die 
Theraphim im Hause der Michal, der Tochter Sauls, welche 
ebenfalls uiifruchtoai war und in ihrem Leben nicht geboren 
hatte; so wird erzählt in Saihuel, 1. Buch XIX, 13—16; und 

2. Buch VI, 23. 

Im Buche der Richter XTTT erscheint ein Engel Jehovahs 
und sagt zur Mutter Simsons: „Wohl bist du uufruchtbiu: und 
hast nie geboren. Aber du sollst schwanger werden und einen 
Söhn gebären. So nimm dich denn in Acht, trinke weder Wein 
noch berauschende Getränke und iss keinerlei Unreines." Und 
das Weib gebar einen Sohn und nannte ihn Simson. — Jetzt kennt 
die jüdische Braut schon ein anderes leichteres Mittel, um frucht- 
bar zu werden: sie muss bei der Hochzeit blos dreimal über 
eine silberne Schüssel springen, auf der zwei mit Schaumgold 
und Schaumsüber überzogene lebende Fische liegen; alle Gäste 
rufen währenddessen; „Peru urwu! Seid fruchtbar tmd vermehret 
euch!" imd der Segen kann nicht ausbleiben. 

Wenn eine neuvermählte Jüdin in tSyrien nicht pünktlich 
9 Monate nach der Hochzeit geboren hat. so ist flie ßruache, die 
böse Hexe, welche den Frauen uachziij^tellen pflegt, im Spiele. 
Man muss deshalb die Frau unter dem Bauche einer trächtigen 
Stute hinwegführen, da diese auch nicht in 9, sondern erst in 
11 Monaten ihr b'üllen zur Welt bringt. 

Wie den Hebräern alter und neuer Zeit erscheint auch 
allen anderen orientalischen Völkern die Unfruchtbarkeit — tür- 
kisch: haselsezlik; arabisch: aber, aker, akym; persisch: hamel- 
beuü; indisch: seu — als das ärgste Uebcl, das einer Frau in 
dieser Welt zustossen kann. Wccd die Mohainmedaricriu un- 



— 263 — 

fruchtbar oder verrückt ist, kann der Mann die Scheidung nach 
dem Gesetze verlangen. Die Mohammedanerin Bagdads, die 
keine Kinder gebiert, wird gemieden wie eine Dirne, — In der 
albauesischen Sprache beisst kinderlos: renje dallje, wörtlich: 
wurzellos. 

Um das üebel und die Schande der Unfruchtbarkeit zu ver- 
hüten, befolgt man alle möglichen Vorsichtsmassr^geln, wendet 
man allerlei innere und äussere Medikamente an und sucht Zu- 
flucht and Hufe bei Wahrsagerinnen und wissenden Weihern. 
Man beginnt schon zeitig, schon als Mädchen, als Braut, bei 
der Trauung, und dann während der Ehe zahllose Gebräuche zu 
beobachten, um fruchtbar zu werden, und auch, um nur Ejiaben 
zur Welt zu bringen. 

Im Koran II heisst es: „Wünschet wohl einBr von euch einen 
(jarten zu haben mit Palmen, Weinstöcken, mit Quellen be- 
wässert, alle Alten Früchte enthaltend, und nicht zugleich auch 
hohes Alter und Nachkommen, die ihm ähnlich sind?" 

Mohammed bedroht mit Todesstrafe denjenigen, der durch 
irgend eine Handlung die Unfruchtbarkeit einer Frau verursacht; 
ebenso den, der im Schosse einer Frau eine schwere Verwun- 
dung herbeiführt; endlich den, der eine schwangere Frau so ver- 
letzt, dass sie vor der Entbindung oder dass das neugeborene 
Kind infolge der Verletzung bald nach der Geburt stirbt. 

As Bbn Waijel nannte Mohammed, als ihm alle seine Söhne 
gestorben waren, spottweise „AI Chautsar", den Kinderlosen. 
Dagegen zürnt die so betitelte 108. Sure, indem sie den Spott 
mit Fluch zurückgibt: „Wahrlich, der, so dich (den Propheten) 
hasset, soll kinderlos bleiben." 

Die Geschichte der orientalischen Völker erwähnt stets Fälle 
auffallender Fruchtbarkeit: Von Krischna wird berichtet, dass er 
161000 Söhne gehabt haben soll. Der Perserkönig Feth-Ali 
Schah hatte mehrere hundert Weiber, und da ihm alle Kinder 
gebaren, wuchs die Menge seiner männlichen Descendenz schon 
nach etwa 80 Jahren auf über 5000 an. Er erhielt deshalb den 
Beinamen Adam e ssani, Adam II. 

Der osmanische Sultan Murad ITI. hatte, als er 50 Jahre 
alt war, 102 Kinder. Von diesen überlebten den Vater sieben- 
undzwanzig Töchter und zwanzig Söhne; neunzehn Söhne blieben 
nach dem Reichsgesetze des Brudermordes nur bis zu des Vaters 



— 264 —- 

Beerdigung am Leben, vierandzwanzig Stunden später folgte die 
ihrige. 

Durch eine glückliche Fruchtbarkeit war Sultan Achmed IIL 
ausgezeichnet. In den ersten zehn Jahren seiner Regieru^.,: 
wurde er Vater eines Paar Dutzend von Söhnen und Töchtcra. 

Im Jahre 1595 ereignete sich etwas Merkwürdiges. Der 
Grossvvesir Ferhad erliess einen Tagesbefehl an die Truppen, worin 
es hiess: „Wisset ihr nicht, dass, die ihren Vorgesetzten nicht 
gehorchen, Ungläubige sind, und ihre Weiber iinfrucMbar?" Die 
Truppen, denen dieses Wort ga]t> gingen zum Mufti, sich da- 
rüber zu beklagen und Fetwa widep den Grosswesir zu begehren. 
„Brüder," sprach der Mufti, „hat dies der Grosswesir wirklich 
gesagt, so schadet es euch nichts, ihr seid döshaib weder Un- 
gläubige, noch eure Weiber unfruchtbar; gebt euch zur Kühe/ 
— „Seine Hochwüi"den, der Mufti, geben kein Fetwa ohne Geld," 
sagten die empörten Sipahis höhnisch, und zerstreuten sich unter 
die Rotten, den Geist des Aufruhrs verbreitend. Am folgenden 
Tage -wurden 48 Millionen Aspern in Gold und Silber aus dem 
Schatze gefördert, zur Bezahlung des Soldes und der Zulagen 
der Sipahi. Der Geschichtschreiber Selaniki, als Aufseher der 
Soldzahiuüg, besorgte die Aufschichtuug der Beutel, aber die 
Sipahi rühi-ten keinen derselben an, sie begehrten den Kopf 
Ferhads, welcher sie Ungläubigej ihre Weiber unfnichtbar ge- 
scholten; vergebens redeten ihnen die Kadiaskere und der Mufti 
ZU; diesem entgegneten sie Schimpf, den Wesiren Steinregen. 

Sultan Murad III. fröhnte den Vergnügungen des Harems 
80 unmässig, dass die Zahl der Chasseki, der knabengebärenden 
Günstlinginnen, auf' vierzig, die der Kinder über hundert, die der 
Sklavinnen auf ein halbes Tausond anwuchs, und der Preis der 
letzteren zu Konstantinopel in kurzer Zeit aufs Huudortt'achc stieg. 
Schliesslich blieb Murads 111. Kraft hinter seiner Lust zurück, was 
man sogleich magischem Nestelknüpfen der Venetiauerin Baffo, der 
eifersüchtigen Gemahlin Sultan Murads, zusciirieb; und Jüdinneu 
uüd Sklavinnen, welche von der Venetianerin zu solchen 
zauberischen, entnervenden KüiRten gebraucht worden sein 
sollten, liess man durch die Verschnittenen foltern, einige ins 
^4'asser werfen, viele nach Rhodus und anderen Inseln ver- 
bannen. Der Verdacht des Nestelkuüi'fens führte unter Murad U.L 



— 2G5 — 

nof h häulic- zur Ertränkung- von Sklavinnen, die als Zauberinnen 
denunziert wurden. 

Da die ünfruclitbarkcit ein so grosses Unglück für die mos- 
leniisclien Frauen ist, rät ihnen Omer Haleby: „Wenn das Un- 
g-lück euch betroffen, der Engel der UnfruclitbHrkeit sich in 
eurer Gebärmutter niedergelassen und die Zeit da« Vorhanden- 
sein und die Macht dieses Unglücks zweifellos konstatiert hat, 
so wählet, Frauen, selbst unter eueren schönen und jungen 
Sklavinnen jene aus, die euch \vährend einiger ^'ächte auf dem 
Lager eueres Gatten ersetzen soll. Wenn diese Sklavin Mutter 
geworden ist, macht ihr Kind zu dem eueren, und lasset ihm 
iSorge angedeihen, als wäre es aus euerem eigenen Schosse her- 
vorgegangen. Durch solches, einer wahren Moslemiu würdiges 
Vorgehen werdet ihr die Zuneigung des Gatten und tue oberste 
Leitung eueres Hauses behalten, und die Frauen, euere Freun- 
dinnen und Genossinnen, werden nicht mit I^'ingern auf euch 
zeigen und nicht sagen können: Sehet, das ist eine Unfrucht- 
bare !"' — Aber nicht immer mag dies den Frauen einleuchten, 
selbst die demütigen, gehorsamen moslemischen Frauen können 
sich mit dieser Idee nicht befi-eunden und suchen nach Mitteln, 
um lieber sich selbst fruchtbar zu machen. 

Der Aberglaube erhält da einen neuen grossen Spielraum: 
Bei fast allen Moslems und Christen in der Türkei heiTscht die 
Ansicht, dass die Bänder der Unterhosen der jungen Leute in 
der Hochzeitsnacht mit dem Zweige eines \\'einstocks einge- 
zogen werden müssen, damit die Ehe nicht kinderlos bleibe. 
Wenn die christliche Braut in Bosnien sich für den Gang zui- 
Trauuiig herausputzt, hütet sie sich, ihre Kleider auf ein Sauer- 
ki-autfass hinzulegen; soviel Reifen am Fasse sind, soviel Jahre 
bliebe sie kinderlos. Die serbische Braut bindet vor dem Gange 
in die Kiiche zur Trauung alle Knuten in den Kleidern auf, 
damit sie dereinst leicht gebäre und vernünftige Kiitder be- 
komme. Auch bei den übrigen Südslaven muss die Bnmt darauf 
achten, dass ihr Brautgewand bei der Trauung nicht einen ein- 
zigen Knoten habe, da sie sonst unfrnchtba/ bliebe. Letzteres 
kann ferner durch Feindinneu und Rivalinnen angewünscht 
und angezaubert werden : \\'enn beispielsweise in der Umgegend 
von Eibassan in Albanien ein christlicher Witwer nicht einmal 



— 26Ö ^- 

oiii Jahr um seine kurz nach der Hochzeit verstorbene Gattin 
trauei-t und sicli alkubald mit einer Audereu verheiratet, so 
gehen die Verwiindten der ersten Frau zum Grabe dei-sclben 
und schütten \^'asser darauf: dies niuss die zweite Frau un- 
fruchtbar machen. 

In Syrien rät man einer unfruchtbaren Frau, unter dem 
Bauche eines Elefanten durchzugehen oder sich unter einen 
Gehängten, während er noch am Galgen baumelt, /.u stellen — 
awei Mittel, die als \Yirksam gelten können, weil sie nicht leicht 
erprobt werden dürften. Um der jiiugen Frau einen reichen 
Kindersegen zu sichern, befolgt man ferner in Syrien auch diese 
6ei)räuche: Wenn die Braut bei der l'hür des Hauses ihres 
Bräutigams anlangt, befestigt sie über dem Eingang ein Stück 
Sauerteig und zertritt auf der Schwelle einen (Granatapfel Die 
Neuvermählte darf nur von einer verheirateten Frau, welche 
Kinder, besonders Knaben hat, in das Zimmer des Gatten ge- 
führt werden, damit die junge Frau gleich Ih ei Führerin eine 
gesegnete Mutter werde. Der Granatapfel spielt auch bei den 
latoinischen Christen in Sidon eine Kolle. Dort muss die Braut 
bei der Hochzeit, wenn sie die Thür ihres neuen Heims erreicht, 
über dem Eingang eine Hand voll Teig mit einem Granatapfel, 
dem einst der lebengebenden Ast^rte heiligen Symbol der Frucht- 
barkeit, anbringen. 

Etwa eine Stunde vom Dorfe Radschar am südlichen Ab- 
hänge des Hermon stehen nahe bei cinauder einige grosse BÖuiue, 
die von den nosahfischen Einwohnern Schadstharat el Aschara, 
Bäume der Aschara, genannt werden, also Bäume jener semiti- 
schen Göttin, die Genossin de^ Baal war. Sie gehören -- wie 
von Ebers-Gnthe in ihrem Werke über Palästina I. 24 und 504 
Mnä n. 60 mitgeteilt wird — zu der Gattung der in Syrien nur- 
selten vorkommenden Acacia albida. Die Einwohner von Rad- 
Bcbar sag-en: Die Bäume gehören der grossen Frau, (jis Sitt cl 
Kebiri. Diese Sitt cl Kebiri findet man überall im Libanon 
wieder. Es ist kein Zweifel, dass unter der grossen Frau die 
alte Gottheit zu verstehen ist. Eine Gruppe gleicher Bäume 
findet man in der Nähe des auf Befehl des Kaisers Konstantin 
zerstörten Venustempels beim Dorfe Alka, au dessen Stelle ur- 
sprünglich ein Heiligtum der phönizisohen Astarte gestanden 
hatte. Die Bäume werden von Christen wie Moslems verehrt. 



— 267 — 

Man hiing-t an ihre Zwoig-o Tücher und Lappen, Fruchtbarkeit 
erflehend. Es sind Reste dos alten Dienstes der weiblichen 
Göttin, der hier neben dem Baal unter verschiedenen Namen 
gehiddigt Avurde; die Phönizier nannten sie: Astarte, Baalat, 
Baalkis; im südlichen Kanaan hiess sie: Aschera; jetzt ehren 
die syrischen Frauen die Aschara. 

Die kinderlose Bosnierin sucht ein Kraut, welches man im 
Lande Apijun nennt, schneidet die Wurzeln klein und lässt sie 
in einem Wasser säuern, das Voda pmaja, Mühlradgischt, heisst, 
weil OS aus letzterem aufgefangen wird. Dieses Medikament 
trinkt sie. Dann windet sie ihren Brautgürtel um einen frisch 
gepfropften Obstbaum, und falls das gepfropfte Reis gedeiht, wird 
auch sie in die glücklichen Umstände kommen, die sie ersehnt 
Wenn eine Frau im zwölften Jahre der Ehe noch kein Kind 
bekommen hat, so hilft ihr nach bosnischem Aberglauben dieser 
von Dragitschewitsch im „Urquell" erwähnte Zauber: Eine 
schwangere Frau muss einen Stein suchen, der zufällig auf 
einem Birnbaum — Kruschka jagodnjatscha — liegen geblieben 
ist, als jemand mit Steinwürfen reife Früchte herunterschlug. 
Findet die Suchende einen solchen Stein, so muss sie den 
Baum schütteln, aber dabei so geschickt sein, den Stein mit den 
Händen aufzufangen, damit er den Erdboden nicht berühre. Das 
Kleinod trägt sie nun im linken Schosszipfel ilires Rockhemdes 
zum Bache, füllt über den Stein hinüber einen Krug mit Wasser 
und geht heim. Sodann nimmt sie taufrisches Gras, Rossopadne 
trave, und spricht in den Krug hinein die BescJiwöning: „Die 
und die soll in gesegnete Umstände kommen!" Hiernach über- 
bringt sie der Unfruchtbaren das Wasser zum Trinken und über- 
nimmt deren 'rrauuugsgevvaud, das sie nun so lange trägt, bis 
die eigentliche Besitzerin desselben zu fühlen beginnt, dass sie 
Mutter geworden, dass sie ein Kind im Leibe nähre. Die 
helfende Freundin darf ausser dem Trauungsgewande, das sie 
nur leihweise erhält, sonst nichts von der Anderen oder in deren 
Hause nehmen, nicht einmal einen Bissen Brot; sonst ist der 
Zauber wirkungslos. 

In Persien gilt gegen Unfruchtbarkeit der Frauen die Wall- 
fahrt nach Kum oder Meschhed als bewährtes Mittel. Um dereinst 
in der Ehe fruchtbar zu sein, setzen sich die persischen Mädchen 
auf die Deichsel einer yon Pferden getriebenen Papiermühle 



~ 268 — 

nud lasseil sich darauf zwoiinal um die Säule ziehen. "Wird 
eine Frau ohne ihr Wissen mit Schweinefett iieschmiert, so 
glauht man in Persien, sie müsse unfruchtbar werden. 

Als ich eine Ecise nach Jerusalem machte, beanftraj^te mich 
eine Griechin, ihr Jordanwasser mitzubringen; Jordan Wi',?sor 
tiinkeu die Levaiitinerinnen, um die Unfruchtiiarkeit zu beheben. 
In Ae^ypteu trinken die Frauen zu diesem Zweck blos Nil- 
wasr,er. Bei den Juden in Palästina trinken kinderlose Frauen, 
um Kinder zu bekoninif^n, das Wasser, in welchem ]>loo.s von 
den Ruinen der Tempelmauer gekocht wurde. 

Wenn Talismane und abergläubische Mittel nicht helfru, 
wenn das Anhauchen der Priester, das Lesen gewisser Stelien 
ttos dem Koran oder dem neuen oder alten Testament keine 
iriife bringen, wenn selbst die Wallfahrten zu heiligen Orten 
umsonst sind, dann versucht man alleilei äussere und innei-e 
Volksmittel. Man lasst Weiber kommen, dass sie der L-ufrucht- 
hären die untere ßauchgcgend und die Lendengegend sanft 
kneten und mit Oel einreiben; man macht erweichende Ein- 
spritzungen in die Genitalien; oder man setzt die Frau in Kiid er, 
welche mit aromatischen Substanzen versetzt sind; oder man 
legt in die weiblicheu Teile Pfropfen — Tam})ons — mit Zvrie- 
boln, Viola und in Weingeist gelöstem Mastix oder Pessarien ans 
Nelken. Zimmt, Bezoar, .-Vmbra und Moschus. Traurige Folgen 
unvernünftiger Behandlung sind zuweilen chi-onischc Gei-ar- 
mutterentzündungen und andere schwere Frauenleiden, Ijesondcrs 
livsterio. 



48. Abortus. 



Altbebräisches. — Kernst antinopeler Mittel zur Verhütung der Konzeption. — 
Einfaches Mittel der Serbin. — Mittel zur Hemmung ij;esr]iohencr Be- 
fruchtung. — Bosnische Aboi-tiva. — Der Hodselui-Arzt und das Vogcl- 
Amulet. — Abortu.s in Persieu. — Selbsthilfe. — Ooffcutlichc Anstalten 
für kriminellen Abortus in Kcnstantinopel. — Eine Statistik. — Ursachen 
der gcwaltsaraeu Aborticruugen. — Das raoslemischQ Gesetz und der 
Abortus. — Klagen, Anklagen und Warnungen des Oroer Ffahby. 

Merkwürdig- ist es, dass trotz der Sehnsucht nach zahl- 
reichen Kindern, trotz des Wunsches nach Fruchtbarkeit, die 
Verhütung der Befmchtung und die Abtreibung der Frucht kaum 
irgendwo so häufig stattfinden als im Orient. 

Obwohl bei den Hebräern Kindersegen erwünscht war, 
kannte raan doch auch bei ihnen bereits alle mJiglichen Mittel, 
um unerwünschte Nachkommenschaft zu verhinderu. Im 1. Buche 
Moses XXXVIII. 8 wird als flas illteste antikonzeptionelle Mittel 
folgendes erwähnt: ,,. • • Onan Hess den Samen, so oft er dem 
Weibe beiwohnte, danebenfallcn", um keine Nachkommen zu 
erhalten. 

Um die Befruchtung zu verhüten, wendet man heute in 
Konstantinopel, nach Kigler, folgende Mittel an: Die Frau legt 
vor dem Akte einen in Limonade getauchten Schwamm ein; 
nachher ersetzt sie ihn durcü eine Paste aus Aloe, liuta gra- 
veolens und Gummi oder reibt sich mit Tabaksaft. 

Wünscht eine Serbin die tasten Jahre ihrer Ehe kinderlos 
zu bleiben, so kann sie sich schon bei der Trauung vorsehen. 
Sie nimmt nämlich vor dem Trauungsgange ein ^''orhängschloss, 
sperrt es auf, legt den Schlüssel in eine Ecke des Zimmers, das 
SchJoss in eine andere, geht zwischen Schlüssel und Schloss ein- 
mal mitten durch und zurück, sperrt dann mit dem Schlüssel 



— 270 — 

das Schloss wieder zn und spricht: ,.Kad ja ovaj katanaz otvorila 
onda i dete ponila, wenn ich einmal dies Schloss aufsperre, da 
soll ich auch ein Kind empfangen!" — Sie kann sicb's also jetzt 
einrichten, wie es ihr passt. 

Um die geschehene Befi'uchtung zu hemmeu, wendet man 
in Konstantinopel, wie Rigler erwähnt, einige brutale Mittel an: 
In den ersten Monaten der Schwan g:erschaft treibt sich die Frau 
einen Tabak- oder Olivenstengol in den Matterhals, in den 
späteren Monaten schreckt man vor der Punktation der Eihäute 
nicht zurück, und bedient sich dabei der Aloe, des Crocus und 
konzentrierter Limonade. Sicherste Wirkung erwartet man von 
folgendem innerlichen Medikamente: Man geniesst Tinctura Helle- 
bori nigri Dr. VI mit Tinctura opii crocata Dr. II zu 20 Tropfen 
täglich; gleichzeitig gebraucht man zu Auswaschungen das aus 
Weingeist, verdünnter Schwefelsäure, Aloe, Myrrhe und ('rocus 
zusammengesetzte Elixirium proprietatis Paracelsi; endlich nimmt 
man zu Einreibungen und Einstreuungen Sabina- und Aloe-Pulver. 

Ein bosnisches, auch slawonisches Mittel zum Abortieren — 
„da dete u sebi otnije, da pobazi, das Kind im Leibe zu ver- 
giften" — ist das folgende, von Krauss mitgeteilte: Die Bäuerin 
nimmt ^j^ Oka, das ist etwas mehr als '/^ Kilo Färberrötel oder 
Rubia tinctomm liinn. und verpulvert den Stoff, kocht ihn früh- 
morgens ab und trinkt auf nüchternen Magen die Brühe so heiss 
als möglich. Das wiederholt sie mehrere Tage hintereinander. 
Dann bringt sie ehestens ein totes Kind zur Welt. Manchmal 
geht aber auch die Mutter bei dieser Kur drauf. 

Ein anderes, ebenfalls bei bosnischen und slawonischen 
Bäuerinnen gebräuchliches Mittel: Man nimmt Bilsenkrautwurzel, 
Hyosciamus Linn. oder in der Landessprache: Koren od bune, 
ferner eine traubenähnlicho Bilsenkrautdolde, endlich Stochapfel- 
samen, Datura strammonium Lina, oder slawonisch: Sjemena ot 
tabule, und pulverisiert alles. Das schüttet man in ein Getränk 
und geniesst es; es ist, wie die Weiber sagen, ein entsetzlicher 
Trank, auf den man sich sogar i'ie lieber ausbrechen könne. 

Manchmal veranlasst man einen Abortus - türkisch: tschod- 
schuk, duschurniek; arabisch: mosket el olat; persisch: liescheh 
richten ; indisch : noksan — wenn inan glaubt, dass die Schwangere 
schlecht gebären werde. Bei den Mohamniedimcrinueu erscheint 
dann, wie Rigler erzählte, zumeist der Hodscha-Ai'zt mit einem 



— 271 — 

Amulet, auf dem ein Vogel mit grossem Schnahel aufgezeichnet 
ist, und macht unter Herleiern yerschiedener Sprüche seinen 
Hoköspokus. Die MoKleriis Urlauben, dass mit der Leibesfrucht 
zugleich ein Vogel entsteht, welcher bei der Geburt des Kindes 
ontflioiit. Durch das seltsame Amulet glaubt nun der Hodscha 
den \'ogel zu reizen, sodaj^s er vorzeitig die Eihäute zerreisst. 

Wenn in Persieu ein unverheiratetes Mädchen, eine Witwe 
oder eine Geschiedene gebären sollte, so wäre ihr der Tod ge- 
wiss. Der Fall ist aber, nach Dr. Polak, unerhört; ein unehe- 
liches Kind — haomm zade — findet sich nirgends unter den 
Schiiten, das Wort wird nur zum Schimpf gebraucht. Alle 
aussorehclichen Schwangerschaften enden mit Abortus, indem man 
die Eihäute mittels Haken sprengen lässt. Von den Hebammen 
soll diese Operation mit besonderer Geschicklichkeit ausgeführt 
werden, wenigstens sind in Teheran mehrere deshalb renommiert 
und viel besuehi. Uebrigens wird die Sache ziemlich publik 
betrieben und ihr kein Hindernis in den Wog gelegt. Nur einige 
unglückliche Geschöpfe wollen sich selbst helfen; sie setzen 
massenhaft Blutegel an, machen Aderlässe an den Füssen, nehmea 
Brechmittel aus Snlfas cupri, Drastlca oder die Sprossen von 
Dattelkernen; und fruchten all«; diese Mittel nicht, so lassen sio 
sich den Unterleib walken und treten. Sehr häufig — sagt Polak — 
erwiderten mir solche Unglücklichen, wenn ich ihnen die Bitte um 
ein Abortivmittel unter Verweisung auf meinen geleisteten Eid ab- 
schlug: ,.Euer Eid mag wohl für Frcngistan gut sein, wir aber 
können nicht gebären, sonst werden wir samt dem Kinde getötet. •* 

Pitzipios Bey erzählte 1858 in sehiem Buche „Les reformes 
de rErapire byzantin" : „In allen moslemischen Ländern gibt es 
öffentliche Austaltien, wo sich die Frauen die L^besfrucht ab- 
treiben lassen. In Konstantinopel selbst findet man auch 
mehrere solcher Anstalten, welche von der Regierung geschützt 
oder doch geduldet werden, und man kann türkische Frauen in 
Menge dorthin eilen sehen. Eine dieser Anstalten, auf grossem 
Fusse eingerichtet, ist in Tschubali, in der Nähe des Phanaos. 
Hier befand sich ia der Zeit der christlichen Kaisqr von Byzanz 
das Asyl der unehelich geborenen Kinder. 1852 liess Kostakis, 
ein Grieche, ein höherer Poiizeibeamter, die Besitzerin dieser 
Frucht- Abtreibnngsanstalt dreimal arretieren: aber ein noch 
höherer Funktionär befahl dem Kostaki&, die Frau in Ruhe zu 



Vm\ 1&73 klagte der Koiistaiitinopolcr Arzt, Dr. 
Pardo: „Ungeachtet aller Hinweisungeu auf die Gefahr, die das 
Verbtechen dor Abtreibungen auf Individuen, Familie und Staats- 
weMen hat. und trotz aller A'crölTentlichnngpn in der Konstan- 
tinaplcr Gazette medicale d'Orient, trotz aller sonstigen Be- 
mühungen ernstdenkender Aerzto des Landes, hören die Ver- 
brechen nicht auf, werden vielmehr in erschrecklichem Massstabe 
fortg-esetzt. Selbst die VorsteMung-en, welche die Societe Im- 
periale de Medecine an die Regierung gerichtet hat, sind ohne 
Erfolg. Scheinbar hatte eine neue Aera füi' die Türken begonnen, 
Midhat Paschas ßeforiaen und fortschrittliche Gesinnung leiteten 
eine neue Zeit eiri. Aber die Laudessitte der Abtreibung bleibt: 
das ist Thatsache, eine Thatsache, welche die Einbildungskraft 
des abendländischen Lesers nicht ei)imal in ihrer ganzen Eut- 
setzHchkeit erfassen kann. Diese kriminelle Abtreibung ist eine 
der Hauptursachen der schrecklichen Veiuiinderung der Bevöl- 
kerung, trotzdem die Tiiiken eine der gestindesten und kräftig- 
sten Rassen der Menschheit sind. Eine amtliche Nachforschung 
ergab, dass in Konstantinopel mindestens 300 kriminelle Ab- 
treibungen mojiatlich statthaben. Von wie vielen Fällen weiss 
man nichts! Welche (Jrsaclien treiben zu diesen Uuthateu^ Jede 
derselben mordet nicht nur das Kind im Mutterleibe, sondern 
meist auch die unnatüi'liche Mutter selbst." 

Wenn in Paris bei je 94 Abtreibungen 4'^ mal die Mutter 
zugrundegeht, um wie viel höher umss der Opfeiproasentsatz in 
Konstau tinopel sein, wo man nur plumj^e und barbarische Mittel 
anwendet! Die mohammedanische Gesetzgebung ist in diesem 
Punkte von jeder Schuld frei, der Koran ist im Gegenteil klar 
gegen derartige Vi.'rbrecheu und droht der t>au, die solcher 
Moral huldigt, mit Strafe. Ueberdies ist die Bevölkerung 
Konstantiiiopels nur teilweise mohammed{;ni§ch, der andere 
Teil umfasst mehr Christen verschiedener Konfessionen und 
Nationalitäten sowie Juden. Bei allen ist d;is Laster gleich 
häurig zu entdecken. Es ist eben der allgemeine Zustand der 
Unbildung, die ki-asse Unwissenhei' , der Grund dieser Abnor- 
mität. Es sind hier nicht die Ueberfeiuerung und der kulturelle 
Ueberuiüt, weiche in de]?i wimderl.'aren Roman Zolas. ,.Fecondite'* 
als Ursachen der gleichen Verbrechen erschein»^!!, sondern im 
Gegenteil: der Mangel aller Kultur- und der niedrigste TIn- 



~ 273 — 

Terstand. Bei den inoslemiscben Frauen kann man noch in 
Betracht ziehen, dass sie aus Furcht vor Rivalinnen und vor 
Scheidung ihre Formen möglichst lange zu konservit-rcn ver- 
suchen. Bei den anderen Nationen aber geschehen die Ver- 
brechen meist, um Vergehen ehelicher Untreue vor der Ent- 
deckung zu bewahren. 

Es ist unglaublicb, mit welcher Leichtigkeit, uiit welchem 
Leichtsinn sich die Frauen in diese gefährlichen Dinge schicken. 
Sie begeben sich in diese fürchterlichen Movdgruben furchtloser 
als selbst zu einem Zahnarzt. Kaltblütig wird der Handel mit 
dem Arzt oder der Hebamme abgeschlossen. In mancher Apotheke 
Stambuls oder Peras sieht man häuilg einen Fötiis ausgestellt: es 
bedeutet, dass hier ein Arzt ordiniere, der das kriminelle Ge-^chäft 
betreibt. Als die Societe de Medeclne einmal einen Arzt wegen 
solcher Handlungen zur Verantwortung ziehen wollte, leugnete 
der gute Mann gar nicht und anstatt sich zu verteidigen, rühmte 
er sich seiner Geschicklichkeit und legte der geehrten Gesell-' 
Schaft der Aerzie seine Erfindung vor, womit mau die Operation 
einfach, rasch und schadlos vollziehen könnte: dieses neu er- 
fundene Instrument war ein gewöhnliches Frisiereisen ! . . . Die 
Gewohnheit der Straflosigkeit hat die Verbrecher kühn gemacht. 
Damals wollte die Societe aber einmal energisch ihre Pdicht 
thun. Sie denunzierte den Fall der Regierung. Das war im 
Jahre — 1859. im Jahre 1873 konstatierte Dr. Pardo, dass 
derselbe Arzt noch grössere Praxis als früher hatte, und er 
würde noch heute der Patientinnen nicht ermangeln, wenn er 
nicht endlich gestorben wäre. 

Es ist schon gesagt worden, dass das moslemische Gesetz 
die Frau, welcJie ihre Fnticht abtreibt, zu schwerer Strafe vei-- 
urteilt. Omer Haleby kommentiert dieses Gesetz weitläufig. 
Er meint, die Prostitution der Götzendiener- V^ölker sei die Ur- 
heberin des verdamme US wertesten aller Verbrechen, des Abortus 
durch Gewalt. Der Prophet habe die Abti'eibung ausdrücklich 
verboten; indem er den Menschen zu töten verboten habe, sei 
damit gleichzeitig die Tötung des Menschen im Mutterleibe ver- 
urteilt worden, die Tötung des Kindes. Denn unter dem Woi to 
Kind müsse man den Traditionisten zufolge schon die Fi'ucht 
»verstehen, welche sich im Mutterleibe entwickelt. Der monströse 

Stern, Medizin, Abersjlttubs u. OesohlecJitsleben iii der Türkei. II. 18 



— 274 — 

Akt der gewaltsamen Abortierung sei gleichsam die kalte und 
vorbedachte Tötimg des Engels, der auf dem Grunde der Gebär- 
nmtter lebt und im Augenblicke der Samen Vermischung ausruft: 
„Ein Tropfen, o Herr! eine Frucht!" Einige Gelehrte — fährt 
Omer Haleby fort — betrachteten die Abortierung eher als Wahn- 
sinn, denn als Verbrechen; aber sie hätten wahrscheiulich jeue 
Worte des Propheten vergessen, v/elche Asmah, die Tochter 
Jesids, so häufig wiederholte: ,, Tötet euere Kinder nicht heim- 
lich, in einer Weise, die ihr nicht begreift** .... „Lasset 
deshalb" — ruft Omer Haleby aus — „diese Praxis der Abortierung 
den Epigonen der Römer, den Heiden oder Christen!" Man 
müsse leider zugestehen, dass es unter den Mosleminnen viele 
gebe, welche das Verbrechen begehen unter dem Vovwande, 
„dadurch ihre Brüste in jugendlicher Härte und ursprünglicher 
Schönheit" zu erhalten . . . „Aber vergessen sie, dass sie sich 
gleichzeitig dem Tode oder im besten Falle schweren Zer- 
rüttungen ihres Organismus aussetzen? Dass mindestens die Un- 
fi-'jchtbarkeit eine Folge des Ver))rechens ist? Andere folgen den 
schlechten Rate Ihrer Liebhaber, ihrer Gatten; in diesem Falle 
l)rauchen sie sich nicht um das Urteil der Welt zu kümmern -- 
aber entgehen sie dem Urteile Gottes? . . . Man sagte einmal: die 
Herbeiführung des Abortus wäre weniger strafbar, wenn sie im 
ersten Monate der Schwangerschaft geschähe. Das ist eine ge- 
fährliche Sophistik, denn das unanfechtbare Wort des Propheten 
beweist, dass schou im Spermatropfen selbst, der nach einer Men- 
struation in das Mutterei lliesst, Leben und organische Intelligenz 
sind; sofort wird das Ei ein Embryo . , . Und um den grossen Akt, 
der sich dann in der Gebärmutter vollzieht, als einen hohen, 
und um das Verbrechen, das durch die Abortierung begangen 
wird, als das niedi'igste zu charakterisieren, hat nicht zu 
diesem Z v/ecke der Prophet gesagt: „Die Mutter, die unter 
Gfiburtsschmerzeu stirbt, wii'd zum Rang der Märtyrerin er- 
h.oben und gelangt unmittelbar in das Paradies*'? . . . Fliehet 
deshalb, o ihr gläubigen Frauen! alles, was euch zur Abortierimg 
verfiihjt-en will. Wenn man sagt: eine vom Propheten her- 
stammeode Tradition erlaube der Frau, Medikamente zn nehmen, 
um ihre Periode zu unterdrücken, sobald diese Medikamente ilir 
nicht schaden können; und wenn )nan sagt: daraus resultiere, 
man dürfe in gewissen Fällen durch innere und äussere Medi- 



— 275 — 

karoente auch die Frühgeburt hervorrufen — so iinter]e,gt man 
<lieser Tradition einen falschen Sinn, einen Sinn, der mit dem 
Koran und dorn Gesetze des Islams in Widerspruch ist. Die 
also roden, setzen die Finsternis an die Stelle des Lichtes, Die 
erwähnte Tradition und die ersten Gelehrten des Islams, die 
sie wiedergeg-eben haben, wollten in Wirklichkeit nur sagen, 
dass es erlaubt sei, einer Frau, mit ihrer eigenen Einvrilligung 
und mit Zustimmung ihres Gatten oder ihrer Verwandten, 
Gewürze zu verabreichen, um einen alizuheftigen Blutverlust 
und eine Störung der Gesundheit, beispielsweise durch eine 
Hämorrliagie, zu verhüten." 

Allem zum Trotz aber grassiert, wie ich g^esag-t habe, auch 
unter den moslemischen Frauen die Seuche des kriminellen 
Abortus überaus arg; und es wird behauptet — so von Regia 
— dass im Harem des Sultans eine eigene Frau, genannt „die 
blutige Hebamme", mit dieser furchtbaren Praxis betraut sei. 

Der Missbrauch, der in der Türkei allgemein ist, dass die 
Frau, nachdem sie zwei Kinder geboren hat, mit Wissen ihres 
Mannes von nun au Abortus hervorruft, teils um ihre Kb'rper- 
schönheit zu erhalten, teils um die Nachkommenschaft, zu ver- 
ringerDj heiTscht nach Dr. Polak in Persien nirgends; denn 
erstens ist es ausserordentlich selten, dass eine Perserin mehr 
als zwei Kinder am Leben erhält, zweitens setzt sie einen Stolz 
darein, eine zahlreiche Nachkommenschaft zu besitzen, die ihr 
in ihren alten Tagen zur Stütze dienen kann. Wenn Unfrucht- 
barkeit von den Frauen aller Länder als ein Missgeschick an- 
gesehen wird, so ist sie in Persieu wirklich das grösste 
Unglück; die Unfruchtbare wird fast immer vom Manne Ver- 
stössen, von anderen Frauen des Harems verhöhnt, und steht 
in ihren alten Tagen, wo die Mutter gewöhnlich das*Obdach 
ihres Kindes in Anspruch nimmt, isoliert und hilflos da. 



49, Hebammen, 



Bei den Völkern des Altertums. — Himmlische Hebammen bei den Ciial- 
däern. — Die Göttin Mylitta. — Der Kultus der Astarte. — Griechisches. — 
Iraalsi^fies. — Der Mond al3 Geburtshelfer. — Siidslavische Geburts- 
göttinnen. — Geburtsgottheiten der Sabäer und Jesiden. — Die Mandäer- 
Göttin Ruoha, — Die Mutter-Gottes als Geburtshelferin. — Die Jericho-Rose 
bei der Geburt. — Zur Geschichte der Hebammen. — Die Hebammen bei 
den- Hebräerinuea. — Hellenische, römische und byzantinische Hebamraen- 
kuGst. — Die Hebammen in der arabischen Epoche. — Unwissenheit der 
orientalischen Hebammen. — Ihr schlechter Ruf. - Hebamme, Kupplerin 
und Kurpfuscherin. — Früherer Zustand der Geburtshilfe in Konstantinopel. 
— Reformen unter Sultan Abdul Medschid. — Die Wienerin Frau Mes- 
saci. — Gegenwärtige Zust&nde in der Türkei. — Namen für Hebamme. — 
Wichtigkeit der Hebamme in Bagdad. 

Die alten Völker des Orients hatten verschiedenen Gott- 
heiten die Rollen von Hebammen zugeteilt. Bei den Chaldäern 
war die Göttin Thalat die unsichtbare Helferin der Gebärenden. 
Mylitta, die Göttin der Fruchtbarkeit, die assyrisch-bab5ionische 
Astarte, war gleichzeitig" Königin des Himmels und Königin der 
Nacht, himmlische Jungfrau und Göttin des Empfangen s and 
Gebarens; zu ihren Ehren fand in Babylon religiöse Prostitution 
statt. Die Verehrung der babylonischen Astarte wurde vom 
Euphrat und Tigris nach Phönizien getragen und verbreitete 
sich in ganz Syrien; siuch hier war ihr Kultus mit religiöser 
Prostitution verbunden. Die phönizische Astarte, die AUesge- 
bärende, kam dann auf den Inseln, welche Kleinasien benachbart 
sind, vorp,ehmlich auf Cypem, als Aphrodite zu hohem Ansehen. 
In Phrygien verehrte man die Oybele, die versinnbildlichte Erde. 
Zur Zeit Salomos war der Kultus der Aschera, die im Grunde 
mit der Astarte identisch ist, populär Die alten Araber hatten 
als Göttin der Fruchtbarkeit und Geburt die Mondgöttin AI 
Jlahat, von Herodot Alilath oder Alytta genannt. 



— 277 — 

Mit dem Namen der habjlonisclieu Astarte schon verband 
man die Idee der feuchten empfangenden fruchtbaren Erde und 
d(js befruchteten und wieder befiuchtenden Mondes. In der 
Vorstellung der Griechen identitizierte sich diese Göttin mit 
ihrer Aphrodite. Die älteste Göttin der Geburt bei den 
Hellenen war die Eileithyia, welche von den Hyperboreern 
nach Delos gebracht wui-de und dort der Leto Hebammendienste 
leistete. Dieser Göttin Sinnbild am Himmel war der Mond, der 
die Sonnenstrahlen empfangende und die Erzeugung und das 
Wachstum auf Erden fördernde; dieser Göttin irdisches Ebenbild 
aber war die Kuh. Eine spätere mythische Geburtsgöttin im antiken 
Griechenland war die Artemis, während die Hera als Göttin der 
Ehe galt. Die Göttiunen Geuetyliides fungierten als Vor- 
steherinnen der Zeugung und der Geburt. Bei den iranischen 
Völkern Asiens, den alten Persern, Modern, Baktrern, wurde in 
der Religion Zoroasters dem Monde eine Beziehung auf die 
Zeugung zugewiesen; er stand der Geburt vor. Nach Herodot 
riefen die Magier den Mond als wohlthätige Hiramelsmacht an, 
•wenn sie bei gestörtem Geburtsverlauf oder bei Wochenbetts- 
leiden die Wirkung der Krankheitsgeister bannen wollten. 
Anaitis, Anahita, Anaia, Aine, so nannte man diese Mondgöttin, 
diese himmlische Geburtshelferin, bei den Persern, Medern, 
Kappadociern und Armeuieru. Auch bei den slavischen Völkern 
ist die Göttin des Mondes die Beschützerin der Geburten. 
Früher unterschied der südslavische Glaube genau z^vischen den 
überirdisohen Geburtsfräulein, den Beschützerinnen schmerzens- 
freier Geburten und der glücklichen Niederkunft, und den Schick- 
salsfräulein, den Bestimmerinnen des Schicksals des Neu- 
geborenen. Beiderlei Gottheiten vermischten sich ; während aber 
einerseits behauptet wird, dass die jetzigen Balkanslaven die 
Schicksalsgöttinnen auch als Geburtsheschützerinnen betrachten, 
hat Krauss überzeugend nachgewiesen, dass es dort jetzt nur 
die Kategorie der Schicksalsfräulein gebe. 

Die Sabäer und die Jesiden kannten als Göttin der Zeugung 
und lies Gebarens eine der Venus ähnliche Gottheit, der man 
mit Safran räucherte. 

Am unteren Euphrat und Tigris verehrt noch heute die dort 
wohnende Sekte der Mandäer eine Göttin Rucha, Mutter des 
weUgrossen Ungeheuers Ur, die den Gebärenden Beistand leistet. 



— 278 — 

Boi den Gräko-Walachen in Monastir gilt die Mutter-Gottes 
&h' Beschützerin der Geburt. Sie ist hier, nach Ansicht von 
Sajaktzis, die Nachfolgerin der Hera, einer der Beschützerinnen 
der Gebuit bei den Alten. Sobald die Vorzeichen der Gebort 
eintreten, wird sofort ans Lämpchen vor dem Muttergottesbilde 
angezündet; es bleibt während der ganzen Dauer des Wochen- 
bettes brennen. Die Hebamme, aio Frauen der Familie \md die 
Nachbarinnen wünschen: ,Jv^\i Eleuteria, gute Entbindung, und 
die heilige Jungfrau möge dir die Geburt erleichtern!" 

Die Hebamme bringt ausser ihren Instrumenten die Jericho- 
Ecse Djitj die hier Oheri tis Panagias, Hand der Mutter Gottes, 
genannt wird. Es ist ein niederes vielästiges Kraut, welches 
von Pilgern vom Heiligen Grabe mitgebracht wird. Die 
Pflanze hat die Eigentümlichkeit, dass sie sich in aus- 
getrockD6t€»m Zustande zu einem gitterförmigen Ballon zu- 
sammenrollt, nach Anfeuchtung aber wieder ausbreitet wie eine 
menschliche Hand, Mit Beziehung hierauf wird erzählt: sie sei 
überall dort erwachsen, wo die heilige Maria den Abdruck ihrer 
Hände zurückiiess, als sie allein in dichter Finsternis zur 
Schädelstätte auf Golgatha emporklomm. Während der Wehen 
benetzt sich die I/eideude das Antlitz und die Lippen mit einem 
Wasser, das durch Eintauchen der Jericho-Rose geweiht worden 
ist: dia na eleutoroti m eukolia, damit sie leichter über die 
schwere Stunde hinwegkomme. Man findet diesen Gebranch bei 
allen griechischen Familien im Orient. In Monastir hält die 
Gebärende die Jericho-Rose auch in der Hand, ähnlich wie die 
Frauen . des Altertums bei der Entbindung den heiligen Lorbeer 
Apollos in die Hand nahmen, üobrigens wurde die Jericho-Rose 
unter dem Namen Giykiside im Altertum ebenfalls verehrt. 

Bei den Hebräern v/aren die Hebammen eine geachtete 
Klasse; so kann man aus dem 2 Buche Moses I 21 ersehen. 
Die Stolle im 1. Buche Moses XXXV ll, wo von der Nieder- 
kunft Raheis und der Gebuit Benjamins erzählt wird, kann als 
die älteste Nachricht über Hebammen in der heiligen Schrift 
galten. An sie reiht sich die Mitteilung über die zwei Heb- 
ammen Sifra und Pua, von denen im 2. Buche Moses I 15 erzählt 
wird, wie klug und erfolgreich sie den Befehl des Pharao, die 
neugeborenen hebräischeu Knaben zu töten, umgingen. 

Friedreich - bei Trusen — meint, dass die Geburtshülfe bei 



— 279 — 

den Hebräern schon zur Zeit der Niederkunft Ruheis sich auf 
der Stufe einer gewissen Vollkommenheit befand. Allerdings, 
lügt er hinzu, beschränkten sich die geburtshülflichen Leistungen 
nur auf Vertrauen zur Selbsthülfe der Natur, auf Trost und Er- 
mahnung zur Geduld, auf Anwendung der zweckmässigen Lage 
während der Geburt, auf Empfangen des Kindes, Behandlung 
der Nabelschnur und Abreiben des Kindes mit Salz, sowie auf 
die Einwicklung des Neugeborenen in Windeln. 

Ueber die Geburtshülfe im alten Hellas und Rom haben 
f*loss-ßarteIs, sowie Engelmann alles Wissenswerte zusammen" 
gestellt. Wir erfahren dort durch viele Beispiele, dass die 
römische und später die byzantinische Hebammenkunst sich unter 
dem Einflüsse der hellenischen bildete. Auch die arabischen 
Aerzte schöpften einen grossen Teil ihres geburtshülflichen 
Wissens aus griechischen Quellen. Aber während nach deai 
Zerfall der römischen Weltherrschaft alle Wissenschaften und 
Künste bei den Arabern neue Heimstätten suchten und fast alle 
bei ihnen auch zu frischer Blüte gelangten, blieb die Geburts- 
hülfelehre der Araber eine tote Wissenschaft; denn den Aerzten 
gestattete die Sitte die gerade in diesem Fache so wichtige Be- 
lehrung durch persönliche Kontrolle und Beobachtung der Vor- 
gänge nicht. Die Geburtshülfe lag nicht in den Händen gebildeter 
Aerzte. sondern war vollständig Hebammen überlassen, welche 
blos geringe Kenntnisse besassen. Nur in der allergrössten Not 
berief man den ('hirurgen. Der aber, unbekannt mit der prak- 
tischen AuvStibung in einem solchen Falle, bracht« in dieser aller- 
grössten Not nur selten Hülfe. Mit seinen mäclitigen Apparaten 
und Instrumenten übte er auf* die unglückliche Frau eine tötlich 
beängstigende Wirkung aus. Ueberstand sie den Schrecken, so 
wurde sie durch die Ungeschicklichkeit des Arztes schwer ver- 
letzt oder umgebracht, und das Kind kam selten unzerstückelt 
aus dem Mutterleib. 

Schon Hasselquist, im vorigen Jahrhundert, erzählte viel von 
der Unwissenheit der orientalischen Hebammen. Titus Tobier, 
Robinson, Häntzscher, Quedenfeldt und andere Orientreisende 
bestätigen dies Urteil. Oppenheim, der lauge Jahre als Arzt in 
Kleinasien lebte, tadelt nicht blos die krasse Unwissenheit, 
sondern auch die böse Moral der Geburtshelferinnen. In neuerer 
Zeit gab der Franzose Eram seine Erfahrungen mit folgenden 



•— 280 — 

«charfen Worten bekannt . „Das Wissen dieser Frauen ist no- 
genügend. unterrichtete Hebamineu gibt es nm* in den Städten. 
Die meisten haben ein uDehrliclies Leben liinter sieb. Nebe'^ 
ihrer geburtshiilflichen Praxis betreiijen bic das Geschäft eint. 
Kupplerin und Ebevennittlerii]. Ein arabischer Spruch sagt 
sogar: „Jede Frau, die mit der Prostitution begönnen bat. endet 
.mit dem Stand der Hebamme." 

üebc-r den Zustand der Geburtshülfe in Koostantinopel zu 
Aufang des 10. Jahrhunderts hat uns Dr. Demeter Maurokordato 
einen zeitgenössischen Bericht hinterlassen: Die Hebammen bil- 
deten damals eine besondere Klasse; ihre Zahl war nnbesümmt. 
Sie genossen keinen systematischen Unterricht, sondern die Eine 
vererbte ihre Erfahrungen der Anderen. Von der Lage des 
Foetus, von den Diametern des Beckens, überhaupt von ana- 
tomisch-physiologischen Kenntnissen hatten sie entweder gar keine 
odei* eine falsche Idee. 

Unter Sultan Abdul Medschid begründete eine gebildete 
europäische Hebamme, die Wienerin Frau Messani, eine Heb- 
ammenschule. Seither nahmeu die Greuel früherer Zeiten ab, 
aber kein Ende. Zwar versuchten einige an den Schulen Oester- 
reichs, Deutschlands, Frankreichs, Englands und Italiens aus- 
gebildete Aerzte, sich als Geburtshelfer einzuführen, aber ihr 
Wirken stiess auf Schwierigkeiten. 

Im Jahre 1873 noch Idagte der Konstantinopler Arzt Doktor 
Pardo: „Einige wenige rechtschaffene nnd wirklich gebildete 
Damen ausgenommen, besteht die Zunft der Hebammen aus ver- 
rufenen, unwissenden Frauenzmimein, die sich !\famy oder 
Hebammen nennen, um nur det^to leichter verbrecherische Ab- 
treibungen vornehmen und das Geschüft von Kupplerinnen aus- 
üben zu können. Solche Frauenzimmer beflecken die Schwellen 
angesehener Häuser und entehren durch ihi-e Gegenwart die 
achtbarsten Familien. Diejenigen, welche sie zu Fehltritten 
verleitet hal)en. führen sie dann auf die Bahn des Verbrechens 
und in Unglück und Tod. l'nd dies alles geschieht vor den 
Augeij aller [iCute. Es existiert keine Ueberwachuug. Erfolgt 
mal eine Anordnung der Behörden, so wird sie nicht respektiert." 

Vielfach stehen al^'o die Hebammen in der Türkei noch heute 
auf tiefer Stufe. Unbokannt mit dem ]\lochanismus des Geburts- 
Jiktes, können sie im Falle eines Geburtshindernisses nichts thun, 



— 2.Si — 

als abergläubische Mittei und unnütze Quälereien anwenden. In 
manchen Fällen ruft mau so^ar mehrere weise Frauen, und 
während diese miteinander noch über die Zweckmässiirkeit der 
Mittei streiten, sind Mutter und Kind verloren. Nur selten ent- 
schiiesst man sich, einen gebildeten diplomierten Geburtshelfer 
dem intimen Vorgang beizuziehen. Und nebenbei geniesscn die 
Hebammen auch schlechten moralischen Ruf. Sie bcsor^^-en ausser 
der Goburtshülfe mehr das für sie fruchtbarere Geschäft des 
Unfruchtbarmacheas and Ahtreibons, und sind als solche würdig 
jenen Weibem an die Seite zu stellen, welche schon Plinius 
beschrieben hat. Die Thebanerin Salpe und die moderne Mar- 
seilierin Sotira sind ihre Vorbilder. Es gibt allerdings einige 
ebenso riihnüiche als seltene Ausnahmen. — Die Hebamme heisst 
bei den Türken: Ebe Kade oder Maray; bei den Arabern: Kabli, 
Kabla, Gabla, wörtlich: die Empfängerin, von Kabul, empfangen; 
manchmal nennt man sie auch arabisch: Tebiba, Aerztin; bei 
den Persern nennt man sie ebenfalls : Kabli oder Mamy; bei den 
Griechen: Maray, Mala oder Agetria; bei den Gräkowalacheu: 
Mamy oder Mlampa; bei den Tscherkessen : Betia; bei den 
Spaniolen: Mamy; bei den Bosniern: Hadschika; in Syrien und 
Palästina: Dye, Daye. Allgemein bezeichnet man sie als die 
weise Frau, die erfabreue F'rau ; weise Frau — diesen Ausdruck 
für die Hebamme haben alle Völker der Erde angenommen; selbst 
die Bewohner der Fidschi-Inseln sagen: Alewa Wuku, weise Frau. 

Je nach den Provinzen, die in Betracht kommen, sind die 
Gebui'tshelferinncn : Araberinnen, Türkinnen, Armenierinnen, 
Griechinnen und Spaniolinnen. Die persischen Hebammen sind 
zumeist Witwen. Die griechischen Hebammen benutzen als 
Instrumente ihre eigenen Hände, die sie tief in die Teile der 
Gebärenden hineinpressen. Aehulicli machen es die helfenden 
Frauen in Palästina 

Die Kabli ist in Bagdad bei einer Geburt die Hauptperson. 
Ihr wird geschmeichelt, gehuldigt. Während sich die Wenigsten 
um die Wöchnerin selbst kümmern, erweist man der Hebamme 
alle möglichen Aufmerksamkeiten. Als Honorar erhält sie selbst 
bei wenig wohlhabenden Familien wenigstens 5, oft aber auch . 
10 Pfund. Sie kommt monateJaug, ja jahrelang immer wieder 
ins Haus und erhebt Tribut beim Zahnen, bei den ersten Geh- 
versuchen und Sprechversuclieu des Kindes. 



bO. Gebräuche in der Schwangerschaft 



Die Eütstenung der Frucht. — Bibel und Koran über Erschaffung des 
Menschen. — Mosaische Gesetze zum Schutze der Schwangeren. — Ein 
Kriegsbrauch. — Ahschlachten Schwangerer. — Der Koran üher Schwanger- 
whaft. — Gedenkmünzen betreffend Schwangerschaft von Sultaninnen. — 
Schwangerschaft und Coitus. — Mohammeds Ratschläge. — Die Diät der 
Schwangeren. — Der Granataplel. — Albanesische Bräuche. — Serbischer 
Aberglaube. — Mohammedanische Ansichten. — Bosnische Sitten. — Gräko- 
walachiÄcho Gebräuche. — Die palästinensischen Juden. — Syrisches. — 
Schv^ängeruDg durch Baden. — Das Versehen. — Volksmedizin. 

Im Alten Testamente wird wohl häufig die Fi'ucht oder 
Leibesfrucht erwähnt, aber nichts Näheres darüber gesagt, „wie 
die Gebeine im Leibe Schwangerer entstehen," um die Worte 
aas Prediger XI 5 zu gebrauchen. 

Im Psalm 139 heisst es Vers 13—16: „Du hast mein 
Innerstes geschaffen . . . wobst mich im Mutterleibe ... Mein 
Gebein war dir nicht verhohlen, als ich im Verborgenen gemacht» 
in Erdentiefen ^wirkt wurde. Deine Augen sahen mich, als 
ich noch ein ungestaltetes Klümpchen war ..." 

Aehnlich im Buche Hieb X 8—11: „Deine Hände haben 
mich sorgsam gebildet und bereiteten mich, alles zusammen, 
ringsum . . . Gedenke doch, dass du wie Thon mich formtest . . . 
Hast du mich nicht hingegossen wie Milch und wie Käse mich 
gerinnen lassen? Mit Haut und Fleisch bekleidetest du mich, 
und mit Knochen und Sehnen durchflochtest du mich . . ." 

Ich verweise bei Anführung der nachfolgerden Koranstellen 
darauf, dass Mohammed seine Büdnisse von der Erschaffung 
dos Meüschen auch nur aus dem Alten Testamente schöpfte und 
häufig dasselbe sagte. 



— '^SS — 

Stire IV ^6- ,; Siehe, Allah lässt keimen das Korn und den 
Dattelkern.; hervorbringt er das Lebendige aus dem Toten und 
das Tote ans dem Lebendigen." 

Immer wird den "Moslems zu Gemüte gefülirt, dass Allah 
die Menschen eräüimf und sie in Geschlechter teilte. 

Sure 42, Vers 3: „. . . und bei dem, der Mann und Weib 
erschuf . . ." 

Sure 78, Vers 8: „. , . und schufen euch zu Paaren . . ." 

XVI 74: „Und Allah gab euch aus euch selber Gattinnen 
und gab euch von eueren Gattinnen Söhne ujjd Enkel." 

IV I: ,..0 ihr Menschen, fürchtet eueren Herrn, der euch 
erschaffen aus einem Wesen, und aus ihm erschuf seine Gattin, 
und aus ihnen viele Männer und Weiber entstehen liess . . ." 

49. Sure, Vers 13: „0 ihr Menschen, wir erschufen euch 
aus einem Manne und einem Weibe und machten euch zu 
Völkern und Stämmen . . .*' 

Dies alles bezieht sich auf die Erschaffung des ersten 
Menschenpaares. Was aber weiss der Koran von der Art., wie 
jetzt der Mensch geschalten wird, über die Entstehung des 
Fötus? Nicht mehr als die Bibel. 

Sure XITJ., Vers ^ sagt: „Allah kennet die Leibesfrucht 
jedes Weibes, und wie der Mutter Leib sich verengt und 
dehnt." 

Lin 33: „. . . Er kannte euch sehr wohl, als er euch aus 
der Erde hervorbrachte, und da ihr Embryos wäret in euerer 
Mütter Leibern." 

Die 76. Sure des Korans ist „der Mensch" betitelt. Hier 
heisst es in Vers 1 und 2: „Ist denn nicht ein grosser Zeit- 
raum verstrichen, seit weichem er ein unbemerkenswertes Ding 
gewesen?" — nämlich seit seiner Entstehung im Mutterleibe. 

VI 98: „Und er ist's, c^er euch entstehen liess aus Einem 
Menschen; und er gab euch eine Stätte und einen LageiTaum" 
— im Mutterscliosse, 

XXXIX 8: „Erschaffen hat er euch aus einer Seele; als- 
dann machte er von ihr ihre Gattin ... Er schafft euch in 
den Schössen eueier Mütter-, eine Schöpfung nach einer 
Schöpfung in drei Finscornissen** — hier werden die Angaben 
etwos geuauer und Leib. Muttersehoss und Plazenta augedeutet. 



— 2S4 — 

Nim weiss man, wo die Fracht sieb befindet, bis sie an 
das Licht der Welt tritt. Aber voraus entsteht die Fracht? 
Da wird am meisten der Samentropfen direkt erwähnt: 

Sui'e XXXVI 77: „Will denn der Mensch nicht einsehen, 
dass wir ihn ans einem Samentropfen erschufen?" 

In der XXXV. Sore, Vers 12 aber wii-d der Samentropfen 
als zweite Entstehung« Ursache festgestellt. Da heisst es: „Und 
Allah hat euch ireschaffen aus Staub, alsdann aus einem Samen- 
tropfen, alsdann machte er euch zu Geschlechtem" — zu einem 
männlichen und einem weiblichen Geschlecht. 

Oder Sure XVIII, Vers 35: „. . . Glaubst du etwa nicht 
an den, der dich erschaffen aus Staub, alsdann aus einem Samen- 
tropfen, alsdann dich gebildet zum Mann?" 

LVI 58 — 59: „. . .Was euch an Samen entfliesst, habt ihr 
es erschaffen oder erschufen wir es?" 

XVI 4: „Erschaffen hat er den Menschen aus einem Samen- 
tropfen." 

LIII 45—47: „Und dass Er es ist, der tötet und lebendig 
macht; und dass er die Paare erschuf, das Männchen und das 
Weibchen, aus einem Samentropfen, da er ergossen ward." 

Die 76. Sure erwähnt die Vermischung: „Wahrlich wir 
haben den Menschen geschaffen aus dem vermischten Samen» 
tropfen beider Geschlechter." 

Au anderen Stellen wird statt des Samens geronnenes Blut 
erwähnt. 

XCVI 1 — 2: „Lies, im Namen deines Herrn, der erschuf, 
erschuf den Menschen aus geronnenem Blute." 

Wieder an anderen Stellen wird auf den alttestamentlichen 
Vergleich mit dem Thon zurückgegriffen: 

LV 13: „Erschaffen hat er den Menschen aus Lehm wie 
ein Thongefäss." 

XV 28 — 29: „Und gedenke, da dein Herr zu den Engeln 
sprach: , Siehe, ich erschaffe einen Menschen aus trockenem 
Lehm, aus geformtem Schlamm'." 

XV 26 : „Und wahrlich erschaffen haben wir den Menschen 
aus trockenem Lehm, aus geformtem Schlamm." 

Woher kommt der ors^chaffende Same? Darauf antwortet 
die BS. Sure in Vers 6 und 6: „Erschaffen ward der Mensch 



— 285 — 

aus ausflicssendem Wasser, das herauskommt zwisclicn den 
Lenden des Mannes und den Brustbeinen des Weibes." 

XXTL Sure: „0, ihr Menschen, bedenket doch, dass wir 
euch zuerst aus Staub geschafi\m; daun aus Samen; dann aus 
geronnenem Blute; dann aus einem Stücke Fleisch, von teils 
völliger und teils unvülliger Ausbildung . . . Wir lassen das, 
was uns gefällt, ruhen im Mutterleibe bis zu der bestimmten 
Zeit der Entbindung." 

XXIU: „Wir erschufen einst den Menschen aus geläutertem 
Lehm; dann machten wir ihn aus Samen in einem sicheren 
Aufenthaltsorte im Mutterleibe; und dann machten wir den Samen 
zu geronnenem Blute; und das geronnene Blut bildeten 
wir zu einem Stücke Fleisch, und dieses Fleisch wieder zu 
Knochen, und diese Knochen bedeckten wir wieder mit Fleisch, 
woraus wir dann erstehen lassen ein neues Geschöpf" -- nämlich 
einen Menschen, der aus Leib und Seele besteht. 

Die Beseelung und Belebung des Menschen durch Gottes 
Wille und Kraft schildern nachfolgende Koranstellen: 

XV 29: „. . . Und wenn ich ihn gebildet und ihm von 
meinem Geiste eingehaucht habe . . ." 

XXXII 5 — 8: „AJlah kennt das Verborgene und das Sicht- 
bare, er, der Mächtige, Barmherzige, der alle Dinge gut er- 
schaffen, und der des Menschen Schöpfung aus Tiion hervor- 
gebracht hat. Alsdann bildete er seine Nachkommen aus Samen 
aus verächtlichem Wasser. Alsdann formte er ihn und blies 
in ihn von seinem Geiste und gab euch Gehör, Gesicht und 
Herzen." 

LXXXIII 7 — 8: „Der dich erschaffen, gebildet und geformt 
und in die Form, die ihm beliebte, dich gefügt hat . . ." 

LXrV 2 — 3: ,,Fir ist's, der euch geschaffen . . . und euch 
geformt nnd euere Form schön gemacht hat." • 

XVI 80: „Und iUlah hat euch aus den Leibern euerer 
Mütter hervorgebracht als Unwissende. Und er gab euch Gehör 
und Gesicüt und Herzen." 

LXVD 23: „Er ist, der euch erschaffen und euch Gehör, 
Gesicht und Herz gegeben hat." 

XC 8—9: „Machten wii' ihm nicht zwei Augen und eine 
Zunge und zwei Lippen?" 



— 286 — 

LXXVI 28: „Wir erschufeü sie und stärkten ihre Sehnen j 
und wenn wir wollen, vcrtausclieu wir sie mit anderen, die 
ihnen gleich sind." — - — 

Im 2. Buche Moses XXI 22—23 wiid zum Schutze der 
Schwangeren angeordnet: „Wenn Leute einen Eaufhandcl haben 
und dabei ein schwangeres Weib stossen, so dass eine Fehl- 
geburt erfolgt, ohne dass w^eiterer Schaden geschieht, so soll der 
Thäter eine Busse entrichten, wie sie ihm der Ehemann des 
Weibes auferlegt, und soll bezahlen nach dem Ausspruch von 
Schiedsrichtern. Geschieht aber ein Schaden, so soll Einer 
lassen Leben um Leben, Aug" um Äug . . .'' 

Im Alten Testament — Prophet Arnos I 13, 2. Buch der 
Könige VIII 12, Prophet Hosea XIV 1 -— wird mehrfach die 
grausame Kriegsgepflogenheit erwähnt, die Scüwangcrc^n auf- 
zuschlitzen. 

Ein fürchterlicher Aberglaube hen-scht noch heute imtcj- 
bosnischen Dieben und Räubern. Sie pflegen ein im siebenten 
Monat schwangergehendes Weib ab/*;uschlachten, aufzutrennen 
und das Kind ans dem Mutterleib auszuweiden, um es in lange, 
schmale Streifen zu schneiden. Diese werden gedörrt und als 
Kerzen benützt, wenn man ein Hüus plündern will. Denn kein 
Hausl)ewohner kann, so glauben sie, in jt'nem Hause erwachen, 
wo Diebe solche Lichter brennen. 

Der Koran enthält nachfolgende aut Schwangero und 
Schwangerschaft — türkisch: schistan, hebi; arabisch: güboh, 
hiimeiob; persiscli: schlkemdar, harael; indiscli: umeidvar — 
bezügliche Stellen: 

XIIT 9: Allah weiss, was jedes AVeib im Schosse trägt und 
um was sich Schösse verengen nnd ausdehnen. 

Vn 189— 1«0: Allah ist's, der euch erschuf von einem 
Menschen, und von ihm machte er sein Weil», auf dass er ihr 
beiwohne. Und tla er bei ihr gerulit hstt«, trug sie eine leichte 
Last nnd ging umher mit ihr. Und da sie schwor ward, rief sie 
zu Allah ihrem Herrn: „Wahrlich, wenn Du uns ein Fehlerloses 
giebst, wahrlich dann werden wir dankbar sein.'' 

Der Koran befiehlt in der 65. Sure, dass^ wenn man sich 
von einer Frau scheidet, während sie sich in der Schwanger- 
schaft befindet, man für •^ia verwenden müssi;, was sie nötig 
habe, bis sie ihrer Schwangerschaft eutlodigt sei. „Die Zeit 



— 287 — 

der Schwangeren ist, bis sie sich ihrer Schwangerschaft entledigt 
haben." 

Dass eine schwangere Frau nicht mehr aiboitsfähig sei, 
hat einst der Beglerbeg von Rumili, Achmedpascha, mit einer 
charakteristischen Wendung ausgesprochen, als er sagte, „dass 
die Tataren, beutebeladen, gleich schwangeren Weibern, zu 
Kviegsunternehmungen untauglich". 

In früheren Jahrhunderten wurden, wenn eine Sultanin 
guter Hoffnung war, „Solota'' genannte Kettenthaler geprägt; 
Sultan Achmed besonders verherrlichte dui'ch solche Prägung 
die häufigen Schwangerschaften seines Harems. 

Das Gebot der Suspension der Beiwohnung in der Schwanger- 
schaft besteht im Orient vielfach. Schon der Talmud sagt: 
„Wer den Beischlaf am 90. Tage nach dem Beginn der Schwanger- 
schaft noch ausübt, begeht eine Handlung, als wenn er ein 
Menschenleben vernichtet." Bei den Javaaesen, die bekanntlieh 
grösstenteils Moslems sind, wird — sobald das Weib schwanger 
geworden ist — das eheliche Recht aufgehoben und die Ent- 
haltsamkeit mit religiöser Aengstlichkeit geübt. Bei den Persern 
muss die Beiwohnung nach 4 Monaten und 10 Tagen aufhören; 
der Beischlaf über diese Zeit hinaus gilt als todeswttrdiges 
Verbrechen, da man glaubt, dass die Leibesfrucht geschädigt 
werde. 

Abu Naim überliefert folgende Worte des Propheten: 
„Gebet eueren schwangeren Frauen Olibanura zu essen; wenn 
das Weib in seinem Leibe ein männliches Kind trägt, so wird 
dieses Kind einen reinen Körper bekommen; wenn das Weib ein 
Mädchen gebäien wird, so wird dieses ein rundes und üppiges 
Kreuz erhalten." 

Wie in Europa besteht im ganzen Orient die Ansieht, dass 
eine scliwangere Frau von allem essen müsse, wonach ihr Herz 
begehrt. In vidcn Gegenden der Türkei darf sie sich besonders 
jene Speisen nicht versagen, welche ihren Geruch reizen. Wenn 
sie solche Speisen riecht und nicht sofort isst, dann besteht die 
Gefahr, dass sie ihr Kind noch vor der Geburt verliert. Die 
Syrer denken nicht so gTausam. Wenn bei ihnen eine Schwangere 
nicht alles isst, wonach ihr Herz begehrt, so muss das Kind 
deshalb noch nicht zu Grande gehen. Es wird blos mit einem 



— 288 —■ 

Muttermal geboren, das in der Form jener Speise ähnelt, welche 
die Mutter während der Schwang-erschaft sieh vei^agt hat. 

Wie bei den Völkern der Verg'ang:enheit und den meisten 
Völkern der Gegenwart g-ilt der Granatapfel auch bei den Gegen 
in Nordalbanien als Sjmibol der Fruchtbarkeit. Aber wenn die 
Frau, die davon ass, um fruchtbar zu werden, wirklich schwanger 
geworden ist, dann darf sie während ihrer ganzen Schwanger- 
schaft die Granatfrüchte nicht mehr geniessen. Wie bei den 
alten Griechen ist auch bei den Nordalbanesen die Granatf nicht 
nicht blos mit der Vorstellung von Zeugung und Befruchtung, 
sondern auch mit der Furcht vor Vernichtung und Tod ver- 
knüpft. Bei den Gegen in Nordalbanien hat eine schwangere 
Frau ferner noch Folgendes zu beachten: sie darf ausser den 
Granatf rächten auch keine Schnecken essen; und sie darf sich 
während der ganzen Schwangerschaft höchstens dreimal die 
Haare färben. 

Nach serbischem Aberglauben darf eine schwangere Frau 
nicht das Kreuz küssen, sonst wird ihr Kind epileptisch sein, 
nicht über eine Heugabel hinw^eggehen , sonst v/ird ihr Kind 
lahmen; nicht Hasenfleisch essen, sonst wird ihr Kind schielen; 
nicht in das Blut eines geschlachteten Schweines treten, sonst 
wird das Kind rote Flecken im Gesichte bekomnjeri; nicht Fische 
essen, sonst wird ihr Kind stumm werden; nicht ein fremdes 
Kind küssen , sonst setzt sie sich einer Superfötation aus; sie 
soll sich ferner nicht einen kranken Zahn ausrcissen lassen, 
sonst wird das Kind gleich sterben; und endlich mnss sie Acht 
geben , dass niemand einen Schnitt auf ihres Hauses Schwelle 
macht, sonst wird das Kind mit einer Hasenscharte auf die 
Welt kommen. 

Mohammedanische Ansichten in Bosnien : Trifft eine 
schwangere Frau eine Schlange oder einen Fuchs, so wird ihr 
Kind im Leben Glück haben; trifft sie einen Hasen, so wird es 
moralisch verkommen und seinen Mitmenschen zum Schaden sein. 
Um Totgeburten zu verhüten, nimmt die moslemische Frau 
in Bosnien einen Nagel aus einem Hufeisen, das einem ver- 
endeten Pferde abgenommen worden ist. Aus diesem Nagel 
schmiedet ein Schmied um Mitternacht einen Reifen, und diesen 
trägt die Frau bis iiach ihrer Entbindung. Dann legt sie den 
Reifen dem Neugeborenen unter den Kopf. In Bosnien darf eine 



229 

schwangere Frau nicht kaltes Wasser trinken, weil sie dadnrcb 
leicht aboTtieren könnte. Wenn die Bosnierin. Herzego winorin 
oder Serbin während ihrer Schwangerschaft eine weidende Stuia 
sieht, 80 befürchtet man, sie könnre wie eine vStute 11 Mor^ate 
schwangrer gehen und führt ihr ein männliches B'üllcu 7m, dem 
sie in ihrem Schosse Über die Haussch welle, Salz zu lecken ^'bt 

Die Gräko-Wttlachin in Monastir beobachtet, wie Dr. {Sajaktzis 
erzählt, vom ersten Augenblicke an, da sie sich Mutter fühlt, 
eine zahllose Reihe abergläubiscJier Gebräuche aufs Peinlichste., 
um ihrem Kinde dereinst eiu langes Leben zu verbürgen. Sm 
vernachlässigt kein Dogma der lYömmi^keit , sie übt unnnter- 
brochon WohItliätiß:keit, sie trägt alle Talismane, die sie für 
nützlich hält, sie lunwauHelt die Kirche mit einer geweihten 
Kerze und zündet vor dem Mnttergottesbild eine Kerze an, die 
ihrer eigenen Grösse genau entspricht, opfert vor dem Altaie ein 
Hemd, Strümpfe, weisse Leinwand, goldene Bildchen und Figür- 
chen, lässt — wenn sie wohlhabend ist - das Muttergottesbild 
ganz oder teilweise vorgolden. 

. Bei den Juden in Palästina messen schwangete Frauen mit 
einem Seidenfaden die Tcmpelmauer und winden den Faden dann 
um ihre Hüften; dies behütet sie vor dem Verloste des Segens 
ihres Leibes. Den glöichcn ZAveck erfüllt gut ein Gürtel^ mit 
welchem in der Synagoge eine Thorarolle umwickelt war. Andere 
Frauen hängen sieb um den Hals ein Schlosfs, dessen Schlüssel 
sie vorher weggeworfen haben. 

Bei den Christinnen in Syrien steht keint) Schwangere zu 
Gevatter, da man in solchem Falle eine Fehlgeburt odei den 
Tod des Paienkinües befürchten müsste. Wenn ein Obstbaum 
keine Früchte trägt, so braucht nach syrischem Aberglauben bios 
eine schwangere Frau au dem Zweige des UnfruchtDaren einen 
Kieselstein zu befestigen — und der Baum wird Früchte tragen; 
allein da er, finichtbar wejdend, die Frau um ihre eigene Fi'ucat- 
parkeit bringt und dieses Exj)eriment der Schwangeren eine Fehl- 
tgfeburt verursacht, so findet sich keine Frau, welche il5 Wirk- 
samkeit des Mittels erprobt hätte. 

Vielfach wird es für ntöglich gehalten, dass die Fravs s^e- 
«ehwängert werden V.önne durch den Aufenthalt in emeH} Bade, 
ifi dem kurz vorher ein Mann sich befunden hatte. Dass man im 

8t«xn, Medüiri, Aberglaube d. OfSf^Llechti-leben in «ier TUrJceJ. n 19 



— 290 - 

ganzen Orient an die I^Iöglichkeit des sogenannten Versehens 
glaubt, sei hier nebenbei erwähnt. Die älteste Mitteilung- über 
das Versehen findet Professor Ebstein in der Stelle Moses I. 
Buch XXX 38; hier wird bekunntlich erzählt, wie Jakob ge- 
fleckte Stäbe vor die Schafe hinstellte, wenn sie sich begatteten; 
„und die Schafe warfen gestreifte, gesprenkelte und scheckige." 
Interes.saiite Mitteilungen über dieses merkwürdige Thema enthält 
das Werk von Gerh. v. \Vtlse!ibu)-g, „Das Versehen der Frauen 
in Vergangeiiiieit und Gegenwart". 

Nach den abergläubischen Gebräuchen sind nunmehr noch 
einige volksmedizinisclie zu erwähnen; Bei Blutabgang in der 
Schwangerschaft steckt man eine geschälte, mit Pulver von ge- 
branntem Kaffee bestreute Zitrone in den leidenden Teil. Inner- 
lich nimmt die Schwangere eine Abkochung von Zitronenschalen 
und Aloe, mit weissem Zucker versüsst. Bei den Tüikinneu 
wird im fünften oder sechsten Monate der Schwangerschaft der 
Leib der Mutter mit einer festen Binde zusammengeschnürt; 
dieser Druck auf den Mutterleib wii-d fortan bis zum Schluss der 
Tragzeit ausgeübt, damit das Kind nicht zu ^ gross wachse. In 
Sm5Tna und in anderen Gegenden betrachtet man den Aderlass 
an einer Schwangeren als Präservativ gegen die Eklampsie des 
lündes. 

Wenn sich gegen Endo dei Schwangerschaft die Gebär- 
mutter senkt, so wiid in Konstantino pel und in einigen anderen 
Gegenden der Türkei die in gesegneten Umständen Befindliche 
an den Schenkeln ergriffen und iu die Höhe gezogen und solange 
geschüttelt, bis man glaubt, dass die Gebärmatter wieder in die 
richtige Lage gekommen sein könnte. — 

Zum Schlnss ein Kuriosum: Von der Gebärmutter sagen die 
bosnischen Frauen, wie Milena Mrazovic — in den Verhandlungen 
für Ethnologie 1896, 279—284, 51. Antwort — erzählt hat: 
sie sei ein lebendiges Wesen, das bei der Geburt herunterfalle 
und dann wieder auf den normalen Platz znrttrkkehre. 



51. Die Niederkunft- 



Gebäre mit Schmerzen! — Biblische Schildorungeß. — LeicLVc und schwere 
Geburten. — Hebräerinnen. — Die Bosnierin. — Die albancsischon Frauen. - - 
Die Montenegrinerin. — Die Griechin. — Türkin, Porserin, Kurdia und 
Araberin, — Ansichten der Konstantinopelcr Hebammen. — Geheimhaltung 
des Geburtsaktes vor den Minnern und vor Fremden. — Bosnische und 
gtäko-walachische Gebräuche. — Griechisches. — Die Hand der heiligen 
Jungfrau. — Ein Opfer für Aeskulap. — Aberj^läubisohe Mittel zur Er- 
leichterung der (ieburt. — Serbiachecs und Bosnisches. — Amuletc. — 
Türkisches. — Koliquien. — - Erden. — Wirksames Wasser. — Krumen vom 
Sultanstischo. - - Syrisches. ~ Armenisches. — Persische«. — Dan Locken 
des Kindes durch Süssigkeiten und Spielzeug. — Wohlthütigkeiteakte bei 
den Spauiolen. — Volksmittel gegen schwache Wehen. — Altarabiache 
Mittel. — Bougies. — Blutcutzündungen. — Schütteln der Gebärenden. — 
Massagen. — Das Sitzen auf iSteinon. — Erschütterungen der Gebärenden. — 
Die Lagen der Patientin. — Das Hocken. — Aus der Praxis meines FreundcB 
Dr.Beck. — Im Schosse der Hebamme. — Der Gebärstuhi. — Operationen. — 
Kaiserschnitt. — Was mir Dr. Gjorgjewitsch erzählte. — Türkiacher 
Brauch. — Eine furchtbare Sitte der Juden von Beirut. — Nach der 
Geburt. — Die Nachgebart. — Die Nabelschnur. 

Im 1. Buche Moses heisst es — Kap, DI. 16; „Ich will dir 
yiel Mühsal bereiten mit Schwangerschaften; mit Schmerzen 
sollst du Kinder gebären." Andere Stellen schildern die Art 
dieser Schmerzen. Psalm 48. 7: „Beben ergriff sie, Zittern wie 
eine Gebärende." Jeremies VI. 24 klagt: „Schlaff sind unsere 
Hände, Angst hat uns erfasst. Zittern wie eine Gebärende." 
Jesaja Xril. 8 sagt: „Krämpfe und Wehen packen sie, wie eine 
Gebärende winden sie sich." Jeremias IV. 34 ruft ans: „Ge- 
schrei höre ich, wie von einer Kreissenden, Angstruf wie von 
einer Erstgebärenden." In Hosea Xm. 13 werden die Schwier 
keiten angedeutet, die den normalen Verlauf hindern: „G^burtd 
wehen erfassen es, aber es gleicht einem unfolgsamen Kinde, 
denn wenn es Zeit ist, tritt es nicht in den Muttermund." la 

19* 



— 292 — . 

Jesaja XXX VU. 3 heisst es: „Das Kind ist bis an den Mutter- 
mund gekommen, aber es ist keine Kraft da, es zn gebären." 
In solchen Fällen vertraute man der göttlichen Hülfe, vertraute 
man JelioYah, der in Jesaja LXVI. 9 tröstet: „Werde icb etwa 
das Kind dein Durch brucbe nahe bringen, ohne es gebären zu 
lassen?"' 

Die hebräischen Frauen gebären im allgemßinen leicht Die 
äg^iüisciifa Kebaoimen sagten zu Phaiao: «Die hebräischen 
J>aUi3i3 smd nicht wie die ägyptischen, sondern kräftig," Sie 
schlosseü dies daraus, dass die Hebräerinnen, ehe die Hebammen 
zu ihnen gekommen waren, schon geboren hatten, 

In Bosnien ist die Niederkunft im Allgemeinen leicht. Die 
Gebiirtshtilfe besteht dort, wie Milena Mrazovic erzählt, häufig 
blos daiin, dass die Gebärende in das Gebärhaus geführt wird. 
Zur Erleichterung der Niederkunft nimmt die Gebärende eine 
Mischung von Oel und Branntwein als innerliches Medikament. 

Die Aibanesinnen lasse» sich durch die Schwangerschaft 
nicht iß ihren gewohnten Arbeiten stören und kommen häufig 
während der Feldarbeit xdeder. Dann packen sie da« Neu- 
geborene in ihren Brustlatz und eilen heim, um sich ins Bett 
m iegeUf nicht wegen ihrer Bequemlichkeit, sondern wegen der 
Sitte und wogen der Angst vor dem Verhextwerden. 

Auch die Montenegrinerin kommt häufig auf dem Felde oder 
im Walde nieder, fern von aller Hülfe. Sobald sie sich ela 
wenig erholt hat, packt sie ihr Kind in ihr© Schürze oder in 
ihr Kopftuch. Im nächsten Bache schöpft sie Wasser, um das 
Neugeborene zu waschen. Dann wandert sie heim und legt sich 
ins Bett, um ebenfalls der Sitte eher zu folgen, als ihrem wirk- 
lichen Ruhebodürfnis. 

Die Griechin hat bei der Geburt im Allgemeinen keine 
langwierigen Schmerzen. 

Von den Armenierinnen und Türkinnen iu Konstantinopel 
berichtet Rigler aus vielfacher Erfahrung, dass sie häufig unter 
unregelmässigen Geburten leiden. Im Allgemeinen und besonders 
in den unteren Volkskliissen begegnet 6ie Geburt schon deshalb 
keinen grossen Hinderoisseü, weil die Frauen Ton Kindheit auf 
gewöhnt .sind, auf deji Knieen zu sitzen oder mit auseinander- 
gebrcitettn Knßoen zu bocken j weil sie ferner eine bequeme 
Klciduüg tragen und ^icl Dampfbäder gebrauchen. 



— 293 — 

In der Beachrcibang seittor Reise nach Palästina bemerkte 
Hasselquist schon vor anderthalb Jahrhnnderten: ».Die Fraaen- 
zimraer hierzulande g'ebären ganz loi'^ht und selten hört man, 
dass eine Fran eine schwere Gebm*t g'ehabt, viel weniger, dass 
sie iJir Leben dabei zugesetzt hätte. Und dies gilt besonders? 
von türkischen Frauen.*' Und Oppenheim, welcher im ersten 
Drittel des neunzehnten Jahrhnndertg die sanitären Zustünde 
in der eui'opäischen und asiatischen Tärkei studieiie. bestätigte 
diu Angabe von Rasselquist mit folgenden Worten; ^Die Ent" 
bindnugen der Frauen sind, da U('))erkaltnr und Mode den Körper 
nicht entstellen und verstümnielu. nicht mit den Schwiürigkeiten 
und Beschwerden verbunden, wie. häufig im kultivierfcon Europa. 
Sie gehen oft ))ei den tüikischen Weibei'i so leicht von statten, 
doss sie davon überrascht sind, ehe die Hebanmie da7.i]ikoxiinit** 
Das Gleiche sagt Morier von den Perserinnen: „Sl<: sind oft 
bereits entbanden, bevor die Hebammen ankommen, niiä die 
unteren Klassen entbinden sich solbst.** Ohardin bemerkte: „Der 
Oeburtsakt ist hfü der Perserin ein normaler, weil der Körper 
nicht durch Schntirbrüste eingeengt und die Kleider nicht am 
Bauch, sondern am Hüftbeinkamm gebunden simi'* Ebenso leicht 
gebären die Frauen der Kardon und der Beduinen. Die Araberin 
hört man kaum schreien. 

Die Eotbindnng helsst türkisch: doghurlik; arabisch: tolad; 
persisch: zaiden; indisch: dschomanö. 

Die Konstantinoj)elfer Hebamuien bestimmen gtswöhnlich ans 
der Zeit, welche bei einer Geburt verÜiessi, ob dieselbe his 
regelmässig oder unregelmässig zu gelten habe; je scl^nellor sie 
verläuft, desto besser. 8ie fordern die Kreissende fori und fort 
auf, sich zu drücken. Für die Leichtigkeit, mit woJcher die 
Geburten von statten gehen, ist d>vs Wort einer berühmten Heb- 
amme beweisgebeud, welche eine»' Kreissoriden, bei der sich erst 
naeh dreistündigen Wehen der Muttermund zu i'Mnen begönnen 
hatte, zurief: „Drücke, drücke nur ein bischen! ist 'lenn das 
Kind ein Stein geworden? Bei Gott, 'ich habe noch nie in 
meinem Leben eine Gebart so lange dauern sehen!" 

Bei den bosnischen P'amilien hält man den Goburt.sakt vo?- 
den Männern des Hauses möglichst, geheim. Besonders ant dem 
Lande herrscht dieses Bestreben. Wenn die Frau die Wehen 



— 294 ~~ 

2u spüren beginnt, schickt man die Männer nnter allerlei Vor- 
wanden fort. 

Die Gebräuche bei den Gräko- Walach en in Monastir ver- 
langen ebenfalls die Heimlichkeit. Dr. G^org Sajaktzis hat diese 
Sitten seiner Heimat in seiner von mir bereits mehrfach erwähn- 
ten Abhandlung in der Zeit jhrift des Vereins für Volkskunde 
— IV. 1896, 134—148 — geschildert: Sobald die Vorzeichen 
der Geburt emtreten, wird zunächst das Lämpchen vor dem 
Marienbilde angezündet und heimlich die Wehmutter gerufen. 
Die Heimlichkeit, welche selbst vor den Hauabewohnern bewahrt 
wird, geschieht deshalb, damit die bösen Geister nichts erfahren 
und den Verlauf der Gebnrt nicht st<iren. Die Hebamme hütet 
ebensolches Stillschweigen, selbst ihrer eigenen Familie gegen- 
über verrat sie nicht, wohin sie gerufen worden ist. Glaubt 
man äbei?, das« trotz aller Vorsicht lientc, die an dem Vorgang 
nicht ganii. intim beteiligt sind, von der bevorstehenden Nieder- 
kunft zufällig erfahren haben, so forscht man die Betreffenden 
aus. Ist es eine Frau, so führt man sie zßr Gebärenden, lässt 
sie den Mund voll Wasser <%ehmen und die Wöchnerin damit 
besprengen. Ist's ein Mann, den man doch nicht zur Wöchnerin 
führen kann, so nimmt man heimlich seine Schuhe, schüttet 
etwas Wasser hinein und lässt es auf Lippen und Brust der 
Wöchnerin tröpfeln; findet man seine Schuhe nicht, so nimmt 
man ihm sonst einen Gegenstand, der ihm gehört:, heimlich fort 
und lässt ihn bei der Wöchnerin als Versicherung gegen 
Schaden. 

Wenn in einem griechischen Hause eine Geburt bevorsteht, 
so öffnet die Hebamme alle Schlösser, alle ThUrcm, Kiiüten und 
Koffer, da nur dann .die Geburt eip.e leichte sein könne. Wer 
im Zimmer der Gebärenden sich bclindet, darf nicht hinaus, 
ehe nicht das Ereignis vorüber ist; auch lässt man währenddem 
keinen Menschen von draussen ins Zimmer herein. Wenn die 
Geburt schwierig ist, klopft der ELemann der Frau mit einem 
Schuh auf den Rücken und spricht: „Ich entlaste dich, wie ich 
dich belastet habe." Dieselben Worte spricht zu gleichem 
Zwecke auch der serbische Ehemann. Zur Erleichterung der 
Geburt hält es die Griechin ferner für dienlich, dass man die 
Räume des Hauses mit einer gewissen Manze bestreue; diese 
Pflanze nennt man wegen ihrer handähnlichen Form: Cheri 



— 295 — 

Panagfias, die Hand der heiligen Jungfrau. Geschrei in der 
Nähe der Gebärenden hält man ebenfalls für nützlich. 

Bei den Griechen "wird zaweilen Im Augenblick, da das 
Kind aus dem Mutterieibe hervorzutreten beginnt, einem Hahn 
der Kopf abfjescbnitten. Der deutsche Konsol Röser, der diese 
Merkwürdigkeit bekannt gab, meinte, man könnte daliei vielleicht 

an ein Opfer für Aeskulap denken, dem der Hahn heilii/ T\ar. 

Wenn die serbische Frau ihre schwere Stunde nalien fühlt, so 
beginnt sie allerlei abergläubische Gebräuche und Formeln zu be- 
obachten, um sich eine leichte Geburt zu sichern. Wie vor 
ihrer Trauung, so bindet sie alle Kiiotou in ihren GewUndora 
auf. Sie löst jetzt aber auch alle Knoten und Flechten in ihrem 
Haar. Durch ihre Remdbrust wirft man ein Ei auf den Boden 
oder Pulver auf ein Feuer und zerreisst dann das Hemd von 
oben nach unten. MancLTual zieht man die Gebarende durch 
einen Keifen, der von selbst vom Fass gesf>nuigtJi ist. Oder 
man wendet einen Sack auf die linke Seite und gibt dann 
daraus der Frau Wasser zu trinken. Nützlicher ist es ihr aber, 
wenn sie Wasyer aus den Schuhen ihres Mannes trinkt, wie 
überhaupt ihrem Manne ein Teil der Aufgabe zufällt, dujch aber- 
gläubische Mittel der Frau Erleichterung in jener Stunde zu 
veischuiten, die sie ihm verdankt. Er trägt sie im Zimmer 
herum und spricht dabei: „Ich gab dir die Last und will dich 
auch davon befreien." Und er bläot dreimal in ihren Mund 
und sie Idäst dreimal in seinen Mund. Oder der Mann nimmt 
ein Gewehr und gibt über dem Leibe der Frau einen Schuss 
ab, um das Kind zur Bewegung anzuspornen. 

Wenn die Wehen stärker werden, bläst die Frau kräftig 
in ein Rohr oder trinkt Wasj^er aus dem Munde ihres Mannes. 
Oder sie kriecht ihrem Manne zwischen den Beinen durch, wäh- 
rend er sie mit ihrem Hochzeitskleid auf die Kreuzgogend 
schlügt; auch wenn man sie mit einem Stocke, mit welcliem 
man einen Frosch von einer Schlange befreit hat, auf die Kreuz- 
gegend schlägt, ist es erleichternd für die Geburt. 

Die Bosnierin, Herzegowinerin und andere südslavische Frauen 
beobachten ähnliche Gebräuche zur bleich terung der Geburt, 
wie sie bei den Serbinnen üblich sind: sie lösen die Knoten in 
den Kleidern und die Flechten in den Haaren auf. Sie werfen 
ein Ei durch den Busen auf die Erde und zwreissen das Hemd 



— 296 — 

yoffi Brustlatz bis 2nin unteren Kandsamn. Daneben sind liier 
einige besondere Hüi'JsaiiUei. bekannt: man betet vor allem eine 
gewisse ÄnzabJ Vafceruut>cr. Man lässt sich mit gerösteten Meer- 
zwiebelschalen beräuc]iei7i. Man kocht 10 Eier in siedendem 
Wasser solange, bis sie ganz zerspringen und dann trinkt die 
Ocbäreude das Vv'asser. Auch trinkt sie Wasser aus ihres 
Mannes Händen oder Schuhen, es muss aber ein vorher unbe- 
rührtes, anbesprochenes Weisser sein — ein. Wasser, bei dessen 
Transport von der Quelle bis zum Hause die Trägerin kein Wort 
sprechen, ein Wa^sor, von dem für andere Zwecke nichts ge- 
nommen werden darf. Vorzögert sich die Geburt noch immer, 
so streut man Nüsse zwischen die Füsse der Gebärenden, 
gleichsam, um das Kind zum Spielen oder Naschen zu locken; 
oder man setzt die Gebärende in die Nähe des Ofens und gibt 
ihr, obeufalis um das Kind zu locken, in die rechte Hand eine 
Holzhacke, in ciie linke eine Spindel: ist es ein Knabe, so lockt 
ihn die Hacke; ist es ein Mädchen, so lockt sie ciie Spindel. 
Auch legt man der Fraa ein Ei auf uon Nacken und lässt es 
den Rücken binabroljeu. Fernere Sitten sind: flas Bestreichen 
des Unterlei))s mil; den Zipfeln der Tücher, weicht, sich l^Yauen, 
die bereits geboren haben, um den Leib gewunden hatten; ein 
leichter Scliiag mit dem Gürtel t?ines Mädchens auf das Kren?, 
der Gebärenden, wobei eine besondere Formel gesprocheL wird ; 
das liösen der Zöpfe eines Mädchens über der Gebärenden. 

Wenn die Bosuierin schv^er entbindet, begit bt sie sjch, wie 
M Ilona Mrazovifc ei-zählt, zu einer Quelle, füllt eui Gefäss mit 
Wasser, lässt dieses durch ein Loch im Boden ausrinnen und 
sagt dabei: „Prije diete palo, neg so voda iz posude izliia, eher 
das Kind als das Wasser aus dem Topfe." 

Die bosnische Mohammedanoriu nimmt bei schworer Ent- 
bi/idung in jede Hand das Exemplar eines Araulets, auf welchem 
s»i«h folgende Fornjel in türkischen Zitfern befindet: 




— 397 — 

Ein anderes moslemisches AmuJet, das der Gebärende n auf 
den Unterleib gebunden wird, um die Entbindung' zu erleiclitern, 
oder das in die \'ier Ecken des Zimmers gelegt wird, enthält 
anf Papier die Abschrift der ersten Sätze der 84. Sure des 
Korans, der „Sure derZerroissung". jjWenu der Himmel zerreisat, 
gehorchend seinem Herrn päichtgezwungen; uad die Erdi sich 
Ausdehnt und herauswirft, was in ihr ist: und sich leeret, 
gehorchend ihrem Herrn püichtgezwungen — dann, o Mensch, 
wirst du dich bemühen, um zu deinem HoJTn zu gelangen, den 
dn auch treiTtn wirst." 

Wenn eine Türkb. in Geburtswehen sich befindet^ Iftsst ihr 
Ehemann die Thüren der Dscbami oder Moschee öffnen und übt 
wohlthätige Werk*?, beschenkt die Schulen, verteilt Almosen, 
jj kauft einen VcgeJ ujid schenkt ihm die Freiheit. Die Gebärende 
i' nimmt wenn möglich einen Schluck Wasser vom heiligen Semsem- 
brunnen zu Mekka, von jonem Brunnen, welchen ein Engöl der 
Hagar in der Wüsie zeigte. Auch ein Stückchen Kerze, das 
i ein Pilger an Mohurameds Grabe angezündet und heimgebracht 
■ hat, ist ein gutes Medikament. 

Bei achwachen Wehen bringt man esinen Haulen Ente, 

^ stammend aus heiligem Lande — sie ist für solche Zwecke im 

1 Bazar zu haben — packt ein Säckehen damit voll und bindet 

, es der Gebärenden auf den Rücfcon. Die Mohammedauerinnen 

verwenden. Erde, welche die Pilger aus Mekka mitbringend^ die 

' Christinnen und Jüdinnen beziehen die helfenden Erdmassen 

aus Jerusalem. Aber die Frauen aller drei Religionen glauben 

inbrünstig an die Wirksamkeit des Heilmittels. 

Zuweilen nimmt man solche Erde sogar als innerliches 
Medikament in einem Glase Wasser. Am nützlichsten ist die 
Erde, wenn sie von den Friedhöfen helliger Orte stammt. 
Erden werden besonders von persischen Frauen, und zwar vor- 
zugsweise gern in den letzten zwei Monaten der Schwanger- 
schaft in den Mund genommen und langsam verzehrt. Zu den 
beliebtesten Erden gehören nach Dr. Polak: zwei indische 
Arten tabaschir, Magnesiakalk, nämlich labaschir-e-kalami, aus- 
geglühte ßambusknoten , und tabaschir-sadaft, ausgeglühte 
Muschel; gii-e-armeni, armenischer Bolus; gil-e-daghi-stani, 
kaukasischer Bolus, und mehmre andere Bolusarten; padzeher-e- 
kaswini oder padzeher maadeni, Tailierde von Kaswin, Halloisit 



— 298 — 

oder Orawizit von Mahalat, ein Thonsilikat; cinig-e tierische 
Korkremente, namentlich Bezoar- und Harnstein. Durch Uebung 
erlangen die Pcrseiinnen einen feinen Geschmack für Erden; 
sie unterscheiden sofort die verschiedenen Arten und machen 
sich gegenseitig leckere Bissen, welche sie muatter — wohl- 
riechend — nennen, zum Präsent 

Am fünfzehnten Tage des Monats Eamasan. der Mittfpste, 
wird in Stambul das Kleid des Proplieten in des Sultans und des 
Höfstaats Gegenwart enthüllt und zum Küssen gegeben. Der 
Oberst Waffen Wäger wischt nach jedem Euss das heilige Kleid mit 
eiDcm Musselintuch ab, welches der Küssende als angerührt zum 
rührenden Andenken erhält Nach dem Kleidkusse wird der i^c- 
küsste Teil in grossem süberaen Becken gewaschen, das Wasser 
vom Kislaragassi in viele Fläychdicn verteilt und mit seiricm 
Siegel vers(!hQü denou, die der Feierlichkeit beiwohnten ge- 
sendet. Die Pri-^zen; die Sultaüinnen, die Statthalter des iloici.s 
erhalten solche Fiäschchen heiligen Wassers, welche den lieber- 
bringern reiche Geschenke eintragen. Einige Tropfen dieses 
Wassers werden in das erste Glas Wasser gegossen, womit an 
diesem Abende die Faste gebrochen wird, und die Kraft des- 
scliicD gilt sowohl als liettung bringend bei Feuersbrünsten als 
auch heilbringend in allen Krankheiten, besonders bei schweren 
Entbindungen. Obwohl die Menge des zu genanntem Zwecke 
verbrauchten Wassers eine ganz geringe ist, wird doch im Laufe 
eines jeden J;)iires von frommen Leuten eine Rie;-;eümengo ver- 
kauft und gekauft. 

Einem Beamten der sultanischen Hofkücbo verdanke ich 
die Kenntnis eines GebraucLes, welcher erst in den letzten 
Jahren aufgekommen zu sein scheiLt. Mohammedaner, Christen 
und Juden srlaubeu nämlich alle gleich aufrichtig d<iran, dass 
die Brotstücke, welche der Padischah abbricht und liegen lässt 
die Kraft besitzen, den Frauen ihre schw eren Stunden zu 
lindern. Es werden deshalb <!iese Brotstückcben sorgfältig 
gesammelt, in Tüll gewickelt und verschenkt an Personen, die 
danach verlangen. 

Den Metawilenfrauen in Syrien legt man, um die Ent- 
bindung zu beschleunigen, ein Papier mit t'olgeader Inschrift 
auf den Kopf: „Ich habe meine Mahlzeit gehalten und meinem 
Esel zu fressen gegel)en; es ist mir gleichgiltig, ob die Frau 



— 299 — 

des Richters niederkommt oder ob sie ihr Leben lang- nicht 
niederkommt." Die gute Wirkung dieser Forme], die man sicher 
erwartet, schreibt mau allerdings nicht dem Wortsinu, sondern 
der geheimnisvollen Zusammenstellung der Buchstaben zu. 

Wenn die Entbindung schwierig ist, trinkt die Syrerin 
Wasser aus cien Schuhen ihres Mannes — es ist also ein ähn- 
licher Gebrauch, wie bei den sfidslavischen Völkern, auch bei 
den Bewohnern Syriens uud Palästinas anzutreffen. In Aleppo 
isst die (Jebärende einen mit Tabakraueh durchzogenen bräun- 
lichen fetten Thoü — l^etten — doit Terebat Halebieh genannt. 
Dieses iTcdikament soll einen geringen Kalkgehalt und keinerlei 
organische Beimischungen haben. 

In den Dorferu der Armenier an der türkisch-persischen 
Grenze ist es üblich, neben die Gebännde einen Säbel zu legen 
und auf dem flachen Dache des Hauses eine Reihe von Puppen 
aufzustellen, die als Sold.'itou angezogen sind uud durch Fäden 
bewegt werden; auch wird, wie bei den Serbinnen, über der 
Gebärenden eiii Schuss ans einer Flinte abgefeuert, um die 
Dämonen zu vertreiben. Als Geburtshelfer dient manchmal ein 
— Schimmel. Man legt nämlich auf den Busen <!er Frau einen 
Haufen Gerste und lüsst letztere von einem ungesattelten Schimmel 
von der Brust der Schwangeren wegfressen. 

Um der Perserin die Geburt zu erleichtern, wendet man 
sich, wie bei den Türken, zunächst au die Barmherzigkeit Allahs. 
Man beschenkt die Moschee und lässt Gebete sprechen. Man ge- 
denkt der Armen und Krauken und lässt ihnen Almosen zukommen. 
Wenn der Kojjf des Kindes zum Vorschein gekommen ist, aber 
lange zögert, bis er sich durchdrückt, so beginnt die Hebamme 
- ganz wie bei den Südslavcn und Bosniern — das Kind zu locken, 
indem sie vor dcrOeffnung Spielzeug und Süssigkeiten uud Wäsche 
hinlegt und dem Kinde winkt und sagt; „So komm, so komm doch!" 

Wenn eine spauiolische Jüdin ihrer Niederkunft entgegen- 
sieht, so präludiert man ihr vor allem mit wohltätigen Werken. 
Beim Eintritt der ersten Wehen hält man der Frau — was übrigens 
auch bei den Juden in Europa geschieht — eine Schale mit 
Gel vor das Gesicht, damit sie sich darin wie in einem Spiegel 
an8(;haue , dann schickt man das Oel in die Synagoge. Zieht 
sich die Ge]>urt in die Länge oder befürchtet man einen schlimmen 
Ausgang, so vergräbt man die Kopfbedeckung der Gebärenden 



~ 300 — 

im Grabe eines verstorbenen Verwandten, liest im Geburts- 
zimnier einen Woeheimbscbnitt aas der Tbora, lässt über dem 
Bette der Leidenden „Scbofar'* blasen und zahlt der Synagoge 
etwas, damit die Bundesiarie geöSnet werde 

Bei schwacben Weben sieben neben den WuQdcrmitteJn des 
Aberglaubens verscinedene v olksraedlkameute in Gebrauch. Von 
denselben ist besonders ein Pflaster zu erwäbnen, weichen in 
Konstatitinupel gebraucüit wird und nach Professor ßigier folgende 
Substanzen enthält; Gniniai ammoniacumj Galbanum, M3'rrbe, 
Olibanum, Tutia praeperaüi, Minium, Dracbenblnt und — Perl- 
mutter. Mehrere dieser Substauzen sind auch in der europäi- 
scheu MefUzin bekannt 33as Galibanum boispielsweise, ein stark 
aromatisches, terpentinartig schmeekendes Harz das aus Persien 
stammt, wurde früher in Europa innerlich gogm Frauenleiden 
verordnet und wird jetzt, wie in der 1'üxkei, vi^üaeh zur Her- 
stellung von Pflastern gebraucht. Minium dient in Europa eben- 
falls als Snbstanx: für Pflaster. Da« rote Drachenolntharz. 
weiches einst im Abendlaude wie Galbanum ein inneriiches 
Medikament war, wird jetzt allerdings nur noch für Zahnp\Uver 
benützt. EndJich sinct auch Olibanum, Weihrauch und die dem 
Weihrauch verwandte Myrrhe in Buropa gut bekannt. Die aus 
Arabien stammende Myrrhe insbesonders dient als innerliches 
balsuffiisehos Mittel gegen Leiden der Atnmni^'Sörgane, gegen 
Verdauungsstörungen, Magenkatarrii, äusserlich ais Tinktur zum 
Verbinden schlecht eiternder Geschwüre und schliesslich auch 
zur Herstellung von Mundwässern und ZahnmittoJn. Die Griechen 
gebrauchen Myrrhe in den Kirchen statt des V.'eihraucbs. Dieses 
Pflaster klebt man der Gebärenden auf df^n Rücken. Als inner- 
liches Mittel wird der Kranfeen manchmal ein Medikament aus 
Eigelb mit Branntwein oder eine Mischutig von Weihrauch, 
Uusehlitt und Ruta verabreicht. Das letztgenannte Kraut war 
auch schon bei den Alten ein beliebtes Ärzueimittei gegen Ver- 
giftungen und Pest; es wirkt erhitzend. 

Da die Aerxtc im alten Arabien keine oder nur seltene 
Gelegenheit hatten, praktische Geburtshülfe zu treiben, empfahlen 
sie den helfenden Frauen zumeist zahlreiche äussere Mittel bei 
schweren Entbindungen. Ali ben Abbas riet: neben Bädern und 
Oei-Einrejliungen zu Räucherungen von Mauleselhufen Zuflucht 
zu nehmen. Rhasca und Abulicasem empfalilen: Oel-Binroibuugon, 



^ 801 — 

Dampfbäder, Injektionen in die Geburtateile and Niessmittcl. 
Rbases riet den Hebammen, da wo es nötig soi, die Eihäute 
mit de;: Xä^eln oder mit einem kleiner Messer zu öffuen, v.as 
in fiüheren Zelten auch die deutschen Aerzte thaten In der 
Türkei ist das Sprengen der Blase mit einem Stück Holz, um 
die Geburt zu beschleunigen, nicht seiton; dabei geschieht es 
manchmal, dass die Kopfhaut des iündes vom Holz, wenn es 
kantig ist, zerrissen wird. 

Die griechischen und römischen Geburtshelfer benützten 
medikamentöse Bougles oder Pessi, die man in die weiblichen 
Teile einlegte. Der lateinische Name Sief longia ist in dem 
Worte Schiaf bei den Arabern und Persern ebenso erhalten 
geblieben, wie das damit bezeichnete iiittel selbst. 

In Konstantinopel und in anderen Gegenden wird häufig 
zur Erö&umg des Muttermundes an denselben Hasenschmalz mit 
Honig oder gerösteten Zwiebein angelegt. 

Die Bosnierinnen legen einen mit Gel begossenen und er- 
wärmten Stein an die Genitalien oder stellen einen Topf mit 
warmem Wasser zwischen die Oberschenkel der Gebärenden ^ 
und geben frische Bdolraute auf ihren Unterleib. 

Allgemein hält man Blutentziehungen für nützlich, um die 
Entbindung za erleichtern. Den Griechinnen entzieht man Blut 
an der Muttervene oder an der grossen Zehe. 

In Kleinasien versucht man das Kind in die richtige Lage 
zu bringen, indem man die Gebärende in ein Bettleintuch legt, 
das dann von vier die Enden haltenden Frauen gehoben und 
geschüttelt wird. Anderwärts ^vird die Gehörende an den 
Beinen in die Höhe gehoben und auf der Erde hin und her ge- 
wälzt. Von den Aerzten im alten Griechenland wurde die Ge- 
bärende sogar mit dem ganzen Bette in die Höhe gehoben und 
geschüttelt. Zuweilen nimmt eine kräftige Frau die Gebärende 
auf den Schoss und massiert ihr fest den Unterleib, wobei die 
Leidende liäuüg selbst mit drückt. 

Bei den Tscherkessinnen besteht die ganze Hülfe der Hebamme 
darin, da,ss sie der In knieender Stellung Gebärenden den Unter- 
leib streichelt 

Wie die deutschen Aerzte bis zum sechzehnten Jahrbimdert 
grossen Wert auf das Streichen und Drücken des Unterleibes 
legten, so war auch von jeher und ist noch heute im Orient das 



— 302 — 

Mahisieren als Mittel zur Erleichterung der Geburt üblich. Viele 
arabische Stämme haben eigene Spezialistinnen für das Reiben 
des Unterleibes und der Lendengregend der Gebärenden, um da- 
durch die Wehen zu verstärken. Die Bearbeitung* der äusseren 
Weichteile dauert während der ganzen Geburt. Die Hebamme 
dehnt die Teile mit den Fingern aus und massiert die Genitalen, 
bis der Kopf des Kindes erscheint. 

Andere Methoden bestehen in bestandiger Erschüttenmg 
der Kniee der Gebärcndcu oder in der Beugung der Kniee oder 
in Bespritzung des Bauches mit kaltem Wasser. Auch setzt 
man die Gebärende auf heissc Ziegel oder auf Gefässe, in wel- 
chen Heu oder Stroh abgekocht wurde. 

Der französische Arzt Goguel ward auf einer Reise in 
Arabien im Jahre 1858 in das Zelt eines Scheiclbs gerufen, um 
bei einer Entbindung seinen ärztlichen Beistand zu leisten. Wie 
er später in der Parisei Gazette medicale erzählte, fand er die 
Gebärende auf zwei flachen Steinen sitzend. Bei jeder Wehe 
zog sie sich an einem, vom Mittelbaiken des Zeltes herab- 
hängenden Tau in die Höhe, um dann wieder auf die Steine 
herabzusinken. Zwei helfende Frauen spannten d^s Tau manch- 
mal höher, um die Gebärende zur Entfaltung grösserer Energie 
zu zwingen. Auch hoben sie beim Eintritt einer Wehe die 
Kreissende an den Schultern auf und schüttelten sie hin und 
her wie der Müller den Mehlsack schüttelt. 

Bei den Spaniolinnen wird d:e gebärende Frau gleich- 
falls tüchtig geschüttelt, damit das Kind in die richtige Lage 
komme; zu diesem Zwecke wird sie in eine Decke fest einge- 
wickelt und dann hin und her geschleudert. Bei zögerndem 
Verlaufe der Gebort reibt die als Hebamme fungierende Person 
die Kreozgegend der Leidenden und massiert ihren Unterleib. 
Schreit die Gebärende nicht stark genug, so zwingt man sie 
dazu, indem man sie heftig z-«ickt. Manchmal muss die Ge- 
bärende über Stiegenstufen springen, mvt die Geburt, zu erleich- 
tem, oder sich auf zwei Stühle setzen, die man plötzlich unter 
ihr wejizieht. 

Verschiedenartig sind die Lagen, in wtic-t.en die Frauen in 
der Tiirkoi niederkommen. Nach den FeststeDungen von Pioss- 
Barteis and Eugf^lmann, welche über diesen Gegenstand aus- 
führlicher berichtet haben, als ich es im Rahmen meines Buches 



- 303 — 

zu than veruiag, gebären liegend: die spaniolischen Jüdinnen; 
"halbliegend oder hintenflbergelelint sitzend: die Griechinnen, 
Türkinnen, Cypriotinnen, Syrerinnen, Araberinnen und die Frauen 
in Palästina; sitzend: die Frauen in Palästina und Arabien; 
hockend oder kauernd: die Araberinnen und Perserinnen; knieend 
endlich: diö Perserinnen, Armenierinnen und zuweilen auch die 
Griechinnen. 

Im alten Griechenland knieten die Frauen oder sie befanden 
sich in halber Kückenlage auf dem Bette oder sie sassen hiutouüber- 
gelehnt auf einem niedrigen Sessel, gestützt auf eine Gchüllin; 
die modernen Griechinnen gebären zumeist in letzterer Lage: 
auf einem niedrigen SesFcl sitzend, richtiger halbliegend, ange- 
lehnt an eine helfende Frau; seltener kommt das Knieen vor. 

Die Perserin kniet auf zwei Steinen. Oder sie hockt und 
stützt Kniec und Hände auf je drei Zicgelst-eiue, welche in ge- 
ringem Abstände voneinander aufgetürmt sind. 

Die Araberm iu Bagdad hockt, wie mir Doktor Bernhard 
B«ck berichtete, auf zwei flachen Steiiieu, zumeist ohne jede 
Sttitze, nur zuweilen klammert sie sich ein ein Seil. In anderen 
Gegenden kommt die Araberin in hall)liegcuder Stellung auf 
einem Stuhl oder auf dem Schosse einer Gehülfin nieder. 

Die Armenierin kniet zumeist während ihrer Niederkunft. 
Die Türkin befiuilet sich auf dem Schosse einer Qebüllin, oder 
halbliegend auf der Bettmatratze oder einem niedrigeu Sessel, 
oder kauert auf dem Errlboden und stützt die Hände an die 
Wand. Die Bauern veiber m I'aiästina setzen sich beim Ge- 
bären auf ein Kissen oder hock(;u auf Steinen. In den Städteu 
Palästioüs, uamectlich in Jerusalem, kennt man, ebenso wie in 
Syrien und vielen anderen Gegenden der Levante, den Gebär- 
stahl. In Syrien befindet sich die Ki eissende manchmal auf 
einem Schaukelstuid. Die gebärende Frau sasa im Schosse diir 
Helfenden auch im alten Cypern. P^wcis eine von P!oss im 
Louvre zu Paris im Jahre 1878 bemerkte, früher nicht be- 
schriebene Thonfiguren-Gruppe aus Cypcna. 

Die von manchen Autoren vertretene Ansicht, dass die Hc- 
bT'ierimien auf dem Schosse anderer ge"baren, scheint dem Pro- 
fessor Ebstein nicht ausreichend gestützt. Er sagt: Im 1. Buche 
Moses XXX 3 fordert Rahel den Jakob auf, dass er ihrer Leib- 
magd Bilha beiwohne, damit sie auf meinem Schosse gebäre." 



— 304 — 

Aber im 5. Verse heisst es lediglich; „«iid sie gebar dem Jakob 
einen Sohn.'* Dass die Entbindung aof dem Schosse einer an- 
deren Person erfolgte, ist nicht ^esa^k Deshalb sind Raheid 
Worte rein syiu bolisch zu nehmen: „damit mein Schoss «ns 
ihrem Schosse i^inder gewinne''. 

iJem Gebärsiabl, v/elcher gegenwärtig ajisser in der Türkei 
änch nodi in China, Japan, Oriechenlaad nnd Ae^ypten in Ge- 
branch ist. wird ein bobe.s Alter zn^escbrieben. Die Hebräerinnen 
im .Alten Palästina diu-ften iiin gekannt haben; na<jh anderen 
Ajisichten eryrarteten sie jedoch gleich den hentigen Äraberinnen, 
ihre Entbindnng auf zwei Steinen hockend. 

Professor Ebstein meint aus mehreren Bibelworfen ableiten 
zu können, daes der Gebärstuhl bei den Hebräern in Gebrauch 
war; er zitiert 2. X^nch Moses I. 15 and Jercmias XXX. 6: 
„Wänim sehe joh denn alle Mitoner mit dun Hlindcn in den 
Hüften, eine)' Gebärenden gleich?*' 

Die Ai-abeannor aor vergangciibeit gebrauchten den von 
den berühmten arabischen Aerzten vielfach enkpfoMonen Gebär»- 
stnhl häufig. JBtirdasVnrhöudcnseindesC^ebärstnhlsim aben Cyp^ra 
zeugt eine 1871 auf dieser Disel tod Genenü ai Cesnola entdeckte, in 
New -York befindliche Gruppe, welche vor 2200 Jahren ge- 
bild.et wurde nnd eine eben beendete (joburt cTarsteilt Ergel- 
mann beschreibt diese Gruppe folgend emiassen : Auf niederem 
■Sessel, in haibziirückgeiehnter XjAge, mbt die Wöcbacrin. Ihre 
Beine, noch v^'dt aüßeiKandergC!:)prej>*t. siüd mit einem Bettlaken 
bedeckt. Während hinter ihr t^ie ßeiitau kaiot und an üirer 
Schulter das Haupt der Leidenden lohnt:, sitzt vor der Lety.teren, 
zwischen deren Schenkel», ant tini^Tn ^:an'^. räodrigfn Schemel 
die Hebamme, das eben herausgezogeiie Kind auf den ArmoD 
haltend . . . Dieses vor 22 Jahjhjinderten dargestellte Gebären 
findet Doch hente in Oypern fast unverändert $t,att. Auch die- 
Foroi des Gsbärstuhls, welchen die irc-fiammen in O^'-peim gegen-*- 
wärtig gfcbraucheu, und der sie selbst von Hans zu Haus tragen, 
ist die gleiche wie vor Jahrtausenden: der Stahl hat zwei Arm- 
lehnen, da« Loch im Sitze ist mit eiwe«r. eigentümlichen First" 
vei-sehen, um den Schenkeln das weiteste Auseinanderspreizen' 
zu erloirhtem. 

Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Gebärstuhl in ganai 
Kleinasien, in gi-csson und kleinen Städten, in Döi-fern und auf. 



— 306 — 

» 

dem Lande fast allgemein in Gebrauch. Auch heute wird er in 
verschiedenen Landern des türkischen Reiches vielfach benutzt, 
namentlich, wenn die Ci^burt etwas länger dauert 

In einigen Gegenden ist der Gebärstuhl ein grosser hölzerner 
Stuhl mit grader Lehne uud rundem Ausschnitt im Sitz. Docl 
ist der runde Ansschnitt der seltenere, der gewöhnliche dagegcL 
ist halbkreisföimig. Eigentümlich ist der in Syrien gebräuchliche 
Gebärstuhl; er gleicht einem Schaukelstuhl mit beweglicher 
Lehne und gibt der Gebärenden die Möglichkeit, dem Körper 
verschiedene Neigungen zu gestatten. Der Sitz befindet sich 
etwa zwei Fuss über den Walzen und ist derart halbkreisförmig 
ausgeschnitten, dass er den Austritt der Frucht ermöglicht. 
Während die Hebamme mit ihrer, mit Speck oder Olivenöl 
bestrichenen Hand den Damm der Gebärenden stätzt, wird 
deren Oberkörper von einer, neben oder hinter der Ereissenden 
sitzenden Gehülfin im Schosse gehalten. Jede bessere Diyeh 
oder Hebamme in Syrien hat ihren Geböxstuhl, den «ie, wie 
ihre ägyptische KoDegin, von Hans zu Haus trägt. 

Mein vielzitierter Gewährsmann Dr. Beck hatte in Bagdad 
während seines mehrjährigen Aufenthaltes auch häufig als 
Geburtshelfer assistiert. Er machte mir hierüber folgende Mit- 
teilungen: Die Gebärende erwartet in hockender Stellung das 
Erscheinen ihres Kindes. Sie hockt auf einem am Boden auf- 
gehäuften Aschenhügel, die beiden Füsse ruhen auf flachen 
Steinen. Li dieser für eine Gebärende gewiss nicht bequemen 
SteQung verharrt sie ununterbrochen, mögen die Wehen noch 
ßo lange dauern. Vor dem Hause erscheint währenddem nach 
Bagdader Sitte eine Musikbande, um durch Lärm den Schmerz 
der Kreissenden zu betäuben und das Kind mit Jnbel zu 
begrtissen. Auch das Zimmer der Gebärenden ist eine Stätte 
wüsten Geschreis. Alle Nachbarinnen und Verwandten sind 
gekommen, um dem Ereignisse beizuwohnen. Sie essen und 
trinken, schwatzen und zanken, rauchen Nargilleh und verpesten 
die Atmosphäre. Geht die Entbindung normal von statten, dann 
gleitet das neugeborene Wesen auf den Aschenliaufen und man 
hilft der W^öchnerin sich eine bequemere Lage zu scheuen. 
Wenn aber die Geburt schwierig ist, dann -vagt die Kabb*, dje 
Hebamme, unglaubliche Greuel. Man stellt aie Frau auf den 

Stern, Mediziu, Aberglaube n. Gesobl«chtaIeben in der Tttrkei. ZI. 20 



— 306 — 

Kopf, and während zwei Weiber die Beine der Aermaton 
möglichst weit auseinanderreissen, schneidet die Kabli im Mittel- 
fleisch mit einer gewöhnlichen, manchmal rostigen Schere, oder 
gar mit einem Küehenmesser, unbarmherzig solange herum, bis 
die Ooffnnng so gross ist, dass man das Kind herauszerren 
kann. Wenn die Patientin dabei verblutet, macht man sich 
nicht viel daraus, denn auf die Gebärende wird keine grosso 
Rücksicht genommen. Unangenehmer wird dagegen die Sache 
für die Hebamme, wenn bei dieser barbarischen Operation viel- 
leicht dem Kinde eiü Arm oder Bein abgetrennt wird. Die 
Bagdaderin ist an harte Behandlung gewöhnt, und daher sind 
auch die Fälle nicht so häufig, wo sie durch mangelhafte 
Pflege oder ungeschickte Behandlung bei der Entbindung zu 
Grunde geht. 

Bei den Beduinen wird das Kind manchmal in einem Sieb 
aufgefangen, während die helfenden Frauen den Bauch der 
Mutter drücken. 

Kunstgerechte Operationen und namentlich der Kaiser- 
schnitt werden noch immer selten ausgeführt. Dr. Wladan 
Gjorgjewitsch, der frühere serbische Ministerpräsident, und 
Reformator des serbischen Sanitätswcsens, erzählte mir einmal 
von einer kühnen Operation, die eine Serbin von Pritschtina 
an sich selbst vollführte: Geplagt von dreitägigen Wehen 
ergriff sie verzweifelt ein Rasiermesser und führte an ihrem 
Leibe den K.aiserschnitt aus. Eine Nachbarin nähte die Wunde 
zu. Und Mutter und Kind blieben wohl. — Don persischen 
Aerzten und Hebammen verbietet das Gesetz den Kaiserschnitt 
nach deiii Tode. Es befiehlt sogar, ein Kind zu töten, welches 
aus dem toten Mutterleib herauskomme; da Lebendes nicht von 
Totem geboren werden könne, kann ein solches Kind kein 
Geschöpf Gottes, sondern nur des Teufels sein. 

In der Türkei umgeht man das auch dort bestehende Ver- 
bot, wenn eine Schwangere stirbt, das Kind aber deutliche Zeichen 
des Lebens gibt 

In Palästina begnügt man sich gewöhnlich, „das Kind aus 
dem toten Mutterleib dadurch zu entfernen, dass man einen 
Schlüssel an den Mund der Toten legt." 

Bei den Jude« in Beyrut beobachtete Lu4wig August Frankl 
eine grauenvolle Weise, eine als Schwangere verstorbene Frau 



— 307 — 

«u begraben: Wenn die Leiche gereinigt nnd in das Toten- 
gewand gehüllt ist, so spähen die Leichenwäßcherinnen mit Ange 
nnd Ohr, ob sich in der Toten das junge Leben rege. Ist dies 
der Fall, so schlägt man auf den Leib der Leiche los, bis es 
in ihm völlig mhig geworden ist. Denn entehrend für die Tote 
und ihre Angehörigen wäre es, wenn man ihre Leiche zu 
offnen wagte; und Sünde wäre es, das Lebende lebendig zu 
begraben. 

Wenn die Geburt glücklich vorüber ist, so erwartet man mit 
ängstlicher Spannung das Abgehen der Nachgeburt, die man 
türkisch, arabisch und persisch: meschimeh nennt, während sie bei 
den Gräko-Walachinnen „das Häuschen des Eandes" heisst; sobald 
sie zum Vorschein gekommen ist, wird sie, nach mazedonischeai 
Brauche, entweder in der Erde des Gartens oder in der Scheune 
vergraben oder in fliossendes Wasser geworfen. Das gleiche 
Vorgehen ist in Bosnien üblich. 

Geht der Mutterkuchen nicht bald ab, so wendet man in 
Konstantinopel folgende Mittel an: Man durchsticht die Nabel- 
schnur, zieht durch die entstandene Oeffnung einen Faden und 
bindet die Nabelschnur so an den Schenkeln der Leidenden fest. 
Dann gibt man der letztei-en Fischthran oder Branntwein mit 
Pfeffer zu trinken; oder man steckt ihr, um sie zum Brechen 
zu reizen, einfach den Finger tief in den Hals; oder man reicht 
ihr eine Flasche zum Hineinblasen. 

Aehnlich ist das Verfahren in den anderen Gegenden der 
Tttrkei, um die Nachgeburt herauszutreiben. 

Die bosnischen Mohammedanerinnen werden massiert oder 
blasen in eine leere Flasche. 

Die Griechinnen lassen sich den Unterleib reiben und drücken 
•und stecken gleichzeitig die Finger oder gai- ihren Zopf in den 
Mund, um Brechreiz zu erzeugen. Oder man hebt die eben 
Entbundene mehiere Male hoch empor und lässt sie dann heftig 
herabfallen. 

Wenn das Kind Muttermäler oder Auswüchse hat, ^'''^*- man 
gewöhnlich ein Stückchen des frischen Mutterkuchens auf die 
Fehler und hofft dadurch deren Ausmerzung zu erzielen. 

Fast in der ganzen Türkei ist es üblich, das neugeborene 
Kind nicht gleich durch Trennung der Nabelschnur, sondern 
erst zusammen mit dem Mutterkuchen zu entfernen. Erst dann 

20* 



-. 308 — 

wird die Nabelschnur mit einem Messer oder einer Schere oder 
einem anderen Instrument dnrchschnitten, znweüen auch ein- 
fach von der Mutter, der Hebamme oder einer anderen Frau 
durchbissen, worauf das am Kinde befindliche Nabelschnnrendo 
mit der Flamme eines Wachslichts angebrannt und endlich 
unterbunden wird. Bei den bosnischen Finnen wird die Nabel- 
schnur nicht mit einer schere, sondern gewöhnlich mit dem 
Messer oder der Sichel durchschnitten; geschieht es mit der 
Schere, so wird das nächste Kind ein Mädchen. 

Die syrischen Frauen warten 20 bis 40 Minuten nach 
der Entbindung auf das Erscheinen der Nachgeburt. Ist diese 
in dem genannten Zeitraum nicht abgegangen, dann schneidet 
man die Nabelschnur durch und bringt die Wöchnerin zu Bett 
In Jaffa bemüht sich die Hebamme, sofort nach der Entbindung 
die Nachgeburt herauszubringen. Sie drückt auf den Nabel mit 
aller Anstrengung, bis sie ihren Zweck erreicht. In Jerusalem 
bindet die Hebamme die Nabelfchnur mit einem Bindfaden am 
Fusse der Patientin fest. Dann taucht sie ihre Finger in Gel 
ein und schiebt sie in das Mittelfleisch, um die Nachgeburt zu 
erfassen und herauszuziehen. Erst nachdem die Nachgeburt er- 
schienen ist, unterbindet die Hebamme die Nabelschnur. Sie 
lässt beim Durchschneiden der letzteren einen Rest von 3 Fingern 
lang am Körper des Kindes, umhüllt diesen Rest mit Watte und 
Fäden aus Baumwolle und Zwirn und brennt das Ende mit 
einem Wachslichtflämmcheu ab, um einer Blutung aus dem Nabel- 
strang vorzubeugen. In Eriwan wird von den armenischen Heb- 
ammen die Nabelschnur gleich nach der Geburt mit einem 
wollenen, baumwollenen oder seidenen Faden unterbunden und 
dann mit einer Schere durchschnitten, ohne Rücksicht darauf, 
ob die Nachgeburt schon abgegangen ist oder nicht. D'e Per- 
serinnen lasst'U von den helfenden Frauen die Nabelschnur so 
lange ziehen und reissea, bis die Nachgeburt zum Vorschein 
kommt. Die Weiber der arabischen Nomadenstämme, welchp bei 
den Wanderungen in der Wüste in ihrer schweren Stunde häufig 
ganz allein in ihrem Zelte gelassen werden, schneiden die Nabel- 
schnur selbst ab. 

Im A^ierglaiibcn der morgenländischen Völker nimmt die 
Nabelsciiiiur tei^ien grossen Plntz ein. Bei den Gräko-Walachen 
wird der abgefallene vertrocknete Nabelstrang — Afalos, das 



— 309 — 

alt^'echische Omphalos — von der Mutter sorgfältig aufbewahrt, 
besonders vor Nässe geschützt, da sonst das Kind an Leibweh 
leiden würde. Nach einigen Jahren wird er hervorgeholt und 
dem Kinde gezeigt, damit ihm alles, was es unternehme, ge- 
linge. Man sagt von einem Vielbeschäftigten: „Der hat seinen 
Afalos gesehen." Die Mutt«r hütet sich aber, den Afalos ihres 
Kindes anderen Kindern zu zeigen. — Die Hebammen in Syrien 
geben Acht, dass sie deii Neugeborenen die Nabelschnur nicht 
zu knapp abschneiden ; diese Vorsicht sichert dem Kinde eine 
schöne Stimme. Wenn es ein Mädchen ist, thut man zu diesem 
Zwecke noch ein Weiteres: man bestreicht die Lippen der 
Kleinen mit Staub, den man unter der Thürangel des Geburts- 
zimmers hervorkehrt. Der Nabelrest muss eingesalzen werden — 
sagt man endlich; geschieht dies nicht, dann wird das Kind 
einen üblen Geruch aus dem Munde haben. 



52. Die Wöchnerin, 



Erste Behandlung der Niedergekommenen. — Konntantinöpeier Gebrauch — 
Was mir I'r. Beck aus Bagdad berichtet. — Syrische Wöchnerinnenkost. — 
Jaffa. ~ Palästina. — Benennung der Wöchnerin, — Die 40 Tage. — 
Qräko -W^uachiache Sitten. — Beräucherungen ron Mutter und Kind. — 
Furcht vor Dämonen. — Unreinigkeit der Wöchnerin. — Hebräigchee. — Alt- 
Griechisch ;3. — Neu-Griechisches. — Aberglanbieche Aneicht jn. — Die 
Wöchnerin nnd die Küche. — Wöchnerin und Coitus. — Marolüanische Ge- 
bräuche. - - Schutz der Wöchnerin vor bösem Zauber. — Bosnischer Schutz- 
spruch. — Äibanesische Schutzmethoden. — Gebote und Vi.rbcte betreff* 
Wöchnerin und Neugeborenes. — Die weissen Nymphen bei den Gräko- 
Walachen. ~ Täuschung der Geister. — Das Feuer bei der Wöchnerin. — 
Jüdisches aus Pal.stina. — Syrisches. — Vorschriften über Wöchnerinnen- 
Besuche. — Verbot des Verleihens von Feuer, Salz und Brot. 

In Konstantinopel bearbeitet die Hebamme gewöhnlich den 
Körper der Niedergekommenen in folgender "Weise, um den 
Teilen, welche durch die Entbindung gelitten haben, die alte 
Lage wiederzugeben: sie drückt den Bauch, sie hebt die Hände 
der Leidenden in die Höhe und stösst sie hin und her, dann 
umbindet sie den Unterleib, und auch den Kopf, fest mit Tüchern. 

Tn Bagdad müssen die Frauen, wie mir Doktor Beck er- 
zählte, sofort nach der Entbindung eine Riesenportion gestossener 
Nüsse, Mandeln und Pistazien nebst Zimmt und indischen Ge- 
würzen verschlingen. Das nennt man: Hatter kuwet el rasfad, 
wörtlich: zur Stärkung der Herzsi>itze. Merkwürdigerweise 
schadet diese seltsame Herzstärkung nicht allen Wöchnerinnen. 

In Syrien gibt man der Wöchnerin am ersten und zweiten 
Tage Haramelbrühe oder Hühnersuppe; darauf sechs Tage hin- 
durch blähungtreibende Getränke und Zimmttheo. Erst vom 
neunten Tage ab bekommt sie feste Nahrung, anfangs in geringen. 



— 311 — 

dann in immer grösseren Portionen, Wo die Volksmedizin allein 
nichts nützt, muss wieder der Aberglaube aushelfen. Einer Frau, 
welche nach der Entbindung starke Schmerzen im Untcrleibe 
erduldet, gibt man in Syrien, aber ohne daas sie es merken 
darf, die Schuhe ihres Mannes unter die Kopikissen, und die 
Schmerzen hören sofort auf. 

In Jaffa erhält die Niedergekommene gleich nach der Ent- 
bindung ein kleines Glas BranntweiQ; zuteilen vorher auch ein 
Glas Olivenöl. In Jerusalem bekommt sie Branntwein mit 
Muskatnuss oder Wein mit Olivenöl, nach di-ei oder vier Stunden 
Kamillenthee oder Hühnersuppe, manchmal Chokolade. Während 
40 Tagen trinkt sie nie frisches Wasser, sondern nur Ab- 
kochungen von Orangen bluten. 

Die persische Wöchnerin isst während der ersten drei Tage 
nur Vegetabilien in Butter und Zucker. 

lü Palästuia legt die Hebamme der Patientin einen breiten 
Gürtel um den Leib. Die ersten zwei Stunden nach der Geburt 
lässt man die Wöchnerin aufrecht auf ihrem Lager sitzen, damit 
das Blut nicht zu ihr komme, wie man sich in Palästina aus- 
drückt. So leicht die Niederkunft selbst von statten geht, so 
schlimm werden manchmal die Zustände der Kranken nach- 
her. Besonders werden die Blutungen so stark, dass sie häufig 
den Tod herbeiführen. Um die Genitalien wieder in Ordnung 
zu bringen, begleitet die Hebamme die Wöchnerin auf ihrem 
ersten Wege ins Bad; dort wird die Wöchnerin auf den Boden 
gelegt, und die Hebamme treibt ibr mit aller Kraft einen festen 
Gegenstand mögiichyt hoch in den Unterleib hinauf. 

Bei den Bulgaren im Ehodope - Gebirge nennt man die 
Wöchoerin Rozdeuica; das war der altslavische Name für die 
Patronin der schwangeren Frauen. Die Serben und Bulgaren 
haben ihn in diesem Sinne schon vergessen. Bei den Griechen 
heisst die Wöchnerin: Sarantisty, die 40tägige, oder Lechusa. 
Mit der letzteren Bezeichnung verwandt ist die albauesische: 
Ljechone bei den Tosken, und Ljichone bei den Ge^n; in 
Monastir sagen die Gräko-Walachen, nach Sajaktzis: Lechonari. 
Ferner konüt man in Mazedonien den Ausdruck: Rodulja. In 
Palästina nennt man die Wöchnerin: Nafsa oder Nifas. 

Vierzig Tage lang gilt die Wöchnerin überall als Patientin; 
aber nicht überall ist sie es. Unter den südslavischcn Bäuerinnen 



— 312 — 

findet man selten eine, die mehr als zwei oder dcei Tage zu 
Bette ist. Ja, es ist schon beobachtet worden, dass eine bos- 
nische Landfraü, die in der Nacht geboren hatte, am nächsten 
Tage barfuäs am Bache stand, um das Eis aufzuhacken. Die 
Fellachenmiitter in Palästina geht schon am zweiten oder dritten 
Tage nach der Entbindung ihren häuslichen Geschäften nach. 

Die türkischen und arabischen Frauen in Bagdad erheben 
sich schon am dritten Tage. Nur bei reichen Leuten göjint man 
der Frau eine längere Erholungspause. 

Ueber die Gebräuche bei den Gräko-Walachen in Monastir 
berichtet Dr. Sajaktzis: Nach der Geburt müssen um 9 Uhr 
abends alle, die engeren Hausgenossen ausgenommen, fortgehen. 
Man schliesst die Thür ab, zündet in dem aus uralter Zeit 
überlieferten Thymaterion Räucherwerk an, mit welchem man 
an diesem Abend sowohl, als die folgenden 39 Abende, Mutter 
und Kind beräuchert, damit die Uebel, die Schatten oder bösen 
Geister ihnen nicht schaden. Diese bösen Geister überfallen 
unter verschiedenen Gestalten — ak Araberin, schwarzer Stier, 
Hund, Ziege — die Wöchnerin im Schlar; sie träumt von ihnen, 
schreit, schaudert vor Angst, verliert Atem und Sprache, wird 
zuletzt ohnmächtig, zuweilen stirbt sie. Auch schon während 
ihrer gesegneten Zeit sind die Frauen diesen Ueberfällen aus- 
gesetzt und erleiden infolge derselben manchmal eine Fehlgeburt. 
Man erklärt sich diese Ohnmächten so, dass die bösen Geister 
von dem Schatten der Ueberfallenen Besitz ergriffen haben und 
ihn über Land und Meer entführen. Solange die Frau bewusstlos 
ist, sucht man Hülfe durch allerhand abergläubische Mittel; man 
hält der Kranken angezündete Fäden — Fäden, die am Stocke 
des WoJlhaspels im Laufe der Zeit sich entwickelt haben — 
unter die Nase: wie die verwirrten Fäden durch das Feuer, so 
soll durch den Rauch die Verwirrung der Siane gelöst werden. 
Oder man hält der Bewusstloson em "Weberblatt mit seinen 
engen Fächern vor die Augen, damit sie Sehkraft gewinne. 
Endlich: man bildet ans Hochzeitsblumen oder Blumen, die beint 
Feste Johannes des Täufers als Schmuclc gedient haben, einen 
Kranz, durch den die Kranke gezogen wird. 

Die Wöchnerin galt bei den Hebräern als unrein. Im 
ni. Buche Moses XII 2 heisst es. „Wenn ein Weib niederkommt 
und einen Knaben gebiert, so bleibt sie 7 Tage unrein; ebenso- 



— 313 ~ 

lange, als ihre Unreinigkeit infolge des Monat<?flnssef! • währt, ist 
sie unrein. Sodann muss sie 33 Tage lang im Reinigungs- 
Mute bleiben. Sie darf nichts Heiliges berühren und nicht iiis 
Heiligtum kommen, bis die Zeit ihrer Reinigung um ist. Gebiert 
sie aber ein Mädchen, so bleibt sie 14 Tage unrein, wie bei 
ihrer monatlichen Unreinigkeit, und 66 Tage muss sie im 
Reinigungsblute bleiben. Wenn aber die Zeit ihrer Reinigung 
nra ist, mag es sich nm eirien Sohn oder eine Tochter handeln, 
so soll sie ein einjähriges Lamm zum Braudopfer und eine 
junge Taube oder eine Turteltaube zum Sündopfer zum Priester 
bringen. Der soll die Opfer vot Jehovah darbringen und ihr 
Sübne schaffen, so wird sie rein von ihrem Blutflusse." Am 
40. Tage macht ein rituelles Bad sie völlig rein. 

Bei den alten Griechen galt die Berührung der Wöchnerin' 
ebenfalls als unrein und der Beruf der Hebamme als eklig 
Enripides sagt in seiner Iphigeuie bei den Tauriem V 381, 
dass Artemis von ihrem Altare die fernhielt, weiche mit einer 
Wöchnerin, einem. Morde oder einem I^eichnam in Berührung 
gekommen waren: „Zur Reinigung aber," heisst es dort weiter, 
„wuschen am 5. Tage nach der Geburt, wenn man die Amphi- 
dromien feierte und die Reinigung des Hauses vollzog, alle mit 
der Wöchnerin in Berührung gekommenen oder mit der Ent- 
bindung beschäftigt gewesenen Heilenden ihre Hände." 

Die Wöchnerin im alten Athen durfte vor dem 40. Tage 
nicht ins Freie gehen; es war ihr verboten, den Tempel zu be- 
treten, oder eine heilige Handlung vorannehmen. Nach dem 
40. Tage fand ein Fest statt, genannt: Tesserakostos. Dann 
nahm sie ein Bad, das Reinigungsbad, und war wieder 
die Reine. 

Die Gräko-Walachen in Monastir haben, nach Sajaktzis, 
von den Alten alle diese Gebräuche übernommen. Die Wöch- 
nerin, das neugeborene Kind, alle Frauen, die mit ihnen in 
Berührung gekommen sind, gelten als unrein. Alle, die eine 
Wöchnerin berührt haben, dürfen nicht kochen, bevor sie ge- 
reinigt sind. Letzteres geschieht in Monastir in folgender 
Weise: Der Diener des Allerhöchsten kommt, beräuchert alle, 
die bei der Wöchnerin sich befinden, sowie diese selbst und 
das neugeborene Kind, weiht eine mit Basilikumkraut ver- 
schlossene Wasserflasche neben der Wöchnerin und spricht ver- 



— 314 — 

schiedene Gebete. Alle Anwesenden benetzen ihr Gesicht mit 
Weihwasser and besprengen auch die Wöchnerin nnd das Kind 
damit. Die Wöchnerin und das Kind werden ausserdem jeden 
Abend bis zur Vorsegnung mit Weihwasser benetzt Die Aber- 
glftubischeren unter den Frauen, sowie die Hebamme, gehen 
gleich nach der Entbinduug nach Hause und wechseln ihre 
Kleidung, was man auch nach der Berührung eines Toten zu 
thun pflegt; es ist also eine Parallele zu dem von Euripides er- 
wähnten Gebrauche. Selbst das Haus, in dem die Gebmt 
stattgefunden hat, gilt als Yerunreiaigt; es wird berftuchert, mit 
Weihwasser besprengt; im Hause brennt Raucher werk allabendlich 
his zum 40. Tage nach der Geburt. Am 40. Tage werden alle 
Möbel gewaschen oder mit Weihwasser besprengt 

Die Griechin darf während der ersten 40 Tage nach der 
Niederkunft nicht in die Kirche gehen. In der Nähe des Hauses 
einer Wöchnerin verliert jeder Talisman seine Kraft Am 
40. Tage nimmt die Wöchnerin ein Keinigungsbad und begibt 
sich zur Danksagung in die Kirche. Es sind also auch hier 
fast unverändert die altgriechischen Gebräuche erhalten geblieben. 
Bei den Albanesen gilt die Wöchnerin bis zum 40. Tage als 
unrein und darf bis dahin nichts kochen und nichts backen. 

Die Beduinenfrau bleibt nur eine Woche, manchmal weniger, 
selten mehr zu Hause. Aber 40 Tage lang gilt sie als unrein, nnd 
ehe sie wieder als reiner Mensch gelten kanu, müssen auch noch 
alle ihre Gewänder gewaschen sein. 

Die Aegypterin in Kairo gilt 40 Tage als unrein und nimmt 
dann ein Reinigungsbad. Im übrigen Aegj'pton ist die Periode 
der Unreinlichkeit der Wöchneriu von verschiedener Dauer. 

Die Türkin gilt 40 Tage als unrein, ebenso die Armenierin 
und die Spaniolin. 

Die marokkanische Araberin sondert sich für volle zwei 
Jahre ab. Ihr Mann jedoch darf sich ihr nähern, sobald sie 
seit der Entbindung zum dritten Male menstruiert hat. 

Der Aberglaube, dass die Wöchnerin leicht bösem Zauber 
erliege, herrscht bei aüen Völkern im Orient, Man behängt 
daher die Wöchnerin über und über mit Amuleten, man sucht 
durch Zaubersprüche und Zaubermittel ilir Zimmer vor Ki*ankli«;its- 
geistem, vor dem bösen Blick und vor Neid und Rachsucht zu 



— 316 — 

schützen. Auch lässt man die junge Mutter und das Neugeborene 
gewöhnlich nicht allein. 

Die Armenierin bleibt die ersten 6 Wochen nach der Ent- 
bindung nie allein im Zimmer, aus Furcht vor dem TeufeL 

Um Wöchnerin und Kind vor bösen Augen zu schützen^ 
löscht man in Bosnien vor ihnen Feuersglut in Wasser und 
spricht dabei: „Das sind die schwarzen Augen, die N. X» 
verschrieen, ihm Herzleid brachten; wenn sie es sind, mögen 
sie auf den Grund sinken; wenn nicht, mögen sie oben schwimmen." 
Hierauf wäscht man, wie Milena Mrazovic erzählt, Wöchnerin 
und Kind mit dem Wasser und schliesslich gibt man ihnen 
davon auch zu trinken. 

Während der ersten 40 Tage dürfen bei den Albanesen, 
wie Hahn berichtet, weder die Wöchnerin noch das Kind das 
Haus und nachts selbst das Zimmer nicht verlassen, in welchem 
die Geburt stattgefunden hat Dies geschieht aber nicht aus 
Gründen der Gesundheit, sondern aus Furcht vor Behexung. Um 
sich vor der Behexung während dieser 40 Tage zu hüten, wird 
die ganzen 6 Wochen hindurch im Hause sorgfältig ein Feuer 
unterhalten, und davon darf weder ein Span noch eine Kohle 
verschenkt werden; wer nachts in das Haus kommt, muss an 
der Thür über eine lodernde Fackel springen; während der 
40 Tage darf im Hause weder getanzt noch gesungen werden. 

Die ersten sieben Nächte hindurch machen die Nachbarn 
und Nachbarinnen vor der Wohnung einen Heidenlärm, um die 
Wöchnerin und das Kind am Einschlafen zu hindern, weil man 
fürchtet, dass böse Geister ihnen während des Schlafes etwas 
anthun könnten. 

Bei den Gräko-Walachen in Monastir muss, nach den Er- 
zählungen des Dr. Sajaktzie, um Wöchnerin und Kind bis zum 
7. Tage nach der Geburt stets eine dritte Person, eine Getaufte, 
weilen. Nach der Taufe des Kindes ist diese dritte Person 
überflüssig; aber die Mutter muss bis zum 40. Tage ständig bei 
ihrem Kinde bleiben. Ist sie auszugehen gezwungen, so stellt 
sie neben das Kind einen Besen zur Gesellschaft, Alles dies 
geschieht zum Schutze gegen die Anfechtungen seitens sicht- 
barer und unsichtbarer Geister, welche die Wöchnorin und das 
Kind bis zur Vorsegnung oder Taufe verfolgen. Nachts darf 
die Wöclinerin um keinen Preis ausgehen; niemals darf sie sich 



— 316 — 

onter eine Dachtraufe setzen. Denn die w<»issgekleideten, 
blnmengesclimückten Nymphen könnten erscheinen, die Nymphen, 
die man schmeichlerisch; „die Weissen, die Weissen und 
Freundlichen" nennt und von denen man glaubt, dass sie Jung- 
frauen von idealer Schönheit seien. Sie kommen aus den kalten 
Luftwellen, von den Gipfeln der Berj,^e, sie weilen unter Dach- 
rinnen, unter Bäumen, in Brunnen; oder, wie die Klodoncn und 
Mimn\alonen der alten Mazedonier, toben sie mit Ilandpauken, 
tanzen sie unsichtbar, thun sie üebles durch einen heftigen 
Schlag, erwürget in ihren Armen die unglückseligen Menschen, 
die ihnen in den Weg laufen. 

Falls eine Wöchnerin trotz des Verbotes nächtlich ausge- 
gangen und von den Weissen geschlagen worden ist und in 
eine schwere Krankheit verfällt, so geht die Mutter der Kranken 
nm die Mitternachtsstunde -- „wenn selbst das Wasser schläft** 
^— zum Hausbrunnen, zur Dachtraufe, in den Hain, zur Garten- 
qnelle, zum Bächlein im Grase, kurz: zu allen schlafenden Ge- 
wässern und ruft „die Weissen, die Weissen, die Freundlichen 
und Alierschönsten*' mit leisem Liede, in dem sie der Nymphen 
Güte preist und sie anfleht, der Kranken die unbilligerweise 
genommene Gesundheit wiederzugeben, da die Arme getauft und 
eine gute Christin sei. Um die Geister zu versöhnen, beträufelt 
die Bittende die G«isterwohnsitze mit Honig. Zuweilen erhören 
die Nymphen das Flehen; zuweilen aber schlagen sie auch die 
kühne Mutter. 

Um Wöchnerin und Kind vor den „Weissen" zu behüten, 
dürfen auch ihre Kleider und ihre Wäsche nachts nicht upter 
freiem Himmel bleiben. Wenn man das Kind zur Taufe trägt, 
80 gibt man statt des Kindes emen Kopanos oder Wäscheschlägel, 
künstlieh zurechtgemacht und in einer Decke eingehüllt, an das 
Bett der Mutter, damit die bösen Geister getäuscht werden. — 
Bei den Juden In Palästina wird die ganze erste Woche 
am Bette der Wöchnerin gewacht; Tag and Nacht sitzen Frauen 
bei ihr, und in einem Nebenzimmer lesen Männer ununterbrochen 
heilige Bücher. Man hält es für äusserst gefährlich, die 
Wöchnerin auch nur einen Augenblick allein zu lassen. 40, Tage 
lang brennt im Zimmer der Wöchnerin eine Lampe, um Mutter 
und Kind gegen die Annäherung böser Geister zu schützen. — Die 
Christen und Moslems in Palästina behüten die Wöchnerinnen 



— 317 — 

vor dem bösen Blick und anderen Uebeln durch Behftngen mit 
allerlei abergläubischen SchutziTiitteln. Das wirksamste, aber 
auch seltenste, ist eine Goldmünze aus yenetianischen Zelten, 
die man als Aniulet Maschchas oder Muschchas nennt. Man hält 
eine Wöchnerin äusserst empfänglich für schSdliche Einflüsse 
und schwere Krankheiten und sagt von ihr; „Vierzig Tage lang 
steht ihr Grab offen." Nichts Scbädliches darf man von ihr 
oder vor ihr sprechen. 

Ganz unzählbar sird die syrischen abei-glänbischen Ansichten 
und Gebräuche, die mit der Wöchnerin und dem Wochenbett 
zusammenhängen. Ich erwähne hier nach Eijub Abela nur 
folgende: Wer von einem Hause, in dem jemand gerade gestorben 
ist, sich in das Haus einer Wöchnerin begibt, ohne dazwischen 
auszuruhen oder zu urinieren, der bringt der Wöchnerin, nach 
einer allgemein verbreiteten Volksmeinung, den Tod; es ist ver- 
boten, im Zimmer einer Wöchnerin zu stricken, denn das könnte 
den Tod des Neugeborenen verursachen; zu einer Wöchnerin 
darf keine Neuvermählte kommen, sonst verliert die erstere die 
Milch; zwei Wöchnerinnen dürfen während der 40 Tage nicht 
miteinander sprechen, sonst verliert dieienig:e, die zuerst den 
Mund öSnet, ihr Kind. Auch bei den Juden in Palästina dürfen 
sich zwei Wöchnerinnen während des ersten Monats nach ihrer 
Geburt nicht besuchen; gefährlich wird [die Nichtbeachtung dieses 
Verbotes besonders dann, wenn die Mütter bei solchen Besuchen 
ihre Säuglinge auf den Armen halten. Die Wöchnerin soll nicht 
in den Spiegel schauen, sonst wird sie schielend; letzteres passiert 
übrigens Jedem, der nach dem Untergänge der Sonne sich im 
Spiegel beschaut. 

Grimm erwähnt den Gebrauch im Eragebirge: Aus dem 
Hause der Wöchnerin darf kein Feuer, kein Salz, kein Brot 
ausgeliehen werden. Bei den Gräko-Walachen in Monastir ist 
es nicht erlaubt, dass vor dem 40. Tage nach der Geburt des 
Kindes aus dem Zimmer einer Wöchnerin Brot und Wein «nt- 
femt werden, dt mit nicht da« häusliche Glück, dessen Symbole 
sie sind, entiliete; ebenso darf bis zurr? 40. Tage in das Zimmer 
der Wöchnerin ein brennendes läcnt weder hineingetragen, noch 
eines daraus entiernt werden, weil die Dämonen durch das licht 
der Muttermilch schaden könnten. Die Juden in Palästina sagen: 



— 318 — 

Während der ersten Woche darf aus dem Zimmer einer 
Wöchnerin nichts iortgeliehen werden; am wenigsten darf man 
Feuer darans nehmen lassen. In Syrien wird ans dem Hause 
einer Wöchnerin solange kein Feuer an Nachbarn hergegeben, 
bis nicht der Nabel des Kindes vollständig geheilt ist; sonst stösst 
dem Neugeborenen Unglück oder Krankheit zu. 



53. Muttermileh und Ammen. 



Dauer des S&ugens. — Verschreien der Milch. — Qräko-Walachiacho Ge- 

bT&ache. — Älbaoeaische Sitten. — Pemiftche Sitten. — Säulen ist Mutter- 

pflicht. — IJezahlte Ammea. — Ehrung: der Ammen bei den Türken. — 

Hittorisches. — Entwöhnung des Kindes. — Markt für Frauenmilch. 

Wenn man der Wöchnerin in Palästina ein freundliches 
Wort über ihr Aussehen sagen will, so vergisst man nicht, wie 
Frau Lydia Einszier erzählt, zahlreiche Wunschformeln hinzuzu- 
fügen, damit das Lob nicht von üblen Folgen begleitet werde. 
Thut man dies nicht, so ist die Wöchnerin der Gefahr aus- 
gesetzt, eine böse Brust zu bekommen und die Milch zu ver- 
lieren. Aus Angst vor dem Verschreien und Beneiden hält die 
Mutter in der ersten Zeit des Stillens ihre Brust und das Kind, 
wenn es trinkt, vor neugierigen Augen verborgen. Um nicht 
die junge Mutter ihres Milchreichtums zu berauben, nennt man 
die Sache auch nicht beim rechten Namen. Man fragt die 
Wöchnerin nicht: „Hast du viel Milch?" sondern: „Kif dirtik? 
wie ist dein Fluss?" Un^i die junge Mutter antwortet: „Fi 
barake, es ist Segen da." Selbst wenn dritte Personen von 
einer Wöchnerin, und ihrer Milch sprechen, gebrauchen sie diese 
Vorsicht. Man sagt: „Dirratha kanije, ihr Fluss strömt." Oder: 
„Dirratha chafife, ihr Fluss ist leicht." 

Bei den Gräko-Walachen in Monastir erhält — wie Dr. 
Sajaktzis berichtet — das Kind als erste Nahrung Kamillenthee; 
dann kommt es an die Mutterbrust. Während es zum ersten 
Male saugt, hat die Muttor in der' rechten Hand als Sjnoabol des 
Glücks eine Flasche Wein, während eine andere Frau über dem 
Haupte der Wöchnerin in einem Siebe einen Laib Brot hält 
Am dritten Tage bäckt man zwei Weizenkringel — einen kleineren 



~ 320 — 

für das Kind, einon grösseren für die Mutter — „zur Beförderung 
der Milch." Wenn in einer Woche keine Milch sich zeigt, so 
netzt eine alte Frau dea Weizenkringel der Wöchnerin bei 
Morgengrauen in 3 Brunnen, wobei sie kein Wort reden darf, 
damit die in den Brunnen badenden Nymphen sie nicht wahr- 
nehmen und ihr nicht schaden. Dieses Weizengebäck isst die 
Wöchnerin, „damit ihre Milch fliesse, wie das Wasser von den 
Brunnen." Den kleineren Weizenkringel aber hängt man dem 
Kinde um die Hüfte bis zum 40. Tage; dann wirft man ihn iu 
ein fliessendes Wasser, „damit das Kind das Weinen ablege." 
Um sich Milch zu sichern, muss die Wöchnerin femer an einem 
frühen Morgen selbst Wasser vom Hausbrunnen holen, sich damit 
waschen, mit den Fingerspitzen die Brust benetzen und dabei 
flüstern: „Wie dein Wasser, so möge bei mir die Milch fliesaen.'* 
Endlich erwähnt Sajaktzis den seitsamen Gebraucjh der »Milch- 
entziehung" : Hat eine Wöchnerin keine Milch, die Nachbarin 
solche aber in üeberfluss, so thut die erstere Folgendes: Sie 
nimmt zwei Brode unter die Achseln und ein Fläschchen Wsßser 
in die rechte Hand. Damit schieicht sie vor Sonnenaufgang 
heimlich zu einem Baum im Hofe, von wo aus sie die Fenster 
der Nachbarin sehen kann. Wenn sie sieht, wie die Nachbarin 
ihr Kind stillt, hebt sie — genau bei Sonnenaufgang — drei- 
mal die Flasche in die Höhe, murmelt eine Beschwörung und 
— trinkt in drei Schlucken mit dem Wasser die ganxe Milch 
der Nachbarin aus, die nun leer wird wie die Flasche I — Eine 
halbe Stunde von Monastir entfernt, bei Debechane, liegt eine 
Wiese, die „Tisch" genannt wird. Auf dieser Wiese ist ein 
Fleck, welcher „Blätter des Feigenbaumes" heisat Hierher 
wandern die Frauen von Monastir, um ihre Milch „abzuweiden." 
Sie müssen da vor Sonnenaufgang und nüchtern ankommen, wie 
Lämmer auf den Boden niederknieen und dreimal eine Blatt- 
spitze abbeissen, hernach mehrere Blätter nehmen, d^o zu Haus© 
gekocht und genossen werden — und das vermehrt die Milch. 
Die Wöchnerin nährt sich viel mit Bäckereien und Obst, um 
sich bei Appetit und reichlicher liich zu erhalten. Bis zum 
40. Tage darf die Mutter kein anderes Kind stillen, als ihr eigenes; 
nur im äusscrsten Notfall bekommt ein Kind eine fremde Brust. 
Nach Hahn bestehen in Albanien noc^h folgende Gebräuche: 
Gleich nach der Niederkunft der Frau schickt man zum Priester 



— 321 — 

oder zum TsnaFt «ia Gcffiss mit reinem Wasser znra Einsegnen. 
Nachdem üics geschehen, hringt roaB das Wasser in das HaXis 
der Wöchnerin zurück, und alie diejenigen, welche Hebammen- 
dienste geleistet hal)en oder "bei der Geburt zugegen waren, 
waschen sieb mit; einem Teile des geweihten W^assers die Hände; 
das GefSss mit dem Rest aber wird neben dem Bett aufgestellt 
Alle, welcliö in den nächsten Tagen zu Besuch kommeUj tauchen 
die Finger in das geweihte Wasser und besprengen die Mutter 
und das Kin-l mit einigen Tropfen, dem Kinde dabei gute Ge- 
euDdheit, der Matter reiche Milch wünschend. Um der Mutter- 
Amme viel Milch zu sichern, hängt man ihr den Gut kju- 
mesti oder Miichsleio, einen niifehlbaren Talisman, an einem 
farbigen Bande um den Hals. Die iCinder wei-den in Albanien 
erst gegen dns Ende ihres zweiten Lebensjahres Ton der Mutter- 
brust entwöhnt In der leisten Zeit, da sie noch an der Mutter- 
brast sangeijj xuerden si6 aber auch schon mit fester. Speisen 
gcfftttert, wobei die Amme nach altgriechischer Weise die Stöcke 
dem Kinde vorkaut und von Mund zu M»»d gibt Um den 
Tagung zi\ kräftigen, litsst man ihn häu% Wein schlncküo. 
'»- Die Juden in Syrien glauben, wenn man einer Wöchnerin am 
HaJsc oder auf dem Kopf das Rückgrat eines fliegenden Fisches 
befestigt, mnss die Milch der Mutterbrust reichlicher fliessen. 
In Konstantinopel begibt sich die Matter, sobald sie das Wochen- 
bett und das Zimmer verlassen kann, gewöhnlich iu ein warmes. 
Bad; dort macht mau ihr Kataplasmen aus Bohnen und Zwiebeln 
über Brust und Rücken, und dies soll die Milchabsonderung 
befördern. 

Tritt bei einer zuju ei-sten Mal Gebärenden die Warze 
— hulmeh — nicht gehörig hervor, so werden in Persien wie in 
der Türkei junge Hunde angelegt, deren es in den Bazars stets 
eine grosse Menge gibt 

Allgemein meint man im Orient: Wenn eine Mutter, die 
ein Kind nährt, kaltes Wasser trinkt, dann läuft der Säugling 
Gefahr, an Diarrhöe zu erk rankem. Um die so hervorgeifüfeiie 
Krankbeit zu bannen, ist Folgendes zu thuu notwendig: maa 
werfe eine Nadel in ein Glas lauen Wassers und nehme sie nach 
einer Stunde heraus, lasse dann die Mutter etwaa von dem 
Wasser trinken, benetze mit dem Rest die Stirn des Kindes — 

Stern, Mediai«, Ahejglaube a. O«»cblochts!obe» in de» Ttuk«i. 11. 21 



— 322 - 

bei den Moslems in Form eines Haltjmonds, bei den Juden in 
Form eines Sterns, bei den Christen in Kreuzform — und endlich 
nxache man der Moschee, der Synagoge oder der Kirche ein 
kleines Sühngeschenk, nnd alles mnss sofort gnt werden. 

Im afrikanischen Tripolis glauben die Ammen: dass ihre 
Milch vergiftet wurde, wenn ein Dscbardun, eine kleine harmlose 
Eidechse, über ihre Brüste gelaufen ist. Diese Ansicht ist deshalb 
besonders beachtcnsweit, weil bei vielen Völkern die Eidechse — 
ähnlich der Schlange — in Beziehung' znm Weibe g-ebracht wird. 
In der polynesischen Mythologie gilt die Eidechse als heiliges Tier, 
nnd die Legenden erzählen von Frauen, die Eidechsen geboren 
haben. Bei dem Port-Lincoln-Stamnie in Südaustralien heisst es, 
eine Eidechse habe den. Mann von dem Weibe gesondert Frazer 
weist auf die griechtsche Sage hin, nach der eine Prinzessin in der 
Pubertätszeit sich nicht von der Sonne bescheinen lassen soll, da 
sie sonst in eine Eidechse verwandelt werde. Sogar im modernen 
Europa herrschen ähnliche Ideen. Ellis zitiert die Mitteilung von 
Heys: man glaube in Portugal, dass Frauen während der Men- 
struation leicht von Eidechsen gebissen werden; um sich davor zu 
schätzen, tragen sie enganliegende Beinkleider. 

So lange das Kind die Muttermilch erhielt und währejid 
seines ersten Alters, war — nach Psalm X2i, 6 — den Müttern 
oder Ammen der Hebräer empfohlen, die grösste Sorgfalt auf 
ihre Nahrung zu verwenden, den Busen nie unbedeckt, das 
Kind weder bei Tage noch bei Nacht ganz nackt, es nicht 
barfuss oder barhäuptig gehen zu lassen, es nicht an Orte 
zu bringen, die von der Sonne zu sehr getrocknet wurden, 
noch es dem Mondlichte des feuchten Abends auszusetzen, es 
weder am frühen Morgen aus dem Bad zu nehmen, noch es oft 
zu baden. 

Die sogenannte Milchgiotte bei Bethlehem, in der die heilige 
Jungfrau die Nacht vor der Flucht nach Aogypten zugebracht, 
sieht bei den säugenden Müttern imd Ammen, deren Milchfluss 
zu versiegen droht, in grossem Rufe. Die weisse Erdart 
— Bolus — von der die Bezeichnung der Grotte entlehnt ist, 
soll der Legende zufolge so entstanden sein: Als die Jungfrau 
Maria dem Christuskinde die Brust reichte, ßoleu einige Milch- 
tropfen zu Boden, wodurch derselbe sogleich das Ansehen milch- 



— 323 — 

weissen Staubes erhielt Aus der Ei-de der Milchgrotte bereitet 
man kleine runde Kuchen, denen man das Siegel des heiligen 
Grabesord'rus aufdruckt und Amuletenrechte verleiht In Wasser 
aufgelöst and als innerliches MedUcament genoronien, sollen diese 
Pastillen die verslegte Milch uieder In Fluss bringen. 

Bei den Hebräern galt das Säugen als eine der ersten 
I^Iuttejpfliohten. Im ersten Buche Moses 4ü, 25 wird die „Segens- 
fülle aus Brüsten" verherrlicht, in Hosea IX 14 werden die 
„trockenen Brüste'^ beklagt. In den Klageliedern IV 3 ertönt 
der VorNYiirt: „Selbst die Schakale entblössen die Brnst, säugen 
ihre Jungeu; meines Volkes Tochter war grausam ^ wie die 
Straüsse in der Wüste; des Säuglings Zunge klebte vor Dui-st 
am Gaumen." 

Als eine der fürchterlichsten Begleiterscheinungen „des Erd- 
bebens zur Zeit der letzten Stunde" prophezeit der Koran in 
der XXII. Sure, welche „die Wallfahi-t" betitelt ist: „An Jenem 
Tage, da wird eine jede säugende Frau ihres Säuglings ver- 
gessen, und jede Schwangere ihre Bürde abwerten." 

Gute Beispiele werden in der Bibel rühmend erwähnt. Die 
Mutter der Makkabäer sagt im 2. Buche VII 27; „Drei Jahre 
lang- gesäugt habe ich dich . . ." Hannah, die Mutter des Sa- 
muel — erzählt 1. Buch Samuel I 21 — „blieb zurück, als ihr 
Mann Elkana hinaufzog mit seiner ganzen Familie, um Jehovah 
öin Opfer darzubringen, und säugte. ihren Sohn bis zu seiner 
Entwöhnung". Im ersten Buche Moses XXI 8 wird berichtet: 
„Strflh, die 90 Jahre alt war, säugte ihren Sohn Isaak. Und 
der Knabe wuchs heran und wurde entwöhnt." 

Hekuba nährte selbst den Hektor, Penelope den Telemach. 
Lykurg verpflichtete die lacedämonischen Frauen, ihre Kinder 
selbst zu saugen. Demosthenes verlangte die Bestrafung einer 
Athenerin, die ihrem Kinde die Milch einer fremden Frau gab. 
Die alte gute Sitte hat sich im Orient fast überall erhalten: die 
Kinder werden von der Mutter selbst gesäugt. Die Mohammeda- 
nerin erbalt in diesem Falle, dem Gesetze gemäss, vou dem 
Gatten einen besonderen Ammenlohn. 

Koran, 65< Sure: „Säugen euere Frauen ihre Kinder für 
euch, so gebet ihnen ihren Lohn" (der zu ihrem Unterhalte und 
ihrer Kleidung hinreicht). 

Von einem recht kräftigen Knaben sagen die Fellachen in 

21* 



^ 324 — 

Palästina: „Raso mal&n min halib rsnimo^ sein Kopf ist vcü von 
sciaey Mütter Milcfe." Oder; „Hu sclial) aa vom haJib uurnio, 
er hat sich an seiner Mutter Milch satt getrunken." Wenn ein 
Kind nicht kräftig ist, so glaubt man d>^& Grnnd darin zu ftnden, 
dass es sieh nicht an der Muttermiich satt getrankea habe. Nor 
wenn die Mutter stirbt, gibt man dem Kind eine Amme; bia 
eine solche genmdefi ist, "«ird der yerwaiste Säugling Ton einer 
oder mebrcröR Nachbarinnen des Hauses grestiilt In einzelnen 
Fällen geschieht es, dass man die Kinder an Ziegen grosszieht. 

Der Imara el Haiemeim schrieb eine ständige Störung seiner 
Gesundheit dem aoräckgebliebenen Reste Milch einer fremden 
Amine zu, ei\ der er als SäugJlng gesogen ^ als seina 
Mutter sich unwohl befanden hatte- Sein Y&Uit hatte es ge- 
sehen und den Säugling sofort auf den Kopf gestellt, damit er 
das Genossene wieder von sich grMn sollte, aber einige Tropfen 
waren doch zurückgeblieben, und daher ßtÄmmten alle seine 
Leiden, meinte immer der weise Maan, 

Gewohnlich aimmt man nm* dann eine Amme, wenn die 
Matter nicht imstande ißt, ihr Kind selbst zu säugen. Trotzdem 
letzteres bei den Hebräern, als eine der wichtigsten Mutter- 
pflichten galt, waren auch bei ihnen schon bezahlte Aromen 
nicht unbekannt Im I. Buche Moses XXJ.V, 59 und XXXV, 8 
wird Deborab, die Amme der Bebekk^, erwähnt; Deborah blieb 
später dauernd bei Rebekka, genoss grosse Ehran, nnd als sie 
gestorben war, begrub meji sie unterhalb Bsthei unter der Eiche, 
die seither Klageeiche hiess. Ammen waren später besonder 
in den Familien der Könige häufig. Im 2. Buche der Könige 
XI, 2 und im 2. Buche Chronik XXIX, 11 wird erzählt, da«8 
Jehoas, Sohn des Ath»sjahus, vor Äthaljaj die Ihn wie die 
übrigen Königssöhno töten wollte, mit eeiner Amme in der Bett- 
kaimiiej" versteckt wurde. 

Iwi Koran n heisst es: „Wenn ihr wollt, so kftnnt ihr auch 
eine Amme für das Kind nehmen, wenn ihr nur den Lohn, den 
ihr ejugegangen, nach Billigkeit, ihr gebet" 

Koran, 86. Sure sagt: „Wenn sich ötne Schwierigkeit er- 
hebt, dass die Mütter ihre Kinder selbst säugen, so möge der, 
w'elcher viel Venuögen besitzt (nach Verhältnis desselben für 
Mutter und Amme)hergcben, und auch der, welcher nur kümmerlich 



— 826 — 

Tersorgt ist, gebe verhältnismässig: von dem, was ihm Gott 
verliehen." 

Zuweilen ist auch der Wimscli der Mutter, die Schönheit 
ihi'es Büsona zu schonen, der Grund, da«8 man dtsm Kiade eine 
Ainnie isfibt. Die Amaien KonatABtiuopels kommen alle aas dem 
ArchipelagTis, Ton den kleincü griechischen Inseln. Froher 
lieferte die Insel Tino die meisten Ammen nach der tftricischeii 
Hauptstadt; jetjit wird der Bedarf auch von Naxoa, Samos, ChJo« 
und selbst von Kreta bosti'itten. Während der kürzeren *der 
längeren Seereise »mterhalten die Ammen die Milchabsonderung 
gewöhnlich durch junge Rnnde. 

Bei döß Griechen nennt man die Amme: Bagia, B3rsestria, 
Trot'os and Paramana oder Paramanna. Die letztere Bezeich- 
nnng, welche anch Püegemiitter and Erzieherin bedeutet, ist die 
in Konstantinopel gebräuchlichste. 

In den türkischen Häiiserü geniesst die Amme ihr Leben 
lang das höchste Aasehen. ^vena die Mutter stirbt, ist die 
Amme — tiirklsch: Sät ana, Milchmntter — die erste Person 
im Hanse des Sohnes oder der Tochter Im Snltanspalaste wird 
nach dem Tode der Wallde, der Saltassmuttor, die Amme zur Walide 
«rhoben and die angesoheE'^te aller i^Yanen im kaiserlichen Harem. 

Als der grosse Sultan Bajesid der Wetterstrahl sich mit der 
Tochter des Fürsten von Kermian vermählte, schickte er seine 
Amme, um seine Brmi abzuholen. Im Harem des gegenwärtigen 
Saltana Abdul Hamid fniigiert die Amme des Sultans als Walide. 

la Persien erh&lt das Krnd — „baetscheh*' ~ in den ersten 
zwei Tagen keine andere Nahrung als etwas Butter: vom dritten 
Tage an wird es zwei volle Jahre hißdurch von der Mütter, 
in Ausnahmefällen von der Amme, gesäugt. In giaiz seltenen 
Fällen, we3aa die Motter erkrankt u»d in der Eile keine Brust 
zum Säugen findet, wird das Neugeborene einige Tage lang mit 
Kuh- oder Ziegenmilch genährt; von der eigentlichen künstlichen 
ErnftbiDiig der Kinder aber hat man in Persiea keinen Begriff, 
Ist das Kind schwächlich, oder sind die Eltern sehr besorgt 
ßiid ängstlich wegen seines Gedeihens, so geschieht es sogar, 
dMs e« erst zu Ende des dritten Jahres eatwöfeat wird. Nicht^ 
seit«» hatte Dr, Polak Gelegenheit, Kinder an der Mü.tf'' :b; ^str 
zu sehen, welche zur gleidisn Zeit ein itichüges Stuck J^.ojae 
in der Hand hielten uod abwedise^A^i Milci; oder Melone genossen* 



— 326 — 

Als Ammen — dajeh — liebt man Notnadenweiber vom Lande. 
Der Pflegling bewahrt oft eine liebevolle Pietät gegen die Amme 
die ihn gesäugt, bis ins reife Alter, nimmt sie in ihren alten 
Tagen in sein Haus auf und betrachtet sie fast als eine zweite 
Mutter. Ehen zwischen zwei Personen, welche von derselben 
Amme gesäugt wurden — baemsMreh, lyiilcb genossen — sind 
gesetzlich verboten. Wie von os manischen, wurden auch von 
persischen Herrschern ihre Ammen häufig mit wichtigen Missionen 
vertraulicher Natur beehrt. 

Schah Abbas sandte nach Konstantinopel die Amme 
Kotschokopans, welche unter dem lltel des Grabbesuches reiche 
Geschenke für die Saltaniu "Walide brachte. Die Amme, die 
Frau Güliter, frische Rose, wurde ehrenvoll im sultanischen 
Harem bewirtet. 

Am osmanischen Sultanshofe spielten die Ammen zuweilen 
bedeutende politische Rollen. Sultan Mustafa I. ernannte im 
Jahre 1622 zum Gross wesir den Mustafa Pascha aus Lefke nur 
deshalb, weil Mustafas Gemahiin des Sultans Amme war. 

Berühmt wurde in def osmanischen Geschichte die Sklavin- 
Amme Frau Meleki, welche an den obersten Kaffeekoch ver- 
mählt war, Meleki und die Frau Antar, ursprünglich auch 
Lieblingsäklavin einer Waiide, hernach Gemahlin Murtesapascha's, 
welche ihrem Gemahl die Statthalterschaft von Bagdad erwirkte, 
gaben zu dem nicht grundlosen Gerede Anlass, dass „die Herr- 
schaft der Sklavinnen, Günstlinginneu und Vertrauteii wieder 
zu erstehen drohe". Frau Meleki war thatsächÜch eine tiber- 
mächtige und übermütige Günstlingin und fand schliesslich ein 
trauriges Ende bei einem Volksaufruhi. Ihr Gemahl Schaaban 
Chalife, welcher die Ehre, in Gesellschaft vornehmer Herren 
zum Galgen zu schreiteu, nur seinem Weibe dankte, bat, nach 
der Erzählung dos Historikers, nicht zu ihr aiifgehilngt zu 
werden, sondern man möge sie eher herunternehmen. „Diesem 
billigen Begehren ward willfahrt; nachdem er aber erdrosselt 
worden, wurden beide demioeh neben einander aufgehäug-t, 
int Leben und Tode ein unzertrennlichcb Paar von Galgen- 
schwengeln** . . . 

Das Säugen dit Kinder dauert in der Türkei niclit Überall 
gleich lange; bei einigen Vöikejn nur 1 bis 2^ bei anderen ä 
und gelbst ö Jahre. 



— 327 — 

Bei den alten Hebräern wurde das Kind auch häufig mehrere 
Jahre lang von der Mutter genährt. Professor Ebstein verweist 
in seinem Buche über dio Medizin im Alten Testamente auf die 
von mir auch schon früher zitierte Stelle im 2. Buche der 
Maktabäer Vn 27: „Mein Sohn, erbarme dich meiner, die ich 
dich 9 Monat« unter meinem Herzen getragen und 3 Jahre lang 
gesäugt habe." 

Der Koran sagt in der II. Sure: „Die geschiedene Frau 
soll ihre Kinder zwei volle Jahre säugen, wenn der Vater will, 
dass die Säugung vollständig sei. Ihm liegt es dann ob, ihr 
Kleidung und Nahrung nach Billigkeit zu geben. Niemand ist 
aber gezwungen, über seine Kräfte zn leisten. Weder Vater 
noch Mutter können hinsichtlich des Kindes hierzu gewungen 
werden. Der Erbe (nämlich der Vormund) hat dieselben Pflichten. 
Wenn sie das Kind vor dieser Zeit, nach gemeinscliaftlicher 
Beratung und Uebereinstimmung, entwöhnen wollen, so haben 
sie keine Sünde davon." 

Von Ploss-Bartels ist festgestellt worden, dass die Armenier- 
innen in Eriwan, die Levantinerinnen, die fränkischen, siavisehen 
und griechischen Frauen die Kinder 1 bis 2 Jahre stillen; die 
Türkinnen, Perserinnen und in einigen Gegenden die Araberinnen, 
lassen den Kindern etwa 2 Jahre die Mutterbrust; die Armenier- 
innen im Allgemeinen, die Frauen in Syrien und zum Teil auch 
die Frauen Palästinas säugen die Kinder 2 bis 3 Jahre, so wie 
es der Koran und der grosse arabische Arzt Avicenna empfohlen 
haben; in einzelnen Fällen kommt es aber vor, dass die Kinder 
noch mit 5 oder 6 Jahren nicht ganz entwöhnt sind, so zuweil<m 
bei den Fellachen in Palästina, wo man glaubt, dass diejenigen 
Kinder die kräftigsten werden, welche am längsten die Mutter- 
milch genossen haben. Bald wird das Kind aber auch an das 
Brotessen gewöhnt und häufig sein Magen mit anderen schweren 
Speisen überfüllt. Deshalb sieht man in den Dörfern Palästinas 
manchmal Kinder von 3 und selbst von 5 oder 6 Jahren mit 
einem Stück Brot in. der Hand zur Mutter laufen und um einen 
Massa. einen Schluck, bitten. Namentlich ist es üblich, dass 
Witwen ihr jüngstes Kind möglichst lange fortsäugen, weil sie 
meinen, djimit für seine Gesundheit etwas besonders Nützliches 
zu thnn. 



— 328 — 

Bei den Serben datiert das StiUcn der Kinder oft bis znm 
vierten oder füuften Lcbensjahro. Gewöbnllch stillt die Mutter 
das Kind solange, Ms sie wieder schwanger geworden. Wenn 
bei den Serben eine lllutter ilir Kind entwöhnesi will, so „etzt 
sie «ch auf die Schwelle des Zimmers und reicht dem Säugling 
arüoi letzten Male die Brust. Hierauf stellt sie ihn auf den 
Boden» versetzt ihm einen leichten Schlag., ^bt ihm ein Stucfc 
Brot i« die Hand und sag^t: „Das sei deine Mahrno^; fort, Kalb, 
»inter die Rinder!" Ein Kiad, das einmal entwöhut worden i&t. 
darf nach serbischer Meinung nie mehr die Brust erhalten, sonst 
bekoBimt c» böse Augen, Wenn eine Frau, sei es auch nur 
zelt^»eise, nehea ihrem eigenen Kinde ein anderes fremdes Kind 
stiüt, so können sich diese l)ei<jßn Kinder nach sferbischer Sitte 
nie heiraten, sondern werden ate Geschwist-er betrachtet. 

Wird einer Serbia ein zweites Kind geboren, währeM sie 
noch das erste sSugt, so inuss das erste sofort abgesetzt werden, 
auch wenu das zweite tot zur Welt gekoramen ist. Deu» ein 
Kind darf nicht zweierlei Milch trinken, sonst läuft es nach 
serbischem Volksgfaubon Gefahr, ein Hexorich oder eine Hexe 
I ÄU werden. 

Der Augen bück, wo em Kind entwöhnt wird, ist nach 
syrischem Volksglauben nicht bios wichtig für sein körperliches 
Wohlorgeheu, sondern kann auch für seinen Charakter bedeutsam 
werden. V\n zu verhüten, dass der letztere Fall Bftscs mit 
sich bringe» dass der Charakter verdorben werde, wendet man 
föifjfondes Mittel an: Man steilt am Abend ein Gefäss auf den 
Abtritt and läjäst es dort die ganze Nacht stehen. Am nächsten 
Morg^en, dem ersten Morgen nach der Entwöhnung-, zieht man 
dem Kinde zunächst das Hemd verkehrt an und dann holt man 
das Gefäfs aus der Retlrade und gibt dem Kinde daraas seine 
eiste, nicht von der Krust stammende Nahrung. 

Am Tage der Sntwöhnung des Säuglings fanden schon bei 
dt-n alten Hebräern Opferfeste und besondere Foieriic;hkeiten im 
Kreise ' der Familie statt. Im 1 . Buche Moses XXI 3 wird 
erzählt: ^Abraham aber veranstaltete ein grosses Mahl an dem 
Tage, wt> Isaak entwöhnt wurde. **■ Im 1. Buch Samuel T 24 
werden Cn- Opfer, die aus solchem Anlasse stattfauden, erwähnt. 

Aus der Stelle Jesaja VU 14: „Ein jongös Weib wird einen 
Soho gebäreo, von Dickmilch und Honig wird er (eben" — 



— 329 -^ 

foljafert Professor Ebstein, dass schon in jener Zeit Ersatzmittel 
für «lie Fmuenmilcii beizn Aufziehen der .Kinder benutzt vurden. 
Heute findet man solche ErsatKinittel in allen städtischen Apo- 
tiieken di^t Türkei. 

Rekonvaleszenten und durch Au.««v'<chwcif«jngen geschwächte 
Personen i?uchi»n in Persie« durch Genuss von Francumilcli — 
scbire dachter, Tochtermiich - sich die verlorener Kräfte wieder 
zu ersetzen, und '/war in vielen Fällen — wie Polak berichtet •— 
mit unleugbar g^iinstig'em Erfolge. Auf dem Strohniarkt zu 
Teheran kann man oft Nomadenweiber die Milch aus ihrea 
vollen Brfeton an Kraiske verkaufen sehen. Interesisante Details 
cfithält das Werk von Laurcnt-Nagour, „Okknltismns nnd Liebe** 
In dem Kapitel: ^Dfe Zauberkrart der körj>erlichen Ausdünstung- 
und der Frauenmilch". S. 208 ff. 

Wie m dieses; Fällen die Frauenmilch den Absterbenden 
das Leben neö verschaRt, so glauben die Südslavei], dass Frauen- 
milch durch gefährlichen Zauber das grosse Sterlien herbeiführen 
könne: wenn jemand dift MJich von srvvej Schwestern zu einer 
bestimmten Stunde in ein Grab schüttet, so kommt die Pest ins 
Land. Edier ist die Sage der Südslaven ^ welche von einer 
jnngen Frau erzählt, die als Bauöpfer eingemauert wurde und 
die Maurer bat, nur soviel Ranm zu lassen, dass sie durch den- 
selben ihrem Sä^g-liner die Mutterbrost reichen könnte. Zahllose 
bulgariscbfe und bosnische Varianten exivStieren von dieser 
rührenden Geschichte der Mutterliebe und Muttej-treuet Auf 
äer alten Barg Tesasy in Bosniea gibt es eine Stelle, wo nach 
dem "Voiksgiauben aoch heote die Mild« aus den Bi-üsten der 
ftla ßauopfer eingemauert-^n jung'en Frau GojkoTlca hervorquUtt; 
hierher waMfahrten moslemische Frauen , deren Mikh versiegt 
ist. und schaben von der Mauer Staub nud Cement ab; dies in 
MiU?h eifis^nommen, verhilft ihnen wieder axl Mikbreichtum. 

Schliesslich verdient der Gebrauch erwähnt /.u werden, der 
bei den Armenierinnen und MaroBitinnen im Libanon besteht. 
Diese Mütter nehmeö ihre Kinder nicht an die Brust, um sie 
zu sängen, sondera köieeü an der Wicg-e nieder und beugen sich 
mit äer Bmst über das Kind hin, wobei e:u über der Wie^e 
befindlicher Stab ihnen ak »Stütze für die Achselhöhle dient. 



54. Das Kind. 



Glücksh'äubchen. — Das Häubchen als Liebeszaubennittel bei den Serbeo. — 
"Weisse und rote Häubchen. — Dalmatinischer Aberglaube. — Gräko- 
walacbische Ansichten. — Bosnisches und Syrisches. — Erste Behandlung 
des Neugeborenen. — Salz -Abreibungen. — Luft- nnd Sonnenbad in Pa- 
lästina. — Blutentziehungen. — Erstes Bad des Neugeborenen in Mo- 
nastir. — Medizinisches und Abergläubisches. — Das Wickelkind. — 
Schwärzen des Gesichts, um die Geister abzuschrecken. — Ohrringe. — 
Schatzmünzen und Schutzzeichen. — Vorsichtsmassregeln gegen Krank- 
heiten. — Albanesische und serbische Mittel. ~ Persische Gebräuche. — 
Syrische Sitten. — Kussverbot. — Wiegen-Aberglaube. — Kinderkrank- 
heiten. — Ihre Verhütung und Heilung. — Menschenkind und Dschinnen- 
kind. — BMer. — Kinderwäsche. — Das Naasmachen der Kinder. — Eine 
Ursache der Epilepsie. — Das Zahnen. — Altarabischer Milchzahn-Aber- 
glaube. — Das Gehenlemen. — Mittel gegen das frühe Sterben der Kinder, — 
Gebräuche, welche das einzige Kind betreffen. 

Unter den Gebräuchen, die das Kind in seiner ersten 
Lebenszeit betareffen, muss ich zunächst diejenigen erwähnen, 
die an das sogenannte Glückshäubchen knüpfen. 

Bei den Serben heisst ein mit dem Häubchen geborenes 
Kind: Widowit; das Häubchen selbst nennt man: Koschuljiza, 
Glückshemdchon. Doch unterscheidet man weisse und schwarze 
— eigentlich: rote — Hemdchen. Ein glücklicher Mensch 
kommt in einem weissen Hemdchen zur Welt. Das 
schwarze Hemdchen — Crvena Koschuljiza — bedeutet, dass 
das Kind, wenn es ein Knabe ist: ein Hexerich, wenn es ein 
Mädchen ist: eine Hexe werden wird. Wenn man das Unglück 
rechtzeitig kundmacht, kann es nicht geschehen. So erzählt 
Krauss nach Vid Vuletitsch. 

Ein Serbenmädchen, das mit einem Häubchen geboren 
worden ist, trägt dasselbe stets mit sich. Es ist namentlich in 
Liebesdingen wiiksam. Verliebt sich eine Jungfrau in einen 



— 331 — 

Jüngling, und der bleibt kühlen Herzens ihr gegenüber, so 
braucht sie blos den starren Burschen an einer nackten Stelle 
seines Körpers, im Gesicht, am Halse, an den Händen mit ihrem 
Wundorhäubchon zu berühren, und aus dem Eisknaben muss die 
F3amn»e lodernder Liebe zui* Besitzerin des Amulets hervor- 
scbla^en. Auch nach dalmatinischem Aberglauben sind die mit 
weissen Hilubchen geborenea Menschen als Kinder des Glücks 
zu betrachten. Das Häubchen wird in diesem Falle als Amulet 
stets am Körper getragen. Wenn aber das Glückshäubchen 
rötlich ist, so kann daraus leicht ein Hexenhäubchen werden: 
das mit einem roten Haubchen geborene Kind läuft, wie auch 
die Serben glauben, leicht Gefahr, ein Hexerich oder eine Hexo 
zu werden. In Dalmatien glaubt mau ferner, dasa Menschen, 
die mit einem roten Hemdclien zur Welt kommen, Repatsch — 
geschwänzte Menschen — seien; solche Geschwänzte sind, zorn- 
entbrannt, staiker al» andere Menschen. 

Die Öräko-Walacheu in Monastir nennen, nach Dr. Sajaktzis, 
ein mit dem Häubchen geborenes Kind: Me t^^chi, vom Glück 
begünstigt. Das Hemdeben wird von der Hebamme losgelöst und 
auf ein Blatt Papier zum Trocknen aufgeklebt. Da die weise 
Frau dieses vielgesuchte Stück zu entwenden Jiebt, um es bei 
einer auderen Geburt wieder zu produzieren, so gibt die Mutter 
daraof Acht, dass es nicht abLanden komme; sie nimmt es an 
sich und hält es unter ihrem Kopfkissen bis Sarantismos, bis 
zur Vorsegnung, wenn nämlich die Wöchnerin den kirchlichen 
Segen erhält. Dann komuit das kostbare Stück in die Kirche 
und bleibt 40 Tage unt«r dem Altare liegen. Nachdem es so 
gcwdht ist, wartet mau ab. bis in dem Ort ein Metropolit, der 
Statthalter, der Richter oder sonst eine Standesperson zu Besuch 
kommt, und legt das Hemdchen in diesem glücklichen Moment 
unter einen Steiu am W ege oder unter die Brücke, damit die 
hohe Person daiüberschreite. Dann bringt man es in Sicherheit 
und bewahrt es. Jetzt ist es wirksam immerdar. Wenn ein 
ungerecht Verklagter ein kleines Stück dieses Talismans auf der 
Brust trägt, braucht er um den Sieg seiner Verantwortung keine 
Angst zu haben. Während der Gerichtsverhandlung lässt er bei 
der Rede des Anklägers den Arm lose herabhängen, und diese 
Haltung des Talismanbesitzers entkräftet des Gegners Gründe. 
Spricht der Beschuldigte, um sich zu verteidigen, so presst er 



-^ 332 — 

den Arm an sich, aüd darch die BerJbriing mit dem Talisman 
wird er weise und seine Gründe siegen. Manchmal trägt man 
das Hemdchen auch unter der Achsel oder im rechten Schuli; in 
letzterem Fall miiss man mit dem Fuss so umgehen, wie sonst 
mit dem Arm. Der Wanderer trägt sein Hemdeben mit sich, 
und jeder Feind, der ihm am Wege autlaiiert, muss erblinden. 
Herrschen Zank und Hader im H&use, so ist das eine Folg:c 
irgend einer bösen Mageia, Zauberei; man schneide ein Stückchen 
vom Giäcksiiemdchen ab, verbrenne es and werfe es in das Essen 
oder in das Getränk, und gleich ist die Mag-cia unwirksam und 
Zank und Streit müssen weichen. Mehr kann man schlecht^r- 
ding^s auch von einem Glückshäubchen nicht verlangen. 

Bei den Bosniern schneidet man einem, mit dem Häubchen 
»eborenen Kinde die Haut unter der Achsel auf und legt das 
Glückshäubchen aui die fHsche Wusdo, dairiit es anwachse. Ein 
solches Kind ist sicher vor Vorzanberüng und kugelfest. 

Jj3 Syrien :«agt man von einem mit einem Glückshäubchen 
zur Welt gekommenen Kinde: es ist unter einem guten Stern 
geboren. Zuweilen wird die Glückshawt getroeknet und ala 
Amulet getragen, aber nicht vom Kinde selbst, sonders von 
dessen Yater. 

Wenn man von den abergläubischen Gebräuchen wenigstens 
sagen kann: sie nützen nichts, schaden aber auch nichts, so gilt 
das keiaeswegs von den volksmedizioiscben^ Diese schaden dem 
Kinde häufig so sehr, dass es noch in seinem si>ätesten Lebens- 
alter die Folgen dieser Weiberweisheit spürt. 

.Das Neugeborene wird von den oricatalischen Hebammen 
fast immer am ganzen Körper mit Salz xin^L Zimmt bestreut 
Am schlimmsten treibt es, wie mir Doktor Beck erzählte, die 
arabische Kabii in Bagdad- die schüttet auf das kleine Wesen, 
das eben erst die Welt erblickt hat, statt eines milden Streu- 
pnJvers stets Spidschad Sykajun — Zinnober und Bleiweiss. 
Die häufigen Folgen sind: Quecksilber- Vergiftungen und Biei- 
kolikeu. 

In Palästina wird bei den Fellachen das Tünd nach der 
Gebui-t nicht gewaschen, sondern mit fein gestossenera Salz ein- 
gerieben. Dieses Verfahren, das einige Wocheu i&ng fortgesetzt 
wird, soll das Kind stärken «ud abhärteii. Nicht selten erleidet 
OS abei dadurch schweren Schaden, wie Verlast des Augenlichts. 



Aber wer solche Behandlung übersteht, wächst kräftig heran, 
gowöbiit sich an das rauhe Leben. Diese Art der Behandlung 
des Neugeboreiiön ist Bralt. In Hosekiei ündet sich XVI 4 
folgende ^childemag: „ ... An dem Tage, au dem da geboren 
Würdest, wurde weder deine Nftbelschunr abgeschnitten, noch 
wurdest dn mit Wasser abg-c waschen, noch mit 8alz abgerieben 
und in di<' Windeln gewickelt. Da kam ich an dir vorbei, und 
ich «ah dich in deinem Blüte zappeln. Und ich badete dich mit 
Wasser und wasch dii* das Biut ab und salbte dich mit OeL*' 
Die Heünng der Kinderkrankheitreu versucht man durch aber- 
gläubische Mittel herbeizuführen oder sie wird der Natur über- 
lassen. Wenn das KLad wund gerleben ist, so bestreut man 
es mit einem in Wasser* -im Brei gequetschton roten Polver; 
dieses Pulver heisst Zerakon und dürft<e Zinnober sein. Bei den 
Beduinen Palästinöa träkgt der Vater — wie Pastor Klein be- 
richtet — das neugeborene Kind nackt ins Freie und legt es 
aaf ein Platschen, wo es zwei bis drei Stunden den heissea 
Sonnenstrahlen ausgesetzt bleibt Dies geschieht, um die Augen 
des ICindes zu stärken. 

In Konatantinopel wird bei den leisesten Zuckungen des 
Neugeborenen dessen Wirbelsäule geschröpft. Die Behandiaug, 
die bei den Gräko-Walachen in Monafe'tir den NeugeJjorenen 
zuteil wird, ist nach Dr, Sajaktsis' Mitteilungen die folgendet 
Die Hebannao giesst laues Wasser und eine Handvoll Salz in 
ein Becken, manchmal auch einige Tropfen Wein, wenn das Kind 
schwächlich ist, und in diesem Bade reinigt sie 'ias Kind. Die 
Mutter und die anwesenden Frauen werfen in das Bad einige 
Münzen oder Stückchen Gold und Silber, zur symUoüscJhen Be- 
deutung, dass das Kind auch im späteren Leben vom Gold.Suss 
geführt werden mdge. Die Münzen wid die anderen Dinge ge- 
hören natürlich d^r Hebamme, Wird der Topf, in dem das Wasch- 
wasser fäi" das Neugeb<'rene erwärmt wird, nicht zugedeckt, 
dann wird «ia* Kind angonieidend. Nach dem Bade hüllt die 
Hebamme das Kleine in das Hemdchen, Röckchen und die Win- 
deln: Hypokamissü, Auteraki und Kolopans; bedeckt den Kopf 
mit einem Häubchen, wickelt es in eine grosse, Spargano 
genannte Windel, bindet es mit der 3 Eilen langen Binde 
oder Fasskia, legt es in eine Atlasdecke, schnürt es um die 
Hüfte mit einem Tiich und bettet das Kind, das nunmehr ein 



— 334 — 

Wickelkind ist und Kopanon, wörtlicli Wäscherschlägel geoannt 
wird, in sein eigenes Bettchen, das sich neben dem der Kutter 
befindet. 

Schläft das Kind, so bcg-löclcvrftnscht endlich die Hebamme 
die iVfutter mit den Werten : Na ssass sisse, n)öge es dir &r- 
halten bleiben, oder: Kalomsika, es gedeihe g-Iücklich. ine tus 
goneis, möge es gross werden. Den anwesenden Frauen sagt, 
sie: Na ssass eine gyiLsmena, möge die Reihe jetzt an ench 
kommen! Dann wäscht sich die Hebamme die Hände, die 
anderen Frauen thnn das Gleiche, nnd man geniesst Glyko, 
Süsse?, und Kajfltee. Beim Weggehen sagt man zur Wöchnerin 
nochmals: „Es soll dir erhiilten bleiben!" Und: „Mit voller 
Brust und mit vollem Arm" — nämlich: mit dem Kinde — 
„sollst du aufstehen!" Die erste Windel und das erste Hemd 
für das junge Wesen werden mit grosser Feierlichkeit her- 
gestellt: Am Vorabend des Gründonnerstags, wenn dieser Feier- 
tag gerade, in die Zeil fällt, da man das Kind erwartet, ver- 
sammeln sich die Verwandten der gesegneten Frau in^ dem 
Hause derselben; die ganze Nacht hindurch wird die Wolle 
gewaschen, getrocknet, gekrempelt, gewobt — bis am Morgen 
die erste Windel, Kolopanon genannt, fertig ist. Zwei Wochen 
vor der Geburt nimmt man aus drei befreundeten Hänsern Lein- 
wand und bringt sie einem im Nähen nn erfahrenen Mädchen, 
das noch Eltern hat; dieses setzt sich im Hofe auf einen Stein 
und muss, am Morgen unter Auieitung einer ei'fahreneh Frau 
beginnend, bis z;um Abend ein Hemdohen für das erwartete 
Wesen vollenden. 

Gleich nach der ersten Einwickelung nim]r)t eine alte Frau 
das Kind und trägt es in ein gut verschlossenes Nebenzimmer, 
wo sie es die ganze erste Nacht auf den Armen hält, damit es 
nicht durch irgend einen Zufall den Boden berühre nnd von 
bösen Geistern behext werde. Auch kommt es vor, dass man 
dem Kinde das Antlitz schwärzt, um die Ijösen Geister abzu- 
schrecken. Dem Kinde, ob es Knabe oder Mlidchen ist, wird 
vor dem ersten Trinken das rcjhte Ohriäppchen durch- 
stocben und juit einem silberaen oder goldenen Ohrring ge- 
schmückt, welches d^'o ersten Jahre ununterbrochen getragen 
wird. Füi' diewSu Ohrringe 'hat man schon lange vorher gesorgt:- 
am Gründonnerstag sucht man bei drei Familien, wo Kinder mit 



— 335 — 

den Namen Konstantin, Helene oder Marie sind, je eine silberne 
oder goldene Münze zu erlangen; die tiä?t man zu einem Gold- 
arbeiter, dass er daraus einen Ohrring verfertige. 

Manchmal kommt es vor, dass man das neugeborene Kind 
Äu einer Frau trägt, von der man weiss, dass sie im Besitze 
einer ererbten alten silbernen Münze, die Penezi genannt wird, 
sich befinde, damit sie mit dieser Münze dem Kinde ein Kreuz 
zwischen den Augenbrauen einri^tze. 

In Nordalbanien hat die Mutter der Wöchnerin das Recht, 
das neugeborene Kind zu wickeln. Während der ersten Wochen 
besorgt sie dieses Geschäft unverdrossen. Bevor das Kind zum 
ersten Mal gewickelt wird, legt man ihm auf den nackten Banch 
einen Augenblick lang eine Sichel, mit welcher kurz zuvor Stroh 
geschnitten wurde. Dieses Mittel behütet das kleine Wesen vor 
Bauchweh. 

Bei den Serben verhindert die Mutter, dass ihr Neugeborenes 
an Magenschmerzen leide, indem sie am ersten Morgen nach 
der Geburt ans dem Bettchen -des Kindes ein wenig Heu nimmt 
nnd zwischen ihren Zähnen hält 

Die Kinder werden überall fest eingeschnürt Zwischen die 
Füsse legt man, ihnen aus Gi-ünden der Reinlichkeit ganze Ballen 
Wasche, die Arme werden an den Leib gepresst und mit ein- 
gewickelt In Bagdad gibt mau den Kindern nach Verlauf von 
sechs Wochen die Arme frei; anderwärts ist der Termin ver- 
schieden. 

Bei den Gräko-Walachen in Monastir darf die Mutter de« 
Säuglings. dem Bette des letzteren niemals den Rücken zukehren, 
sonst bekommt das Kind die Gelbsucht Um es davon zu heilen, 
wendet mau folgendes Mittel an: Man bindet dem Kinde Dienstag 
abends einen gelben Seidenfaden um den Hals; einen anderen 
gelben Seidenfaden wickelt man um einen Rosenstrauch im 
Garten; Mittwoch früii vertausc^it man beide — und das Uebel 
muss weichen. 

An Händen und Füssen ziemlich fest gewickelt wird das 
Kind in Persien in eine Wiege — gewahreh — zumeist jedoch 
in eine Hängematte gelegt, weil die Schwingungen der letzteren 
anhaltender sind und der Mutter längere Entfernung gestatten. 
Zur Beförderung des Schlafes wird ihm häufig schaerbete chasch 



— 336 -~ 

— Syrupos di&codii — gereicht; m zweiten J&hr erhält es neben-" 
bei Reiskost, ir ärmeren Familien auch ver.^ohieflene Früchte. 

Enfüos sind tue von Eljub Ähelö gePäöiiuelteu ayrischen 
Gebräuche, die das Kind betreffen: manche derselben gelten auch 
für aödere Gegendon und aind sog9x in Europa vielfach ver- 
breitet Sf> dieser: Ein Kinderbett an wiegim oder Buzitdecken, 
wenn das Kind nicht jJdria ist^ hat üble Folgen für die Gesund- 
heit des Kindes, In Syrien speziell meint müii, das Kind kr>nnte 
Bückeuschmerzen bekommen. Wird ein KJnd allein im Bett 
gelassen, so soll wenigsten» zu seinem Schutze vor dorn B9«ea 
ein Besen an seinem Hettchen stehen. D&ä auch in Europa all- 
gemein bekaruite Verbot» schlafende Kinder ztt küssen, fe^teht 
anch bei allen Völkern des Orients, bei Christen, Moslems und 
Juden. Am stren^st^n wird es von den Sfrenj beobachtet. 

Andere abergläublische syrische Ansichten sind: Wenn man 
ein neugeborenes Kind zum ersten Male in die \Vi«?ge legt, 
mache man mit einem kupfemon Mörser einen heftigen I4nn; 
daduich gewöhnt ßich das Kind »ofort an das laute Geräusch 
auf Eiden, nnd in Zaknnft wird nichts imstande sein, es zu 
er&chrecken. Damit ein Müdchen nicht haarig werde, wird es 
gleich räch der Gebort mit dem fSIute einer Flodermans be- 
strichen. Dem orstr?!! ISxkremente de« Kindes widmet man 
besondere Aiifitierksamkeit. Man wickelt es In Leinwand uaA 
schiebt das liebliche Päckchen unter die Matte neben d(tT Thür, 
welche in das Zimmer der Wöchneria iührt. Hier 1)leibt ea drei 
Tas:c iiefcen. damit alle Besuche darauf treten. Das ist ela 
gntop Mittel 2ur Behütung der Gesundheit dos Kindes. Man 
lasse die Kinder viel weinen, dann bekonomeE sie schwarze 
Augen; anderwärts glaubt man, das sei ^mi für die Lunge, för 
die Stimnio. Wenn ein Kind mit den StrtljnpfeR zu Bette gelegt 
wh'd. bekommt es, nach Meinung der christlichen Syrer, Skropheln. 
Um an von letzteren za heilen, nimmt die Mutter einen Seiden- 
faden, gehl mit demselben in die Kiiche, macht dort bei jedem 
Evangehttm einen Knopt biuein, eilt nach H-ause und bindet deji 
Seidenfaden um den Arm dos Kindos. 

Ein auch andei-swo bekannter Aberglaube der SjTer ist der: 
Man daif Über ein am l^oden liegendes Kiod nicht hinweg- 
schreiten, sonst läuft letzteres Grcfahr, nicht mehr zu wachsen. 
Hat eine Peison indessen solches aus Verselieu gethau, so kann 



es den droJjpiidca .'Schaden i^aralysicreo, wem ste sofort in Gr«n> 
gef/engi sotztcT iRich^risiji»:^ also znrli.ck, über das Kind srhreitot. 
Aueii wen» man kleinen Kindern die Füsse küpat. behindert, 
n^an nacü synscher Ansicht ihr WachstujL Um ein Kind von 
Fusseln zu befi^pien, schlag^e man voi iem GesiciiTe n<^s Kindes 
mit eiiKui Feuer.^Tein Funkerii. Wenn man las P"'euer mit dem 
McSvSor seMrt, bekommt ein Kind dei Familie Oh»-en^ntzi<ndni)^^ 
Um hei einem Kiudc ein Ohi^enleidcn zu behobon. löst lijui» vorn 
Thon aei Backöfeu ein Stückchen in Wasser auf nna bostreichl. 
mit dem letzteren des Kindes Ohren. 

Um ein kleines Kind vom Geifern /n heilen, g^lanben die 
Syrer das? es gut sei, das Kind von einem Neger küfesen zn 
lassen. Wenn ein kleines Kind au einer unbekannten Krankheit 
dahinsiecht, uo meint man, dass es gegen r^in Dsj^hinnenkind 
ausgetanscht worden sei. Die Eltern tragen es daher zu den 
Heiligengräbern., b<?i aenen sich stets Zistenieu befinden, ^n('i 
lassen es dort in eine Zistenie bis ganz nahe ans Wasser hin- 
unter. Dann .:iehen sie es wieder herauf, überzeugt, dass die 
Fee ihr eigenes Kind wieder an sich genommen nnd dafür das 
Mensch eukind zurückgegeben habe. 

Man bade nie ein Kind am Sountag oder Freitag; am Sonntag 
nämlich bei Christen, am Freitag bei Moslems. Thut man dies 
dann bekommt das Kind Zuckungen. Um di« Zuctungen wiedf r 
verschwinden zu machen, sind zwei Mittel vor alhm geeignet: 
ScJiwefelwasser- und Stärkemehl-Einreibungen. 

Nehmen Kinder oder Erwachsene — Christen in dci Fasten- 
zeit, Moslems im Ramasan - ein Bad, so werden sie von furcht- 
baren Hautkrankheiten befallen. Piinderwäsche soll man nicht 
dem Mond aussetzen, sonst erkrankt das Kind an Diarrhöe. 

Ti'ägt ein Kind an soiuer Mütze Goldmünzen, no müssen 
diese über Nacht von der Mütze herunter; geschieht es nicht, 
dann wird die Gesundheit des Kindes iSchaden leiden 

Um einem erwachsenen Kinde, das sich nachts lioch 
immer nass macht wie ein Wickelkind, dies Uebel abzngewfthne», 
geben ihm die Frauen in Syrien, ohne dass es da« Ärbscheiüitjhe 
ahnt, eine gebratene Maus zu essen. Bei den Christen der Le- 
vante gilt es als Uebel, wenn ein Kind auf Asche miniert-. Ist 
dies Unglück geschehen, dann muss man dem Kinde schleunigst 
mit Äsche ein Kreuz auf die Stirn malen. Geschieht dies nicht 

ät«rn, Mediüin, Aberglaube u. Geschlechtsleben in oer Türkei. II. 22 



— 338 — 

sofort, daiiD wird das Kind epileptisch. Ist das Kind aus sol- 
chem Anlass epileptisch geworden, dann wird auf seiner Stirn 
ein Kreuz mit Indig-o eingerieben. Weicht die Krankheit trotz- 
dem nicht, dann muss dem Kinde ein anderer Name gegeben 
werden. Hilft das auch nicht, dann ist das Kind eben unheil- 
bar, aber niemand kann seinen Eltern den Vorwurf machen, 
dass sie nicht uil(j.s zu seiner Heilung unternommen hätten. 

Wenn daa Kind schwer schlicssende Fontanellen hat, dann 
passt in Nord -Albanien die Mutt(!r auf, bis die Störche kommen, 
wenn sie den ersten Storch sieht, legt sie ihrem Säugling einen 
Stein auf den Kopf und spricht einige Beschwörungs Worte. 

Kindern, welche schwer zahiien, geben die Orientalen ein 
Hasenhirn zu essen. Wl'du das Kind den ersten Zahn bekommt, so 
heiTScht überall gro^^seFx'eude. Charakteristisch ist der Jubelruf, mit 
dem die Fellacbenfrau in Palästina dies Ereignis begrüsst: „Tela 
sinno, chabbi lc-hu])z anno, sein Zahn ist heraus, versteckt das 
Brot im Haus!" . . . Wenn das Kind schwer zahnt, dann ruft 
maa die Hebamme und diese brennt mit einer glühenden Nadel 
dem Kinde einige Male unterhalb der Zunge die Haut; hilft dies 
Mittel nicht, dann ist ihre "Weisheit zu Ende, und man muss 
Allah die weitere Entwicklung überlassen. Wenn das Kind in- 
folge schweren Zahnens eine Gehirnentzündung bekommt, so 
sticht mr».u ihn mit einem glidiendcn Nagel einige Male auf 
den Kopf. 

Bei den a!tcn Atabem bestand folgender Brauch: Wenn 
dem Kinde ein Milchzahn ausfiel, nahm der Vater des Kindes 
den Zahn zwischen Daumen und Zeigetiugor, hielt ihn gegen 
die Sonne und sagte: „Gib dafür einen besseren." — Dieser 
Brauch, der das gerade Wachstum und die Schmerzlosigkelt des 
neuen verbürgen sollte, weist auf uralten Sonnendienst hin. 

Die Moslems in SjTien setzen ein Kind, das nach Verlauf 
der gew.dmlichcn Zeit noch nicht gehen gelernt hat, in einen 
Korb. Döi wild von zwei grösseren Kindern, in Begleitung 
«abireicher Knaben und Mädchen durch die Strassen getragen, 
und die ganze kleine Gesellschaft singt dabei : ,.Gebt dem Lahmen 
etwas, damit er gehen loroe. Seine kleinen Zähne sind hervor- 
gekommen; möge es mit seinen Füssen auch so gut gehen!" 
Diese Prozession ist am wirksamsten, wenn sie Freitags um die 
Mittagsi^tuude abgehalten v.ird. 



— 339 — 

Wenn eine Frau, der Kinder gestorben siöd, sich -wieder 
Mutter fühlt, so ist es — um das Leben des neu erwarteten 
Kindes zu aicheru — bei den Gräko-Walachinnen iji Monaatir 
Sitte, dass die Frau von einer Pügerin die Phokea — einen be- 
haarten Ledergürtel, Gürtel der Mutterg-ottes {,'enannt — entleihe 
und ihn bis zur Geburt um die Hüften trag-e. Nach der Geburt 
legt man diesen Gürtel unter das Koptkissen der Wöchnerin. 
Ausserdem ist es notwendig, daas alles, was auf die verstorbenen 
Kmder Bezug hat — Wiege, Windein, Wäsche, Kleider — vor 
der Giäburt dos neuen Erdenbürgers aus dem Hause entfernt 
oder an die Kirche oder Arme vorschenkt werde; von der neuen 
Ausstattung werden Miit7:chen und Hemdclien 40 Tage lang in 
der Kirche unter dem Altar zur Weihe aufbewahrt. Nach Hahn 
wendet man in demselben Falle in Albanien, und zwar bei den 
christlichen JStämmen, auch folgende Vorsichtsmassregel an: Man 
steckt da? junge Kind durch einen eisernen Dreifuss, Jiängt ihm 
ein Kreuz auy vSiiber um, das neun Frauen mit Namen Maro 
gespendet haben, und setzt es damit an einem Kreuzweg aas. 
Der Erste, weicher hier vorüberkommt, tauft das Kind. Dieses 
Mittel kauu aber erst am 41. Tage nach der Geburt angewendet 
werden. 

Sterben einer Frau die Kinder weg, so befiehlt ein Aber- 
glaube, der in Serbien, Bosuieu und auch in Slawonien Geltung 
hat, dass man ohne Wissen der betroffenen Mutter zum Zauber, 
Kojoj Gataju, Zuhucht nehme. Irgend eine Freundin verschafft 
sich ein Hufeisen von einem verendeten Boss und tibergibt es 
einem Schmied. Der muss um Mitternacht daraus einen Belen- 
suke oder Armring schmieden; bei dieser Arbeit muss er ganz 
nackt sein, „so wie ihn die Mutter geboren hat." Wenn die 
vom Unglück betroffene Frau einen unter solchen Umständen 
hergestellten Armring erhält und immerdar am rechten Arm 
trägt, so wird ihr kein Kind mehr wegsterben. 

Ein anderes serbisches Mittel: Die Mutter schneidet ein 
Rohr ab und giesst Wein in das Rohr. Dann legt sie das Rohr 
nebst 9 Kochen von Weizenmehl und einem alten Messer in 
einen ieineneu Beutel und näht letzteren fest zu. Mit dies<. 
Packet watet sie i» ein fliesseudes Wasser hinein, und während 
sie den Beute! unt^r dem linken Arme hält, muss jemand am 
Ufer für sie beten und alle Heiligen anrufen. Hierauf lässt sie 

22* 



— 340 — 

d«n Beutel faiien and steigt aus dem Wasser in einen ans Ufer 
htag^estellten Kessel mit beiden Füssen; daraus hebt sie ihr 
Gatte heraus, um sie auf dem Rücken nach Hause zu tj-a^n. 

Um das frühzeitige Sterben des Kindes zu verhüten, ver- 
fertigen ihm die moslemischen Frauen in Bosnien ein Hemd aas 
Lappen, die aas den Heiaden von 9 Witwen geschnitten 
wurden. 

Wenn das neugeborene Kind das cjizige der Eltern ist, 
dann wird es bei den Gräko-Walachen in Mouastir dmch eiuen 
ehernen ßeifen gezogen oder mit einem eisernen Dreifuss in 
Berührung gebracht, damit seine Glieder eisenstark werden. 



55. Knaben imd Mädehen. 



Nachfrage nach Mädpheo hei den Kuruco -- ^oraaf der Soabea vor 
Mädchen bei allen nsiderei Oricntvölkera. — Wird && cm Bn«b« oder 
3IM<:hen? ~ Orientaiisece iioschlechtsYoiai.sbestiniiöiiDg. — Veilisl?oa der 
Schwangerea. — Vorbede utungeu. — Die BetJeatuni^ des Eabfeok^ftoüzeii« 
v.nd des Haüueaschreiö. — Spi-ichwörter. — Verlangen nach Knabensc^-Ti. — 
Boscische Mittel. — Serbische» ALeVi?laul;e. -•■ Das 4ltc: Testaracat ö»)«r 
En?b'.'n iiad MSdt'hen. — Ansicht üe; Juden im iüttfclalter, — Abörglaubö 
der heutigen Juden ia S.vrieD. -- KUah -Ikt knabenbriusfer. -- Syrische 
Gebriluche. ~ AiatMSjcbe Sitten. — Eiufachea türkiäfiiea Mittel. — Ueburts- 
feste aa» osrnaoisoheQ «liitausäofe. — Uuterachied c^ar f eietlichkciteu tat 
Prinzen und PvinzessinagB. — Kittorfsohe AmsnalunrtUiTi-. • Der Köta» übet 
d«n Voirang des Manue« vor «ier J^rau. -• Die TK.^htcr AHaiis. -- Tötuag 
von TtJciitera bei den hdduisciien lYAberr, Per Koraa 
über die (rebuTt Jwu- 

Im OjieJit ziehen cigeiitüch blos die Kurflci? die Mädclien 
den Knaöen vor. Die btammesliäüptlinge kamen fljj- ihre 
Harems aur Mäücuen ihre« Volkes und bezahlen für sie hohe 
Preise. Fremaer Yöi&er Töchter nehmen ^ie nicht gern zu 
Friiueu, höv-hfltens als v"^kißvinuen; sie zu ehelichen, gilt als 
larchfcbRre MesaUiance. Die Nachfrage liach KurdenmädcheH L*i 
Jeshalb gros», und ein tüchtiger Familienvater freut aißh, wenn 
ei da« Seini^e leisten fcaan. Sonst aber sln^l fast aUgemem 
Knabon crwünsebt. 

Wird m ein Knabe oder ein Mädchea? Das ist tlie tüch- 
tigste Frage, die in emeni Hause g-^^ört wir4, \n:w as frendigc-s 
B'aialiieüereigiiis .bevorstofci ün» sie zu entscbeidon, liniuc!?t 
naan aber dort nicht erst die Schenk'sche Theorie za erproben. 
Gibt es doch genug einheimische Spezialisten, welche au« im- 
trügüchen Reichen Sicheres künden, und obwohl diese uttrü^'üchen 
Angat^tx gewiihülich nicht aut^refien, glaubt man ihnoa immer 



— 342 — 

wieder. Die Frauen beobachten Tor allem peinlich ihre TTäume. "" 
Diese Beobachtung hat eine unendliche Menge von Verordnungen 
nad Gebräuchen ira Gefolge. 

In Mazedonien entnehmen die serbischen and bulgarischen 
Frauen aus der Art ihrer Träume während ihrer Schwanger- 
schaft, ob das kommende Kind ein Knabe oder ein Mädchen 
sein werde. Träumt beispielsweise eine schwangere Frau, dass 
von ihrem Ringe ein Stein abgefallen oder zersplittert sei, so 
ist sie sicher, einen Knaben zu bekommen, aber sie erhält zu- 
gleich die nnomstössliche Überzeugimg, dass der Knabe bald 
nach der Geburt vom Tode hingerafft werden wird. 

In Albanien wissen die schwangeren Fi*auen, dasä sie einen 
Knaben zu erwarten haben, wenn der Rabe in der Nähe des 
Hauses krächzt oder der Hahn in der Nacht ausser seiner Zeit 
kräht Wenn aber die Eule schreit, dann wird ein Mädchen 
kommen. Die Mädchen erwartet man keineswegs freudig. Man 
ersieht dies schon daraus, dass dasselbe Zeichen, welches die 
Geburt eines Mädchens vorhersagt., auch den Tod verkündigt. 
Ist nämlich keine Schwangere im Hause, so bedeutet das 
Krächzen der auf dem Dache sitzenden Eule einen bevorstehenden 
Sterbefall. 

Bei den Albanesen und Griechen erscheint die Geburt eines 
Mädchens als ein Unheil, das man nur den Yorwunschungen 
einer Nebenbuhlerin verdankt Man sacht sich daher gegen die 
Zauberkünste der Rivalinnen oder Neiderinnen durch allerlei 
Gegenzauber im Vorhercin zu schützen. Die Gräko-Walachen- 
Frauen sagen: „Der Mann wird mit 'einem Kreuze auf dem 
Kopfe geboren; wir Frauen aber sind arme Evas." Oder: „Der 
Mann kommt mit einem Geldbeutel um den Hals zur Welt" 
Wenn bei den Gräko-Walachen in Monastir ein Knabe zur 
Welt gekommen ist, ruft die Hebamme aus: „Ach ein Mädchen!" 
Es geschieht dies, um dem Neugeborenen nicht durch grossen 
Jubel den Neid der bösen Geister einzubringen Nach dem 
ersten Bade des Knaben eilen dessen Geschwister zu den Ver- 
wandten und vorküudeu: „Ein Mädchen ist angelangt* Dann 
erst sagen sie die Wahrheit. Wenn aber das neugeborene Kind 
ein Mädchen ist, durchsticht die Hebamme ihra gleich nach dem 
ersten Bade, bevor es noch an die Brust gelegt wird, die Ohr- 
läppchen. Wenn ein Madchen wieder nach einem Mädchen — 



~ 343 — 

und nicht nach Knaben, zwischen denen es nicht unwillkommen 
ist und sogar freudig tjogrüsst wird — geboren wurde, so trösten 
die gräko-walachischen Frauen die Mutter, indem sie sagen: „Es 
schadet nichts, möge es lebeu; jeder hat sein Geschick; es 
leben ja die Eltern, also das Eächste Mai sei es ein Knabe!" 

Die Bosnieriii kann sich schon selbst bei der Hochzeit die 
Einteilung von männlicher oder weiblicher Nachkommenschaft 
geben; zieht sie ihr Trauungsgewand „vom Nagel aus" an: so 
wird sie Knaben bekommen ; will sie vollwangige dralle Mädchen 
gebären, so kleidet sie sich j,vom Polster ans" an: sie nimmt 
ihr Gewand nicht vom Nagel, sondern legt es erst auf die Bett- 
kissen. Wenn die Braut das Haus ihres Bräutigams betritt, 
wird ihr ein Knabe an! die Hände gestellt, den sie dreimal 
herumdreht, küsst luid beschenkt. Dadurch sichert sie sich eine 
fruchtbare Ehe und das Gebären von Knaben, Wenn eine Frau 
nur Mädchen znr Welt gebracht hat und sich nach einem Knaben 
sehnt, so soll sie, nach südslavischer Ansicht, das GJückshemdchen 
— oder die Nachgeburt — des letztgeborenen Mädchens in ein 
von ihrem Manne bereits getragenes Hemd einwickeln und ver- 
graben; dann wird das nächste Kind ein Knabe seio. 

Nach serbischem Aberglauben gilt ein Gcrsteukom im Auge 
einer schwangeren Frau als ein Zeichen, ob sie ein Mädchen 
oder einen Knaben zu erwarten habe: befindet sich nämlich das 
Gersteükom am unteren Lid, so bedeutet es die Geburt eines 
Mädchens -*- am oberen Lid: die Geburt eines Knaben. 

Bei den Juden waren die Knaben stets willkommener als 
die Mädchen. Psalm 127, 3 sagt: „Fürwahr, ein von Jehovah 
verliehener Besitz sind Söhne, ein Lohn die Leibesfrucht," Im 
3. Buch Moses XU. 2 wird in drastischer Weise der Unterschied 
zwischen einer Knaben- und einer ^tfädchengeburt dargethan. 
Hier heisst es; „Wenn ein Weib einen Knaben gebiert, so bleibt 
sie 7 Tage unrein, und 33 Tage muss sie im Reinigungsblute 
bleiben; wenn ein Weib ein Mädchen gebiert, so bleibt sie 
14 Tage unrein, und 66 Tage müss sie im Keinigungsblute bleiben.** 

Die jüdischen Frauen im frühen Mittelalter sagten, wenn 
die Hausschlangc, die man im Schlafzimmer hielt, auf dai Bett 
herabfiel: Die Hausfrau ist schwanger und wird einen Knaben 
geVären. Die Frommen verdammtet lolchon Glauben als emo* 
ritiscben, heidnischen Qebravtoh. 



~ 344 — 

Die lientigen Jnden in Byiien sind überzeugt, dess ein 
Ksabe zur Welt koißinen müsse, Vvean die Huade vor dem Hause 
der öebärenden sid* sammeLu ußd beüen. Die gyrischcn Jn 'id 
glauben nämlich, dass die- Hunde bellen, sobald sie den für die 
Meascnen unsichtbar bleibenden Propiieten Elias erblicKeu; ihm 
jabelö die Hun<!e zu, eingedenk der fetten Mahkeit, weiche der 
Prophet ihrea Vorfahren durch die Tötung vier Baalspriester ver- 
schaffte. Den Menschen a])er gilt der Prophet Elias als der 
Beschützer der Entbindungen jener Frauen, welche Knaben zur 
Weit bring-en. Im ,.Urqueir' iö9b erzählt Benjamin Wolt' Schiffer- 
-Eilah der Prophet warnt vor drohenden Gefahren, spricht Trost 
im Leiden zu, reicht seine helfende Hand» wenn man sich in 
Xot befindet, spielt aurh den schlechten Menschen boshafte Streiche, 
weilt am liebsteri ia den Häusern gastfreundlicher Leute und 
?iebt die Kinder. Er erscheint in verschiedener Gestalt, meist 
als altes kleines Jüdel, als waadornder Bettler, seltener als 
polnisch sprechender Wanderer, ais Bauer, am seltensten als 
Rabbiner oder reicher .Jude. In talmudischen Zeiten wählte er 
öfter die Gestalt cin<:^ wandernden Arabers, wenn er sitfr sichtbar 
maichen woljtcj und reichte den Kranken Heilmittel, rettete 
8torbende. Er fehlt bei keiner Beschneidung. Es wiid filr ihn 
ein Ehrenplatz vorbereitet, und d^r Knabe wird erst auf diesen 
g&lQgt, ehe er beschiütler wird. Acch am Pessachfest ei w'artet 
TQÄii den GJückbriB^e) Eliah; mar fillU für ihn einen Extrabecher, 
den gposston und schbusitin, mit Meth odez' Wein. 

Ebenso wie bei anderen Völkern des Orients beginnt man 
auch bei den Syrern schon hei dor Hochzeit die jungen Ehe- 
Icato zu trainieren, damit sie vomtihmJich Knaben das Leben 
schenken: Alte BYaucn i?eben, erzählt EijuD Abela, beim Hoch- 
xdtsschmans den Neuvermählten Oliven zu essen — das ist ein 
aasgezeichnetes Mittel, welches sie befähiget, nur -Knaben zu 
schaffen. Wenn dann die Frau schwanger gewurden ist, beob- 
achtet sie fort und fort allerlei abergläubischr Gebräuche, damit 
sie ia ^er Hoffnung, Knaben asu gebären, nicrt getäuscht werde. 
Es erscheint ihr als ein gutes Zeichen — als ein Zeichen, dass 
sie einem Knaben das Leben schenken werde — wenn «ie nn- 
absichtlich einen falschen Schritt thut. Wenn eine von einem- 
'%t. schwörcr in Gegenwart einer schwangeren Frau vorgewiesene 
St-hlange anbcACglich auf einem Platze verharrt, so kann die. 



- 34ü - 

Schwang-ore (taraur nic.hnen, dass sie einen JSohn bekoiumi 
Weim aber ein kleines Mädchen, das noch D^cht■ sprechen kano, 
vor den Aug"en der schwangeren Mutter einen Besen packt imd 
so thut, als ob sie das Zimmer kehren wollte, dann weisfe die- 
Mütter, dass das feommende Kinü auch ein Mädchen sein wird. 
Ist dieser Fall eingetTeten, dann isst die W^irtinerin m Wochen^ 
bett vie] jp'ische, damit sie wenig^ens in Zukunft Söhne geb^rr» 

Der schiiJiobste Wuüäch der arabischen Dorfbewohner in 
Palästina ist eine zahlreiche männliche KEchkommenscbaft. Bei 
der Geburt eines Knaben kommen alle Verwandtei» nnä Freunde 
und Nachbarn und gratulieren mit 6on Worten: ^Mubarak ma 
adschak, gesegnet sei, was dir gekommem iist!" Bei Mäd'^hcn 
\vira keine Notiz von ihrer Gebui't genommen. 

Einem aas Eagusa stammenden dalmatimschen Liede zu- 
folge macht es der Türke ganz einfach, um sich eines Lohnes 
Geburt zu versichern. „Der Türke." heisst es da, „schlägt 
seine Frau ani den Bauch, verhoffead, dass sie iha, einen Sohn 
gebären werde, una bagt: „0 dr^ Hündin, gebier mir einen 
Sohn!^' 

Vom Snltanshofe wird gewöhnlich nur (ü« Gebun der 
Prinzen zur Kenntnis der Oefientlichkeit gebracht. Von Festlich- 
keiten zu Ehren der Geburt einer Prinzessin sprechen die 
orientalischen GeschJchtsehreiber stets als Von ansserorüendicheh, 
unerhörten Ereignissen 

Ueberbrijiger der Fröudenbotschaft einer Priuzengeburt 
wurden traditionell ßtetb reich belohnt Der Vorsteher der 
„gelockten Baltadschi", der weissen Verschnittenen^ überbrachte 
gewöhnlich der Hohen Pforte die Freudenkunde der Geburt 
eines Prinzen und wurde dafür ?om Grosswesir mit handert 
Dukaten, mit reichen Stoffen und meinem Tuche beschenkt; zu- 
weiier bpkam „der Vertraute, welcher die kaiserlichen Melde- 
schreiben der Prinzen-Geburt üherbrachitj, nnd welchen die 
Tschansche mit Glückszuruf begrüssten" bis achthundert Dukaten, 
Pferde und Pelze. 

Mit besonderer Feierlichkeit wurde stets eines Prinzen 
Geburt gefeiert, wenn seine Mutter auch Günstiingin war. So 
sagt der Geschichtschreiber von Sultan McAamm«! fV.: „Die 
siebentägige, ob der Geburt des Prinzen Mustafa angeordnete 
Beleuchtung \\-ar für den Sultan eine umso grössere Freude, als 



— 346 — 

die Mutter des Prinzen die neue Gttnstlingin Sultanin Chasseki 
war, eine geborene Griechin von Kreta, welche bei Rethimos 
Eroberung als Sklavin weggeführt, von Dell Husein dem Serdar 
hernach dem Sultan dargebracht worden, und als Sultanin Rebia 
Qülnusch, Fröhlingsrosentrank, hiess, und deren Kredit dem der 
Walide, der Russin Tarchan Sultan — diese eine brennende 
Blonde, jene eine dunkelnde Braune • — das Gleichgewicht zu 
halten anfing-*' Eines zweiten Sohnes Geburt., Achmeds, tröstete 
später den Sultan über den Verlust der Schlacht bei Chocim, 
und dreinächtUche Beleuchtung ward im ganzen Reiche an- 
geordnet 

Um jene Zeit berichten die Historiker eine Begebenheit, 
welche die Hauptstadt als etwas Unerhörtes beschäftigte: das 
war die mit Edelsteinen besetzte Wiege, welche die Sultaniu- 
Günstlingin ihrer Schwägerin, der Snltanin-Gemahlin des 
Kaimakampascha Redscheb, bei ihrer Entbindung mit einem 
Mädchen zum Geschenke gemacht; solches Geschenk und solcher 
Aufruhr wegen der Geburt eines Mädchens, Tochter eines Wesirs, 
war bis daiun unerhört gewesen. 

Unter Sultan Achmed in. veranstaltete der Grosswesur 
Hasan, Schwager des Sultans, öffentliche Stadtfeier, um die 
Geburt der Prinzessin Fatima, der erstgeborenen Tochter des 
SultajM zu feiern; Sultan Achmed HI. war einer der fruchtbarsten 
Osmanenherrscher, und die vielen Schwestern, welche der eben 
genannten Prinzessin Fatima m den nächsten fünfzehn Jahren 
folgten, lassen vermuten, dass ihr in den verdossenen fünfzehn 
Jahren — der Sultan zählte bei der Gebart der Fatima dreissig 
Jahre — wohl ebenso viele Geschwister vorhergegangen sein 
würden, wenn den im „Käfige" zur Thronfolge aufbewahrten 
Prinzen andere Weiber als unfruchtbare gestattet gewesen 
wären. Wiewohl von der Geburt einer Prinzessin sonst nicht 
besonders feierliche Kunde genommen »»ird, so wurde diesmal 
doch die der Erstgeborenen doppelt glänzend gefeiert, sowohl 
durch den Aufzug der Ziinfto als durch ein Feuerwerk zur See 
mittelst flutender Schlösser und Stückwällo, welche ein alter 
fraiizösisobor Renegat von MaraelUe, Alipascha, arrangierte. 

Auch unter Sultan Mustafa III. wurde die Geburt der Prin- 
zeftsiu HebetuUah, des ernten Kindes dep Sultans, mit ausser- 
ord(3ntlichcr, sonst nur für Prinaengeburt gewöhnlicher sieben* 



— 347 — 

tägiger Beloiichtung gefeiert. Schon einen Monat vor der Ge- 
burt war den Vorstehern der Zünfte und des Marktes angesagt 
worden, sich auf ausserordentliche Ausschmückung der Stadt und 
Beleuchtung bereit zu halten. So schwamm denn die ganze Stadt 
in Freude und Lichtäut; von allen Seiten regnete es Reim und 
Witzspiele, Schwärmer und Chronogramme, von deren letzten 
über tausend gezählt wurden. Am siebenten Tage brachte der 
Minister des Innern im Namen der Wesire eine goldene, mit 
Edelsteinen besetzte Wiege dar, die vier Kammern und Köschke 
des Sserai, das der Perlen, des Ufers, des Kanonen- und Garten- 
thores, waren auf das prächtigste ausgeschmückt, Über dem 
kaiserlichen Thore waren Staatszelte aus öoidstoft aufgeschlagen, 
und von dem ersten hohen Thore bis zum dritten, nämlich dem 
der Glückseligkeit, bildeten in der Nacht \ierhundert Fackeln 
eine Bahn des Lichtes. Befehle in alle Läuuer des Reiches 
kündigten die freudige Begebenheit und ordneten Lichtflut an; 
in den Strassen der Hauptstadt w^ogten die Fluten von licht 
und Volk durcheinander. Wenn Mustafa IIL so überschwäaglich 
die Geburt einer Tochter feierte, dann wird es nicht verwundern, 
dass er bei der Geburt des Kjonprinzen Selim siebennächtliche 
Beleuchtung der Stadt und dreinächtliche des Meeres, eine Flut 
von Licht, anordnete. Gefangene wurden aus dem Bagno frei- 
gegeben, unter ihnen auch katholische Armenier. Die Mutter 
de«i Prinzen war eine georgische Sklavin. Die Freude wurde 
durch den Tod der erstgeborenen, schon in der Wiege ver- 
lobten Tochter Hebetullah getrübt. 

Der Koran will ftn einigen SteDen von einer Bevorzugung 
des Mannes vor der B>au nichts wissen. Sure IV 36: „Den 
Männern soll sein ein Anteil nach Verdienst, and den Weibern 
ein Auteil nach Verdienst" 

IV 98: „Die Männer sollen eine» Teil von der Hlnt^lasson- 
schaft ihrer Klteni und Verwandten empfangen, und ebenfalls 
sollen die Weiber einen Teil von der Hinterlassenschaft ihrer 
Eltern und Verwandton empfangen. Sei es wenig oder viel, sie 
sollen einen beatimmten Teil empfangen." Ja, der Koran wendet 
sich mehi-mal« sogar äusserst scharf gegen irgendwelche Be- 
nachteiligung der Frau; so m VI140: „Und sie .sprechen: Was 
im Schosse dieses Viehes ist, ist unseren Männern erlaubt und 
unseren Gattinnen verwehrt; ist's aber tot geboren, so haben 



— 348 — 

Beide Anteil daran ... Wahrlich, lobueu wird Allah ihnen 
ihre Henanptaug'en.- 

Abor iij Widerspruch zu alledem bevorzug^t Mohammed 
selbst doch an anderen Steilen die Mäitmer vor den Fraaen ^mz 
oftenkaudig ; IV. Sure: „Em männlicher Erbe soll soviel haben 
als zwei weibliche . *• Denn : „Die Miinnei sind den Weif)erij 
überlegen wegren ttessen, was Allah den Einen vor den Anderen 
gegeben hat, und weil sie von ihreiu Geide für die Weioer 
auslegen.** 

Die „rechtschafienen Frauen" müfjsen deshalb „den Männern 
gehorsam, und sorgsam in der AbweseoBoit ihrer Gauen sein... 
Diejeni8:en aocr, deren Widerspenatig-keit ihr fürchtet, warnet 
sie» Terbannet sie in die Schlaf greMächer und vseiil.a?et sie. Und 
so (äie euch gehorchen» suchet köinen Weg widör sie," 

Einfi orierjtalische Tradition berichtet folgfeadermassen Über 
die Erschattüu^ der ersten Mön.scaen: Unter den ISugein bei'and 
sich Adam. Wie alle Bewohner des Paradieses war er ge- 
schlechtslos; er tand in sich selbst, in der Macht der Einbildung, 
alle Freuden, die er Ä'ünschte. Adam war , aipo ein Zwitter, 
iir befnichtete sich selbst, und so entstand Eva ans Adam. 
Adam selbst aber war die Frucht eines ähnlichen Aktes des 
Schöpfei-s. 

Der Koran ist allerdings gegen diese x^uffassung. In der 
zweiten Sure, betitelt „die Kuh", hoisst es: ,,Da sagen einige, 
Gott habe Kinder gezeugt. Fem sei dies!*' In der XVI. Sare, 
betitelt „die Bienen"; sagt der Koran: ..Sie eignen Goit Töchter 
ZVL. heru sei dies von ihm!" 

Die alten Araber hielten nänilich tue Engel für Töchter 
Gottes. Sie selbst wünschten nur Söhne zu zeugen. Die Geburt 
einer Tochter wui-de als ein grosses Unglück betrachtet, daher 
sie diese, jtleich nach der Geburt, oft um« Leben brachten. 
Darauf berfeljt ti^U die Stelle im Koran XVI. ^*ure: ,,Und sie 
eignen e^lch selbst nur solche Kinder äu, wie ihr Herz sie 
wünschet. Wird einem von ihnen die Geburt einer Tochter 
verkündet, dann färbt sich aus Kummer sein Gesicht schwarz, 
4ind er ist tief hefcröbt. Ja, ob der üblen Kunae, die ihm ge- 
worden, verbirgt er sich vor den Menschen und ist im Zweifel, 
ob er die Tochter zu seiner Schande behalten oder ob er sie 



— S49 — 

nicht in flie Erde vergral^eit soll. Ist ein solches Crteilon niclit 
schlecht?". . . 

Koran, 43. Sure: ^Wird jemandem von ihnen die Geburr, 
eines solchen Kindes, wie man es dorn AUbarmJierzJiron zn- 
schreibt (uSmtich eines Mädchens), verkündet, dann wird sein 
Gesicht schwarz nnd Kuuimer bongt ihn nieder." 

VI. 138: ,Sie haben verlockt, ihre Kinder zu morden." 

VI. 141: „Verloren sind diejenijron, welche ihre Kinder 
thöricht in ihrer UnwisscTiheit mordeten." 

Nach einem Kommentator hat man die Töchter nur dann 
lebendig" begraben, wenn sin Huren g-eworden wareji. 

Der Koran vorkündete in der öl. Sure, dass man bei der 
Auferstehnnir die „lebendig- begrabenen Mädchen befragen 
werde, welches Vorbrechens wegen man sie getötet." 

Koran, 43. Sure: „Wie wollen f^ie aber Gott Kinder weib- 
lichen Geschlechts zuerteiien, die unter eitlem Putz aufwachsen 
und die selbst ohne Ursache streitsüchtig" sind? Wie wollen .'de 
die Engel welche Diener des Allbarmbcrzigen sind, zu Franen 
machen? Waren sie denn bei ihrer Erschaffung gegenwärtig? 
Diese ihre Bezeugung soll niedergeschrieben werden und sie 
sollen einst dafür verantwortlich sein . . . Aber sie haben davon 
keine Kenntnis und sprechen nm eitle Lügen. Haben wir ihnen 
denn vordem hferflber eine Schrift gegeben? Haben sie eine 
solche in Verwahrung? Aber sie s^igen: Wir fanden, doss auch 
unsere Väter diese Religion ausübten, und wir sind in ihre Fuss- 
tapfen geführt worden . . ." 

LH. 39; LIU 19—24: „Oder hat Er Töchter und habt ihr 
Söhne?" — „Habt ihr nur die Söhne und Gott nur die Töchter? 
Wahrlich, das ist eine ungoreehte Verteilung ..." ,Nu.r die, so 
nicht glauben an das zukünftige Leben, geben den Engeln weib- 
liche Namen." 

XXXVIII. 158: „Und sie setzen zwischen ihm und den 
Dschinnen Verwandtschaft." 

VI. IfK) -101 : „und doch gaben sie Allah zum Gefährten 
die Dschinn, die er erschaffen, und logen ihm in Unwissenheit 
Söhne und Töchter an. Preis sei Ihm I Und erhaben ist er Über 
das, was sie ihm zuschreiben. Der Schöpfer der Himmel und 
der Erde, woher sollte er ein Kind haben, wo er keine Ge- 
fährtin hat?" 



— 350 — 

XXX VIL 149—157; XLIII 14: „Und doch ^eben sie ihm 
einen seiner Diener zur Nachkomraenschatt. Sollte Allah etwa 
von dem, was er schuf, gerade die Töchter für sich genommen 
und die Söhne für euch ausgewählt haben?'' 

LXXII. 3; „Denn Allah hat sich keine Genossiu genomnien 
und keinen Sohn " 

VII. 19ü: ,, Wollen sie ihm etwa beigesellen, wag nichts 
erschaffen kann und selber erschaffen ist, und was weder ihnen 
helfen kann, noch sich selber?" 

XXXI. 12: .,Und gedenke, da Lokman zu seinen! Sohne 
sprach, ihn ermahnend: mein Söhnleli!, gib Allah keine Ge- 
fährten; siehe, Vielgötterei ist ein gewaltiger Frevel." 

CXH: „Sprich: Er ist der eine Gott, der ewige Gott; er zeugt 
nicht und wird nicht gezeugt." 

IL 110: „Und sie sprechen: Allah hat einen Sohn eraeugt." 

X. 69 — 70: „Sie si>rechen: Erzeugt hat Allah einen Sohn... 
Habt ihr Bürgschaften hierfür? Oder sprecht ihr wider Allah, 
was ihi- nicht wisset? Sprich: Siehe, diejenigen, welche wider 
Allah Lügen ersinnen, ihnen wirds nicht wohl ergehen."* 

IX. 30: „Und es sprechen die Juden: ,Esra ist Allabs Sohn.' 
Und es sprechen die IS'azarener: ,Der Messias ist Allahs Sohn. 
Solches ist das Wort ihres Mundes Sie führen ähnliche Boden, 
wie die Ungläubigen von zuvor. Allah schlage sie tot! Wie 
sind sie ver»tandeslos!" 

Koran XJX: „Die Christen sagen: der j^llbarmherzige habe 
einen Sohn gezeugt. Damit äussern sie aber eine Gottlosigkeit, 
und nur wenig fehlte, dass nicht die Himmel zerrissen, und die 
Erde sich spaltete, und die Berge zusammenstür/?:ten ob dem, 
dass sie dem AUbarmhorzigen Kinder zuschreiben, ffir den es 
sich nicht ziemt, Kinder zu zeugen . . ." 

Demnach ist es besonders interessant, was im Koran XIX, 
16 — 36 geschrieben steht, wo vod der Gebort Jesu Christi 
Mitteilung gemacht wird: „Und gedenke auch ira Buche der 
Maria. Da sie sich von ihren Angehörigen an < iaen Ort gen 
Aufgang zurückzog und sich vor ihnen verscldeierto, da sandten 
wir unseren Geist zu ihr, und er erschien ihr als vollkominener 
Mann. Sie sprach: „Siehe, ich nehme muine Zullucht vor dir 
zum Erbarmer, so du ihn fürchtest." Er sprach: r.Ich bin nur 
ein Gesandter von deinem Herrn, um dir einen reinen Knaben 



— 351 — 

zu bescheren." Sie sprach: „Woher soD mir ein Knabe werden, 
wo mich kein Mann berührt hat und ich keine Dirne bin?" 
Er sprach: „AJso sei'sl Gesprochen hat dein Herr: Daa ist mir 
ein Leichtes, und wir wollen ihn zu einem Zeichen für die 
Menschen machen und einer Barmherzigkeit von uns. Und es 
ist eine beschlossene Sache. Und so empfing* sie ihn inid zog- 
sich mit ihm an einen entlegenen Ort zurück. Und es über- 
kamen sie die Wehen an dem Stamm einer Palme. Sie sprach 
„Dass ich doch zuvor gestorben und vergessen und verschollen 
wäre!"' Und es rief jemand unter ihr: „Bekümmere dich nicht; 
dein Herr hat unter dir ein Büchlein ftiessen lassen; und schüttele 
nur den Stamm des Palmbaums zu dir, so werden frische reife 
Datteln auf dich fallen. So iss und trink und sei kühlen Auges, 
und so do einen Menschen siehst, so sprich: „Siehe, ich habe 
dem Erbarmer ein Fasten gelobt; nimmer spreche ich deshalb 
heute zu irgend jemand ein Wort." Und sie brachte ihn zu 
ihrem Volke, ihn tragend. Sie sprachen: „0 Maria, fürwahr, 
du hast ein sonderbares Ding gethan! Schwester Arons, 
dein Vater war kein Bösewicht und deine Mutter keine Dirne." 
Und sie deutete auf ihn. Sie sprachen: „Wie sollen wir mit 
ihm, einem Kind in der Wiege, reden?" Er sprach: „Siehe, ich 
biu Allah's Diener, gegeben hat er mii' das Buch, und er machte 
mich zum Propheten. Und er machte mich gesegnet, wo immer 
ich bin, und befahl mir Gebet und Almosen, so lange ich lebe, 
nnd Liebe zu meiner Mutter; und nicht machte er mich hoffärtig 
und unselig. Und Frieden auf den Tag meiner Geburt, und den 
Tag, da ich sterbe, und den Tag, da ich erweckt werde zum 
Leben!" Dies ist Jesus, der Sohn der Maria, — das Wort der 
Wahrheit, das sie bezweifeln. Nicht steht es Allah an, einen 
Sohn zu zeugen. Preis Ihm! Wenn er ein Ding beschliesst, so 
spricht er nur zu ihm: „Sei!" und es ist." 



56. Missgeburten und Namensgebung» 



Das Alte Tesiament über Missgeburten. — Hässlichkeit ein Hindeniis im 
osmanischen Sttvatsdienst. — Angst der Orientalen vor Missgeburten. — 
3Iiss;?estaltete gelten als Tcrkappte Dämonen. — Geschwänzte MenBchen. — 
Angebliches YoriioinDiei) solcher Wesen. — Festgestellte FüUp. — Alba- 
uesische und walacbischo Ansichten äbei Ursache von Missgestaltungen. — 
Missgeburten in Kreta. ~ Aus meinem Notizbuch. — Selt.sair»? Miss- 
geburten in Xouetantinopel und m Cavadai. — Eine biblische Erwähnung 
von Vieifingerigkeit. — Mittel zur Stärkung schwächlicher Kinder. — Be- 
lebung scheintoter Kinder. -~ Sciiutz der Neugeborenen vor bösen Geistern. — 
Gute Namen für das Böse. — Intermezzo über Euphemismen. — Schreck- 
liche Namen für Kinder. — Die Namenso^ebung bei den Türken. — Die 
Patenschaft bei den Moslems in Bosnien. ~ Das Wort Ihn. — 
Arabische Namen. — Der unglückliche Name Mustafa. 

Bei den Hebräern konnte — nacü Moses 11. Bach XXI 20 
- niemand zum .Priesterdienst zugelassen worden, der mit einem 
Gebrecöeu behaftet war; als mit Gebrechen behaftf^^ galten: ein 
Lahmer, ein Blinder, einer, der eine tief eingedröckto Nase oder 
der ein Glied zu laiig hatte, oder ein Mann, der einen Bruch 
am Fusse oder einen Bruch an der Hand hatte, oder ein Buckliger, 
eiTi Zwerg, oder ^uner, der einen Flecken im Auge hatte, ein 
Krätziger, ein Grindis'er, endlich einer, der ^erdrückte Hoden 
hatte. - Die ORmanische Geschichte berichtet von einem merk- 
würdigen Falle, welcher beweist, wie hoher Wert im Orient auf 
wohlgobildeten Körpj^r gelegt wird: Unter der örossweairsf^haft 
Ragbibpaschas empfahl der Kiajabeg oder Minister des Innern 
einen Sohn seines vormaligen Amtsgenossen zur Stelle eines 
Eitt^chriftmcisters. „Ic aer That", sagte ßaghib, „habe ich die 
Freund «chaftspflichten gegen seinen V?ter nicht vergessen, und 
könne 'ch haarklein des Empfohlenen Talent und Eifer, allein 



— 353 — 

es fehlt dem Abdurresak an Wuchs, der doch die Hälfr^ dos 
Ansehens und des Glücks; ich würde mich blop läcborlich Riache.U; 
wenn ich einen solchen gevierteu. untersetzten, kurzheinig-en 
Knirps zum Dienste des Diwans verwendete, der zuvörderst An- 
sehen gebieten mnss." Mit dieser Aeusserung, welche zeigl, wie 
viel bei den Türken stattlicher Wuchs gilt, schnitt der (.Iross- 
wesir Raghib damals dem 8ohne seines Amtsgenosseu alle Hoii- 
nung zu höheren Staatsämtern ab. 

Bei dem aborgläubis("hen Charakter der Orientalen ist es 
nur selbstverjständlich, dass man in Naturspielen etwas Beängsti- 
gendes sieht. Die Albanesen haben vor Missgeburten eine ejit- 
setzliche Scheu und muten ihnen alle mögJichen bösen GeLeiia- 
kräfte zu; man glaubt aacli, dass manche Geister die Formen 
von Missgestalten haben. Das in den Sagen auftretende weib- 
liche Ungeheuer Sükjennesa oder Himdsauge hat vier Augen- 
zwei vorne, zwei hinten. Bin Kind, das mit haarigen Wülsten 
an den Schultern zur Weit kommt, ist ein Drangoj, ein Goist 
in Menschengestalt; es kann fliegen oder wenigstens springen. 
In stürmischen Nächten fliegt der Säugling aus dem Elternhaus 
und kämpft mit Dämonen. Nur die Mutter darf die Missgostaltung 
am Körper ihres Kindes sehen; bemerkt sie auch ein Fremder, 
so schwindet die Kraft des Kindes und sein Leben. 

In Süd-Albanien, Griechenland und KJeinasieu glaubt man 
an die Existenz geschw^änzter Menschen — an Menschen mit 
Ziegenschwänzen und Menschen mit kleinen Pferdeschwänscn. 
Man erkennt sie zuweilen äiisserlicii. Sie sind ansserordentlicU 
stark, untersetzt gebaut und dabei auffallend tiichtige Fussgäcger. 
Schon Hahn, der dies /:uerst erwähnte, bemerkte; hier liege 
mehr als Volksglaube vor. Aeltere Fälle dieser Ai't erzähite 
Meckel in seinem 1812 erschienenen „Handbuch der patho- 
logischen Anatomie'*. In neuerer Zeit berichteten AehnJicIies: 
Forster, Gerlach, Ncuma.yer, Ornsteiu und Bartels. Gcrlach be- 
schrieb einen Fötus von 77 Millimeter LMnge mit liHarfein uns- 
laufendem schwunzähnlichon Anhang. Doktor Neumnyer in 
Cincinuati veröffentlichte die Abbildung oin(\s neugeborenen 
Knaben, der in der G<,^'end des Steisjsbeiney eine mit normale 
Haut überzogene nnd sich etwas härtiicli anfühlende, anderthsib 
Zoll lange, an der Basis mehrere Linien dicke, nach dem Pude 

S( <>ri.., Medizin, AberRlituf«' u. Geschlechtsleheii Uj dep T'lrkn U. yS 



— 354 -— 

zu allinäblicb sobmäler wordende Schwanzbiidun^- besass, die 
sieb auch bei geringen Reizungen bewegte. Den interessantesten 
Fuil gab iJoktor Otn.stein, Chefarzt der gTi'ecbischen Armee, im 
öahre 1879 in den Vorband] ungen der Berliner Anthropologischen 
iicrH-lIscbaft bekannt: Im Juli 1879 war ihm ein ans Livadia 
gel>i!rtigor, 215 Jahre alter Grieche, Namens Nikolaus Agos, vor- 
gestent •\\ürd';ii; dieser Mann halte hinten einen 5 Zentimeter 
loViigen Schwanz, zur Ilälfto frei heral »hängend. 

Die (Iräko-Walachen in Mouastir sajren von unregelsnässig 
ejit*.vickeiten Kindern oder Missgeburten: sie tragen ein gött- 
lU'hi^ Y7ahrzeicben. Als phantastisch-abergläubische Ursachen 
gilu laaii an: den Zorn Gottes, auf der Famüie Isstenden Fluch, 
scbsvfre^i Vergehen, die zu verbotene)! Zeiten erfolgte Empfängnis. 

Kreta scheini ein Land schrecklicher Mlssgeburteu zu sein 
— als Foi'lteii jene Sprachforscher Hecht behulteu, welche das 
"\\ ort Ki'ctin von Kreta ableiten. Von den vielen von mir ver- 
zeichneten Fällen .--il] ich hier nur ein paar ganz merkwürdige 
anführen: Im jlärz 1805 gebar eine GrJochin in Kauea, wie 
daiuali^ von türkischen Blättern berichtet wurde, ein Kiüd mit 
zwei Zungen, ferner mit sechs Fingern an jeder Hand und sechs 
Zohen an jeden' Fusse. Das Kind starb nach einigen AVochen. 
Kiu kürzeres Dasein war einem Wesen beschieden, das im Juli 
1895 in dem Dürfe Sozurokefali Pedias auf der Insel lijreta vou 
einer irrsinnigen Griechin geboren wurde; dieses Wesen war ein 
menschlicher Knabenlcib, aber mit einem Hundekopf, mit Huude- 
füssen und mit Hundeziihnen. Das Ungeheuer kam lobend zur 
Welt, lebte aber nur wenige Minuten. Am 15. Mai 1895 kam 
in Konstantiiiopel ein Kind mit zwei Plöpfcn aus dem Schoss 
einer Türkin; das zweiköpfige Kind lebte etv.-^ -r.ahv, Wochen 
and starb am 22. Juli. Die Zeitung „Le Progres de Salonique" 
ei/.Üiite JT: ii'r.u Nummer vom 18. Mai 1900: Eine türkische Frau 
i'.i Cavadar gebar vor eiiiigou Tagen zwei tote Kinder; die 
Zwilli(ige waren mit den Unt/^rlcil}ern zusammciigewaclisen, 
bildef'-n einen einzigen Körper mit zwei Köpfen, vier Armen 
und vier Füssen, — ganz wie die berühmten siamesischen 
Zwillinge. 

Das älteste Peispiei vonVi'iJfmgeiigkeit, das in der T.itteratur 
berichtet wird, dürfte nach der Meinung des Prntessors Ebstein 
je^e St,(4!e im 1). 'lynche Samuel, '^l. 15—22 sein, wc v(m den 



~ 356 — 

vier Riesenkindern ans Gath, die durch die Hand Davids und 
seiner Geirenen fielen, erzälilt wird. Eines von den 4 Rif?»en- 
kjndem hatte je 6 Finger an den Händen und je 6 Zehen an 
den Füssen. 

Bei scheintoten und schwachen Kindern wendet man folgende 
Mittel an: In Koustantinopel steckt man scheintoten Kindern 
den Schuabel eines lebenden Hahns in den Mastdarm, wobei 
man den Hahn festhält. Die Zackungen und Bemühungen des 
Hahns, den Schnabel zu befreien, sollen das scheintote Kind 
zum Leben erwecken. Ist das Kind blos ohnmächtig, so muss 
man den Mutterkuchen, noch vor der Abtrennung der Nabel- 
schnur, auf einem Kohlenfeuer braten; man glaubt, dass der 
dadurch entstehende Rauch das Kind beleben müsse. 

Wenn man bei den Gräko-Walachen bemerkt, dass das 
Neugeborene schwächlich oder sterbend zur Welt gekommen sei, 
kSo bringt mau es gleich nach dem Bade in die Kirche zur Taufe, 
damit es nicht als Heide oder Ebiiüüpulo, als Judenkind, sterbe; 
stirbt es vor der Taufe, so wird es abseits von den getatiften 
Menschen , ohne kirchliche Ehren begraben. — Eine bei Ver- 
wachsung zweier lebender Bäume entstandene Spalte erfreut 
sich im mmäuischen Volksglauben einer besonderen Bevor^ 
zugimg. Man zieht durch eine solche Spalte schwächliche 
Kinder, 'damit sie uaclisen und gedeihen. 

Ueberall ist es die erste Sorge der Eltern, das neugeborene 
Kind vor den bösen Dämonen zu schützen. Das unerlä^sliche 
Amulet ist ein öttickchen von der Nabelschnur, welches das 
Kind mindestens solange an seinem Kopftüchlein trägt, als es 
an der Mutterbrust gehalten wiid. Wenn die Walachin nach 
ihrer Entbindung ihr neuge])orenes lünd zum ersten Mal an ihre 
Brust drückt, muss sie — um es \or allem Uebel zu schützen — 
laut sagen: „Möge dem bösen Geist ein Sicm in den Rachen 
fallen!" Aber in Monaatir sagt man euphemistisch: „Das kommt 
vom Otiten!" wenn das Kind durch die Bosheit eines Geistes 
erkrankt. 

Aehnliche Eui)hemismen J?ind schon von mir früher orwfthut 
worden. Da man sich fürchtet, die wahren N'amen der Hexen 
und Krankheitsgeister zu gebrauchen, bedient ii'an sich solcher 
Umschreibungen und Fälschungen. Die BalkaaMlr.ven sagen für 

23* 



— 356 — 

Hexo: Mora oder Krstp.tscha, die mit dem Kreuze Gezeichnete; 
oder Rodulja, die Gehörnte. 

Die Nordalbanesen nennen, nach Hahn, die Poltergeister, 
die nur Böses anstiften und allen, denen sie erscheinen, Krank- 
heit oder Tod bringen, nichtsdestoweniger: Stojzowale, von; vStoj 
zot valet, Vermehrer des Chors — nämlich des Chors, welcher 
Lobhymnen auf Gott singt. Diese fromme Fezeichnang soll dio 
Poltergeister freundlicher stiiamen. Wecn man von ihnen spricht, 
versteigt man sich aus demselben Grunde sogar zu dem Wunsche; 
möge Gott sie vermehren wie Gras und Blätter! In Süd- Alba- 
nien gibt man den Dämonen ebenfalls umschriebene Namen 
Einmal bezeichnet man sie als Jaschtschesmeja, das Auswärtige, 
entsprechend dem gi'iecLischen To exotikon. Oder sie heissen: 
Fatmire, die Glücklichen; Nus e Malljet, Bräute des Berges. 
In Elbassan nennt man sie: Ato kjä bantschine naten e mire^ 
diejenigen, welche eine gute Nacht haben mögen. 

Die Serben sprec^ien in Pestzeiten den Namen Kuga nicht 
aus, sondern sagen: Kuma, Gevatterin. Man betrachtet es als 
sündhaft, selbst gefährlich, den Namen des Todes, Smrt, eitel 
auszusprechen, man sagt einfach: Bolestscbiza, die Krankheit; 
oder: die liebe Krankheit; oder auch Kuma, Gevatterin. 

Um nicht das Unheil, welches dio Nachteule zu prophezeien 
pflegt, herbeizurufen, spricht man in Bosnien^ namentlich vor 
Kindern, den wahren Namen des Vogels, Jejina, nicht aus, son- 
dern umschreibt ihn mit: Velika Buba, grosse Buba; oder: Velika 
Baja, grosse Zauberin. 

Entschlüpft einem zufällig vor Kindern das Wort Jejina^ 
so zieht man, indem man dabei piepst, die Kleinen aa den Ohren, 
und vermeint dabei die üble Wirkung zu paralysieren. Die 
Lüjth, die nach jüdischem Aberglauben den Wöchnerinnea und 
Kindern gefährlich ist, hat den Beinamen: „die Schöne". In 
Damaskus nennen die Mosleinr. die A'a?!sätzigen; „die Herren**; 
die Christen aber sapen: „die Brüder''. In Jerusalem gebraucht 
mau Tiohen „Madschuniiu" oder „^'er3tümmelte" den Ausdruck 
jjMe^sakin", „dio Ai'meu''. Den Wahnsinn nennt man im Ara- 
bischen: „die sogen] )riDg(.nde Prüfupg*' 

Ein Beduine heisst die ihm so oft getUhiliche Schlange nie 
anders als „Mädchen". Dei- Me, der bei den Beduinen als un- 
heilbringend gilt, wird trotzdem bei ihneu „der Glücksbringer' 



— 357 — 

genannt. Dem Teufel geben sie vorsichtig blos den Titel; CTrlcjui- 
hart. Ist man in solcher Weise beiüüht, das Böse durch fieund- 
liche Benennungen um/ustimmen und abzuwenden, so sucht 
man umgekehrt bei der Namensge])!^^ der NeugeboreiH.'U durch 
abschreckende Namon die Täuschung hervorzurufen, als sei das 
Kind hässlich, abschreckend; dadurch glaubt man die Krauk- 
heitsdämoDcn von den Neugeboront^n aozusohrecken. 

Ich habe ähnliche kaukasische Gebräuche in meinem Buche 
„Zwischen Kaspi und Fontus" erwähnt. Man ilndet diese Sitte 
aber auch bei den Russen, Kamtschadalen, Tongkinosen, Siaineser., 
selbst in vielen (Jegendon Europas. Lilbeck erzählt in geiner 
Schilderung' von den „Kranklieitsdämonen der Balkanvölker" im 
8. Bande der ZeitGcbrift des Vereins für Yolkakuude, dass man 
sich in den Balkanländerü iioi den Slaven des Ausdrucks' Gros- 
dauka bediene, was nach der krü|»pclhat'ten ^'oIksetymalogie 
etwa ,.das Grausliche" bedeutet, in Wahrheit jedoch vom alt- 
btUg-arischen Grosd. Traube, abstammt. Bin Volkslied boginnt: 
„Nicht dauern Deschkas Geburten; da gebar Deschka ein Mäd- 
cheu, es war sehr schön; Deschka staunte und sann, mit welchem 
Namen sie es taufen sulite; da taufte sie es: die Grausliche, 
damit sein Name grauslich sei." 

Die Zeremonie der Namensg:ebun3 bei den Türken kann 
dem freserzc zufolge in den ersten 40 Tagen nach der Ge>)'Qrt 
^statthaben. A.bor der Gebrauch will, dass sie schon am Tage 
der Geburt, im I.aufe 6er ersten 3 Standen erfolge. Der Imam 
braucht nicht anwesend zu sein. Der Vater des Kindes — in 
seiner Abwesenheit das Oberhaupt der Familie — hat da^s Recht, 
dem Kinde den Namon zu g-eben, der ihm gefüllt, die Mutter 
wird um ihre Ansicht nicht befragt In den Städten ist es 
üblich, zur Zeremonie den Imam zu berafou; aber auch da ist 
es nicht obligatorisct. Die Namensgebung ist hö''.hst einfach. 
Der Namensgeber nähert sich dem rechten Ohre des Kindes 
und sagt das ,.Esana"; ,,Kohor Gott! Hoher Gott! Hoher Gottl 
Hoher Gott! Ich bezeuge, daj;^ C3 keinea Gott gibt, ausser 
Gott. Ich bezeuge, dass Mohammed der Prophet Gottes ist. 
Kommt zum Gebet! Kommt zum Gebet! Kcmmt in den 'iV^mpei 
des Heils! Grosser Gott! Oros<!er Gott! Es gibt l-ceiocü Gott 
ausser Gott!" Darauf neigt er sich «am linken Ghre des Kindos 
und spriclit das „ükameth*': nämlich^ er repetiert das Esaan bis 



— 358 - 

ZU den Worten „kommt ux den Tempel des Heils'* und fügt 
hinzu: „Siehe, alles ist bereit zum Gebet 1" Dann gibt er dem 
Kinde den Namen: „Dein Name ist . . ." Und die Zerem nie 
ist beendet 

Die Moslems in Bosnien kennen bei der Namensgebung des 
Kindes auch die l*atenschaft, eine Sitte, die sonst nirgends bei 
den Mohammedanern üblicii ist nnd aus der Zeit stammt, wo 
sich noch die Bosnier alJe zum Christentum bekannten. Ueber 
diese Sitte erzählte ein Schilderer des Landes in einem Feuilleton 
der „Kölnischen Zeitung", i90i, Nummer 366: 

„Bei den bosnischen Mohammeaanern existiert dreierlei 
Patenschaft: bei dem ersten Haarschneiden, bei der Beschneidung 
und der Hochzeit. Die Annahme einer Patenschaft wird niemals 
rerweigert, obwohl sie mitunter bedeutende Kosten verursacht. 
Bei armen Leuten und namentlich bei schwachen Kindern, an 
deren Lebensfähigkeit man zweifelt, wird manchmal folgender 
Vorgang beobachtet: Am frühen Morgen (noch vor Sonnenaufgang) 
„eines jungen Sonntags", des ersten nach dem Neumonde, oder 
am Freitag, dem Festtage der Mohammedaner, trägt einer der 
Hausleutö das Kind vor das Haus und bittet den ersten Vor- 
übergebenden, ohne Rücksicht auf dessen Glaubenskenntnis, Pate 
zu werden. Es wäre eine grosse Sünde, dies zu verweigern. 
Der Huf diese Art erworbene Pate schneidet dem Kinde mit 
einer Schere die über die Stirn herabhängenden Haare ab und 
hat dadurch die Würde des Paten erworben. Zu seinen ersten 
Pflichten gehört es, sein Patenkind und dessen Mutter zu be- 
fichcnkea, Das abgeschnittene Haar wird mit Wachs an der 
Zimmerdecke festgeklebt. Die Patenschaft beim ersten Haar- 
achneidcn steht bei der bosnischen Bevölkerung in hohem An- 
sehen. Die Paten stehen zu einander in einem engen freund- 
schaftlichen Verhaltnisse, sodass die Frauen von Paten sich vor 
diesen nicht verhüllen und deren Kinder einander, als wären 
sie die nächsten Blutsverwandten, nicht heiraten dürfen. 

Das Wort „Ibu", das in den moslemischen Namen vor- 
kommt, bedeutet Sohn, und wenn es vor einem Namen gebraucht 
wird: „Sohn des." So heisst beispielsweise Hasaan Ibn-Mehmed: 
Hassan, Sohn des Mehmed. Bei sehr vornehmen und wichtigen 
Faiiiilien wird, wie der Roisende Nolde schon erwähnt hat, der 
Name eines besonders hervorragenden Mannes förmlich zum 



— - 359 — 

FamüienuanieTt. So hiess l)oiRpiclsAveise der Vater des Emirs 
van Mail: Ahdallah, trot:.>!om Eemit man den Emir nicht 
Ibnr Abdallah , wohl aber Ilm-Ri:schid, nach einem anderen 
berühmten Vorfahren. Ausserdem xvjrd bei dem Haupte eines 
wichtigen Hauses ^uch der Voruame ganz weggelassen und nur 
bei den übrigen jüngeren Mits-lifdem der Familie gebraucht. 
So ist denn beispielsweise kurzweg: Ibn-Raschid, Ibn~Haddal, 
einfach das AequiTalent für: „Der Raschide", „der Haddal". Dieses 
von Nolde gewählte Beispiel verdient ein besonderes Interesse 
schon deshalb, weil man in Europa seit Jahrzehnten von dem 
Emir Ibn Raschid spricht, ohne zu ahnen, dass es bereits 
den zweiten oder dritten Träger dieses Namens im iemen 
Arabien giebt. 

Der Koran verbietet Fauiiliennamen, als ein dem mensch- 
lichen Hortimato Vorschub leistendes Uebol. Die Araber, Kurden, 
Aloanesca und andere auf ihre Stammbäume auaserordciitlich 
hallende Völker haben sich indessen wegeu Nichtachturig dieses 
Gesetzes entweder einfach mit ihrem Gewissen abgefuudci» oder 
dasselbe, wie oben von Noldc beschrieberj. umgangen. 

Ein durch traurige Berühmtheit ausgezeichneter Name in d^r 
osmamschen Geschichte ist Mustafa, worüber Hammer im vierten 
Bande seiner Geschichte des Osmanischen Reiches berichtet: 

Sultan Mustafa, der Dritte dieses Namens, Sohn Achmeds TD., 
war in dem für die osmanischeii Waffen so uijglückücbe« Jehre 
des Verlustes des Temeswarer Banates geboren, und sein Name 
Mustafa war in der oamanisichen Geschichte vom Anbeginn de« 
Reiches her ein unglücklicher. Der erste Prinz dieses Namens, 
der Sohn.Bajesids, Avai- in der Schlacht von Angora, wo sein 
Vater von Timm- gefangen genommen woi*den, in Verlust ge- 
raten, ohne dass je von ihm -wieder gehört worden, wenn er 
nicht wirklich der sogenannte erdichtete Mustafa gewesen ist, 
welcher als gefährlicher Throniiebenbnhler MohaiLmeös I. und 
Murads II in Europa aufstand, lange in byzantinischer Gewahr 
festgehalten, dann in der Schlacht von ülubad besiegt, an einem 
Turme Adrianopels aufgehenkt wyrd. 

Ein anderer Mustafa, Börcklüdsche Musitüu, v':ir das Haupt 
des grossen Derwischen- Aufruhrs in Klein-Asien.; er wuruc ge- 
kreuzig-t, während man seine Anhänger vor seinen Ai-gen 
zusammenhieb. Mustafa, der dreizehnjährige Bruder Murad's IL, 



—. 3G0 — 

g.ucli oin Thronan masser, wie die drei vorfi.ergelienden. vravlo 
äm'ch den MnßdscJionk Eühä verraten und an eineiu Feigen- 
baamo vor Nicäa aufgeheiikt. Mustafa, SoIiU MohaniTneds U., 
der Feldherr und Statthalter von Karaman . starb frühzeitig, 
dein Gerüchte nach vom Vater vergiftet, Mustafa, der Sohn 
Sulcimans, ein Liebhaber der Wissen ischftften and Dichtkunst, 
fi;:i] alä ein Opfer der fiäu|5:e der Snltaiiin Roxeiane nnd ihres 
Eidams Rüstern Pascha, zu EregK: eir wurde in des Vaters 
Gegen ^va^t erwürgt. Mustaia, der Sohn Selinis il., telUe? bei 
der Thronbesteigung Mniads UL das Los seiner fünf Brü<^er: 
er worde nach dem Kamm, dem Gesetze des Frinzenmordcs, 
erwürgt. Der hoffnang-svöllste der neunzehn Söhne Mnrad's IIL 
war eiQ Mnstr-fa, dem des Vaters 'i^od poetische Klage als Vor- 
gef'ihi des eigenen eiii|?ab. Nach acht hingerichteten Thronanmasseru 
mit Naniejj Mustafa bestieg endJich Miistafa, als Saltan der erste 
diesoö Namens, zweimal den Thron, von we'cheui ihn zweimal sein 
i^iödsinn in di.m Kerker des Käügs :5urückwarf. Mustafa, der zweite 
SiiJ!.andiesesNai]H>nSj Fliichtlingvcui Schiaditt'eide von Zenta,Un^ 
Äelcbner de>s bis auf ihn für änf^ o«ina.m?cbc Rchji schirnptiichsteü 
Friedens, näinlich des von Kai'lowicz. wurde duich Aufruhr 
entthrc-nt. Nach dIc??Cf'} ungiücklichen zehn Mustafas bestieg der 
diitte Sultan dieses Naiiseris als sechs und zwanzigster Herrsciier 
der Üsmanen den Thron; (?r ist der Einzige seines Namens*, dei- 
weder Thron noch Tje^ion gewaltsam verlor, er vcrBtand e,s eJnef: 
auch nicht., dieses nnd ,jene3 rühralich ausaufiillen. 



57. Beschneidung. 



Die mosR;si^lier Vorsc)iT"ften. -- Ansichten von M'ainionides. •• Der Tttrlie 
Omer TJaie'>y über Bes''hTield!i:;.g bei den Moslems. — Die Bftschaiiidimg keiu 
rein reMgÜiset Abt- — iJiitcrsf'iüed zwiKcbeu dm' jiidisch'jü «od df^T :nc9- 
lemischön inffassiißg. -■ DieBesvLuoidncg aicht obügatorisch fUrUeDegaten. 
Bsischneidung und (Tes(*b]echtslebon. — Kuriose Auffassung Ojner HalebyS. -- 
Dif Zeremonien. ~ Zeitpunkt der ßeschnfidung. —■ Openition bei Er- 
v»aeh«en»jü. — Aus der Praxis meines FreauJes Dr. B«ck. — Bescl'ueiJiing 
in I'ersien. — Boschneiduoi^- uüd Verniälilung beisset Hochzeit. •■ Bc- 
SchoeiiJnn)rsfe3te am Opmaai«d'on JJoi'e — Bcscliußi.Iüug: von Christcn- 
isnabefi zu j?.hre»j ties müsieinisciieT). Glüiibem- -- Beschnpidung von 
Waiseu ist WchJthun 

Tto 1 Buche Mosos XVIII 11—14 wird angcoreiriot: ,,Be- 
schüddcij ä^llt ihr das FJeisch eaerer Vorhautj und das sei zum 
Zeiciien des Bundes zwischen mir Uiid imch. Und zwar: acht 
IVigc alt, soll bei euch beschnitten worden j(?^']iches Nfrinnliche, 
der Hansgeborene und der für Geld von jedon Fremden, der 
nicht deines iStammes ist, Erkaufte. Aber ein vorhäatiger Maim, 
der picht heKchnitten v»'orden am Fleische seiner Vorhant, dessen 
Person «oll ausgerottet werden ans ihrem Volke; meinön Bund 
iiat er gebrochen." 

-Dieser Stelle zufolge wurde die B^eschneiduiiar u«t.er den 
alteii Hebräern Ton Al'rahain iro Jahre 2107 seit Adam, sls 
Zeichen des Br»udes, eiufic'^ft^-iirt. Ob die Beschneidung erst von 
Abraham original 'an«'g:eül't warde, oder ob sie Abraham von 
anderen Völkern — etwa den Acgypteru — ü]>ernahm, daruoer 
ist luan verschiedener Ansii'ht lieber di« Beschiaeidun^'" bei 
der. Hobräerrt habea ande>-e Schriitsteüor Geniig-eudes gesagt. 
Ich er^'älsne nur einip'cs. was für die moslesiische Besehneidunür 
als Parallele herangezogen werden mma. Mniniorddes war der 



— 362 — 

Ansiebt, dass die BescJhneidüng zurVerhütuBg des Missbranclies 
des Geschlechtstflebcs oingefülirt wurde; aucli der Türke Omer 
Haleby betrachtet die ßescbnciduDg- baTiptsäcblich vom sexuellen 
Standpunkte. Den Befehl: „am achten Tage ist die Vorhaut zu 
beschneiden" — kommentierte Rabbi Jakob folgendermassen: 
Die Beschneidung könne auch später vorgenommen werden, 
wenn das Kind am achten Tage nach der Geburt krank sein 
sollte; ebenso, wenn ein Erwachsener in den Bund aufgenommen 
wurde und am achten Tage krank sein sollte. Ein krankes 
Sind soll dann nicht eher beschnitten werden, als bis es voll- 
kommen gesund geworden. Man zähle vom Genesungstage ab 
sieben Tage, und am achten finde die Beschneidung statt Ein 
Kind, das gelb und rot am Körper ist, dnrf nicht beschnitten 
werden. Man verzögere stets die BeBchueidung, wenn man 
befürchten muss, dass durch sie das Leben des Kindes gefährdet 
weiden könnte. Wenn zwei Söhne des Hauses an den Folgen 
der Beschnelüung gestorben sind, darf der dritte Sohn un- 
bcschnitten bleiben. 

Bemerkenswert ist, dass gegenwärtig in vielen jüdischen 
Familien in Europa das Gesetz der Beschneidung nicht mehr 
eingehalten wird. 

Omer Haleby definiert den Akt der Beschneidung bei den 
Moslems derartig, dass er ganz anders erscheint wie bei den 
Hebräern; er ist kein Zeichen des Bundes; zum Islam über- 
tretende Christen sind nicht gezwungen, die ßeschneidung an 
sich vollziehen zu lassen. „Viele glauben", sagt Omer Haleby, 
„dass die Beschneidung ein rein religiöser, vom Propheten 
befohlener Akt sei. Das ist ein Irrtum. Bei den Hebräern 
war die Beschneidung ein Zeichen ihres Glaubens. Aber ?tie 
waren nicht die Ersten, die so thaten. Vor ihnen gab es schon 
die Beschneidung bei vielen asiatischen Völkern, wenn sie dort 
auch nicht aus religiösen, sondern aus hygienischen und sozialen 
Gründen geschah. Die Juden entlehnten diese Operation den 
Aeg5n)tern und machten aus ihr in dei* Folge^das unauslöschliche 
Zeichen ihres Glaubens, eine wahre nationale Taufe, den bedeut- 
samsten religiösen Akt des Judentums. Als Mohammed ims die 
gute Botschaft des Islams verkündete, existierte die Beschneidung 
nach israelitischem Modus oder nach anderen Methoden bei fa.st 
allen Völkern der arabischen Halbinsel als allgemeine Gewohnheit^ 



— 363 — 

Kur die Christen ünd Sabäer machten eine Ausnabme. Die 
Schüler des Johann Baptist waren indessen und sind auch heute 
Beschnittene; aber bei ihnen ist die Beschneidung nicht in ein 
Zeichen der Taufe vorwandelt worden, sondern sie ist blos eine 
hygienische Massregel und ein Zeichen ihrer israelitischen Her- 
kunft.. Das Gleiche gilt von den abessinischen Christen. 
Mohammed erkannte die guton hygienischen und sozialen 
Wirkungen der Beschneidung und liess die Operation unter den 
Gläubigen fortbestehen, aber ohne aus ihr eine absolute religiöse 
Verpflichtung zu machen. Es ist deshaü) unrichtig, in der Be- 
schneidnng der Vorhaut bei den Moslems eijt religiöses Dogma 
zu sehen, das etwa an die jüdische Zeremonie erinnert. Die 
Beschneidung ist für uns nicht eine Art Taufe> noch eine Be- 
kräftigung unseres Glaubens; sie ist ein Akt nachahmender 
Verpflichtung, von der man sich aber im Falle, dass sie Gefahr 
ftir das Leben bedeuten sollte, oder im Falle natürlicher Hinder- 
nisse, dispensieren kann." 

Dies sind nachOmerHaleby „die Prinzipien". Im Allgemeinen 
ist indessen die Beschneidung, die jeder öffentliche Barbier vor- 
nehmen darf, allen guten Moslems als eine gesetzliche, hygienische 
und, wenn man sie als vom religiösen Gesetze befohlen ansehen 
will, selbst als eine religiöse Uebung zu empfehlen. Man kann, 
wiederholt Omer Haleby, auch unbeschnitten ein guter, dem Ge- 
setze des Islams treuer Moslem sein ; aber die Beschneidung bringt 
so viel Gutes mit sich, dass jeder gute Moslem seine Kinder 
beschneiden lassen soll. Das Gute besteht zunächst in morali- 
schen Vorteilen; die Beschneidung ist — wie beispielsweise bei 
den Juden — ein suggestives Zeichen, die Symbolik der von 
einer ganzen religiösen oder politischen Gemeinschaft angenom- 
menen Prinzipien. Dieses Zeichen, auf jenem Organ angebracht, 
welches in direkter Beziehung mit dem Gehirne steht, ist be- 
sonders für Suggestion geeignet. Unter der Suggestion eines 
solchen Zeichens fühlen sich alle Beschnittenen als eine einzige 
Rasse, welche dieselben allgemeinen, intellektuellen und physi- 
schen Chaiakterzüge erhält. So ist die Beschneidung ein poli- 
tischer und sozialer Akt; ein Zeichen, das die vereinigt, welche 
in gleichem Glauben, nach gleichen Prinzipien leben. Dadurch 
folgen sich Generationen unter Beibehaltung der gleichen Ideen, 
der gleichen Gesetze, der gleichen Eigenschaften, der guten^ wie 



„. 36 i — 

der schlcclit€D- Dieses atavistisch o Gesetz allein erkläre in 
Wahrlieit die Verewigung des .jüclisclien Chirakiors trotz alier 
ZerstreuuBgen imd aller Voi-foleiiui^'-en, donoii die Kinder Israels 
bis heute ausgesetzt gewesen. 

Der Einlluss der Eef»ciiiieidung ist bei den Moslems in 
moralischer wiv' in suggestiver Beziehung jedoch anders. Wohl 
existiert io ihr auch für (ien Islam eine suggestive liraft, welche 
um alle Moslems eiü Band schlingt Aher diese Suggestion Ist 
njcht dieselbe, wie bei den Juden. Sie beclcilusst nur wenig 
die Verschiedenheit der Charaktere und die physiologischen 
Typen, welche man unter den vieiartigea Vöik';rn des Islams 
tindet Sie hi bei den Moaleiua etwa wie bei den abessinischen und 
koptischen ('bristen, wie bei den Schülev» des Johann Baptist 
und dei? Sabäem, weiche, auch die Besebneldung beibehalten 
haben, ohne sie als absolutes religiöses Prinzip zu beti-achten. 
Sie ist vredtir eme Taufe, noch das absolute Symbol des Glaubens, 
sie kanu weder die Ausbreitung des Islams unter y.llcn anderen 
V(>lkeni hindern, noch die Fonschriirc der Kasse fürdorij. Ihre 
hauptsächliche Bedeutung ist hygienisch. Und unter hygienisch 
versteht unser Freuu'i Omcr Haleby, von dem wir hiermit gleich 
Abschied nehmen, Folgendes: „Die Abtrennung der Vorhaut 
hchiltel das Kind vor dem Jucken, welches infolge des Uri- 
nierens an d^r Eichel entsteht, und hält den Knaben ab, sich 
den Peuig zu reii)en, bewahi't ihn also vor einem unwillkürlichen 
Triebe zur Onanie. Es wird ferner durch die vollzogene Opei'a- 
ti.'n die Entwicklurg des Dkör, des Gliedes, erleichtert und 
seine Kraft erhöht. Und wenn der Jüngliiig in das Alier tritt, 
wo ihm (iie Morgeniöte der geschlechtlichen Genuese lacht, ist 
sein hescl:nitleues Glied vollkommen entwicüeit und kräftig und 
ermöglicht es ihm, den Coitus mit -geringerer Gefahr für seine 
Gesuijdheii und mit grösserem Vergnügen füi die Frau auszu- 
üben, deren Geschiechwteiie voü einem durchaus festen, süssen 
und vollkommenen Dkor beiührt werden. Vvenn der Mann den 
(.oitus mit einer Frau ausübt, die krank ist, dann ist er der 
(lefahr der Anstecknug weniger ausgesetzt als ein Unbe- 
sclinitreiit^r; und wenn er krank wird. Raun er sich leichter 
heilen. Die Beschneidung ist also tiir uns eine mannhafte Macht 
gi'iTQn die Gn:-uii<N \vcnn wir Kinder sind, nnd gegen die ithy- 
I>hRllische}i Unuioralitäleu, wenc wir erwachsen sind. Aus den 



~ 365 — 

angegebenen Gründen beschneidet also eaere Söhne — aber 
zwinget die Operation dem neuen Mitgliede des Islams nicht auf!** 

Die Zcreniünie der Beschneidung kann statthaben in den 
ersten 40 Tagen nach der Geburt, zugleich mit dor Naniens- 
gebnng, oder separat. Aber das Gesetz setzrt die Zeil nicht genau 
fest. Am meisten wird die Operation an K-indern zwischen dcui 
neunten und dreizehnten Lebensjahre vorgenommen. Dr. Bem- 
hai'd Beck erzählte mir jedoch, dass im Inneren des Reiches, 
mangels geeigueter Operateure, die Operation solange aufge- 
schoben wii-d, bis die jungen Leute zum Militär einnicken; Dr. 
Beck beschnitt in Damaskus einmal eine ganze Kompagnie, diQ 
aus KardiStaii stammte. Die Soldaten liessen die Vtei Erwachsenen 
gewiss nicht leichte Zeremonie ohne Klagelaut an sich roilziehen. 

lu Persien findet, wie Polak berichtet, die Beschneidung 
lim das dritte oder vierte LebensjaLr statt; man hält sie dort 
— ganz im Gegensätze zu den Ansichten, welche wir- friihoi 
beim Türken Omer Haleby keüneu lernten — für den wichtigsten 
Akt bei der Bekehrung zum I&inm. Die Operation wird durch 
Einzwängen des Präputiunis- in ein gespaltenes Rohr und Abtragen 
der Vorhaut mittelst eines Rasiermessers vom Barbier — dalak — 
vollzogen. Sie unterscheidet sich von der der Juden dadurch, dass 
der zweite Akt, nämlich das Einreissen des inneren Blattes, bei 
den Persem wegbleibt. Die Blutstillung wird mitteilst btjpti&cher 
Pulver bewirkt; die Applikation von Wasser ist streng verpönt. 
Die Zeremonie ist zwar von einigen Festlichkeücu begleitet, 
man verteilt Spenden unter die Armen, es wf rden Gäste geladen 
und mit Süssigkeiten bewirtet, der Operierte erhält ein neues 
Kleid, im Ganzen jedoch entfaltet man nicht ein solches Gepränge 
dabei wie in anderen miiseimännischen Ländern. 

Nach dem Sprachgebrauche der Aral)er Perser und Türken 
führt — wie Hammer erklärt — nicht nur die V(>rmählung der 
Mädchen, sondern auch die ßeschneidi-ng der Knaben den Namen 
von Hochz^jit; nach den Begrifl'en des Morjrotiiäuders wird das 
Vermähiuii-rstest nur der Braut und nicht dem Bräutigam ge- 
geben, welciier schon als Knahe in den Erlustiguugen des Festes 
der Be^chTicidmig ilen Ersatz für den Schmerz tJerseiben empfangen 
hat, indessen die Vermählungsfestliciikeiton als Ersatz i'Ur den 
.'Schmerz des Mädchens die ThrUnen desselben zu trocknen be- 
stimmt sind. 



— 366 — 

Die Beschneidung'sfeste warea am ösmanischen Hofe, 
Hammers Schild 3rnni5^en zufolge, stete prunkvoll. Als Murad I. 
BruHsa verliesa, um in Europa seine Eroberunjjen fortznsetzen, 
feierte er vorher — im Jahre 1387 — das Beschneiduijgsfest 
seiner drei Söhne Bajesid, Jakub and Saudschi mit Gastereien 
und Verteilung von Geschenken und Ehrenkleidern au die 
Scheiche und Derwische. Als Sultan Mohammed im Jahre 1467 
gezwungen war, mit Schimpf von Belgrad abzuziehen und nach 
Adrianopel zurückzukehren, war er bestre])t, den schlechten Ein- 
druck der Niederlage bei seinem Volke durch Feste und Herrlich- 
keiten zu verwische!] . Er veranstaltete das Bcschneidungsfest 
seiner beiden Söhne Bajesid und Mustafa, von denen jener zu 
Araasia, dieser zu Ma-gnesia residierte. Dieselben wurden mit 
ihrem Hofstaate nach Adrianopel geladen, und zugleich ergingen 
Kreisschreiben in alle Gegenden des Reiches, nm die Emire und 
Fakire, die Gesetzgelehrten und VVaffengefährten, die Richter 
und Dichter zur Verherrlichung des Festes einzuberufen. Auf 
der nahe hei Adrianopel gelegeneu lusel wurden Zelte aufge- 
schlagen, und unter dem für die feierlichen Versammlungen des 
Sultans bestimmten ein Thron aufgerichtet. Vor dem Sultan 
Sassen Chisr})cg-Tschelebi , der erste Richter der Flauptstadt 
Konstantinopel nach Eroberung derselben, und Schukrullah, der 
Arzt aus Schirwan, als die Vorsitzer der GeJebten, welche vor 
dem Sultan den Koran lasen und tinslegt(.m, oder Gelegenheits- 
gedichte hersagte)!. Den Profe.^soren wurden Schüsseln mit 
Zuckerwerk vorgesetzt, und den Kandidaten der Professoren- 
stellen, den Danischmenden, zum Nachhausctragen in Schachteln 
ü])erreicht, alle mit Ehrenkleidern uud Geld reich beschenkt, 
reich entlassen. Am zweiten Tage wurdeu die Scheiche und 
Fakire, nachdem sich der Sultan mit ihnen in geistlichen G^ 
sprächen unterhalten hatte, auf diesell)e Weise bewirtet; am 
dritten Tage fanden die Waffenübungen, Pfevderenneu und Bogen- 
schiessübungeu statt, und die Sieger wurden kaiserlich belohnt; 
am vierten Tage, dem letzten des Beschneidungsfest^s , wurde 
unter das Volk Gcild ausgeworfen. Alle Grossen brachten dem 
Sultan Geschouko dar. 

Sultan Bajesid II. kam im Jahre 1491 eigens vom Felde 
nach Koustautinopel zurück, um das Doppelfest der Beschneidung 
seiner Enkel und die Hochzeit seiner Tochter zu feiern. Sultan 



— 3fi7 — 

Suleinian wiederholte das Beispiel des Erohei-ors Mohammed. 
Jq der Absicht, den Abzu«' von Wien mit dem Anstriche fl'ei 
beschlossenen siegreichen Eückznges zn fülsclienj Avar bei der 
Rückkunft Sulcimaus nach Konstanlinopel sein erstes Augenmerk 
darauf g-erichtet, den Mut des Kctres durch F^rol-sinn zu be- 
leben und den Verdruss über den erlittenen Schiffbruch •?«.'inor 
Macht durch ^ die Herrlichkeit nener Feste und da5> Scb/mspiel 
nie g-csehener Pracht zu beschwichtigen. Die Gelegenheit dazu 
gab seiner Söhne ßeschneidung. Ausser den gewöhnlichen Kin- 
ladung.^schreiben an die Statthalter und Grossen des Reichs 
erging diesmal auch eiue.s an den Dogen von Venedig, um den- 
selben als Freund und Nachbarn zD)n Beschaoidungstesto der 
vier Prinzen nach Konstaninopel zu laden. Ein neuer türkischer 
Botschafter, ganz; in Gold «i^ekleidet, von zwölf Edlen Venedigs 
iu den Senat geführt, kündete demselben die bevorstehende Be- 
schneidunq: der Prinzen und lud den Dogen freundlichst dazu. 
Dieser entschuldigte sich aufs beste mit seinem Alter und der 
weiten Reise, aber seine Stelle werde ein ausscrordcntliciicr 
Botschafter vertreten, und sogleich wurden, ausser dem zu Kon- 
stantinopel befind] icben veuetiauischen Botschafter, Pietro Zeno 
und Mocenigo als glückwünschonde Botschafter und Stellrer-, 
treter des Dogen biäim Beschueidungsfestc abgesandt. 

Am 27. Juni 1530 Mittags - berichtet Hammers Geschichte 
— begab sich Suleiinan, von seinem ganzen Hofstaat begleitet, 
nach dem Hippodrome, auf dessen nördlicher Seite beim Mchter- 
chane, deii\ Orte, wo die Heermusik einquartiert wa^, ein präch- 
tiger Thron sieh erhob auf Jazuruen Säulen unter goldenem Bal- 
dachin, mit reichen Stofiien behangen, mit vielfachen Teppichen 
belegt, von vielfachoi Zelten umgeben. 

Unter den; jubelnden Getöse der auf der Südseite dos Platzes 
aufgestellten Heennusik nahm der Padischah den Thron em und 
empfing den glückwün sehenden Handkuss und die Goscheüko 
der "Wesire, der A.ga, des Hofes und des Heeres, des Mufti und 
der ülema, worauf alle kaiserlich bewirtet wurdei;; am zweiten 
Tage küs.stcn dir aK>ge.sotzten Wesire und Statthalter, welchen 
persönlich beim Feste zu erscheinen gestattet wai-, glückwiiu- 
ßchend und gabendarbring'^nd die Hand des Herrschors. 

Der dritte Tag war zur Annahme der Huldigung und Ge- 
schenke der Sandschakbege , kurdischen Endre und frem.dcn 



— 368 — 

Gesandten bestimmt. Die Zahl der venetiani sehen deckten den 
Mangel der anderen Mächte. Ausser den beiden ausserordent- 
lichen Botsehafiern Zeno und Mocenigo wohnten mit Ihnen noch 
der ordentlich residierende Bailo Bernardo und der in Snleimans 
Diensten als Bevollmächtigter Zapolyas stehende Sohn des Dogen, 
Aloisio Gritti dem Feste bei. Die Pracht der Geschenke über- 
traf aUe je vorher gesehene HeiTlichkeit solcher Feste. Da waren 
zu sehen: Syrischer Daraast und ägyptischer Kattun, indische 
Shawle und MusseKne, griechisches Dünntuch und veut tianischer 
Samrat, silberne Teller mit Goldstücken und goldene Tassen mit 
Edelsteinen gefüllt, lazurne Schalen und kiistallene Becher, 
chinesisches Porzellan und tartarisches Pelzwerk, arabische Stuten, 
turkmenische Hengste, Mamluken und gTiechische Kna])en, äthio- 
pisch(3 und ungarische Sklaven. Des Gross wesii-s Geschenke 
allein, betrugen im Werte fünfzigtausend Dukaten. Als Schau- 
spiel wurde der Sturm zweier hölzerner Festungen gezeigt, deren 
eine mit Ungarn gefüllt war; dann wurden mit Fünteu, öäbeha 
und Lanzen Scheingefechte gehalten. Am vierten Tage warteten 
die Lehrer Snleimans auf. Sie wurden mit den leckersten Braten 
und ausgesuchtesten Süssigkeiten, mit Sorbeten und Zuckerwerk 
bewirtet tjnd das Volk mit Künsten der Becher- und Taschen- 
spieler belustigt. Den fünften Tag füllten die Gänge der Ringer 
und der Wettlauf der Mamluken, welche mit Inalbeg, dem in 
Rumeli belehnten tscherkessischen Beg, aus Aeg^'pten gekommen 
waren und ihre Reit- und Turnierkünste in höchstem Glänze 
zeigten. Der Kaiser blieb bis in die Nacht, welche, durch Feuer- 
werk in Tag verwandelt, das Schauspiel der beiden hölzernen 
Schlösser in Flammen gab. Der folgende Morgen sah an ihrer 
Stelle zwei andere Schlösser, weiche von Dscharüm, einem in 
Reit- und Tnmierkünsten vielberühmten Meister, an Ort und 
Stelle gebracht worden waren; jedes war von hundert schwer 
gewaffuelen Kriegern verteidigt, die wechselseitig aus- und an- 
fielen, bis das eine erobert und viele schöne Knaben und Mäd- 
chen als Beute von den Siegern fortgeschleppt wurden; auch 
diese Nocht wnrde mit Feuerwerk und dem Brand der Schlösser 
erhellt. Am siob<*nten Tage trugen die Jamtscbareu, von ihrem. 
Aga und den Genf raion dci Reiterei angeführt, in feierlichem 
Aufzuge die Hochzeitf:'paimen oder sogenannten Be^scbneidungs- 
kcrzeu mit mannigfaltigen Blumen luu) Früchten, Oer^talten von 



# 



— 369 — 

Vögeln üDÜ Tierfiissigeu Tieren, auegeetattote hohe mit C4o]d(iraht 
und Flitteni nrnwuiulene Kegel aJs Natarsymbole von Frucht- 
barkeit und zeugender Krsft. Den achten und nr^unten Na^h- 
mittÄg füllten Seilt&nzerkftnsto und Mutik aus. 

Auf einem /wiecheo der !*!äale und dem Obelisk des Hippo- 
droiTis gespannt^jn Seile tbat ein ägyptischer ScUtänzer Wnnder 
sfiiner Kunst, auf einem mit Oel und Ji-iolfe glatt geschmierten 
Mäste versnchteu Matrosen und JanitBchareu ohne Stricke, bioa 
mit Händen und Füssen sich bio zu der Spitze f-mporzuarbeitea, 
um des dort harrende q Preises teilhaftig zu werden Am zehnten 
Tage wurden jene Professoren, deren täglicher Gehalt abwärts 
von fünfzig Aspern oder beiläuüg eineiu üukaten war, und ihre 
Gehilfen fHowie die abgesetzten Eichtor und Professoren festlich 
bewirtet. Luftspringer erkletLcrton dci» Obelisk and die Säule 
des Hippodronuä. Die drei folgenden Tage verflosseu in den 
Kunsttibungen Ton Gauklern, Schattenspielern und Possen- 
reissern. .:Viie wurden reichlich beschenkt mit Goldstücken und« 
Silberpfennigeo, dij ihnen an die Stime gedrückt oder an den 
Kopf geworfen wurden. Am vierzehnten Tage begaben Bich alle 
Aga des Hofes nnd des Heeres in das alte Sserai, nm von dc7t 
die Prinzen nach dem Hippodrome abzuholen, wo ihnen die. 
Wesire zu Füss entgegeukainen, um sie dann 1;;.« an des SultaT)?? 
Diwanssaal zu begleiLen. Am folgenden 'l'age hatte des Saltaufi 
Bankett statt 

Auch im Frühling des 15S2. Jahres gab es in Konstantinot>ol ei« 
glänzendes ßefichneidungsfest am Suitanshofe, und die Monanrhon 
Asiens, Europas und Afi-jkas waren hierzu darch Botschafter ein- 
geladen worden. Nach allen Seiten des Aus- uud Inlandes gingen 
Tschüüsche als Staatsbolen und Muteferrika als IFoffouriers, bü- 
gleitet von Truohsessen oder Tschagnegir und Kämmererii oder 
Kapndschibaschi, um die Monarchen Asiens, Europas un»? .\frikas 
und die Statthalter des Reichs zum Beschneidnngsfeat &i rufen, 
zwar kamen die Monarchen Europas nicht persönlich^ aber 
durch aneehnliche Geschenke, welche ihre Botschafter und 
Bestelltön darbringen muB&ten, entasch oldigten sie ihr Nicht- 
erscheinen. Die Zubereitungen zu diesem "l^östo begannen schon 
ein Jahr vorher. Der Erfolg entsprach den Anstalten, und das 
Beschneidun ggf est Murad» lU. für seinen Sohn Mohammed steht 

Steril, M'dlzia, Aberglaube u. QetcblecLtsltil'en in der THi'keL U. -1 



— 370 — 

in der osmanischen Geschichte fast unerreicht da durch Glauz 
und Keichtum der Anstalten und Länge der Dauer; es vereinte 
sich alle Fülle der Pracht und alle Blüte mechanischer Kunst, 
die sich damals in der Hauptstadt entfaltet hatte, zu einein 
Schauspiel nicht nur aller Gaulder, Tascüenspieier, Tänzer, 
Säuger, JRicgor, Fechter und Possenreisser, sondern auch zu 
einem Aufzuge aller Zünfte und Botschafter, zo einer Einhebung 
dc8 Geschon kezolles aller Statthalterschaften des osmanischen 
■Reiches und der fremden Mächte. Der Hippodrom, vierhundert 
Schritt lang und hundert Schritt breit, wurde für die Erforder- 
nisse des Festes und der Zuschauer eing-erichtet. 

Der Kronprinz Mohammed, zu dessen Ehren das Fest statt- 
fand, erschien in rotatlassnem Kleide, das mit handbreiter goldener 
Stickerei verbrämt war, mit zwei schwarzen Neigem auf dem 
Kopfbunde, einem Rubin am rechten Ohr, einem Smaragd an 
der rechten Hand, mit einem von Edelsteinen funkelnden Säbel 
und stählerner 'Streitkolbe, deren Kopf aus einem vielseitig 
geschnittenen Krystall m Gold gefasst war. Die Sultaninnen 
zogen im Geleite des Zucker werkes auf, wie der Sultan im 
Geleite der tüimenden JPalmen gekommen war, dieses männlicher 
Kraft, jenes weiblicher Süssigkeit entsprechendes Sinnbild. Den 
Zug schlössen zehn bis zwölf Gefangene der ungarischen u/id 
bosnischen Grenze, tollwackere Waghälse, die sich mit Säbeln 
zerfleischten, mit Spiessen durchstachen; einer gar hatte den 
Schaft einer Fahne durch Haut und Fleisch durchgesteckt, die 
Arme mit Pfeilen durchstochen, auf dem Rücken Hufeisen mit 
allen sieben Nägeto. auigenagelt, so diiss sie von Blut über- 
ßtröniteu; ein jämmerliches Schauspiel verzweifelter Bravo ur. 
Sie wurden nach ihrem Range mit Gehl begnadigt; der Vor- 
nehmste unter ihnen mit einem Timar von viertausend Aspern 
belohnt. Da aber zwei derselben unter diesen Proben unmensch- 
licher Selbstschinderei tot blieben, wurde solches Schauspiel für 
die Folge des Festes verboten. Das Zuckerwerk stellte vor: neun 
Elefanteü, .siebzehn Löwen, neunzehn Leoparden, zweiund zwanzig 
Pferde, einundzwanzig Kamele, vierzehn Giraffen, neun Sirenen, 
fünfundzwanzig Geierfalken, elf Störche, acht Kraniche, acht 
Enten, einen Springbrunnen ganz aus Kandiszucker, von zwanzig 
Mann getragen, und ein von ebenso vielen getragenes Kastell, 
einen Diw oder Waidteufel, fünf Pfauen und so viele Leuchter, 



— 371 — 

sechzehn Krüge und so viele Giesskannen, acht Affen, zwei Schach- 
spiele, dreiunddreissig' Schüsseln mit Früchten, sieben mit Meor- 
fischen, alles tölpisch genug. Endlich kam das essbai'e Konfekt auf 
fünfzehn Saumrossen, deren acht mit rotem, sieben mit silbernem 
Damast bedeckt waren. Die Zahl der Hochzeitspalmen oder 
Besehneidungskerzen, welche von mehr als 80 Janitscharen 
getragen wurden, schien endlos. Einige von ihnen waren zwanzig 
bis dreissig Ellen hoch, in sieben Stockwerke abgeteilt; ihre 
Bestandteile sieben grosse, künstlich aus vielfarbigem Wachs 
geblasene Hohlkugeln, deren unterste ^ier bis fünf Ellen im 
Umfange, eine über der anderen in abnehmendem Masse; um 
sie herum sah man Vögel, Tiere, Früchte, Spiegel; jede dieser 
Palmen oder Kerzen war eine Welt im Kleinen, ein stehendes 
Symbol imendlich zeugender, die sieben Sphären diirchdringender, 
bildender Weltkralt. Um dem Aufzug dieser Palmen gehörigen 
Raum zu geben, mussten Gassen erweitert, Dächer abgetragen, 
Häuser eingerissen werden. Am Tage darauf brachten Wesire 
ihre Beschncidungsgeschenke dar: der Grosswesir Siuan fünf 
reich gezäumte Rosse dem Sultan Vater und drei dem Sultan- 
Sohn, alle ganz von Gold klirrend mit perlen gestickten Schabraken, 
auf vierzigtausend Dukaten geschätzt; Siawuschpascha, der zweite 
Wesir, schenkte acht Pferde und drei goldstoffene Kleider, zwanzig- 
tausend Dukaten wert. Mesihpascha, der Verschnittene, der dritte 
Wesir, brachte vier Pferde dar, davon zwei mit Sattel und Zeug, 
und hundertfünfzig Kleider, im Werte von dreissigtausend Dukaten; 
Mohammedpaseha Dscherraeh, der W^undarzt, so zugenannt, weil 
er vom Barbier des Sultans zum Wesir erhoben worden, schenkte 
Pferde, Kleider. Sklaven und Silbergeschmeide, an die fünfzehn- 
tausend Dukaten im Werte; Osman, der Kiajabeg oder Minister 
des Innern, brachte Silbergeschirr, das von georgischen und 
tschcrkessischen Knaben getragen wurde und samt den Trägern 
den Wert von zehntausend Dukaten hatte. Fünfundzwanzig 
Tage lang dauerten die Herrlichkeiten der Beschneidungshochzeit, 
welche Hammer im zweiten Bande seiner Geschichte — 53 7 bis 
527 — ausführlich genug beschrieben hat. 

Ein seltsames Beschneidungsfest gab es im Jahre 1649. Da 
Hess sich der regierende jugendliche Sultsui selbst, Mohammed IV., 
gleichzeitig mit dreien seiner Brüder beschneiden. Weil aus 
einem Fehler des Verbandes der Sultan noch nach der Be- 

24* 



- 372 — 

schnc^duHj? «einiges Blut vorgosH und düiilUnr m Ohninacht fiel, 
wnrde 'leu' Kj^lara^K^a Ibrahim zor Strafo dafür, daH» er keinen 
geschickteren Wundarzt «'wfihlt hatte, nach Aegypten verbannt. 

Nach dem Muster soiuer Vor^än^er suchto Mohan ^wpt] IV. 
die Schlappe von Chocim über den Zubei eitunrcn zu Festen 
einer Doppelhochzeit^ der Beschneidung- seines Srhncs nnd der 
Vermahlung seiner Tochter, zu y erpressen. i)urch .üo Pracht 
dieser Feste wollte <;r die Bewobn^jr Adfianopels erstaunen, 
abor so nrlänzend sie auch ausftelen, so blieben sie doch sowohl 
<ir. Dauer, alf» an Pracht hinter dem Beschneiaangsfeste unter 
Murad TU. zurÜcK. 

Vier Tage nach dtr Vermähfung-sh^^chzeit 4er Tochter waren 
noch der Vorbereitnnp zu der Beschneidung dos Solmes ge- 
wi-imet, welch letztere volle sechzehn Tage dauerte, während 
deren die Aufzüge der Schauspieler, die Schauspiele, die Gast- 
mähler, die Beleuchtungen und Feuerwerke sich abwechselnd 
folgten, und jeden Tag ein paar hnnciert Knaben armer Leute 
beschnitten wurden. Binnen der vier Vorbsreitungstage wurden 
auf dem l*feilplatze Hammel als Opfer geschlachtet, eine hohe 
f^tange zum Klettern und Pfeilschiessen and ein hohes Köschk 
für den Sultan emchtet, ähnlich dem hohen im Lager, welches 
das Köschk der Gerechtigkeit h^sst, ^\ei\ vor <lemseiben die 
Köpfe abgeschlagen und hingerollt werden. Es wurden Zelte 
aufgeschlagen für die hundertfünfzig Wundärate, für die 8änger, 
'i'anzor, Ringer, Gaukler, für die Gäste, weiche man mit Kaffee 
und 8cherbct, mit Rosenwasser und Raucbwerk bewirtete. Mit 
v^onnejiaufgang erschollen immer die Pauken, und die Schlanch- 
iruger kelirten und reinigten den Platz. Der Snlt«u zog täglich 
iv.tt den Priüzen aus dem Sseral anf den Platz, Ton den Ssolakeu 
lAiid Peiken, dorn Bostandaclsibaschi und den (^hasReki umgeben, 
zu siiner Linken die Prinzen in Kaiumidschen von Silberatoff 
mit den runden Turbanen, den Selimi, und die W<::sire mit den 
pyrainidenfönnigen, den Kallawi, die ülema in den grossen 
wul!^*^'^rmigeu, den Urf , die Chodschagian mit den walzenförmigen, 
d' n Mudifchowwese. Die gröbste Feier des Festes war zum 
Heile des Glaubens und deii Reichs die Beschneidung von 
dielt huseiid ("hristenknaben, wdche mit Gewalt ihren Eltern 
wvg«»'noniTncn worden waren. Die christlichen Uiiterthanuu des 
Äoches Hiurdeu dabei noch luehr durch Beisteuer zur "jtEentlichen 



— 3"- 3 — 

Freuiio in MitieWonschaft gezogen. Jede griechische Familie 
masjst'^ dreisaig Aspern, und zu Adrianopel mussten je zehn Kopf- 
stener zahlende Familien sechs Hühner, zwei fette Güiise und vier 
Enten lieferB; ausserdem mussten alle christlichen und jüdischen 
Famiiion zur Verfcrtig-un^ eines grossen kupfernen, von innen 
verzinnten Kessels beisteuern. Von Konstantinopel worden die 
geschiektestoE arabischen Feuerwerker and persischen Ring- 
kftmpfpr, Seiltänzer, TasehpBspieier, Gaukler und Possen reisser, 
aus dein B&pio zalüroicho Galeerensklaven zum Baue und zur 
JBeniannung von Yachten und LustschiÖen geholt; man wollte 
selbst VOE Yeuedigf Schauspieler und Sänger kommen lassen, um 
ein giajiseades Singstück zu geben. 

Das Festla^;i)r bildete einen halben Mond vor dem Sserai, 
diesem zunächst an der einen Spitze des Halbmondes waren die 
Zelte der schwarzen Verschnittenen bis hin zu den kaiserlichen, 
wo zwei kieise, sechs Fass erhöhte Kjöschke für den Sultan 
nnd den PrinKeo Mustafa bestimmt waren. In kreisförmigen 
grossen Zelten worden die Gäste bewirtet, sie sahen den Tänzern, 
Springern, den KÄmpfen; Hetzen und Gaukelspielen und spat in der 
Nacht doli Fe«A6rwprkeß zu, „wobei besonders Bären, Hunde und 
Esel, mit apgebfindenen Raketen auf den niedrigsten Pöbel los- 
gelassen, d.en höchsten gar sehr erlustigtcn." 

Am zehnten Tage wurde der Kronprinz Mustafa von den 
Wesiren, den Grösston, und den Ulema, den Besten, in feier- 
lichem Aufauge ans dem alten Sserai abgeholt und zum Hand- 
küsse zu seinem Vater geleitet; am elften wurde das Volk der 
Stadt gespeist; am zwölften Tage, welcher zugleich des Propheten 
Geburtsfest, wurde nach dem Gottestiieuste in der Moschee und 
der Bewirtung der Wesire das Signal der zu voUziehendou 
Beschneiduhg gegeben. 

Der Kislaraga hielt den Prinzen in seinen Armen, der 
Grossweslr und Wesir -Günstling hielten ihm die Hände, der 
Kalma kam schioss ihm die Augen. Der Beweis glücklich voll- 
zogener Beschneidung wurde im goldenen, mit Edelsteinen bs- 
hetzten Becken vom Wundarzte dem Sultan dargebracht, der 
die Geschicklichkeit des Wandarztes lobte und reich boJohnte; 
dann trug der Kislaraga dieses kostbare Unterpfand zum Gross- 
weslr, zuro Mufti und den Wesiren, welche es mit Geld zudeckten, 
und endlich ins Gemach der Sultaninnen zur feierlichen Schau. 



— 374 ~ 

Sie eüten herbei, den Prinzen über seine Schmerzen zu trösten. 
Die Sultanin Mutter, dio g^rosse SuJtanin Chasseki, die kleine 
Suitanin Chasseki, und die Günstlinginnen vergossen Tbränen aber 
ans verschiedenem Anlasse; die Walido Thi-äuen der Burcht, 
dass nicht des Enkels Beschneidung das Signal zum lang* ver- 
gebabten Morde ihres zweiten Sohnes Suleiman werde, die 
Mütter des Sohnes Thränen der Erende über den Erben des 
Thrones; die kleine Grünst) ingin Thränen ans Aerger und Neid, 
nicht auch Mütter eines Kronprinzen zu sein. Der Kanonendonner 
des Sserai verkündete die glücklich vollzogene Beschneidung 
den ängstlich Harrenden unter dem Zelt und der "Welt. Noch 
drei Ta^e dauerten die Festlichkeiten der Beschneidung unter 
Gastmählern und Schauspielen, Aufzügen, Darbringung von Ge- 
schenken und Feuerwerken bis tief in die Nacht fort. Das 
anziehendste Schauspiel stellte drei Festungen — Neuhäusel, 
Kandia und Kameniez — vor, die alle drei im ungarischen, 
kietischen und polnischen Kriege vom Grosswesir erobert worden; 
sie wurden belagert, erstürmt und zum Teile in die Luft ge~ 
sprengt, zum Teile unversehrt in den Flammen erhalten. Beim 
Aufzug der Zünfte brachten die Schuster ein Paar gestickter, mit 
Edelsteinen besetzter HaJbstiefel dar, die Backer und Fleisch- 
hauer Kisten Yoil von geschnittenem Sanimte und persischem 
reichen Stoffe; der Goldschmiede Geschenk stellte einen Garten 
vor, Avo auf silbernen Cypresf>en Nachtigallen sangen, die Huf- 
schujiede streuten silberne Hufeisen, die Kesselschmiede silberne 
Becken, die Seidenarbeiter seidene Teppiche auf die zum 
Empfange der Geschenke bestimmten hüi; die Schwertfeger vier 
Säbel in silbernen vergoldeten Scheiden mit Griffen aus Achat; 
Aloe und Walrosszahn; die Maurer ein bleibedecktes tragbares 
Kjöschk, in welchem drei Springquellen; die Schneider brachten 
nicht Kleider, sondern vier Becken, vier Wohlgeruchsgefässe und 
vier zum ßauchw^erke. Der Pracht der Geschenke onts])rach die 
der Aufzüge. Sechsuuddreissig in Tigerfelle goi;ieidete Träger 
trugen ein ganz mit Zobel bedecktes imd mit anderen kostbaren 
Fellen ausgeschlag'enes Gemach, den Trinrnpf des Luxus an dem 
so peizli(.'honden, pelzgierigen Hofe. 

Yierundzw^anzig kleine und zwei grosse künstliche Hoch- 
zeitspalnien stellten das Sinnbild des Festes dar; die zwei grossen, 
in der Höhe von Masten, mittelst sechs Fahnenstangen, sechs 



— 375 — 

gespannten Seilen und sechzehn Qaerstangcn von hundert 
Sklaven g-eirag-en, wurden vor dem Sserai wie Obelisken auf- 
gepflanzt; jede derselben bestand in zwölf Stockwerken und 
einem mit dem Halbmonde verzierten reich vergoldeten Knaufe, 
welcher den Palmenkohl vorstellte, unter welchem unmittelbar 
auf zwei Seiten drei Paar Fahnen untereinander aufgesteckt, 
mit zwölf flatternden Zungen in die Luft hinaushingen. Auf der 
untersten Abteilung standen in zwölf Gefässen sechs künstliche 
Oypressen und sechs künstliche Blumenstöcke miteinander ab- 
wechselnd: die zweite Abteilung, ein Wulst von grünem Gezweig 
mit Blumen durcbflochteu, mit zwölf erhabenen \ielfarbigen 
Fünfecken, welche zwölf ungeheuere Edelsteine vorteilten; die 
dritte. Abteilung war wie die erste, die vierte wie die zweite, die 
fünfte ein Eing von zwölf brennenden Wachskerzen, die sieben 
folgenden W^ulste von Blumen und Fruchtgewinden, je höher 
dest^ kleiner in abnehmendem Ma^isstabe bis zum Knaufe; also 
eine Licht and Glanz ausströmende, Blüten und Frucht aus- 
giessende, masthohe, mastdicke Palme, das Sinnbild zeugender, 
befruchtender Kraft. 

Mit den Beschneidungsfesten des Hofes wetteiferten die 
Feste, welche die W>sire vei-anstalteten. So ^ird namentlich 
von dem Feste berichtet, das der Grosswesir und allmächtige 
Günstling Ibrabim aus Anläse der Beschneidung seines Sohnes 
g3ib. Diesem Feste wohnte selbst der Sultan als Gast bei 

Die nach Abrahams Beispiel jedem Moslem znr Pflicht ge- 
machten Beschneidungen wei'den auch heut« noch am Sultans- 
hofe mit grossen Festlichkeiten gefeiert; aber sie sind keine Staats- 
handlungen mehi- wie ehedem, und die Zeit ist vorbei, wo der 
Sultan den Dogen und den Kaiser in Person zur Prinzen- 
beschneid iing zu erscheinen einladen durfte, und wo die aus- 
wärtigen Mächte noiens volens zu den Festlichkeiten kostbare 
Geschenke als unausweichlichen Tribut darbringen mussten. 

Zum Schlüsse aber will ich nicht zu erwähnen vergessen, dass 
die Beschueidung den Osmanon schon oft Gelegenheit gal), d^n 
ihnen angeborenen Edelmut zu beweisen, selbst gegenüber Gegnern 
und Feinden. Der Grosswesir Ali, der Doktorsohn — so wird 
berichtet — hatte in seinem Testamente besonders den ^'/cnsch 
ausgedrückt, dass seine beiden unmündigen Söhne, deren ße- 



— 376 - 

sciinciduBgsfest er nicht mehr seibRt feiom konnte, bei nächster 
Gelegenheit beschnitten werden möchten. Dieses gute Werk 
des Islams nahm der Grosswesir Raghib auf sich. Bei ier 
Beachneidung" seiner eigeneo Söhne wurden zagleich Hasanbey 
und Suleimanbey, die Söhne des Doktorsohnes, der Söhn des 
verstorbenen Kiaja Derv/isch und des hingerichteten Grosswes^rs 
SiliJidar Ali, beschnitten. 



Werke von Bernhard Stern. 

BaUernfeld« Ein Dichterporträt. Mit peiftinlichen EriunfTunggu. 1890. 

Fürst Wladimirs Tafelrunde. AitmÄsische Hüidensage-n 269 s. i892. 

Vom Kaukasus zum HiüdukuSCh. 15.eJ««inomeiite. inustriert. Mit 
einem Anhang: Kaukasische Marschrouten, -322 8. JÄ93, 

Die RomaiSOWS. Intlmo Episoden aus dem ruesischan Hoüsbeü. ?J81 S. 
1808. 

Aus dem modernon Russland. kjs s las«. 

Von der Ostsee zum Stiiien Osean. Zuatkf.ijo. vmd stj^mcag^ im 

alten nüd inodemen Sasr^Iaxjd, 80-5 B. 1097. 

Zwischen Kaspi und Ponim. K»ui(asi»che Bki^^^ iiiustnwt. 

äücJ a. 1897. 
An dar Wolga. Sekamomentc. t57 S. 1897. 

Abdul Hamid IL, seine Famüie, sein Hofstaat Nach eigenen 

Erraitteiungön. 284 S. 1901. 

JungtÜrkcn und Verschwörer. Nach eigerea Ermittelung^ ynd Mit- 
toilungftn osioamBchör PoUtiJter, 820 8. lÖOl. 

Der kranke Mann. Kii(mr».ilder ans der Türke. 78 S. 1S02. 



Warnen- und Sachregister. 

(Vor ilön Seit«fizaiilen des «v»«itQi. Bandet: l.'efin''.e!: si-.b eine römisch o Zw«i (IT». 



Aarif. TiOi^jarzt S. Mu- 

stfitas rii. 4t. 
Abaiil AlKh . rfrUnder 

der Fp.tiiniaen Dy- 

caetie S4. 
Abbrenriec tl.Nabeischßur 

TT 308. 
Abiiai Asis, Suihui ö8. 
Abdul H»niid 3. 18 49. 
Abdul Hftmia ll. i. öü. 

104. 14«. 163. ^S9. 
Abdul ftTe<l5Phid 53-—^.». 

100.151.152 11 163 ff. 

280. 
Aali, Gescbichtaebrftiber 

29. 
Abdel Medüch'ds Matter 

8!J. 

— — n. d. PocKen- 
IinpfuGg 552. ^M. 

— vVahib gc^. Ua/ucht 
IT 212. 

Abdullah Kfendi. CVi- 
»rat; R8 tio. H>2 

AbergUube aet KoreaDOir 
16'>. 

— b^tr. Fnicbd'Mk*»U n 
ünfr-.iditb. il "205. 

-- tne'^iziK. 204. 

— bctJc^^^Tid Meustru- 
ttfior- 11 145 ff. 

— berr. d. Wöchnerin 

~ Mitrcigeirt'n Pest 288. 

— Tod and Toi« bri- 

— und Attfi'^ßtÄ ll;i. 

— und ölanb^nNHutr^r- 
«ciiicd '^i)U. 

— verstnrbeDS Kiuder 
beticftond £84. 



Aberglaube Ooi- Koreauor 
i-i^ef<r. in d Schv,-aa- 
!.rör'i<chaft TT 2>!«. 

• - MaHSSoahuii^'n r.. .Sicher- 
nnß: der Friii?btJ>Ar- 
keit IT iie.^i. 

— "^orbed'^ititungep 372f(: 

AbililirnutTi^i ü-?". 
Afi4reec)iIoH!»t'?;heit d. 

früiien li 28. 
Ah^eschnitteue Haarr 

Äbf!:rtri3beriC Loibos' 
trlj; lite wf^nion G<>i.st8r 
;^r>~. 

Abruaf^erim,'^ 206. 

A^oiavniittVi TT 'i7C- £f 

AV>ort.iis 20 ; U 5,'6P --'76. 

Alraliaui u. '1. '-:e5:'^rjeT' 
(hms: li "^»51. 37&. 

ÄV.raüi.'-rte Haoi-« als Ver- 

.AoHi-iicooksn d, ]">i<.montiti 

Absoridernni^ d, Marok- 
kan-jria nacii d. Ent- 
biiiduii}^- 11 314. 

Abszesse 5 1*.<^ — 1 94. 

Abc Horeiza'j , üb. e. 

mteu.Ä d. l'roptieteü 

TI 'iäö6. 
Abul Kasiui, arab. Arzt 

141; n 300. 
Aäii Tschetebi. Arst 88, 
Acluned L NRiTcnspit.al 

ir K-i «.raiitinopel iOC. 
.\chmeii II. M. 236; 

n 123. 



Aciuaed LT, Cie.se'?; betr. 

i. Zigeuner IT 1S4. 
Aohniod TII. 4.3. 44. 46; 

i! Sff. 

— gründcf, ,,Ga]a*a- 
Hserai" 51. 

-" Liebha'jcr v. praur'O 
ll 89. 

— BtT<ii\}gP. ffftn. Aus» 
Bchreituutfeu II l?b. 

■ - Verbot d. Kastration 
V.. N^gera II iJ2'-. 

— s. ^ro.s&e Zeiigun<>s- 
fähigkelt 11 264. 

— iiDd der vorrückte 
Derwisch 169. 

Achtued Eiendi, Leibarzt 

46. 47. 
Aci^taed FethJ -V^aacba r/i. 

Acbirtcd K''prili, Qro.ss- 

wesir H'i'l, 
Achmed Nodsohib Efßudi, 

Hofar?.t 54 

— Teifaschi üb. Heil- 
krai;, ,'. Bidei-steiiseo 
2^6. 

Acker, PezeichnnnG;' f. d. 

Frau iiTi Soian Ji 207. 
Adam e. Zwitter il 348. 
Aderlasse« &l. 129. 140. 

1.53. 1$5. ]97ff. SOS. 

214. 'lU. 24«. 

— bei Cholera ..'67, 

— am Donnerstag 'Md. 

— jQ ('...Scliwantrerscbati" 
11 2»0. 

— bei Tollwut 212. 
Adosside«, Dr.. .V/ztlOd. 
Adri.iijoiwl. Si)itx\ 100. 



— 378 



Adrianopeler Rosea- 

■•.vasser 70. 
Aeskulap, modernes Opfer 

für ihn II 29 f. 
Aethiopier , Lieferautea 

V. Eunncben II 225, 
Affe im Aberglauben 416; 

n 356. 

— Eionuraentaie Dar- 
stellung T. sich selbst 
mastarbiereQdeuIl232. 

— luoslemisehe Absicht 
V. d. Entatehungf d. 
Affen 399. 

— Sodomie d. Frauen 7. 
Guinea m. 11 220. 

Afiiiü-Karahissar, Mine- 
lalbad 86 ff. 

Afranira, jüd. Arzt 34. 

Airikanißche Gebräuc.he 
16. Vgl. Kafferudoktor. 

Ägrippa 425. 

Aegj'ptens Kranken- 
stationen 14. 

Ae;^ypter. Alt - äpypt. 
iiediziu 17. 

Aegyptische Schutz- 
mittel 306. 

Ähwas, das Fieber von 5. 
249. 

Ajaa Pascha. Grosswesir 

Ajascb, berühmte Quellen 

87. 
A'xEcha, Mohammeds Lieb- 

lingsg'attin 248 ff. ; 

11 23. 30. 

— wie Mohammed die 
Impotenz; hekämpfto 
II 249. 

— d.Schamhaftigkeitdes 
Propheten 11 165. 

— üb d. unverwüBtl. 
geschlechtliche Potenz 
f!cs Propbeteti 11 255. 

— Zweifel nn iln-. Treue 
IT 53-55 

Äkif, Dr. 57. 
„Akrabadyn" berüUmU 

pharrna«. Werk 68. 
Akupunktur '.58, 225; 

iJ 338. 

— im Koran 102, 
Alaun 331. 

— Mittel 7. Verengerung 
d. Vulva 11 204. 

— als .Schul^Toittel 297. 
;J04. 306. 



Alaun, SchwarzBchloaBST. 

Albanesen, ihre Sehen v. 

Missgeburten 11 353. 

— Aberglauben 277. 294. 
308. 346. 

— Ansichten über Epi- 
lepsie ISO, 

— vom Feuer 204. 206, 

— ärztliche Verhältnisse 
143. 

— Beschwörung geg. 
Tarauteistieh 211. 

— Chirurgen 185. 

— Gebräuche 175. 290. 

— Geister - Aberglaube 
353 i. 

— Hausschlaugeu 434 f. 

— Hociizojtsbriucbe 
II 103-105. 

— Hocjizeitslied Jl 104. 

— Snabenüabhaberei 
11 21% ff, 

— Legenden v. Krank- 
heiJ^dämonen 340-345. 

— Mittel b. Rheimiatia» 
Eius 22&. 

— Schamgefllhl II 104. 

— Schicksalsöuulein 
373 ff. 

— Sitte des JIfl.nDwerdens 
e. Mädchens 11 171. 

— - Vampyre 865. 

— Vogelorakel 426 ff. 

— Wundärzte 194. 
Albanien. Ehe 15, 
Aleppoknoten s. Beulen. 
Alexander IL von llusa- 

lajid 105, 
Ali ben Abbas, arab Arzt 
n 300. 

— bei Mo.ssal, Schwetel- 
(luellen 90. 98. 

— He.kimsade. Gross- 
wesir 44. 

—Pascha, Verbot, Neger 
zu Eunuchen zu vgf- 
schneiden 11 225. 

— — berüchtigt aid 
Päderast II 212. 

Alkohol 77. 

— 3. aui'h Branntwein. 
Allah als Arzt 145. 
AlleiuiaKsen • d. Sterlten- 

deu 279. 281. 

„AllgcmeineZe!Tung'"'18. 

Allgift ei ehe Pansf;hir. 

Allheilmjttei, appetit- 
liches 207. 



Allheilmittel, merkwürd. 

persisch. 207. 
Aloe als Schutzmittel 306. 
Alpiai, Prosper 250. 
Alraun s. Mit,ndragora. 
Alte Jungfer, Aberglaube 

378. 

— Leute. Scheu d. Alba- 
nesen yor 277. 

Alter, -vgl. Langlebigkeit. 
Alte.s Testament über 

Pocken 2ül. 
Amasia, Amazonen 11 22t. 
Amazonenstein 211. 2X7. 
Amhra 224. 
Ambra-Luxua 72. 
Ambv<'t.wasser 70, 
Ammcu II 319— 329. 

— Schlangen als 4SS, 

— Lohn für die säugende 
MuLtor II 328. 

Ämmou'6 Notzucht an s. 

Schwester LI 167. 
Amre«t;e als Heilmittel 

in JPersien 207. 
Anmlt-t, neuen tdecktes 

in Babylon 339. 
Amulete 149. 207. 219. 

234. 246. 297 fi". 354ff. 

.u. aiT. 

-- geg. Tollwnt 212.213. 

— d. Glückshäubcheu 

11 S'tOH. 

— Nabelstraugals 11309. 

— z. Erleichterung d. 
Geburt II 296 ff. 

— u. Talismaue 241 
Anatomie vgl. Sektionen. 

— d. serb.Volkschiiurgen 
185. 

Andrec, ß. 9. 292. 358. 
359 tf. 36«. S74ff:407. 
421 ff 

— \ib.ai-ab.Aroulete3u6. 
AnRkdote, wie Elmlberc- 

kat Arz.t wurde 30. 

Angora, LSittenlosigkeit 
(iort II 189. 

Anhauchen alb Heil- 
mittel 171. 

Annahrawi, arab. Histo- 
riker 68. 69. »2. 83: 
II 123. 

AnrufoEg' Gottes b. Cc 
itus iL 119. 194 ff. 
207. 

Ansahen d. Ammen im 
Orient II 325 tL 



— 379 — 



Ansichten der Balkan- 
völker üb. (1. Tod. 
278 ff. 

AntikonzeptioD. Mittel. 
n 269. 

Antimon, siehe Kohol. 

AnwUuschung: v. Krank- 
heit 329 ff. 

Apfel , Symbol. Bedeut. 
b. Hochzeitsbräucheu. 
II 107 ff. 

Aphrodisiaca 321; II *26l 
bitt 258. 

Apijunkraut, bosn. Mit- 
tel f. Fruchtbarkeit 11 
267. 

Apotheken in Bagdad. 67. 

— in Damaskna 147. 

— in Konstantinopel 66. 

— in Korea 157 ff. 

Apotheker 61. 128. 

— erster islamitischer 
68. 

— -esamen, komisches 
134—136. 

Apotheker-Kurse 56. 

April 385. 

ApnlejuB, sein. Liebes- 

trank 4. 
Araber, die alten, u. die 

Pest 267. 

— berühmt weg. d. Di- 
mension ihres peuis 
II 209. 

— ihre Massigkeit g- 
rübmt. 81. 

— Scheidungsgebräuche 
d. alt. n 42 ff. 

Arabien, Onanie in II 
238. 

— Spitäler 11 1, 

Arabischer Aberglaube 
3S1. 

— Amulete 307—309. 

— Aerzte. Berülimte 
4. 5. 

— Auffassung v. d. Stell, 
d. Weibes II 18, 

— Coitus-Art II 209. 

— liänionenglaube 363. 

— Geburtsbräuche 16. 

— Glucks- u. Unglücks 
tage 376—378. 

— heidu, Sitten, d. Töch- 
ter betr. n 18i. 

— Hochzeitsgebräacüe 
U 116 ff. 



Atabische Medizin 22, 

— Buch V. Berth^rand 
12. 

— Naturwissenschaft 24. 

— Schlangenaberglaube 
433 ff. 

— Sounendienst: II 388. 

— Wundheilkuust 192. 
Arbeitsunfähigkeit d. 

Schwangeren. II 287. 
Aristoteles 32. 141. 
Armee. Sanit. Verhältn. 

23. 
Armenärzte 142. 
„Arraenia" 19. 
Armenier, berrjhmt weg. 

d. Dimension ihr. penis 

n 209. 
Armenische Gebräuche 4. 

— HoehzeitsgebetlTlOO. 

— Mittel z. Erleichtej. 
d. Geburt U 299. 

— Art d. Säogens in 
Armenien II 329. 

— Spitäler in Jerusalem 
113. 

— Spitäler in Konetan- 
tinopel 104. 

— iu Smvrna 111. 

— Werwolf 359. 
AiTiauid: Pest in Kur- 
distan 10. 

Arsenik 208.209. 
Arten des Coitus II 202 
bis 209. 

— d. Eunuchen, drei bei 
Römern : II 226; drei 
bei den Türken; II 
227—229. 

Arzt, nichtmosl, in Ha- 
rems II 152 fi; 

Aerzte, arabische, über 
Bauer 82. 

— Einteilung 128. 138, 
139. 140. 409. 

— in Korea 157. 
Asa foetida 234. 
Asant 234. 
Asche, s. Urjniren. 
Asi)hodelns- Zwiebein u. 

Krätze 74. 
A8.«iyriseh-babylon. Amu- 
lete 307. 

— — Speziaigeister 
338—339. 

l'alismajie 301 

bis 302. 
Assyrische Massage 18. 



Astarte II 266 276 ff: 

Astrologie, vgl. auch 
Horoskop. 

Astrologie und Mediziii, 
48—49. 

Astronom u. Arzt 41. 

Aubert, Dr. 20. 

Auffassung des Scham- 
gefühle II 161 f. 163. 

Aiäegen d. Hände als 
Heilmittel 299; 

Augen, grosse, der Braut 
1.1 124. 

Augenarzuei 164. 

Augenärzte 141. 164. 167. 

— in Damaskus 147. 
Augenbraucuiärbung iu 

Persieu 75. 
Augenentzünduug 160. 
Augenkraiike, Spital für 

in Jenxsalem 113. 
Augenkrankheiten. In 

Aegypien 22. 

— Heilkraui dafür 381. 

— Speziiüisten für 139. 

— geheilt durch das 
Wasser der Siloah- 
Quelle 94 

Augenleiden 148, 235^ 

— kuriert mit Kohol 79. 

— märchenhafte 
ScLüangensalbe da- 
gegen 433. 

— kuviert m. „Maschchas" 
305. 

— — mit „Zadabijeh' 
304. 

— und Aberglaube : 381. 
382. 

— und Knoblauch 316, 
Augensamen, siebe Chi- 

chinsame 166. 
Augenschminke 10. 164; 
II i;-?2. 

— .siebe Kohol. 

— Verfertiger von 139. 

— -Stifte aus Hercula- 
nuni 78. 

August-Monat 386. 

Auparischtaka, s, Mund- 
Coitus. 
Aas allen Weltteilen'* 
17. 

Ausgaben d. Spitäler 
103—104. 105. 111. 

Ausgänge d. Frauen ver- 
boten II 183. 186 iL 



380 — 



Ausgänge d. Wöcbneriü 

h. Nacht verboteü 

11 3l;)U. 
Auekeiaen d. Kraoklieit 

2-5. 
^.Aiialaii.t'MO. U.lÄ.21. 

Rt). ÖU -107. 
AuEpeitschuiig, Strafö f. 

S!r.-bi-ueii il 50 ff. 
Au.-- i:ii iu Europa 114 

AubsaU sv, tarnen füi 

114. 
--ii< L'iim.iak.iisill — j.l2 
Niuiio (it:i:<jii!e wie 

f. äyiiliiüs; "J-iS. 

— h\ JyriiJüai«m 10 

:^2. u:i. 12!). 
— Spifs' in Skiitiri ii2 

Au.vsehl&a;-.-. 21 i. 

— Bf: der, ilt:I].ii)itiel d»- 

;i46. 

— -- um Ürankhüif zu 
lauüfin 30S> 

- ■ ■— nm (j. Tod za ret- 
•irboueöefi 2H2. 

voraitäter., Oflar.se, Pä- 

— Sr • t. Ibrahi TJä 4-2 —43. 
A(it<?<|ju:-köa 175. 40;j. 
A'.i?!fcra aL< lL-.i'.ikH.ii4C'iit 

Avicc-nisa 2i7. 

Ayi) K-ibiif;; Theraaea 

SG. ?>». 
Azasitui. arn;ci;i.>jcK-käth. 

Pavriarnii 4. 
ti/-'ii i.? ^fi»;i.sf.erbeschwö- 



Itaha o'tl. 
Babylaiiiiclicr fcäcliutssgütt 

Bi"!i,Ati'izC 42V. 
B«wl iter Braut IT 106. 
115. 13'J. 

— '.ach.-!, tniliwll 19.'?, 
'JH. 

— d. Wüchueiiu II 311 
:K4. 



Bä.daiia,KoQAtantiaopeitf 
Arr, V. Oaitnie II a39. 

Badelebea ic Mesopota- 
mieü 9ö -98. 

Badou im August »eijfwJ- 
lich fli: die liaitt 386- 

— nach d. Essea ub- 
gcjsuiid .31. 38. 

-- •]. Kiude» wihädlich 

atn Ruhetag Ji 88 V. 

-— tl. Saugliugs II 322. 

~ b. RegCii gt'fü.hrl. f. 

d. ('vtuudheit 33rt. 

— u. <;IielichüTreu.-;II il. 
Bäder*!- 5^9. 243; ri268. 

— waiOi.; 224. 242 

— z. Erifcifhteiuutf A. 
Qehart U »00. 

Worüeabett II. 146. 

— PaiJi'rautie in d. Bad. 
II 217. 

-— maelifcu Titlifiiaaüft 
UDWirkaam SO;'v 

— -KiMeiiuiig 8». 

— ge«iir!e.r von 8. Mo- 
Iiitßüntd JJ liQ. 

— ■l'i'Wzai. arabische 
82—83. 

— Queüci» - AügabüE li 
bw Vi. 

— Rjper darüber 5. 

gewesen. Kohwäag-ejf 
<1. Fif-.n n -^Bü. 

— d. }S'::u<''?l)(.>reufc;i Ira 
Al»wg!a,u!jcr, 11 3.53. 

Baö'ft, S'iltan.sfr't'finllftl. 
Bu^ddd V6. 

— N aciitigallon w<t saer , 
Ileilj.nittel Uvi Taub- 
.sliimniliei!, 'Ji:. 222. 

- .ScfdoTigenschuiz- 
tre'istfcr 4;i;'>. 

- Skürpionr.'üstioheSl'J. 
Bajesid IL, Stdtan '27.38. 

— borücutigr. Püderast 
II iVZ. 

— stiftet eiu Sjxtal in 
Adrianopel 100. 

— Wesir Älölisrnmod» i. 
'23. 

UakftLsadc, Arzt u. Astro- 
nom 41. 



BakacliiBck 25* 
Baldi, Dr. 274, 
BaJJkli-Wasser 380. 
BaiKaustaa{«u. Wnuder- 
ärzttviu d. chn'stl I42ff. 

— Völker. Onanie im 
d. II 2bö. 

BftUane, dio II 12«. 208. 
Ball&piul uud iCiephaati- 

a^s 34 t. 
Biiijuj d'AvTicourti Qiaf 

5«. 
Balukli.SpitAl 104—106. 
Baoaue al;i p&nis 11 ii4l. 
Bandagisteu 67. 
B;«idwii!m 'iSO— 'iSl. 
BaadÄiiriüer-ialTer 160. 
lisrbier, Vf.m B inm 

Wesi-r R\L 

— sMh. Foliseif esetzc f. 
li li«. 

barbiere 140. 141. 142. 

IW4. 202. 
-- iu .Daaiaakii« 14». 
Bo.ri, d. br; d. Omataloa 

II 12Ö. 
Bartel.s, Ü. 1« vg:l. t'r.>5ä. 
-- iibei jifebohwäuzt« 

MeüR'iiWi II »63. 

— WüLelraine 119. 
.r>Mv.färitcu Vfi. 
bajthaare, Zoichfcn iiir 

Ri'nvj. .151) 
Bart!'Oi>e, Scktn vor 298, 
.>>aRiJi«?!.{»"raiit If <6. 
Bastarde JI 34. 
B?vu('iibiudi>T) 226. 
Bauchlajiz II 175. 
Bäunie, wundertliätige 

148. 220. 
B&aQisp&lto iiu Aber- 
glauben ii 365. 
Bauiischeidiismus S25. 
-- iu Pcraiim 200. 
Beaiifori Mies Eruily, 

IJeh. (1. Juden Jeruüa- 

ieitia 10. 
Bech<ißob«it (Rwhz^t), 

sult. LsibariJt 13. ö4. 

254. a.'j.S. 
IJeck., Dr. Bernhard ,4. 

07. 171. !72 1^7.221. 

222. 2üi. ^i*: il 30^: 

3Ö0. ;;10. 332. 

— üb. Aleppoknoten 
231—202. 

— Üb. d. „bös. Oertich" 
2Ö6. 



381 



Beck üb. Blatentzioliung j 
iulUifilad 195 — iS6. ; 

— ub.iLiupiuacher laaffi. ] 

— üb. mrsop.itamischei 
Badclefaen ^>6 ff. 

— (tine ?('9t-Anckdote) 

— tSb Sjtitälw in Bag- 
dad 111. 

Bedci.kuug' der Eraat b. 

iieduineu, furcht vor 
Htxtiei 14a, 

— lr>»ier Veriehr der 
Gc»(lileclit«r d. 11 188. 

J5oir:'.ttuß.2:. li. ä. l'ruBen 

nur «'iu.iidl iui Moual 

t'"j»t>bt !1 n:>. 
h'cii ie-'«|<.«'U l>ei serb. 

HueLititeii 11 109. 
B*^e;niulig«itg eioes vet- 

rJhi.ttu ."iclisvarmers 

170. 
Keiiaacbeu als Meii- 

aiyihode 293. 
Beac-iie Pläur, w HüusM 

««hruaüer, l>r. W., tib. 

Ai-ab. PüUzei a Gesetze 
10. 08, 70, II 128. 

— üb. SgypiiwUe Hur«Q- 
P.>liaei U 16». 

i<eil^idebcpu?he, Aber* 

((iaubu '284. 
Bei-^sca in die gr«$.i« 

Zeh- b;: Eiälepsitt 1><1. 
HbkJbchiAlduludiKfeBdi 

Mimi "i'ib. 
Ü{:[Küc\ii.\Hiu,e.u . graodi- 

iisc II 'jZff. 
Beuiidiht, Dr. M., Über 

e. Fellah-Gehira 10. 
B?t)r<nii»ti. j4d. Arxt 40. 

Berber'tBfU «27. 
üer^jfiepu 98, 
EörJin;» küuiarke 

\\ fni>''asckrifc 20. 
"Beriiiird, Dr. C. A. iO. 

[,:>. 57. «2. 

— Mber dia l<ad«r von 
Brue*& S7. 88. 

Beitbürand, über Me<l. 

«Jfr Araber 12. 
Beriihrtiuij d. Wöcbnerin 

»ruiireiniift II S13f. 
Beacb.iffenbeit , leibl. d. 

Brautleute H 124 ff. 



BeftohueiJer 3». 62. 
BetKjliBaidMisg II 314. 
3öl~i76. 

— Öclirift TOB Dr. Bf rg- 

BOI) 10. 

-■ iiigJer darfiber 6. 

— und Cöituti II »«4. 
Beiid^rcisQ 2l.tt. 'dii. 
Beschwörer U8. 143. 
KeadiworuB^Kii 268. 

364— »55. 

— -gformei, albaiiesiscbe 
225. 

— bosüiscbe bei Giieder- 
reiip.^oB 228. 

— bei Bvüepsiifi 182. 

— bei GeihnwciJt 238; 

— bei Koiliuf 2:>'.>. 

~- briKoplwebSi? -5*20. 

— jn Palästina :ia4ff. 

— syrische, bei Nasea- 
biuttiD S21. 

Beaen Ij» .^ergiaüber. 

■A96; 11 315. 
- iia serb. Abergiattbeu 

182. 
Besessen .^44. 

— Tou (itisitjra 348. 
iietie.-*Beuiieit 836. 
Besprecber, Bajat«ch 142 

bis 143. 
Besprengen de^ GelȊ- 

r enden; II 294. 
BeBU Zeit zum Reiratea 

387. 
BetRsteo aif Heilmittei 

171. 
Bot^iibt'Tide Mittel. Big- 

ler darüber %. 
BethlebfeDwr Miichgrotte 

11 322. 
Be;ii3ed» ^2— 9a. 
Bett, d., »üüalav. Bd- 

eeicbnung lUr d. Frau 

II 186. 
Bettelei. Hoilmitrel lai 

WecL-^elfiebor 2i(i. 
Beulen. .<vleppo-ßeaie 10. 

— Tberapie dea Äleppo- 

kliOtOüB 17. 

Beuleiikvaukb(iiten, Alep- 
pülißotou 231- 2S2. 

Bewegung, Au «Spruch des 
.Propheten 2-48. 

Bewuuderüder Blick ge* 
tahrlich 293. 

Bej!0»r 210—211. 

Bibel 230. 



Bibel, Bcs!.?)dmuugeu für 
Meastvuaticiu, CoituH 
und sexuelle Din^e 
II t3»ff. 

— ScbaUigesetzr: für 
Sci»vfRüji';ere 11 '.iSti. 

— über AugeBsohmiiike 
76. 

— t\b, BoliRudlur : des 
NengeborenftO II 33S. 

— ftbcr Bc«ci»n«dun£c 
II 361. 

— über BlumsU'tütto als 
Krreger wüiriietiK<.r 
EraptiBiluiijrer il 257. 

— ßb.d.Brübted»VVcilöB 
II 12«. 

— üb.[>ä«K)nenS35.359. 

— ob. Di%uer d. Säueen» 
il «27. 

— »her p]b« 11 19. 

»— über Ehebruch II 47. 

— Über Kntsteh). >.!^ d. 
FrucM II 282. 

— Üb. Entwßhaön-^ d 
Säuglings n .S'j:s. 

— ftber KuftucheB II 223. 

— über Fruclilbafkeit ii. 
Ußirochtbark. II 2611. 

— «b. d. GtäbS-ren I! --291. 
~ über Geis»3ktRJik- 

heiten !72. 

— Hb. Gesfihieciitskraak- 
höiteu U 243. 

— üb. d. PuiarB 4. Wei bes 
II 126. 

— ebe? Kahlköpfe II 180. 

— üb. d. McnB^mireuduß 
il 146. 

— ilber Musik u. WaLn- 
ssun 101. 

— üb. d. Kutter aln 
Amme 11 32d. 

— üb«r Nacktheit ii 

— üb. paläst. Bad w 02 ff. 

— über grosse peues 
n 208 

— über Polygamie il 15. 

— über ProBtitutioa II 
180. 

— über d. Rechte d. 
Sklavin II Saß". 

— tib. d. eherne Schiauge 

431. 432. 

— üb. Sin'.sons Kraft II 
129. 



382 -- 



Bibel üb. d. Unreinigketit 
d. Beischlafes If 19S. 

— üb. üuzucht (Sodomie) 
n 167. 2iO. 219. 

— üb. Vielfiagerigkeit 
n 354. 

— Über Vorbedeutungen 
374. 

— über Wahnsinnige 1 69. 

und Pest 26if. 

Zitate als Heilmittel 

171. 
Bibliothek, med. inGalata 
Sserai 55. 

— von 30 000 Maimscr. 
34. 

Bilbarz, Alphons, über 
Eunuchen 12. 

Birlinger 419. 

Birnbaum, d., im Aber- 
glauben II 267. 

Bisehoff, Dr. Theod. 18. 
91. 

Bissen v. eigen. Esisen 
an andere 400. 

Bisswundeu 189—190. 

Biewas, Abraham, Zahn- 
arzt Macbiaudß II 53. 

Blasen in e. Flasciio nach 
d. Niederkunft 11 .S07. 

— in e. Kohr, um d. 
E))ibindinig' zu er- 
leichtern il 29ö. 

Blasensteiu I6l. 

— kureanisohes Mittel 
dageg:en 161. 

Blas'ihziebende Mittel 

200 ff. 
Blattern. Vgl. Pocken, 

Pockenimpfung. 
Blau, Dr. 0. 13. 
Blei, siedendes, als blut- 

still. Mittel li 228. 
Bleicbsuclii 238. 242. 
ßleiguss- Orakel 292. 355. 
Blenden im Orient )68. 
ßli'^k, böser, 8. Böser 

Blick, 
Blindheit, gclieilt durch 

die QneUe von Siloah 

93. 
Blumen, Aber^l. in Lio- 

besdin^fen II 11. 
Blumouduft und Wolluat 

II 267. 
Blumenorakel 11 12. 
Blut der Fledermaua 

II 336. 



Blut, Leber und Galle des 
Hirsches als Medika- 
mente J60. 

— -Beschwörung' in Lie- 
besdingen II 10, 

Blutej^eJ 22. 51.129. 140. 
166. 196. 197 ff. 230. 

— bei Cholera 257. 

— in Persieu 199. 

— -Arznei 160. 
Händler 61. 

— -Setzer 184. 
Blutontziehunaf 195 ff. 

224, 

— z. Erleichternng; d. 
Geburt II 301. 

Blutige Hebammen am 

Sukanßhofe 154. 
Biutreiniguug 227. 
Blutsaugftade Geister 

356 ä. 
ßlutsegnimg 143. 
Blutvergiftungen 161. 
Blutsverwandte , Ehen 

zwischen II 22. 
Bodensted t , Friedrich 

II 100. 
Böhm, Julius 285. 
Bohnenrac-bi 212. 
Bohrwiirnier 431. 
Bolus mit Citroiieusaft 

a. blutstillendes Mittel 

198. 
Bordelle f. Päderastie «. 

Sodomie II 218. 221. 

— im mittelalterl. Per- 
sien U 182. 

— in der Türkei II 246. 
Boerhaves Aphorismen ins 

Türkiticlie übers. 46. 
Bi>ser Blick 13. 20. 290. 
331 ff. 

— (Auge) Räucherung 
322. 407. 

— jüd. Abergl. 338. 
auf Wöchnerin u. 

Nengaborenes II 317. 

— — und Penis II 164. 

— Geister und Coitus 
II 194. 

— Geister, Furcht vor b. 
d. Niederkunft II 2''4. 

bei d. Neugcbore- 

uenliariff. »34. »56. 

Taupcliung der- 
selben II 842. 

im Wöchneriunw- 

zimmer II 315. 



Böser Blick, Geruch 295. 
296. 

— Rede, sieh« Ver- 
schreien. 

— Schritt 296; 11 42. 
Bositsch , bosnischer 

Wunderarzt 181 -182. 
Bosnien, Gebräuche 174. 
Bosniscliei Aberglaube 

10. 

— Ausspruch über Medi- 
kamente 208. 

— Beschwürung d. Rot- 
laufs 239. 

— Gebräuche 6. 18. 23, 
221. 

lim d. Frau Frucht- 
barkeit »n sicbera II 
267. 

— — b. ersten Haar- 
schnitt d. Knaben II 
128. 

— Gesfhlecbtsbestiram- 
ung II 342. 

— Heilkunde 24. 

— Hexenaberglaube 354. 

— Liebeszauber II 4 ff. 12 

— Mittel gegen Augen» 
krankheiten 166. 167. 

gegen Fieber 244. 

245. 

— — gegen Schlangen- 
biss 211. 

— Schutzmittel 297. 

— Vergleich f. Mädcheu- 
briiste II 126. 

Boykott d. Aerzte, welche 
ttustookende Krankhei- 
ten behandeln 270, 

Branntwein 44. 122. 190. 
214. 215. 230. 231. 
237. 240. 269. 

— im Aborjflauben 3Gi. 

— ain Medikauient 18&. 

— mit. Pfeffer II 807. 

— als Stärkimgsmittclf. 
d. Küilmndene II SU. 

Branzeaii, Flebamrae 154. 

Braut, leibl. Beschaffen- 
heit II 124ff. 

— Betttuch, Voracigungf 
Li 120 ff. 

— Geschenke, 2abl de». 
41» 

Briiutignm, leibUcho Bo- 
schaffeuheit II 124 ff. 

Brautuacht in Peraie» 
11 119. 



383 



Brautnacht einer Prin- j 
zessju 11 69 f. i 

— einer TUrkin 11 116. 

— -Suppe, Turcäü. Brauch 
11 123. 

Brayer, A. 18. 
Breuucyliniier 224. 226, 

— bei d. asiatiscfeen u. 
afrik. Völkern 201 ff. 

Brennen 240. 

— als HeilraiUel 232. 
Brenner, Ignatz v. über 
Brussa il. 

Brenuesselzweige 303. 
Brombeerstranch im 

Aberpflaubeu 182. 
Brot 244. 

— im Abergl. II 8 '.9. 

— -kneten und Kinder 
39«. 400. 

— -Mesaer als chirurg. 
Iiistruiuent lö7. 

— -Orakel II 1.3. 
Brötcbea -Amulette 213. 

219. 
Broussais 5]. 140. 
Rrowniaiier 140. 
Brownianigmus in Koü- 

stantinopel 61. 
Brugsch 78. 79. 
Brunnen, siebe Qnelle. 

— iraAbergl.Il320.837. 
Bran.«ttzett u. Alenötrua- 

tion n 149. 
Brusche, jüd. Krankheits- 

(lämon 348, 
Brußsa 27. 3.8. 87. 88. 
Brüste d. Weibes U 126. 

274. 
BlüFel, im Traume II 12. 
Brustleiden 201. 218. 2S5. 
Brustschmerzen 197. 
Buch der Esel, Bache- 

Bchritt d. Dichterarzte» 

Sinau'Scheichi 29. 
Bugvat, B. Hippokrates. 
Bnkare8terTageb]attl68. 
Bulard, J*?. 20. 273. 
Bulgaristher Coitua II 

209. 
Balgarisch.Gehräucho 2S. 

— Glücks- u. üiigliVcks- 
tagtt 878. 

— Heilmethode bei 
Eundebisseu 218. 

— Vampyre 361. 
Burckhardt, arab. Hoch- 

zeitsbräache 11 117. 



BUsche, symbolisch £. d. 

weibi. GeecblechtBor' 

ganc II 177. 
Buschige Augenbranen, 

Scheu vor, 298. S51. 

U 9. 
Busioc-Kraut, in rumän, 

L iebes aauberliederu 

11 6. 
Busse, Mittel gegen d. 

Pest 274, 

— eeltsame, durch Offen- 
tragen d. Penis II 164. 

Butter, Symbol. Be- 
deutung iii Hoehzeits- 
hiäuchen II 107. 

Butyka Dr. 232. 

ByzantiniBch-osDnHnische 
Ehen II 37 ff. 

Cauiburogli, Dr. 109. 
Capoleone, Dr., Leibarzt 

C4-- 65. 
Cavo, Arzt 48. 
Carriören r. SaltÄUS- 

iavoriten, Werkzeugen 

d. Päderastie II 214ff. 
Casanova, in , Konstanti- 
nopel II 16 1. 
Cassi.i 230. 
Chadidschah, 1. Frau d. 

Profeten II 23 f. 
Chaldäer 17. 22. 
Ohalil bin Ali vgl. 

Hadschi-Pascha. 
Chamomillenpulver 284. 
Chamsa 294. 302 f(. 406. 
Chaplin, engl. Arzt 117. 
Charakter d. Eunucheo 

II 225. 229. 
Cnardin 227; II 293. 
CharsaiDStag 234. 
Chasseki, Bedeutung d. 

Wortes II 17. " 
Cbichinsamen 166, 
China nodosa 227. 223. 
Chinin 146. 
Chics, Mastix von 73. 
-- Med. Schule auf &0. 
Chiiurgen 189. 141. 142. 

184. 202. 
Cbirui^ie 52. 
-- bei d. Koreanern 162. 
Chirurgischelnsttamoote 

Verfertiger 67. 
Cholera 161. 263 ff. 343. 

— V. Dohlen angezeigt 
424. 



Cholera - Epidonie in 
Palästina 258 ff. 

— in Eskischehir 16. 

— in Korea 161. 

— in Mesopotamien 13. 

— u. Vampyrismus 369. 
Chorasau, Knabenlieb- 
haberei V. II 218. 

Choärew Auascharwan 
81. 

— und Schirin, Gedicht 
des Arztes Sinaa 28. 

— Pascha, der einzige 
osmau. Selbstmörder 
278. 

CbosroesNaschirwan, üb. 
<i. Araber 31. 

Christenknaben zu Werk- 
zeugen d. Päderastie 
geiiotziichtigt 11 213ff. 

Christliche Aerzte b. d. 
arab. Kalifen 38. 

Christlich - mosiemische 
Ehon n 35 ff. 

Christus w. d. böse Blick 
290. 

— u. d. Dänaonen 335. 
S36, 

Chrowotischer Coitaa 

II 209. 
Churrtni siehe Roxelane. 
Citronenscheiben 219. 
ClitorJH, Streichelji ders. 

vor (1. Coitus II 196. 
Ciot Bey 20. 
Cocain 213. 

— in (1. Türkei verboten 
208. 

Cocchinellen 218. 
Otntoa 11 192 ff. 194 ff. 

— Bad darauf, II 244. 

— von Eunuchen U 229. 

— - mitGei8tcrn357~358. 

— auf d. Schosse II 208. 

— in d. Schwangerschaft 
untersagt 287. 

— Vorgehen b. II 31 ff. 

— mit Vampyren 
364—366. 

— u. Beschneidung II 
864. 

— u. böser Blicik 291. 

— u. Diät. Gebete, 
Waschungen 247—248 

— u. Menstruation H 
149 ff". 

— u. Parfüms 71—72. 

— u. Wöchnerin II 3 U. 



;5S4 



Coitosü Ziu.ineriiiueher- \ 
Uitg 5126 "227. 

nunyen 'iaför ]l toO, i 

n.e.aU.W.nlc :H.dZ. \ 

Gollyriniiij ^iiel)-^ KoJiol. . 

Coiiui>>.liitn(>, jiifL Lnib- 1 

ar/t 4S 1 

OjpTische iScbiiiziaitte". 1 

'297, I 

C7.<'rny, Professor IG. 
Cx,ctirkui, russ. Arzt 247, 

jr&ai'htraiiie u. Aber- 
giaubtn 346; II 3l';5. 

DaJmatin. A'<K*«-glaube 
'.•2. -^9;:}. 

— Geisteraberglaube 
3»l. 

— Mittel geg. Ökrophelü 
241. 

— VAinpyre 360. 

— Tiober 249. 

— Knlturstatisük ;5, 

— Ktjrpmsftber in t4*i 
Us 148. 

— Sajiit, Zust.'^ndo !41 
i)ib \42. 

— der Choiora Bin 

— i boi (1. Jndea iw Sj- 
rien 99, 

— -I.jeb<»! fllr Kpiley- 
tisfhc 179. 

Dä'tionen, v?) Mi;>h 
Geister, Krankbeitü« 
d.imoi.e. 

DüJi'pfe 226. «l'A. «89. 

Dar»iil\iberkulü«o fii, 

„Das <i' achtete'', siebe 
Jlofublr u. Elmlborr'- 
kiit 

„D'Xsi Ilnlond':;", !>ied. 

Won; 4">. 

J^andjdil. Arxr, 40— 41. 
I'iufr <l. Siingenfl II 

Baurnas 4!:.8. 

Duveltiy. fruuB. ilissio- 

nar i'>0 
Dawud «lI ßa<;sir al .\n- 

taki UL. 



Tvoran f. '1. Eli«;33i.!te ! 

If töii. ii'r,. I 

Delloratioa (1 105. | 

— i^e^aits. w d. Haad ; 

n t2i. i 

l-biit ii 7-2. j 

D.iniirßhane 2S , 

„Der Tag" 15. ! 

Debiw.foktiousmethotlea 1 

261. : 

„Deiitacbe Med. Wochen- | 

.Schrift" 14. 
„Deutsche Kevue" 16. 

„D; r c;? :)ie Rundsebau" 
AubDr. Spitzer« Tai^e- 
buoli ö. 50. 

Deutbcbtj Spitäier ii> J'^- 
rii'iaieiTi 113. 

D.-^'-.t^cüer WobJtb.'itig- 

Uie ff. 
Dentsi h-^.s Hoaoi'al iü 
Kon5>autii}i.>pel i05 bia 

TIO. 

T"Seufsches Master ttir 

A!)i>l.bc;;.va 66, 
LiakoniH.suiruuä vort 

KaiserS'-viirth ICH. 
Di'.i rbc'Krl'i- ;i;en sjf.l.e 

— -Fieber *i49. 
Diarrhoen, HUer, H(m'!- 

inittel «iag»:ifen «j.^. Iil6. 
22<:ff, ^47 ff. 

— - ii. 8äu;;!in/?8. abftrgl. 
Mite.?! itr-^eson II m. 

xa. 

Diät '<Ji'»c 

- n. s-;.ur 2so. 

Dirke <^. HaDRea r in 
Scheihr!iafscrua<.l ,U 

Dukn!iIcb)^C'iiu.«s vor d, 

L'ado)! -.T,rboteu U >fy. 
üiebsbardon in Epidemie- 

xoiteiT .:(>(). 264. 
Di'ibBi.iihl wuiiilcrwirketi- 

der Dirije 304. 
Dioulftfoy 21). 
Dic!;,„Dorilcwllrdiglititei! 

AflioiiH'- ?,H. 
Diniitri.j.». ; -rb. Volk«- 

:v]ponajzt 187. 
Dil>?'^o^i'!'^^■' ix. :J(». 
Dipbtbcrie t04. 



Diiibthorif, chiriosjsohes 

iitttfcl 'la^e^ea 'lv<3. 
— anii Vtt'npyrianins 

Diplome vc-a Aer;:ter. 

küufiicb 128. 130. 140. 
]">iKcht5obf, Zahnäufe 

I'olilen und (^hoicrci. 424, 
Doktor V. QoltoriKt'f.dea 

144. 
i'okturp.r;, erste t\irk!r.;cbe 

66. 57. 
DoktorwUrtle .'i*>. 
DolaLviea, orieutaliscbes 

IjO'bgericjit 85. 
DoiTibrowski , E. v. II 

VJH. 109. 
i'crnitifin, Verbot d. Kas- 

üatfV^n II 'Jl'7. 230. 
Dossius, Nikolaus, .\ber- 

j^Iaube 'ler hfitige» 

Oiiorheo. l-i. 
T/racfu'i'hiiu ao:'.. 
r>jT.cbenbli]t.h.irÄ II :{C0. 
Driiijit^ciiswitscL 7, 520. 

•244. 
iheifiiSfi .(1 339. 
I'repanon, sithe J,ib'\v;v. 
Iho^rilyrer? 66. 6*?. 
riiuöeiK Hanisa über 

ivfe\;^onbr?it 13. 

- - K n tba 1 t?!i rn V. ei t sgo 

:^(.re ]T i'ru 
Dsci'.MiJiiiriÄ , Proleten • 

gattiM. f! 24 ff. 
D.^cbifub.Tri, htüo. HiF;tor. 

Dsohanfcda II 77 ff H'j. 
D,.i' heduali , Epidemieea 

:n '^}). 
D?;'iie t'iied'lin Abu .Solei 

K'iai.' Vmä W 1^4. 249. 
D-.t'iie»», T'riux, 210. 
Dhcbemil - i:'aÄ<^'ha, t'irk 

«.Uürurg 184. 
Dticbcri iich, siehe Wuud. 

äryte. 

- - 'H:^'<c}.ii, Ober- Wund' 

»uzt .S. Murad.s lil \9. 
I.">8cji'.wttdl-'aui'hfe, Uros9- 

W'jHir !♦<». 
D «oLr.jiidohi CboiflciiA II 

y«. 

n-i'biuuen 3f>2. 
liäi'iioiide.s'^bur <«. Ounde- 
iicbnpiir. 



.-- 385 — 



T)3chorol?ch5a B'-n Baoüt- 

Dschyi^bsaß oi. Vyxcnnm 

■216 
DnUiiii'i i.. Liebesäpfel. 
Dilhririß- Ptwchit , Prof. 

Dr. von C-.b. 
— VoTfjciiiiigö X. ünter- 

drilflrniig d. Svphslis 

il ;M4--249. 
Dnäitisn}" htn TaiaJö, jtid. 

Dttnüilhoisscifl ä. NafeeJ- 
.schnur K 808. 

leiciieu 'd^l. 302 Ü. 
Dlirijitv^feld 31 100. 
l)ürifiI^im/H>.BIütrTl48. 
Dyseoilerie 22« 



.Ebstsiri, Prof. Dr. 11^. 
*25t. .132; II H03. Ä2'«\ 
3'29. 3M. 

— yDieMs'JixmiaiAUea 
Testament" 9. 

— über GcroüOQomie II 
250, 

Eba Obeid, anib. Wuüd- 

arzt 185. 
Ebal Aa-schair, siebe 

Natbauidl. 
Ebulber-.kat HebeUiüali, 

jüd. Aizt 35 — SG. 
Ebui Hakeai 32. 
Ede'siteiEe als Heilmittel 

220, 9;35. 
E'ler, Dr. 60, 62< 
Ehdschab^ Airaüei äOO .(. 
Eh6 18; n 14 ü' 

— Buch d. Erläuterung 
d. Geheimuiaae d. Ehe. 
Ein tttrk. Manuskr. 18. j 

— in Obei-Aibauieu 15. 
Ehebruch JI 15, 9.0. 47. 1 

— btideuJesideii iniH. | 

— mild bestraft ll 184. f 

— J'ohanimed.'ä'll 25.. 

— Namei: dafür 11 137. j 

— -Gebränche, aber- 
jfläiibi.'icha Jl 1 1 ff. 

Eheli«;l;e PWchter), ihro ! 
Vei'»iuc'b!ti3HfiT;«nB: c. ' 
Spileidi)r(t';rt§iuii<"i Ii4>;. i 

— ünlreuc^i.BÄcienlUl. ! 
EhCIlKir\lS, s, ililDo li- d. j 

Niwierkunft 11 294. i 
Ebeveibofa IT 21. | 

Stern, AlVOixir-, AboTglav 



Ebrang- s* Mur.ter vicier 

Kiiiäei n i'ul ff. 
El h<\ AMr^hnhm ;^54 ; 

11 295. 
Eihtflciiaalbe 531 
Eidccbae «. Ffaueamileii 

Vi .i'Z'i, 

— wvA Men.stiUßtion 
II S2ä. 

— -ßchwanü.; .Si;hat'/> 
mittei geg. Fieber 246. 

^Ati. Mittel geg. Irapo- 

ViOZ H 254» 
Eierschalen als Vergift 

liiigsiüittcl 200. 
EiiX)vsiJ(-bfc im Sultane- 

5j.!ircm 11 .'>4. 64. 88. 
Sibiiat^beiu, Mittel geg:. 

Fiebcp 2iü. 
Eijtib, ünVvorsität 61, 
E'jub Äbeia 221. 243. 

289, 304. roO. 343. 

35f.. 381. 41711; II il. 

144. 147. S17. 3;]6. 

344. 

— ßyri.scherBSderabergl, 

— Uefcer eyriacho Ge- 
bräuche 8. 

Sinüuss, gtiter, v. Ha- 
rensBdamen 11 88. 

Eingeweide , eigeatüml 
Art d. .Reinigung 401. 

Eiageweid'^brücbe 1Ö4, 

— -Reinigung bei den 
Beduinen 20. 

EsnkEi'keruDg d. Kraak- 

beit.'-dämons 174. 
Einsalzen d. Nabel reetea 

II 309. 
Eißgzier, Dr. 119. 258, 

— Frau Lydia 8. 29L 
294 ff. .'iOS ff. 309 fL 
3S4 ff.; n B19. 

~ üb. paiäst, Geister" 

Abevgl. 34öfF 
Eisen al^ ■ Abititer dea 

Zaubern .303. 366 ff, 
Elefant u, Fnidttbarkeit 

II 266. 
E!efayteal<u1i, indjacbe : 

Bezfiobn. f. e Swx m. ' 

sehr grosser Vulva II 

Ei-irfaf.iSdSia, 8. 241. r 

Ei Hadschadsch, arab. , 

S'ili.an ?>Z. i 

ibp u. Goschlcohtslel'ön in 'loc 



ElHakeni, iirabischerA rzt 

S2 
Eiifvs, T'rofeti Kuabea- 

bringer 41«; 11 "44. 

— iü d. Be3f.-bwüi-uug8- 
t'orüjeln *T524. 

EJias Fi'.3cha Aag<;nar7.i. 

63. 
Elidßcfaa, l'heymaSqueüe 

83. 
Ellis, Dr. H. 14. 336. 

435 IT.; II m. 161.<f. 

176. 

— Utrsr Ge.«!ehlceht.strieb 
XL. /ahrBßZfti tea II 1 7 7ff. 

- üb. künstl. penis II 
240 ff. 

— übor Onajüe 11 üS5. 
Elster iüi. 
EJterlicb.o Grausiinikeit 

bei AnssftlÄ 122. 
Emiu, Dr. 56. 
Erair Tsoheiebi, Leibarzt 

41— L2 

— AlnliammedSnjid.THrk, 
Hofarzt 18. 

Empfängnia in geheilig- 
ten Zeiten verursacht 
MisKgeburten II 354. 

Engeimanii, Dr. Ü. 9 ; li 
802 ff. 

Engiiscbea Mariaespital 
il) Galat» i.05. 

— yp'täler Ju Jerusalem 
113. 

~ in .Srayruff lU,', 

Entbißdungr s. Nieder- 
kunft. 

Entdeckung e. Mineral- 
quelle durcb Esel 94. 

Entö, gebratene 240. 

Enthaltung v. Beischlaf 
in d, Schwanajerschaft 
II 287. 

EatHiinnuug, Srrafe. f, 
EntfüLrujig II 183. 

Entweihung d, Kiretns 
0. iÖ5. 

Entweibnung d. Säug- 
linge D. o-li}. ■A'L'^. 

Spidcroj^ü 251 ff. 

Epilepsie e. Kruf.kl\.- 
DärpQU 18. 

t48. 114 175-183. 
299. 346. 

— aberijJ. An-^icht üb. 
d. Ursache II 2fS8. 

Tiiikt-i li". '.!5 



386 



Epilei)sie d. Kindes, 

abergi-üfsachellsas. 
Spiieptiker-Bad 99. 
Eram.Dr.P., „Uebcr arab. 

Geburtsgebräuclie" 14; 

U -279. 
Erblichkeit dea Aussatzes 

114, 119. 
Erblindung, Gottoastrafe 

167. 168. 
Erbsen als FoutanelleE 

200 fl". 
Erdbfcerwarzeln ^2^. 
Erde von heiligen Stätten 

als Heilmittel 207.214. 

306. 

— wuuderwirkende, zur 
Ericich tex-ong d. Geburt 
II 297. a99. 

Brdpech (Mumiai) per». 

HeJlcittel 193. 
Erliorene Glieder mit 

Hesnah ^ehaIlüelt 75. 
Erkältung 208. 245. 
Erleichterung derGaburt, 

Mittel 382; II 294. 
Erlöuzweige 11 6. 
Bnnurdung SuUäq 

Ibrahims IX 97. 
Ermordung der Kösem 

n 84 ff. 
'Erotik u. Massage 216. 

217. 

— und Sßhlange 435 bia 
437. 

Brpcheiu uag der Pest 266. 
.KrT.üogr.ii'S Traum 392. 
Erfräuken der ^aoh- 
geburf II 307. 

— V. Weibern wehren 
luxuriöser Trocht Li 
186 

Eraerum,Thermalqn eil ea 

90. 
Erüf feinde der Pest, die 

Hunde 266; die Eeol 

•><>7. 
Eschiuafci , Nathan S., 

Jfid. deutscher Arzt 

am Hofe Suleiraans 

39. 40. 

— 's Frau al.^ Arzt 40. 
Eäel, in d. Bibel «mahnt 

■wegen ihr. groseea 

Glieder II 208. 
Esel uud Peat i.'87. 
Ese.liunou, Werkzeuge d. 

Sodomie II 220. 



Eselsmilch 218. 234. 

Eskiachehir, Mineralbad 
86. 

Essen im Aberglauben 
15. 399 ff. 

Egsgelüste d. Schwan- 
geren U 287. 

Essig 199. 210. 239. 241. 
249. 255. 256. 269. 

Es Sychne, Soolbrunnen 
91. 

Esthers Grab 37. 

Esther Kiera 40. 

Esthuische Feste, erot. 

n 176. 

Eulen 425—427. 
Euuuehen 15; II 222 f. 

— Buch von Bilbarz 12. 

— am Hufe, Abdul Ha- 
mide II 4. 

Eaphsmiämus 180. '211. 

264. 338. 347; 11316. 

319. 355 ff. 
Europäische Aerzte in 

d. Türkei 48. 50—65. 

Vgl. Wiener Schule. 

— Teufalsaustxeibongen 
176. 

Euphrat 246. 247. 

Eusebins 92. 

Ewüa, türk. Histonk«", 

über Spitäler um 1750. 

100. 

— Beschreib, e. Auftrags 
d. ärzti. Gilden 138 ff. 

Exkrement«, eist*, d. 
Kind23 II 336. 



Fagergren, Paeudo-Arzt 

136. 
Fakir als Arzt C4. 
FrJl. öineiger, ein.Selbst- 

murdes in der osm. 

OcscMchfce 278. 
iallß von Langiabigkeit 

y78~277. 
FaUmerayer 274. 
Falsche Haare, r. Mo- 
hammed verüucht 

n 127. 
Falscher Schritt der 

Sdiwaageren, Zeichen 

e.Kuabengebnrtll 314. 
FäUvhungen, kosmet. u. 

pharma»f"it. 10. 69. 
Familiengeaßimuis, 

mediz. 187. lob. 



Familiftiinamen, v. Koran 
verboten U 359. 

Färbemittel, siehe Hen- 
aah, Kohol, Safran, 
Basti k etc. 

Farben 204. 

— blau 201. 220. 239. 
240. 323. 

— blau ist Farbö des 
böaeu Blickes 298, 

— blaue schützt vor 
bösem Zauber 297. 

— gelb 237. 238. 310. 

— rot ISl. 197. 206. 
284. 237. 302. 330 ff, 
355. 

— schwarz: 181. 182. 
264. 268. 331. 

— weisse und schwarze 
Heuuen 40O, 

Fusten, Ausspruch d. 

Propheten 248. 
Fastenzeit u. Coitus 

n 195. 
Fasttage u. Aberglaube 

II 337. 
Fataüamu.s 115. 329. 
Faucher, Julius 12. 
Februar 366. 
Fehlgeburt, abergl. ür- 

sachea.II 289, 
Feierlichkeit im Sultans- 
hause b. erst. Haar- 

gchnitte d. Prinzen 

n 128. 
Feigenbrei gegen Pest 

265. 
Feigliagö mit Henuah- 

Eiehl beworfen 74. 
Fuidhaac 419. 
Feldscherer siehe Chi- 

riirgen. 
Fellachen, Brautnachts- 

gebritüche II 121. 
— braut, intime Toilette 

vor d. Brautuacht 

11 131 ff. 
Ferhard Pascha, Grois- 

wesir 40; 11 264. 
Ferreol, Missionar 161. 
Feste, erotinche n 176 ff. 

— osmaniBche, bei Be- 
Bchneidungen v. Prin- 
zen 11 566 ff. 

Festuageln d. Vampyr- 

huche 858. 
Fetiaugen-Orake! 382. 
Fett werden 242. 



Fetwa, Qaarf^ntäuea ts- 
treffioni 275. 

— übet cürietL-moiiflm. 
Ebeu II »5. 

Feuev im AbergJ. ^. 

Alban»»Bn »82, 
SJtnsmer d.WöcU- 

ne/in 11 buü- 
—- seine KdlsAokeit 204 

bis 206. 
F^aerdoktoreu 143. 
If'ieuerlod tUrderZaabem 

Verdftditig;« 277. 
Feuerabcmist in Per» iOft. 
Fichteiuiweige II S. 
Fi^jel-Böjscliol aleScbata- 

inittel 8Q&. 
Fieber 160. 196. 197. 

24» ff. 248—260. 

— d. V. Ahwa» 6, 

— ^Trost im Fieber", 
Schrift des armen. 
Arztes Mochithar 
vXU. Jahrb.) 19. 

— wäscht, die Sündea 
fort «40. 

Ficgeraäi^el im Abergl. 
»9; n l?, 

— 881. 

Finkci, L. Totsnbiüachä 

U. 
Fisch m Abergl. II S21. 

— -«3S«0 vor d. B&den 
verboten 89. 

— Symbol d, FnxoLt- 
barkait 431: H U2. 

— u. Qearhlecb^a- 
faestijmmang II 345. 

Fiächtbrar. e. Stätknngs» 
mittel II 307. 

Fisolenbobaea ala Fon- 
tanellen 190. 

Flachs, Ad. 280. 281. 
S96. 420; II 6. 6. 12. 

Flamme (Hexen-Erschei- 
nung) 343. $57. 

Flammflecken 180. ISl. 

Flechten im Gesicht, 
Beschwörung bei ab- 
nehmend. Mond 384. 

Flecken an d.Händen S96. 

— im öesiciit n 288. 

— auf d. Haut, abergL 
Bedeatung 398. 

Fleisch e. Grosswesirs 
als ilittel ge^. Glieder- 
reisäeu 223. 



i'jeiaci-jgpeissca sch&diiüh ; 

bei rifcber '446, | 

Fleischer, Prof, 14.111. ; 
F\;jainea. alban. Kro-ak- 

heits^iäzaou 1>'0. ; 

Fl«tcV.e aus ü. sexaeilec j 

Lexikon u. ordinäre 

Fificli« n 1.5T. Ulä. i 

— oidinäre d. ä&d«ilaTen i 

ir 141 ff. i 

Fiügel, C*. n. 18. 24. 
28, 41. 42. 

Flösse, paradiesJBche aof 
55n?ena 2*6. ?47. 

Föhrenbacher, Caroline, 
Diakonii^sin 119. 

Folgen angidckl. Kuren 
208, 

Fonaeca, portug. jüd. 
Arat 45. 

Fontanellen II 338. 

Forsöt, Dr., Üb. Wahn- 
sinn in Syrien \b. 
172—174. 

Forster II 353, 

„Frankfart. Seitang" 14. 

Fränkiache Aeizte, Ur- 
teile ar&b, Kurpfoflcher 
über sie 146. 

Fitinkl, Ludw. Aug. in 
Jerusaicm 113. 348; 
II 306. 

— Üb. Dr. Spitser 6. 58. 
F^ansisktuier, Liebhaber ; 

V. Ziegen IT 220, j 
Frenzos, Karl Emil 270. ; 

Fr»ni::öäiäche Syitäter in 
Jerusalem U3. 

— inKonstAntinopel 106. 

— in Smyrua 111. 
Frat ben S(;hachaa8a, jUd. 

Arzt 33. 
Frau, die, b, d. Arabern 

II 18—19. 
Frau, verghcheü rc. d. 

Tiere II 11. 
Frauen ala Aerzte 

149—154. 187. 

— Orient, ».u europ. lö. 

— d. Proleten lloham- 
med n 23—28. 

— ihre StoUnng b. d. 
Montenegrinern II 
109 2. 

— — im Orieat II 
16—17. 103. 

— n. Toteabrä'icho 279. 



Fr» U3J1 bilde r, türkische 

Frauoileb:-«! im Baße St/. 
F?aaßiikroTi'cKeitea, Ka 

t2.p!asuinn a. Rosen 70. 
FtdMtnhidon 197. 5541. 
Frananisilch «c. Aber- 

gknben XI 3»d. 

— als Stärkungsmittel 
SreschwäcJbter Mänuer 
II 329. 

Franenraub, ehem. b. d, 
Balkaaslttvon II 208. 

Freiheit, d, Frauen b. d. 
Bednineii ii 188. 

~ gescliieohti. II 176. 

Freitagakinder 375. 

„F^emdenbiatt" (Wien) 
tJb. D.T. S, Spitzer 6. 

Friede, d. Haremefrauon 
veranlasat il 88. 

Friedreich 9,^, 94; ri>>78. 

FriedricbWilhelü), Kron- 
priui;, Besuch im deut- 
Söhen Spital in Pera 
löB. (Im Text mnss eü 
1 869 statt Ig76hei6sen. 
In „KasBOT Friedrichs 
Tageb.", herausjgeg. ▼. 
Marge retha von Po- 
Mhibger, 2. Aufi. Berlin 
1902, heisst es S. 62: 
„Bßs von Kaiser 8- 
werthorScbwesteni ge- 
leitöte Hospital erhält 
sichaaseigeneuMittebi 
«Lud «tyli von dar Obei in 
sehr gut geleitet wer- 
den.*') 

Friedrich Wilfael:ii IV. 
108—109. 

Frilley, (1,, Wber Monte- 
negro 19. 

Frisch, G. Verutstalt. v. 
geuit. Ofgayoj 15. 

Frituch, Produzierung e. 
Bttßußhea -Penis 
n 228. 

Frosch 248. 

— als Liebesaaube)'- 
mittel II 12. 

— u: Entbindung U 295. 
Protteur 88. 

Frucht, Entstehung d. 

II 282—286. 
Fruchtbarkeit 241 ff; 

n 6. 16. 261—268. 

— auü'aliende II 263. 

25* 



iSS ^~ 



Fruchtbarkeit, aberg-l. 
Massnahmen, om sie 
2H sicKcvn II 104. 107. 
110. 112. 

— Fischeihi Symbol 431 

— ij. PoJypatiie II 19. 
— • Sieatopy^ie e. Bürg- 

SühaU III24. 
— ' s- Kinderreich tiim. 
Ußfiij.chtbarke.'it. 

— ('liaaclrago.'^';' 3äi 
FTrühiingskuren 3S6. 
Frühjahrskttr 227 ff. 
Fiülirerßtorbene Kinder 

als Geister 362. 357. 
Vixchri, der 419. 

— Begega. e. Schw^n- 
g^ren m. c. H 28£. 

FuDken-(Jrake! 3 HS. 

— Schlagen vor Rurz- 
aiciiti^eji !dö. 

Flucht vor aiistockeuden 

Kraukbeit^n iiö. 
FiuEari, Seisewerk 15. 
„Flirbt'vier, b. NathaBid. 
Fürst, Dr. L. Gcheioiüis- 

vollej} in der Heii- 

koiidc 15. 
FiiSsscliiveiss 73. 
Fas.strittc als Heii- 

methoiie 206. 
Fiiznti, Allegorie il. 

lü-aakinMt 333. S34. 

iGahfic! (Dsctjibrall) 

— Er A€U4;f'l 2i;?5 3 tl2B. 

— iii Besehvrürt'DgK- 
torindn ülüi. 308, 

Gäimeit; abergl. Futcbt 
davor 3'j'/— 39S. 

üairfoz, Htufi, ab. ToU- 
•ftjii 15. 213. 

Galatn S?erai, Medizin- 
schale Ol — ö6; Ein- 
r.cbtuug u. Scliülfr 
G-*— 63. 

Galennfl 30. 82. 141. 

GuU^eii »1 Pruchtbarkfcit 
1? a6fi. 

üalÜHJ-Thal 23i». 

(^aliläisolio Wälder S14. 

Gall&pfel 74. 82«. 

Gallinscbfcjj (Rctlzsöhulie) 
86. 

Gänse als Geißler .*^6. 

— Werkzeuge d. Sodo- 
mie IT 22J. 



QariSehaut ö97. 
..Gartenlaube" über Dr. 

Spitzer 6. 
Gaselle. ind. Bezeiehug. 

.£ e. Sehr kleine Vnifa 

n ^04. iOo. 

„Gazetie medicate d'Ori- 

Gebärmutter II 10. 274. 
290. 

— d. bösou Geistern zu- 
gäöglicb II 194, 

-r- -EüS!t] 371. 

— -Leiden 242. 
Gebärstiihl U 304 f. 
GiibQr, Prof. L^r. Ed. 232. 
Gfcb(;t uud Coitus II 

194—195. 

— u. G^auudheit 247. 
Gebete 226. 235. 

— als. Heilmittel 272. 
274. 

— Weiber, 'WolilgeTüciie 
71—72. 

Gebräunt, türk.Ausdmok 
fOr Epiiepsi« ir>ü, 

Gebräuche, ol>ergl. z. 
7ferbiltuiig d. rmpoteiiäs 
n 248 ä", 

— um d.Kiaderv.früheiTi 
Ste.(bbn äsu Bchüt2f.n 
II 339 

Geburteu, leichte und 
.scbwere b. d. verschied. 
Oriantvölkern II 292 S. 

Gttburtsfräaleiu, andsiav. 
I£ 277. 

Qeburtsgebräuche. Vgl. 

EugeiaiauE, Eram. I 

Niederkuutt, V/öch- j 

uerin, Kind, \ 

■— b^i Hebräern rmd ! 

J.rabern 1.5. i 

— uev Rumänen Sieben- i 
Ijür.'TenB 9.0. j 

GebiirtsbjJie siehe Heb- ' 
•iiXiUie.a. j 

— iu Smynia UiK 
Geburtsnachr, glückliche I 

b. d.MoeJems 388. 384. j 

riehurtfiRch-uerzen II j 
291 ff. I 

— Äuübpr. Mohamraedö j 
H 274. 

GehufUteg, der Eiinjnel- l 
fahrtata? c. ungliick- I 
licl'er ^S\. 387. I 



GebTi,rrPtaoe u. Stunden, 
glückÜ-.'!;»; u. i'Dgliick- 
llcbo 376 — ;j7i. 

GedächlLsii 22t— 2l>2. 

Gef'ibreii, welche die 
vVoübaerin bediohen 
11 313 if. 317 

Gefslleue Eügei als Dä- 
mone 347. 

Gelieimhaitefi •{ Geburt»- 
akte.=! n 293 Ü". 

Gebeiranisvoüe Eeil- 
pflanze d. Serben 1 92. 

Gehen leruea II S38 tf. 

Gehirn, ßlutauctlüssf: ka- 
riert mic Kohol 79. 

Geier 421— 42S. 

Geifern d, Kindes, ge- 
heilt d NegerküBse 
II 337. 

GeigeiiWiita e. Liebes- 
xauberniittel II 5. 

Geister, Tgl. Krankheits- 
diinioiteu. 

— aiüd miasgestalt, 
Menschen II 352. 

— d. d. Wörbnerinnen 
nachstellen II 3i2 ft'. 
310. 

Gciaterreich dts Talraud 
938. 

— im Zendavesta 337 — 
838. 

Öeisteskrankheitcii 148. 
Gel'/ der Aussätzigen 

119 — 120. 
Gciher,Dr., ül-, d. K.;4}1- 

kcpfijarkeit d-Orientalen 

n 130. 
Gelbsucht iGO 1S6. -.iOC. 

210. 2.57. 2,?8. 

— IndogerniHnisohtr 
Z.*uberspriich 15 

Geleadscbik. „iu-äutliclie. 
Krankheit" löj — 1&3. 

GelenkeurKünduuf'cn m. 
HeunAh behau'ieit 75. 

Geausb, hüibster u. nied- 
rigster, nach iiidischer 
Auffassurg !I 2u7. 

— D. Oiniens'oneft d. 
Gfcsciilecbt« teile 

II 20ift\ 

G'org, der Hl., iu d. Be- 
schwör ungsformeln 
2)3 ff. 321. 

Geraubtes Wasser ski. 

GerLu'h II 3Ü3. 



o8i 



Oerocouoniia II \i'>ö )T. 
Geroon, ll&hbi llhar I((c- 

Bogßfnit? II 15, 
Gerste 32*. 3S5. 
Gerstonküru 206. 

— uMil GeschlerJitsbe- 
bestimniupg II 343. 

OevetenwRsser 24 ft. 
Gcruc.Jt, bwer i'^o Vi« 
290. 

— S.UH d. Tifuniio, at)ergl. 
Ansißhi 401. 

.._ ... verhUtel iL Ein» 
sahen <i. Naheh(;.ste3 

— und Goiius If 266. 
Gßyüobri "V* uau erwirkemlo 

Ma. 

Gerüclwslr.n der 

ÜcWangaran ll "CHT. 
fjOsäss, Naiuea dafür 

G(^schieci^t.^be/.timauöng: 
418. -i2t>E.; -iCfi. 303. 

— vßl. K.nabt'.it. .^täuehea, 

— iu Persiä.M \'dl. 

— u. Abergfaube 3'7ß. 
Gescbl^chtgfuuktiou s. 

Oc'itü?, Vor^f.jhen bei 
i>r Ge.-'chlfchts- 
fo7jkr,iöi»), ArlfcP d. Gs- 
achieübtsfauiition. 

— • krABkiiciten II 243 
bis L'i7. 

"• um «ie äu heilen, isfc 

g$?T.'>.tt-.S, 11 2'Vt er.eE- 
so Souoüaie mit Ti«viß 
11 2S0. 
-- ua.-i Jaares?;pjtea II 

175 s:. 

— teile, ihre Dimea- 
sioneu IT 202—207. 

II :>3i. 35Ü. 
Geschwüre kuriert ^Jorcfa 

<1. Bädc').' y. AVQ Xib- 

rit 98. 
Gesetze, xnoslero. gegen 

P^atmaiiuuRg II 224. 
G?sicht, Bi*«iaEpuakt d. 

Schamgefühls II 15Sf. 
Gestt-Gdheit 61. 2O3-7204. 
G«wür;',k.rä'aer siehe äi>o- 

tkeker 08. 
Gewürznelken 22G. 322. 



(ihajfifeddin, ArzJ, 39. 
Gbasali, arab. Historiker, 

GliRsan, Gesetze pegen 

H)iren\virt8uhaftIIia-2. 
Ghohifi, deutocher Arzt 

14S. 
Gbuie Sd2. 

Gi(*lit2i6. 217. '*'23. 224, 
Gift, siehe Verj^iftuDgen. 
(iJWemeister.Nachnchton 

•k'.i Mukp»l.ia.si 12. 
öinsangwurzel 159. iCO. 

102." 
Gjorfjjewitach, Dr. fi. 20, 

\Si, 186 3. 237 tf. £45; 

II »06. 
Glaskrautblatt als Mit*:el 

ge^. A;:geljleitlea I6ß. 
Giatibciisunteracbied u. 

Krankheit 236. 
„iJ^obuä"y, 10. li. 12. 13. 

20. 'J2. 23. 6-t. 91.349. 

i-lh il 
Oi''!bt;;.Se,u -235. 
GiiUk, i/r. Leopold. 6. 
GlücksLiiinbchsu II SSO. 
(jiiitkskin/ier 375. 
Gübafv Frl. 116. 
Güguel. L'eber Geburis- 

gebr. 16, IL 302. 
Göid 236. 

Goldfäiieii-Orakd II. 12. 
- Gold i ihev, L r^ftb.Zdhlen- 

Abergl. 15. 407 £f. 
Gi>mj>ere, Dr. Tb. 5. 59. 
Gor^dofcaabui 68. 
Gopzevjftj Spli'idon 15. 
Gott als Avxt 93. i 38. 139. 

14b. Uu'». 202. 

— aJ5 Gebii?tfthcifer 11 
292. 299. 

— in der Medizin 17C. 
182. 194. 256. 258, 

"- und die hetit 2ö4 ff. 
GottC'^ KiLder, Aßfjicbt 

Bolcher MögHchköit v. 

Koran verd&mmt 

II 348 s: 

Götliliciio Geburtaheife- 
rißneu, 8. H-immÜsciie 
Iie?lia,i3imen. 

Gräber, beJiige, ai« Heil- 
orte 207. 

GräkO"'.vaiach, AbergL 
.Sifct. u. Gebräuche. Vgl 
Sajaktzis u. Ma^edo- 
liiea. S85. 4Si. 



Grüko - \vala<^h, Abev^l. 
G eb räu cli e i . d .Sc i-iwtm- 
gcr.«;chaft li 280. 

G<!biäl;vih(.^, d. 

■Wöc'b'.ieri'j botr. 
II »12 ff. 

Geburtagebr. II 

278. 294. 

.Scbut«asittel .^$03. 

Gräkowalarh^Ti , 'BIi>=3?;ü- 
burtoa giilLevi, ihnen 
als V. Gottes ^^otn Ge- 
Keichn. II ?.6L 

QTAnatä])fel tÖl; 11. 2G6. 
288. 

Gninaten 227, 

Qr3us.^TnkeÄt g-eo. Wahn- 
sinnige TGö. 

,, Grazer Zeituii{.j;" 62. 

Greise, d. Bcrühtuji^ m. 

tigf Li 2riO. 
Q re'.iel.b. J. J*3nti.iiid rnig in 
Bagdad 11 ao5, 

i Griechisoher AberRiaoJre 

I 14. 294. 

I — Hochzcitsgeaäuge 11 
101 ff. 

! — Hofarzt 7.. Tode ver- 
urteilt. 45. 

— Spitäler in Jonisalens. 
li-S, 

— — in KoaHtajitJQepel 
104—106. in Smjnja 

{ 110—111. 

i — Yft-.npjrre 530. ?.üi 

! bis H8-J. 

1 — Vo]k;'.lebea 23. 

! Grimm 429;. K 8V7. 

1 Griud 403. 

1 Grippe 220. 

j Gross wosir, der vo/j 100*> 

1 Stücken 224, 

Gruber, Dr. J. 20. 

i GrÜBbauni, M. 8, .^-29. 

I Grüodounerstag' 309; Il 

I 334. 

[ Gr'oser üb. BesesseaheiL 

' 33Ö. 

j Grüüteld, Türkisch. Kasü> 

i gedieht. II .197. 

! GniHS, tiirl:Isch«Y >;-;. 

i Grzesitzky, Apotheker ^} < , 

i VÜ1. 132. 

j Gubenmti.s 4..9. 42v'. 431. 

Gurke aig peuiB II iSS. 
24 1. 



390 



Gurke aia Ruaseres küb- 
Gymsiastik 71, 



Haar, goH!5ehiß}rai«rQdflaj 
EigejiRchaft albnuss. 
öcistö? 541. 

~- Schutz reic'aeu Haares 
V. d. insm r>iif!k 298. 

Haere >le,s Weibe» XI 126, 

Haarfarben 74. 

— in Persien Ib. 
«. SchivaügersciiHf«; 

U 2H'ö. 
~ üeciiten u. Abei'i^l&abe 

397. 
~ — aylgc-fÖ8t, am ä.. 

teru n 296. 

— katüDiOB am Mittwoch. 
S78. 

— Bcliüitt, erst. «.Eaahen 
11 127. 368. 

Haiire »ö. 

— bei Be.scLwöruügen 

— uud Augen älb,'a\.3obBi- 

— . u. KopfßcamerÄ S20, 
Haberiand, 0. T.I •■?»). Aber- 

gk'.'b-; b. k'men 15. 
„KaifOi- el kei" (Hffjntii- 

HadBcbi Cha^fi STi-. 
Hartso'ipafirhd, äszi li. 

18, 27. i28. 
Hafsi"«. P?olütcnsfkitti3i 

Tl Uü. 
EäSuj, J. G. 2il. 364. 

373. 381. 384; II tOO. 

lOS 5t. 194. äl&. SiJO. 

?.39. ä&3. $5&. 

— A]banesi<)che!? 18&. 

— üb, Pädenjütio w Äi- 
bauien II -iS. 

HaJii) S03. 

— u. Henna icu .Abergl. 
S9t,. 4'J9 ff. 

— geacklßcbtet b. Be- 
giun e. Geburt IT Sft.'». 

— oIk Ojifer i\. Geisteja 
darf^'^breciir 4.45. 

HfeüJie, Tcslikei t.. ala 
l.iebeszaubermittelll 4 

baugsmitfrl öcfcfcjntot. 
iCinder II 356. 



H^atiaadft Biflüdi 43. 
—' M-oliRium. E/Jiin 46. 
HAiäse.b irr; ß?rü 97. 
Hftk~Näsat\ iü4.-yeTsi3ch. 

Halbmond als Schutir- 
mittel -/M. SOS, 

HaLwßk 197. "23S/S.M. 
Hamaisäde Mohamixs&i 

.Ifends 4'i\ 4S. 
H&r).i'ia., s'jlt, Kebamme 

n 97. 

HaiKÜwa »06. 
HiXEmielökiauladö &.«irsti. 

iHStruiaeiit ^Sß, 
■— •liSbe.r Medikament 

^'gg. Blia.iheit t6'>. 
~- "Milz i!S5. 

— -NetE 226. 
Hfcumio.r-Fiürgatäli 2ß.7 7. 

— üb, d. ÄKiaz^uen V. 
Ämasis li 233. 

'■* — C'05.='^fÄCtin(>]wli3 ss. 

d. Bo5«o.»^y? lOi: l.?8. 
•— üb. PoiygfÄJtjJe II S6 

bis 19. 

— — Gesch. A. amb. 
Litttvatuy 4. -5. S3. Sl. 
Si. S3. 35. 68. in. 
L-iö, l^i. 20?. SOS-. 
?C»7- S6?i; 11 155. 

— — Gesch. d. ogra. 
5.l?ic'aes6. 27. SO. "170. 
171. 27rJ 301 tf. 404 
.5f *'.U .f£; .0 9. .HO. 
56 ff. IBo. 21?>, 365. 

HaoMQtTBcblsgv Doc. 3>r. 

Viktor n, 
Hämorrhoiden 2SG. 
ERmgs. lÄ. 

— dni6ifi<jb.Kea9''hh6it8- 
TOiScliiirRrt K 170. 

Fand, im Abergiauhsa 
4(>ö— 409. 

— d. iieil.\ge-ü Juafiiö-an, 
PflftEzej weichs d. Ge- 
burt f;r)e.idiiÄrt U 5?&&. 

~ als ScbutzDjittel 284.. 
30^ ff. 

— IJiQrwii)ichkeit d. lia- 
k«ii 398, 

Häiidesjiifi.* beim Coitu« 

n löö. . 

Eatidel KW. Pntiont u. 
Arat '«S4. 

— d. öidriiße uii* ihren 
Törhtob n 68 ff. 



SaKf^Iäfctor 2,i4. 
HaDigi^niifedeii. 244. 
Hi\iit2,?ch» r n 27Ö. 
Harem B6; il 17. 
}Ifti£:ni?wScbt«r , ^^unii- 
cheu I.[. 22i< Ö", 

— uaü Äl7.t 5. 20. 48. 
ilaiemslebtii ii. Hysterie 

241. 
HiiremaJ)»«» 224. 
Har^üs (HarJ^Ds) 76. 
Haria ben Rüde s, Iba 

KJide. 
HferoL!araukbeit. 205. 230. 
Hau« 41«— 411Ö. ■ 

— jßfiiacbe iitxöichnungr 
/t es. kieiuen peaiß K 
20 V. 

— aüd&J.av. Fiezeicba. f. 

— Bögega. d. Scbwaa- 
geren m. II ?.HS, 

— -FJeiech eeeai», de» 
SchTOMgereu viirbctea 
n 286. 

— 'Vüra, Mittel z. Er- 
leicbtßfu!!^ d. Zabueuä 
11 S3«. 

— -Sebmais bei Eatb).tt- 
dunge.G U ;iOi. 

Hftijselquist 11 2<ö. 28S. 
Hä3»Iicbe Abbild '.HDgeii 

aie Atnuiete .^02. 
.HäBaiä<^bkeit e. Hindernig 

im osiüaii. SUdt!«d.iejast 

Haudi, tötltcher 277. 
Hacrif .Toll, ^Der Lslam 

eft.^ 18. 16. 
^T&ii}? der Glücksöligbeit 

IF 74. 
liausschlaage.Ts siehe 

Sf.hIaiÄge. 
Haiwscbvrdle 'i3Ö. 
Haauusßcbiag« kuriert 

d. d. Süder V. Äyn 

Kibrit 9S. 
Hautkraxidtbeiien 240. 

— caJt neuDfth kurirtSö. 

— «fehailt durch Jordau- 
Wa8«9r 94. 

Ilefcf.oxOMin n 278 ff. 29S. 

vgl. Abortus. Niedeif- 

kuuf t, Wödtaeria, Kiud 

etc. 
lipMainmaüt FrauHesiMni 

64. 

— m Bagdad 150, 



391 - 



Hebainmes, ihr übler Uat 
6S— 64. 

— •Unterricht 36—56. 
Hebet Allah, berühmt. 

St«inoperat. 194. 
Hebräer, Altjüd. Medizin 
16. 

— Angenschniinke bei 
Ihnen 77. 

Hcbriii.soher Abergl. in 
Augenleiden 1»?7. 

— BestiinDiunfren üb. d. 
Jungfrau Hnhkeit der 
Braut II 166. 

— Gebartagebr. 15. 

— Hebammen II *278ff. 

— Zauberformeia {jegeu 
böse Geister 3iJ6, 

Heidelbeeren 22c. 

Heider. Karl 1X0 

Heilkraft ri. Meustrnal- 
blutes n 148. 

Heilkräuter b. d. Kore- 
anern 16 L 

Eeiluiittel geg. Pest 26R. 

Heilnngsbüclier d. waxbl. 
Aerzto 150. 

Heimeben alh Medika- 
ment 161. 

Heimlichkeit d. Coituö 
II 193. 194. 

— d. intimen Ehdc1"»2s 

n 118. 

~ h. Zaubermitteto II 12. 

Heiraten u. Hocteeit. am 
SuItAüßhofe LI 56 ft'. 

Hoirfttsalter II Hü, 

HeidiTj, kurdische il 119. 

Heldinnai, criaat. II 18. 

Helerxi, Kaifena 88. 89. 

Helioiiopoli.s sieh Jßlowa, 

Hellblaue Augen— böaer 
Blick 298. 

Hellmimdsche Salbe als 
Verbannnngsivrsache 
208. 

Hengat , indische Be- 
zeichtoug f. e. grossen 
penig II 206. 

Heiigate, in d. Bibel er- 
wälmt wesf. ikree star- 
ken San;er.erguB3e8 
II 206. 

Hemiah 73 ff. 

— u. Aberglaube 38i. 

— iui Bade 88. 

— ai.<j Heiisiittel 74. 
geg. IiEpotena II 254. 



H«nne 99. 

— In d. Mrb, VoUwmeiii- 
?.in 191. 

— • Werkzeug d. Sodomie 

H 2>1. 
Hennig, t)r. C 9. 
Henuing, M. üebers. d. 

Koran 9. 
Heju-y Bev 2fi8. 
Herbeizäuberung der 

Fest 265. 266. 
HenBsab, e. d. Potea« er- 

höbeude Speise II 256. 
Herodot 433. 
Hertz, Dr. Wilhelm »59. 
Herz. Frau Elise 118. 
Her« V, Hund u. Schwein 

-Z\2. 
Kersen frcssendt Frank- 

beitsdämoneu 84r0. 354. 
Herzleiden 235~2a6. 
HfltÄvisrr.u» 11 123. 
Heu im Abergl,, d. Nen- 

geboreae betr. 11 3S5, 
Heugabel iroAberglauben 

n 288. 
Heuschrecken als Msdika- 

ment 161. 
Ee"c d. Wahnainna 343. 
Hexengeatalten 420. 

— n. Hexeriche werden 
m. rotem Gltickshäub- 
chen geboren n 330. 

— u. Neumoud 3S4. 
Hexeasauber u. Geburts- 
tage 376. 

Hille, Di'., über Färbe- 
mittel 74. 

— üb. Kohol 77. 79. 
HimmÜBohe Hebammen 

II 276. 
Hinriebtung e. verrückt. 
Dermsches 169. 

— eines Liebeszauberers 
II 8. 

— - e. in e. Suitansii Yer. 
Hebten II 8. 

— e. armtn Weiberver- 
führer?? ir 9. 

Hinterbacken., dicke, er- 

wänscht II 124. 
Hintemtasz II 175. 
Hiopokrates SO. 82. 141. 
Hirsch, Baron 108. 109. 

— Baronin 110. 
HirschgeTTsih , Meüike» 
. ment 159. 160. 



Hisflbifis, arab. Dichter 

13«. 
Hochzeit, gl&okliche u. 

«ngltickl. Ta??ö 379. 

.«»80. 
Hoch:<{eit, als Heilmittel 

(Pest) 269. 

— am Sonntag 376. 

— n. Henuah 74. 

~ a.Beschneidnngliäoan 
in d. Orient. .Sprachen 
daBselbö Wort il .^^66. 

Hochzeitsbräucbe, Vgl. 
Löbel, Flachs, 

— d. Völker in d.Ttkrkei 
II 100—12». 265. 

— Ho<ibzeitste.sto li 56 ff, 
HoehzeitSgcschenke b. d. 

i TilTken U iU. 
I Hochseitsp&lmeu , Sym- 
bole d. Manneskraft 
I II 61. l>3. 92. 205. 
I Hocken bei d. Geburt 
I IT 30S. 

I Hodenzerqnetschung, Ki- 
{ stör. Fall IT 228. 
! Hoden o. Bauchweh 2^7. 
j H-^^dschag als Aerzte, 
j siehe Fnester als 

Aer?te. 
Hoförzte, oemau. 26 bis 

65, 
Holländische'? Spital in 
I SmyrDÄ 1 1 1 , 
i Hölle, Var3telluüg bei d. 

Balkan pölkeru 278 t. 
Hölienfauer ist d. Fieber 

nach d. Pro.teteu Aus- 

sprrich 248. 
Hoizs'Asiimeln z. Hoch 

zeitshiotbacken II 105 
HoLat$g d-, hei d. Alb&- 
I neaea II 103. 
} Hoßiöüpatb ia E.onsta.ati- 
[ nopel 140. 
i Honig 207. Jt36. 330- 
1 II~253. 301. 
i — 2. ischmiereu d. Pe^ 
\ nh n 192. 
j - - f&r Vergiftungen §09.. 
! Honigbsrgsjr,, Dr. 8. 152. 
j 15:i. 2?<0. '231, 269. 
~ über .BRl)«t al kai 
I «sä— ä5i<. 

j ~ über Man» Dv.d»A 
j löl—lfoS. 



üui 



vn^i. Liebliag'sgetr. 
■248, 
Honoiave. ärailichö 20. 
S4. Iä2. 34Ö. 154- bJS 
156. 193. 194. 

— in Afrika 16. 

— in Korea 157. 

— für ÄuHwasfcbeö der 
Aogeii 76 

-— tfefä.hrlicheä d. Be- 
scheaktcin 165. 

— dev fiebammeii 160. 

— Gehalt dca Hokim- 
bascfci unter Abdul 
Mcclschid 62. 

der Miliiä-rapotheker 
136. 

— Pension Bighvß 61. 

— suii. Gesciiesk f. <!. 

-- öeschööke für den 
SuU'. Leibarzt 54. 

Hoj)f. Dr., itb. „Tier- 
ütakel ctc," 9. 416. 

ffficrnes' Wisscaöch, 

u Hcrzeg. ö. 
H<>rü.:ik.oj) f ilr'a Aderlassea 
198. 

— in der Medizin 144. 
Eoes&li, H. „TJebsr )iktOB. 

Lieiie" Ib. 
H(,eS5t. 74. 407. 
Hr/tels in d. Balkaji- 

liiü.deru, ftft BcriJeile 

II 190. 
llüb, Waäsortopf 86 

Hübriuüial, Dr. C. Uelt>e:r 

Cliolera Vi. 
Hufe T. Mauleseixi.. e:o- 

ränclieii, Mittel z Er- 

leit'btcrimg ü. Geburt 

n aoo. 
Huibiecu »li« Talu^uiane 

29'.«. ;^it(>; Xi 2^8. -.i'i^. 

— «. Zahr-Hchmer/ 202. 
Hwfcliiuds Journal 13 

18. ^A. 
Hult» und Augeiiieidßn. 
166, 

— als Op;'(',f 2C4. 

— iia Aberglauben 1T9. 
181. ISJ. 

Hiiliüur, Sodomie mit 
ir -220. 



BübuergeJ"? Kopf als 

U. 4. 
HähBerlobfcr, Heilroittftl 

(Pe.*5t.) -26«. 2J-*8. 
HiHmeraogeti bäuacfachoB 

132. 
Humai, humajun 421 bis 

423. 
Huude 241 323. &3i. 

350, 417 fl 

— im Aberg-lauben 5P1. 
396. 

— 2Bm Aneauges -ier 
Brostwaresn H 321, 
325 

— V. bciin. Fraues ala 
Werkzeuge d. üjusucht 
gebraucht II 9S0. 

— und üescaj.eclitßbe- 
Stimmung IE -Mi. 

— -Gestalt e. Krank» 
heitsgeiste.« ähl. 

Haude bei Ljijljcsssaaber 
II 6. 

— b. ö. Mesopotaxnlem 
verachtet *yi, 

Hund und Fieber S46. 
Hunäartiges Hymen 

II 122. 
IItmtli(;hen, BezeichauBg 

für Hitzbläscheu 5J!?. 
.Hunde u. Pest gö^,. 
.HyndebeUeü, Todesau- 

j^eichft'ii 'i.i. 
H'jad«bisse kurieri: mit 

Kohöl -70. 
Hüiudstage 386. 
Haager^Worte feeJeutoa 

Hungersuofc S88iT. 
HüMseiu r't«dnudsciu 

Chodseb;*, btTiibmter 

oaman. Beschwörer 

328—329. 
HuTäfl 1/ 35. 
Hureri aJa Unsacbc der 

Pf-slangelUagt II 183. 
XlurJs, Erklärung dtis 

Wortes II 126. 
.Unstefl 208 
Hypocbondrie 214. 
llyrt), Jo.se.pb 5f>. 58. 
Hybterie 2*1. 

«Jacksoxi, „Marocco" 73. 

407. 
Jabja Fiievidi- Mufti 41. 
Leibar/.t 43 44. 



sc5iieebt.i.icläe- Aiis- 

sebreituti^öB II.l7J>fi. 
Jabihimdert im. Aberj^I. 

413. ct. 
Jalirtausead im Aö^r«;!. 

414. 

Jatagat» ais Opera ticnis- 

m*;."S9er II 2S8 
Jauberfc 89. 

Jakob, j'M.Arzt, 30. 38. 
JilcAva, Bad 88. 8J». 
.Jasmin 73. 
Ifcis, Kosl'joiisciiGr Name 

.-■. 5obft I.r 358—351). 
Ibii Batuta i?&2, 
~ Dschenin, fiehe 

MaÜjaniel. 

— EbE E'SDrtset^ aral.i. 
Wüsdarat igg, 

— Eüak^ Giftmigcheiiii 

— KMe, ch?'RÜ.Ax3t 31; 
II vä.'/i. 

— Oseaifesjs;, Är/t. 
Bist^nker 3S. $4. 207. 

n 251. 

-- Räsciiiö, Herkuaft d, 

— Sina, aralj, i?zt i4L 
S6S. 

Ibrftbim J., 42—4B. 72. 
224; IX >^S. Suff. 129, 

— Dr. 67. 

--- imeby il -üöff. 138, 

— P-%schu J4Ä. 

— SckiaugaribescliwÖrer 
«tc, 41 

Idilet 73. 

.jftjf^xj Dnscilj, setb.Voiks- 

cbifjirg .I.81. 
Jeremias, Paijca fL 

•jericÄG-ilcse IT 27S. 29t. 
Jep«.ftlem iO. 22. 

— Larit«' Jelirbufli» 16, 
■- SpitÜJor 11 äff.. 
Jösiii'eu, Hochzc'it«j- 

bränübe d. It 113. 

— iltspekt T. Kriobiandi 
3lö, 

Jenm Chri.Uus XI 349 

bis 361. 
litii 352. 

Iguatiew, Genera! 106. 
JiJjvnboinusa (SthlaBgeJi- 

bcrn) 2U. 



JiJandschiktb'chl, Spe- 
zialisten f. Kotiauf 238. 

nja Kaba Sakat», Past- 
arzt 270, 

J licskow ttj , ge.rb, Volka- 

Iniani, e. Geist in Bagäad 

349— 3S0. 
luiam,. Ewe)«r, Bordelle 

f. Päderastie II 218. 
Iaiin«rgrün 11 ö. 
löipfang in Korea 162. 
-- in Persiea 25S. 

— in dar Türkei 352 
bis 2S3. 

Tmpotena 11 248—258. 

— u. büser Blick 291. 
-- flarcb öoister v«r- 

yf sacht 35)8. 

— durch Mag.'ft verur- 
sacht II 2ö5. 

— uatl SoheJdung 11 32. 
Indieu , EnoacLen iö 

U 280—232 
Indigo im AbsrjfL 74, 

76; II :i3»i. 
Ißdisehö Erotik 7— S. 

— Filassage 2l(j. 
•- Medizio 22. 

• Mittel gug. Schlaf- 

losiffkftit TiüO. 
lagwei- 82. 
Instrumente, chirur- 
gische- 186. 
InteressojjJiöiraten im 

osman. Sultan^haasö 

ri 56 ff. 
Joann too Kronstadt 

170—179. 
Joh.innisfeuer 204— '206. 
Johauuismitter»Jacbt 266. 

330, 
JoliastoiS. 11 178. 
Jordan Walser, Mittel fejr. 

ünfruchsbar.k«it S4;" 

U 268, 
Joseph Hamen, jüd. Hof- 
arzt SD. 
Joseph u. Potiphar, 

Schilderuug d. Eoraos 

n lerff. 
Jüsephus §4. 
JTcurual de GoBst&nti- 

Dopie" 55. 56. 
Jovirnal des Debats" 23. 
Irreftihrung d. Kraük- 

heitfidämoae 144. 
Irrenärzte les— ]L79. 



Irrenhaas v. Moiiaiu- , 

med II gegr. 50. | 

Isa, arabischer Arzt 32. ' 

{«a ben Musa, Abbaside 

Xi. i 

Isa Et'eödi, Leibarzt 43, ! 

Isaac Paacha, Chefarzt j 

ICS. 

Isinael Efendi 62. I 

laiuili, jüd. Arzt 34. 1 

Italienisches Spital in | 

Tophajio 106. 

Jucken, abergl. Badeut. i 

39Cf. I 
Jada Chari«!, Dichtar 34, 

Jada Malftvi, Dichter 35. \ 

Judeö jn Arabien, ihre | 

Hochzoitsb)'äache 

il UOff. I 

— in Beyrut, gruu«a- j 
volior Gebrauch des | 
Begrabeus einet in d. 
ößhivaagerechaft Ver- I 
atoriioneii 11 306. j 

— JeruBalems 10. j 

— in Marokko 305 -.'306. | 

— apanioi. Hochzeits- 
brHucha 11 110 ff. ! 

— Vorliebe f. Knabeu ! 
II 343, ! 

JüdiscUer AbergL 336. 
399.-101. 421. 429. 

-~ — au gute «. bc3e 
Geburtsstüuden «. j 
Tage 37.^—376. , 

'ira Mittelalter 302 i 

— — in Palästina 345. | 

— — an Vaiujfjre 366. 

— Ansichten üb. d. Mea- 
stTuifu-ende 11 U7, 

— Aerzts iic Mittel- 
alter 19. 

iii Persien 3G. 38. 

boi den arah.KHlifeu 

33—38. 
am ösm. Hofe 38. 

4!)- 41. 53. 

— Auffasuaag v. Ehe u. 
Liebe 11 14. 

— Gebrauch 206. 406. 

— ia Palästina ersuHaar- 
sohnitt II 127. 

— — iu d. Schwanger- 
Schaft II 28y. 

— — iü Syriea 214. 

— Haajwchiangen 434, 



•Jödi.scher Abeigi. Hof- 
ärzte d. Oim. J3uit. 30. 
39. 4f'. 46. 

— Mittel z.Krleichtenin)? 
d. Geburt 11 299. 

um d. Fruchtbar- 
keit zu sichern II 262 

— Pylygajcie U 15. 110. 

— Spitäler in Jerusalem 
113. 

iu Konstantinopcl 

104. 
in Smyrna 111. 

— Yolköarrte i uPalästiua 
209. 

Jngeadliche Bräute II 66, 
71. 9fy. 110. 118. 1-93. 

— Mütter U 144. 
Juillarci, Emile IG. 
Junge Mädchen u- Greife 

n 2o(i. 
Jungfernbäuichen, arab, 

SeZ'P.irhu, 11 135. 
Jungtr&u, b*;3. Feierlichk, 

b. ihrer Hochzeit II 62. 

— bt^ondere Hechte der 
.11 rj. 

— (1, Wertschütiun^in 
Persien II 124. 

— die, 7,'<xv Ehe II 207 
JutigfraueuwaHsev tkU 

HtUiuittfi 206. 

JcMgl'rivnüchkeit d. Brant 
II tti'j, 167. 

Jungfra\isohait, Bezeich- 
nung dcifilr II 124. ■ 

— iiüfenU. Verkündignng 
d. Zerstörunif b. d. 
Hochzeit II ;07. 

Juasaf-Etendi, Kuxr 

pfuafher IS'J. 
Juvunal üb. Liebe '7. 

Frauea i. Euriuehen 

II ^ÜC. 
Ivicüövics , Kruüoslaw, 

dalm. üifchter 266. 

Kaaba 406. 409 

— in Besoawö'rungs- 
fbrnieL'i 327. 

KäbJi ti. Hebaraaien 150, 
Sadr, 'ii.: heilige Nacht 

El Kadr 379: 383. 
Käfer idö Wur.dnalit 189. 

— Gesiali. e.Kraakhcits- 
geisiO;; 3l7. 

Kaß^io 1*6. -211. 

— im Eade 84. 



394 



Kaffee, gestossecer. als 
BlutstillungsmitteJ, 
198. 

— vergifteter 210, 
KafPeiiidoktor,dcr 16.17. 
Kahlköpfigkeit d. Orien- 

tÄlen, Ursac)«?» ?l3j 

li 130. 
Kairo. Schiangen-Schatiä- 

gfcister, 434 ff. 
KaiMfiracünitt, b. d. Per- 

.sera verboten II 306. 
Kaisuuisade, öie»l..ScxirjJt- 

steller 18. 
•jKaJaf", Artifiebermittel 

25ü. 
KallimachJä, Joannes 47 

bis 48. 
KaUirhöe, Bäder 94. 
XaloiatrijFeldsöhore 185. 
KKiuasatram 8. 72. 80; 

n 199. 
-- Üb. d. Aaparifichtaka 

der Eimuc'iea FI 2,31. 

— Einteilun|»der Männer 
u. Frauen u. <i. Di- 
mensionei' ihrer Ge- 
öchlechtsteile 11 206. 

— über Haarpflti^eTniittel 
n 126. 

— üb. d. Kräfte ä. Men- 
6trualblute8 II 148. 

— über d. Krühe 424. j 

— über LiebesKauber- | 
mittel II 6—6. i 

— Mittel z, Vereiigemag ■ 
d. Vulva H 'im. \ 

— über önaniö II 236, ; 

— üb. Schmieren des | 
penis II 192. ! 

— üb. d. zarte "Vorgehen i 
b. Coitujj ir 197. j 

Kamele, ScUmcichehvame ( 
f. Mädf^hen U 16S. i 
Karapfer 6ö; II 251. \ 
KarapferqttsUe H2. ! 

Kauitz, F. 12; II 10«. j 
Kanthariden 212:11201. | 
Karudscha, Dolmetsch a. 

Arzt 47. 
Karadsics, Vak 2GH. 
KarawauenbrUclse in 
Sinyma, Quartier der 
Pro-stitoierteiv li 190. 
Karikaturen d. Krank- 
bcitödänioae 302. 

— d. böeea Auges 297, 
Karneol 235. 



Kasiktschi, türk. Chi- 
rurgen 194. 

Kamoi Pascha, Wund- 
arzt II 72. 

Kassieria im Bade 84. 

Kastamnoi, Sypbilia da- 
selbst n 189. 

Kastration, siehe Ea- 
nuchen. 

— Strafe t Ehebruch 
n 227. 

Kataplasmen 241. 

— bei Fieber 246. 
Kater 350. 

— V. bosn. Frauen als 
Werkzeuge d. Unzucht 
gebraucht II 2'20. 

Kätzchen, hiebe Rotlauf. 
Katze 222. 344. 848. 417. 

— im Aberglaube S67. 
361. 

— Sodomie mir IT 220. 

— ala Vampyr 364, 
KatzeneLson. Dr. med. L. 

16. 
Kaufmann, David, üeber 

d. jöfi. Amt Conoig- 

liano 45. 
Käuze, ihr schlechter Suf 

426. 
Kaviar 219. 
Kaviar, Mittel bei Fe3t 

269. 270, 
Kawehdfichi und Chirurg 

195—197. 
Kazwinj 236 f. 
KeiSenbrinck-Ascheraden 

Freifrau von 117. 
Kehren d. Zimnaera, 

abergl. Ans. 396. 
KeitBcbi, Spezialisten für 

Auüächiäge 241, 
Kerr,« II 289. 
Kerzen bei Leichen 281., 
Korzeadochtpillcn 226. 
Keuchhusten 234. 
Keule, um allznkeuache 

Bräute totzuschlagen 

II 71. 
Keuscher Leate Excre- 

mente als Heilmittel 

206. 
Keuschheit s. Lasterhaf- 
tigkeit, Ünkeuschheit 
Keuflchheit 11 152 ff. 
— e Vorschriften Ha msa'« 

d. Drusen II 570. 
des Korane II 168 ff. 



Kiainil-Paacha, Mutessa- 

rif 116. 
Kind, das 205. 

— d., im Aberglauben 
295. 806. 341. 343. 
846. 347. 849. 353 ff. 
S56. 399 ff; II 127. 
130. 147. 961 ff, 380 
bis 341. 

— in moslem. Gesetzen 
n 29. 

— 8ohDta Vor Zauber 
304. 307. 

Kinder, Asiaten u. ihre 
Kinder 17. 

— und böser Blick 293. 

— Erziehung b. d. Fella- 
chen 16. 

— -frejjsende Dämonen 
349. 350. 353. 364. 
856. 

— - Schleierkauz 426. 
~ Nervenkrümpfe 210. 

— PÄege b. verschied. 
VoIkSHtämmen 9. 

— u. Verfichreinug 294. 

— gefährliche Dämonen 
341. 352. 

Kinderlofligkeit 346. 

— als ScbeJduagagrund 
H 42. 

Kinderreichtum 272. 

-— -Spital ia Schischli 
M. 104. 

Kindesmord mit Todes- 
strafe bedroht II 180. 

Kindsherg, Diplomat «78. 
273. 

Kira fChiera), einÖussr. 
.Türiin n 77 ff. 88. 

Kiriktschi, türk. Wund- 
ärzte 193. 

Kirschenpfropfirei» 181. 
182. 

Kismet 371 ff: 

— bei du Bftlkanslaven 
372. 

— u. Haasbau 372. 
Kleid d. Profeten, Wun- 

denvirkuBg 11 5:98. 

KJeiderinxus verboten II 
185. 

Kleiderpracht d. Favori- 
tinnen n 93 ff. 

Kleidang macht d. Aitt 
129. 181. 

Klein, Pastor 78 ; II 383. 

Klystiere 227 ff. 



396 



Eoabeo n. Mä-iobeu 376; 
II 841—351. 

— Mittel um Knaben ^. 
gebäreii Ff 266. 

Kaabenliebiiöbevei s. Pä- 

derastie. 
KnJckdenhÄlB, e. aerbisch. 

Art a. C&itns II 809. 
Knoblauch 196. 217. 244. 

257. '269. 864.. 4»*; 

n 206. 

— geg. Augenleiden 166. 
167. 

— V. Cholera 269. 

— alainneroBMiftei316. 

— a. Liebesüacberciittel 
II 6. 

~ als Sobulzmittel 181, 
■2ö.ii. 30:k S04, 306 ff, 
314 ff. 3tJ2. 

Knochen a. HeJltaittel «>d. 

— — V. tot. .Ifwteö iie. 

— V. S?öieu 3h Lieb^iß- 
zaubernvltte^ II 4. 

— d. Tiger» aid Arznei 
160. 

Knofrhenbyüohe 190, 193. 

— -Pulver f. Kanael als 
Aujaf«np'.ih'er i^O, 

Knöpfen im ASergliaben 

IT i'48 f. 
Knoten 244. 298; II 265. 

2'v6. 

— im Aberglüuben II 
248 f. 

Knarren in d. Qedännen 
226. 

Koch, Dr. 85. 90. 

Koch und Arzt 133. 134. 

Kohlblätterumsohläge 
213. 

Kohle im mediz. Aber- 
glauben 245. 

Kohlen, Spucken anf 
glühende 222. 

Kohleo-Orakel 219. 323. 
325; II 4. 

— 'Schaufel bei Be- 
BcUsvöruut^en 239. 

K«^ol, Vgl. Aygen- 

schminke. 
Kohol 76--H0. 
Kolik 22e. 
„Kolnificbe Zeitonfr" 

16—17. 23. 3&4; IT 

358. 

— üb. Mandr.^^ora 3 IS ff, 
Kolo {siehe Reige)iiieder) 



Komet nnd Aberglanbe 

358. 
Konstantin der Grosse 88. 
KooRtantinopel 208. 
~ Hy^isue 273 ff. 

— Narrenspital 100. 

— Pestjahro 273. 

— Zahl d. Spitäler nm 
1760. 100— lül. 

— Gebranch b. Epilepsie 
170. 

— Heilmethode biei Gelb- 
snciit 237. 

— il-ittel bei Baiich- 
schniara 226. 

bei Haisweh 232. 

_ — gegfln Keuciihusteu 

234. 
gegen Kopfscbnierz 

g«gen Krätze a. 

Grind 240. 
Konrusioneu as. Heanah 

behfindeit 75. 
KonvulHionen 2i:l. 
Kopfhaar der Jüdinnen 

n 110. 

Kopüsiden 201. 299. 
Kopfschmerzeu 148. i96lL 
206. 218ff. 380. 

— abergl. Ursache 401. 

— - Ckorgstag .'^81. 

— im Spieg;el 99. 

— V. d. Fiusseu aus 
kurieit 213. 

Köprili, GroFswesir- i 
Familie 4.5. ! 

Koptfn, Arwn d. Ka- 1 
stration b. d. II 228. | 

— Verschneidung der { 
Mädchen, Gebrauch 

n 223. 

Koralleu, Schutzmittel j 

292, 290. 30-i. : 

Koran 17.'>. 209. ; 

— über AiuuiöKiohn i 

n 323. I 

— üb. d. Arten d. Co5tus ' 
II 207. ! 

— über Aerztp 139. ^ 

— Ilbei Bestimniimg 
371, 6Ti. 

— Üb. Berorzug. männl. 
\M;t d, weibl. G»;schleeht 
II 347 ff. 

— B-jz-'-ichnungen fTft 
seiuelSeDiufl'e li'iab^. 



K(<rau tib. Coitufl in d. 
Fascenzeit II 19&. 

— Üb. d. Dauer d. Säugens 
II 327. 

— ^ üb. d. Ehe II 2t ff. 
~ üb. Ehebmch II 47 ff. 

— Entstehung d. Frucht 
II 282-286. 

— u. Epilepsie 180. 

— üb. Erblindung 167. 

— üb. Elrschnffung d. 
Menschen 277. 

— tib. Familie u. Fröm- 
Biigkeit II 15. 

— üb. Geister 352. 

— üb Hurerei II 181, 

— üb. d. Hnris im Para- 
diese II 125. 

— üb. Jesus Christus u. 
d. .Tunglräulichkeit der 
Gotteuroutter II 349 
bis 3&1. 

— Keuschiieitsvorsohrit- 
teu II 138 if. 

— über Langlebigkeit 
277—278. 

— üb Lokman 32. 

— üb. d. Matter als Animo 
II 323. 

— Über Nachkommen- 
schaft n 263. 

— ■ üb. die Nacht El 
Kadf 383. 

— üb. Onanie II 236. 

— i\b. Ptiichten u. Hechte 
d. uioalem. KholexUe 
II 29 tY. 

— üb. Poijken 2.5 1-— 262. 

— üb. parp.di'.'alecho 
Quellft« S2. 

— üb. Salomo 312—313. 

— über Scheidung 
II 'IG ff. 

— üb. Schniücknng der 
Frauen 11 187. 

— gegen Sektionen n3. 

— üb! Sodom II 2U 
bi« 212. 

— üb. die Todesstunde 
279. 

Saren als Beschwöv- 

iinj^;8lorrael 143. 

— üb, L'ngehdrsam d. 
Frauen U 3i. 

- Verfluchung d. Selbst- 
mordss 278. 

— über Verunreinigung 
durcii Coitus II 194. 



S&6 



Koran-Vorloseo, Beil' 
TflitUl 148. 

— «. , Satzungen, aaoh 
Mt>hamjiie'is Berlürf- 
niasen ge'^taltet ü S'». 

— Ueberselzungen 9. 

— Verse als Hevlmittel 
Üb: 167; II ".'46. 

... _. Mittel K. Erleidi- 

teruDg ä. (Geburt 

H 297. 
als Heilmittel b. 

Impotenz II 249 
KorfiJiüisohö M'-^diziK IG, 

150—163. 

— P)»aiinak(»Iogie 158 
bis 163. 

Kornelkirschenzweig 385 

Körper des (Äenschsn, 

Ansichten serb. Vol-js» 

äratÄ 24.^. 
Körte, Alfred 5.6. 
Sösexn, beiieucpucIsteSwi- 

trtDiu-Matter 17; 

n 82 ff. 0;3 f , 
Kosmetik 67—80. 
KoEiEctische Schüren, 

sieben ilO. 
Köster, Pr>Ä. Dr. le. 
IKraW.i-n im Medikament 

36L 
£rache)i v.GegonstSnden, 

böse Aßz.ei('l'.eu 395 ö. 
Krähe, di.". 424; II r>. 

— il. ihd. Art (l. Mund- 
Coitus II 2;?l, 

Kiviftc-Ebiüg iiberchinps. 

„Siiort" m, Gäiiisön 

II -J'il. 
Eraft in do« Haaren 

Krämpfe t48. 

— der Kinder 161. 

— a. Zittern liurf^h llr- 
schrecken {»ebeJH 214. 

Kr.inlienbesiich verbotcu 

9s 
Kr?.iikenwSrtor 41 . 
.Krankiiöit, rat^fdliafte. 

Selirjis I. 38. 
•- u. Un^IückstaKO S78. 

— u. HeiliijJMel 203 bis 
242, 

— f"stgeslel(t durch 
Trüunne 33i)~.sy5. 

— Anzeichen S9llf. 
417 ff. 



Kiankbeitj Dämoae 13. 
15. (Pest) 267. 26e- 
333~.S7i>. 386. 

— — Der Epilepai«- 
Dämon Iß. 

Liibesk in Bezug 

auf Sa>;ed. 6. 

— — Vgl. Saiomo'a 
Siegel. 

KraßkheitsgtL-jter 172. 
21Ö. 'Ji;4. 

— bei d. Hebräern 101. 

— clor Tod ein Geist 279. 
Srarkheitszauber 143. 

ÜSOff. .^99. . 
Krfit2e 240. 

— IM. A.^)>hodeluszwebel- 
saft kuriert 74. 

— Bäder, Hcilniittei da- 
§e^n 82- 

Krauss. Dr. Fr. S. 181. 
ai.2. 2*.9. 28H. 279. 
3ö1, 307. 32&iL .U3. 
356. ST&. ;^80. S81. 
417 ff; II 4., 100. 122- 
131. 150. 164. 171. 
176. 208. 270. H20. 

— vjjl. awch Lieder der 
SüdslÄveri, südslav. 
öebrauche etc. 

— Foilflor. Arbeiten 7. 

KrüntersavrtjnJer 67. 

— in Bosnien 20S. 
Krebs 242. 
KretefisJsfihf. Misage- 

burten II %bi. 
Kreu?., d. als Änti- 
Znubei^mittpi 353. 

— Heilmittel 234. 

— als .SchiUzraittel 2ö5. 
303 ff. 

— seico Zauberkraft 3-13. 
Kreuzesbroüerschaft; 

ruroäa. Grbi'. iSi, 
Kre«zk>is»en d. Scbv&n- 
geren vt-rboteü LI 288. 
Kreuzweg im Aberglau- 
ben 1Ö2. 306. 344. 
Kreuaxeicy-iei; II 338. 

Krieg, ti. Haremofrauen 
vcrurbncht II 86. 

Krifgs-Chfrurgiö b. d, 
Serben XHH. 

— -Gepilosenheit, 
SchwjvngerH aufa»- 
Rciilitzen 11 2{*C. 

— VorbedeutuEgen 388. 



I Krokodil, Soüoaire mit d. 

! II 219. 

j Kronen f. sultaiu Favo- 

; ritiunea II 96. 

I Kif'tenknocbeu f. Liebee- 

j Zauber II 4. 

j Kruiumer Bück, s. böser 

j Blick. 

] Klicbeuraeister 432. 

Küchenmesüer als Chi- 
rurg-. Instrument i88; 
I IL 306 

j Kuckuck 386. 427 0". 
I Kiibmisl m. Hennftb ge- 
I niiffcbt 74, 
t Kub -Teile als ßrweck- 
' nucr.sinittei bei Schcin- 
I tod 28ü. 
' Kumis 218, 
I Kitnstiiche penas II 238ß'. 
i Künstliche vilvn II 235. 

Kupczanki^ 7. 

Kujjf^r 323. 

Kuppelei IT 53. 

-Kuppler, Wameu nnd 
Sc'airiipfworfc II 137. 

Kupplerin 221. 

— iicbiusinjen aL-< II 281. 
Kurden, VHvtAruug d. 

{vi.'obla'.Jcbs u. d. 
Zwiebeh» 316. 

— HochzeiFsbräuobe 
11 119. 

Kurdistan 24. 
Kurpluöthor 27. 54. 

— Apotheker 67, 

— '(.Te.'f'ts S-geit sie 47. 

— in Korea 157 ff, 
~ in Syrien 23. 

— europäiscbö in der 
Türkei 127—137. 

— orientaliscbe 137. 
KnrpfuBcherei 63. 
KÜ!)Sob>;ira Ooitua II 197. 

— d. Schwaageren, böse 
Folgen II 288. 

Küssen, bästraft 11 184, 

— BcblafendöT Kinder 
verboten II 336. 

Ku.^sgrodicbt, türkisches 
il i;)7. 

Kussmaul, d, Epilepsie- 
Dämon in. 

KüBtendil, Schwefel- 
qnellen S6. 

K Utah) je Mineralbädcr 
87. 

Kntbed n, Hofaizt 30. 



307 



IJaburta, Krankheits- 

dämoaiu 339. 
Lacbon u. Weinen 393. 
Lage d. Kindes bei d. 

Geburt 11 301 ff. 
Lago, Dr. 273. 
Lahmen il. Kindes, abergl. 

Ursache II 288. 
Lähmuugea M8. 174. 

— d. Ersctireckeu be- 
hoben til*. 

— kuriertduroh d. ß&dei*^ 
von Ayn Kibrit 98. 

LakritzeuKaft 22. 
Lamairesse, E. 8 ; II 232. 
LäfflDierblut als Arznei 

d8l. 
Langkavel 16. 
Langlebigkeit 276—278. 

— abere!. Gebrauch, z. 
11 289. 

— gcbirhert d. Men- 
strualDlut ala Heil- 
mittel II U8. 

— hundertjährige Aerzte 
32. 

— Türk. Mauuscr., Ver- 
zeichnis altgewordener 
Profetcn 18. 

Lapadschi, Peldseher- 

dubstitut 129, 
Lappen, gesegnete 148. 
Lärm um Neugeboreuo 

II 336. 

— vor d. Hause d.Wöch- 
uerin 11 316. 

Lasterliaftigkeit (vgL 
auch Unzucht). 

— II 166— 179' 

l ^atiuek , Kurpfuscher 

i;^0— 133. 
Latwergenfabrikanteu 

68; n 252. 
Launaj, L. de, »Ib. Ther- 

m>Ul'ädcr 12. 
Layard 22. 336. 
Leamkrturm als Pest- 

Hpitai -i7'6. 
Lebendig begrab, Huren 

b. d. heidn. Arabom 

II 181. 
Leber des Fisches 172. 

— df>8 Hammels geg. 
Angenleiiien 166. 

— V. Knaben &h Medi- 
kamanto 160. 

— u. (iallö d. Fisches 
ffcg. Augenleiden 167. 



Leberleldea, urcliei't ia d. ' 

inf'BODotaiu. Bäi'ara i 

96. 98. I 

Lebovicz, Dr. '^0. | 

Lediger Stand iu ruraän. i 

Auffassang II 15. 
Legenden von Q.iellen- 

vernnreinigung 90. i 
Legh über die Bäder von ! 

KaUirliöe 94. 
Lehmann, C. F. 18. 
Leibvvehu.Georg8tng38l. j 
Leichtgläubigkeit dpr I 

Orientalen 128. 131. ! 
Leidenschaft b. Co'tus 1 

11 198. 207. 
Leidesdorf, Prof. 64. 1 
Lempriore, W,, Engl, i 

Wundarzt 17 (daaellisi | 

irrtümlich: Wundtr- ! 

arzt gedruckt). j 

Lenormant, Fran^ois 17. i 

417. j 

Lepra 247. i 

Lcsbische Liebe 11 233. 

234. 

— Praktiken in den 
Baden» 83. 

Levirat It 46. 
Liebe II 103. 
Lewy, H. 22. S66. S99. 
401. 

— M. A. 33 > ff. 
Lib.auoukrau'vheit 232. 

233. 
Liebe Q 117-120. 

— in Albane8ieülll70. 

— ihrBegriff b.d. Orien- 
tal3a II 8. 

— gefäbrlieho 11 8—9, 
~ und Sunu«heji II. 229. 

230. 
~ u. Schläjjjc 1S9— 200. 
Liebesäpfel Sil'; .11 261. 
Liebestränke 321 ; II 3 iL 
Liiib8.szauber 281 ; 11 3 ff. 

— d. Glüvtohäubciien 
U 3.H0 — 331. 

— unU Meastrualbiut 
II 146. 

Liebätöcki .(I 6. 
Lieder, erot.ochs, der 

Südslaveu II 8. 126. 

127. 136—142. 150. 

171—174, 192 0": 198 

bis 208, 217—220. 247- 

2.'/0 ff. 

— zurBczauberungllS. 



Lilith 386 ff. 347 ff. 

— e. Krajücheitsdäiaon 
838. 

Limonade 226. 
Limonensaft 228. 
Liudenkorile als Des- 

infektioi; 240. 
Linden mayr, Dr. E. 17. 
Lippenlaek, iml. 72—73. 
LitteraturjCbscöne II 5 84, 
Löbel Efendi, D. Theo- 

phil 8 ; II lOü ff 
Loehner, Hans, Nüra- 

berger Arzt 16. 
Locken d. Kiadt's bei d. 

Gebalt n 296. 299. 
„Lüdzer Zeitung" 179. 
Löffel in Spoiberestea 

(Abergl) 220. 
Lokman 32. 
London, Dr. B. 17. 
Los d. Güüstl in ginnen 

n 98-99. 
Lorbeerzweige . Ingre- 
dienz f. Liebestränke 

U 4. 
Lorinser, Dr.. 20. 
Lot II 211—212. 
Loyer, afrik, Schröpf- 

niethode 195- 
Lübeck, Dr. 6. 213. 243 

5:79. 34.4. 994, II 357. 
Ludwig L V.Bayern 103 
Liegen, Geburintag- ai3 

Ursache 335. 
Langenkatnrrh 218. 
Lungenleidea 236. 

— RosenTiucker als Heil- 
niiitel 70. 

Luntz, Ä. M. 16. 
Lüring-Dümichen 17- 
Lusr.han, Dr. F. von 17. 
Lut.fi, Gfosawesir 73. 
Luxus d, Froieteufrauea 

II 2Y-ä8. 
Luxus der Harem sfiaueu. 

n 98. 

— d. Sültansharems 
II 93 ff. 

— Ursaclie e. SuUaus 
morde.s '.iG. 

Machraud 1. 46. 48, 

— Kleiderlisxasverbot 
11 186. 

— Hol ff. 60. 161. 162. 
274. 275. 

Mädchen 11 341-361. 



398 



Mädcheu, Gebräuche m. 
Abergl. li 3'i<d. 

— Geb«iTt e. Mädrheiss 
als Unlieil 11 345J. 

~ statt Xuabea, v. Ri- 
valinueu angewüEesiht 
11 ;)4-i. 

— Vorzug derselben b. 
.1. Knrdeu XI 341. 

Madderny 18. 
Magenpchwäche 226. 
Magnesia, Spitai 100. 
Magnetische Kuren 17&. 
Mfti- Monat 386. 
Mtämanna, letzte Fraa 

Mohammeds II 26. 
Haimonides 36. 
Major, ßotschaftspre- 

diger 108. 
Maltzan, E. v. 17. 330. 

331. 

— über Kosenöl 70. 71, 
Mamuü, Kalif 68. 76. 207. 
Mandragora 316 — 321; 

II 261. 
Manc(al (off. Kohlexiherd) 

84. 
Mannfaardt 368. 
Maiios, griech. Familie 43. 

— griech. PseudodoktoE 
47. 

Maussur, arab. Kalif 83. 

Manua 228. 22Ö. 

Mamiscripte 17. 

Maria Dudu 8. 150 ff.; 
II lö». 

Maria, Jungfrau 1X349— 
351. 

Mariam, d. Koptia 33; 
n 26 ff. 

Marko Pascha, Dr. 64. 

Marokkanischer Aber- 
glaube 331. 343. 

i. Tage betreffend 

378. 

-— Behandlung A. Sy- 
phiii« ü 245. 

— Gebräuche 166. 209. 

b. Kopfsohmere 219. 

Qiiöienfeldt« Ar- 
beiten 6. 

Marokkanisches 22i. 

— Liebesmabermittcl 
n U. 

— Mittel geg. bösen 
Blick 13. 

geg. Fieber 260. 

geg. Krätze 240. 



Marokkanisches Schtit.^- 

mittel 306— SOS, 
Marokko, HeniiBh 74. 
~ Vgl. Quedenfeldt, 

Lenipriere. 
Marouitenklosier bei Tti- 

poiis als liTenspitaJ 

\7A. 
Marotti, Dr., verbannt 

208. 
Marr, Wilhelm 18. 
MarijaJ, über Kunochen 

n 230. 

— i\berKa3tra»JoaIl227. 
■— üb. sexuelle Loideü" 

.schaftiiohkeil. 11 198. 
Märtyrarinrangf.Schwer- 

gebärende 11 274. 
Marx, über Liebesfcränke 

li 4. 
Mars 385. 
Märztadeu 303. 386. 

— Neumondstage im 
März nicht geheoer 384. 

Ma8cagua,griech.Aerzte- 

iamilie 110. 
Maschchas, .ajmulet 304; 

H 317. 
Maeerdscheweih , jttd. 

Arzt 33. 
Masern 20, 
Masib Ib?i Jahja 141. 
Massage 18. 216—217. 

224 ff. 

— nach d. Entbindung 
n 307. 

— d. Niederkommen'<!en 
n Söi. 30«. 

Masseure, Werkzeuge d. 
Päderastie II 217. 

Masseusen u. Frotteueen 
216 ff'. 

Mastix 22, 73. 323 ; II 132. 

-- -pulver-Ranch 221. 

Matächka b.Trapeznut 90. 

Mattioii 18. 

Maulbeerbaum s. Ver- 
brennung, e. fromme 
That 383. 

— -knospen ala Medika- 
ment 303. 

Maulwurf und Halsweh 

382. 
Maurokordato, Dem. 18. 

18. 64. 140. 241; 

11 280. 

— üb. Syphilis in d. 
Türkei II 248. 



Mäuee ?22. 41 ö. 

— gebrat., Mittel, nm 
d. Bet^pi.S8ea absuga- 
wülinen H 337. 

~- tote, als Eciiffiittel 
221. 

Mawro^eni, Gesandter 
58. 

MawrokordatOi Alexand. 
grieeh. Arzt 43. 47 ff. 

Mazödo - Walachische 
Küchaei tagebräuche 
H 105. 

Mazedoni6%er Be- 
schwör augs - Gebrauch 
h. Erkrankungen durch 
Schreck 2t 3 —214. 

~ Fiebereagen 243. 

— Traum - Aberglaube 
'AU ff. 

Mead 92. 

Mechithar, arn?.«j, Arzt 

19. 
Meckel, üb. ges^wäuzte 

Menschen II 863. 
Meder, Augenschminke, 

der 77. 
Medikamente 146. 
-— köstliche 101. 

— -Verferüger 189. 
Medinawarm 23 t. 
Meörschaum 69. 
Meerzwiebel S2l. 
Mehmed-Schah S7. 
Mehmoti Ssaüh;^ Dr. 57 

bis 58. 
Mekka-Miich 218. 
~ and Medina pantfrei 

271. 
Melonen 227. 
Mer.Bcheu- und Pfarde- 

kot als Heilmittel 206. 
Menstrualblut als LiobeS" 

zaubetmittel II 4. 11. 

12. 
Meufttruation 241; US«. 

40, 814. 322, 

— ••GebTäach<Mi. Abergl. 
IT 143 ff 

— c. Schlange ;.436. 

— -]Öt«chwerden 206. 
Mciijem Htttnn, a. Maria 

Dudu- 
Me»k, mhe Mtlsk. 
Mc9opot4imi6Q, BKdei: 96 

bid 98. 

— Bedien 6. 

— Pest^pidcmie 4. 



399 — 



Jtfwrob Dachennak, ar* 

menisch-gregor. 

Bischof 4. 
Messani, Frau, Hebamme 

66; 280. 
Kesschfika, [Michael 14. 

— übftr m«diz. Verbält- 
nii;(ie in Damaskos 
111. 

— über syr. ZdBtäude 
141—1*2. 

Mesäer f. magische Kar 
149. 226. S35 »66. 

Metzger, Emil 42«. 

Metzowo, Heimat griech. 
Steinoperateure 194. 

Meyer's Konvers. Lexi- 
kon 22. 

Mic)\ael ben Maseweib, 
arab. Arzt 207. 

Mietclieu 11 22. 

— V. Tiirkeu mit 
Griechiimen 11 .^6, 

Mihiri, die türkischa 

Sappho n 283 — 234. 
Milane «. Pest 421. 
Milch 227. 234. 266. 

— V. Tiereü 218. 
Milckentriehung II 320. 
Milohgeschvriater It 326. 
Milchgrotta b. Bethlehem 

II 322. 
lliichuer, Dr. Massage 

im Altertum 18. 
UUchsteiii, albanes. Ta* 

lieman zur Förde rung 

der tfuttermilch 

II 320. 
Milchaahu II 838. 
Milzkrankheiten 235. 
Minas, Dr., österr. Arzt 

275. 
MiueralqueUen 86ff, 89ff. 
Mineralwäetjer 22. 
Miuium II 3C0. 
Mirobolaaara 229. 
Miß.-^ßebnr«;eQ II 352 ff. 
gentaitcte, Scheu d, 

Aibauesed vor 277. 

— -gestaltete, b. d. 
Hebräern v. Priestar- 
dienste anggescblosnen 
n 362. 

Mistkäfer al« Medika- 

meut 161. 
Mitgift -U 24, 

— durch Proatitution 
erworbea II 189. 



Mitgift oamaD, Prin- 
ze«Binuen II 66. 67. ß9. 

Mittr.gsstunde 375. 379. 

Mittagszeit 303. 

Mitteilungen der 
Deutschen Orient« 
geselUchaft 13. 389. 

Mittel geg. Syphilis 
n 245 ff. 

— geg. Unfruchtbarkeit 
II 268. 

— volksmedian. in d, 
Schwangerschaft 

II 290. 

— 2. Srleichterong d. 
Eatbiudaug II 296. 

— z. Hervorrufttng d. 
Menstruation n 144 f. 

— B. Milchförderung d, 
Amme II 322. 

— z. Unterdrück, d. Men- 
stniation II 144. 

Mitternacht 182. 268. 

269. ."^29. 357. 881; 

II 288. 339. 
Mitteruachtsstunde 375; 

U 816. 
Moawia (Moawije), Kalif 

31. 209. 
Mohammed, Profet 185. 

— Bekämpfung d. Im- 
potenz II 249. 254. 

— ia d. Beschwörongs- 
formeln 826 £ 

— n. d. böse Blick 290 
bis 291. 

— Aussprach über d. 
Coitas II 16. 

— über Diät 248. 

~ üb. Ehe n. Coitas 
n 32. 

— Empfehlung der Aa- 
rufang Qottes b.Ooitus 
n 195. 

— über Ge.«iuadheit 203 
bis 204. 

— üb. Beschwörungen 
d. Impotenz 3;:8. 

— üb. d. Jungfrau 
II 124. 125. 

— 's Kleid als Wunder- 
mittel II 296. 

— 's LieblingMpeison 
316. 

— Ueber Medizin l>ei 
den Arabern 31. 

— über Onanie II 236. 

— alsPanioffelheid n 25. 



Mohatiimed gegen Pest- 
abergl. 267. 

— über Polygamie II 2 1 f. 

— über Häücheraüg 226 
bis 2;^7. 

— 'is Sohamhaftigkeit 
11 165. 

— (iroaetze ss. Schutze d. 
Schwangereu II 2G3. 

— überSchwergebärende 
II 274. 

— über Spei^eu d. 
Schwangeren II 287. 

— u.SuDun der Kopte 32. 

— tiher Träume 391. 

— umgeht d. eigenen 
Ehegesetze II 93. 

— üb. Unterdrück, d. 
Menstruation II 145. 

— Verbot d. criminellen 
Abortü« II 273. 

— V erbot d. Nacki.^ehens 
um d. Kaaba it IGO. 

— Verfluchung d. falsch. 
Haave II 127. 

— als verrückt ver- 
schrien 16S. 

— Vorgehen b. Coitua 
U 196. 

— und d. Wasser 246 
bis 249. 

— als Zahnaizt 202. 

— 6 Zeu^^vingstähigkeit' 

n. 21. 

Mchammed I. Sult. !:8-2ä. 
Mohammed li., Freund 

d. Aerzt« 29. .30. 50. 
-— berüchtigt. Pä(iera?t 

II 213. 
Mohammed III., Sultan 

41. 

— beherrscht T. Weibern 
II 8). ff. 

Mohammed IV. 43. 223. 
234. 236 ff.; II 88. 

— durch e. Blitz v. 
obßcö'ier Lekiüre ab- 
gescUitckt II lö't. 

— Aga Kreinli, Wuudev- 
ar;:t 148. 

— Ali T. Aegypten 140. 

— Emin, Arzt 49. 

— Jenibagdschc, Arzt 45. 

— Karamaai, öross- 
wesir 30. 

— Ober-Vundant 39. 

— Pascha, gegen die 
Päderastie II 216. 



400 



14ohH.mme<l IV., Sai'i, 
Atzt M&chniuds I. 46. 

— Sohn EaisuTii'.3; Arat 
u. Dichter 39, 

— Sokolli, wrossweäir 
89. 40. 

Mohammed es SSoI-io? 
tunesischer Krank- 

Mchammedije'Scbale 8. 

ÜBiVt;r,sitS<:, 
Mobnsaft bsi den Ko- 
reanern i61. 
Mokka 84. 

Molken 217. 227. »gfi. 
Moliah Esaar. Arat geg. 

bösen BUck 201 — 292. 
Moltke in d T.iuk:ei 273 
Monate, abergl. Bedftis- 

tuBg 385. 
Mönche, ibra (s^Hheit 

II 172. 
Mond 332. 35(i. 3>i3. 

— im Trav-mö Osmans 
393, 

Moödeuscheiö a. Qi\ai 

384. 
Mond.{3;ü{tin, BesehiÜÄC- 

rin der Geburt IJ. 277. 
Moödlieht dorn Säug^Sliog 

— schädj.Eirut.'..ss:rr.^37. 
Mongeri, Dr. tOS. 
Monogamie. nar.U Ctinev 

Haleli.y , Ursache d. 
Prostifut.ioi) TI iPS. 
Moutfii;«, Lar'.y, üb. 
Pi-aueiibädcr ir> &ijna 
83—84. 

— und die PocK'f-n- 
itnpfunii; 2;'.?,, 

Montenegiiniacher Aber- 
glaube 24;'.. 343, 

s. Tage betreöeud 

38«. 

— Austobten üb. Bl'^- 
lepsie 180, 

— KauSSi-hiarjjJ;»? 435. 

— Tlochzeiisbiituobo 
11 109 

- Medizin 19. 

— Mittel gi-'g-. H'alslf'idcii 
1854. 

— Vampyrc .'^<U. 
.Monuin«.'ntii(p DiirhteJ- 

lu»£' <1. Mun(l-(7oitH« 

II ^ai—aaa. 



M.'.vdtmaaH, J)r.> 

(lerttscher Arzr, 109. 
BlorgöB, (!., feiab. Bexeicl)* 

ausjg f. Jungf.-aujchaft 

II rjt, 135. 
Morgrenstuude im Aber- 

glaabou 11 11. 
Morißr II 290. 
Moseliiüsäriiol, berühmte 

86. 
Müse ben Zadaka, Arat 

34. ac>. 
Moses' Augenleiden 157. 

— u.ij.Sprechfcb]er2'i2ff. 
-- Vcn-bot auf Vogel- 

geß'.hrei wi acbf on 4V!1. 

— BaniOD. jüvl. HofftVat 
39. 

Moskiiiisciier Akerjjl. tf. 
Tod betr. 283. 

— Ansiebt üb. Krat-k- 
hc-itsdäE\one 174. 

— Gebräuche h. erst 
Haai-ychaitt d. Krabcx; 
n 128. 

— Verehrung d. Wabn- 
siüiiigcn 1(53. 

Most, Dr.. liber Arauiete 

ä&9. 
,.31otebir'', ru^A. Werk 

Sb — 3ö; siehe. El'ul- 

bcrtk^it uüd ,.daH Ge- 

ecbtete'-. 
Mctedir. KaUi 68. 
Moxf.D 20li7.--250. 

Mrar.ovic, M!in<a 19; 

II 200- 2'.;'2. 29o. 3i6.. 
Muchalc-s:?6h, fftbeUwffceg 

Kraut iilO, 
Mucbsiasade. osinaa» 

(irossweöJr.jQS. 
Moderrb Nu aman, Lulire 

V. <l.. Vorbedeutaiiger» 

389 . 
Mufti. Ein Kofarzfc wird 

MiifU 46. 
Jltihling.Dr.v. dentschor 

Ax?it 109. 
MukaddasJ, arab. JNocb- 

richteu 12. 

— Hb. Talißtnune 3'}l. 
Midier. Fricdr Haua- 

vator itij d'Mitsoh. \na 
BSf/ia^enspilal iu 

. Mftl.'er, I>r. Joibf 23; 
TV 1.", 



Mumai'^tiSMie], erotisches, 

d. Serbeii II j7.'i 
M«red-Oo-tu.s n 2?.0ff. 

— — der Etiniiehfin 
II »30. 

MnBa^e«cb^.ire2g2. 223. 
Mungo-Park afrik. 

Sciiröprmethode 19.^. ■■ 
Münz, Dr. J., üb, iüd. 

Aerzte im M -A. 19. 
Müiiwii als Schutz- n, 

Heiimiticl i?*.). I80.i81 

23S. 295. 297- 304 j 

11 317. S3B. 

— Im Bad^'^vasser d. 
Neugobureueu ; II 333. 

M^uad XI. ofiisi. Saltan 
29. 86, 

— Siuäiiss d, Fxatiau 
auf jhü II Ih. 

Moj-ad IIT. 39. 100. 180. 

— s- ftr. Z&Kirwngßktaft 

li g*5!^. 

Miirad III. eiträukt 
Weiher '.vegeä Nestal- 
knl^pl'oaa XI 264—265. 

Muiad IV. 41. 42. 139. 
224. Sa"; n 82 ff. 

— 8. Liebe f. KjjRheu 
n 215. 

Murad V , Sultan 64. 65, 

17C. 
Mu33, Oeliebter Mn- 

radu iV. '214, 

— Leil-irzt Oamans IT. 

41 

„älr.ijk" beiai Coitus 
II 1Ö9. 

— e. IleilGiittel geg. 
Wa'iGsinn 101. 

Müsk, .Parfilm n »58. 
Mußkatuutsp 286. 
Hnptafa II,, 44.1-70. 171. 
MyhtaiH lil. 46. 49. 60. 
127. 138. 

— V.. d. Fmiieu n 87. 

— Verbofc d. Kleider- 
Jaxas .11 187. 

M«.«(!vfrt Itmael, Dr 67. 
Murtoiaifi \iume Il3ä3ff. 
liuUlf'.r dev (iliLubigeja 

n 2V. 

Muii^^r liorioa IB'J, 
It 5>Vl -UÖb. 

— in Ceschwöruüir»- 
foririolu 21,3. 814 



— 401 



Jfütterlicbd Äul'oiiterung: 
f. ü. Säuglinjr, bosn. 
Sage II 329.' 

Mattemal II 288. 807. 

Muttermilch II 3 1 9-329. 

Myrrhe 69; n 267. SOO. 

Äabelschnar n 307 ff. 

— als Aniiilet 11 308 ff. 
355. 

Nachfcüttrt II 307. 
Teile als Mittel, e. 

Uuttärmalz.beäeitigen 

II 307. 

— Vei'breBQaug V.Teilen 
dersribec ,am scbeiotot. 
Kinrler z.belebcn II365. 

Nachsterbeu 28 -2 ff. 402. 

— Orakel darüber 283. 
Nacht d. Diplome bei d. 

Moslems 333. 

Nacht 1001 n 210. 

Nächte, bestimmte, den 
nioslem. Frauen garan- 
tiert n 26. 29. 30. 

Nachtigall, BiUbül 97. 

— alsKraukeuspeiselOl. 
Nacktheit II 159; II 164. 

— in d, Fraueubädem 
84—86. 

— b. Amuletverfertigen 
erforderl. U 339. 

— d. Säuglings gefähr- 
lich II 322. 

Nägel d. Finger im Aber- 
glauben 294. 
— färben m. Hennah 74. 

— -färben in Per^ien 75. 
Nähen des Schleiers, 

abergl. Ansichten 399 

— e. Kleides am Leibe 
399. 

— und Impotenz II 248. 
Nahrung, erste, d. Wöch- 
nerin II 311. 

Namen , ahschreckende, 
d.Neugehöreneu II 357. 

— altserbische, f. Bräu- 
tigam u. Braut, Gatte 
u. Gattin 374. 

— f. Abortus II 270. 

— f. Ammen II 32&. 

— f. Amulete 301. 

— f. Apotheker u. Apo- 
theke 66. 

— f. Arzt 66. 

— f. Augenärzte 164. 

— f. Aussitzigel 11. 112. 



Namen f. Bad 86. 

— f. Beschwörungen 329 

— bosond. Bedeutung 
einiger 11 335. 

— serbisch, f. Besprech- 
ungen 329. 

— f. Bezaubemng II 10. 

— f. Bezoar 210. 

— f. blasenziehende 
Mittel 200. 

— f. Bleichsucht 238. 

— t. bOsen Blick 290. 
292. 

— per3.,fürBlntegell99. 

— f.Brennmethodeu202. 

— f. Chirurg. Täto- 
wierung 200, 

— f. Cholera 253-254. 

— u. Be-icichnuugen f. 
Coitus II 136. 

— f. d. coitus in anum 
n 138. 

— l'iir Droguisten 67, 

— f. Ehebruch u. Ehe- 
brecher II 137. 

— f. Epidemie 261. 

— f. Epilepsie 180. 343. 

— t Eulen 427. 

— pers. i. Fieber u. 
Typhus 198. 250. 

— südsiavischer, f. Fie- 
ber 243. 

— f. Fontanelle 201. 

— f. Gelbsucht 238. 

— f. d. Gesäsa II 141. 

— f. Gicht 224. 

— für Gonorrhöe II 245. 

— tiir Harit H 140. I41i 

— liir Hebammen II 281, 

— für Hy.'^terie 24i. 

— f. Jungfernhäutchen 
II 124. 135. 

— arabischer, f. Juiig- 
franenschaft II 124. 

— für Kampfer II 251. 

— für kinderlos II 263. 

— f. Knurren in d. Ge- 
därmen 22Ö. 

— iür Kohol 77—78. 

— für Kolik 226- 

— füj- Kopfschmerz 218. 

— d. Krankl^it«n8. 19. 

— f. KTäuter^mler67. 

— f. kitiustl. Penis u. 
künstl. Vulva U 239. 

— pers., f. Lanzette o, 
Venen 198. 



Sfern. Medizin, Aberglaube u. Geschlechtsleben iE der 



Namen f. die mäunlich. 
GaschiechtsteileXT K-8. 
140. 

— f. Massage 215-216. 

— für Ma^tii 73. 

— fiir Medikament 66. 

— u. Bezeichu. f. .Men- 
struation n 135. 

— für Molken 217. 

— für Niederknnft. 

— für Onanie II 137. 
-— lür rsderastie II 138. 

— für Pest 263. 264. 

— lür Pocken sri?. 

— f. Prostitution II 137, 

— für Rabe 423. 

— f. Räncherungeu 323 
bis 324. 

— f. Bhournatisma.? 224 
bis 22.=j, 

-^ für Rosenesseua 70. 

— für Rotlauf 238. 

— fiir Skarifikation u. 
Aderlass. 196. 

— für Schanker II 141. 

— für Schropfköpfe 199. 
200. 

— für SchwrDger^;haffc 
n 286. 

— für Skropheln 241. 

— für Sperma II 137. 

— für Syphilis II 245. 

— f. Tod u. Sterben 279. 

— für Tripper II 14i, 

— türkischer, f. Üeber- 
tragung 329. 

— für Unfruchtbarkeit 
II 262. 

— f. Vainpyre 359. 362, 

— für die weiM. ö<i- 
Kchlechtsteile 11 133. 

— f. Wöchnerin II 311. 
f. pers. u. ti5rk. Wund- 
&r7.te 193 If'. 

— für Zahnärzte 202. 

— für Zwiebf-ln oH6. 

— -Aendeningd.Ki)ide8, 
um Krunkh. z. Lanuen 
II 338. 

— -Gebuug, türkische H 
357—359. 

Nargilleh 96, 
Narkotikuui (Mandrago- 

ra) 321. 
Narrenspital, Konataati- 

ropel 100. 
Narrenwärter 139. 
Nase j. Abergl. 294. 297. 
Türkei. II. 26 



40S 



Nasenbluten 220.. 
S'&ssi, I'on Josef 40— 41. 
NassiüGchen «les Einlies 

II 33?. 
NüSärcddiü-Schab 37. 
KathauieL Ibn Dscbeoin 

Äasc.haü 35. 
Nathrab, BesprochuDg d. 

Wassers '20d> 
Nfttteriib au t,MedikaiEeut 

226. 
Naturwiaüeuschaf ten .. b. 

4 Arabern 24. 
Naiimariü, Dr. Edmund 

11 103. 
Nedaji, Dichter u. Arzt 39. 
Ncfii, Verf. cl>scön. tiirk. 

(iedk'hte IT. 184. 
Negeikass als Heilmittel 

11 :m. 
Neid der Rivalinnen ver- 

nrsariht Unfrnchtbftr- 

keit n SOb. 
Nei'i von Collegcn 29. 
Nervcrkrämpfe d. Kiuder 

2i0. 
Nerveiikiankheiteu 207. 
Nervosität 242. 
Nestelknüpfen 291. 
NaitdkttäpferinneiJ er- 

träakr II 264. 
„Neuo Freie Presse" 4. 

84. 369. 
^Nciiüs Wiener Tftgbl." 6. 

lleu^borenes, s. Bebaud- 

luug II. 332 ff. 
NeiyaLreta^ II 12. 
Neuoiann'ß Ä"iU<eu. Lit. 

Netnn.^yer, l)r, II v)5.i. 
Neumond ^idö. 'A^h 

— b«^i d. Aiba'iej:'^!! :i'"i4. 

— ti. langes llap.r H84. 
Nezid, bopu. Kraukhc it«- 

^c\?>t, V,19. 

Nichtalleiulasaen der 
WöcliiierJn u. d. Ncii- 
geboronen II .^16. 

— .bt^itrtciU.WaweriUS. 

— -firzütvlen v. liespre- 
chun[,':'^n 329. 

^pvochell b. Ent/iau- 

beruüsf SOÄ. 806, 

— - - üb. GeiKtererschei- 
uun<:. 886. 

m;i.«ch*ueu 182. ;:I4. 



Nichts verleiben n. ver- 
schenken am d. Wöcb- 
norinnc-n - Zimrae? II 
.■^15 f. 

Nidaji, Vert. «!n., t.tt?k. 
med. Mannscr. 18. 

Niederkunft II 2?i l -80ö. 

— Behandlang d. Prao 
• nach ö. II 3!0 ff. 

— 8 Tage daraa! bester 
Coitn.'. nach südsl. An- 
siüht II 200. 

~ u. Hunde 4i8. 
Nie.sen u. Abergl. 397, 
Nikolaus St. in Beschwö- 
rungsformeln 239. 
NUvva.sser -246—247. 

— Mittel s:t:g- luifi'ucht- 
barkeit 11^268. 

Nischan, Verlob augyg-c- 

scheiik li 64. 
Noah in Besehwörung«- 

iormeln 211. 
Nolde, Baron n359- 360. 

Nördairikaii. Sage über 

Eliphantiasie 241 
Notaras, letzter Gross- 

herzos- d. byzant. Bei- 

cües II 213. 
Notziicbtigimg v. Chris- 

tiuneri gestattet II 36. 
Noveaiber ;>8ö. 
NoM/ak Opalilsch, s«M- 

slav. Liebesr-aubeter 

II 4. 
Nuh Bfendi, Ital-, Rene- 
gat 44. 
Nur Banu., Snltania 

Walide II 76. 
Nus8,, d. u. Fruchtbar- 

keiEsorakel II ti. 
— ihri^ Rolle b. d. Eut- 

biJiduniC II ■■i9>*. 



<>b»-.va«f-'C'iier d. Huren j 

DJ Kairo II 1»3. 
Obscoao T«iie v. Tieren 

als Scliutzmitt-d 2i'-», ! 
übPt, gekochtes, Fest- j 

mittel 269. 1 

Obstbaum 245. \ 

-— ü. Fmcbtbarkeit i 

U 2Ö7. 
O.lalisko, drt.-*Wnrt TH7. 
OleuvüluTnnirderi^chlag 

iils Heilmittel 2ii3 



Ofenthou als Hei'jinittoi 
H 337. 

Oeif'önlliche Häuser, be- 
sonders bozciohiiet in 
S('ti;i II 190. 

Oetlentllchkeit ;l Deflc-- 
rati'.iu 11 19?.. 

Offentrar^-f^n o, f"?.nt.« 
U 164. 

Oeffaen alles Verechlosse- 
neu b. d Niederkunlt 
II 294. 

— v. Fenstt'r u Thiiron, 
x\m d. Tod hmaasMä- 
lag.sen 281. 

Ohn wachten 221. 

-- Roseuessig als Heil- 
mittel 70. 

Ohren, ^TO?se 276. 

Obreutztiriuang u. Iviu- 
der. abevgi. Ursachen 
n 337. 

Ohretisangen. .iborgl. Be- 
deutung 3ä7. 

Oiiren'^cbmalz l'iS. 

Oeliyo. •y'i.2&n; TT 2^0. 

Oelbanrft l'A'i. 
Oole, Baude! niit 6«. 
OeleißJoibungen -2S5.2?i3. 
-- Erlei'-^iteruni^ d. Ge- 
burt II 3C0. 

— - Mittel gegen PeHt265, 
Oelpre'^spr 67. ihü. 
Üleftrius 208. 
OHbanufQ 226. Til. 234. 

'269; U 300. 
"- Spsise f. iSchwaagere 

11 -287. 
Oliven gi>g. DijibteritiG 

163, 

— er.sle Nabcnn,? der 
Wöchnerin li 31 ".. 

Öliveuspeise und Oe- 
FclilecjitBiOHtlniMnng 
II 344. 

On-.av, Kauf -2'.*. 24^. 

Omer Jjtendi, L>f.ibiir«t 

41. 4{t. 

— Hale^v 71-72. 329: 
11 10, 30. 48. 151. 

nb. Beychr/cidung 

II 362 <r. 
ixb. d. bij&eu Blick 

291. 

— — jjber ä. t'oituri 
1! 193 1. 

— __ über Eun'udKa 
II 2-i4. ?527. 



403 — 



Omer Haf«by t5b. (it- j 
sehlechtskmiik/ieitey 

urd ihr« Heiluitg ! 

U 245— 'i46. j 

ihra Bekämpfung J 

II 249ff. I 

— — libf.r (i. Jungfrau 1 

ir 2()7 f. I 

iib.Ouaniö ii.2S6ff. j 

-- — üb. Pädftmstie u. j 

SotlofBiß; 8S; II 217. , 

— — Üb. Prtljüfsßiie I 
II 16. if— 2a. ' 

— — ob. Proüütttüon \ 

üb. Sch»uaiuiif%- 

Keit II 165. 

— — Üb. d. Sohia*i'eQ ^«r i 
Friaen II 200." j 

keit n 265. ' 
b. Unzacht xnlt ; 

— — üb» d, Vorgäheu ! 
b. CoituB IT 135 ff. 

— — CA, "V^/aftchuijgen ; 
u. geschieditl. Pofcena 
247. j 

-- üt). «J.Weib als Jang- i 

flau n i?.4. 
VQTf. r. „m K;ah , 

et«.-' 1. \ 

— Pascha, »iilt. Hareme- ' 
arzt 197. | 

Omra Habiba P/ofateu- 1 

gatti« II '2b. \ 

--öäiama,Prufeteng-attla : 

II 24. ; 

Onan II 235. 26Ö. 

Onanie II 20. '?'iZ. n& ff- . 

-— NArocmläfür II KiT ' 

— veihindert durch die i 
Bescliueidung II a6i, ' 

Opei-atiouen b. Entliiu- I 

dungea II yo<J. | 

— auf i\. fxaase 165. j 
Operative üelbötliilf« ia ! 

Serbiöfl 187 -i«S. I 
Opiuiö 20, 214. 226. 

ÖpiomesSftr lü. 211. ,' 

OpiwuheJm, F. W. 1»; i 

U tsTö, «98. •; 

OppoFt 330. ' 

Ordination auf d. Gibiese ' 

148. i 
~ in ApQtbek«u 68, 
~ auf Umvregfiu Ill5i>. 



Ornitein, Dr., üb. ge. 
«ohwänzie Menschen 
II 353, 

Ortsdfeinone 331. 

('siattdtti, Dr. Job, Fried- 
rich -AO. 

Osmaa's IraJUi» 395. 

(isaan II., Sultan 41. i 
3&;. 

— Kiöidcrrai^toto etc. 
11 186. ! 

Uscan III., Soltan 46. ; 

— Verbot d. Kieider- 
lusus U 187. 

— durci) Ho'ieuzerquot- 
ft(.'h«ng umgfcbraoht 
II 228. 

— (ütuiac) bin AMw- 
rahmun, Arsst IS. 

— Dr. 6«. 

„Osmani.TOht.' Post" 106. 
OÄterfiint'c in ü Grabes« 

!( »pelle, seine Keilsam- 
keit 205. 

— -Storo)i j-tati ÜAiex- 
Kasu 431. 

„Oeeterr. Med. Wüclien* 
scbrift". Rcprod, Jier- 
uard!S<;b(^r Berichte 11. 

„Oestetr. M!»nntsächfift 
.f. d. Ovient** 10. 13. ! 
23. 215. ÄH6; II ISO, I 

Spital 31» Konstan- i 

tiöopel 62. lOo. { 

-^ ii) Smyma lll. 

— Aerzte in d. Türkei ! 
273. I 

— Siehe Wiener Acrzte j 
Otf Eddin, Patroo der i 

Parfumeure 71. I 

Ovid, boor Eunuchen ' 

II 2S6. ) 

— üb. K.ü.s»en b. Coitos i 
n 198. ' 

•— üb. d. Vorgehea b. ' 

Coitus n las. • 

— SpTüchlcäu betr. d. j 
Erkenuungsaeicben d. \ 
DiraetreioDsü dci Ge- 
scblecbtsteile 202. { 

Ozraöl (To<l*}e(engcl) 30ö. ' 

Fd.acra'tJQ 4U5; II. 20. ! 

sii. 210, ; 

— \u den Büdecu dB. | 

— Kutbeddiii, Jlofarxt u. , 

— N^mon dafür U 138. j 



Falägtina Thernien Sl ff. 

— Viil Tobkr. 

— Ah«rgl. 345. 

-- biä. Bück 298. 
-- Äiaulfcto 309 fC 

— (icbräuibe 167. iJOlff. 

— iiiäuchei ungen 323 ff. 
iS(hut>-,mittel geg. 

b!js. Bb;;k <i03fT! 
PalgTivt, W. G. 20. 
Palineu, Syrabole cj. penia 

II 177. 371. 
Paii-'chir 217. 
Pantoffel ab! Scbutz- 

mitlel 418. 
Geldd.IIweiupdamen 

11 810. Ö4. 
Pardo, Dr. 20. 6:>. 

— üb. kfiiniu. Ahortoi; 
iu KoustiUJtinop«! 
II z7Z. 

— iib. d. Kebamitten in 
Koüsuntinop^jl 112)i<0. 

Partuweiire 67. 
Parfüms u. üoitus Tl ; 

II lt)7. 2öüS. 
Pattiiüiiios,, Patriarch 

II 36 ff. 
Pitt-pati. Alex. G,, grie^ 

cbiscjier Atzt 80. 
Pastilles de Serail II 253. 
Patenschaft, b. d, Moa- 

ieros ia iiogaiert 

ir S57. 

Patlidscbau als penis 

II 242. 
Pechiaube 241. 
Peclipflasler »8, 
Peizivrerk , Luxus 7i. 

Pcoia il 202 fF. 

— u. bitser Blick 2»0. 

— weg. ihr. Dimea- 
Hiouea bcrühiBte XI 209. 
- ktjnsllicbor 11 238 ff. 

— Naiuö!) daiUr tl 138 
bi» 140. 

— Ofteutrageii xmiVer- 
büUiuig II 164. 

— ScbmifcfeQ de» II 192 
bijs 19.3. 

— aiymboUsiert diucb 
jSpeerp II 177- 

— uad böser Zauber 
II 164. 

Perichan, Fi'Mi Ipachir- 
pascba'/s, verg6waUig;t 
II 9i. 



" 404 



Perle, ihre Heilkraft 

236, 
Pftrsien 24. 

— Defloration eines Mäd- 
chens n ;l70. 

— Enrittcheu ia EL 225 
bis 226. 

-• Kechte d. Sklavin m 

11 33. 
Persische Abcrtiynnttel 

n 271. 

— Aberglaube betr. Vor- 
bedeutuneen 296. 

— Allbeilmittel 207. 
Persischer Gebrauch der 

Entfermiug d. Scham- 
haaxe II 131. 

— Färbe- n. Schößheitg- 
miltel 75 £ 

— Frähjabrfikur 2^7. 

— Gftbräßche, Dr. Po- 
iak's Buch 6. 

— Gesetze gegen Ehe- 
bvBch 11 49. 

— Glücks- u. ÜP.gl&cks- 
tage 376. 

— Liebes- u, Fruchtbar- 
keitsorakel U 8. 

— Mas9£,5:;e 216. 

— Mittel" gegen Fieber 
250. 

— Mietehen n 22. 

— Mittel a. Erleichter- 
ung d. G«burt n 297. 

— Polycrajoie, II 17. 

— Volkfeciftdizin 2*8. 

— Wuudheilknnit 192 
bis 19^. 

Perversitäten, s Un- 
zucht, Päderastie, So- 
domie, Emmcheu, Ona- 
nie etc. 

Peskir, bosn.Schatemittel 
297. 

Pest 10. 263 ff. 385. 

— Abei'gl. Anzeichen ihr. 
Erschein an« 424. 

— Bfizoar SAhntzmittel 
210. 

^ Herbeiüanbcniiig 330. 
■66 \. 

— Hunde deren Erz- 
feinde 417. 

~ u. Milane 421. 

— Ruta, ein Mittel da- 
gegen IX 300. 

— n. Sftbbat ne<). 

— u. Samum 340. 



Pest, die syrische 5. 

— vorausgeahnt v. der 
Schlange 433. 

— Dr. B. Beck üb. e. Epi- 
demie in Mesopota- 
mjea 4. 

— die Hiiren angeklagt 
al? IJrsacb»a d. Pest 
in Ewo n 183, 

— Qaeüea-An^aben 20. 
Pestärzte 27 0,^' 
Pefithran und Pest- 

ech^vfesterii 2 64 ff. 
Pestspital in Smyrna 
110, 

— u. d. Waschungen d. 
Mosloms 247, 

Pea i 2an her d iixch Frauea- 

Biiich 11 329. 
Peter d Gr. öeset« geg. 

Ünzacht II 219. 
Perroienni als ein iiinerl. 

Medikament 230. 
Pelrowit'sch 20. 
Pfeöer 209. 257. 

— roter, als Sch^itsmittel 
297. 

Mittel gb^. Tri^^er 

II 246. 
Pfeffermünze 256. 
Pferd, daß 420. 
Pfiaster z. Veiatätk. d. 

GebnnsAvehen II SOO. 
Pflichten^ eheJ,, Strafe 

f. ihre^ Venaadhlägsig. 

n 53.- 

— d. moslamJBchen Ehe- 
leute IX 2Sff. 

Pforte der öes^pidheit, 

Dar et g<-riaa&^ pere. 

Name t Spital 100 
Pharraaaie €6—70. 
Piedioa", Totoßfessd t. 

Lieteä»ai]i)enmttel28l 
Picron, H. 390- 
Pipko., Julius 340 ff.- 864, 

88«, 
Pistäzienwaiidelu, Pe«t- 

niittel 269, 

Pitzipios Boy, .T. S, SO, 

— Abortus in Konstant. 

n 271. 

Plato, ira Orient «tls Arzt 

verehrt'82. 
PHoioa »4. 293. 

— üb. d. MtnetruireüMie 
II 146 ff. 



Pliniirs tiboif Stiwmi 

(Kohd) 79. 
Plcsä "Bartels 9. 4865 

160. 177. 802. 827. 
Pock?iii 20. 251. 

— in Kore^ 161 -r- 162,. 

— Heilung Sult. Mo- 
baTßirted8 40. 

Pöiak, Dt. J. K M5. 
210. 216. -218. 227. 
233. 289. 2'^3. 29Ö; 
II 8, 15. 22. 73. 118. 
128. 13-1. 143. 271, 
2-7.^. 326. 'Ji29. 

— „Per»ien, Land, und 
Le'.i!te'' 6. 

—Ue{>er Bäder in Persien 
12. 

— Über Beschnöidung in 
Persden 31 SS5. 

— übfer Biuiieatiäsb. in 
Persien 198 ff. 

— ilbar DeÄcftation in 
Persien II 170. 

— •aber Eunu'Then in 
Peisien II 225. 

~ enrop. Fseadöärzte in 
Perti^ 136. 

— jßid. Aerate im >«Qt 
P«*ideti 87. 

— Päderastie bei den 
Poraern 88. 

— Sber pers. Kosmetik 
75 ff.' 

— über PuiafüiilBn I8i. 

— ^ker Talismane in 
Pei-sien 301. 

— ober pere. Wusd&nste 
192—198. 

PoÜBei, med. d. Ajaber, 

10. 
Pclizeigesetze, aTal>.,be^ 

treffend die Frisenre 

n 128 

Pölliitionen U 288. 
Poll/^geiöter 357. 
Polygamie H 15 ff. 

— der arabischen Jnden 
n 110. 

Pope im Aberglauben 
395. 

— als So*Wni8tfl(B be- 
lüchtägt n 209. 

— Sodontie mit Stat«a 
n 220. 

PopoTitzscb, Spitalarzt 
öl. 



405 



Foppäa, ihr Geheimnis 

der Verengerung »ler 

Vulva n 204. 
PorzcUau-Bod (Tachiidli- 

Hammaiii) in Konetau- 

tiuopel 83. 
Potenz, Menstmaiblut, 

Mittel z. ibjer Stärk- 

nug n 148. 

— äiittei z. Hebung d. 
sexuell 227. 

zur Wiedei'gewiu- 

nuug 'i3b. 

Poyet, <L Aussätzigiai ia 
Jerusalem 10, 

Prachtkleid Sultau Ibra- 
hims II 93. 

Preise für die Frauen 

n iisfi: 

— f, Sklavinnen n 16. 
Pxeuasische Phanuakopöe 

67. 
Praxi, Eob. 20. 
Priester im Aberglauben 

398. 

— als Aerzte 142. 148. 
174 ff. 235. ♦i37ff. 286; 
II 245. Ü68. 271. 

— als Ileilküustler 148. 
Priesterbesuche, böseVor- 

bedeutuug 22. 
Priuzengeburt g'efeiert 

II 345. 
Prinzessingeburt gefeiert 

II H46. 
Prinzessin als Frau II 73. 
Promovirung vürk. A erzte 

in Wien 58—59. 
Prostitution II 244 bis 

245. 

— b. d. Beduinen unbe- 
kannt II 188. 

— Namen dafür II 137. 

— öffentliche II 180 bis 
191. 

— Sultan Soloimans Un- 
zucht-Gesetze 5, 10. 

Prostituirte, ihr Scham- 
gefühl, d. Entschleier- 
ung betr. II 162. I 

— -Quartiere ia d. ori- 
entai. Lättdöru II 190. j 

Pruner 20. i 

PiUsfühien 131. 132; 
II 159, I 

— ia Korea 158. j 
•— Schrift d. Arztes Is- | 

raiii 34. I 



Pulver V. Menschen- u. 

Tierkuocben 209. 
Pythagoraa, im Orient 

als Arzt vorehrt S2. 

C^agraatäne 16. 22. 269. 
261. 

— Anstalten in Son- 
stantinopel 62. 

Quecksilber, Anvyendung 
in Gepchlechtskrank- 
heitea n 245. 246. 

Quecksiibcrregcu 352. 

Qoedent'eldt 6. 74. 166. 
209. 220. 305. 406;. 
II S51. 279. 

— über Hargus 76. 
Quelle und Brunnen in 

Brauch u. Aberglauben 
n 105. 107. 296. 

„Quetschnng" d. Kranken 
durch d. Teufel 174. 

Quitte 226. 

JBabbinische Ueher- 
lieferungv.d. Schlange 
435, 

Eaben, ihre böae Be- 
deutung 423 fil 

Kabenartiges Krähen d. 
Hähne 423 ff. 429. 

Radloif 21. 

Eudwanner, Dr. J. 21. 

Raüel der Engel als 
Wunder arzt 167. 

Kafaelowitscb, Dr. 21. 
62. 

— üb. d. Aussätzigen in 
Jerasalem 114. 

— über Päderastie in 
Stambul n 218. 

— über Spitäler 100. 
Ra^hab-Fest, das II 176. 
Hajahs als Aerzte 51. 
Eajasich, ßuch üb. Süd- 

slaven 22. 
Bambam (Maiuionides) 

35. 
Rasch, Gust., „d. TLlrken 

in Europa" 22. 
Rasieren d. Augcnbraaen 

76. 

— d. Kopk* 13 127 fi" 

— der Schamhaare j 

II 131. i 

— am Mittwoch 378, i 



Rasije, eiufludsreicheFraa 

n 77 t. 
Rastik, Augenschminke 

80. 
Ratte, Name für Penis 

II 139, 140. 
Rauch 234. 

— Mittel gegen Grippe 
220. 

— Mittel gegen Ohn- 
mächten 221. 

Rauchen 96. 
ßäucherungen 207. 209. 

239. 250. 265. 322 fl. 

i35. 346; II 295. 300. 

— bei der Entbindung 
11 296. 

— als Deslnfckt.-Mittel 
265. 270. 

Raucherwerk, Handel mit 

öa 

Rebia GUlnüsch, Xreten- 
serin 98 ff. 

Rechte d. moslem. Ehe- 
leute II 29 ff. 

— besond. d. erst. Gat- 
tin II 29. 

EegsDwasöer 246. 
Regenwurm, chinesisches 

Mittel geg. Diphteritis 

163. 
Regenwürmerpulver 160. 
Regia, Paul de 7. 164. 

— üb. Prostitution in 
Algier II 189—190. 

„Reiber des Bades" (Fla^- 
nellhandschuh) 256 bis 
257. 

„Reichs wehr" (Wien) 
über boßu. Aberglauben 
10. 

Reife, v. d. Begiim des 
Sprossens der Scham« 
haare datiert II 131. 

— und MoüBtruatiou 
II 143 ff. 

Reifen, s, Rolle b. Ent- 
bindungen II 288. 295. 

Reigeniieder d. Südslaven 
JI 174 ff. 

Reiaicke 22. 

RöiaigUDg V. ÄToscheeu 
mit Kosen wasser 70 

Efetidichkeit, Begriff d. 
orieutaiiscliea Sl. 96. 

— der Moslems b. Ssseu 
4'"0 



406 



E^insberg - Düringsfeld 

22. 
Eeiii wald, Dt. ans Wien. 

G-2. 
„Ke's" (Vorsteher) der 

Aerzte 30. 
Heis, Symbol d. Pmcht- 

barkcit II !04. 
He^tJec. Montat'^ ffün- 

stig-it. Tag f. :(7f. 

— Uiiglückstaga datür 
37S. 

Eeneiraton , vücktjkllige 
als Wabnsirijiige er- 
klärt, mi. 102. 

— Verheiratung m. os- 
man. Priiizops'uiieü 

n 68. 

— Vixl Nim Eltudi 46, 
lieng-Pa^ta 7.5— 7G. j 
Eei><.lii'l-Pa6cl!a, üb. 8y- i 

philiä II 244. I 

Rfciie schützt Vi:v Strafe { 

f. VorgeliOD geg-. dirt | 

.SitUi«-hkPit II 238. i 

Keumout, Alfred 24-. j 

Kezepte, latoiijisch. ita- 

lieiÜRch 67. 
Rhabarbej 22d. 2 :D. 230. 
EUaaeP II SOO- :J01, 
Rbasi, arab. Arzt lil. 
Eiicuinatisniufc 22'. 

— V. d. Schwefelbäder 
V. Tibt:ria3 05. 

— in McüopotainJeu 98. 

— u, Gicht, (geheilt in 
inG>'op. Bädcru üö. ^8. 

Richter iJ-2, 

Fvichterliclie Erlaubuia i. 

Operatiüuou 184 bis 

185. 
i. Steinoporationeu 

195. 
.RicJHUsöi 228. 229. 

— als Beleuchtur-ge- 
iDittel 2V9. 

EicsPiiboiiorare arab. 

Aeixte ! 56— 156. 
Bigier, Prof. Dr. L. 5. 

59 — C2. P5. 193. 197. 

22r,. 230. 2S2, 241; 

■Vi. 144, 24t. 2.58. 270'. 

•J92. 800. 

— ..Die TOrkfii u. d. Be- 
"Wdhner efc." 5. 

— üh. Abortus bervor- 
nifeude Mittel 11269. 



Rigler. Prof. Dr. L., üb, 
KaBtrations - Ope- 
fationen II 228. 

— üb. Maria Dudu 151 
bis 153 

— Üb. e. Steinoperation 
t©4. 

— über Nut«en v. Talis- 
manen 299. 

Ring des Saloroo 311. 

Riqne, C. üb. arab. Me- 
dizin 22. 

Robert, Bericht über 
Albanien 143. 

Roberts, Lord, Glaube 
an d. Kraft v. Talis- 
manen 299. 

Robiuson 92, 93; 11279, 

Rochbolz Al7it. 

Rohlffi. Oerhard 107, 

Rohr im Aber<rlauben 
II 339. 

RjJhrenwasser, Scheu d. 
Türken vor 2ja. 

Roscllini 77. 

Rosen 22. 

Rosenes3eii7. 70—71, 

Rosenfeld, Diony.? 108if. 

Rostnkonfekt 207. 

Rosenöl 224. 

Rosenvrasser 207. 969 
842. 

— -Bereitung ö9 — 70. 

— -Erzeuger 67. 

— -Verkäufer 139. 

Rosen zucker, Heilmittel 
70, 

Roser, deutscher Konsul 
II 295. 

Rosinen 269. 

Roteisenstein 77. 

Rotes V/a.sssr. Medika- 
ment 151. 

Roth, Job. A!. S. J. 22. 

Rotlauf 240. 

Rotlauf stein 2.38. 

Rothschild, Baron Salo- 

moii ni. 
Rothschildspitai in .Jeru- 

saiem 11 S. 
Roxdane 11 17. 38 ff. 76. 
Rövle 22. 
Rüben, rohe geg. I'iph- 

tcritiH 163, 
Rucha, görtl. Gebarts- 

bclferin li 27 
Rudeck, Dr. W, It 164. 



Rüdiger, Ferd. im Aus- 

agtzijreiippital »n .Teru- 

salem llC 
Rwhetage, Ihrt Eütheili- 

gnasr d. Kravikheiteu 

gestraft 380. 
RuEsäniscbeF-AbeiTlaube 

343. 344. 
ä. Tod betr. 394 ff. 

— Bebandl. d Wabn- 
.siunigeu 168 — 169. 

— GobTirtsgehr. verg!, 
Prexi 

— (ilücks- 11. Ungiücks- 
tage 371». 380. " 

— Hansfcblaiigc-'^ 435. 

— Hexen- A^bergi. 3i)l ff. 

— Hochizeits- u, Toten- 
gebräucha, vgl. E!aohs. 

-- Hochuaitslied.II 106. 

— Kraukheitvgeii^i'iT 

35G ff. 

— LieheHovakellt 12. 13. 

— Liebesxauberniifreill 
5 f, 

— Quälgeister, vgl. Vam- 
pyre. 

— Sitten y, Oebr. 2:i, 

— Totenbräücho 280 bis 
281. 

— Vgl. Prex), 
Rttadgr'haü f. (ieographia 

n, Statistik 23J. 
Russegicer, .'oseph, üb. d. 

Türkei 22. 
Ruasel l „Natnrgescuichte 

V. Aleppo" 78. 
R'as.'^inaeu ais Sr.itaaä- 

Günstlioginuenll 74ff. 

71* fi. 87. 
Russisch. Scblangensalbs 

433, 

— Spitäler ia Jerusalem 
ii3. 

— Spitedi.Paukaldi 1C5. 

— •■ "reufeliiansf rei bungen 

179. 
.Ruta II 300.' 



Saad-Abdaulla, jöd. Arzt 

36. 
SaaJsbi 5. 249. 
Sabäer (Subba) Tot<>n. 

brauche 285. 
Sfibcl,, uD> d. Kind zu 

locken (bei schweren 

Eutbi.üdnnge!i) II 299 



— 407 — 



Sab... Ibu ßaiil aral. 

Sac/ 13. 

Sftdi 31. 

S*fii&a R. Färt'oaiJttei 80. 

S&üa, Propheteagüttiü II 

24. 
Sufraa - SSuciieruag zu 

E).u"ej; (*. Geburtsgilttiu 

äasfsj) (Pe.»«age«i; 243 f. 
Sa^orJ, Hejjr»)ii derührat. 

albau. Wu^iliivzte löö, 
Saluci el (jl^insi, amb. 

Aiai; iJt. 
Said VFohamaied 46. 
ÖRirtktxis, £)r. 8. 808; 

Ü 278. 2&<>. 31'2. Si.o. 

SsJn.'ib Z*fiö. Prcfetec- 
gfittJunen 11 S4, 

Saiheif, iiaiidei mit 68. 

Salep Sä. 234. 2S6. 

SaJkOAViski , KohcJ und 
Baätik 80. 

Sftlor«Kt, Beiten-gcher der 

— ja 'S}, Bescbwöruiigs- 

— u, (i. 3)äiaüusÄ all if. 
Sft?. 

öaloüiiki, Hjgion, Ver- 
hÄitüiiäHe 2L 

— Spi'äl no. 

■Sali; -i4.i. 257. Sa4. 

— vu Aiverul. II 6. S8§. 
- &.ls Sf^butzmiUei "-"iJS. 

— Sprängen d. Eibviute 
dftmir, am ü. Sutbin- 

H aoi. 
Saiä^rubsxi 95.. 
S*c>«i. EeasidiDUEge» f. 

Saianel Sciialana, jtiö. 

Äüst 40. 
S«Hii«ni Büd Pe^t 840. 
S&ppho <I. tärk. n 238. 
SftrdikK. bisbe SoSst.. 
Sarsaparille 227. 229. 



SatiOT-.irepo- Formel M. 

2ir>. 
Saoila, Profeteagattia 21 

«ä. 30. 
SaueykWfciitfas« «. Fmcbt- 

barkeit .fl 265. 
Sa«ertei»r, Symbol der 

Fruchtbarkfet IT S6fi. 
Sausten iet MuiLeypfiiebt 

n sts. 

ääagliüg s. Uittterinilüb 

u. Amcaeu. 
Sftrtslein, Dr. Af2t 109. 
Scbaabdü, Arzt 414. 45. 
Scbwii Hekim , Arzt 

Eijeüida IT Z%. 
Sehacimasa Eieuü, 

W'uiiiiiMt itt Yildiü 

Schach KasöreiUlin, Geg- 
ii8r 4- Blutourzüibunc; 
198. 

Schachsawar, Rössir. II 
87. 

Sclsätieiform d. Türk. t4. 

SelaakJr Jinsseia Dr. 67. 

öcbamaaectiiTo 21. 

Schamgemhi H i52 fif, 

— d. .N^euvennähltea IT 
193. 194. 

— d, Perserin '200. 

— Verlet.'iung desselben 
Btiafbar II 6a. 

— verscLied. AcffassUKg 
207. 

— u. Coitu3 II l&ö. 
Schamhaare , ihre Ent- 

haaruMg II 13»— 132. 

— ihr Sttros.sea e. Zeichen 
d, Eeife II i43, 

— -Teile, EntblösuuEg 
T erbot eu li V'A. 

— iai oft. Baue z. ver- 
liUUeu 8cv. 

— ihr ^iiischaueu m be- 
Rtinimtoü iräilen voia 
xuosieni. Geseta ge- 
stattet IX 49. 

Schsade d. Sinderlosjjg-- 
keit 261 .f. 2ö5. 

Sehanker darch Soüoraie 
kuriert 11 2äCi. 

— Namea daflir 11 IV.. 
Sobüttea, abergi. Puicht 

vor 382. 

SchatEfuQd 399. 

Schaul<eletulii als Gebär- 
stuhl I.I 303. 



■Scheich d. heisieodcuD«?'^ 
■»180*16 dfi Wijad«r- 
arat 206. 

Sd^äüehi, PseudoBVia des 
SlÄAn '28. 29. 

Schejduüg n 40 ff. 

— erHe im 1.^Iimr If 24. 

— lujpotfcaz GniTi'i e, 
n 248. 

— u. lapoteiia 11 32. 
Scheintoten- iät«veckang, 

•. d. Küittü 280. 

— Siwder, Mittol /. B*- 
lebuajf n 'Abb. 

Scboitaatik, Verguügeu 

ß7. 
Schar öort 66. 
Schere, rostige, fr. Opcra- 

tiouMaeiser IX 306. 
Scberaer, Dr. Cavl v. 22. 

ill. 
Schicküalsfrtiuleind Süd» 

siaveu .-J'-i— 37S; der 

Albttnesaa Ä73- .S74. 
SchiebkarreD ii>iicheß,8er- 

biache Coitus-An": 11 

Schledarichter in Schei- 
duiigeangelegh. fl 40. 

Schieieu d. üludcsll Ä88. 

SchieaeaveTbande büi d. 
Serben 19ö; bei den 

Schiesäen, um d. Gebart 
a. evieJchiem XI 256. 
299. 

Schiesispulver in Brannt- 
wein 209. 

Schiessrulversdbea 24^ 

Schitaj), Arzt 44—45, 

Sf.'hijßer. Ben) Wolf IS 

.344. 
gcbJkefctebaend per». Chi- 

rurgeu li»~. 
Sckildkrütenschaka als 

Aniulet obb, 
Schiic ael, d., als gbur is- 

helfer 11 299. 
gchiiapnvort, türk.. luf 

Leute, d. Esslinae?} g«- 

braii(t>o.D, pnge'vstidirt 

n 220. sai, 

SchiniptVorte, ordiji'ii'sis 

II i3v\ 
Schiüksn 31 
8'u>lafeii u. ScMaüOisig- 

keii 148. -320. 2Sy. 



408 



Schl9ge T. Geistern 335. 
S Sti ff. ^44. 
Schlagüii als Krankheits- 
ursache 180. 
Schliigende Krankheits- 
' geistcv 2.54. 343. 
Schlagen d. Geliebten 19. 

— a. Frauen II 199 bis 
200. 

— d. Frauen aus Ver- 
achtung II 109. 

— auf d, Kreuz d. Ge- 
b.ärenden II 295. 

Schlange 339. 350. 

— Amnlet, serbisches 

— Begegnung d. Schwan- 
geren m. e. II 288. 

— Bezeichnung f. Penis 
II 140. 

— u. Erotik 435—437. 

— u. Geschlechtsbestim- 
mung II :54;:iff. 

— u. Niederkunft j^ 295. 

— u. P.-,st 2(57. 

— u. Rotlauf 238. 

— n. Schlangenkultua 
'-'. 4ol— 437. 

— u. Weib II 322. 

— ■ nmschreibeuder Name 
11 350. 
- ah'.T\>.ppenzeichen 43. 

Scltlar.sfenbeschwürer n. 
Ar^c 41. 

Schiäjigenbiese (Jilan- 
hoinoH) ICO. 211. 

--- köieaniachet! Mittel 
dagegen 161. 

Sclil^.uiieuhaut, Mittel 
geg. Diphterie 434. 

Schiangenhoru 211. 

Schlangen u. Halsweh 
iäai. 

Sclilecbta -Wssehrd 48. 
333. 

Schltchtendal 317. 

Schlehdorn 367. 

„Schlcsisclie Zeitung" 11. 

SohlJessou V. Thüren u 
Fenstern, um d. Köck- 
kehr d. Toten zu ver- 
hindorn 283. 

Schloss, V. d, Schwange- 
ven getragen n 289. 

"- z. Verliindem d. Kon- 
zeption II 269. 

Schlucken, abergl. Be- 
deutung 39IÖ^ 



Schlüssel, um d. Kind a. 
d. toten Mutterleib zu 
locken II 306. 

Schmach d. a'jgeschnitt. 
Bartes II 129. 

Schmetterling als Krank- 
heitsgeist 357. 431. 

Schmidt, Dr. Bernhard 
ä63. 

— Griech. Volksleben 23. 

— üb. Vamp.vre 360. 

— Dr. Rieh., üebersetzer 
d. „Kamaautram" 8. 
424; II 6tf. 

Schmieron d. penis 

II 192—293. 
Schnecken al» Medika> 

nient 161. 

— zerstossene, als Anti- 
fiebermittel 246. 

Schneider, üb. d. Aus- 
sätzigen V. Jerusalem 
114. 

Schnitt auf d. Schwelle, 
böse Folgen n 288. 

Schnupfen, abergl. Ur- 
sache 401.'" 

Schnurrbarte der Frauen 

n 127. 

Schofarblasen, ura die 
Geburt zu erleichtern 
n 300. 

Schönheit d. Frauen v. 
Es Sychne 91. 

Schönheitsmittel 72—80. 

— siehe Kosmetik. 
Schoss, Coitus auf dem 

II 208. 

— Geburten auf dem 
n 303 ff. 

Schreck, Erkrankungen 

durch 213. 214. 
Schreien d. Braut bei 

d. Defloration n 117. 

122. 
Schröpfen 129. 196. 

— des Neugeborenen 
II 33?5. 

Schröpfhom in Persien 

199—200. 
Schröpfmittel 140. 
Schtrighea (Schtriku) 

277. 
Schubert, Hausvater d. 

dcutschenAusgätzigen- 

spitals z. Jeroa^m 

114. 119. 
Schücking, Dr. Adrian 23. 



Schuhe im .Ujergl. II 896. 

— im Abergl. bei d. 
Niederkunft H 294. 

— im mediz. Aber- 
glauben 244. 

— de» Ehemannes, ihre 
Rolle b. d. Entbindung 

11 294—299. 311. 

Schukrullah, Hofarzt Mo- 
hammeds II. 29—30. 

Schule d. Arzneiknnde 
in Konstant. 47. 

Schulen der Medizin 6. 

— f. Medizin, Moham- 
raedijo 191. 

— mediz. in Damaskus 
14, 111. 

Schürfa (Schurafa), Zau- 
berävztc 14:3. 

Schürhaken bei Be- 
schwörungen 2 ''9. 

Schuster u. Volksarzt 
2:^2. 

Schütteln d. Entbundenen 
II 807. 

— der Gebärendou 
II 30t, 302. 

— der Kranken 188. 

— der Schwangeren 
n -290. 

Schutz d, Kindes vor 
üblen Einäüssen auf 
8. Gesundheit 11 3S7f. 

— d. Wöchnerin II 812. 
Schutzmittel (Pest) 269. 

— gegeu Vampyre 366 
bis 36^. 

— gegen Zaubär 385. 
Sobuuri, Arzt u. Gelehrter 

43. 
SoLwächliche Kinder, 

Mittel zur Stärk